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Thema: Schnelle Gedichte, Ultrakurzgeschichten, Ideensammlung und Gedanken #1

  1. #41
    Zitat Zitat
    Richtig, und dafür gibt es diesen Thread, für alles, das untergehen kann. Wenn man Kritik oder nähere Betrachtung will, macht man eben einen neuen Thread auf.
    Du bist gegen einen Gedichte-Thread, weil die Gedichte da untergehen würden, daher du bist dafür, sie hier reinzustellen, weil sie hier gut untergehen? Deine Logik erschließt sich mir nicht ganz.

    Falls es hier ein Missverständins geben sollte: Ich spreche hier nicht von einem Gedichte-Thread für sämtliche Gedichte, sondern von einem, in den die Gedichte gestellt werden, die deiner Meinung nach hier rein sollen.

  2. #42
    Ich meine, das Gedichte, die keinen eigenen Thread verdient haben (nach Ansicht ihrer Autoren), kritiktechnisch gern untergehen können. Sie sind hier sozusagen nur zur Belustigung gepostet. Und das wars schon. Wenn man Aufmerksamkeit für das Gedicht will, macht man nen neuen auf.

    Hätten wir hier für jede Kunstunterart einen Sammelthread, würde erst Recht keiner mehr durchblicken (oder den finden), sobald er mal auf Seite zwei landet.

  3. #43
    Oh ^^;
    sorry da hab ich wohl das hier falsch verstande
    Zitat Zitat von La Cipolla
    Die ich auch selbst geschrieben habe
    Ich dachte das bezieht sich auf mein Gedicht und nicht auf den Thread
    sorry noch mal *is mir das peinlich*

  4. #44
    Statement

    Ich hab' keine Antwort auf die letzten Fragen,
    Habe nichts von Amoral und Rebellion,
    Kann nur im Kontext des Ereignis was sagen
    Und 'n Besen jonglier'n, nur was nutzt das schon,
    Da sind Wege und Straßen, Junge, kreuze sie längs,
    Erst, wenn du nicht mehr klebst, weißt du, woran du hängst,
    Da sind Himmel und Erde und sie legen sich an,
    Mit den Füßen im Sand langst du bis an die Ozonschicht ran.

  5. #45
    Metamorphose

    Es ist etwas wunderbares wenn sich eine Raupe zusammen rollt um etwas anderes zu werden. Wenn sie dort verharrt und darauf wartet, dass es einfach passiert, weil sie den ganzen Scheiß vorher in sich rein gefressen hat. Irgendwann hüllt sie eine harte Schale ein und schützt sie vor dem was außerhalb vor sich geht. Sie würde nicht merken, dass sie tot ist, selbst wenn ihr Körper schon lange zerquetscht wurde.

    Und irgendwannn, wenn keine Spinne kam und sie frass, wenn der Regen sie nicht fort gespült und der Wind sie nicht fort geweht hat, wenn kein Mensch ihre Welt zerstört hat, mit seinen Pestiziden und Giften, dann entkommt sie diesem Kokoon. Zuerst ist sie vollkommen eingehüllt von ihren schimmernden Flügeln, bis sie beginnt sich zu putzen und davon zu fliegen. Dennoch kannst du sehen, dass dieses Wesen fast genau das selbe ist.

    Ich habe mir einmal einen Schmetterling genau angesehen. Er hat mich an eine Raupe erinnert.


    Keine Ahnung ob das hierhin gehört, aber ein neuer Thread wirkte mir zu groß.

  6. #46
    Ein schnelles Gedicht ist es nicht gerade, aber ich dachte, ich stells mal hier rein. Ich habs vor ner Woche aus Spaß an der Freude geschrieben (ist etwas länger):
    Zur Hochzeit alles Gute!


