-
Ritter
Und hier Kapitel V har^^
Kapitel V - Wiedergeburt
Nur wenige hundert Meter von der Stadt entfernt an einem riesigen Felsen, war provisorisch eine kleine Holztür angelehnt um den Eingang der offensichtlich bewohnten Höhle zu markieren. „Also besonders handwerklich begabt scheint dieser Sarda ja nicht zu sein...“, sagte Smith, während er sich das Stück Holz näher ansah. Die anderen nickten nur und Cayn schob die Tür einfach zur Seite. Setis erleuchtete sofort das unbekannte Terrain mit einem Fackelzauber, doch das einzige, was sie sahen war, in einer linksgelegenen Nische, eine kleine Hütte. „Da scheint er es sich gemütlich gemacht zu haben...“, kommentierte Cayn den Anblick, „...also eine Höhle alleine aufzubauen...ich glaube du hast Sarda ein wenig unterschätzt, Smith...“ Smith sah Cayn von der Seite an und dann wieder auf die kleine Hütte...“wir werden sehen...“, grummelte er und dachte nach, ob er vielleicht sein Adamantium in dieser Höhle finden würde. Aber dies war äußerst unwahrscheinlich. Angenommen, es gäbe in dieser Region wirklich Adamantium, hätte es sicher schon jemand entdeckt und hätte einen wahren Rausch in der Bevölkerung Gayas ausgelöst. Denn auch ohne Smiths Schmiedekonzept zum Lichtkriegerschwert, war Adamantium ein äußerst seltenes und somit wertvolles Edelmetall.
Als sie aus die Hütte zugehen wollten, versperrte ihnen plötzlich ein blaues Ungetüm von etwa zweieinhalb Metern Höhe den Weg. Es hatte einen bedrohlich stark aussehenden Körper und rot leuchtende Augen, welche aber nicht wirklich agressiv dreinschauten, sondern eher...neugierig. Seine Aussage war allerdings mehr als klar: "Hier kommt niemand rein!", sagte es mit ewig tiefer Stimme und machte sich so breit wie es ging (und es ging se~hr breit).
Plötzlich schien etwas an Cayn seine Aufmerksamkeit zu erregen. Die Augen des Riesen wurden tellergross und beinahe wollte es schon mit der Hand zupacken, als es diese plötzlich verschüchtert einzog und mit traurigem Blick Cayn ansah.
"Ich glaub er will was von dir?!", sagte Barrow und Setis hatte auch schon eine Idee, was es ein könnte: "Hey, er scheint auf den Rubin gedeutet zu haben, den du im Brustschutz trägst...". Setis brauchte nur das Wort Rubin auszusprechen, als der Riese deutlich nervös wurde und von einem Bein aufs andere tänzelte, während er sich unsicher die Hände rieb, die Augen ständig auf den Rubin auf Cayns Panzer gerichtet. "Los, gib ihm den Rubin!", befahl Smith, aber Cayn wollte sich auf gar keinen Fall davon trennen...
"Nix da! Der bleibt da wo er ist...es wird ja wohl noch einen anderen Weg geben...", antwortete er kühl und kurz nachdem er so getan hat, als wolle er gehen, lief er auf den Riesen zu und wollte ihn mit seinem Gewicht wegstossen. Der Riese blieb stehen...Cayn nicht. Und während Smith den am Boden liegenden, fluchenden Cayn festhielt, bearbeitete Setis seinen Brustpanzer und hielt schon bald den Rubin in ihren Händen. Welchen sie auch gleich dem Riesen übergab, der sich überglücklich in eine Ecke hockte und begann den Rubin...aufzuessen.
Während Cayn laut auf Smith und Setis einschimpfte, gingen sie so schnell sie konnten zur Hütte und klopften an die Tür. Geöffnet wurde sie von einer Elfe in einer knallroten Robe und einem ebenfalls roten Federhut, deren Blick selbst den fluchenden Cayn zum verstummen brachte.
Zuerst schien sie gleich zu explodieren, so sauer war sie, doch nach einem kurzen Moment entdeckte sie die Kristallketten von Cayn, Setis und Barrow und ein erleichtertes Lächeln lösten die Zornesfalten in ihrem Gesicht auf. "Die Lichtkrieger, endlich. Tut mir leid, wegen der Unanehmlichkeiten, aber ein gewisser Schutz ist in dieser Gegend unabdingbar. Ich bin Sarda. Ihr wollt sicher wissen, was ich herausgefunden habe, also es ist folgendes...kommt doch herein...", sprach die junge Frau und zog sie zu sich in die Wohnung hinein.
Während sie sie in den Hauptraum begleitete und in demselbigen anfing Sake zu kochen, erzählte sie ihnen von seinen Entdeckungen: "Also, ich habe einen Durchgang gefunden, der ins Innere der Höhle führt. Als ich allerdings, einen Schritt in dieses unbekannte Gebiet machte, sah ich in der Ferne ein riesiges Ungeheuer. Es war mit Sicherheit eine Sphinx, ich habe es genau gesehen und mit solch kräftiger Unterstützung werde ich diesem Biest schon die Leviten lesen...erst Recht bei Sphinxen. Ich war schon immer gut im Rätsel lösen.", erklärte Sarda grinsend, während sie der Gruppe ihren Sake brachte. "Es wurde erzählt du seist ein Magier...welche Art von Magie wendest du an?", fragte Setis neugierig, nachdem sie fertig getrunken hatten.
"Ich bin ein Rotmagier, wende also die Weissmagie, als auch die Schwarzmagie an..von jedem halt ein bisschen.", lachte Sarda und nachdem Setis sie fragte, ob sie vielleicht den Exit Spruch beherrsche und ihr Nicken von Cayns Stöhnen begleitet wurde, machten sie sich auf den Weg zum erwähnten Durchgang. Dieser war zuerst nicht mehr als einen Spalt breit und ohne die Führung Sarda, hätten unsere Helden ihn vermutlich nicht einmal entdeckt. Doch Sarda fand ihn recht schnell und brach mit seinem Stab den Spalt auf und eine schmale Wendeltreppe trat zum Vorschein.
"Es wirkt einladender, als es ist.", warnte Sarda und übernahm weiterhin die Führung, während die Gruppe sich langsam daran machte, die Treppe hinabzusteigen. Der Durchgang war eng und dunkel und unsere Helden mussten öfter als ihnen beliebte durch Spinnenweben durchgehen. Aber endlich waren sie unten. Sarda und Setis beleuchteten die dunkle Höhle mit ihren Fackelzaubern. Es war unheimlich. Eng verschlungene Gänge und die unbefestigten Wände, die das Licht der Fackeln teilweise zu verschlucken schienen, ergaben ein gespenstisches Bild.
