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Thema: Squall2k's Geschichtenthread

Baum-Darstellung

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  1. #5
    So, hoffentlich ist der zweite Versuch etwas weniger peinlich^^

    "Vergeudete Zeit"

    »Ich liebe sie!«,sagte Katharina leise zu sich und drückte das dünne Büchlein fest an ihren Körper. Der Schein ihrer Bettlampe, liess die hervorgehobenen, glänzenden Buchstaben des Frontcovers leicht glitzern.
    Es geschah nicht selten, dass sie sich in eine Geschichte verliebte. Sie las fast jeden Abend, vor dem Schlafen gehen und fühlte sich nach dem Abschluss jeder Geschichte wehmütig und froh zugleich. Sie hielt das Buch noch einmal vor sich und las den Klappentext. Leicht nickte sie und lächelte, als sie die verborgenen Hinweise auf den wahren Character der Geschichte in den scheinbar nichtssagenden Worten erkannte.
    Sorgsam legte sie das Buch auf ihr Bett und stellte ihren Wecker. Normalerweise überkamen sie nun die Sorgen und die Verzweiflung der Unfreiheit, wenn sie jetzt daran dachte, morgen ein weiteres Mal aufzustehen und zur Schule gehen zu müssen. Aber heute nicht, denn heute hatte sie eine Geschichte beendet und hatte somit über wichtigere, schönere Dinge zu sinieren.
    Den Wecker stellte sie auf sechs Uhr und saß anschließend noch ein paar Minuten im Schneidersitz auf ihrer Matratze und schaute zum Fenster hinaus. Durch die Schlieren hindurch, schienen stets die beiden Straßenlaternen vor ihrem Haus und ließen immer ein wenig Licht in ihr Zimmer. Katharina nahm ihr Buch und steckte es unter ihr Kopfkissen. Es war ein Ritual, dass sie mit jedem abgeschlossenen Buch tat. Es war der Grund, weshalb sie mit dem Lesen angefangen hat. Vor drei Jahren überkam sie der Wunsch, ihr Leben und ihre Lieben mit jedem Menschen der Welt tauschen zu wollen oder, so hoffte sie insgeheim, mit einem Character aus einer wirklich, wirklich schönen Geschichte.
    Wenn sie das Buch unter ihr Kopfkissen legte, glaubte sie in ihrem Traum dorthin reisen zu können und eventuell etwas davon in die Wirklichkeit mit hin nehmen zu können. Selbst nach drei Jahren Misserfolgen, tat sie es weiterhin, denn ihre Wirklichkeit war ihr unerträglich.
    Sie schlief erst spät ein, denn ihre Gedanken brauchten einen wachen Geist. Sie wollte schlicht und ergreifend noch nicht einschlafen, auch wenn sie wusste, dass sie dadurch am nächsten Morgen wohl nicht ausgeschlafen seien würde.
    Doch lange nach Mitternacht fielen hier schlussendlich doch die Augen zu und sie schlief ein.
    Wie sie es befürchtet hatte, beantwortete sie das Klingeln des Wecker mit einem Schlag auf den 'Aus'knopf und schlief ruhig weiter.
    »Katharina....KATHARINA, JETZT WACH ENDLICH AUF!«, sagte eine energische, ein wenig nuschelnde Stimme und jemand rüttelte sie wach.
    Katharina öffnete die Augen und sah in das Gesicht ihrer Mutter. Tiefe Augenringe und ein Atem nach Wein kamen ihr entgegen. Sie hatte sich nach jenen drei Jahren schon fast daran gewöhnt. »Beeil dich, verdammt! Du kommst noch zu spät.«
    Katharina grummelte und zog sich in Blitzeseile an, putzte sich die Zähne, während sie auf der Toilette saß und zog sich anschließend noch die Schuhe an. Als sie in ihr Zimmer kam, wunderte sie sich zunächst, wo all ihre Möbel abgeblieben waren. Lediglich das Bett und die kleine Nachtti•••••••• daneben standen dort.
    Da fiel es ihr plötzlich wieder ein. Sie mussten aussziehen, in eine billigere Wohnung, in eine andere Stadt. Katharina kratzte sich den Kopf und verließ das Haus.
    Auf dem Schulweg dachte sie darüber nach, wie es seien kann, dass sie so etwas wichtiges vergessen hatte. Es hat sie doch so lange traurig gemacht. Es gab viel Streit und Stress und sie konnte sich einfach nicht von ihren Freunden verabschieden. Es sind viele Tränen geflossen. Da dachte sie an das Buch. Es war alles nur ein Selbstbetrug! Sie konnte nicht von der Wirklichkeit fliehen und wenn sie es tat, war das Aufwachen um so schlimmer.
    Sie kam natürlich zu spät zur Schule und, wie sollte es anders ein, hatte in der ersten Stunde Erdkunde bei Herrn Sanddau.
    »Fräulein Katharina, wissen sie, wann der Unterricht beginnt?«, es war sein absolut typischer Satz und seine nervende, passiv-aggressive Art, die Katharina die Zähne zusammen beißen liess.
    »Um Viertel vor Acht!«, sagte sie leise und ging, ohne sich zu entschuldigen auf ihre Platz. Der Rest des Tages verlief nicht viel besser. Sie wollte mit niemandem reden. Sie dachte an ihr Buch und sah, wenn sie jetzt so tat, als könnten sie und ihre Freunde weiterhin so glücklich zusammen sein, wäre das Aufwachen heute Nachmittag nur noch bedrückender.
    Aus diesem Grund, ging sie an diesem Tag, alleine nach Hause. Ein paar Kinder aus ihrer Nachbarschaft kamen hinter ihr her und lachten. Ein Junge lief dicht neben Katharina und schaute sie von der Seite an, er grinste leicht verlegen. Ein etwas kleinerer Junge hinte ihm, gab ihm einen Stoß.
    »HEY«, rief er mit einer frechen Stimme, »Säuft deine Mutter immer noch wie ein Loch?!«.
    Hinter ihm brachen die anderen Kinder in lautes Gelächter aus. Zuerst wollte Katharina einfach weitergehen und sie ignorieren. Doch plötzlich kniete sie sich und hielt den Jungen fest. Sie schaute ihn durchdringend an und sagte langsam und deutlich:
    »Ich liebe sie!«

