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Thema: [ALT] Link´s Legacy #1

Hybrid-Darstellung

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  1. #1
    Die Tür des Zimmers ging schwungvoll auf. Der Heiler, trat aus dem Zimmer heraus und setzte eine besorgte Miene auf.
    "Es tut mir Leid, aber..." begann er.
    Bereits zu dem Zeitpunkt wussten Bonny und zuffel, dass diese Nachricht nicht gut enden würde.
    "... aber ich konnte nichts mehr für sie tun. Anscheinend war sie schon tot, als ihr sie gefunden habt, und ich konnte da auch nicht mehr helfen."
    Bonny senkte den Kopf.
    "Ich werde sie morgen auf den Freidhof hier in Kakariko beisetzen, ich glaube, sie würden ihrer Freundin einen letzten Wunsch erfüllen, wenn sie morgen auf dem Freidhof erscheinen würden."
    Die beiden nickten nur und begaben sich traurig aus dem Haus.
    "Gehen wir.... morgen...?" fragte Bonny.
    "Ja... lass uns bitte nicht mehr darüber sprechen, ich muss das alles ersteinmal verdauen, ich kann das immernoch nicht so richtig fassen..." erwiderte zuffel.
    "Das ist verständlich!"
    "Bitte lass uns etwas Essen gehen."
    Bonny nickte und sie machten sich auf dem Weg.

  2. #2

    Hylianische Steppe

    Am nächsten Morgen waren Milo und Ravana früh aufgebrochen. Balon hatte jedem von ihnen zwei geräumige und stabile Taschen aus Leder gegeben und ihnen sogar erlaubt, etwas Brot, Käse und sogar ein paar Flaschen Milch mitzunehmen. „Lasst die Zoras von der Milch probieren, und wenn sie sie mögen, sagt ihnen, dass Balon, der Züchter der besten Kühe Hyrules, ihnen bald einen Besuch abstatten wird!“ hatte er gesagt und dabei gierig gegrinst.

    Jetzt war es schon mittag, und die Sonne schien heiß vom Himmel herab. Ravana hatte Durst, doch sie wollte nicht zu viel der guten Milch trinken, bevor sie nicht die Steppe verlassen hatten. In den Ausläufern des Todesberges würde es nicht mehr so heiß sein, doch bis dahin mussten sie sich Reserven aufsparen.
    Sogar Milo redete nicht viel. Er sah schon jetzt etwas erschöpft aus, wo sie erst die Hälfte der Steppe durchquert hatten. Doch Milos Schweigen kam Ravana grade Recht. Sie musste nachdenken.
    Ein Geschenk für die Zoras... Wie kommen wir durch den Wasserfall? Der König hätte uns das sagen sollen... Wie kommen wir durch den Wasserfall? Was für ein Geschenk wollen die Zoras? Der Held der Zeit hatte es geschafft... Wie hatte er das gemacht? Wie??
    Sie war so in ihre Gedanken versunken und davon besessen, eine Lösung zu finden, dass sie erst merkte, dass Milo stehen geblieben war, als sie schon einige Schritte weitergegangen war. Sie drehte sich um.
    Milo stand auf einem Weg, den sie eben überquert hatten. Ravana ging zu ihm zurück.
    „Was ist? Warum bist du stehen geblieben?“
    Er sah traurig nach Südosten und sagte nichts. Der Wind strich über die sanften Hügel der Steppe und zog an ihren Kleidern und Haaren, während eine vorbeiziehende Wolke vorübergehend die Sonne bedeckte.
    Ravana legte Milo die Hand auf die Schulter und drehte ihn zu sich. „Milo? Was ist denn?“
    „Dieser Weg hier führt zum Kokiri-Wald, siehst du? Dort hinten in der Ferne stehen ein paar Bäume, von dort aus ist es nicht mehr weit bis zum Dorf. Manchmal vermisse ich den Wald sehr... Und ich darf nicht zu ihnen zurückkehren, sie haben mich verbannt...“
    Ravana seufzte. „Sei nicht traurig und denk nicht zu viel darüber nach. Lass uns weitergehen. Du wirst darüber wegkommen...“
    Milo nickte und setzte sich mit hängenden Schultern in Bewegung.
    Der arme Kerl, noch so klein und schon aus seiner Heimat verbannt, dachte Ravana und ging ebenfalls weiter. Und ich habe nicht mal einen guten Trost für ihn, sondern muss ihn mit so leeren Worten abspeisen...

