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Sadrith Mora / Taverne / Malukhats stilles Kämmerlein
„Nein, da habt Ihr Recht“, entgegnete Malukhat dem Erzmagister und dachte angestrengt nach. Eigentlich war das ja nicht seine Art, also nachzudenken, wenn es um ein gefährliches Abenteuer ging. Normalerweise lautete sein Motto in dieser Hinsicht draufkloppen, ohne nachzudenken. Aber immerhin war es ja Draven, der dieses Unternehmen leitete, also hing auch die vollkommene Entscheidungsgewalt von ihm ab. Da hatte er sich eine gigantische Bürde auferlegt… Wenn er auch nur einen Fehler machte, wenn er versagte, dann würden selbst die Mitglieder seines Hauses so ihre Zweifel hegen. Aber der Bretone schien nicht einen Gedanken daran zu verschwenden, dass er sich selbst in den Ruin führte.
„Ihr würde mich nun gern ein wenig ausruhen, wenn es Euch Recht ist, immerhin hatten wir einen langen Tag.“ Malukhat fuhr sich mit der rechten Hand über den kahlen Schädel, und kratzte sich dann am Hinterkopf. Ja, so langsam war er müde geworden, schade nur, dass dadurch dieses doch recht ertragreiche Gespräch abgebrochen werden musste. Wer konnte schon ahnen, wie die beiden Männer morgen wieder miteinander um können, miteinander kommunizieren würden?
„Aber… Um doch noch einmal auf Eure Frage zurückzukommen – alles, was wir bis jetzt wissen, ist, dass hier Vampire am Werke sind. Wir kennen nicht einmal ihre Rasse, oder die Anzahl ihrer Gruppe. Es könnte schwerwiegende Folgen haben, stürzten wir uns einfach blindlings auf sie. Zumal wir die uns gegebene Zeit auch ruhig lukrativ benutzen können, da wir noch nicht wissen, wo sie sich aufhalten.“
Noch nicht, wie gesagt, das sollte sich wohl bald ändern. Er würde schon noch hinter dieses Geheimnis kommen. Und noch etwas anderes beschäftigte den Erzmagier: Eine Vampir-Leiche, an der er herum experimentieren konnte. Beinahe hätte er gelächelt, als er daran dachte, wie die Orkin Sharn gra’Muzgob wohl auf eine solche Rarität reagieren würde. Große Augen würde sie machen, den Mund nicht mehr zu bekommen… Aber nein, Draven sollte ihm unter diesen Umständen schon einen Strich durch die Rechnung machen. Dazu war der Erzmagister sicherlich zu tugendhaft. Totenbeschwörung war verboten, aber Malukhat konnte nicht sagen, ob die Telvanni nun unbedingt mit die größten Feinde dieser praktisch schwarzen Magie waren.
Und dabei fiel ihm eines auf: Er konnte Draven nicht einschätzen. Also, seinen Charakter schon, aber weder seine kämpferischen wie magischen Talente. Das war schon einmal schlecht. Er musste gewiss ein starker Mann sein, aber dem Erzmagier war es schon fast lieber, er würde es nicht sein. Vielleicht würde er irgendwann sogar versuchen, ihn zu töten, nur um herauszufinden, ob er es auch schaffen konnte.
Schlechtes Betriebsklima mochte man das nennen, oder so.
Bevor der Erzmagister sich erheben und das Zimmer verlassen konnte, hielt Malukhat ihn noch einmal auf. Für einen Moment bedeutete er dem anderen, zu warten, machte sich an seiner unter dem Bett versteckten Tasche zu schaffen und zog ein kleines, im dämmrigen Licht der Kerze silbern aufflackerndes Fläschchen heraus. Jenes reichte er dem verdutzten Draven mit den Worten: „Ein starker Heiltrank. Nun, ein Heiler ist meist eigentlich die bessere Lösung, aber wer weiß, was da auf uns lauert.“ Der Dunmer sann einige wenige Sekunden über das eben gesagte nach, dann fügte er noch an: „Aber denkt ja nicht, dass tue ich für Euch, das mach ich allein für mich. Ich will später keinen Klotz am Bein haben, falls Ihr oder dieser Zareg verwundet sein solltet.“
Und da kam ihm noch ein weiterer, wenig beruhigender Gedanke: "Wo ist der Kleine eigentlich?"
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Schwertmeister
Sadrith Mora - Umgebung, dann Tel Aruhn
Es hatte nun wieder zum Regnen begonnen und er war noch immer nicht dort, wo er hin wollte. Nach einer Zeit gelangte er zum Ufer des Meeres, konzentrierte sich und führte den Zauber aus, um auf Wasser gehen zu können. Glücklicherweise war er ihm gleich gelungen, dass ihn überraschte, da er im Gebiet der Veränderung nur wenig gelehrt bekommen hatte. Nur das allernötigste hatte er sich beibringen lassen, aber auch selber beigebracht.
Wenn Zareg sich nicht täuschte müsste er nur zwei Inseln weiter nach Westen gehen, um denjenigen aufzusuchen, den er zu finden gedachte. Ein Telvanni in Tel Aruhn schuldete ihm noch einen Gefallen und Zareg wusste genau, dass dieser ihm weiterhelfen würde und könnte. Zareg wusste, das der Telvanni, dessen Namen ihm immer wieder entfiel, früher selbst ein Vampir war. Mithilfe Zaregs hatte er sich dann heilen lassen und wurde seitdem öfters von Vampiren heimgesucht, aber auch Menschen, die ihn einst kannten, hatten ihn verstoßen und wollten nichts mehr mit ihm zu tun haben.
Immer wieder während des Weges kam diese Stimme in seinem Kopf und verrückte Ideen waren die Folge. Außerdem entrang ihm zwischendurch ein krankes Lachen, dass er nicht unterdrücken konnte. Eigenartige verrückte Bilder schossen ganz kurz durch seine Gedanken, die ihm völlig fremd schienen. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis eine seiner “Wahne“ folgen würde. Vorher würde er aber die Informationen bekommen.
Zareg wanderte noch immer konzentriert auf dem Wasser und sah schon die erste Insel vor sich, die vor Tel Aruhn war. Sie bestand aus schroffen Gesteinen und war nur an wenigen kleinen Stellen ein wenig bewachsen. Ein Kagouti wanderte auf dem Fleck hin und her und suchte nach Essen. Zareg weichte ihm jedoch aus, da er nicht kämpfen wollte, denn mit solch sinnlosen Magieverschwendungen wollte er sich nicht abgeben. Mit einem ordentlichen Feuerball wäre das Tier gestorben, doch selbst dies war zuviel der Mühe wert für so ein Tier.
Nun war er wieder auf Festland, überquerte das kleine bisschen Insel und wirkte erneut den Spruch, um auf Wasser zu gehen.
Nur mehr geraume Zeit und er wäre in Tel Aruhn.
Im großen und ganzen bestand Tel Aruhn aus einem riesigen Baum, der vollgeziert mit Häusern und Stiegen wimmelte. Auch unterirdische Gänge, die in das untere der Insel führten, konnte man betreten. Eigentlich war es eine stinknormale Telvannistadt.
Jetzt musste Zareg nur mehr nach dem ehemaligen Vampir suchen. Normalerweise versteckte dieser sich im Untergrund und führte sein eigenes tristes Leben, aber das wusste Zareg auch nicht mehr genau, denn das letzte Mal, als er mit der Person gesprochen hatte, war vor einigen Monaten gewesen. Es konnte aber auch sein, dass er noch immer hier wohnte.
Mit wenig Enthusiasmus schaute er zuerst dort nach, wo er sich letztens befunden hatte: IN einem Raum, tief unter der Stadt. Gleichzeitig dachte er über dessen Namen nach.
Während er so durch die Tür, hinab zu den Gängen in der Erde gestiegen war, war ihm der Name eingefallen. “Myrain Dargeth“, dachte er sich. Die fremde Stimme meldete sich wieder einmal im Kopf:“ Klingt fast wie Dagoth, hahahahahaha!“. Ein irres Lachen drang durch seine Kehle, hallte an der Wand wider und wurde gleich wieder von Zareg erstickt. Ein Schaudern jagte über seine Haut. “Ein eigenartiger Name für eine eigenartige Person“, fügte er seinen Gedanken zu und folgte der Treppe weiterhin nach unten.
Die Luft war stickig und stank muffig. “Kein guter Platz zum Wohnen“, flüsterte der Bretone vor sich hin. Er hatte bisher niemanden entdeckt, dass ihm insgeheim wunderte, da auch hier Leute wohnten. Myrains Zimmer war irgendwo durch eine geheime Tür in der Wand versteckt. Man musste nur einen geheimen Schalter drücken. Langsam tastete er sich der Wand entlang, auf der Suche nach einer Nische oder Einhöhlung der hölzernen Wand. Dann spürte er eine kleine Einwölbung, die man nur entdecken würde, wenn man danach suchte. Kein besonders sicheres Versteck, aber es reichte, um sich vor neugierige Nachbarn zu schützen. Leicht drückte er dagegen und langsam öffnete sich neben ihm eine in der Wand versteckte Tür.
Der Raum war mittelgroß und voll von Blutspuren, die der Farbe wegen frisch zu sein schienen. Ein süßlicher Verwesungsgestank wehte Zareg entgegen und er würgte.
In einer großen Blutlache vor ihm lag eine Leiche. Sie schein unberührt, doch die zwei Bissspuren an der Kehle sagten Zareg genug, um zu wissen, dass es sich hierbei um einen Vampirangriff. Das war aber nicht das einzige im Raum. Viele andere Leichen stapelten sich im hinteren Bereich. Manche zeigten die gleichen Bissspuren auf, andere waren ausgeblutet. Ein wahres Horrorszenario, dass Zareg frösteln ließ. Dennoch spürte er nicht den Drang, sich übergeben zu müssen, schließlich hatte er schon oft genug Leichen seziert, während seiner Nekromantiestudien und war an den Anblick zwar nicht gewöhnt, aber es bedurfte schon mehr, um ihn zum Erbrechen zu bringen.
Er dachte sich schon, was hier passiert sein könnte. Die Vergangenheit Myrains hatte ihn eingeholt, die Vampire hatten sein Versteck gefunden und ihn getötet. Was der Grund dafür aber war, konnte Zareg nicht einmal erahnen.
Erst als er sich vom Schock erholt hatte, untersuchte er die Lechen genauer, konnte aber momentan nichts herausfinden, was ihm weiterhelfen konnte. Außerdem hatte er nicht genug Licht, um die Leichen noch genauer untersuchen zu können. Gerade, als ihm dies einfiel, ging die Tür des Raumes zu und er stand in völliger Dunkelheit da. Völlige Panik überflutete ihn und er begann zu schreien. Gerade jetzt half ihm seine Klaustrophobie nicht gerade weiter. Dann wurde er schlagartig auf den Boden gerissen. Ein schreckliches Zischen war das letzte, was Zareg noch hörte, bevor er mit dem Kopf auf den Boden aufschlug.
