Bedächtig und ungewöhnlich ruhig schlurfte er an seiner Tasse Scrib Tee...ein altes Hausmacher Rezept aus Hammerfell, das gegen Stress und Überbelastung helfen sollte. Tat es auch scheinbar, denn derart ruhig fand man den Guildmaster der Kämpfer Gilde nur sehr selten. Doch war sie diesmal wahrlich angebracht. Wo sich der ganze Rest Vvardanfells in Hektik und Chaos stürzte, mussten sich diejenigen, die dem entgegenwirken wollten, zur Ruhe selbst werden. Langsam, Schritt für Schritt das Puzzle aus Gerüchten, Verdächtigungen und Spitzel Informationen zusammensetzen, bis schließlich eine Fährte entstand. Es war eine Jagd. Wo sich der Jäger der Wildnis auf seine Intuition und dem Spurenlesen verlassen musste, da musste sich der Jäger des Kopfgeldes, auf sein Gespür, Erfahrung und vor allem auf seine Informationsquellen verlassen. Doch die meisten Inland Spitzel gingen mit der Era Heard-Heart verloren. Beziehungen zu der Commona Tong waren von Ragnar selbst abgebrochen worden. Zu sehr hatten sie seine Gilde negativ beeinflusst, um sich jemals wieder in die Geschäfte der Kämpfer Gilde einmischen zu können. Einen spezifischen Hass hegte er zwar nicht gegen die lokale Verbrecherorganisation, eine starke Abneigung hingegen schon. Allerdings lies er sich von seinen eigenen Gefühlen nicht blenden, sodass für ihn das Gerücht, die Commona Tong hätten ihre Finger im Spiel, als völliger Unsinn erschien.
"Wenn dann würden sie das Zimmer mit ner Bande schlecht bewaffneter Kleinkrimineller stürmen und somit den alten Mann überrumpeln...Commona Tong style eben..."
Ein Grinsen konnte er sich nicht verkneifen, konnte er sich das Bild doch nur zu gut vorstellen.
Allerdings war die Zeit der Witze schon lange vorbei. Wenn er und vor allem die Gilde am Ball bleiben wollte, dann musste er die ganze Sache Objektiv sehen und um jedes Fitzelchen Information kämpfen, denn sie würden es nicht einfach haben. Er war mehr als empört darüber, dass nicht einmal der Redoran Sprecher, der ihm selbst den Auftrag den Mörder Venyms ausfindig zu machen zuteil machte, ihn über das Morag Tong Zeichen am Tatort informierte. Das obwohl er dem Haus angehörte, das obwohl sie eine Redguard war, so wie er! Er war erschüttert, wie ein Land und Zeit sogar den hiesigen Nationalstolz seines Volkes versieden lassen konnte. Doch war auch dieses Gefühl hier fehl am Platz, war er doch in Morrowind und nicht in seiner Heimat.
Wie dem auch sei, die Kämpfer Gilde hatte es wahrlich schwer. Umringt von Feinden, die er lieber Konkurrenz zu nennen pflegte, mit nur wenigen Verbündeten. Die einzigen, auf die er sich verlassen konnte, war die Diebes Gilde und die Imperiale Armee, die den Imperialen Gilden immer mal wieder unter die Arme griff. Allerdings wollte er strengstens auf die Hilfe zweiterer Verzichten oder zumindest nur im Notfall auf diese zurückgreifen. Also blieb nur noch die Zusammenarbeit mit den Dieben übrig. Ihr derzeitiger Meisterdieb war ein Redguard, so wie er. Ein Mann, den Ragnar vertrauen schenkte und das obwohl er ihn nicht gerade oft zu Gesicht bekam. Er nahm es vor unentdeckt zu bleiben. Bedauerlich, war er doch ein Mann guten Geschmacks, aber verständlich.
Er hatte schon zwei Läufer nach Sadrith Mora und Ald'ruhn zu den jeweiligen Gilden geschickt. Ob diese jedoch allzu viel herausbekommen würden bezweifelte er stark...die Mitglieder der Diebes Gilde pflegten ihre Informationen nur auf Umwegen einem zukommen zu lassen, falls sie einen überhaupt für würdig erachteten, diese zu erhalten. Dem "Oberklaumeister" würde er später selbst einen Besuch abstatten. Bei dem Trubel der über ganz Morrowind herrschte, hätte sich kein Dieb zu weit herausgetraut, vor allem nicht der meist Gesuchteste. So würde er ihn wohl im Fremdenviertel Vivecs antreffen, war ja gerade mal ein paar Stockwerke tiefer.
Doch nun galt, alles zu seiner Zeit. Da er schon bei allen Kämpfer Gilden zu Besuch war, um sein Kopfgeld für den Mörder von Venyms Vater bekannt zu geben, hatte er nun Zeit "Witterung" aufzunehmen. Dafür benötigte er aber stets seine Ruhe, weshalb er sich auch im Vivecer Gildenhaus eingerichtet hatte. Dieses war seit dem "Weggang" des ehemaligen Guildmaster mehr als zur Hälfte unterbesetzt. Auch ein Gilden Steward fehlte. Es war nur noch eine Anlegestelle für Gildenangehörige, die nur noch spärlich Aufträge bekam. Es schmerzte ihn sehr dieses Problem immer noch nicht im Griff bekommen zu haben, doch konnte er daran jetzt auch nichts ändern. Der Mord hatte derzeit höchste Priorität.