    Am späten Nachmittag erreichten sie endlich einen klaren See am Rand der Steppe. Die beiden Wanderer setzten sich in den Schatten der hohen Felswände, die die Steppe begrenzten und aßen ihre restlichen Vorräte.
    Von hier aus war es nicht mehr weit bis zum Reich der Zora. Hinter ihnen floss aus einer Art Höhle ein Fluss in den See, und dieser Fluss entsprang, wenn sie ihrem Wissen aus den Büchern ihres Ziehvaters Glauben schenken durfte, der Zoraquelle. Sie mussten nur den Bach hochgehen und sie würde zum Reich der Zora kommen.
    Doch jetzt machten sie erst Rast. Ravana lehnte sich mit dem Rücken gegen die Felswand und ließ ihre Blicke schweifen. Der Wind hatte ein wenig zu genommen, die Schatten von Wolken flogen über die Steppe und gaben der Steppe ein wildes Aussehen. Von hier aus konnten sie auch die Farm noch gut erkennen – sie erhob sich in weiter Ferne auf ihrem majestätischen Felsen wie eine Insel aus der Steppe. Zur Rechten erkannte man in weiter Ferne die spitzen Türme der Stadt.
    Und wie kommen wir durch den Wasserfall? Ravanas Gedanken wurden träge und ihre Augenlider wurden schwer.

    Sie sah ein junges Mädchen mit roten Haaren über einem dicken Buch mit Seiten aus feinem Pergament sitzen. Das Buch der Legenden, Ravana erkannte es sofort. Das Mädchen saß in einem Zelt, ein heftiger Wind zerrte an den Zeltbahnen. Sie las.
    Das bin ich! dachte Ravana. Das war ich als kleines Mädchen bei Kamir in der Wüste!
    Jemand summte eine Melodie, immer und immer wieder.
    Zitat Zitat
    Und Link, der junge Kokiri, wurde von Prinzessin Zelda ausgeschickt, die fehlenden Amulette zu finden. Sein Weg führte ihn zum Reich der Zora, das er nur betreten konnte, weil Prinzessin Zelda ihm ein Lied der königlichen Familie Hyrules beigebracht hatte. Link wusste es am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu spielen und wurde in das Reich der Zora eingelassen.
    Doch der König der Zoras empfang ihn nicht mit Freude als Retter Hyrules, er machte sich Sorgen um seine geliebte Tochter Ruto. Durch seinen Mut vermochte es Link, Ruto zu retten und das Amulett zu finden...
    Link's Geschichte, ich kenne sie. Aber wer summt denn hier? Was ist das für ein Lied?
    Das Mädchen über dem Buch, die kleine Ravana, schaute auf und sah Ravana direkt in die Augen. Sie sagte etwas. Was sagt sie? Ich kann sie nicht hören! Der Wind ließ nach und Ravana konnte die Worte verstehen.
    „... das er nur betreten konnte, weil ... Lied der königlichen Familie ... zur richtigen Zeit, am richtigen Ort...“
    Königliche Familie... Lied.... Königliche Familie... Mein Vater war der König... Lied.... Das gesummte Lied!?
    Das Mädchen über dem Buch fing leise an, zur Melodie zu singen.
    „Schlafe ein, schlafe ein, schlafe ein mein Kind... Schlafe ein, schlafe ein, schlafe ein mein Kind... Schlafe ein, ...“


