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Halbgott
Diese Zerrissenheit meiner Gedanken und Gefühle machte mich wütend. Ich wusste weder ein noch aus. Mein Kopf wurde überschwemmt von allen Gefühlen gleichzeitig. Hass, Freude, Wut, Glück, Zorn. Der schöne Samstag morgen mit dieser Herz erwärmenden Sonne draußen und die kalte Gefühllosigkeit in mir drin. Es musste etwas geschehen, egal was und wenn ich nur Abwasche. Irgendwie muss eine Ablenkung her, damit nicht mehr dieses Gefühlchaos über mich herfällt. In dem Moment klingelte das Telefon. Es steckte auf der Basis im Flur und ich war immer noch total apathisch um aufzustehen und abzunehmen. Nach einige male klingeln schaltete sich der Anrufbeantworter ein. Eine Männerstimme meldete sich. „Christian bist du da?, wenn ja geh mal ans Telefon.“ - Die Stimme kam mir bekannt vor.- „Ich wollte eigentlich heute vorbeikommen und dir endlich den Staubsauger vorbeibringen, doch mir ist da was dazwischen gekommen.“ - Es war mein Bruder. - „Wenn du aber Bock hast kannst du gerne rüberkommen. Dann musst du nicht alleine in deiner Wohnung bleiben.“ – Sollte ich rüberfahren? - „Na ja scheinst doch nicht zuhause zu sein. Wirst ja sehn was du machst. Ich meld mich wieder. Oder DU wenn du auf der Fähre bist. Bis später.“ Dann klickte es, aufgelegt. Endlich konnte ich mich dazu bewegen vom Stuhl aufzustehen. Ich ging zum Telefon und löschte die Nachricht mit ein paar Tastendrücken. Dieser Anruf brachte mein Durcheinander wenigstens für einige Momente wieder auf ein normales Level runter. Die vielen Gefühle die ich noch eben hatte, versiegten und zurück blieben wieder nur meine Kopfschmerzen.
Genervt ging ich zu meinem Bett und zog mich erst mal an. Ein Shirt oben rum und ein paar Socken aus dem Schrank, zu mehr hatte ich kein Bock dazu war es viel zu Warm. Das Radio zeigte 8:45. Ich hob es hoch und riss es samt Stecker aus der Verteilerdose.
„Auf Liebeslieder hab ich jetzt echt keine Nerv“ nahm noch mein Handy und ging wieder in die Küche zurück. Die Küche sah auch nicht besonders aufgeräumt aus. Auf dem Camping Tisch am Fenster lagen ein paar Schulordner, welche ich seit Wochen nicht mehr angerührt hatte. Ich stellte das Radio auf den Fenstersims und schloss es wieder an den Strom an.
Das unbeliebte Lied war inzwischen vorbei und der Radiomoderator lies mal wieder ein paar Verkehrsmeldungen verlauten. Der Abwasch stapelte sich auch schon seit wenigstens drei Tagen in der Spüle. Besteck, Töpfe, Teller, Na ja das übliche halt. An einigem Geschirr konnte man regelrecht ablesen was da gegessen wurde. So gab es in den letzten Tagen wohl meist Spagetti Bolognese oder Torteloni mit Käsesahne – Soße. Ich schaute noch einige Sekunden auf den Dreckberg und entschied dann das ich auch dazu kein Bock hatte.
Wenigstens der Kühlschrank, lies mich nicht im Stich. Vorsorglicherweise hab ich am Anfang der Woche genug eingekauft um erst mal die nächsten zwei Wochen über die Runden zu kommen. Doch besonders Hunger hatte ich auch heute nicht. Ich nahm mir nur einen Schokopudding raus und trat die Tür wieder zu. Bevor ich mich hinsetzte um zu essen, machte ich mir noch einen Becher Eiskaffee. Wenn man wie ich alleine und einsam in einer drei Zimmer Wohnung wohnt hat man auch keinen Nerv dazu ein normales Frühstück zu machen. Lange rede kurzer Sinn. Ich kippte den Pudding und den Kaffee in das Litermaß, welches neben dem Ofen stand und verrührte beides. Die braune dickflüssige Brühe schlürfte ich dann genüsslich mit einem Strohhalm. Über den Geschmack würde sich sicher streiten lassen, doch der Tag war noch lang um sich über solche belange Gedanken zu machen.
Und diese verdammten Kopfschmerzen gingen mir immer noch auf den Sack. „Wo waren noch mal die Aspirin.“ Dachte ich bei mir während ich den Rest Kaffeepudding in mich reinsaugte.
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