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Krieger
Es wurde immer dunkler um sie herum, doch wie spät es genau war, wusste Lenjia nicht. Aber sie musste schon eine ganze Weile hier liegen, immer wieder fielen ihr die Augen zu. Krampfhaft versuchte sie, sie offen zu halten. Ein weitaus größeres Problem stellte der Rest ihres Körpers da. Mittlerweile hatte sie jegliches Gefühl in ihren Händen und Füßen verloren, selbst der Schmerz in ihrem linken Arm war verklungen. Lenjia versuchte noch einmal, sich hoch zu rappeln. Sie wusste, wenn sie jetzt nicht etwas tun würde, wäre die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie erfrieren könnte. Oder aber sie wurde von Wölfen gefressen, das Heulen war gefährlich nahe gekommen.
Langsam hob sie den Kopf ein wenig an, bevor sie versuchte, ihren rechten Arm an den Körper zu ziehen. Bei dem Anblick ihrer Hand wurde Lenjia schlecht, sie war schon immer ein eher blasser Typ gewesen, aber jetzt hatte sich ihre Hand ganz bläulich verfärbt. Sie biss sich auf die Unterlippe, als sie versuchte sich aufzustützen, ausrutschte und auf ihren linken Arm fiel. Das Knacken war lauter als der Schmerz stärker, doch reaktionsartig schrie Lenjia laut auf.
“Jetzt nicht aufgeben”, feuerte sie sich selbst an. “Ich muss aufstehen, ich muss hier weg!”
Nach scheinbar einer endlosen Zeit hatte sie es dann endlich geschafft, sich auf ihre Knie zu setzen. Diese fühlten sich ganz taub an und abgesehen von dem Stechen in ihrem rechten Knöchel war nichts zu spüren. Reichlich wackelig erhob sie sich nun, indem sie den rechten Fuß langsam durch den Schnee vorschob und sich dann mithilfe ihres linken Knies abstützte. Kaum hatte sie dies geschafft, überkam sie plötzlich ein Schwindelanfall. Sie lehnte sich gegen die Felswand und versuchte, sich zu beruhigen. Jeder Atemzug schmerzte, die kalte Luft brannte in ihren Lungen. Doch sie musste hier weg.
Vorsichtig machte sie einen Schritt, dann den nächsten, die Hand immer stützend an der rauen Felswand. Sie schaffte so ein paar Meter, bevor sie sich wieder ausruhen musste. Lenjia lehnte sich an die Felswand und starrte vor ihr ins schwarze Nichts. Wo zur Hölle war sie?
“Glaurung”, flüsterte Lenjia. “Wo bist du, Glaurung? Glaurung!”
Mit aller ihr verbliebenen Kraft stieß sie seinen Namen hervor. Sofort trug der Wind ihre Worte davon.
Erschöpft sackte Lenjia in sich zusammen. Dass sie dabei auf ihren verstauchten Knöchel fiel, störte sie wenig. Am Ende ihrer Kräfte saß sie da, während der kalte Wind ihr harsch ins Gesicht blies. Lenjia wusste, dass es vorbei war, sie würde es niemals hier weg schaffen. Dabei verspürte sie gar keine Angst, auch keine Trauer. Sie spürte gar nichts mehr, langsam rutschte sie in einen benommenen Zustand. Sie sah die Bilder vor ihr, doch Sinn ergaben sie für Lenjia nicht mehr. Auch nicht die große Gestalt, die plötzlich, scheinbar wie aus dem Nichts, vor ihr auftauchte. Wie durch eine dicke Wand hörte sie die Person sprechen.
“Hallo Lenjia. Wie geht es dir?”
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