    „Wach auf! Du träumst ja!“
    Ravana schreckte hoch. Milo hockte besorgt neben ihr und mit großen Augen zu ihr herab.
    „Du hast ein Lied gesummt und gemurmelt, und ich hab mir Sorgen gemacht!“
    Sie strich sich mit der Hand über die Augen und setzte sich auf.
    „Ist schon gut. Ich habe von meiner Kindheit geträumt, und ich glaube, ich weiß jetzt, wie wir ins Reich der Zora kommen. Lass uns weitergehen, ich erzähle es dir dann.“
    Ravana stand auf und die beiden sammelten ihre Besitztümer auf. Schließlich betraten sie die Höhle, aus der der Fluss herausfloss.

    Mein Vater war König von Hyrule, so wurde es mir erzählt. Ich weiß nicht wie, aber irgendwoher kenne ich dieses Lied der königlichen Familie, mit dem dem Helden der Zeit der Zutritt zum Reich der Zora gewährt wurde... Mein ganzes Leben schon kannte ich es, nur hatte ich es wieder vergessen. Natürlich, wie oft habe ich es früher vor mich hingesummt, und wie oft hat Kamir mich dafür geschlagen, dass ich ihm mit meinem Gesumme auf die Nerven gehe. Ravana lächelte, während sie durch die dunkle Höhle liefen, auf den hellen Fleck Sonnenlicht zu.

  3. #3

    Tal zum Reich der Zoras

    Milo überraschte sie immer wieder. Wie der kleine Kokiri eiskalt mit seiner Schleuder dieses hässliche, Brocken schießende Wassermonster getötet hatte, beeindruckte sie sehr. Dieser kleine Kerl! Sieht aus wie Kind, ist aber gefährlich wie ein Mann.Sie setzte sich in Bewegung und lief hinter Milo her.

