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Drachentöter
16.08.2003
Jonathan Mostow im Interview
» Können Sie sich noch erinnern, was Sie empfanden, als Sie "Terminator 2" zum ersten Mal gesehen haben?
J.M.: Sehr genau. Ich war unglaublich beeindruckt. Die Effekte und Stunts haben mich umgehauen. Aber vor allem gefiel mir die Geschichte. Cameron lässt einen nie ahnen, was als Nächstes passieren wird. Es gibt zu jedem Zeitpunkt viele Möglichkeiten, in welche Richtung sich die Handlung entwickeln könnte.
Solche Filme will ich machen, auch weil ich finde, dass Unvorhersehbarkeit im Erzählen so etwas wie eine verlorene Kunst in Hollywood ist.
» In Ihren Filmen erzählen Sie gut geölte, geradlinige Geschichten, wie man Sie aus der Zeit des B-Movies kennt. Ist auch "T3" im Grunde ein B-Movie?
J.M.: Als ich als Kind meine Liebe zum Film entdeckt habe, waren die A-Movies klassische Dramen, während B-Movies stringent erzählten Genregeschichten waren. Heute haben die B-Movies von einst A-Budgets; und die A-Filme werden mit B-Budgets realisiert. Der Kritiker der "New York Times" nannte "T3" einen "B-Film" - und zwei Wochen später betonte er extra noch einmal, dass das als Lob und nicht als Geringschätzung gemeint war.
» Also fühlen Sie sich mit dem Label "B-Film" wohl?
J.M.: Absolut. Vielleicht sollte man einfach "Genrefilm" sagen. Das ist eine der klassischen Formen des Hollywood-Kinos. In meinem Film geht es um Roboter aus der Zukunft. Wenn das nicht "B" ist, dann weiß ich auch nicht. Die Herausforderung ist es, daraus einen glaubwürdigen Film mit glaubwürdigen Figuren zu machen.
» Sie distanzieren sich von dem bedeutungsschwangeren Ton des zweiten Teils. Ist das Absicht, um den Vergleichen mit Cameron zuvorzukommen?
J.M.: Ich wollte einfach nur das nächste Kapitel der Saga erzählen - und das so, wie ich es für richtig hielt. Die große Masse der Kinogänger erinnert sich zwar an "T2", aber nicht im Detail. Ich hatte die Befürchtung, dass ich das Publikum verlieren würde, wenn ich den philosophischen Faden allzu weit spinnen würde. Mein Film musste auf eigenen Beinen stehen können. Er sollte kein Vorwissen voraussetzen. Und er sollte auf den Punkt kommen, so schnell wie möglich. Wenn man das Publikum involviert, kann man sich auch Dinge erlauben, die man sonst nicht in Actionfilmen sieht.
» So liefern Sie z. B. ein Ende, das nicht nur mit den Happy-End-Regeln bricht, sondern auch wagt, die Botschaft des zweiten Teils ad absurdum zu führen.
J.M.: Man könnte es auch einfach als Zwischenergebnis betrachten. Die letzte Dialogzeile des Film ist: "Der Kampf hat gerade erst begonnen." Meine Botschaft lautet: Wenn man nicht gewinnen kann, dann muss man wenigstens überleben, um morgen wieder kämpfen zu können. Ich glaube, das ist eine zeitgemäße Message.
» Wann war Ihnen bewusst, dass "Terminator 3" Ihr Stoff sein könnte?
J.M.: Ich hätte diesen Job nicht angenommen, wenn nicht so viele Jahre seit "T2" vergangen gewesen wären. Der zeitliche Abstand erlaubte es mir, die Figuren für mich zu entdecken und nach meinen Vorstellungen zu entwickeln.
» Dennoch hatten Sie es mit einigen Männern zu tun, denen man die größten Egos von Hollywood nachsagt. Wie setzt man seine Vision gegen Arnold Schwarzenegger oder Andy Vajna durch?
J.M.: Das war zunächst meine größte Sorge. Ich habe aber eines schnell herausgefunden: Man wird nicht zu den mächtigsten Männern Hollywoods, wenn man nur den eigenen Kopf durchsetzt, sondern wenn man auf Leute setzt, deren Vision man vertraut. Sie mögen anderer Meinung sein, aber wenn sie einem erst einmal das Ruder übergeben haben, dann unterstützen sie ihn, komme, was da wolle. Arnold ist ein Superstar, weil er viele Filmerfolge hatte. Hat man Filmerfolge, wenn man ständig dem Regisseur vorschreibt, was er zu tun und zu lassen hat? Nein, so bekommt man einen Haufen Mist. Arnold versteht, dass man nur dann Erfolge feiern kann, wenn man dem Regisseur vertraut.
» Sie hatten Ihre bisherigen Filme selbst geschrieben. Haben Sie auch bei "T3" Hand ans Drehbuch gelegt?
J.M.: Ja, aber auf Grund von Gewerkschaftsregeln werde ich nicht genannt. Als ich an Bord kam, gab es eine Fassung von Tedi Sarafian. Dann setzte ich mich mit ein paar langjährigen Schreibkollegen zusammen, John Brancato und Michael Ferris. Gemeinsam dachten wir uns eine neue Geschichte aus. Ihre Fassungen habe ich dann noch einmal überarbeitet. Und damit haben wir dann losgelegt.
Quelle Kino.de
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