"Gott sei Dank ist Mina nicht hier. Seit Astos' Falle leidet sie ein wenig unter Klaustrophobie.", sagte Barow nachdenklich, worauf Cayn ihn merkwürdig anschaute. "Hat sie dir das erzählt?", fragte er mit einem seltsamen Klang in der Stimme, den Setis veranlasste ihm einen belächelnden Blick zuzuwerfen. "Nun...ja. Auf unserer letzen Seefahrt haben wir uns kurz unterhalten...", antwortete Barrow unsicher. Er spürte genauso gut wie Setis, dass Cayn irgendwie angespannt war. "...aha...sie hat wohl auch Gefallen daran gefunden, sinnlos in den Tagelagen rumzuhängen...", sagte Cayn bissig, aber sein Gezicke blieb unbeantwortet, denn ein Schrei von Sarda unterbrach ihre Unterhaltung. Sie gerieten gerade an eine Abzweigung und wollten gerade weiter gehen, als aus einem Seitengang, eine Sphinx erschien.
Es war ein prächtiges Wesen. Von ihr selbst ging ein goldenes Leuchten aus, welches selbst die dunklen Wänder der Höhle nicht verschingen konnten doch ihre Augen waren kalt und erbarmungslos. Sie schritt langsam auf die Helden zu, als Sarda sich wieder fasste, Cayn zublinzelte und auf die Sphinx zuging. "Sehr geerte Sphinx. Ich bin bereit für euer Rätsel...wenn ihr uns nun eure Frage stellen wo..uh-hf", die Sphinx verpasse ihr einen heftigen Hieb mit ihrer steinernen Pfote, der sie direkt vor die Füsse seiner Begleiter beförderte. "Scheint, als wär das Mistvieh heute nicht zum Rätseln aufgelegt...", kommentierte Cayn, während er sein Schwert aus der Scheude zog.
"...ich kenn das...", seufzte Barrow, "Mina kennt auch sooo viele Rätsel...". Barrow konnte von Glück reden, dass die Sphinx gerade auf sie zulief, sonst hätte Cayns Klinge womöglich noch ihn verletzt statt sie. So aber konnten alle fünf ausweichen und die Sphinx kam erst mehrere Meter weiter weg von ihnen zu stehen. Cayns Schwertstreich hat offenbar gesessen. "Fantastischer Treffer, Chef, du hast ihr tatsächlich die Nase abgehauen...", sagte Smith anerkennend. "Also ich find sie sieht so besser aus.", antwortete Barrow schnell, bevor er einen Pfeil abfeuerte, der aber sofort an der steinernden Haut der Sphinx abprallte.
Die richtige Lösung schien dann doch Setis auf Lager zu haben. Ein paar Handbewegungen und schon fing der Boden unter der Sphinx an, sich zu bewegen. Irgendwann kam die Erdmasse, auf der die völlig perplexe Sphinx stand, zur Decke und quetschte sie ein. Ein eher unangenhmer Apsekt dieser Lösung war, dass der Rückweg abermals versperrt war. "Es gibt doch sicher noch einen anderen Weg zurück?", fragte Cayn, während er mit traurigem Blick auf die Erdmassen vor ihm schaute. "Sicher gibts den...Sarda kann doch den Exit-Spruch.", antwortete Setis, während sie voranging. Aber selbst ohne dass sie das nun wirklich bemitleidenswerte Gesicht von Cayn sehen konnte, konnte sie sich ein Lächeln nicht verkneifen. „Lass mal gut sein, Cayn...vielleicht gibt es ja noch einen anderen Ausgang...“, versuchte Smith Cayn zu breruhigen, während er ihn von den Erdmassen wegzerrte.
Sarda führte sie nun durch mehrere verwinkelte Gänge und Räume. Keiner der Lichtkrieger oder Smith konnten mehr den Weg den sie gingen zurückverfolgen. Die Felsenwände, von denen manchmal noch ein klein wenig zu sehen war, wurden immer fesliger und deformierter. Sie scheinten Formen zu bilden...unheimliche Formen, so oft ein Flackern des Fackelzaubers sie offenbar. Irgendwann war Barrow wirklich froh, dass es meistens zu dunkel war, um sie genau zu erkennen, aber Cayn war fasziniert von den Gebilden. Er ging näher an einer Wand entlang und versuchte bei jedem Flackern soviel wie möglich zu erkennen. Dort war ein Schloss zu erkennen...und hier zwei Kinder des Königs, ein Sohn und seine jüngere Schwester...dann eine Harpye. Irgendwann veränderte sich das Szenaro sehr stark. Der Junge schien plötzlich ganz woanders zu sein...und älter...beim nächsten Flackern sah Cayn einen Behemoth...dann ein grosses Gemäuer mit vielen Türmen...und so ging es immer weiter...plötzlich schrie er unwillkürlich.
Setis und die anderen drehten sich sofort zu ihm...: „Was ist los?!“, riefen sie wie aus einem Mund. Aber als Setis mit ihrem Fackelzauber zu Cayn an die Wand herantrat, brauchte dieser nichts mehr zu erklären. Auch Barrow, Smith dun Sarda sahen sich nun die Wand an. „Oh Mann..das ist wirklich ...unheimlich...“, keuchte Barrow, während er mit Tränen in den Augen den deformierten Felsen betrachtete. Smith und Sarda sahen ein wenig merkwürdig drein, weil sie dem Bildnis durchaus nichts furchteregendes abgewinnen konnten...ganz im Gegenteil. Es war ein wunderbares Bild. Man konnte vier Gestalten und einen Chocobo um ein Lagerfeuer sitzen sehen. Sogar die Gestalten waren in ihrer Darstellung unglaublich ausgearbeitet. Zwei Jungen, einer in einer Kriegerausrüstung und einer in relativ einfachen, eher bäuerlichen Klamotten und dann zwei Mädchen, beide in Mäntel gekleidet...und eine von ihnen hatte einen Spitzhut auf. „Wow...den Typen möcht ich gerne mal treffen, der DAS eingeritzt hatt.“, staunte Smith nur.
Aber sowohl Cayn, als auch Barrow und Setis fühlten, dass sein Wunsch in Erfüllung gehen sollte. Sarda wurde langsam ungeduldig und zerrte die Gruppe nun in einen anderen Gang, welcher von der Wand abging. Ein paar Schlenker um andere dunklen Wände, welche aber wenigstens keine bildnishafte Deformationen trugen, und schon waren sie am Ziel. Sarda wies die anderen an, stehen zu bleiben und schritt zu einer Steinplatte auf dem Boden und schob sie mit seinem Stab zur Seite. Es kam ein noch engerer Durchgang als der vorige zum Vorschein und Sarda blickte die Gruppe mit einem merkwürdigem Blick an: „Ab hier ist auch für mich unbekanntes Terrain...ich persönlich war noch nie dort unten, aber ich vermute, dass hier das Wesen lebt, welches man in Melmond den „Vampir“ nennt. Man sagt er sei für die Verrottung der Erde verantwortlich, da er ihre spirituelle Energie „aussaugt...“, erklärte Sarda.