    Der Aufstieg das Tal hinauf erwies sich wie erwartet als sehr anstrengend. Mehrmals mussten sie sich an Felskanten hinaufziehen, über Abgründe springen und durch den Fluss waten, während die Sonne ihre letzten orangenen Strahlen über das Land schickte.
    Sie hatten auch noch ein paar der Wassermonster getötet, die sie immer wieder angriffen, und Ravana hoffte, dassder Empfang der Zora ihnen gegenüber freundlicher ausfallen würde als der der Wasserwesen.
    Hoffentlich schaffen wir es bis zur Dämmerung, dachte Ravana. Ich will nicht wissen, was hier nachts für Monster herumlungern, wenn tagsüber schon solche hässlichen Wesen unterwegs sind...
    Schließlich erreichten sie eine hölzerne, durchhängende Brücke, die über den rauschenden Fluss führte. Milo wollte sie schon betreten, doch Ravana hielt ihn zurück. „Sehr fest sieht die nicht aus, pass lieber auf, wenn du runterfällst, trägt der Fluss dich bis in die Steppe zurück...“
    Milo nickte ungeduldig und stand gleich darauf schon mitten auf der Brücke. Sie schwang auf und ab und knarrte. Doch Milo gefiel das scheinbar, fröhlich hüpfte er noch auf der Brücke herum, bis er schließlich weiterging und auf der anderen Seite ankam. Während Ravana noch zögerte und die wackelige Brücke ängstlich beäugte, hatte Milo schon einen Blick um die Felswand geworfen, bekam große Augen und lief weiter. Ravana stieß einen Fluch aus und betrat die Brücke, die auch unter ihren Füßen bedenklich schwankte. Vorsichtig und mit klopfendem Herzen setzte sie einen Schritt vor den anderen und war unendlich erleichtert, als sie wieder festen Boden erreichte.
    Brücken und hohe Abgründe sind einfach nichts für mich, dachte sie und ging ebenfalls um die Ecke und stand vor einen riesigen Wasserfall. Nicht so hoch wie der im Gerudo-Tal, aber doch beeindruckend.
    Doch Milo war nirgends zu sehen. „Milo? Milo! Hey, wo bist du?“ rief Ravana und sah ihn schon irgendwo im Fluss ertrinken, als sie im dämmrigen Licht sah, dass der Weg sich noch auf einer Felsbrücke noch ein wenig nach oben schlängelte. Vorsichtig ging sie nach oben und sah Milo schließlich, wie er in einer kleinen, mit Wasser gefüllten Höhle saß und verträumt in das Wasser starrte.
    „Hörst du diese Musik?“ fragte er. „Sie erinnert mich an meine Heimat, an den Wald...“
    Tatsächlich, sie konnte leise Musik hören, die scheinbar aus dem Wasser heraus kam. Seltsam. Gab es hier vielleicht einen Durchgang zum Wald?
    „Ja, ich hör sie. Aber wir sollten weitergehen, meinst du nicht? Hier irgendwo muss auch der Eingang zum Zora-Reich sein...“ Sie ging auf der Felsbrücke entlang, die sich über dem Fluss spannte.
    Ihre Haut war feucht vom spritzenden Wasser und sie verengte ihre Augen zu Schlitzen, damit sie durch das ganze Spritzwasser und der Gischt überhaupt noch etwas erkennen konnte. In der Mitte des Weges über den Fluss, direkt vor dem Wasserfall, sah sie etwas am Boden. Sie ging in die Hocke und sah es sich an. Milo kam zu ihr und bückte sich ebenfalls, und zusammen überlegten sie, was die in den Fels gehauene Platte mit dem Triforce-Symbol zu bedeuten hatte.
    „Du hast doch gesagt, du weiß wahrscheinlich, wie wir zu den Zoras kommen,“ sagte Milo.
    „Ja, ich hoffe es. Wahrscheinlich müssen wir es hier probieren.“ sagte Ravana und stand auf.
    „Was probieren?“ fragte der kleine Kokiri und sah sie mit großen Augen fragend an.
    „Komm zu mir, wir stellen uns jetzt auf die Platte und singen ein Lied.“
    Milo starrte sie an, als ob sie den Verstand verloren hätte. „Ein Lied singen? Jetzt? Hier? Geht es dir gut?“
    „Ja, mach einfach. Ich singe, und du summst laut diese Meldodie, in Ordnung?“ Sie summte ihm die Melodie, an die sie sich im Traum erinnert hatte, vor. Milo sah immer noch sehr skeptisch aus, stellte sich aber neben sie auf die steinerne Platte mit dem Triforce-Symbol. „Also gut, wenn du meinst...“
    Er fing an zu summen, erst leise und vorsichtig, dann mit mehr Elan.
    Ravana atmete tief ein, wartete auf den richtigen Moment und sang schließlich den Refrain des Liedes, das sie als Kind so oft gesungen hatte. „Schla-fe ein, schla-fe ein, schla-fe ein mein Kind... Schla-fe ein, schla-fe ein, schla-fe ein mein Kind... Schla-fe ...“
    Das Rauschen des Wasserfalls ließ nach und das Wasser versiegte schließlich fast völlig. Hinter dem Wasserfall wurde ein Eingang im Fels sichtbar. Milo sah überrascht zu Ravana auf und sie grinste ihn an.
    Ohne nach unten zu sehen, sprang Ravana über den Abgrund und drehte sich im Eingang um, um Milo zuzuwinken. Milo sprang ebenfalls und sie betraten nebeneinander das Reich der Zora.

