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Provinzheld
Ihr habt doch wohl nicht geglaubt, ihr könntet euch einfach so mitten in der Nacht davonschleichen, oder?
Aus einer finsteren Ecke neben dem Haus trat eine Gestalt hervor: Ein junger Shiekah.
Ich werde euch natürlich begleiten. Mein Vater kann auf sich selbst aufpassen. Er ist auch der Meinung, dass ich mit euch kommen sollte.
Cruentus hatte schon mit so etwas gerechnet, aber diese Worte jetzt tatsächlich aus Noyas Mund zu hören, erstaunte ihn dennoch. Der Junge konnte nicht mitkommen. Er war zu jung und zu unerfahren. Und genau das sagte Cruentus ihm auch. Doch wie erwartet wimmelte Noya ihn ab.
Ich bin zu jung und zu unerfahren? Du bist doch selbst nur wenige Monate älter als ich. Was hast du schon an Erfahrung, was ich nicht habe.
Du weißt genauso gut wie ich, dass wir vollkommen unterschiedlich aufgewachsen sind und ausgebildet wurden. Während du noch mit deinen Freunden im Sandkasten gespielt hast, habe ich schon gelernt, was die beste Methode ist, einem Moblin den Kopf abzuschlagen.
Noya wirkte gereizt.
Verdammt noch mal, Cruentus! Natürlich bin ich ausgebildet. Oder glaubst du, mein Vater hätte mir gar nichts beigebracht? Auch ich habe die hervorragende Kampfausbildung eines alten Shiekah genossen. Du solltest dich nicht so hochmütig fühlen, nur, weil du der Sohn eines Shiekahfürsten bist.
Kiro schenkte ihm einen verwunderten und überraschten Blick.
Ein Shiekahfürst? Seit wann das denn? Das hast du mir ja noch gar nicht erzählt.
Es war nicht wichtig, fertigte Cruentus ihn ab. Dann wandte er sich wieder Noya zu. Du hast doch gar keine Ahnung, was dich dort draußen erwartet. Kümmer dich um deinen Vater und dann trainiere deine Kampffertigkeiten. Ich bezweifle, dass du schon in der Lage bist, den alten Mann zu besiegen. Habe ich Recht?
Der junge Shiekah schwieg. Es fing an, zu regnen und Cruentus bereute es, sich so lange aufhalten lassen zu haben.
Bei den Shiekah bei denen ich aufgewachsen bin, bemerkte Cruentus spöttisch, galt eine Ausbildung erst dann als beendet, wenn der Schüler mächtiger war als der Meister. Nur so war gewährleistet, dass die Macht der Shiekah wuchs und nicht schrumpfte. In deinem Fall sollte es genauso sein. Wenn einige Zeit vergangen ist, werde ich zurückkehren. Und dann werde ich erneut entscheiden, ob du stark genug bist. Vielleicht werde ich dich dann mitnehmen. Ich verspreche es dir.
Noya blickte nachdenklich zu Boden. Dann hörte er hinter sich stöhnende Laute. Raikyu musste plötzlich starke Schmerzen bekommen haben. Verängstigt schaute der Junge über die Schulter zurück zum Haus. Seine Kleidung war total durchnässt und er erweckte einen erbärmlichen Eindruck.
Geh' und hilf deinem Vater!, bat Cruentus ihn. Noya nickte, erst vorsichtig, dann immer entschlossener. Mit festen Schritten lief er zur Haustür zurück. Auf der Schwelle blieb er noch einmal stehen und drehte sich um.
Leb wohl, Cruentus! Ich werde dich nicht vergessen. Dann verschwand er hinter den Mauern der alten Shiekahbehausung. Cruentus konnte sich eine Träne nicht verkneifen. Er würde ihn auch nicht vergessen. Oh nein, das würde er nicht. Er war erstaunt über sich selbst. ungläbig, dass er selbst in der Lage war, solche Gefühle zu zeigen, dass er solche Gefühle überhaupt hatte. Es hatte sich wirklich einiges in seinem Leben geändert, seit er an jenem Morgen sein Lager in der Steppe verlassen hatte. Doch jetzt war nicht die Zeit darüber nachzudenken. Sie mussten so schnell wie möglich den Tempel erreichen. Das war jetzt ihr oberstes Ziel. Sie durften es nicht aus den Augen verlieren.
Kiro, der die Szene scheigend beobachtet hatte, gesellte sich zu ihm. Gemeinsam rannten sie durch den strömenden Regen Richtung Steppe, neuen Abenteuern entgegen.
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