Das plötzlich aufkommende Brennen in seinem linken Unterschenkel erfüllte den kaputten Körper des Redguards nicht mehr mit neuer Kraft, Wut oder Hass, sondern mit Schmerz. Sein Rausch war abgeklungen und er mit Wunden und Blut übersäht. Wieso konnten sie seinen Willen einfach nicht akzeptieren? Wenn er schon nicht in den Wüstenlanden sterben durfte, dann wenigstens auf den Weg dorthin. Doch sie ließ nicht von ihm ab und kam ihm zum wiederholten Male in die Quere.
Röchelnd unterdrückte er das Verlangen zu schreien, um damit zumindest zeitweise all den Schmerz aus seinem Körper zu verbannen. Den Hustreiz jedoch konnte er nicht bezwingen. Unmengen an Blut verließen seinen Mund und verteilten sich auf dem grünen Gras. Es war befreiend und zugleich schmerzte es. Beim wiederholten Keuchanfall übergab er sich zeitgleich und es vermischten sich Magensäure und Blut, ehe sie ans Äußere traten.
Er wünschte sich insgeheim, das ihn jemand von dem Elend befreite und ihm den Tod schenkte...doch nicht die Mischlingsfrau. Nein, eher würde er sich sein Leben selbst nehmen, als von ihr in diesem Zustand enthauptet zu werden. Würden die Götter dieser Lande ihn in ihr Herz schließen und sein Herz zu neuer Kraft verleiten, so würde er sich einen Schwur aufbinden. Einen Schwur sie zu jagen, wo auch immer sie war und sie durch seine Klinge niederzustrecken. Doch meinte er ihren Worten Glauben schenken zu können, wodurch seine Jagd eine kurze sein würde.
Aber all das war nichts weiter als leere Träumerei, wie so vieles in seinem Leben. Er hatte sich in seinen Rausch verloren und würde nun auch sein Leben verlieren, würde er seinen Wahnsinn nicht endlich beenden und wieder in die Realität zurückkehren. Er wagte es nur ungern, sah sie doch kein bisschen rosig aus, allerdings wollte er wenigstens versuchen sein Leben zu retten, wenn er schon nicht den Tod bekam, den er sich all die Zeit gewünscht hatte.
Mühselig beugte er sich nach vorn und zog, unter den Schmerzen zuckend, das Metall aus seinem Fleisch. Es war eine merkwürdige Waffe...beinahe genau so merkwürdig wie die Elfenfrau selbst. Er hätte die Klingen ihr am liebsten in ihr Herz gerammt, doch wollte er nun nicht auch noch seine Ehre weiterhin beschmutzen indem er einen wehrlosen Gegner exekutierte...erst recht nicht wenn sich nichts daraus erübrigte.
Die Halbelfe starrte ins Leere. Vielleicht hatte sie auch ihre Augen geschlossen. So gut konnten seine trüb gewordenen Augen nicht mehr unterscheiden. Er konnte nicht sagen ob sie tot oder bewusstlos war. Vielleicht war sie ja auch wach und wollte ihn in die Irre führen, um ihn wenig später von hinten den Todesstoß zu versetzen. Ja, sie war der Typ dazu.
Zitternd richtete er sich in eine aufrechte Position auf, entledigte der Streunerin einer ihrer Klauenarmschienen und Schnitt sein zerfranstes Hemd auseinander. Sie rührte sich immer noch nicht.
Notdürftig versuchte er seine Wunden an beiden seiner Arme und an seinem Rücken zu verbinden. Seine Wunde am Bein verarztete er mit einem Fetzen seiner braunen Stoffhose. Glücklicherweise ließ sich der Stoff sehr gut schneiden. So sollte er den Blutstrom zumindest ein wenig abschwächen. Denn wenn ihn sein Herz nicht im Stich ließ, dann würde er wohl höchstwahrscheinlich verbluten. Realistisch gesehen waren seine Chancen auf ein Überleben sehr gering. Er benötigte also schnellstmöglich die Heilkräfte der Tempelpriester oder der Kult Anhänger. Die nahegelegenste Kultstätte befand sich innerhalb der Pelagiad Festung. Doch war er keineswegs scharf darauf ins Gefängnis zu landen, auch wenn ihn Percius womöglich eine abgemilderte Strafe verschaffen konnte. Das Imperium war dafür bekannt nicht gerade nachsichtig mit denen zu sein, die ihresgleichen töten. Ein Tempel wäre somit seine erste Wahl, auch wenn er dort nicht zwangsläufig ein gern gesehener Gast war. Allerdings befand sich der nächste Tempel in Balmora und das war eindeutig zu weit für seine verkrampften Beine.
Seufzend sank er auf die Knie. Der Aufprall seiner Wunde auf den Boden trieb ihm zusätzlich zu seinen andauernden Schmerz einen Schauer durch den ganzen Leib. Hätte er gewusst, welche Auswirkungen der Rausch auf seinen Körper haben konnte...er hätte sich ihm nicht derart bereitwillig hergegeben. Es war als würde sein Körper langsam in all seine Einzelteile zerfallen. Er hatte nicht einmal mehr die Kraft, geschweige denn den Willen, zu weinen, wenngleich es seinen Schmerz lindern würde. So war er selbst mit seinem wiedererlangten Verstand zum Tode verurteilt. Er konnte sich letztlich doch nicht retten...