  4. #4

    Reich der Zora

    Ravana war ebenso beeindruckt wie Milo. Niemals hätte sie gedacht, dass es einen so paradiesischen Ort auf der Welt geben könnte.
    Die Höhle schien von innen zu leuchten, obwohl nur wenige Fackeln entzündet waren.
    Das Plätschen des Wassers, die Zoras, die sich unten im klaren Wasser räkelten und die Reflexionen an den Wänden der Grotte ließen sie sich wünschen, ebenfalls ein Zora zu sein und ihr ganzes Leben hier im Wasser mit diesen majestätischen Wesen verbringen zu können, fernab der normalen Welt mit ihren unwichtigen Problemen.
    Während sie den felsigen Weg entlang gingen, um zum König der Zoras zu kommen, sah sie sich schüchtern um. Sie hatte das Gefühl, dass Milo und sie hier Eindringlinge waren und eigentlich nicht hier sein dürften – das Reich der Zora war einfach zu schön für normale Menschen.
    Auch Milo sagte nichts, aber er schien ähnlich zu denken. Er berührte die Wand vorsichtig mit den Fingern, wie um sich zu vergewissern, ob sie wirklich vorhanden war. Reflexionen des Wassers schimmerten sanft auf seiner Hand.
    Ravana fragte sich, warum er sich wegen diesen gefährlichen Wesen, die sie auf dem Weg hierher töten mussten, so grämen musste. Ob sie Tiere töteten, um sie zu essen, oder ob sie sie aus Notwehr töteten, war doch kein großer Unterschied. Und als sie in der Steppe einen Hasen geschossen hatte, hatte Milo auch nichts gesagt.

    Endlich erreichten sie eine lange Treppe, die steil nach oben führte. Milo sprang wie meistens einige Schritte vor hier hinauf, doch nach der Hälfte der Treppe musste auch er eine kleine Pause machen, und er sah sie freudestrahlend an. „Beim Dekubaum, wie schön es hier ist! Ich glaube ich werde den König der Zora fragen, ob ich hier bleiben darf,“ flüsterte er.
    Ravana grinste und sagte: „Komm, wie gehen weiter, gleich sind wir ja da.“

    Einige Minuten später brachten sie die letzten Stufen hinter sich. Schweratmend betraten sie den Thronsaal des Königs.
    Direkt vor ihnen befanden sich einige weitere Stufen, die zu einer niedrigen Empore führten. Von dort aus würden sie mit dem König sprechen können, nahm Ravana an.
    Der König selbst, sah Ravana, war abgrundtief hässlich. Er sah genauso aus wie das Gemälde, das sie im Schloss von Hyrule gesehen hatten: fett und plump, gar nicht wie die schlanken, geschmeidigen Zoras, die sie unten in der großen Halle gesehen hatten.
    Er saß auf einem Felsvorsprung, über den Wasser nach unten floss und en Boden des Thronsaales füllte, und sah ihnen mit großen Glotzaugen entgegen. Auf seinem Kopf trug er eine goldene Krone, und er hatte einen weiten roten Umhang umgelegt.
    Ravana sah hinunter zu Milo, der mit offenem Mund und leicht verzerrten Gesichtzügen die Gestalt des Königs ansah. Sie zuckte mit den Achseln und betrat vorsichtig die Empore.

