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  1. #1
    Zitat Zitat von Lysandros
    Ja, stimmt auch wieder, das wär zu viel. Aber dass man auf Wissenslücken und aktuelle Forschung aufmerksam macht, wär auch nicht verkehrt. Andererseits gibt es dafür das Studium an einer FH oder Uni.
    Dann gäbe es einen Aufstand. Die ganze Genetik, z.B. ist falsch bzw ungenügend und man lernt die Theorie eigentlich nur damit man danach den Kontext hat aus dem heraus man neue Thesen verstehen kann. Ähnlich ist es mit der Mittelalterforschung. Wenn ich die heutigen Kinderbücher zu dem Thema mit denen meiner Kindheit vergleiche, so haben wir in meiner Lebenszeit einen Vielzahl an Details hinzugewonnen und alte Theorien aufgegeben. Die Kindersachbücher über Wikinger hat es schon zuvor erwischt aber von diesem Prozess wird man meinen Kindern in der Schule nicht erzählen.

    Stell dir mal vor, die Lehrer würden ihnen wahrheitsgemäß in der ersten Stunde sagen: "Das alles wird sich in eurer Lebenszeit noch als überholt erweisen, lernen müsst ihr es trotzdem."

    Dieses Prozesshafte müssen wir ihnen verschweigen und sie von der Idee des Absoluten abhängig machen. Denn wenn sie die nicht mehr haben, fehlt ihnen Sinn, Ziel und Maß im Lernen.

  2. #2

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    Zitat Zitat von Ianus
    Stell dir mal vor, die Lehrer würden ihnen wahrheitsgemäß in der ersten Stunde sagen: "Das alles wird sich in eurer Lebenszeit noch als überholt erweisen, lernen müsst ihr es trotzdem."

    Dieses Prozesshafte müssen wir ihnen verschweigen und sie von der Idee des Absoluten abhängig machen. Denn wenn sie die nicht mehr haben, fehlt ihnen Sinn, Ziel und Maß im Lernen.
    Die "Idee des Absoluten" scheint mir in völligem Widerspruch zum Wesen eines Kindes zu stehen. Kaum ein Erwachsener ist in seinen Anschauungen derart wandlungsfähig wie ein Kind oder bereit seine Ansichten so schnell zu wechseln, als wären sie ein Stück Gewand, wie das (kleinere) Kinder doch können. Denn Kinder strotzen nur so von Einbildungskraft und diese ist verbunden mit einem starken spielerischen Drang und großer Neugierde.
    Kinder begeistern sich für das Wechselnde, Wandelnde, Schöpferische und in ihrer blühenden Phantasie sind Wahrheitswert, Schlüssigkeit und Vernunft eher unbedeutende, da phantasie-hemmende, Größen. Ein Märchen kann für ein Kind durchaus "wirklicher" sein als Fernsehnachrichten.
    Worauf ich damit hinaus will: Die Idee eine Tatsache sei absolut wahr, felsenfest und unerschütterlich für alle Zeiten ist eine Idee die du den Kindern einreden kannst, aber die sie kaum interessieren wird, selbst wenn sie's dir glauben. Denn um den Wahrheitswert einer Behauptung festzustellen braucht es ein Maß an Einsatzbereitschaft von Zweifel und Kritik, welches bei Kindern durch ihr spielerisches Wesen eben so hoch nicht vorhanden ist. Daher ja auch ihre Leichtgläubigkeit, welche nicht nur auf Erfahrungsmangel beruht.

    Das durch ein Nichtvorhandensein einer "Idee des Absoluten" die Schüler das Ziel vor den Augen verlieren wird kaum geschehen, denn die Ansicht das Lernen der Schüler sei sinn- und zweckgerichtet geht an der Wirklichkeit vorbei. Denn der Alltag läuft nunmal so ab, dass sie irgendwelche bezugslosen Daten vorgesetzt bekommen, die sie nicht einmal mit einer persönlichen Erfahrung in Verbindung setzen können. Die meisten lernen dann diese Daten nicht für Staat und Leben, sondern sie lernen sie stur auswendig um Jahr und Klasse zu schaffen (behaupt' ich mal). Und da ein Schüler eh nix zu sagen hat, stellt sich die Lust die Richtigkeit der Daten zu überprüfen kaum ein. Vielen wird wohl egal sein, wieviel Sinn das macht, was sie da vorgesetzt bekommen - Hauptsache sie beherrschen es beim Test.

    Natürlich ist ein Satz wie "Was ihr heute lernt, ist morgen überholt" nicht gerade motivierend, aber mir ging es auch nicht darum auf jede Wissenslücke aufmerksam zu machen die morgen schon gefüllt sein könnte, sondern um grundlegendere Fragen und die lassen sich nicht von heut auf morgen beantworten. Das Zufallsverhalten quantenphysikalischer Syteme (und damit die Grenzen des mechanistischen Weltbildes) oder die Frage nach der Definition vom Leben sind ebenso geheimnisvoll wie vor 100Jahren.
    Und man braucht keine komplizierten Denkstrukturen oder lauter Querverweise um auf grundlegende Fragen aufmerksam zu machen, denn Querverweise bringen nur ein Haufen Einzelheiten ans Tageslicht, es ist ein Wachsen des Wissens in die Breite, doch desto grundlegender man wird, desto tiefer man geht, umso mehr trifft man auf die Ein- und Ganzheitlichkeit weltlicher Vorgänge, was ihr Verstehen erleichtert und ihnen eine Harmonie verleiht, die nicht an Schönheit entbehrt.