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Evil Mastermind
Sadrith Mora - Taverne
Immer noch hatte Draven größte Mühe seine leichte Verwirrung über dieses von Malukhat an den Tag gelegte Verhalten zu verbergen, aber das Gespräch schien sich so langsam dem Ende zuzuneigen und sobald er den Raum verlassen hätte, könnte er alles rauslassen und müsste sich nicht länger zurückhalten. Nur noch ein wenig Selbstbeherrschung... Dennoch ging dem Bretonen die Sache die ganze Zeit durch den Kopf, der Erzmagier schien kompetent und durchaus ernst sein zu können, vielleicht musste er sich dies nun einfach eingestehen und so akzeptieren. Er kannte ihn ja auch noch nicht allzu lange und vielleicht, aber auch nur vielleicht, hatte er ihn zu früh als etwas behämmert abgestempelt. Oder er würde am morgigen Tag in seinem Zimmer - Moment, er hatte noch gar keins - aufwachen, die beiden würden sich treffen und alles wäre wieder "normal" also gespannt und gegenseitige Ablehnung. Wer konnte das schon genau wissen?
Als Malukhat ihm dann den starken Heiltrank reichte, war es um die Selbstbeherrschung des Erzmagisters geschehen. Er starrte ihn mit einem verwunderten Blick an, als er das Fläschchen entgegen nahm. Er war sogar so verdutzt, dass er nicht mal auf die ersten Worte seines Gegenübers reagieren konnte. Normalerweise hätte er gesagt, ihm wäre es klar, dass ein Heiler eine bessere Lösung ist und sich zugleich erkundigt, ob Malukhat ihn für einen Idioten hielt. Dies gelang ihm nicht, aber als der Erzmagier dann den zweiten Satz hinterherschob, wandelte sich sein Blick und auf seinen Lippen zeichnete sich ein leichtes Lächeln ab, denn dieser Satz passte wieder besser zu dem Erzmagier, wie er ihn bisher kennengelernt hatte.
"Ist mir schon klar, aber dennoch danke ich Euch dafür. Ich werde mir nun auch ein Zimmer nehmen und mich ebenfalls zur Ruhe begeben."
Dann stand er auf, deutete eine leichte Verneigung an und machte sich auf den Weg zur Tür.
"Weswegen Zareg so einfach verschwunden ist und was er vor hat, weiß ich übrigens auch nicht. Ich hoffe, er taucht bald wieder auf und ich bin gespannt auf seine Begründung für dieses plötzliche Verschwinden. Es war nicht sehr klug, um diese Zeit noch loszuziehen, denn die Nacht steht kurz bevor und die Vampire brauchen sich nicht weiter vor dem Licht der Sonne zu fürchten und können sich frei bewegen", sagte er noch im Vorbeigehen zu Malukhat, bevor er das Zimmer verließ und die Tür schloss. Sein Weg führte ihn zum Wirt der Taverne, welcher ihm einen Zimmerschlüssel aushändigte. Als er sich in seinem eigenen Zimmer seiner Rüstung entledigte und sich aufs Bett legte, dachte er über Zareg nach und hoffte, ihm war nichts zugestoßen.
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Sadrith Mora / Taverne / Malukhats stilles Kämmerlein
Malukhat verweilte noch eine Zeit bewegungslos am Rand des Bettes, starrte an die Tür, die Draven so eben verlassen hatte. Ein interessanter Mann in jedem Fall, soviel musste der Erzmagier sich eingestehen, aber dass die beiden gute Freunde werden konnten, bezweifelte er doch sehr stark. Vielleicht würden sie gut zusammen arbeiten können, konnten sich mit der Zeit aufeinander einspielen, aber die gegenseitige Ablehnung würde wohl niemals schwinden.
Es war Malukhat aber auch im Grunde vollkommen schnuppe, wie seine Beziehung zu dem Erzmagister der Telvanni war. In seinem Leben gab es einfach keinen Platz für Freundschaften. Dinge wie "Liebe", "Zuneigung" und "Freundschaft" als selbe konnten einen im Endeffekt doch nur behindern. Wenn es zum Kampf kam, und ein Mitglied der Gruppe als Geisel genommen werden sollte, hatte er gewiss kein Problem, dennoch anzugreifen und den Kumpanen seinem Schicksal zu überlassen. Wer anders handelte war einfach nur schwach. Ganz vorn auf der Prioritätenliste musste einfach das Ziel des Auftrages stehen, ob man sich ihn nun selbst gegeben hatte oder er einem gegeben wurde. Menschlichkeit zählte nicht viel, wenn es um Leben und Tod ging.
Malukhat war gewiss kein Verräter, doch stand er nun einmal von Natur aus nicht auf Gruppendynamik.
Seufzend erhob er sich, was seine müden Knochen schon fast nicht mehr mit machen wollten. Die beiden Männer hatten einige Zeit geredet, also würde er einen langen, gesunden Schlaf nun gebrauchen können. Als er sich seinen inzwischen wieder angetrockneten Umhang von den Schultern zog, kam seine Rüstung zum Vorschein, die indorilischen Schulterplatten, der prunkvolle Harnisch gefertigt aus einer Aneinanderreihung von Drachenschuppen. Das Abrüsten war immer das schwierigste Unterfangen des Tages für ihn, ebenso am nächsten Morgen das Anlegen seiner Rüstung. Die redoranischen Beinschienen und Stiefel waren ebenso schwer die die Schulterplatten, der Harnisch und Armschienen.
Vorsichtig ordnete er die Rüstungsteile auf dem leicht durchgetretenen Läufer neben seinem Bett an, unter denen feine, schwarze Kleidung zum Vorschein gekommen war. Auch hiervon befreite er sich, zog allerdings eine weiße Hose aus feinem Leinen über, die er nur zum Schlafen nutzte und in seiner Tasche immer mit sich führte.
So legte er sich also auf sein Bett, dessen Decke noch leicht feucht war von dem nassen Umhang, und kuschelte sich in die weichen Kissen.
Zu blöd, dass er sein Sonnen-Kuschelkissen nicht mitgenommen hatte, mit ihm war das Einschlafen einfach leichter und ging bei Weitem schneller. Doch auch so glitt er schnell hinab in die tröstliche Umarmung des Vergebens und Vergessens... Wieder nur für eine Nacht, wieder für ein weiteres, unbarmherziges Erwachen.
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Schwertmeister
Tel Aruhn - Untergrund
Zareg öffnete die Augen. Schlimme alptraumhafte Träume hatte er gehabt und immer wieder war diese Stimme vorgekommen, die ihn versuchte zum Roten Berg zu rufen. Er schauderte. Er wusste zuerst nicht, wo er sich befand, als er sich dann an das Zischen und an den Aufprall erinnerte. Gerade jetzt fiel ihm erst auf, dass es in seinem Kopf hämmerte. Es lag gefesselt in völliger Dunkelheit. Erst als sich seine Augen endlich an das Licht gewöhnten, merkte er, dass er noch immer im gleichen Zimmer war. Und mit dieser Erkenntnis kam auch der Gestank der Verwesung wieder zurück. Nur diesmal war er viel schlimmer, als zu dem Augenblick, wo er das Zimmer betreten hatte.
Zuerst wunderte er sich darüber, bis ihm schlussendlich auffiel worauf er lag. Er blickte nach unten und starrte in tote Augen. Unter ihm stapelten sich Leichen und wenn ihm nicht etwas einfiel, um aus dieser Situation zu kommen, würde er auch so enden. Zareg fragte sich, was der Vampir, der ihn wahrscheinlich gefangen hielt, wohl mit ihm vorhatte. Normalerweise sollte er schon von ihm ausgesaugt worden sein. Nur warum war das nicht der Fall? Diese Frage schoss ihm durch den Kopf. Wollte sich der Vampir einen Happen für später aufbehalten, oder wollte andere Vampire den Bretonen vom Blut “befreien“? Obwohl ihm die Frage nicht aus dem Kopf gehen wollte, dachte er sich, dass es sowieso keinen Unterschied machte. Er musste hier raus.
Mit den Händen tastete er die Seile ab, die seine Füße fesselten. Der Vampir war vorsorglich gewesen und hatte ein sehr robustes Material, Hanf, genommen. Auch die Hände waren mit dem gleichen Seil gefesselt. Er versuchte sich zu bewegen doch viel geschah nicht. Das einzige war etwas in seinem Inneren. Angst und Panik durchfluteten ihn. Seine Phobie meldete sich wieder einmal. Für einen, der an Klaustrophobie litt, war es schrecklich sich nicht Bewegen zu können. Mit aller Kraft wandte er sich hin und her und schaukelte auf und ab. Tränen der Verzweiflung traten in seine Augen. Es war so, als wäre er man in einem Sarg eingesperrt, dass eigentlich seiner Situation sehr ähnelte, wenn man an die Leichen dachte, die unter ihm lagen. Er bewegte sich immer weiter, bis er plötzlich von den Leichen hinabrollte und sich auf dem Boden befand. Nun versuchte er sich zu beruhigen, um sich einen Weg zu überlegen, wie er hier wieder herauskam. Er dachte eine ganze Weile darüber nach, ob er sich nicht seiner Magie zum Nutzen machen konnte, kam aber zum Schluss, dass er sie zumindest nicht an sich selbst anwenden konnte, weil er sich sonst verletzen könnte. Dann schaute er sich ein bisschen im Raum um, so wie es sein derzeitiger Kopfradius zuließ, entdeckte aber nichts brauchbares, mit dem er die Fesseln zerschneiden könnte.
Lange überlegte er, und erst dann kam ihm schlagartig eine Idee: Er würde sich seine Kenntnisse in Nekromantie zu nutze machen, in dem er sich eine Dienerkreatur beschwor, die ihn dann von den Fesseln befreien könnte. Langsam bewegte er sich in eine gute Position und führte den Zauber aus. Die ersten paar Mal gelang er nicht, da er die Hände nicht richtig unter Kontrolle hatte, doch dann schaffte er es plötzlich. Ein Skelettkrieger erschien. Sein Körper bestand nur aus Knochen, wie der Name schon sagte und als Waffen dienten ihm ein rostiger Säbel und ein Rundschild, das auch leichten Rost aufwies. Er überführte dem Skelett die Gedanken und zwang die Kreatur, mit Hilfe des Schwertes, die Fesseln zu lösen. Zareg versuchte so ruhig wie möglich zu bleiben, als die Dienerkreatur die Handfesseln zu lösen versuchte.
Schon bald lagen zwei Hanfseile lose am Boden. Zareg stand da und genoss die Hand- und Beinfreiheit, richtete seine Rüstungsteile wieder auf gemütliche Positionen und hob auch noch seinen Zauberstab auf, der ihm wohl abgenommen worden war. Danach schickte er das Skelett weg, um nicht unnötigerweise Magie zu verschwenden.
Bevor er jedoch von dem Ort floh, zündete er noch ein Stück Holz an, dass er am Boden gefunden hatte und schaute sich um. Der Raum hatte sich nicht wirklich verändert. Eigentlich fiel ihm ein, dass er dies auch nicht genau sagen konnte, da er den Raum zum ersten Mal richtig betrachten konnte. Außer den zahlreichen Leichen und Blut entdeckte er aber nichts von Interesse. Das einzige, was vielleicht einen Hinweis darauf geben könnte, was hier passiert war, war ein Zettel, der in der Hand des toten Myrain war. Diesen steckte er sich in seinen Rock und verließ den Raum. Er musste so schnell wie möglich zurück nach Sadith Mora und Draven und Malukhat finden, um ihnen über den Lagerplatz der Vampire zu erzählen. Vielleicht würde der Zettel auch Informationen enthalten, aber an dies dachte er schon nicht mehr. Er wollte nun endlich wieder raus aus diesem eigenartigen Raum und wieder die Oberfläche erreichen.