    „Hoheit - König Dardanos Gusavson II. von Hyrule entsendet seine besten Grüße,“ begann sie. Eigentlich hatte sie keine Ahnung, wie sie einem König begegnen musste und wie sie ihn anzusprechen hatte.
    Der König nickte ihr zu. „Fahre fort, Wesen.“ sagte er mit dröhnender Stimme, die sich ein wenig anhörte wie das Rauschen des großen Wasserfalls, den sie eben zum Schweigen gebracht hatten.
    „Das ist Milo, ein Vertreter der Kokiri, und ich bin Ravana vom Volke der Gerudo. Der König von Hyrule macht sich Sorgen um Euch, da Ihr schon lange keine Botschaften geschickt habt. Er schickte uns, um den Grund dafür zu erfahren.“
    Der König der Zora starrte unbehaglich auf den Boden und sagte schließlich:
    „Wir fühlen uns geehrt, dass Dardanos sich um uns sorgt. Ihr könnt zurück nach Hyrule gehen und dem König ausrichten, dass es dem Volk der Zora gut geht. Bis vor kurzem gab es einige – Probleme am Hylia See, und wir wollten nicht die anderen Völker Hyrules in diese Sache hineinziehen, doch das Problem hat sich schon von allein erledigt.“
    Der Hylia See? Also war dort wirklich etwas passiert...., dachte Ravana.
    Milo, der wahrscheinlich neugierig war, fragte: „Aber was war denn dort? Was kann denn so wichtig sein, dass Ihr nicht mehr mit dem König von Hyrule kommunizieren wollt?“
    Der König sah böse auf ihn herab. „Junger Freund, mäßigt Euch. Das ist allein Sache der Zora. Doch Dardanos wird wissen wollen, was geschehen ist, also werde ich seinen Entsandten mehr erzählen.“
    Ravana nickte gespannt. Sie war begierig darauf, Neuigkeiten zu hören.
    „Nun, also höret. Es ist vielleicht zwei Wochen her, dass ein Fremder sich zum Hylia See begab. Er tötete den Weisen des Wassers und beschwor in dessen Tempel eine bösartige Bestie, die ihrerseits im See schreckliche Wesen aussetzte. Nicht zuletzt verseuchte der Fremde den See, so alle firedliebenden Wesen darin, wie die Zora, sich vom See fernhalten mussten. Niemand hat den Fremden gesehen, und niemand weiß, warum er das getan hat. Doch vor wenigen Tagen war der See plötzlich wieder in Ordnung, und die Bestie im Wassertempel war besiegt. Ein großer Held muss dies vollbracht haben. Wir wissen nicht, was das Erscheinen des schrecklichen Fremden zu bedeuten hatte, doch es kann nichts Gutes verheißen. Richtet das dem König, und dass er sich mit seinen Wahrsagern und Beratern zusammensetzen soll.“
    Entsetzt hatte Ravana seinen Worten gelauscht. Der Weise des Wassers tot? Sie kannte sich in der Geschichte Hyrules genügend aus, um zu wissen, dass der Letzte, der derart Schreckliches getan hatte, Ganondorf war und Hyrule ins Chaos gestürzt hatte.
    „Aber, das ist ja schrecklich! Milo, wir müssen gleich aufbrechen und den König in Kenntnis setzen! Er muss etwas unternehmen!“
    Auch Milo sah entsetzt aus, doch offensichtlich war ihm nicht bewusst, in welcher Gefahr Hyrule schwebte. Er sagte: „Der Weise des Wassers ist tot? Was ist mit den anderen Weisen? In den Wäldern gibt es auch einen Weisen... Ist auch er in Gefahr?“
    Daran dachte Ravana erst jetzt. Wenn ein Fremder kaltblütig einen Weisen ermordete, verfolgte er damit einen Zweck, vielleicht würden auch die anderen sterben müssen?
    Der König der Zora sah zu, wie die beiden Abgesandten miteinander redeten und fuhr ihnen dann dazwischen: „Nun, verehrte Boten, sicherlich seid ihr müde und hungrig von eurer beschwerlichen Reise hierher. Die Botschaft kann auch eine weitere Nacht warten. Lasst euch bewirten, und brecht morgen früh erst auf – nachts sind hier in dieser Gegend unfreundliche Gesellen unterwegs.“