    Daher empfinde ich es auch als wichtig, dass sie tiefergehenden Fragen begegnen. Denn, wie schon vorher erwähnt, sind Kinder sehr neugierig und gerade das Geheimnisvolle, Unergründliche übt einen starken Reiz aus. Ein Geographielehrer kann seine Schüler mit allen möglichen Staaten langweilen. Die meisten Zuhörer wird er wohl da haben wo er beginnt über ein mysteriös versunkenes Land zu sprechen.
    Und man darf nicht vergessen: Gerade auf die Ansichten die man im Kindes- und Jugendalter kennenlernt wird man leicht geprägt. Prägungen haben ja die nette Eigenschaft, dass sie zum Zeitpunkt ihres Erwerbs noch völlig belanglos sein können, aber in einem späteren Lebensabschnitt aus dem Dunkel des Unterbewusstseins auftauchen und erheblichen Einfluss auf Ansicht und Verhalten zum Leben haben können.
    Also warum den Menschen so früh Fragen und Wundern abgewöhnen?

  3. #3
    Zitat Zitat von cloud2003
    Natürlich ist ein Satz wie "Was ihr heute lernt, ist morgen überholt" nicht gerade motivierend, aber mir ging es auch nicht darum auf jede Wissenslücke aufmerksam zu machen die morgen schon gefüllt sein könnte, sondern um grundlegendere Fragen und die lassen sich nicht von heut auf morgen beantworten. Das Zufallsverhalten quantenphysikalischer Syteme (und damit die Grenzen des mechanistischen Weltbildes) oder die Frage nach der Definition vom Leben sind ebenso geheimnisvoll wie vor 100Jahren.
    Und man braucht keine komplizierten Denkstrukturen oder lauter Querverweise um auf grundlegende Fragen aufmerksam zu machen, denn Querverweise bringen nur ein Haufen Einzelheiten ans Tageslicht, es ist ein Wachsen des Wissens in die Breite, doch desto grundlegender man wird, desto tiefer man geht, umso mehr trifft man auf die Ein- und Ganzheitlichkeit weltlicher Vorgänge, was ihr Verstehen erleichtert und ihnen eine Harmonie verleiht, die nicht an Schönheit entbehrt.
    Ich liebe die Vorstellung, dass du in eine Klasse gehst und ihnen einen Vortrag über Quanten- und sonstige theoretische Physik hälst. Du vergisst mal wieder, dass die nur darauf basiert, dass die alten Theorien gewisse Fragen unbeantwortet ließen und sofern man diese nicht kennt, ist die Quantenphysik so zusammenhangslos mit allem wie ein in der Luft schwebender Vanillepudding.
    Dein vorschlag würde Sinn machen, sofern man die gesamte Ausbildung darauf auslegt, die Schwächen der Systeme zu lehren anstatt sie als geschlossene Wahrheiten zu präsentieren aber ohne dies erzählst du ihnen nur Sachen, deren Hintergedanke sie nicht begreifen werden und deren Grundlagen sie nicht erkennen können.

    Und ein Weltbild ist eben nur das: Ein Bild, eine unvollständige Beschreibung einer wegen Wiederholung als vorhanden angenommenen Realität. Ein Anäherung aus zweiter Hand an etwas, dessen Existenz immer unsicherer wird, umso weiter wir Forschen. Seit der Atomtheorie besteht die Welt nämlich nur noch aus Löchern und Feldern, die lokale Konzentrationen von Atomen verursachen und seit der Quantentheorie ist jeder Augenblick ein Zufall geworden und wir können nicht sagen, ob irgend etwas existiert, wenn wir ihm den Rücken zudrehen.

    Die Tiefe, die du besingst, ist Nietsches Abgrund und wir können uns nicht abwenden. Nur die Augen vor diesem zu verschließen bleibt uns noch.

    Wir können mit der Wissenschaft keine Antwort auf die "grundlegenden" drei Fragen "Woher kommen wir, wohin gehen wir und warum sind wir hier" geben, das ist Bereich der Moral, aber die krankt wie wir an unserer Zeit sehen, wenn sie uns die Fragen beantworten will anstatt uns einen Vorschlag zu machen wie wir ohne sie leben können.

    Zitat Zitat
    Definiert sich Wissen durch Wahrheit?
    Und: Gibt es davon nur eine?
    Wissen und Wahrheit haben wenig miteinander zu tun. Für den Menschen gibt es nur die Wahrheit des Menschen, aber die für jeden in seiner eigenen Fassung.

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