    Was tut ein Mensch, wenn er seine Liebe fürs Leben gefunden hat? Er versucht sie dem Partner klar zu machen. Er stottert, schwitzt und denkt. Er will weder Wut noch Scherz in ihr entfachen. Er handelt nach eignem Ermessen und versucht es ihr zu entlocken: Ich liebe dich.
    Dann hört man sein Jubelgeschrei ohne Stocken. In Gedanken sieht er weit voraus, sieht Hochzeit, Kinder und ein Haus. Doch eins nach dem anderen. Zuerst einmal möchte er sie richtig kennen lernen. Sie wagen den langen Weg bis zum Altar. Durch Discos, Feten und so manches andre Saufgelage.
    Nun da beiderseitig ausgefragt, er es wagt. Wie in alter Tradition vor ihr kniend, durch den kalten Schweiß auf seiner Stirn schon fast erfrierend, streckt er die Hand nach ihr: Willst du vor den Altar mit mir? Die große Frage ist ausgesprochen, doch kam nichts vom Partner her, denn sie hat grad keine Stimme mehr, doch zu bieten hätte sie ein Nicken. Er, noch immer auf dem Boden hockt, wollt schon aus den Latschen kippen. In stiller Befürchtung, doch nur für einen Augenblick, sie würd seine Frage verneinen. Doch das wünscht das Schicksal nun wirklich keinem.
    Nun, diese Hürde ist genommen, dann wird jetzt eben am Altar weitergesponnen. Den Faden für eine glückliche Ehe. Doch noch ist’s nicht ganz soweit, vorbereitet wird, weit und breit. Familie, Bekannte und auch Freunde, dürfen nicht verpassen das bevorstehende Fest. Dann ist es endlich soweit, das Brautkleid auf dem Boden schleift und der Schleier ihr Antlitz verdeckend kommt sie langsamen Schrittes bis vor den Altar vom sauber raus geputzten Gotteshaus. Jetzt, da der Staub an des Kleides Ende hängt und bevor der Organist sich im Spiel noch ganz verfängt, kommt der Bräutigam dazu. Im kleidsamen Schwarz, nicht locker, sondern stocksteif, tritt er neben die Braut und macht mit ihr gemeinsam die letzten Schritte zum Altar. Der Pfarrer, ein Fachmann seines Amtes, beäugt die beiden und beginnt zu faseln. Er redet und redet, dabei hätte es gereicht, hätte er nur die Frage gestellt, dann hätten alle sich schön zusammen gesellt. Aber nein, er muss natürlich noch seine Individualität mit einbringen, das wird ihm später sonst womöglich noch unterstellt. Nachdem die beiden mit ja geantwortet, sich kurz geküsst und die Ringe getauscht, setzt sich die Gesellschaft allesamt in Gang. Hier und dorthin und dann zum Essen, das hätte auch ohne Umwege gedauert wie ich find. Nun steh ich hier und schau zu dir und dir und bin am Ende meiner Satier.

  7. #47
    Hier mal ein Gedicht von mir, heute/gestern aufgeschrieben:

    An die Verwachsenen

    "Alles muss in neuester Zeit,
    Damit es in sich zusammenklingt
    - wie klar auch - Durch das größte Leid
    Weil es sich eben so bedingt."

    Ich spür's jedoch in allen Herzen singen:
    "Der Ernst des Lebens darf einen nicht zwingen!"
    Hoffnung ist der Jugend Tracht,
    Es führt die immature Pracht,
    Und wenn sie aus der Seele quillt,
    Wer dann noch den Geist verdrillt?

    Ist es denn nicht wer, der strebt,
    Dem ihr euer Alles gebt?

  8. #48
    Ich poste dann mal ein kleines Drabble


    Das Zimmer
    Verblüfft stand Edward im Türrahmen. Das war das so ziemlich letzte, was er von Roy erwartet hatte. Er stand noch immer vor ihm und sah ihn an. „Und? Was ist?“, fragte Roy leise. Leise ging Ed in das Zimmer und wand sich zu Roy. „Meinst du wirklich?“, fragte Edward zögerlich. Roy nickte nur. Es war schwer gewesen, ‚Ja’ zu sagen. Aber er hatte es! Und nicht nur das: Sie hatten vieles vor, wenn sie fertig waren! Jetzt standen sie in Eds Zimmer und waren bereit. Ed zog seinen Mantel aus und sie räumten endlich einmal RICHTIG in Eds Zimmer auf!

  9. #49
    Zitat Zitat von Edward Elric Beitrag anzeigen
    Ich poste dann mal ein kleines Drabble