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Sadrith Mora / Taverne / Malukhats stilles Kämmerlein
Malukhat erwachte schweißgebadet aus seinem unruhigen Schlaf, sein Körper zitterte, ein Großteil seiner Decke befand sich nun geflissentlicher Weise auf dem Fußboden und nur ein kleiner Zipfel bedeckte noch seine Füße. Mit fest zusammengebissenen Zähnen fragte er sich, wie man nur dazu kam, sich so einen Mist zusammen zu träumen.
Eigentlich konnte man nicht einmal sagen, dass es ein wirklicher Alptraum gewesen war, eher hatte er dem Dunmer erheblich weiter gebracht, was seine Ressourcen an dem Wissen über Vampire anging. Während seines Schlafes war er noch ein kleiner Junge gewesen, an einem Tisch sitzend im Hauptstützpunkt des Kaiserlichen Kultes, und studierte fleißig die Kunst der Magie. Na ja, es war eher noch die trockene, fast steinerne Theorie gewesen, die er sich anzueignen versuchte. Um nun auch noch wirklich ehrlich zu sein, von dem Tisch hatte ihm der Einband mit der Aufschrift "Die Legionen der Toten" unverhohlen entgegen gestarrt. Es war ein wahrer Kampf mit dem Buch gewesen, wie es eigentlich mit jedem gewesen war, und er hatte sich dabei erwischt, wie er es beinahe aufgeklappt hätte. Seufzend hatte er den Kopf sinken lassen, bis jemand an seine Seite getreten und ihm eins mit der Rute über den Schädel gezogen hatte. Der Schmerz war auch nach dem Erwachen immer noch in seinem Kopf zugegen.
Auf jeden Fall hatte er nun, alleine schon dank des Namens des Buches, einige wissenswerte Informationen hervorkramen können, die ihm vorher einfach entfallen waren. Vor allen Dingen aus dem Grunde, dass sie nun zumindest die Stärke des Gegners jedweder Art Vampir zum Trotz einschätzen konnten. Sie waren gefährlich, sie waren verdammt stark. Selbst der schwächste Vampir einer Gruppe war unendlich viel stärker als die meisten anderen Untoten. Sie hatten lange Zeit in Morrowind als ausgestorben gegolten und waren bei den Dunmern besonders verhasst gewesen. In früheren Zeiten waren sie von Ordinatoren und Kriegswappenträgern nach Malukhats Wissen vollkommen ausgerottet worden. Aber einige Nester mussten im Dunkeln versteckt gelegen haben, da sich die stetig anzeigende Zahl der Vampire entweder durch ihren heimlichen Zufluss aus der Außenwelt erklären ließ, oder durch das Erwachen langer Zeit im Verborgenen geruhten Vampiren. Vampire unterscheiden sich je nach Alter und angesammeltem Wissen in Hinblick auf die Materie, aus der sie bestehen, und auf ihre Macht, doch, wie gesagt, selbst die Schwächsten unter ihnen waren den meisten anderen Untoten haushoch überlegen.
Während Malukhat dies alles überdachte, schlug ein weiterer Gedanke wie ein fester Fausthieb in seinem Hirn ein. Hoffentlich, hoffentlich, hoffentlich, hoffentlich waren es keine Aschenvampire, die hier in Sadrith Mora zu Werke gingen. Aschenvampire sind keine echten Vampire und keine Untoten, dazu sind sie nicht nur gefährlich sondern extremst gefährlich. Ihr Geist und ihre Materie mögen durchaus durch ein magisches Verfahren erhalten werden, allerdings hatten einige "heilige" Krieger des Tribunals-Tempels (Malukhat musste das Wort "heilig" in Zusammenhang mit jenen Kämpfern einfach sarkastisch hervorheben) hatten bereits vor etwas längerer Zeit in Erfahrung bringen können, dass Zaubersprüche, die bei Untoten Wirkung zeigen, gegenüber Aschenvampiren wirkungslos sind.
Der Erzmagier hatte keine Ahnung, welche Zauber man anwenden musste, um einen Aschenvampir in die Knie zu zwingen, zweitens sind sie, was Kampferfahrung und Bestialität anging, verdammt, verdammt stark, agil und zäh - kurzum: Der Dunmer wusste, ein solch mächtiges Wesen konnte er niemals besiegen, ebenso wenig wie Draven oder Zareg; nicht einmal sie alle zusammen. Ausprobiert hatte er es noch nicht, weshalb er es nicht genau sagen konnte, aber so ein kleines Vögelchen zwitscherte ihm leise zu, dass es besser war, Leine zu ziehen, wenn es tatsächlich ein magisches Unding dieser Art war. Darauf hatte er keine Lust. Er war nicht hergekommen, um sich abschlachten zu lassen, sondern um dies seinerseits mit den Vampiren zu tun.
Ach, was belog er sich da eigentlich selbst? Er würde dennoch hier bleiben und mit lautem Kampfgeschrei in den Tod rennen. So blöd war er allemal. Und dabei ging es nicht einmal um seine nicht vorhandene Loyalität gegenüber dem Erzmagister Draven oder der anderen Rotznase.
Wie aus allen Wolken gefallen erschien ihm wie herbeigezaubert das Gesicht seines Lehrmeisters in dem Traum und ließ ihn erschauern. Nein, das konnte nicht sein... Ein Alptraum erster Güteklasse, fürwahr, das war es gewesen. Er musste dieses Bild abschütteln, so schnell wie möglich, ansonsten würde es womöglich noch seinen Geist verschlingen. Sollte er ihn jemals mit einem Wort, das auch nur annähernd dem Titel "Meister" nahe kam, so musste er sich wohl oder übel die Zunge herausschneiden und sich anschließend erhängen.
Und trotz dieses fürchterlichen Grauens brannte es ihm geradezu unter den Fingernägeln, seinem erträumten Lehrmeister Draven von seinen gesammelten Erinnerungen zu erzählen.
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Evil Mastermind
Sadrith Mora / Taverne / Dravens ebenso stilles Kämmerlein
Einige Zeit lang hatte der Bretone einfach nur mit offenen Augen auf seinem Bett gelegen und die Holzdielen der Decke angestarrt, die ein wenig vom Licht der einsamen Kerzen auf dem kleinen Nachtschränkchen beleuchtet wurde. Er fühlte sich gestresst von der ganzen Situation, die letzten Wochen waren viel gewesen. Zuerst wurde er von Aryon nach Vivec geschickt, um Vertreter des Hauses Redoran und Hlaalu zu treffen und genau an dieser Stelle setzte der Strudel der Ereignisse an, in den er förmlich hineingezogen wurde. Was war seitdem alles geschehen? Er war in Gnisis gewesen mit Jarlaxle und Revan, wo sie zum ersten Mal auf elpede trafen und unbewusst dessen Pläne für ein gemeinsames Treffen durchkreuzten. Dann führte sie ihre Reise weiter nach Balmora, damals noch mit Daniel, dem Halb-Daedra, den sie ebenfalls in Gnisis bekämpft hatten. Es kam dem Erzmagister bereits vor, als wäre dies vor Ewigkeiten geschehen, dabei war es noch gar nicht lange her. Außerdem hatte er auf dieser Reise mit Jarlaxle und Revan zwei Personen eines anderen Hauses getroffen, denen er vorbehaltlos vertraute und deren Gesellschaft er nun sogar ein wenig vermisste. Dies kann nur an den merkwürdigen Umständen gelegen haben, denn eigentlich war er nicht so. Eher immer skeptisch und misstrauisch. Dann hatte er wieder das Bild der Seelenklinge im Geiste vor sich, blau schimmernd und so voll von unbekannter gottgleicher Kraft, die nichts mit der herkömmlichen Magie gemein hatte, sondern älter und mächtiger war. Was elpede nun wohl plante? Würde er lange warten, bevor er weitere Schritte unternahm? Aber was kümmerte ihn dies im Moment? Natürlich konnte aus der Situation eine große Bedrohung erwachsen, aber im Moment gab es bereits eine im Telvannigebiet. Und deshalb war er hier mit dem Erzmagier und Zareg - na ja, zur Zeit eher ohne Zareg, warum auch immer er verschwunden war.
Er schloss kurz die Augen und atmete tief ein. Konnte er nun nicht endlich mal mit dem Denken aufhören und etwas Schlaf finden? Ohne Schlaf würde er am morgigen Tag einem Vampir wahrscheinlich nicht unähnlich sehen. Draven versuchte, alles an Gedanken abzublocken und starrte wieder die Decke an, bewunderte die verschiedenen Bretter, aus denen sie sich zusammensetzte, bis ihm endlich die Augen zufielen und er in einen leichten Schlaf fiel.
Einige Stunden später erwachte er wieder und fühlte sich so, als wäre er gar nicht erst eingeschlafen. Aber seinem Zeitgefühl nach zu urteilen war es nun früher morgen und der Erzmagister hatte definitiv keine Zeit, den ganzen Tag zu verschlafen. Viel zu wichtig war seine Mission dafür. Er dachte beim Anziehen seiner Rüstung bereits über ein leckeres Frühstück nach, welches er gleich in der Taverne zu sich nehmen wollte. Wer Vampire jagen und zur Strecke bringen wollte, musste auch gestärkt sein. Als er endlich seine gesamte Daedrische Rüstung trug, verließ er seinen Raum und lief in Richtung des Tavernenbereiches, wo es bereits nach leckerem Essen roch. An der Tür des Erzmagiers jedoch blieb er stehen und im fiel auf, dass er dessen Schlafgewohnheiten ja gar nicht kannte. Vielleicht sollte er ihn vorsorglich wecken, immerhin wollte er die beiden Telvanni ja begleiten, also konnte er sich eigentlich auch nicht beschweren, selbst wenn er noch tief schlafen würde. Vorsichtig klopfte der Erzmagister an, danach noch einmal etwas lauter.
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Sadrith Mora / Taverne / Malukhats stilles Kämmerlein
"Juhuu!", entfuhr es Malukhat, als er das Klopfen an seiner Tür vernahm. Das musste Draven sein, natürlich war es Draven, gab ja keinen Zweifel daran.
Mooooment... Hatte er das etwa schon wieder laut gesagt? Eigentlich hätte er das wissen, sich vorsorglich weniger vorfreuen sollen, denn ihm selbst fiel ja auch auf, dass ihm manchmal solche Dinge rausrutschten. Wieso das so leicht nicht ging, wenn er wirklich etwas Wichtiges zu sagen hatte, war ihm einfach nur schleierhaft. Und unter all seinem Nachdenken vergaß er natürlich vollends "Herein" zu sagen, welches eigentlich an Stelle des "Juhuu" hätte fallen müssen.
War ja aber wohl wie immer zu spät, irgend etwas zu bereuen.
"Kommt herein, Draven, kommt nur herein!", rief er, und als der Bretone das Zimmer betrat, winkte er ihn zu sich ans Bett. Zwar hatte er außer seiner weiten Nachthose aus weißen Leinen nichts an, aber trotzdem schwang er seine Beine über die Bettkante und setzte sich aufrecht hin. Es musste wohl ein Leuchten sein, welches in seinen Augen lag und seiner inneren Euphorie den perfekten Ausdruck verlieh.
Während Draven zu ihm an das Bett trat, zog der Dunmer eine Flasche Tinte, eine lange, geschwungene Feder und ein Stück Pergamentpapier hervor.