Ein Moment der Stille trat ein. Weder Sarda noch die Lichtkrieger waren sich sicher, ob sie da wirklich hinunter wollten. Schließlich ergriff Cayn das Wort: „Okay, machen wir ihn fertig. Ich hab ihn schließlich schon ziemlich angeschlagen. Ich geh als erster.“ Er ging an Sarda vorbei und begann die Leiter hinunter zu steigen. Nachdem genug Platz war, begann auch Sarda den Schacht zu bertreten. Als nächstes folgte Smith. Setis warf einen kurzen Blick zu Barrow, der eindeutig Bewunderung und Überraschung über Cayns Aussage und schnelle Handlung aussagte. Dann folgte auch sie Cayn und Sarda. Nachdem Setis' Kopf nicht mehr zu sehen war, begann Barrow zu zittern. Der Kristall zog ihn förmlich nach unten, wollte ihm Kraft geben, aber er selbst fürchtete sich zu sehr. Schließlich, als es vollkommen dunkel um ihn herum wurde, entschloss er sich dazu, seinen Freunden zu folgen. Er hatte wenig Mühe, den Schacht zu finden und begann die Leiter langsam hinunter zu steigen Unten angekommen, wurde noch weniger als oben das Gebiet von den Fackelzaubern von Setis und Sarda beleuchtet.
Die Helden rückten automatisch näher zusammen und versuchten innerhalb der paar Meter, welche sie überblicken konnten auf alles gefasst zu sein. Schließlich beschloss Sarda, dass sie ein wenig in seine Richtung gehen sollten. Zusammengedrängt, gingen sie den Raum ab und schon bald kamen sie zu einer riesigen Doppeltür, von etwa 6 Metern Breite und mindestens 12 Metern Höhe. Je näher sie der Pforte kamen, desto schrecklicheres wurde von dem Feuer ihrer Fackelzauber offenbart. Es war beinahe so still, dass man die immer schneller werdenden Herzklopfen der Helden hörte. Sie waren nun auf weniger als 2 Meter an die riesige Pforte herangetreten, als das Feuer des Fackelzaubers zeigte, dass auch hier auf dieser Tür Bilder eingraviert worden sind. Weder Barrrow, noch Cayn oder Setis konnten sich hier wiedererkennen, was ihnen eine unglaubliche Erleichterung war.
Doch plötzlich fing die Tür an zu vibrieren und eine Stimme hinter der Pforte schrie markerschütternd. Zunächst war der Schrei nur gedämpft, aber er wurde sehr schnell lauter. Cayn und die anderen traten fast automatisch von der Tür weg, als Sarda plötzlich rief und sie von der Tür wegrannten. Gerade noch rechtzeitig, denn die riesigen Tore knallten nun zur Seite und der „Vampir“ sprang mit unglaublicher Wucht vor die Helden. Er erkannte Cayn und seine rötlichen Augen verengten sich zu Schlitzen.
Er griff unter seinen schwarzen Umhang und zog ein langes, schmales Schwert heraus. Ein kurzer Augenkontakt mit Cayn und dann...der erste Schlag. Cayn konnte den Angriff abwehren, doch scheinbar ohne Kraftaufwand, schnellte die Klinge wieder auf ihn zu...diesmal konnte er nur ausweichen. Barrow und die anderen wussten genau, das Cayn diesen Kampf nicht allzu lange aushalten würde, geschweige denn gewinnen könnte. Mina versuchte es mit Eis- und Feuerzauber, aber jeglicher Zauber wurde von dem Vampir abgelenkt und in ihre Richtung zurückgeschleudert. Schließlich schien der Vampir wirklich die Oberhand gewonnen zu haben. Er versuchte mit seiner Klinge, den vorher parierenden Cayn zu Boden zu drücken. Cayn ging die Kraft aus.
Plötzlich bemerkte Barrow einen dunklen Kristall, der um den Hals des Vampirs hing. Er wusste nicht warum, aber seine Hand griff zum Köcher, zog einen Pfeil hinaus, legte ihn auf die Sehne und feuerte ihn direkt auf den Anhänger ab. Wie durch ein Wunder traf er den Kristall, welcher daraufhin leicht splitterte. Der Vampir wand sich vor Schmerzen und sprang in einem grossen Bogen durch die Pforte, welche sich daraufhin mit einem lauten Knallen schloss. Eine unheimliche Stille trat ein. Der, noch auf dem Boden kieende, Cayn raffte sich langsam auf und schob sein Schwert umständlich in die Scheide und sah Barrow und die anderen von unten funkelnd an.
„Alles in Ordnung?“, fragte Smith, welcher schon die ganze Zeit wie angewurzelt da stand und sich vor lauter Angst nicht bewegen konnte. Cayn knurrte nur und schritt auf Sarda zu. „Führ uns weiter...in eine andere Richtung. Der Typ von eben war nicht die Ursache für das Verrotten der Felder.“, befahl Cayn mit leisem, aber bestimmten Ton. „Typ? Für mich sah das eher aus wie ein Monster...“, murmelte Cid, doch niemand schien momentan darüber diskutieren zu wollen. Sarda führte mit Setis zusammen die Gruppe durch die dunklen und verwinkelten Gänge. Nicht, dass sie bescheid gewusst hätten, wo es lang geht, aber ohne ihre beiden Fackelzauber, wären sie wohl alle ziemlich aufgeschmissen gewesen.
Setis beschlich ein merkwürdiges Gefühl. Sie dachte schon die ganze Zeit über ihren persönlichen Kreuzzug gegen die Nekromanten nach. Der Kampf gegen Astos schien ihr so lang her zu sein, obwohl sie genau wusste, dass es gerade mal ein paar Tage zurücklag. Und doch verfolgte er sie. Sie bekam Lust aufs Morden. Einen weiteren Nekromanten für seine Verbrechen, die er an ihrem Dorf, ihrer Familie, ihren Freunden begangen hatte, leiden zu lassen. Sie ballte die Faust während sie mit Sardas durch die unterirdischen Gänge wanderte. Unglaublicher Hass staute sich in ihr auf. Das einzige was sie in diesem Moment davon abhielt um sich zu schlagen, war der Gedanke sich gleich an irgendeinem üblem Monster, nach dem sie hier suchen abzureagieren.