    Das Zimmer
    Verblüfft stand Edward im Türrahmen. Das war so ziemlich das Letzte, was er von Roy erwartet hatte. Er stand noch immer vor ihm und sah ihn an. „Und? Was ist?“, fragte Roy leise. Leise ging Ed in das Zimmer und wandte sich zu Roy. „Meinst du wirklich?“, fragte Edward zögerlich. Roy nickte nur. Es war schwer gewesen, ‚Ja’ zu sagen. Aber er hatte es (getan)*! Und nicht nur das: Sie hatten vieles vor, wenn sie fertig waren! Jetzt standen sie in Eds Zimmer und waren bereit. Ed zog seinen Mantel aus und sie räumten endlich einmal RICHTIG in Eds Zimmer auf!
    Brrrr, ich deute da bestimmt schon wieder zu viel rein =/ ...
    Aber irgendwie finde ich die Pointe unheimlich spannend, zumal ich sie beim ersten Mal durchlesen überhaupt nicht entdeckt hatte, beim zweiten Mal jedenfalls bin ich dann aus Versehen mit der Nase drauf gefallen - dabei weiß ich nicht mal, ob sie gewollt platziert war ;___; . War das beabsichtigt, dass die leicht entrüstete Verlegenheit der beiden und die Tatsache, dass sie noch vieles vorhatten, im Vordergrund stehen, oder les ich das nur so rein?
    Jedenfalls stellst du mich als deinen unbedarften Leser total in den Wald, das ist toll =).

    Obacht mit Wiederholungen und der Grammatik: Grade die drei letzten "Ed"s hätte man toll ersetzen können, ohne unter oder über die 100 Wörter zu kommen.
    Außerdem bin ich auch kein Fan von konformem Sprachgebrauch, aber "das so ziemlich Letzte" springt dem idiomatischen Sprachgebrauch von der Klippe; es heißt "so ziemlich das Letzte" - grammatisch ist das die normale Satzstruktur, wenn du eine Modalpartikel verwendest (du könntest beispielsweise auch sagen: "das war eigentlich das Letzte" oder "das war irgendwie das Letzte" ... als Attribut klingt das bescheuert ;P .

    *Das tolle am deutschen Sprachgebrauch ist, dass man auch einwandfrei verstanden wird, wenn man grammatikalisch grausame Ellipsen vornimmt; - kann auch sein, dass das nur für mich so schlimm ist, aber wenn du im vorhergehenden Satz kein Partizip hast, gehört, wenn das "hatte" sich auf ihn bezieht, das Partizip auf alle Fälle dort mit ran. Natürlich bricht dir das die 100 Wörter weg, aber damit musst du leben ;P.

    Geändert von Mordechaj (16.07.2008 um 16:28 Uhr)

  10. #50
    Zitat Zitat von Eynes'Prayer Beitrag anzeigen
    Brrrr, ich deute da bestimmt schon wieder zu viel rein =/ ...
    Aber irgendwie finde ich die Pointe unheimlich spannend, zumal ich sie beim ersten Mal durchlesen überhaupt nicht entdeckt hatte, beim zweiten Mal jedenfalls bin ich dann aus Versehen mit der Nase drauf gefallen - dabei weiß ich nicht mal, ob sie gewollt platziert war ;___; . War das beabsichtigt, dass die leicht entrüstete Verlegenheit der beiden und die Tatsache, dass sie noch vieles vorhatten, im Vordergrund stehen, oder les ich das nur so rein?
    Jedenfalls stellst du mich als deinen unbedarften Leser total in den Wald, das ist toll =).

    Obacht mit Wiederholungen und der Grammatik: Grade die drei letzten "Ed"s hätte man toll ersetzen können, ohne unter oder über die 100 Wörter zu kommen.
    Außerdem bin ich auch kein Fan von konformem Sprachgebrauch, aber "das so ziemlich Letzte" springt dem idiomatischen Sprachgebrauch von der Klippe; es heißt "so ziemlich das Letzte" - grammatisch ist das die normale Satzstruktur, wenn du eine Modalpartikel verwendest (du könntest beispielsweise auch sagen: "das war eigentlich das Letzte" oder "das war irgendwie das Letzte" ... als Attribut klingt das bescheuert ;P .

    *Das tolle am deutschen Sprachgebrauch ist, dass man auch einwandfrei verstanden wird, wenn man grammatikalisch grausame Ellipsen vornimmt; - kann auch sein, dass das nur für mich so schlimm ist, aber wenn du im vorhergehenden Satz kein Partizip hast, gehört, wenn das "hatte" sich auf ihn bezieht, das Partizip auf alle Fälle dort mit ran. Natürlich bricht dir das die 100 Wörter weg, aber damit musst du leben ;P.
    Als erstes danke ich dir mal für die Antwort :3

    Nun ja, die Verlegenheit und die Tatsache, das sie noch vieles vorhatten, könntest du da vielleicht reinlesen... Ich persönlich wollte es eigentlich nicht in den Vordergrund Stellen >=)

    Kay, kann man wirklich ändern ^^"
    Werd ich mir merken und auch gleich ändern...
    Das mit dem Sprachgebrauch kann ich auch ändern. Werde ich mir aber merken ;3