"Schaut Euch das an, Draven. Mir ist da grad ein Einfall gekommen!" Er zeichnete mehrere beeinander liegende Kreise, die er dem Ermagister als Inseln erklärte. Eine war mit der Bezeichnung "Sadrith Mora", eine weitere mit "Tel Aruhn" gekennzeichnet. Er hatte ja nun mal keine Karte bei der Hand, da musste er auf solch primitive Mittelchen zurück greifen und einfach hoffen, dass das alles hier nicht in einem ätzenden Ratespielchen endete, bei dem Draven am Ende gar nicht verstand worum es ging. Es war ja allgemein bekannt, dass Malukhat manchmal Schwierigkeiten damit hatte, sich korrekt auszudrücken.
"Das hier" - schnell und geschwungen malte er einige Schriftzeichen unter den Kreis, der dem Festland am nähsten war, westlich von Tel Aruhn - "bezeichnet die Ruine Yansirramus. Ich hatte mir gedacht, unter Umständen könnten die Vampire dort hausen, ist ja alles realtiv unbewohnt dort... Nur so eine Idee von mir, aber es könnte etwas dran sein."
Der Dunmer blickte Draven an und meinte des Weiteren: "Ja, ich weiß, ich habe keine Anhaltspunkte, auf die ich meine Vermutung stützen kann. Aber das ist doch immerhin besser als gar nichts. Wir sollten uns bald auf den Weg machen, die aufgefundenen Leichen und die dementsprechenden Orte zu begutachten, und wenn uns das nichts einbringt, dann können wir gemeinsam noch einmal darüber nachdenken. In Ordnung?"
Scheinbar wollte Draven etwas erwidern, denn er öffnete leicht den Mund, doch Malukhat ließ ihn gar nicht erst zu Wort kommen. Besser sprechen, so lange man noch was im Kopf hatte, als alle Gedanken einfach wieder zu verlieren, was bei ihm ja nun nicht unbedingt eine Seltenheit darstellte.
"Und ich habe noch einige Informationen über Vampire für Euch, wenn es Euch interessiert."
Wieder erwartete er keine Antwort, Draven versuchte es nicht einmal. Scheinbar schien er sich langsam daran zu gewöhnen, dass man den Redeschwall des Dunmers nicht blocken konnte, wenn er erst einmal eingesetzt hatte. Gleich einem brechenden Damm sprudelten die Worte aus ihm hervor, er war ganz in seinem Element, als er von den Gefahren der Vampire erzählte, ein wenig über deren Geschichte. So, wie er es geträumt hatte. Das Wort "Meister" erwähnte er allerdings in keinem einzigen Satz.
"So, nun wisst Ihr alles, was ich auch weiß", endete der Erzmagier und blickte sein Gegenüber erwartungsvoll an.
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Evil Mastermind
Sadrith Mora / Taverne / Malukhats gar nicht mehr so stilles Kämmerlein
Draven brauchte gar nicht allzu lange an die Tür vom Zimmer des Erzmagiers zu klopfen, eine Reaktion erfolgte relativ schnell. Allerdings eine, die er absolut nicht deuten konnte. Hatte er sich verhört oder hatte das Oberhaupt der Magiergilde sein Klopfen tatsächlich mit einem "Juhuu!" beantwortet? Unsicher, ob er nun eintreten konnte, wartete er noch kurz an der Tür, bis er endlich nach kurzer Zeit von weiteren Worten Malukhats "erlöst" wurde.
"Kommt herein, Draven, kommt nur herein!"
Also tat er wie ihm geheißen und versuchte dabei, den vorher gehörten Laut zu vergessen, da er ihn absolut nicht deuten konnte. Er selbst war nicht gemeint, so viel stand fest. Warum sollte Malukhat ihn mit einem "Juhuu!" hereinbitten? Vielleicht hatte er noch geträumt, Draven hatte sich wirklich verhört oder Malukhat bevorzugte Drogen zum Aufstehen. Eigentlich war es ja auch egal, weiter darüber nachzudenken, zumal er jetzt bereits vor dem Erzmagier stand, der aber keinen allzu berauschten Eindruck machte, also fielen Drogen womöglich doch als Ursache aus. Doch dann fing der Dunkelelf plötzlich wie besessen an zu malen, was Draven zunächst wieder an die Rauschmitteltheorie glauben ließ. Vor allen Dingen als er die Kreise betrachtete, sich innerlich fragend, ob dies Augen eines großen Gesichts werden sollten und was ihm das jetzt bringen sollte. Als dann die Kreise glücklicherweise mit Stadtnamen versehen wurden, atmete Draven innerlich erleichtert auf. Der Erzmagier malte also eine Karte und hatte dann wahrscheinlich auch etwas -hoffentlich- wichtiges zu sagen. Nicht sehr viel später nach diesem Gedanken begann er auch zu sprechen.
"Das hier" - schnell und geschwungen malte er einige Schriftzeichen unter den Kreis, der dem Festland am nähsten war, westlich von Tel Aruhn - "bezeichnet die Ruine Yansirramus. Ich hatte mir gedacht, unter Umständen könnten die Vampire dort hausen, ist ja alles realtiv unbewohnt dort... Nur so eine Idee von mir, aber es könnte etwas dran sein."
Draven hatte den Blick immer noch auf die Karte gerichtet und überdachte schnell die soeben gehörten Worte. Er hatte schon Recht, die Ruine könnte ein mögliches Vampirversteck sein, eins von vielen, vielen möglichen. Malukhat hatte ja nicht einmal Indizien dafür, keinerlei Anhaltspunkte.
""Ja, ich weiß, ich habe keine Anhaltspunkte, auf die ich meine Vermutung stützen kann. Aber das ist doch immerhin besser als gar nichts. Wir sollten uns bald auf den Weg machen, die aufgefundenen Leichen und die dementsprechenden Orte zu begutachten, und wenn uns das nichts einbringt, dann können wir gemeinsam noch einmal darüber nachdenken. In Ordnung?"
"Ja, kann der denn Gedanken lesen?", dachte der Erzmagister kurz verwundert, aber dann lenkte er seine Gedanken auf die restlichen Worte, die in seinen Augen wirklich Sinn ergaben. Schon wieder hatte ihn Malukhat beeindruckt, aber ein weiteres Mal wollte er es sich nicht offensichtlich anmerken lassen. Immerhin mochte er ihn ja gar nicht. Gerade wollte er eine Antwort geben, da sprach der Erzmagier bereits weiter. Er schien in einen richtigen Redewahn verfallen zu sein, welcher nicht aufzuhalten war. Also schloss sich der Mund des Bretonen wieder, ohne dass auch nur ein Wort herauskam, und er ließ Malukhat weitersprechen. Er erfuhr dabei eine Menge über Vampire, einiges wusste er bereits, aber vieles war auch neu für ihn gewesen. Zum Glück hatte er sich zwischenzeitlich auf einen Stuhl fallen lassen, sonst wäre er in seiner schweren Rüstung wahrscheinlich irgendwann zusammengeklappt, denn der Vortrag hatte schon einige Zeit gebraucht.
Nachdem er sich relativ knapp, aber nicht unhöflich bei Malukhat für die Ausführungen bedankt hatte - irgendwie musste er ja seiner Art treu bleiben und bloß nicht zu nett werden -, frühstückten die beiden etwas in der Taverne, bevor sie sich auf den Weg zu dem Turm von Neloth machten, da dort im Untergrund die aufgefundenen Leichen aufbewahrt wurden. Draven war auch ein wenig in den Künsten der Nekromantie bewandert und hatte auch im Kampf schon einige Leichen gesehen, aber als sie von einer Telvanniwache in den kühlen Untergrund des Turmes geführt wurden, schlug ihnen bereits ein leicht unangenehmer Geruch entgegen, den Draven als Verwesungsgeruch identifizierte. Und dieser ließ den Magier noch einmal darüber nachdenken, ob das Essen vorher wirklich hätte sein müssen. Nun ja, dies ließ sich ja eh nicht mehr ändern, nur hoffte er, dass es in seinem Magen bleiben würde. Vor einer der runden Holztüren blieb die Wache stehen und ließ die beiden Männer eintreten.
Der Raum war relativ groß, hatte wohl ursprünglich die Funktion eines Lagerraums. Na ja, genau betrachtet war es immer noch einer, nur lagerten nun keine Waffen, Rüstungen oder Nahrungsmittel hier, sondern die toten Opfer der Vampire. 18 kniehohe Steinplatten befanden sich in zwei Reihen in dem Raum, der relativ gut von einigen Papierlaternen beleuchtet war. Die Luft war sehr kühl und der Verwesungsgeruch hing unangenehm in der Nase. Zwölf Leichen zählte er, allesamt wurden sie von weißen Leinentüchern vollständig verdeckt, während die anderen sechs Steinplatten unberührt waren.
"Hier müssen wir also nun die Opfer untersuchen", dachte der Bretone und hoffte dabei, dass sein Magen das durchstehen würde. Eine Leiche in einem Kampf zu sehen war auf jeden Fall etwas anderes.
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Held
Sadrith Mora
Wie es schien achtete keiner der Personen, die in dieser Stadt hier herumliefen auf den Vampir, der nun äußerlich eher einem Menschen glich... nur seine Augen, der fast weißlich waren und nur einen kleinen Stich ins blaue besaßen und diese boshafte Aura, die ihn umgab und viele andere dazu bewegte einen großen Bogen um ihn zu machen, unterschied ihn von den Händlern und Bewohnern, die sich hier noch herumtrieben zu dieser späten Stunde.
Doch roch der Quarraführer noch etwas anderes, als das Blut der Menschen und Elfen, die ihn umgaben. Es war der ekelerregende Geruch von Vampirjägern, die er schon vorher gerochen hatte, jedoch ignorierte. Sie stanken.. so empfand es der Kriegervampir jedenfalls. Irgendwann ließ Lestat jedoch das herumlaufen und betrat einen kleinen Stadt eines der Händler, die ihn sofort freundlich ansprachen. Es war eine junge Frau, die die Statur einer Nordin hatte. Auch das Tatoo auf ihrem Gesicht, das nicht zu übersehen war zeugte von ihrer offensichtlichen Herkunft.
Jedoch sprach sie vorsichtig und beeugte den ihr so unheimlichen Mann, der sich vor ihrem Stand aufgebaut hatte und die zu verkaufenden Sachen ansah.
"Seid mir gegrüßt junge Frau... ich halte euch nicht lange auf und so nehme ich nur eine Flasche Wein..." seine rauchige und leicht flüsternde Stimme ließen die Frau leicht zusammenzucken, doch gab sie ihm die Flasche Wein und er bezahlte sie angemessen. Er wollte nicht auffallen... noch nicht. Lestat hatte inzwischen für ein paar Stunden genug Personen ermordet und von irhem Blut gekostet.. nun war es ihm nach einen feinen Tropfen aus einem guten jahrgang, den er sich soeben gekauft hatte.
Unauffällig entkorkte er die Flasche mit einem seiner spitzen Eckzähne und spuckte den Korken in die Dunkelheit. Dann setzte er den Flaschenhals an seine Lippen und trank genüsslich. Es befriedigte ihn zwar nicht wie das noch warme und schmackhafte Blut eines Lebewesens, doch war es auch eine Befriedigung, die ihn für ein paar Stunden ruhig stellen sollte. Lestat wusste nicht ob sie in diesem abgelegenem Winkel seinen Namen je gehört hatten, doch war es ihm ja auch eigendlich egal. Sie wussten jedenfalls nun, dass ein Vampir in der Stadt war.. und das freute ihn auf eine grausame und boshafte Weise....
So saß er nun auf den Treppen vor der Taverne und trank den gekauften Wein. Vieleicht wartete auf ihn ja doch noch ein kleines Abenteuer...