„Wie's wohl Mina geht?!“, murmelte Barrow in die Runde. Cayn war wirklich nicht gut drauf und stürzte sich plötzlich auf Barrow. „TU DOCH NICHT SO, ALS WÜRDEST DU DIR UM SIE GEDANKEN MACHEN!“, schrie er, während er Barrow gegen eine Steinwand presste. Smith und Cid rissen ihn sofort von Barrow weg, während Setis und Sarda, Cayn mit verständnisslosem Blick anstarrten. „Kriegst hier unten wohl zu wenig Sauerstoff...“, sagte Smith schroff, „...oder der Scheiss-Typ von eben hat dir das letzte bisschen Hirn rausgeprügelt...“, ergänzte Cid und schmiss Cayn vor ihm auf den Boden. Barrow war darauf nicht wirklich vorbereitet gewesen. Nachdem Smith und Cid mit Sarda und Setis weitergehen wollten, wandte er sich an Cayn: „Was war'n los?!“, fragte er, sich bemühend in einem neutralen Ton zu sprechen. „Nichts. Vergiss es einfach...“, knurrte Cayn und ging den anderen hinterher.
Cayn wurde es flau in der Magengegend. Dass er sich eben zum absoluten Volltrottel gemacht hatte, machte es auch nicht besser. Warum reagierte er so...genau wie vorhin in der oberen Ebene. Wieso reagiert er immer so empfindlich darauf, wenn Barrow über Mina spricht. Die Übelkeit wurde stärker. Cayn war klar, dass er so nicht gegen das mysteriöse Etwas kämpfen konnte, was die Felder in Melmond zerstört, geschweige denn gegen den angeblichen Vampir mit der dunklen Kette. Er hatte eine unglaubliche Kraft. Es schien als habe er in Melmond oben nur mit Cayn spielen wollen...ihm einen Vorsprung geben, indem er in seine Klinge rannte. Die Übelkeit wurde stärker. Cayn fühlte sich wie vor einer unschaffbaren Prüfung, von der so viel abhing. Sein Brustkorb tat ihm weh. Der Kristall schien sich fast einzubrennen. Wenn es wenigstens nur das wäre...nur ein Schmerz...oder nur ein Problem weniger. Die Angst um die Thronfolge, um den Kampf mit dem unbekannten Monster, die Niederlage gegen den vermeintlichen Vampir, sein merkwürdiges Verhalten und...Mina. Als Barrow und und die anderen sich umdrehten, war Cayn bereits auf seine Knie gefallen, stüzte sich mit den Händen ab und erbrach.
Cayn fühlte sich noch nie so schlecht wie in diesem Moment. Er war nun das schwache Glied in der Gruppe, der auf den die anderen warten mussten. Während Cid, Smith und Barrow ihm aufhalfen, und Sarda und Setis die Gegend beleuchteten, konnte er ein paar Schluchzer nicht zurückhalten. Je schwächer er wurde, desto mehr schämte er sich und je mehr er sich schämte, desto mehr zehrte dies an seinen Kräften. Doch nach ein paar Minuten hatte sich Cayn wieder einigermassen im Griff und schleppte sich hinter den anderen durch die dunklen Gänge des unheimlichen Gewölbes. Das Licht der Fackelzauber von Sarda und Setis reichten keine paar Meter weit und die Helden stolperten mehr als einmal über eine Wurzel oder ähnliches.
Es gab oftmals mehrere Verzweigungen...richtige Kreuzungen und nach einiger Zeit wurde der Weg so schmal, dass sie alle hintereinander laufen mussten. Hier wurde das Licht aber wenigstens nicht verschluckt und sie konnten mehrere Meter weit nach vorne sehen. Aber plötzlich, nachdem sie sich wieder einmal bei einer der zahlreichen Abzweigungen für einen beliebigen Weg entschieden und weitergegangen sind, hörten sie ein leises Stapfen. Sarda hörte es als erstes und warf ihre langen, schwarzen Haare unter dem roten Federhut zur Seite, so dass sie besser hören konnte. Das Stapfen wurde lauter und die Helden sahen sich nach hinten um, aber dort reichte das Licht nicht hin, da sowohl Sarda als auch Setis sich entschlossen haben, vorne weg zu gehen. Hinter ihnen lag endlose Dunkelheit. Schließlich endete das Stapfen, doch beruhigend war das nicht gerade, denn während unsere Helden zitternd und wartend regungslos da standen, ertönte ein kurzes Schnaufen.
Zwei Herzschläge später setzte das Stapfen wieder ein, sehr viel schneller als vorher und immer lauter werdend. „Bewegung!“, rief Sarda und die Gruppe rannte so schnell sie konnte den engen Gang entlang. Cayn, welcher als letzter in der Gruppe stand, glaubte einen Atem im Nacken zu spüren und betete zu Gott, falls es einen geben sollte, dass dies nur Einbildung sei. Schließlich sah Sarda vor sich eine Abzweigung. Sie registrierte sofort, dass der Rechte Gang wesentlich breiter war und ein Lichtkegel aus ihm herausragte und sie schrie, während sie den Kopf ein wenig zu ihren Gefährten drehte: „NACH RECHTS! JETZT!“. Die Gruppe rannte in einen grossen beleuchteten Saal, doch kaum hatten sie die Hälfte durchquert, blieben sie ratlos, und ihrem Ende sicher, stehen. Es war eine Falle. Sie waren in ein Nest der Ankylos gelaufen. Durchschnittlich zwei Meter grosse krokodilartige Wesen mit menschlichen Zügen und ausgefallenen Fressgewohnheiten.
Aus dem Gang aus welchen sie vorhin gerannt kamen, trat nun ein zweieinhalb grosser Ankylo hinaus und lief langsam auf allen Vieren auf die Helden zu. Auch aus den anderen vielen Gängen des Gewölbes traten nun die Ankylos hervor um ihr Mahl, wie es sich gehört, unter dem Rudel aufzuteilen. Ein Blick nach oben offenbahrte Cayn und die anderen die Grösse des Gewölbes. Der Berg musste teilweise auch nach oben hin ausgehöhlt sein, denn der Saal war sicher mehrere hundert Meter hoch und überall waren Durchgänge und kleine Verschläge in den, schwach aber nun wenigstens gleichmässig beleuchteten, Wänden.