    Nun ja <.<
    Ich wusste das nicht, jedem unterlaufen Fehler, aber aus Fehlern lernt man. Und das es mir die 100 Worte wegbricht, ist auch nicht schlimm o.o
    Irgendwie spinnt mein Programm und zeigt mir sowieso mehr als 100 Wörter an ^^"

    =D JEdenfalls bin ich dir dankbar, dass du mir die fehler gezeigt hast. Ich habs schon anderen gezeigt, aber die haben nichts gefunden >=)

    Gruß,
    Ed

  11. #51

    DieHeiligeSandale Gast
    Aus allen Wasserwerfern kommt heute Tränengas
    Die Bullen kommen angelaufen, es ist uns egal
    Und die Pflastersteine liegen schwer auf unsern Herzen
    Wir sind paralysiert – Wir können nichtmal werfen
    Aus allen Wasserwerfern kommt heute Tränengas
    Und langsam die Erkenntnis: Es ist vorbei, das war’s

    Verbitterte Enttäuschung
    Tieftraurige Wut
    Es ist zu kalt um noch zu reden
    Und es regnet – Das ist gut
    Und die Bullen kommen
    Mit Schlagstöcken und schlagen
    Auf allen Schultern steht ein Wort, es heißt: Versagen

    Mach’s gut, bis hier war schön, bis bald
    Wir seh’n uns sicher wieder, doch bis dahin bin ich alt
    Mach’s gut, bis hier war schön, mal sehn
    Wohin die Wege führen und wohin wir beide gehen

    Aus allen Wasserwerfern kommt heute Tränengas
    Und ein paar Worte malen ganz klischeehaft alles schwarz
    Ich leg mich auf die Straße und ich warte einfach mal
    Ich höre wie du atmest und der Rest ist mir egal
    Aus allen Wasserwerfern kommt heute Tränengas
    Es ist vorbei, verlor’n – Na und? Ich hatte trotzdem Spaß


    Sicher recht holprig und unausgegoren, ist mir grad so aus den Fingern gelaufen, werde das wohl mal als Songtext verwenden. Gefällt mir persönlich grad recht gut, drum kommt's hier rein, wird sowieso mal Zeit, dass dieser Topic mal neu belebt wird.

  12. #52
    -Knock Knock-

    "Hello, who´s there?"
    "I´m your Life."
    "Cool. What´s up?"
    "You´re gonna go the wrong way."
    "Are you sure?"

    -...-

    "No."

  13. #53
    @DieHeiligeSandale:
    Im Prinzip okay, aber es ist irgendwie inhaltlich etwas durcheinander. Es ist gelativ lang, aber man weiß nach den ersten vier Zeilen schon den kompletten Inhalt des Textes. Dabei gefallen mir Teile (z.B. Strophe 3) wieder richtig gut. Wenn du es ein wenig überarbeitest könnte es richtig klasse werden.

    @Tachchen:
    Gefällt mir sehr gut. Vielleicht gerade weils so kurz ist und das Thema daher gut auf den Punkt bringt.

  14. #54
    Ein Junge aus meiner Klasse hat uns zum Nikolaus Schokonikoläuse geschenkt und jeder hatte eine Karte auf dem zu jeder Person aus meiner KLasse was stand. Auf meiner stand:

    "Lebe deine Abendteuer wie deinen Traum. Sei ein mutiger Krieger, auch wenn die Schlacht, in der du dich befindest, an einer Front stattfindet, wo man nicht mit Schwertern kämpft"

    Er hat echt zu jedem aus meiner Klasse so einen individuellen Text geschrieben.

  15. #55

    DieHeiligeSandale Gast
    Zwei total unscheinbare Sätze, die sich irgendwoher in meinem Kopf eingebrannt haben, und die ich deshalb hiermit irgendwo niederschreibe.

    "Sie sterben wie die Fliegen. Acht sind schon tot."

    Kann man vielleicht mal was draus machen. Irgendetwas drum herum konstruieren ... Lässt mich jedenfalls seit heute morgen nicht los, verstehe überhaupt nicht, warum.

  16. #56
    Mal was kleines von mir,
    aus nem Gedankenblitz entstanden =D


    Gestern wär' schon lange her,
    wenn heut' schon übermorgen wär.
    Doch weil heute, heute ist,
    und gestern nunmal gestern war,
    sitz ich nun hier
    und schreib den Mist,
    bis heute endlich gestern ist.

  17. #57
    Cool.