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Sadrith Mora / Tel Naga / Untergrund
Die mit Steintafeln ausgelegten Wände; die stechende, durch Mark und Bein dringende Kälte, die hier unten herrschte... perfekte Umstände für das Lagern von Leichen. Doch die leichte, feuchte Luft, die sich wie klebriger Tau auf Malukhats Haut legte, ihm die Brust zusammen drückte, ließ die seelenlosen Körper schneller verwesen. Nicht so schnell wie an freier Luft, aber immerhin schnell genug, dass der ekelerregend süßliche Geruch der Verwesung unbewegt in dem Raum stand.
Doch dem Dunmer machte es nichts aus. Er atmete einmal tief ein, genoss gar den stechenden Schmerz in seiner Kehle, denn es erinnerte ihn an längst vergangene Tage.
"Machen wir halbe, halbe?", fragte er Draven und wandte sich zu ihm um. Der Erzmagister zuckte unbekümmert mit den Schultern, doch in dessen Augen konnte Malukhat erkennen, dass solche Situationen ihm zwar nicht unbekannt waren, er sie andererseits aber auch nicht sonderlich schätzte.
Malukhat hätte sich, ehrlich gesagt, auch besser zu beschäftigen gewusst, aber so kamen die beiden Männer nun einmal nicht umhin, sich dieser Sache so schnell wie möglich anzunehmen und über sie hinter sich zu bringen, sich ihrer zu entledigen.
Mit einem leisen Räuspern ging der Erzmagier auf das hinterste Steinplateau zu, und zog langsam das Leinentuch von den Augen der Leiche.
Mit leblosen, immer noch von Panik erfüllten Augen starrten ihm rote Augen entgegen; langes, orangerotes Haar lag in sanften Wellen um einen Kopf herum bis hinab auf einen schlanken Hals.
Es war noch eine recht junge Frau gewesen, mit schönen, ebenmäßigen Gesichtszügen, doch die normalerweise aschfarbene Haut war nun nicht mehr von dem roten Fluss des Lebens durchtränkt, sondern gräulich und fahl.
Ohne sie weiter zu betrachten, darüber nachzusinnen, welch ein Leben die unbekannte Tote vor ihrem Sterben gehabt haben mochte, zog er das Leinen bis über ihr Schlüsselbein, dort ließ er es sinken. Seine in dieser Hinsicht begabten Hände strichen sanft über ihren Hals, suchten die Bissstelle, die der Dunmerin ein qualvolles Ende bereitet hatte.
Und dort waren sie, die beiden dunkelrot geränderten Punkte, unmerklich, aber bei genauerem Betrachten doch merkwürdig.
"Hm..." Eine leichte Drehung des Kopfes, damit er die Bissspuren genauer erkennen konnte, das Beiseite nehmen des Haares.
Die Form, die Beschaffenheit... Ovale, nicht etwa wirklich runde Punkte, als wären sie geradezu in den Hals gerissen worden. Welch eine Vampirrasse zeichnete sich aus durch ein solches Verhalten, durch dieser Art hinterlassen Wunden?
Es kam nur eine einzige in Frage, aber der Dunmer wollte auf Nummer sicher gehen. Vielleicht hatten sie es mit einem Zusammenschluss verschiedenartiger Clans zu tun, man konnte nie wissen. Doch auch die Untersuchungen an den anderen fünf Toten ließ keinen anderen Schluss zu - die selben, äußerlichen Merkmale, keine Druckpunkte, wenn man mit dem Daumen auf die Haut presste, vollkommene Blutleere, und die Form der Bisse... Es mussten einfach Quarra sein…
Blieb abzuwarten, was Draven hatte in Erfahrung bringen können.
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Evil Mastermind
Sadrith Mora - Tel Naga Untergrund
Draven spürte seinen Magen immer deutlicher, während er sich zur anderen Raumseite begab und sich vor die erste der verhüllten Leichen stellte. Der Magier hatte das Gefühl, dass ihm die kalte Luft mit dem Verwesungsgestank im Hals hängenblieb und er sehnte sich nach Frischluft, wahrscheinlich würde er jetzt noch lieber mitten in einem Aschensturm stehen und die dortige Luft atmen. Wenn es nach ihm ginge, würden die beiden diese Räume schnellstmöglich wieder verlassen. Dummerweise war das unmöglich, immerhin mussten sie hier neue Erkenntnisse über die Vampire sammeln, das konnte man nun mal nicht eben in drei Sekunden erledigen, sondern man musste sich dafür die einzelnen Toten genau ansehen. Ein Blick zu Malukhat herüber ließ ihn wissen, dass dieser scheinbar keinerlei Probleme in der Art zu haben schien oder er konnte es sehr gut verbergen. Immer noch gegen die Übelkeit ankämpfend, hoffte er, dass er sich möglichst bald an die schlechte Luft gewöhnen würde und schlug vorsichtig das erste Leinentuch zurück, um das Gesicht und den Oberkörper der darunter befindlichen Person freizulegen. Zur Überraschung Dravens war das Gesicht des männlichen und kahlköpfigen Dunmers kein Abbild des Schreckens, sondern er wirkte als würde er friedlich schlafen. Das einzige, was dieses friedliche Bild erheblich störte, war die graue fahle Hautfarbe und das bereits etwas eingefallene Gesicht. Scheinbar wurde dieser hier entweder so schnell und hinterrücks getötet, dass er es gar nicht mitbekam, oder er wurde - wie Draven vermutete - im Schlaf ausgesaugt. Und zwar in solcher Perfektion, dass er nicht einmal aufwachte. Ein Drehen des Kopfes zeigte zwei kleine rötlich verkrustete Punkte am Hals, die eigentlich nur von Vampirzähnen stammen konnten, zumal es anderen Wesen gar nicht möglich war, einen Körper so auszusaugen und dabei nur zwei kleine Punkte als einzige Spuren an einem ansonsten zurückzulassen, zumindest kannte der Erzmagister keine.
Er ging weiter zur nächsten Leiche und diese sah ganz anders aus, weit aufgerissene Augen starrten scheinbar durch ihn hindurch und der Mund war halb offen, dieser war auf keinen Fall friedlich eingeschlafen. Zudem schien er bereits etwas länger hier zu liegen oder der Gestank im Raum war insgesamt schlechter geworden. Kurz musste der Bretone jedenfalls ein würgendes Gefühl unterdrücken und gab ich gleich darauf größte Mühe, sich seine Übelkeit nicht anmerken zu lassen. Dieser Rothwardron könnte einer der Vampirjäger gewesen sein, vermutete er, nachdem sich sein Magen wieder etwas gefangen hatte. Er hatte am Oberkörper eine Stich- und auch tiefe Schnittwunden, außerdem schien die Nase gebrochen zu sein und bestimmt auch weitere Knochen in dem Körper, was Draven allerdings nicht beurteilen konnte. Auch hier bestätigte der Blick auf den Hals, dass er ausgesaugt wurde. Neloth hatte also wirklich nicht übertrieben.
Festen Schrittes ging er in Richtung Malukhats, der gerade dabei war, eines der anderen Opfer zu untersuchen.
"Was meint ihr dazu? Ich kann nur sagen, dass es meiner Meinung nach auf jeden Fall Vampire waren, aber das wurde uns bereits vorher gesagt. Wisst Ihr vielleicht genaueres, Malukhat?"
Diese Szene kam ihm für einen kurzen Moment grotesk vor, noch vor einem Tag hatte er diesen Dunmer abgrundtief gehasst und für einen bescheuerten Idioten gehalten, ihn nur unter Zwang mitgenommen und nun standen sie beide in einer Ansammlung von Leichen in einem Raum, der ekelerregend stank und er fragte Malukhat nicht nur nach seiner Meinung, sondern ihn interessierte diese Meinung auch noch brennend.
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Sadrith Mora / Tel Naga / Untergrund
Malukhat fragte sich, welche Wandlung nur mit Draven voran gegangen sein konnte. Diese Art der Respektlosigkeit, die er den Erzmagier noch in der Magiergilde hatte spüren lassen, war vollkommen gewichen, ebenso der Ausdruck tiefster Verachtung und Desinteresse. Dennoch wollten die beiden miteinander nicht so recht warm werden. Das mochte einerseits daran liegen, dass sie sich zu ähnlich waren. Beide waren zu stolz, als dass sie sich jemandem unterwerfen würden, beide waren zu stolz um sich beleidigen zu lassen. Und auf der anderen Seite wiederum waren sie grundverschieden.
Nun, der Dunmer wollte nicht weiter darüber nachdenken. Fakt war: Sadrith Mora hatte ein Problem, er und Draven standen in einem Raum voller Leichen und der Erzmagier hatte nichts Besseres zu tun, als darüber nachzusinnen, welche Beziehung die beiden Männer miteinander verband.
Vorsichtig legte er den Kopf der Leiche, die er gerade untersuchte, zur Seite, sodass die beiden roten Male an deren Hals gut zu erkennen waren. Ovale Löcher, wirkend wie tiefe, aber schmale Einbuchtungen in den Hals. Am meisten verwunderten ihn aber bei diesem Exemplar die rötlichen Wundränder.
Wo, in Lorkhans Namen, kamen die bitteschön her? Wie konnte Wundbrand denn unter solchen Bedingungen entstehen? Es sei denn...
"Seht Euch diese Leiche an, Draven", bedeutete er dem Erzmagister höflich. "Seht Ihr die beiden Punkte am Hals des Toten? Jede Vampirrasse hinterlässt andere Bissspuren anhand derer man ausmachen kann, womit man es zu tun hat. Normalerweise sind die Bisswunden rundlich, das Fleisch an den Rändern schwillt leicht an, dass man der Meinung ist, in kleine, dunkle Löcher zu starren. Hier allerdings sind sie oval, die darum liegenden Hautlappen sind nicht auseinander gegangen, sondern wieder in sich zusammen gefallen. Es gibt nur eine Rasse, die solche Wunden hinterlässt, und ich möchte damit schon einmal anmerken, dass sie eine der gefährlichsten ganz Morrowinds ist und besitzen zudem noch eine leichte Immunität gegen Sonnenlicht. Man nennt sie 'Quarra'."
Malukhat runzelte die Stirn, dachte angestrengt nach. Hm... Wie konnte es dazu gekommen sein, dass bei dem Bretonen hier Wundbrand eingesetzt hatte?
Fakt: Der Mann wurde von einem Vampir gebissen, sein gesamtes Blut aus ihm ausgesaugt. Wie lange er bereits tot war, spielte keine Rolle.
Variante eins: Er konnte auf der so genannten "Blutbank" gelegen haben. Bei öfterem Beißen konnte durchaus Wundbrand entstehen. Allerdings wären die Bisse dann tiefer und breiter.
"Variante Nummer zwei: Der Mann war ausgesaugt worden, hatte aber noch gelebt. Auf diese Weise war er natürlich bewegungsunfähig und darauf angewiesen, dass Hilfe kam. Man fand ihn aber erst, als bereits gestorben war. Als er noch gelebt hatte, hatte der Wundbrand eingesetzt, er ist krank geworden und elendig verreckt."
Manche mochten in jenem Moment vielleicht denken, seine Worte waren ihm wieder einmal so herausgerutscht, aber dem war nicht so. Diese Variante musste die Lösung sein - und sie war alles andere als angenehm.