Die Helden waren sich ihres Todes sicher. Cayn hatte nicht einmal mehr die Kraft, sein Schwert aus der Scheide zu ziehen und der Klingestab von Smith war ebenfalls noch auf seinem Rücken in den Lederschnallen um seinem Kimono befestigt. „Setis...“, fing Cayn an, „nun mach doch was...hast du keinen...*nuke-the-ankylo-fressen*-Spruch oder so was?!“. Setis warf einen verächtlichen Blick zu Cayn und dachte plötzlich über ihre Wut nach. Sie war weg. Kurz vor dem Tod verliess sie all der Hass und Schmerz und das beruhigte sie. Unbemerkt schlich ein Schatten in einem der oberen Gänge des Gewölbes. Der Klang eines, sich in die Erde bohrenden Enterhakens, hallte im Saal, kurz bevor sich besagter Schatten nach unten schwang, um sich sowohl Setis, als auch Sarda unter die Arme zu klemmen und sich dann zurück in höhere Gänge zu schwingen.
Der Vorfall brachte Leben in die vorher eher trägen Ankylos. So schnell es ging stapften sie auf Cayn, Smith, Cid und Barrow los, doch schon bald waren Cayn und Smith im selben Gang wie Setis und Sarda, hoch oben über dem Boden des Saals. Wenige Sekunden später stürzten sich die Ankylos auf ein leeres Flecken Erde, während Barrow und Cid, von unbekannter Hand getragen zu ihren Gefährten gebracht wurden. Dies alles geschah in weniger als einer halben Minute und während Cayn, Barrow, Setis, Sarda, Smith und Cid sich oben wiederfanden, sprach aus der Dunkelheit, tiefer im Durchgang, eine Stimme mit ihnen:
„Ich werde die unteren Ausgänge versperren, so dass sie euch nicht verfolgen können...zumindest vorerst. Geht den Gang weiter, dann rechts, folgt diesem Gang immer geradeaus, bis ihr zu einer Kreuzung kommt, bei der es nicht mehr geradeaus geht...dann geht ein weiteres mal nach rechts...viel Glück...“ Bevor einer der Helden etwas erwidern konnte, hörten sie das Rascheln eines Umhanges und es war klar, dass ihr Retter sie im Dunkeln nun hat sitzen lassen. Setis und Sarda beschworen einen Fackelzauber und leiteten die Gruppe den Weg entlang, so wie es ihnen gesagt wurde...eine bessere Idee hatte schließlich keiner von ihnen.
Setis war erstaunlich ruhig. Sie fühlte sich absolut leer. Diese Leere machte sie ein wenig traurig, da es ihr schien, als wenn sie ausser Hass nichts empfinden könne. Entweder sie war wütend und innerlich aggressiv oder sie war...leer. Sie schüttelte den Gedanken mit eiskalter Vernunft ab...“man darf sich jetzt nicht ablenken lassen“, dachte sie sich und ging weiter. „Wer der Typ bloss war?!“, murmelte Cayn. Keiner der anderen konnte ihm eine Antwort darauf geben, das war ihm klar, aber irgendwie war ihm, als ob er es ahnte. Schließlich erreichten sie die Stelle, die der Unbekannte ihnen erklärt hat. Nach vorne ging es nicht weiter...nur nach links ...und nach rechts. Sie wählten, wie ihnen befohlen wurde, den rechten Weg und kamen bald zu einer Sackgasse.
Bei Cid lagen wieder einmal mehr die Nerven blank: „Na super...wann lernen die Leute das endlich?! Wenn man keine Ahnung hat wo's lang geht, einfach mal die Schnauze halten, statt einen irgendwo in die Irre zu führen, nur weil man...“ Doch Smith wies ihn mit einer schnellen Handbewegung an, ruhig zu sein. Er betrachtete die Wand etwas genauer und holte ein kleines Hämmerchen aus der Tragetasche, die er um seine Schulter gehangen hatte. Mit fachmännisch prüfendem Blick, musterete er die Wand und klopfte schließlich ganz leicht mit dem Hämmerchen auf eine bestimmte Stelle. Nur wenige Sekunden später stürzte die Wand ein und vor den Helden tat sich ein Durchgang zu einem riesigen Tempelraum auf. Smith genoss die ungläubigen und verwirrten Blicke seiner Gefährten und machte Cayn den Weg frei. Dieser klopfte Smith anerkennend auf die Schulter, doch die Kraft in den Tempelraum zu treten, fand er nicht.
Die Schmerzen kamen wieder...nun stärker als vorher. Setis gab ihm einen leichten Stoss und so stolperte er in den Saal. Überall standen riesige Kerzenständer und merkwürdige Fackeln an Steinwänden erleuchteten den Raum auf unheimliche Weise. Zwischen den Ritzen der rechten Mauer drang ein starkes, rötliches Schimmern in den Raum, welches in flackernden Strahlen durch das Zimmer lief. Cayn war speiübel. Er hatte das Gefühl, sein Anhänger würde ihm die Luft wegnehmen, aber so sehr er auch wollte, er brachte die Kraft nicht auf, ihn von sich zu reissen. Als Barrow und die anderen nun auch eingetreten waren, kümmerte sich niemand um Cayn.
Viel zu beeindruckend und beschwörend war der Anblick der sich vor ihnen bot. Eine geisterhafte Gestalt in einem zerschlissenen Mantel stand am gegenüberliegenden Ende des Saals und machte eigenartige Bewegungen. Ihn umgab ein, sich stets bewegender, bräunlicher Schleier und bei allen seinen Bewegungen schien er zu schweben, nicht zuletzt, weil kein Anzeichen irgendwelcher unteren Extremitäten auszumachen war. Ein Stöhnen von Cayn löste den beinahe hypnotischen Zustand der Gruppe auf und sie wandte sich ihm zu, während er, sich an einer Säule festhaltend, langsam auf die Knie rutschte. Doch nicht nur sie wurden auf Cayn aufmerksam, sondern auch das Wesen am Ende des Raumes.
Es drehte sich um, und offenbahrte den Helden sein Gesicht, eine Knochenfratze und seinen Körper, eine Wirbelsäule mit einigen, wenigen intakten Rippen. Die bräunlichen Schleier, welche um das Wesen herumzogen verschwanden allmählich und ein Grinsen überzog die unheimliche Fratze. Es erhob einen seiner Knochenarme und der erschrockene Cayn schwebte rasend schnell auf das Monster zu. Barrow und Cid versuchten ihn noch zurückzuhalten, aber gegen die Kraft dieses Wesens konnten sie nichts ausrichten. Setis bereitete bereits einen Zauber vor und Smith löste die Halterung auf seinem Rücken und nahm seinen Klingenstab fest in seine Hände. Doch noch bevor sie die Chance hatten auf das Wesen zuzulaufen, bewegte es die andere Hand kurz und die rechte Mauer fiel unter einem lauten Getöse zusammen und es zeigte sich der Ursprung des rötich schmmernden Lichts. Ein Lavastrom floss weit unter dem Tempelgebäude und erleuchtete die angrenzenden Wände bis weit nach oben hin.