    Zitat Zitat
    Doch weil heute, heute ist
    Wieso das Komma? (Ist keine rhetorische Frage, vll seh ich den Grund einfach nicht).


    *kram*
    *kram*

    Ah! Ich hab auch noch was.

    *******

    Ich schnipse einen Kronkorken in die Luft, beobachte die schillernden Reflexionen im Aluminium. Elektronische Musik donnert durch das Etablissement, dringt vor lauter Schweiß stinkend in meine Nasenlöcher; ich schmecke sie wie Salz auf der Zunge. „Einen Rum“, ganz klassisch, und drehe mich auf dem Hocker, damit ich die gesamte Tanzfläche im Auge behalten kann. Die Körper, die sich aneinander reiben, wild umherwirbeln, die Emotionen spüren. Wer von ihnen wird es heute sein? In wem pulsiert das Leben am stärksten? Ein Mann? Eine Frau? Ein Junge? Ein Mädchen? Ein Junkie? Ein Punk? Eine Nutte? Zum Glück ist die Auswahl hier riesig. Ich kann wählerisch sein.
    Eine Erinnerung dringt durch meine Gedanken, und ich muss die Augen schließen. Die Musik verebbt, die blitzenden Lichter erschlaffen, der Gestank verflüchtigt sind. Und ich atme tief ein.

    Zwei- oder dreihundert Jahre vorher, eine andere Party, ein Tanz - letztendlich nichts anderes als heute. Die Weiber in ihren Kleidern, die an diesem Abend sehr locker zugeschnürt waren; der Pfarrer wusste nichts davon, und niemand würde es ihm beichten. Die Feuer blieben klein, denn kaum ein Jüngling, und erst recht kein Mädel, hatte die Erlaubnis der Familie. Ausgelassenes Lachen, springen wie im Veitstanz. Und das Bier floss, denn an Rum konnten wir damals noch nicht denken. Jemand kippte einer Dirne den Inhalt seines Humpens in den Ausschnitt, was zu großer Belustigung und noch weniger Kleidung führte. Ich erinnere mich gut an diese Eindrücke, wenn auch nicht an viel anderes, denn ich saß auf der Bank und wartete, auf mein Mädchen, auf meine Königin.

    Ich werde aus meiner Erinnerung gerissen, als dunkle Strähnen eines schulterlangen Haarschopfs das Licht der Strahler durchbrechen. Sehr laszive Bewegungen: die behandschuhten Finger, die über den Oberschenkel streichen, sich einen Moment lang in ihren aufgerissenen Netzstrümpfen verfangen und dann bis zu den bordsteinkanten-hohen Plateauschuhen wandern. Ein Wunder, wie sie damit tanzt. Das Korsett spannt sich über den Bauchnabel, etwas zu eng, denn die Lederbänder können die Fülle ihres Specks nicht ganz halten. Die Menge ist trotzdem - oder gerade deshalb - sehr angetan, denn ihre Formen bewegen sich wie der Atlantik in einem tosenden Sturm, und ihre mit Piercings versehenen roten Lippen unterstützen den Lockruf mit stöhnenden Geräuschen. Ich leere meinen Rum und drücke mich von der Bar.

    Ich könnte sie beschreiben, wie sie so zwischen den Bäumen hervortrat, aber das einzige menschliche Wort, das ansatzweise zutrifft, ist Königin. Die anderen Mädchen wurden ruhiger, zurückhaltender, die Burschen interessierten sich kaum mehr für den Tanz; höchstens widerwillig ließen sie sich noch mitzerren. In einem Bauernkleid schritt die Dame auf mich zu, wie eine Rose, die aus dem Wüstensand bricht. Und hielt mir ihre Finger hin. Ehrfürchtig ging ich auf die Knie und küsste zitternd die Hand. Es schien ihr zu gefallen, wir auch am Tag zuvor. Sie hatte kaum ein Wort gesagt, aber ich hatte mich auf den ersten Blick vernarrt - und war bereit, ihr bis ans Ende der Welt zu folgen. Und tief in mir wusste ich, dass genau das der Grund war.