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Evil Mastermind
Sadrith Mora - Tel Naga Untergrund
"Interessant", dachte sich der Erzmagister, als ihm Malukhat von seiner Theorie erzählte. Er konnte nur vermuten, warum der Erzmagier dies Variante zwei nannte, wahrscheinlich hatte er die erste Variante im Kopf durchgespielt und so schnell verworfen, dass er sie ihm nicht mitteilen brauchte, da sie wohl zu abwegig war. Und dann hatte er einfach laut weitergedacht. Irgendwie passte es zu diesem Dunkelelfen, soweit er es beurteilen konnte, immerhin schien er desöfteren mal Gedanken unbeabsichtigt laut auzusprechen. Aber was interessierte ihn das schon, denn wieder einmal hatte Malukhat unter Beweis gestellt, dass er über große Sachkenntnis verfügte, die ihnen gerade in diesem Moment sehr gelegen kam. Hätte sich dieser Zauberer nicht so übermäßig frech aufgedrängt, hätte er jetzt wahrscheinlich alleine hier in dieser Leichenhalle gestanden - immerhin war Zareg ja auch weg - und hätte nur die Erkenntnis gewonnen, dass es sich bei den Angreifern tatsächlich um Vampire handelte. Jetzt wusste er, dass wahrscheinlich Vampire des Quarra Clans beteiligt waren. Natürlich konnten es auch mehrere Vampire unterschiedlicher Clans sein, aber normalerweise mochten sich diese Clan untereinander so sehr wie Draven und Malukhat. Wobei, im Moment stimmte dies nicht so ganz, eigentlich war der Erzmagister dankbar für die Anwesenheit und Hilfe Malukhats, wenn er ernsthaft darüber nachdachte. Aber dies würde ihm so schnell gewiss nicht über die Lippen kommen, da war er sich sicher. Stattdessen nahm er sich vor, sachlich zur Situation zu antworten.
"Ein schlimmer Tod. Diese Vampire scheinen sehr brutal vorzugehen und quälen ihre Opfer scheinbar, anstatt nur von ihnen zu trinken. Oder dieser Vampir, wir haben ja noch nicht einmal eine Ahnung, wie viele sich hier rumtreiben. Aber angesichts dieser vielen gefundenen Leichen denke ich, dass es mehrere sind."
Fast hätte er Malukhat gelobt für seine hervorragenden Kenntnisse, aber da hatte sich wieder sein Stolz zu Wort gemeldet und eben dies verhindert. Trotz seiner flachen Atmung wurde ihm ein weiteres Mal etwas übel von dem Verwesungsgestank und er hoffte, dass sie bald fertig sein würden. Da es jedoch leichtsinnig wäre, sich nicht alle Leichen anzuschauen, drehte er sich um und machte sich auf den Weg zur nächsten verdeckten Leiche, wobei er halb zu sich selbst und halb zu Malukhat sprach.
"Wir müssen sie aufhalten, so kann das nicht weitergehen."
Das nächste Opfer war ein männlicher Dunkelelf, welcher ebenfalls mit einem leeren Blick aus seinen roten Augen zur Decke starrte. Kurz fragte er sich, warum ihm und den anderen die Augen noch nicht geschlossen worden waren, aber dann dachte er daran, dass man die Körper wegen Untersuchungen dieser Art wohl lieber unberührt lassen wollte. Genau so, wie man an einem Ort eines Verbrechens nichts veränderte, so lange dieser nicht von den zuständigen Wachen in Augenschein genommen worden war. Als er das Leinentuch bis zur Schulterpartie des toten Dunmers herunterzog, erkannte er die üblichen Bissspuren, diesmal jedoch an beiden Seiten des Halses. Und als er den Körper weiter freilegte, sah er, dass dieser geradezu von Malen übersäht war, immer jeweils zwei kleine nebeneinander liegende Löcher, zumeist über irgendwelchen wichtigen Adern. Wie musste dieser Mann nur gelitten haben?
"Also entweder wurde dieser Mann von mehreren Vampiren gleichzeitig ausgesaugt, oder er war eine "Mahlzeit", die sie über einen längeren Zeitraum in kleinen Mengen zu sich nahmen, bis er qualvoll an Blutarmut starb. Auf jeden Fall hat er unzählige Bisswunden", sagte er leicht angewidert zum Erzmagier gewandt und ging dann weiter zum nächsten der Körper, innerlich ein weiteres Mal hoffend, diesen Ort des Grauens möglichst schnell zu verlassen.
"Habt Ihr Kenntnisse darüber, ob es bei Vampiren üblich ist, dass sie sich länger von einem einzigen Opfer ernähren?", fragte er weiter, bevor er sich darauf vorbereitete in ein weiteres totes fahles Gesicht zu blicken und seine Hände an ein weiteres der weißen Leinentücher legte.
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Sadrith Mora / Tel Naga / Untergrund
"Nein, es ist absolut nicht unüblich - es kommt sogar sehr häufig vor", entgegnete Malukhat und betrachtete die geradezu von Bissen durchsiebten Dunmer, der vor Draven auf dem Tisch lag. Auch jene Male hatten größtenteils Wundbrand angesetzt, bei manchen waren es nur blasse, rötliche Flecken, bei anderen - den wahrscheinlich älteren - weit ausgebreitete, infektiös rote Kreise.
"Ehrlich gesagt glaube ich nicht daran, dass der Dunmer an Blutverlust gestorben ist. Draven, Ihr seht doch, dass der Mann unter extremen Wundbrand gelitten hat. Damals, in den früheren Kriegen, hatten einfache Krieger die Klingen ihrer Schwerter eine Nacht lang vor der Schlacht in Jauche liegen lassen. Am nächsten Morgen hatten sie sie herausgeholt und die Klingen mit Tüchern gesäubert. Natürlich waren sie dementsprechend stumpfer, allerdings sorgten die Krankheitserreger bei dem Feind selbst bei den kleinsten Kratzern für verheerende Folgen. Die gegnerischen Soldaten wurden krank, andere Soldaten mussten sich um sie kümmern. Krieger, die Verwundete und Kranke pflegen, können nicht kämpfen, was für einen erheblichen Verlust an der Front sorgt. Der Wundbrand zieht sich durch den gesamten Körper, er ist eine schleichende Krankheit, die den Körper schwächt, beginnt, die Extremitäten lähmt und schließlich auch die Zunge, wodurch das arme Opfer nicht einmal mehr sprechen kann. Eine ähnlich infektiöse Wirkung haben auch die Bisse von Vampiren, jedenfalls wenn sie in der Blutbank liegen. Die Umgebung ist kalt und feucht, in etwa wie hier in diesem Raum, Bakterien liegen in der Luft, alleine schon der Umstände ihrer gedrungenen, zusammen gepferchten Umgebung wegen. Die Opfer sterben also eher noch an Wundbrand als an Blutverlust, falls sie nicht einfach von den Vampiren getötet werden, da ihr Blut durch die Krankheit ungenießbar wird."
So viel also zu den Erklärung. Allerdings... Malukhat hatte den Faden verloren, worum genau ging es hier eigentlich noch gleich? Er war so ins Reden vertieft gewesen, dass er nun gar keine Ahnung mehr hatte, was das alles überhaupt zu bedeuten hatte. Was hatte Draven ihn gleich noch einmal gefragt? Hm... Ach, egal. Ihm würde schon irgendeine passende Antwort einfallen. Er musste nur eben irgendwas intelligentes sagen. Hatte ja eben auch geklappt, nur war seine intelligente Ausführung ein wenig langwierig gewesen, was bei einem Mann wie ihm nun einmal zur Folge hatte, dass er immer vergaß, worum es ging. Sie hatten über Vampire gesprochen... Ähm, schon klar, dieser Gedanke sollte sich jawohl erübrigen. Dann waren da noch... Ja, was war denn da gewesen...
"Ah! Genau!" Malukhat schnippte mit den Fingern. "Blutbanken! Darüber wollte Draven was wissen!"
Das Kopschütteln aller... Na ja... Fast aller Beteiligten einfach mal geflissentlich übersehend sprach der Erzmagier weiter: "Blutbanken sind sehr beliebt bei Vampiren. Wenn man es direkt umschreiben möchte, kann man einfach nur sagen, dass die Vampire in die Blutbanken gehen wie wir in ein Handelshaus."
Malukhat zuckte mit den Schultern. Er hatte seinen Teil der Arbeit geleistet, Draven alles erzählt, was er bis dahin wusste, und war einigermaßen stolz auf sein mit der Zeit angesammeltes Wissen. Doch dem Weisen muss man seine Weisheit erst entreißen, ging es ihm schlagartig durch den Kopf. So sei nicht nur seine Leidenschaft zum Wissen gedankt, sondern auch Draven, denn er hatte es ihm abverlangt.
Aber - hey! Das würde er dem Erzmagister wohl niemals sagen können. Nein, es auch nicht wollen.
Mit einer kurzen Handbewegung ließ er das Leinentuch wieder bis über den Kopf der Dunmer-Leiche sinken.
"Wir sollten uns nun um die Fundorte kümmern, Erzmagister. Meint Ihr nicht auch, dass wir nun genug Zeit hier unten zugebracht haben?" Er dachte kurz nach. Draven würde schon wissen, was er tat, allerdings kam es dem Erzmagier schon fast so vor, als wolle der Bretone diese Leichenhalle schnellstmöglich wieder verlassen. Normalerweise hätte Malukhat ein solches Verhalten als Schwäche abgetan, aber Draven war nicht schwach, keinesfalls, also wollte er ihm den Gefallen tun, das Aufbrechen von sich aus anzubieten, um den Mann nicht in unnötige Verlegenheit zu bringen.
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Evil Mastermind
Sadrith Mora - Tel Naga
"Ja, ich denke ebenfalls, mehr können wir hier unten auch nicht mehr tun", sagte Draven an Malukhat gewandt, während er innerlich erleichtert aufatmete. In diesem Raum jedoch würde er sich weiterhin hüten, richtig tief auszuatmen, da er dann umso mehr von dieser übelriechenden Luft wieder einatmen müsste. Und für ihn war wirklich fraglich, wie lange sein Magen das noch mitmachen würde.
Als die beiden den zur Leichenhalle umfunktionierten Lagerraum wieder verließen und die relativ engen Gänge Tel Nagas nach oben gingen, dachte Draven weiterhin über die Worte des Erzmagiers nach. Man konnte wirklich von ihm halten was man wollte, aber obwohl er definitiv nicht immer den intelligentesten Eindruck hinterließ, hatte er auf jeden Fall einiges auf dem Kasten. Das hatte er hier in recht eindrucksvoller Form unter Beweis gestellt. Für einen kurzen Augenblick dachte Draven sogar darüber nach, ob Malukhat nicht nur den Trottel spielte, so dass ihn jeder unterschätzte. Vielleicht war es weit hergeholt, da jedes seiner "Missgeschicke" unglaublich spontan wirkte, aber vielleicht war er wirklich nicht nur ein weiser Elf, sondern auch ein exzellenter Schauspieler. Womöglich war dies vielleicht sogar das Verhängnis von Trebonius gewesen, wobei Trebonius Artorius ja selbst seinen Ruf als behämmerter Trottel weg hatte. Na ja, mochte er in Frieden ruhen... Nein, eigentlich nicht, immerhin war er es, der irgendeinem seiner Schüler aufgetragen hatte, alle Ratsmitglieder des Hauses Telvanni zu töten. Möge er ewig in den Feuern der Hölle schmoren, das wäre vielleicht angemessener. Aber zurück zu Malukhat, wenn Draven an das Schnippen mit den Fingern und die beiden Sätze dabei zurückdachte, hielt er Schauspielerei doch wieder für unwahrscheinlich. Ach, irgendwie war dieser Erzmagier für ihn so schwer einzuschätzen wie wohl noch nie eine Person zuvor in seinem Leben. Ein wenig Unbehagen bereitete ihm dies immer wieder, aber im Grunde genommen war es nun auch egal. Er hatte ihn auf seiner Seite und das war gut so. Auch wenn er am gestrigen Tage jeden mit einem kombinierten Blitz-, Eis-, Gift- und Feuerzauber beschossen hätte, der ihm gesagt hätte, die Begleitung des Erzmagiers wäre nützlich bei seinen Nachforschungen.
