Ich hör so ziemlich nur Indie:
Angefangen vom deutschen Tomte, Kettcar, Olli Schulz und der Hund Marie und Tocotronic, über die britischen Arctic Monkeys, Bloc Party, STARS, Subways und Coldplay, bis hin zu zu grünen Folkrebellen wie Adam Green.
Natürlich ist meine Palette noch viel breiter gefächert, aber das war so das erste, was mir für 'ne klitzekleine Übersicht einfiel.
Was ich euch aber für diesen Thread gebe, ist 'ne prima kalifornische Band namens dredg, gratis mit 'nem CD Review von mir im Gepäck!
Enjoy, Genties and Ladymen!
Dredg - Catch without Arms (2005)
Gesang / Slide-Gitarre : Gavin Hayes
Leadgitarre : Mark Engles
Schlagzeug / Piano: Dino Campanella
Bass: Drew Roulette
Es beginnt zart wie die erste Blüte im frisch gezeugten Jahr, wie der erste, schüchterne Flügelschlag eines Schmetterlings.
Leise, unverständliche Rufe aus der weiten Ferne, im weiten Raum verlorene Gitarren, sanft gezupft von Gavin Hayes, und schließlich der direkte und knallharte musikalische Rückschlag zurück an den Boden der Tatsache, vorbei der unbeschwerte Schwebezustand, Balast wird aufgeworfen.
Und schon in der ersten Minute wird klar: Nimm das Angebot an, wie es ist, oder lass es gänzlich bleiben.
Akzeptanz, Toleranz und doch harte Kritik!
Mit Ode to the sun beginnt das neue Album Catch without Arms der jungen Kalifornier, ein Wechselspiel zwischen Schwarz und Weiß, Böse und Gut und dem Versuch in die fließenden Übergänge von unzähligen Grautönen einen Platz zu finden. Geradlinig verläuft der rote Faden durch die 13 Lieder der Scheibe, denkt man, und doch zieht er in unzähligen Zickzackkurven, unvorhersehbaren Wegeinschlagungen und unentschlossenen Richtungsänderungen.
Schwere Kost wird serviert, zubereitet durch grelle Hallengitarren, angenehme Stimmbändchen und Melodien, die sich tief in die Gehörgänge fressen und doch nie die Geborgenheit liefern, die man zum sofortigen Mitsingen braucht!
Man wird in die Schwerelosigkeit des Lebens geworfen und von selbstkritischen Inhalten hin und her gezerrt, von alltäglichen Problemen angenagt und durch die Sichtweise aus zwei Perspektiven vollkommen von den Gleisen geschmissen.
Catch without arms liefert einem den Einblick in 55 Minuten kritischer Auseinandersetzung mit Schwierigkeiten, die so alltäglich scheinen, dass es durch das alleinige Zuhören wohl schon naiv langweilig wird.
Und doch eröffnen Dredg neue Grenzen, lassen den Zuhörer durch den Alltag der Dämonen und Engel, wo alles seinen Platz hat, und man den diesen auch lassen soll, ohne einem auch nur einen Moment allein zu lassen, oder gar die rosarote Brille aufzusetzen.
Vorbei die Zeiten von der verzerrten Perspektive zur Realität, auf diesem Album verarbeiten die vier Jungs in brisanten Akkorden, grandios-gesetzten Riffs und dezenten Drumms einem alles, wovor man sich immer weggedreht hat und halten einen an der Hand, damit man in dieser Stunde nicht doch noch den feigen Schritt zurück in die alte Zeit setzt und die Zukunft fortwirft - jetzt oder nie!
Den Eintritt der Reise geschafft, steht man nun Hand in Hand mit einer Tränengestalt am Ansatz zu einem neuen Leben.
Während Bug Eyes einem ruhig mit einer gewissen Freiläufigkeit das Sortiment an Aufgaben zeigt, dass dieses Leben einem bietet, wird man im folgenden Catch without arms auch schon mitten in einen zermarternden Seelenkrieg gesetzt, komprimiert auf einen Platz im Scheinwerferlicht und die Frage, warum einen keiner mehr bemerkt, wenn man einen Schritt in den Schatten tritt.
