Ich kenne dich zwar nicht wirklich (außer den gleichnamigen, hammergeilen Lynch-Film von '84), aber ich kann mir ungefähr vorstellen, wie's dir geht.
Ich bin auch so gänzlich ohne große Talente zur Welt gekommen, war zwar nie n isolierter Einzelgänger, aber viele Freunde auf einmal hatt ich selten. Ich habe in der Regel dem Rat meiner Eltern zu folgen und musste mit der Konkurrenz meiner wesentlich begabteren Schwester kämpfen. Ich war eher verschüchtert und ebenfalls missgestimmt gegen alles, dem es besser erging als mir, fragte mich, womit ich das verdient hätte, aber es gibt in diesen Fällen kein verdienen.
Wer vergibt denn Freude, Glück, gute Dinge... niemand, also kann man sich das auch nicht richtig verdienen, die einen haben es, die anderen nicht und es hat viel mit Glück zu tun (bring mal einen überzeugten Deterministen dazu, sowas zu sagen. )

Wie hat es sich gewandelt? Nun, ich hab einmal was verrücktes getan: Mich ohne Kenntnis meiner Eltern und meiner Freunde auf eine andere Schule beworben, es hat geklappt, ich geriet unter neue Leute, mit denen ich nach nun drei Jahren sogar die Zahnbürste teilen würde, mit der Schule gings aufwärts, mein Abi wird um 0,5 besser sein als das meiner Schwester.
Einmal habe ich das getan, was niemand von mir erwartet hätte, was niemand mir geraten hat, wo niemand geglaubt hätte, dass ich das tun würde. Es war meine erste eigene Entscheidung, ich habe ganz einfach das gemacht, wovon ich das beste Gefühl hatte und meine Berührungsängste komplett überwunden: Ich bin glücklicher geworden, bedeutend.

Klar, so wie du dein Leben schilderst ist es weitaus extremer, als ich das erlebt hätte. Aber gerade in deiner Beziehung zu deinem Vater scheint es so, als würdest du zu oft die Erwartungen anderer erfüllen wollen um darauf an diesen Erwartungen zu zerbrechen. Das erste mal wirklich "Nein" zu sagen und sich mutig zu etwas zu überwinden ist schwer. Wie alt du bist weiß ich jetzt nicht, da du aber noch von Bund und Lehrberuf redest, kanns ja nicht sooo alt sein, als dass du dich noch nicht umorientieren kannst. Klar, der Arbeitsmarkt ist hart, hohes Angebot, wenig Nachfrage und es gehöre ein paar gehörige Stücke Ehrgeiz und Glück dazu, das machen zu können, was man will, aber für den Versuch, dich woanders zu bewerben wird dir niemand den Kopf abreisen, wenn du daran scheiterst. Und eine Ablehnung verkraftet man schneller als erwartet.
Suche deine Stärken (und jeder hat welche) und vertraue dir selbst. Wenn du wirklich ein fähigkeitsloses Stück Wabbel wärst, dann wärst du schonmal nicht in der Lage, dein eigenes Übel so genau zu erkennen und das ganze auch noch rhetorisch so groß auszuformulieren.
Doch vor allem: Rege dich nicht an solchen Sachen wie der Geschichte auf den Zugschienen auf. Das is was, das erlebt man, das ist im Moment des Geschehens ungünstig, aber es ist eigentlich eine perfekte Geschichte, die man bei geselligem Bier im engeren Kreise erzählt und sich darüber bepisst.