Während er die letzten Sekunden und Minuten seines Lebens hinabzählte, betrachtete er die Mischlingsfrau. Zwar hatte sie die Ohren eines Menschens, doch waren ihre elfischen Züge unschwer zu erkennen, auch wenn er ihr ein paar markante Kennzeichen vorläufig aus ihrem Gesicht geprügelt hatte. Er musste bei dem Gedanken grinsen, ja gar lachen. Doch hielt seine kurzweilige Freude nicht lange an, schoss doch ein neuer Schwall aus Blut seiner Kehle hinauf und brachte ihn zum Schweigen.
"Es waren letztendlich doch nichts weiter als leere Worte...ihre Elfen seid doch alle gleich...ihr könnt nicht mehr als große Reden schwingen."
Verachtend spuckte er einige Meter neben ihn zu Boden und wünschte sich einen Zweikampf mit ihr herbei. Er konnte nicht anders, als andauernd zu Wünschen. Was blieb ihm auch anderes übrig, wenn er selbst zu nichts im Stande war. Sein Blutkreislauf fing nun auch endlich an zu schwanken und „beglückte“ ihn mit Schwindelanfällen. Ihm war schlecht und er hatte Schwierigkeiten sich einigermaßen auf den Knien zu halten. Seine Körpertemperatur sackte stetig in die Tiefe. Es war als ob sein Blut aus den unteren Bereichen seines Körpers schwand und sich in der Mitte zusammenzog um seinem Herzen zumindest noch eine Weile das Schlagen zu ermöglichen. Schwer atmend sackte er schlussendlich zu Boden, während sein Gleichgewichtsorgan verrückt spielte.
Er versuchte sich auf die Elfenfrau zu konzentrieren, um sich der Übelkeit zu entledigen. Erst jetzt fiel ihm die Narbe auf, die sich ihrer Kehle entlang zog. Erst jetzt verstand er den Grund hinter ihrer Telepathie. Sie war Stumm.
Ein zynisches Lächeln zierte sein Gesicht. Er hatte wahrlich eine Gabe dafür, sich stets mit den falschen Frauen anzulegen. Allgemein hatte er kein Glück mit dem anderen Geschlecht. All jene, mit denen er unweigerlich zu tun hatte, wünschten ihm den Tod oder überbrachten ihn ihm gleich...so wie in diesem Fall. Er war bisher noch keinem Mann begegnet, den er nicht in einen Zweikampf hätte besiegen können, doch egal welcher Frau er sich stellte, der Sieg wurde ihm kein einziges Mal gegönnt.
"Life's such a bitch..."
Er wusste nicht was er mit der Zeit anfangen sollte, die ihm noch verblieb. Einfach liegen bleiben wollte er nicht. Also robbte er langsam vorwärts, bis er kurz vor der Elfe lag. Deregars Arm ging langsam in die Höhe um kurze Zeit später auf den Kopf der Frau zu schnellen. Doch nicht einmal das gönnte man ihm...ehe er ihren Schädel erreichte drehte sie sich zur Seite und seine Faust landete auf einen spitzen Stein. Ein Schmerzensschrei hallte in der Umgebung wieder.
"Verdammte scheiße! Wieso tötet ihr mich nicht gleich!?"
Wieso schien nur stets alles gegen ihn zu spielen? Scheinbar hatte sich das Schicksal einen Spaß daraus gemacht, ihn mit dem schlimmsten Glück ganz Vvardanfells zu strafen. Der Blick der Streunerin ruhte auf ihn, doch sie schwieg. Er wartete auf ein Art Zeichen oder eine weitere Gedankennachricht...nichts.
"I hate you so bad, it hurts..."
Gelangweilt von dem Schmerz und dem Leid, fragte er sich ob sie ihn wohl verstand...es war unwahrscheinlich. So konnte er sich vielleicht einen letzten Spaß daraus machen, ihr allerlei Kraft-Ausdrücke an den Kopf zu werfen...zwar war das selbst für seine Verhältnisse etwas kindisch, aber er stand kurz vor seinem Tod, da war ihm das wohl noch vergönnt!
Er hatte sich schon eine Reihe Wörter ausgelegt und öffnete seinen Mund, um seinen Hass in Worten zu fassen, doch brach er erneut in einen Husten aus Blut aus. Jedes mal fühlte es sich an als ob er seine Kehle zu erbrechen versuchte. Ein sehr merkwürdiges Gefühl...aber vor allem Schmerzhaft.
Die Elfe schwieg immer noch. Er fragte sich, ob dies eine Art Strafe sein sollte, ihn in seiner letzten Stunde einfach zu ignorieren. Verbissen robbte er weiter nach vorn, um ihr näher zu kommen.
"Nur noch nen bisschen...komm schon...komm her...ich beiß dir die Ohren ab, dann musste meinen Geschwafel nicht mehr zuhören..."
Doch ehe er ihren Körper auch nur Ansatzweise nahe genug kam, entsagten ihm auch noch seine letzten Kräfte. Allein sein Mundwerk schien noch intakt.
"Ich könnte dir natürlich auch die Zunge abbeißen...dann könnte ich mir wenigstens sicher sein, das du auch dabei drauf gehst...also komm her…komm schon…"
Ihr Schweigen hielt an. Ihr konnte nicht einmal sehen, ob ihr Blick noch auf ihn haftete. Er war völlig bewegungsunfähig. Und in dieser Stille, die nur von ihm selbst durchbrochen wurde, verspürte er erneut die Furcht, die er eigentlich verbannt zu haben glaubte. Er wollte nun mal nicht sterben...nicht hier und nicht so...