Eine Atempause verschafft einem Not that simple, einem weiteren Aufruf zum weitermachen, nicht umzukehren, trotz aller Strapatzen fortzuschreiten, bevor man dann auch schon weiter in eine alkoholgefüllte Nacht gestoßen wird und mit einem Kater erwacht, der einem eine erneute Narbe auf dem geschändeten Körper setzt.
Weiter geht der Weg in The Tanbark is hot Lava, einem Kinderspiel, darauf basierend, auf dem langen Weg auf dem Gehweg nicht auf die Striche zwischen den Platten zu steigen. Vorsichtig mit einer unverwechselbaren Warnung auf den Schultern setzt man seine Reise nun fort, während man in eine beinahe schon surreale Zwischenwelt gesetzt wird und einer weiteren Prüfung ausgeliefert ist, alleine, nur mit alten Bekannten im Blickfeld, die trotz der Anwesenheit stumm weitergehen und man trotz vieler Freunde ein Ausgestoßener ist.
Geschafft, der halbe Weg hinter einem und man blickt noch einmal erleichtert zurück, doch im unerwartetem Moment wird man weitergezerrt und auseinander gerissen, man blickt nun aus zwei Standpunkten auf sein Ich, sieht beide Seiten der Medaille, fühlt sich hin und her gerissen in der aufgezwungenen Verantwortung der Entscheidung, bevor man dann angeschlagen und notdürftig zusammengeflickt in Reih und Glied gestellt wird, man verwirrt, zerzaust und fehl am Platz zwischen Gewehren, Schuhen, Tapferkeitsmedaillien und Unsinnigkeiten der Armee wiederfindet und man lernt zu buckeln, um heil rauszukommen, ob man möchte oder nicht.
Kaum glänzen die Militärsstiefel, wird einem ein Dolch rücklings in die Brust gerammt.
Stirb oder stirb nicht, akzeptiere den Tod oder tu's nicht, doch dein Leben wirst du doch eines Tages geben müssen, lautet dir krasse Devise.
Kaum erhebt man sich aus dem angsteinflößenden Gedanken, über den Tod lachen zu sollen, wird man noch ein letztes Mal in's kalte Wasser gestoßen, in's Unwohlsein, bevor man schließlich atemlos am rettenden Ufer zusammenbricht, die Schmerzen schluckt und man sich schließlich am Ende dieser langen Reise in kleinen Teilen wiederfindet.
Man ist den russischen Matroshkas nachempfunden immer kleiner geworden, und doch im ganzen geblieben, im besten, mit dem guten Kern, die böse Hülle abgestreift.
Wie eine unmenschliche Prüfung wurde man mit allem, was man scheuchte, konfrontiert und doch ist man im Nachhineinen glücklich darüber, diese komplizierte, schwer verdauliche Musiktreppe heil überstanden zu haben, auf dass man lächelnd die Stufen hinunterblicken kann.
Hörproben dieser erstaunlich genialen Band gibt es unter http://www.bandbuilder.com/catchwith...f_code=D59405# .
Wenn ihr die Möglichkeit habt, an eines der Exemplare von Catch without arms zu kommen, schafft es euch unbedingt an, ihr werdet es nicht bereuen und bestimmt zwei, drei Stückchen Neuerfahrung mit euch nehmen.
Von mir kriegt dieses Meisterwerk auf jedenfall 9,5/10 Punkten.
Trackliste:Ode To The Sun
Bug Eyes
Catch Without Arms
Not That Simple
Zebra Skin
The Tanbark Is Hot Lava
Sang Real
Planting Seeds
Spitshine
Jamais Vu
Hungover On A Tuesday
Matroshka (The Ornament)
Uplifting News
Links:
http://www.dredg.com/ offizielle Seite der Band
http://www.dredg.de / deutsche Seite der Band
-Snowsorrow







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