Morgenritual.
Yes!
6:25
Meine Mutter klopft an die Türe im Takt von "Rule Britannia" und drückt die Klinke nach unten, was ob der Tatsache, dass meine Zimmertüre für gewöhnlich abgeschlossen ist keinen Effekt hat (näheres dazu später).
Ich rufe raus "Mein scheiss Wecker is noch nichma an.", drehe mich um und döse weiter.
6:30
Mein Radiowecker geht an, die Wahrnehmung des Liedes vermischt sich noch mit meiner dösigen Träumerei, sodass ich nicht wirklich kapiere, was jetzt gerade los ist.
6:32
Ich habe kapiert, was eigentlich los ist und mache den Wecker per leichtem Fingerdruck an einem Seitenschalter aus. Dennoch bleibe ich komischerweise liegen.
6:33
Meine Mutter klopft in zweites Mal an meine Türe, die ich immer abgeschlossen habe, seitdem ich weiß, wie gerne doch meine Mutter reinkommt, Rolladen wie Vorhang aufzieht und sämtliche Lichter in meinem Zimmer einschält, dazu noch so tut, als hätte sie absolut gute Laune.
Ich antworte mit sowas wie "JA JA JA!" und drehe mich um.
6:34
Ich bekomme so allmählich das Gefühl, dass es jetzt Zeit werden könnte, aufzustehen, doch meine Beine hören nicht, was mein Hirn sagt.
6:35
Erst als meine Mutter WIEDER anklopft und ich sehe, dass es schon recht spät ist, ich stehe tatsächlich auf, suche im Dunkeln meine Bio-Latschen, trete an die Tür und gehe ins Badezimmer. Nach einer Runde Zähneputzen und viiiieeeel kaltem Wasser ins Gesicht kann ich sogar die Augen in eienm beleuchteten Raum aufmachen.
6:38
Ich geh zurück in mein Zimmer und kleide mich ausführlichst ein. Nicht selten passiert es, dass ich mich vor Verwirrtheit in meinem Pullover verlaufe.
6:39
Rituelles Schulranzen-Packen. Was nicht passt wird hierbei passend gemacht.
6:41
Ich gehe in die Küche, packe meine treue Thermoskanne, die mein Vater mit Kaffee, Milch und Zucker ... verzeihung... ich meinte mit gezuckerter Milch mit einem Schuss Kaffee angefüllt hat, packe sie ein und ziehe meine Schuhe an.
6:43
Mit einem satten "Tschüss" verlasse ich das elterliche Heim.
6:48
Ich komme an der Bushaltestelle meines Vertrauens an, wo ich meist auf die Dorftröttelin, eine Frau mit dem romantischen Beinamen "Gewitterhexe" und einen Zeugen Jehovas aus meiner ehemaligen Schule treffe. Ich verstelle mich als zu verschlafen um Konversation zu betreiben.
6:52
Ich sitze im Bus, wo es schon wieder viel zu warm ist und komisch riecht. So gelingt es mir auch leider nicht, noch etwas zu schlafen.
7:07
Ich komme an der Bushaltestelle meines zweiten Vertrauens an.
Den Ampelschaltplan habe ich fast perfekt im Kopf und weiß somit, dass man nur Erfolg hat, wenn man bei Rot über die Ampel geht.
7:15
Ich erreiche meine Schule, laufe über den Pausenhof, wo sich gegenseitig mit "Ey woisch" und "echt so, weisch so" betitelt wird und wo ich meine drei Schachteln Zigaretten passiv rauche. Mit etwas Glück verfehle ich den Hausmeister, ansonsten muss ich mir gleich wieder anhören, wie scheisse meine Generation doch ist.
7:17
Nach einer Knochenschändenden Treppe komme ich in meinem Klassenzimmer an. Nachdem ich mich meiner Jacke und meines Ranzens entledigt habe, setze ich mich, packe meine Thermoskanne aus, schraube den Tassendeckel ab, halte diesen mit der linken, die Thermoskanne in der rechten Hand, beides mit Tischkontakt und richte meinen Blick starr geradeaus.
7:21
Endlich habe ich gemerkt, dass ich mir meinen Kaffee noch nicht eingeschenkt habe. Ich fasse Mut und führe erwähnte Aktion durch, und das nicht nur einmal, denn die Kanne fasst ja drei Tassen.
7:35
Die Schulglocke ertönt zur ersten Stunde, gerade mal die Hälfte der Klasse ist bisher anwesend und ich habe keinen Kaffee mehr, dafür aber Druck auf der Blase.
7:41
Der Lehrer ist da. Endlich kann ich weiterschlafen. Meine Ruhe wird nur irgendwann von meiner Blase gestört werden.
Wäre das nicht solche Routine, ich würde die Hälfte vergessen.![]()

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