Endlich waren sie von der Wache wieder in die Erdgeschossräume des Telvanni Pilzturmes gebracht worden und endlich war die Luft wieder angenehm warm und vor allen Dingen ohne Verwesungsgeruch. Wie schön doch das Atmen auf einmal wieder war. Im Eingangsbereich des großen Turmes sah der Erzmagister einen Dunmer in einer roten Robe, ein Untergebener und Vertrauter von Neloth, welcher auf sie zukam und sie nach ihren Erkenntnissen fragte. Draven antwortete knapp, berichtete dabei aber relativ vollständig, was sie so in Erfahrung gebracht hatten. Außerdem gab er eine Karte der Umgebung in Auftrag, wo die Fundorte der Leichen eingetragen werden sollten - die nützliche Idee Malukhats. Der Dunmer sagte zu, dass die Karte schnellstmöglich angefertigt werden würde und eilte dann davon in eins der oberen Stockwerke.
"Ich würde jetzt gerne in der Taverne nachsehen, ob Zareg vielleicht inzwischen schon etwas von sich hat hören lassen", sagte Draven zu dem Erzmagier Vvardenfells. "Etwas anderes können wir momentan sowieso nicht machen ohne die Karte."
Dass er sich es auch gerne für einen kurzen Moment bequem machen und entspannen wollte, verschwieg er dabei allerdings. Wie immer hatte sein Stolz ihm dazu geraten, bloß keine Schwäche durchblicken zu lassen. Aber ein wenig Ruhe nach dieser Leichenschau wäre ihm wirklich nur Recht. Wie Malukhat dies sah, konnte er nicht einschätzen. Vielleicht ging es ihm ähnlich, vielleicht ließ es ihn kalt. Was soll's, ist eh nicht so wichtig.
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Schwertmeister
Tel Aruhn Untergrund, dann Sadrith Mora Umgebung
Ein kleines Wort am Anfang. Ohne Cruel wäre dieser Post nicht derselbe. Danke^^
Zareg hatte es schon fast geschafft, sich in dem labyrinthartigen Geflecht aus Tunneln zurecht zu finden, sich bis zum Ausgang durchzukämpfen, als ihn plötzlich eine Woge der Übelkeit wie der Schlag einer göttlichen Offenbarung traf. Er stolperte über seine eigenen Beine, doch bevor er auf den harten Boden fallen konnte, ließ er sich zur Seite sinken und lehnte sich mit gebeugtem Körper gegen die kalte Wand. Nun war es soweit, er wusste es. Er hatte gehofft, dass er es wenigstens noch bis zur Oberfläche schaffen würde, aber da hatte er sich verdammt getäuscht.
Nicht hier, ging es ihm schlagartig durch den Kopf, als er auf die Knie fiel. Seine Umgebung begann sich um ihn zu drehen, wurde immer schneller und schneller, bis das Bild des Tunnels vor seinem Auge verschwamm. Grausame Stimmen hallten in seinem Kopf wider. Es waren zu viele, er konnte nicht verstehen, was sie sagten. Und selbst wenn – er wäre nicht fähig gewesen, im Moment irgendeine Information logisch umzusetzen. Die Übelkeit verstärkte sich nur noch, doch ungeachtete dessen presste er seine Hände auf seine Ohren, kniff die Augen zusammen und betete darum, dass dieser Alptraum bald ein Ende finden würde…
Plötzlich: Das Zimmer mit den Leichen. All das Blut, welches ebenso an den Wänden verteilt war. Wie war er hierher gekommen? Die Übelkeit war fast vollkommen niedergezwungen, doch das Gefühl des Schwindels war immer noch zugegen.
Komm zum roten Berg, komm zu mir – Zareg… Die Stimme, die in dem Raum ertönte, von den Wänden widerhallte und zu einer atemberaubenden Lautstärke anschwoll, war so grotesk, dass Zareg sie kaum begreifen konnte. Sie klang wie die verführerische Stimme einer Frau, aber gleichzeitig auch wie der tiefe Bariton eines Mannes, der Schrei eines Klippenläufers. Wie ein gellender Schrei und das leise Seufzen des Windes, der durch das Blätterwerk eines Baumes fuhr. Zareg vermochte es kaum zu beschreiben. Wieder ergriff ihn die Übelkeit, wieder musste er sich anlehnen und der Boden wurde unter seinen Füßen davon gerissen. Er wollte schreien, doch seine Stimme versagte ihm den Dienst, während etliche ihm unbekannte Worte ans Ohr drangen.
Nein, dachte er sich und presste seine Hände vor das Gesicht, während eine tiefe Finsternis, schwärzer als jede Nacht, die er bis dahin erlebt hatte, ihn umgab, wie eine gähnende Leere, ein unbarmherziger Schleier aus Bosheit.
Rote, Unheil verkündende Wolke, ein Sandsturm, der um die Felsen jagte – seine Geräusche rissen Zareg aus seiner Apathie. Als er sich aufrichtete, stand ein Aschenzombie vor ihm, mit seltsam verzerrtem Gesicht und weißem Haar. Seine Augen glichen schwarzen, leeren Höhlen. Das verkrüppelte Wesen streckte eine Hand nach ihm aus, zeigte mit dem Finger auf ihm. Dann öffnete es den Mund, wollte scheinbar etwas sagen, doch bevor es das vermochte, zerstörte der Sturm seinen Körper, verwandelte ihn in kleine, bläuliche Körnchen feinen Sandes und riss ihn mit sich.
Zareg wusste es. Er wusste es genau – all das spielte sich nur auf der feuchten Oberfläche seiner Augen ab. Und dennoch… Dieses Gefühl der Angst, welches er nicht verdrängen konnte, die Sorge um sich selbst. Was war nur mit ihm geschehen? Wer hatte ihm das angetan? Und dann noch dieser unüberbrückbare Zwang, zur Geisterpforte zu pilgern, sie zu durchschreiten und die Quelle dieser Krankheit ausfindig zu machen.
Ein lauter Schrei, so kräftig und schrill, welcher Zareg die Trommelfelle zu zerreißen drohte, beendete seine Gedankengänge schlagartig. Weitere Schreie, die direkt aus dem Sturm zu kommen schienen, als erzählten sie die Klage des vom Wind gepeitschten Sandes. Doch nun war es kein Sand mehr – weiße Körper, schrecklich deformiert, strömten an ihm vorbei, schienen ihn gar nicht zu beachten. Die Münder weit aufgerissen, die Gesichter verwandelt in hässliche Fratzen der Panik und Todesqual.
„Hört auf!“, brüllte Zareg und ging zu Boden, stützte seine Hände auf dem Boden ab. Sein Körper zitterte, hatte alle Energie verloren. Und dieses ohrenbetäubende Klagegeheul – es war nicht auszuhalten! „Hört auf! Hört auf! Hört auf!“
Stille; körperlich präsentes Schweigen, welches beinahe schon absichtlich hervorgehoben wirkte.
Zareg erkannte sich in dem Tunnelgang – in genau jenem, in dem er zusammen gebrochen war. Nein, das konnte unmöglich sein. Eben war er doch noch…
Es war ein Traum gewesen, er hatte es gewusst. Einer seiner kranken Wahnalpträume, die er selbst dann hatte, wenn er wachte. Oder eher: Die er besonders dann hatte.
Er spürte, dass seine Augen weit aufgerissen waren. Mit den Händen schlug er einmal, noch einmal und noch ein drittes Mal auf den Boden, um auch sicher zu sein, dass er sich demnächst nicht wieder im freien Fall befinden würde, dass dieser Stein echter Stein war.
Und ja, das war er. Erleichtert stellte er also fest, dass es vorbei war. Diesmal.
Mit dem Handrücken wischte er sich über seine von kaltem Schweiß benetzte Stirn. Sein Körper fühlte sich auf einmal so schwer, so unbelastbar an, als wäre ihm all seine Kraft entzogen worden. Zareg fühlte sich noch schwächer als während seiner Wahnsvorstellungen. Komm zum roten Berg, hatte die Stimme ihm gesagt.
„Nein“, antwortete er mit fester Stimme und machte sich auf wackligen Beinen auf in Richtung Ausweg.
Zareg erreichte erst nach einiger Zeit völlig fertig und verstört die Oberfläche und war erstaunt, als er sah, das es hell war. Er hatte gedacht, dass es vielleicht Abend oder Nacht sein könnte, aber dass es Nachmittag oder Vormittag sein könnte hätte er nicht für möglich gehalten. Noch einmal wurde das Bild vor seinen Augen von den elendigen Fratzen dieser Wesen ersetzt und noch mal zeriss ein Schrei den helllichten Tag. Seufzend stützte er sich an den Torrahmen. Er war eigentlich froh, dass der “Wahn“ vorbei war und das er auch dabei keine Menschen verletzt hatte, doch diese schrecklichen Bilder und Stimmen, die er dabei gehört hatte, würden er sicher wieder in seinen Alpträumen vorfinden. Er atmete tief ein und während er seine Luft ausströmen und dabei seinen ganzen Kummer und seine Angst in einem einzigen Strom Luft erstickte und in die Welt entströmen ließ, machte er sich auf den Weg.
Wieder konnte er es kaum fassen, dass es helllichter Tag war. Anscheinend hatte er dort unten, während seines “Wahnes“ das Zeitgefühl verloren gehabt. Naja, eigentlich machte dies keinen Unterschied für ihn, er würde so und so mit Draven und Malukhat über das Geschehene reden müssen. Den “Wahn“ würde er aber verschweigen. Dies würde sicher nur Misstrauen erwecken und die sowieso schon eigenartige missmutige Gemeinschaft der Magier noch mehr zerrütten.
Die strahlende Sonne, der Reif, der sich überall angesetzt hatte und das glasklare Eis, dass das Meer überzogen hatte, standen im Gegensatz zu Zaregs Stimmung. Gedankenverloren schritt er so dahin und musste immer wieder nachdenken, was sein Ziel war: Sadith Mora. Die zusätzliche Kälte der Witterung störte ihm kein bisschen und er wanderte so dahin. Als er am Ufer angelangt war, vermochte er erst beim zichsten Anlauf, genug Konzentration und Willen aufzubringen, den Zauber zu wirken, um über das Wasser gehen zu können, bis er schlussendlich draufkam, dass das Wasser ohnehin zugefroren war. Zumindest war es von einer Eisschicht überzogen und ein “Feder“ - Zauber, der sein Körpergewicht um einiges verringern würde, hätte wohl gereicht. “Wenigstens muss ich nicht darauf achten, ins eiskalte Wasser zu fallen“, dachte er sich.