Nur eine Ahnung einer weiteren Bewegung war nötig um die Helden, ausgenommen Cayn, in den Abgrund stürzen zu lassen. Cayn konnte noch die Schreie seiner Kameraden hören, wie sie durch die zerfallene Mauer in den Berg hineinfielen. Er nahm seine letzten Kräfte zusammen und umschloss den Kristall mit seiner linken Faust. All die Zweifel und Ängste fielen von ihm ab...er zog sein Schwert aus der Scheide und richtete es gegen das Wesen. Durch die Geschwindigkeit des Soges wurde er gegen das Monster geschleudert, die Klinge seines Schwertes voran und er durchbohrte mit ihr den Schädel des Wesens. Es zerfiel zu Staub und ein braun-weisslich schimmerndes Licht trat aus ihm hervor. Es umhüllte Cayn, durchflutete ihn und wurde vom Kristall um seinen Hals eingesogen. Cayn fühlte unglaubliche Macht. Wie von Magie schien er an Stärke unendlich viel gewonnen zu haben. Doch sobald das Licht vom Kristall bis aufs Letzte aufgesogen war und dieser nun stetig mit leicht pulsierendem Leuchten, die Kraft zu speichtern schien, fiel Cayn ein weiteres Mal auf die Knie und dachte daran, dass nun alles vorbei sei. Er hatte gesehen, wie seine Kameraden...seine...Freunde in den Abgrund geschleudert wurden und alleine würde er die Prophezeiung niemals erfüllen können. Dann plötzlich hörte er ein Stöhnen...dann das Reiben von Steinen.
Er sah auf und sah, wie Sarda sich den Abgrund hinaufschuftete. Hinter ihr kamen Barrow und die anderen schließlich wieder alle auf das Tempelgelände zurück. Als sie Cayn in der Mitte des Raumes alleine sahen, erhellten sich ihre Mienen für einen Augenblick und sie rannten sofort auf ihn zu, um sicher zu gehen, das alles in Ordnung ist, doch sobald sich herausstellte, dass das Monster besiegt war und der Kristall von Cayn wieder leuchtete, so wie es Lukhan in seiner Prophezeiung gesagt hatte, wurde es plötzlich bedrückend still in der Gruppe und Cayn bemerkte sofort warum: Setis war nicht mehr unter ihnen...
„Ein Reissen in meinem Körper...die Schmerzen der Geburt...oder die Befreiung von einer unwürdigen Existenz... ersteres wär mir lieber...so viel lieber...die Schuld zu tilgen, welche ich mir auferlegt...unmöglich?!“
Er trug das Mädchen zu einer Hängematte in seinem Zimmer...in seinem Saal oder besser gesagt...seinem Gefängnis, wie er es mit seinen jetzigen Augen beschreiben würde. Er dachte viel nach, denn er hatte auch viel nach zu holen. Die letzten paar Jahre seiner Existenz waren für ihn eher schleierhafte Erinnerungen...keine Details...nur Ahnungen, vor deren Bestätigung er sich unendlich fürchtete.
Nachdem er sie in die Hängematte gelegt hatte, nahm er die paar Fetzen seines voherigen Gewandes und warf es in einen Eimer, in einer Ecke des Zimmers. Schließlich ging er zu einer Fackel, welche an der gegenüberliegenden Wand hing und zündete mit ihr die Lumpen an. Sie brennten nicht lange, aber solange die Flammen die Reste seiner nur bruchstückhaft vorliegenden Vergangenheit verschlangen sass er davor und versuchte zu entscheiden, ob er dieser Vergangenheit nachjagen sollte oder vergessen sollte, was war. Vergessen war schwer für ihn, aber er beschloss es zu versuchen. Er betrachtete seine jetzige Gestalt. Er sah aus, wie an dem Tag, an dem es geschah. Mitte zwanzig, dünn, sehr lange, schwarze, glatte Haare und seine ehmalige Rüstung hatte er ebenfalls im Schrank gefunden. Sie war schwarz...zumindest der lange Umhang...der Brustpanzer war eher in einem sehr dunklem blau gehalten und statt einer Feder, hatte er eine merkwürdig aussehende Muschel an seinem Federhut.
Seine Gedanken wanderten bald schon immer wieder im Kreis...“wenn das so weitergeht, werde ich nie vergessen können...“, murmelte er. Schließlich hob er das lange, schmale Schwert auf, welches er nach dem Kampf mit dem schwachen Soldaten auf dem Boden geschmissen hatte...vor Schmerzen...Schmerzen der Verwandlung...der Wiedergeburt. So wollte er es jedenfalls sehen, denn ein neugeborenes Wesen ist frei von Schuld und er wünschte sich nichts sehnlicher als so zu sein. Deswegen versuchte er die Verwandlung von eben, sich selber als Wiedergeburt zu verkaufen...aber so Recht wollte es nicht klappen.
„Verdammt!“, sagte er halblaut und durchschnitt mit seinem Schwert ein paar Mal die stickige Luft. Doch er verstummte sofort, als aus der Hängematte plötzlich ein leises Stöhnen drang. Er senkte das Schwert und legte es schließlich auf den kalten Steinboden. Er ging zum Kamin, der schon so lange Zeit nicht mehr benutzt wurde, denn nach seiner ersten Verwandlung brauchte er keine Wärme mehr...in jeglichem Sinne. Er machte mit einer Fackel das Feuer an. Er frierte...eine Empfindung, die er mit gemischten Gefühlen und Gedanken aufnahm. Es dauerte eine Weile bis er das Feuer entzündet hatte...er konnte sich schwach daran erinnern früher weder Streichholz noch umständliche andere Werkzeuge dafür gebraucht zu haben, aber auch dies war nur ein Schatten einer Erinnerung, aus einer Zeit vor seiner ersten Verwandlung. Während er sich vor dem Kamin in seinen Umhang hüllte und versuchte sich aufzuwärmen, fiel sein Blick auf den dunklen Anhänger, den er um den Hals trug. Selbst beim Umziehen hatte er ihn noch nicht abgelegt. Wahrscheinlich war die Hektik und der Schrecken der...Geburt einfach zu gross. Aber jetzt wollte er ihn loswerden. Er versuchte ihn mit einem Ruck wegzuziehen, aber die Kette blieb zusammen und der dunkle, leicht gesplitterte Kristall hing immer noch knapp über seinem Brustkorb.
