Zitat Zitat von aka
Schreibt nicht jeder halbwegs bekannte Musiker/Band ein Lied darüber wenn sie jemanden, der ihnen nahe stand, verloren haben?
Ja tun sie, aber bei Glashaus ist es eben das erste mal, dass es mir auffällt, wie "egoistisch" dieser Text eigentlich ist. Es gibt ja auch andere Arten in einem Song, um mit dem Ableben eines geliebten Menschen fertig zu werden. Genanntes Beispiel von Iced Earth wäre da nochmals zu nenne. Anstatt in Selbstmitleid zu versinken und die Welt anzuklagen, werden die Erinnerungen nochmals aufgefrischt und damit der Person eine Art lebendiges "Denkmal" gesetzt, indem der Texter (also Jon Schaffer) sagt, dass sein verstorbener Freund über ihn wacht und sie eines Tages wieder beisammen sein werden (also im Tode).
Hier ist der Selbstmitleidsanteil gegen Null tendierend, da zwar gefragt wird, warum er es sein musste, der starb, aber diese Frage im Endeffekt eh irrelevant ist, da er eben tot ist und das unabänderlich ist; es werden keine Bitten in die Welt gerufen oder dergleichen. Der Tod wird akzeptiert und nicht hinterfragt.

Zitat Zitat von aka
Und warum tuts der Rest, wie du und ich nicht?
Weil manche es schlichtweg nicht beherrschen einen Song zu schreiben.
Ja, aber es gibt auch andere Mittel und Wege damit fertig zu werden, man muss ja nicht immer einen Song schreiben. Außerdem geht es ja nicht darum, warum wir das nicht machen oder nicht; es geht um diese Einstellung, man selbst sei der Einzige Mensch, der einen tragischen Verlust hinnehmen musste und sich deshalb in aller Öffentlichkeit in Form eines Songs die Seele aus dem Leib flennt, während es auf der Welt Milliarden von Menschen gibt, von denen genügend Menschen ebenso schmerzliche Verluste hinnehmen mussten.

Zitat Zitat von Schattenläufer
Nur hätten deiner Argumentation nach Menschen in der ersten Welt nicht das Recht traurig zu sein, weil es Leute gibt, denen es schlechter geht. Und trauernden Menschen zu sagen, dass sie sich gefälligst nicht so anstellen sollen, das fand ich schon immer ungerecht.
Dann habe ich mich falsch ausgedrückt, denn das meine ich nicht. Jeder Mensch hat das Recht zu trauern und das darf und kann man auch niemanden absprechen. Aber es geht mir nur darum, dass der Text von "Haltet die Welt an" für mich so rüberkommt, als wäre der Verfasser des Textes der einzige Mensch, der einen tragischen Verlust erlitten hat; und eben darum geht es mir! Dass Gefühle an sich immer Egoistisch sind, ist mir klar. Vielleicht hätte ich im Titel doch eher "Egozentrik" schreiben sollen, denn das passt imo besser, denn wie schon gesagt wirkt auf mich der Text so, als ob NUR der Verfasser diesen Verlust erlitten hat und niemand anderes sonst.

DJ n