Er lehnte sich ein wenig zurück, nippte ein weiteres Mal an seiner Tasse und betrachtete das Waffenregal ihm Gegenüber. Es war, für die Söldner eigentlich ungewöhnlich, von oben bis unten fast ausschließlich mit Dolchen in den verschiedensten Variationen gefüllt. Nur hier und da entdeckte man mal ein schäbiges Kurzschwert oder einige Wurfsterne. Es waren Waffen der Assasinen, wie es die Morag Tong waren...aber auch die Dunkle Bruderschaft. Der Hauptverdacht lag derzeit auf den Tongs, wie er von der Balmora Zentrale, die mal wieder scheinbar über alles bescheid wusste, es aber nicht für nötig hielt ihm darüber Auskunft zu erstatten, erfuhr. Er hatte sich den Job als Guildmaster wahrlich leichter vorgestellt. Sonst hatte er es nur mit seiner "Beute" zu tun gehabt, nun hatte er noch mit Unterbesetzung, Loyalitätsproblemen und Auftrags Flaute zu kämpfen. Ein leises Seufzen entschwand seinen Lippen, ehe er sich wieder seinem Tee zuwandte. Den leicht scharfen, komischerweise Kräuter Geschmack, war der Redguard gewöhnt, weshalb er ihn ohne zu Zucken zu sich nahm. Seine Untergebenen schreckten von dem, von ihnen liebevoll "Höllengebräu" genannt, da es angeblich ihre Zungen verbrannte, Getränk zurück.
Wie dem auch sei, war der Verdacht gegenüber den Morag Tong am stärksten, zusätzlich auch der einzige mit Beweisen.
"Möglich...aber dennoch unwahrscheinlich..."
Er hatte nie allzu viel mit den Dunmer Assasinen zu tun, was ihn auch nicht gerade traurig stimmte. Das einzige was er wusste und gleichzeitig wissen musste, war dass sie gefährlich, effektiv und schlechte Konkurrenz waren. Doch solange man sie in Ruhe ließ, waren sie verträgliche Nachbarn. Deswegen schloss er die Möglichkeit, es sei eine gewollte Aktion der Auftragsmörder, aus. Intrigen und Putsch waren immer möglich, doch wollte er sich darüber zunächst einmal näher erkundigen, bevor er voreilige Urteile fällte. Auf den ersten Blick kam ihn da die Dunkle Bruderschaft schon viel wahrscheinlicher vor. Sie war eine zwar effektive, aber dennoch ruchlose Verbecherorganisation, die zu allem im Stande war. Davon war er überzeugt. Doch auch hier konnte er nur spekulieren. Häuser Machtkämpfe wären eine Möglichkeit, doch zu uneffektiv, war der alte Herr Bonyms zwar hoch angesehen, aber schon lange keine tragende Rolle mehr in der Redoran Politik. Der Tempel...er wusste wahrlich nicht was er von denen halten sollte...die einzigen die er von vorne herein ausschloss, waren die imperialen Gilden. Die sich so gut wie immer aus lokaler Politik heraus hielten. Nicht einmal die Imperiale Armee würde einen solchen Akt wagen, würden sie damit doch nur einen Volksaufstand provozieren, anstatt einen zu verhindern.
"Ist doch eh alles uninteressant...meistens liegt die Wahrheit immer da, wo man sie am wenigsten vermutet. Der Schlüssel zur verschlossenen Tür liegt meist nur versteckt unter der Matte, so ist der Mörder und die treibende Kraft dahinter vielleicht in Redoran selbst...?"
Interessante These, doch völlig unbegründet. Allein auf seine Intuition konnte er sich nicht verlassen, er brauchte noch verlässliche Informationen, ehe er endlich "Witterung" aufnehmen konnte.
Mit einem letzten großen Schluck lehrte Deregar die Tasse Tee, stellte selbige auf den mit Papierkram überhäuften Tisch vor ihm und verließ das ehemalige Zimmer Hard Hearts. In der Schmiede war statt dem stämmigen Ork, der die Gilde kurz nach dem Machtwechsel verließ, ein junger Bretonen Journeyman. Salutierend grüßte er seinen Vorgesetzten, was denselbigen etwas irritierte, jedoch es nicht zeigte sondern den Gruß nur freundlich erwiderte. Auf dem Weg nach draußen begegnete er nur noch die beiden Vivec Gildenhaus Defender. Ein Redguard und eine Bosmer. Beide verlässlich und das letzte Rückrat der örtlichen Kämpfer Gilde. Nachdem er sich von den beiden verabschiedete, machte er sich an die Arbeit, den Mörder langsam immer einen Schritt voraus zu sein.