Er fluchte und nahm sein Schwert vom Boden und sägte, versuchte es von innen nach aussen, am Kristall, an der Fassung, aber die Kette, der Kristall und er blieben eins, was er auch tat. Schließlich gab er es auf und schmiss vor Wut sein Schwert auf den Boden. Es gab ein lautes Klirren und das Mädchen wachte auf. Während sie sich langsam aufsetzte, schob sch ihre Kapuze vom Kopf herunter und ein von Wirbeln durchsetzter Rotschopf trat hervor. Sie rieb sich die Augen und sah sich langsam im Zimmer um, bis sie den Mann in der schwarz-dunkelblauen Rüstung erblickte. Beide spürten ein merkwürdiges Stechen im Hinterkopf.
Nachdem sie sich mehrere Sekunden lang, kommentarlos angestarrt hatten, ging der Mann auf sie zu und gab ihr freundschaftlich die Hand. Sie war etwas perplex und plötzlich erinnerte sie sich, was geschehen war. „Hey, du bist doch der Kerl der uns gerettet hat...zweimal...“, rief sie, während sie auf die Füsse sprang und sich vor ihm auftellte.
Sie bemerkte dabei nicht, wie der Kristallanhänger den sie um ihren Hals trug, sich löste und auf den Boden fiel.“Ja...mein Name ist Felizitaer...tut mir leid, wegen deiner umständlichen Rettung, aber es ging zu schnell.“, antwortete er, während er sich umdrehte...das Stechen im Hinterkopf war kaum auszuhalten. „Ach passt scho'...war cool wie du mich aufgefangen hast, nachdem ich abgerutscht bin...und die Rettung vor den Ankylos...vielen Dank nochmal. Mein Name ist übrigens Setis.“
Setis...ein Name, der Felizitaer ungewöhnlich vertraut vorkam. Das Stechen in seinem Kopf wurde zu einem Pochen und er drückte mit einer Hand fest gegen seine Stirn. Auch Setis spürte es in ihrem Kopf, doch als nach wenigen Sekunden die Kopfschmerzen verschwanden, dachte keiner der beiden noch über sie nach. Setis schaute sich währenddessen ein wenig in der kalten Wohnung von Felizitaer um. Sie nahm sich schließlich eine Decke, hüllte sich damit ein und setzte sich vor den Kamin, der schon seit länerem verführerisch knisterte.
Felizitaer setzte sich etwas weiter von Setis entfernt ebenfalls vor den Kamin. Schließlich erkannte Setis den angesplitterten Kristall, der um Felizitaers hing. Einen Moment brauchte sie um die Verbindung herzustellen. Doch dann sprudelte die Frage aus ihr heraus: „Sag mal, bist du der Vampir, der Cayn beinahe getötet hat?“, fragte sie und sprang mit entsetztem Gesicht auf. Felizitaer blieb sitzen und schaute mit traurigem Blick gen Erde. Er erinnerte sich nun daran...das Bild wurde klarer. Aber soviel anderes blieb in seinen Träumen unerkannt. Er seufzte und schaute Setis von unten herauf an: „Ja und Nein...eher Nein, wenn du mich fragst.“, antwortete er und aus seiner Stimme klang deutlich, dass dieses Thema für ihn diesmal beendet sei.
Aber Setis verstand nichts...sie bohrte weiter: „Was soll'n das jetzt jetzt heissen? Warst du's oder warst du's nicht?“. Felizitaer stand nun ebenfalls auf und ging einen Schritt auf Setis zu. Er schaute Setis mit durchdringendem, beinahe drohendem Blick an. Setis erwiederte diesen, mit einem überraschten und fragenden Gesichtsausdruck. Schließlich drehte sich Feliziteaer um und ging ein paar Schritte auf die grosse Pforte zu. „Ich schlage vor, ich bringe dich nun so schnell wie möglich wieder zu deinen Freunden, oder?!“, fragte er und nachdem Setis ihn nach einem weiteren, peinlichen Moment des Schweigens überholt hatte und ihm zunickte, wollte er auch gerade in Richtung Tür laufen, als er plötzlich etwas glitzernes unter der Hängematte sah.
Er nahm es auf und betrachtete es. Setis, welche bereits kurz vor der riesigen Pforte stand, drehte sich um. „Kommst du?!“, rief sie Felizitaer zu. Dieser nahm den Gegenstand fest in seine Faust und ging auf Setis zu. Als er vor ihr stand, öffnete er seine Faust. „Du hast das eben verloren, glaub ich...“, sagte er und lies die Kristallkette in Setis' Hand fallen.
Währendessen sassen Cayn, Sarda, Smith und Barrow noch auf dem Tempelgelände und hatten noch keine rechte Lust nach einem Ausgang zu suchen, obwohl ihnen die Hitze des Magmars, dass sich nur wenige hundert unter ihnen befand, ziemlich zusetzte. Sie sassen auf einigen Steinbrocken, die bei dem Fall der Wand noch auf dem Vorsprung geblieben waren. „Vielleicht lebt sie ja noch...sollten wir sie nicht suchen gehen?“, fragte Sarda, doch als niemand der anderen aufblickte, verstummte sie schnell.
Sie alle wussten, dass Setis höchstwahrscheinlich schon lange gänzlich von der Lava unter ihnen verschlungen war. Da sprang Barrow auf: „Hey, überlegt doch mal. Der Typ der uns vor den Ankylos gerettet hat. Vielleicht hat er auch diesmal wieder Setis geholfen...ist doch möglich, oder?!“. Barrow war sichtlich aufgeregt und nun ging auch Smith auf Cayn zu, der sich gegen einen Rest der Wand gelehnt hatte. „Hör mal Cayn,...Barrow hat Recht...wir sollten auf jedenfall mal nach ihr suchen gehen. Ich bin zwar noch nicht so lange bei euch, aber ich habe bereits gemerkt, dass ihr viel Spass daran findet, euch gegenseitig anzugiften...willst du etwa darauf verzichten?“ Cayns Augen weiteten sich...er sah mit verächtlichem Blick auf den Zwerg hinab und ging af den Altar des zerfallenen Tempels zu. Smith begann zu begreifen, was er gerade gesagt hat und war im ersten Moment etwas beschämt.
Seine Worte waren aus der Hoffnung heraus entstanden, dass Setis noch lebte...ohne zu bedenken, dass Cayn wohl keine solche Hoffnung mehr in sich trug. In seinen Ohren muss es sich wie ein Vorwurf angehört haben. Smith hockte sich niedergeschlagen auf einen anderen Stein und entschloss sich dazu, in den nächsten paar Minuten am besten vollkommen die Klappe zu halten. Barrow und Sarda sahen Cayn dabei zu, wie er u den Altar herumschlich und irgendwas zu suchen schien. „Was zur Hölle machst du da?“, fragte Barrow. Cayn antwortete ihm ohne aufzuschauen, dass er einen Ausgang suche. Als Sarda gerade dabei war vorzuschlagen, den Exit-Spruch anzuwenden, machte ihr Barrow eine deutliche Geste, diesen Zauber als letzte Möglichkeit zu verwenden. Plötzlich schrie Cayn auf. Er hatte etwas entdeckt...unter dem Altar befand sich ein Mechanismus.