Er wusste nicht, wie wenig Zeit vergangen war, als er das andere Ufer erreicht hatte, die Insel überquert und weiter auf die nächste Insel, Sadith Mora, zuging, als er ein Geräusch vernahm. Irgendwie klang es wie ein fernes Kreischen, oder so etwas in der Art und ein komisches Flattern in der Luft vernahm er ebenfalls. Er ging so dahin und lauschte dem Geräusch. “Es kommt immer näher, was ist das nur?“, träumte er so dahin, als etwas auf seinen Rücken traf und ihm aus seinem Dahinwandeln, aufwachen ließ und er wieder voll in der Realität war. Zareg drehte sich um und sah schon den Klippenläufer mit seinem keulenartigen, spitzen, Schwanzende, dass er als Waffe benutzte. Nun war Zareg irgendwie sauer. Ein Zorn breitete sich in ihm, denn er nicht begreifen zu vermochte und bevor er überhaupt wusste was geschah, hatte er seinen Zauberstab genommen und mit voller Wucht auf den Klippenläufer eingeschlagen. Das Vieh kreischte und zeigte zahlreiche Wunden auf. Es versuchte gar zu fliehen, doch es schaffte es nicht. Zareg ließ all seine Wut in einem riesigen Feuerball strömen und warf ihn auf das verzweifelte Biest. Die Flügel des Tiers fingen Flammen und es verbrannte bei ganzem Leib. Verwirrt dachte sich der Meister der Telvanni, was schon wieder in ihm gefahren war. Pure Wut hatte sich in ihm ausgebreitet gehabt, wie ein Geschwür, das in ihm wohnte und immer wieder ausbrechen zu vermochte.
Der Weg nach Sadith Mora war gleich abgelaufen, wie vor dem Angriff des Klippenläufers. Irgendwie war er ohne an irgendwas zu denken, nur gewandert und befand sich nun wieder im Gasthaus, wo sie am ersten Tag in Sadith Mora gewesen waren. Leicht verwirrt stellte er fest, dass niemand von den anderen hier war. “Mir doch egal“, stellte er nach einiger Zeit fest und bestellte sich was zu trinken.
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Sadrith Mora / Taverne
Als Malukhat und Draven die Taverne betraten, in der sie tags zuvor genächtigt hatten, erkannte der Erzmagier sofort Zareg, der an einem der Tische saß, an seinem Getränk nippte und alles in allem ziemlich mitgenommen und apathisch wirkte. Er schien nicht einmal zu bemerken, wie die beiden Männer auf ihn zukamen. Draven setzte sich neben dem Bretonen auf einen Stuhl, während Malukhat die Hand hob und sie auf den Hinterkopf des mental Abwesenden sausen ließ.
"Schlaf nicht", meinte er nur kalt, als er sich ebenfalls setzte, "wir haben wichtige Neuigkeiten."
Obwohl es dem Erzmagier im höchsten Maße widerstrebte, dieser Rotznase von dem voran gegangenen Tag zu erzählen, da der andere sich wohl amüsiert hatte, während der Erzmagister und er Leichen untersucht hatten, begann er ohne Umschweife zu reden. Er erzählte dem jungen Mann, wie die Leichen zugerichtet gewesen waren, von der Art des Sterbens, ebenso von den Blutbanken und der Tatsache, dass eine Karte in Auftrag gegeben worden war, um dort die Fundorte der Leichen zu markieren. Unter Umständen hätten sie von der Lage oder dem Umfeld her etwas gemeinsam, was auf den etwaigen Aufenthaltsort der Vampire schließen lassen konnte.
"Wie gesagt", endete der Erzmagier, "es handelt sich hierbei um Quarra, das sind nicht unbedingt gesellige Wesen. Soweit ich weiß, gibt es auch eine "Familie Quarra", das sollten dann die Oberhäupter dieser Rasse sein, aber genau kann ich das nicht sagen, wer kennt sich schon mit der Hierarchie dieser Bestien aus?"
Er zuckte mit den Schultern und lehnte sich zurück. Endlich, nach einer geraumen Ewigkeit, kam die Bedinung und nahm die Bestellungen auf. Malukhat bestellte sich wie immer ein Skooma, etwas anderes trank er nur dann, wenn nichts anderes zu holen war. Er mochte dieses Getränk, wie es langsam die Sinne benebelte und die Körperteile taub erscheinen ließ. Es tötete den Kopf für eine gewisse Zeit, tilgte sämtliche Gedanken daraus, aber auch nur, wenn man zu viel davon trank.
Da fiel ihm noch etwas ein, was ihn in der Tat brennend interessierte: "Wo seid Ihr eigentlich die ganze Zeit über gewesen, Rotznase?"
Und in seiner Stimme lag ein herabwürdigender Unterton. Seiner Meinung nach zu Recht, denn Dravens Fähigkeiten hatte er nun erkannt, jedoch nicht die Zaregs. Vielleicht würde der junge Mann ihn noch überraschen, aber so lange würde er seiner demütigenden Haltung ihm gegenüber nichts ändern.
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Schwertmeister
Sadrith Mora - Taverne
“Hat der mich grad Rotznase genannt“, dachte sich Zareg und antwortete gereizt:“ Wenn ich’s schon erzähle, dann sind die Informationen für Draven und nicht für dich, Magierlein.“ "Du solltest lieber vorsichtig sein, Rotznase", entgegnete der Erzmagier gereizt, beinahe am Ausrasten, was man an seinen Augen unschwer erkennen konnte. Scheinbar hielt er sich mit aller Kraft zurück, Zareg an die Kehle zu springen. "Bring noch sowas und ich werd richtig sauer." "Rotznase?", äffte Zareg leise nach und richtete einen gequälten Blick auf Draven, der sich dem Blick nach, aber nicht in den Streit einmischen wollte. Zareg machte sich aber nicht viel daraus und dachte sich nur:" Irgendwann zahl ichs dem komischen Dunkelelfen heim." Trotzig richtete er seinen Blick nur auf Draven. Danach begann Zareg von Tel Aruhn und dem eigenartigen Raum mit den Leichen, zu erzählen. Jede Kleinigkeit erzählte er so gut er konnte, übertrieb keineswegs, verschwieg aber den “Wahn“ und die eigenartige gedankenverlorene Stimmung beim Hergehen, die er auch jetzt noch fühlte.
Gespannt lauschten die beiden, redeten nichts dazwischen und hörten sich die ganze Geschichte an. Nachdem Zareg fertig war, blickten sich die beiden anderen nachdenklich an und man konnte ein leichtes Verständnis von beider Seiten her, erkennen. Das alles war Zareg egal. Nun wartete er auf eine Reaktion, doch anfangs geschah nicht viel derer Art. Es war so, als wäre der Plan, den die beiden anscheinend ausgeheckt hatten, so eben auseinandergebröckelt. So kam es ihm zumindest vor. Zareg dachte nach, was er vergessen haben könnte, doch ihm fiel nichts ein. Er hatte alles erwähnt, doch da war doch noch irgendetwas. Er wusste es genau. Eine Kleinigkeit fehlte noch. Ein paar Minuten saß er so da und es schien so, als wäre die Zeit stehen geblieben. Auch die beiden anderen Magier, Draven und Malukhat, sprachen kein Wort.
Das ganze Wirtshaus schien ins Schweigen geraten zu sein und nur auf Zaregs Antwort zu warten. Plötzlich fiel dem Meister der Telvanni endlich ein, was er vergessen hatte. “Der Zettel!“, rief er und die Draven und Malukhat schauten ihn an, als wäre er verrückt geworden. Malukhat fragte:“ Was für ein Zettel?“ Zareg griff in den Rock und zog den Zettel heraus. Er hatte ihn gar noch nie angeschaut. Vielleicht wären dort oben die Informationen, die er suchte. Neugierig blickte er auf die Vorderseite und hoffte auf irgendwas, nur nicht auf das, was er vorfand. Geheimnisvolle Runen zogen sich, über das Blatt, die er nicht zu verstehen zu vermochte. Genervt zerknüllte er das Papier , warf es nach hinten und meinte:“ Da stehen nur irgendwelche Runen! Das kann doch keiner lesen.“ Malukhat war da aber anscheinend anderer Meinung, stand auf, ging zum Zettel, entknüllte ihn und fing an zu lesen. Zareg und Draven hörten verblüfft zu, wie er das Geschriebene auf dem Blatt vor sich hinmurmelte.
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Evil Mastermind
Sadrith Mora - Taverne
Während Malukhat sich mal wieder Skooma bestellt hatte, eigentlich ein illegales Getränk, welches es aber in den nicht kaiserlichen Gebieten schon gelegentlich zu kaufen gab, bestellte Draven sich einen cyrodiilischen Brandy. Dieser schien komischerweise nur positive Eigenschaften zu haben und benebelte im Gegenzug nur minimal. Aber ein wenig benebelt zu sein, fand er nun nach dem Anblick der vielen Toten gar nicht so schlecht. Glücklicherweise war es der Erzmagier, der das Wort erhob und Zareg von allem erzählte, was sie erlebt hatten. Normalerweise wäre Draven stinksauer gewesen, da das Weitergeben der Erkenntnisse an einen Telvannimeister eigentlich die Aufgabe des Erzmagisters wäre und Malukhat sich gefälligst hätte zurückhalten sollen, aber irgendwie war er ganz froh, nicht reden zu müssen, wenn er ehrlich sein sollte. Außerdem hatte Malukhat mit seinem großen Wissen das meiste an Erkenntnissen gesammelt, warum sollte er also nicht davon berichten? Also lauschte der Bretone nur den Worten des Erzmagiers und beschränkte sich darauf, fast genussvoll mit jedem Atemzug die warme angenehme Luft einzuatmen, die so viel besser war als die eiskalte stinkende Luft in der Leichenhalle unter Tel Naga. Eigentlich sollte er sich endlich mal davon erholen, hoffentlich merkte Malukhat ihm nicht an, dass er das Atmen momentan so sehr genoss. Zareg würde es auf keinen Fall, immerhin hörte er gespannt zu. Und Malukhat war eigentlich zu sehr mit Reden beschäftigt, als dass er es hätte merken können, allerdings konnte Draven ihn immer noch nicht einschätzen und er traute ihm eine Menge mehr zu als noch am Tage zuvor, er schon irgendwie beeindruckend. "Aber Moment mal", schoss es dem Erzmagister plötzlich durch den Kopf, "wo war Zareg jetzt eigentlich gewesen die ganze Zeit über?"
Auch Malukhat musste gerade denselben Gedanken gehabt haben, denn nach seiner Erzählung stellte er dem anderen Bretonen genau diese Frage.
"Das würde mich auch mal sehr interessieren", fügte Draven mit einem vorwurfsvollen und sogar leicht verärgertem Ton hinzu.
Nachdem Zareg seine Geschichte erzählt hatte, war Draven zwar wieder etwas besänftigt, aber dennoch in seinem Inneren noch ein wenig sauer, dass er einfach so ohne ein Wort verschwunden war. Momentan jedoch schien Malukhat schon wieder etwas unerwartetes zu tun, er hatte den Zettel in die Hand genommen und es schien tatsächlich so, als könnte er es tatsächlich lesen. Damit hatte Draven schon wieder nicht gerechnet. Gestern hätte er ihn ausgelacht und das für Schauspielerei und Wichtigtuerei gehalten, aber am heutigen Tage hielt er es durchaus für möglich. Wie hatte sich sein Eindruck von diesem Kerl nur innerhalb von einem Tag verändert? Immer wieder musste er heute daran denken, fast mehr als an die Vampire und das erschreckte ihn ein wenig. Der Erzmagister würde Zareg später auf sein Fehlverhalten ansprechen, dies war im Moment nicht wichtig und würde sich hoffentlich auch nicht wiederholen. Statt etwas zu sagen, schaute er Malukhat an und wartete darauf, was dieser aus den Runen schloss.
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