    Im nächsten Moment saß Katharina im Umzugswagen. Sie erinnerte sich, wie sie den Rest des Weges, dieses wohlige Gefühl in ihrem Bauch getragen hat. Und nun sah sie ihr ehemaliges Zuhause sich immer weiter von ihr entfernen.
    Sie fühlte sich wohl mit ihrer Mutter an ihrer Seite und sie hatte Hoffnung, dass es bald wieder Berg auf gehen wird. Hoffnung, Hoffnung auf ein schönes Leben, auf Erfolg, auf sich erfüllende Träume und auf Träume, die auf ewig, Träume bleiben werden, die sie behüten kann, wie Geschichte unter ihrem Kopfkissen.

    »Katharina! Katharina, wach auf! Du kommst zu spät zur Schule!«, sagte die angenehme, zarte Stimme ihrer Mutter. Katharina war einen Moment lang verwirrt. Sie sah sich in ihrem Zimmer um. Ihre Schränke, ihr Schreibttisch mit ihrem alten Computer darauf und ihre bunte Kiste mit ihren Kindersachen darin. Und draußen standen die beiden Straßenlaternen, die ihr stets Licht ins Dunkel gebracht hatten.
    Katharina fühlte unter ihr Kopfkissen und fand das Buch, dass sie gestern noch gelesen hatte. Sie erinnerte sich an ihre Ehrlichkeit, den Kindern in ihrem Traum gegenüber, lächelte und sagte es auch ihrer Mutter.

    Geändert von Squall2k (09.07.2006 um 11:45 Uhr)

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