Er betätigte ihn, ohne zu überlegen, und hinter ihm machte sich nun ein enger Durchgang auf. Er warf seinen Begleitern einen vielsagenden Blick zu, doch sie waren sich noch nicht sicher, ob sie jetzt schon gehen sollten. „Hör mal Cayn, es gibt immer noch Hoffnung...und ausserdem bezweifle ich, dass wir etwas ohne Setis ausrichten können...sie trägt einen der Lichtkristalle.“, begann Barrow und Cayn schaute ihn mit verständnislosem Blick an. Aber er wusste das Barrow Recht hatte. Wenn einer von ihnen drauf gehen sollte, könnte Lukhans Prophezeiung unmöglich erfüllt werden. Cayn vergrub das Gesicht in seine rechte Hand. „Dann ist es eh vorbei...lasst uns hinaus gehen...Setis ist tot. Vielleicht hat es ja etwas gebracht und die Felder von Melmond sind bald wieder fruchtbar. Wenn wir ewig hierbleiben, bringt uns das überhaupt nichts. Wie hätte sie sich bitteschön retten sollen...?!“
Cayn schaute noch kurz auf die traurigen Gesichter seiner Kameraden und begann schließlich mit einem leisen Knurren den Durchgang hinauf zu steigen. Oben angekommen musste er zuerst die Augen schliessen, denn die Sonne blendete ihn. Waren sie wirklich einen ganzen Tag da unten?! Cayn hörte hinter sich Barrow und die anderen herauf kommen. Auch sie wurden zunächst stark, vom Sonennschein geblendet. „Lasst uns gehen...wir sollten so schnell wie möglich nach Melmond gehen...ich will endlich wissen, was mit den Feldern passiert ist.“. Mit diesen Worten machte sich Cayn, als Kopf der Gruppe, auf den Weg zu dem kleinen Dorf.
„Sie sind einfach ohne mich losgegangen...“, keuchte Setis enttäuscht, als sie und Felizitaer letztendlich auf dem Tempelgelände waren. Felzitaer musste sich hinsetzen...er hatte eine lange Zeit nicht mehr so geschwitzt. Und sein schwarzer, langer Umhang machte es auch nicht besser. Er setzte sich einfach auf den Altar und schaute sich ein wenig um. Setis wurde plötzlich sauer. „Was fällt denen überhaupt ein...glauben die etwa, ich lauf ihnen hinterher, wie irgendein unselbstständiges Kind?!“. Felizitaer sah Setis mit einem merkwürdigem Blick an: „Wahrscheinlich denken sie du wärst tot. Ich kam auch reichlich spät...“, versuchte er sie zu beruhigen und zeigte auf das verbrannte Ende ihres Mantels. Setis betrachtete es kurz und wandte sich dann wieder dem Tempel zu. Irgendwo hier muss es doch einen Ausgang geben...aber wo?! Sie ging nun auch zum Altar und bat Felizitaer aufzustehen, so dass sie nach einem Mechanismus schauen konnte. Er ging daraufhin zu dem Steinhaufen, auf dem sich wenige Stunden zuvor Cayn und Smith niedergelassen hatten.
Plötzlich hörte er stapfende Geräusche. Er zog blitzschnell das riesige Schwert aus der Halterung an seinem Gürtel. Setis schaute ihn verwundert an, aber er wies sie ungeduldig an, weiter zu suchen. Das Stapfen kam immer näher. Und Felzitaer rannte ein paar Schritte zu dem improvisierten Tempeleingang an der westlichen Wand des Tempels. Er ging in Kampfstellung. Schließlich kamen drei Ankylos durch den Durchgang und das Stapfen hinter der Wand schien noch kein Ende zu nehmen. Setis, welche durch die Ankunft der Ankylos etwas nervös wurde, erwischte durch Zufall mit dem Fuss den Mechanismus zur Geheimtür, welche sich binnen Sekunden öffnete.
„HAU AB! Ich halt' dir den Rücken frei!“, schrie Felzitaer, während die Ankylos sich auf ihn stürzten. Setis zögerte, doch nachdem die ersten Ankylos unter Felizitaers Klinge ihr Leben liessen und einige, die sie ins Auge gefasst hatten, sich mit schnellen Schritten dem Altar näherten, beschloss sie seinen Anweisungen zu folgen und durch den Gang zu verschwinden.
Der Gang war glücklicherweise zu klein für die Ankylos, weshalb Setis unversehrt an der Oberfläche ankam und sich sogleich in der Frische des Nachmittags auf den Weg nach Melmond machte. Natürlich machte sie sich Sorgen um Felizitaer, aber es erschien ihr auch, als ob er auf sich selbst aufpassen könnte. Sie hätte ihm gegen die Ankylos gerne geholfen, doch irgendwie hatte sie keine Kraft mehr. Sie versuchte als Test, einen kleinen Fackelzauber anzuwenden, doch ausser ein paar kleinen Fünkchen, kam gar nichts. Sie musste sich etwas ausruhen, doch ihre kleine Erholungspause wollte sie unbedingt bis nach Melmond verschieben...sie wollte unbedingt die Gesichter der anderen sehen...ganz besonders Cayns. Ein Lächeln huschte über Setis Gesicht. Irgendwie schämte sie sich und zog ihren Spitzhut weit vors Gesicht.
Sie brauchte nur den frischen Spuren ihrer Gefährten zu folgen. Gegen Abend stand sie bereits vor dem Ortseingang von Melmond. Innerhalb des Dorfes schien es wie ausgestorben. Als Setis eintrat und den ihr bekannten Weg zu ihrem Gasthaus lief, fielen ihr die Felder auf, welche verdorrt und leer auf ihre Besitzer warteten. Sie senkte den Kopf...es hat also alles nichts gebracht. Die Prophezeiung von Lukhan wurde nicht von ihnen erfüllt. Sie hätten doch der Bevölkerung von Melmond ihre Felder zurückgeben und nicht zerstören sollen. Setis stand nun vor dem Eingang des Gasthauses. Es war bereits später Abend. Irgendwie war es ihr nun egal, was die anderen sagen würden. Sie hatten alle versagt und eine wiedergeborene Setis war nun sicher nicht mehr von Bedeutung.
Berechtigungen
- Neue Themen erstellen: Nein
- Themen beantworten: Nein
- Anhänge hochladen: Nein
- Beiträge bearbeiten: Nein
-
Foren-Regeln