    Tanzschritte vergisst man nie. Und auch in hundert Jahren verändern sie sich niemals, jedenfalls nicht wirklich. Mal unter diesem Namen, mal unter jenem, mal ohne festgelegte Choreografie, aber am Ende kommt dasselbe dabei heraus. Ich habe das verstanden, vor langer Zeit, wie viele andere Dinge auch. Die Schlampe in Schwarz wirft mir gierige Blicke zu, die ich ohne jedes schlechte Gewissen erwidern kann. Sie lebt. Sie pulsiert. Ich spüre, wie sie ihre Lust, ihr Verlangen, ihr Vergnügen wie eine Duftspur hinter sich herzieht - wie ein Angler, der einen besonders fetten, sich windenden Wurm in den Fingern hält. Und bald drückt sie sich in einem ruhigen Moment an meinen alten Körper, haucht mich an und hält mir ihre Brüste ins Gesicht, als wäre sie hier die Verführerin.
    „Komisches Cap“ - hechelnd, ein klarer Moment, aber ich grinse sie nur an. Sie ist zu erregt, um die Wahrheit länger als diesen Augenblick zu sehen, und im nächsten Moment ist es auch für sie schon wieder ein normales Basecap, Sonnenbrille, Baggy.

    Die Bäume schienen mit jedem Schritt länger zu werden, als meine Königin mich durch den dunklen Wald führte. Das Requiem der Wölfe waberte durch die Stille, aber sie wurde nicht langsamer; Ihre Hand fest um die meine geschlossen, rannten wir durch die immer weiter verzweigten Äste, durch die Dornen. Mein Geist war verwirrt, wild, und ich fühlte mich verloren. Ihre Hand war das einzige, das mich hielt. Der Pfad wurde enger, Hecken an allen Seiten, Angst keimte in mir, Panik, Wahnsinn. Und bald erkannte ich, wem ich folgte. Sie trug eine Krone, aus Dornen, und aus Silber, über ihren Haaren aus Eschenlaub. Ihre Haut hatte die Farbe der Blätter, ihr Kleid war aus feinen Seidenstoffen in allen Tönen des Waldes. Ich hielt die Hand meiner Königin fester.

    Mit festen Schritten zerre ich die Tussi zum Klo. Stoße irgendeinen betrunkenen Kerl bei Seite und schiebe mich durch die Tür. Sie leckt mein Ohr ab, haucht mir irgendwas hinein, schiebt meine Hand unter ihr Korsett. Das Bad ist voller Spiegel. Große, mannshohe Scheiben, die meine Reflektion in alle Richtungen werfen, die meine Maske nicht halten können. Sie sieht die alte, verwitterte Haut, die zusammengeflickte Kleidung, die vor langer Zeit einmal bunt war, und die Narrenkappe. Auch die Ketten um meinen Körper, und die leeren Augen, die sie gierig anstarren. Sie will schreien, aber ich lege ihr die Hand auf den Mund. Alle anderen ignorieren uns. Es ist so einfach geworden. Mit einer sachten Bewegung meiner verbliebenen Hand streife ich ihr die Fesseln über und zerre sie problemlos auf die strampelnden Beine, denn meine Königin gab mir Kraft, schon vor langer Zeit. Eine Klozelle öffnet sich, jemand schiebt sich an uns vorbei, darauf bedacht, nicht hinzuschauen. Und ich sehe den Eingang in den Wald, irgendwo hinter der Kloschüssel, oder davor, oder drinnen; spielt keine Rolle. Einen Schritt später stehen wir zwischen den Dornen, und ich lasse sie schreien. Niemand kann sie hören, niemand wird uns hier her folgen. Es ist so traurig, wie sie kreischt und sich windet - sie hat keine Ahnung! Sie versteht nicht das Geschenk, dass ich ihr mache.
    Bald kann ich mein Paket abliefern, ein neues Spielzeug voller Leben, für meine Königin.

  18. #58
    Ähhm
    ich weiß auch nicht, was das Komma da macht =D
    Es hat so einfach irgendwie besser ausgesehn =D



    Ich mag deine Geschichte,
    teilweise zwar sehr verwirrend
    und die Wechsel in Zeit,
    Ort und Ausdrucksweise muss man erstmal überdenken

    Aber mir gefällt es sehr,
    es ist spannend und fesselnd geschrieben
    und macht Lust auf mehr Text

  19. #59

    DieHeiligeSandale Gast
    Zitat Zitat
    Und tief in mir wusste ich, dass genau das der Grund war.
    Den Satz hab ich nicht ganz verstanden. Genau was war der Grund?

    Ansonsten hab ich rein gar nichts zu beanstanden, großartige, atmosphärische, schön erzählte Geschichte die direkt Lust auf mehr macht!

  20. #60
    Naja, sie hat ihn einfach erwählt, weil er ihr so willenlos ergeben ist.

    Und danke natürlich! Vielleicht kommt irgendwann auch noch mehr, zumindestens, was die Richtung angeht.

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