  5. #5

    Reich der Zora

    Die Aussicht darauf, noch eine Weile im der schönen wassergefüllten Grotte zu bleiben und die Gesellschaft der Zora zu genießen, hatte Milo und Ravana überredet, und sie hatten sich entschieden, das Angebot des Zorakönigs anzunehmen.
    In Windeseile hatten die Zora ein Festmahl vorbereitet und die beiden Fremden im Reich der Zora waren durch eine lange Höhle hinter dem Thronsaal geführt worden. Sie waren der schlanken Gestalt des Zora bereitwillig gefolgt und hatten seine geschmeidigen Bewegungen bewundert. Schließlich waren sie aus der Höhle herausgekommen und hatten eine große Steinterasse, auf der die Zora eine Tafel mit vielen Speisen aufgebaut hatten, betreten. Da sich die Nacht schon über Hyrule herabgesenkt hatte, waren auf der Terrasse viele Fackeln aufgestellt worden, die die Umgebung in flackerndes Licht getaucht hatten.
    Der Zora war stehen geblieben und hatte ihnen mit seiner säuselnden Stimme gesagt, dass dies die Quelle des Zora-Flusses war.
    Ein lautes, rythmisches Rauschen war zu hören gewesen, und als Milo und Ravana sich auf der Terasse umgesehen hatten, waren sie auf ein paar breite Stufen gestoßen, die auf eine etwas erhöhte Plattform führte – und dahinter, im Wasser des großen Sees, der die Quelle der Zoras war, lag ein riesiger, grauer Fisch.
    Ravana hatte vor Schreck über ein so großes Lebewesen leise aufgeschrien, und der Zora war zu ihnen geeilit und hatte ihnen erklärt, dass dieser ‚Wal‘, den er Lord Jabu-Jabu nannte, der Schutzherr der Zora war und über seine kleineren Verwandten wachte.
    Dieser Wal hatte auch das laute Rauschen hervorgerufen, sie hörten, wie er Luft holte und sie aus seinem Inneren wieder hinausstieß.
    Mit der Zeit hatten sich Milo und Ravana an diese seltsame Gesellschaft gewöhnt und konnten sich auf das Festmahl, an dem auch der König teilnahm, konzentrieren. Es hatte Fisch in allen Variationen, Muscheln und Schnecken, ja sogar Frösche, gegeben. Von Gemüse schienen sie nicht allzuviel zu halten.
    Nach der Mahlzeit wurden der Kokiri und die Gerudo wieder zurück in den Thronsaal geführt und von dort aus einen knietief mit Wasser gefüllten Gang entlang geführt. Von dort aus führten weitere kleine Höhlen tiefer in den Fels, und Ravana hatte überrascht festgestellt, dass hier die Zora ohre Schlafgemächer hatten. Auch Milo und Ravana hatten jeder eine kleine, aber vor Blicken abgeschiedene Schlafnische erhalten. Nur leise war von dort aus das Rauschen des nahen Wasserfalls zu hören gewesen, und Ravana war schnell eingeschlafen.

    Jetzt, am Morgen nach dem Festmahl, fühlte sich Ravana sehr gut. Sie hatte so gut wie schon lange nicht mehr geschlafen und das gute Essen am Abend hatte ihr gut getan.
    Sie war mit Milo unterwegs zum Thronsaal, um sich beim König für die Gastfreundschaft zu bedanken und sich zu verabschieden.
    Milo sah etwas niedergeschlagen aus. „Können wir nicht noch ein paar Tage bleiben? Ich wäre so gerne in dem großen Becken unten geschwommen... Wir sind doch gestern abend erst hier angekommen!“
    Vorwurfsvoll sah Ravana ihn an. „Du hast doch gehört, was der Zorakönig gestern gesagt hat. Der Weise des Wassers ist tot, und es ist höchste Zeit, dass unser König davon erfährt, da können wir uns nicht in lauwarmen Wasser räkeln und mit Zoras plaudern!“
    Unglücklich sah Milo zu Boden. „Jaja, schon gut,“ murmelte er.
    Ravana wäre auch gerne noch ein wenig geblieben. Weniger wegen dem Wasserbecken, sie konnte nicht schwimmen, sondern um sich mit den Zoras zu unterhalten und einfach Ruhe und Frieden im Reich der Zora zu genießen.
    Sie erreichten den Thronsaal und stiegen wieder auf das Podest, um mit dem König zu reden. Dieser saß so träge wie am Abend zuvor auf seinem Platz und ließ die hässlichen dünnen Beine im Wasser baumeln.
    „Wir danken Euch, Eure Hoheit, für Eure Gastfreundschaft und die Nachricht, die Ihr dem König von Hyrule überbringen lasst,“ sagte Ravana.
    Der König nickte erhaben. „Es hat sich noch nie jemand über mangelnde Gastfreundschaft der Zora beschwert, und das soll auch so bleiben. Ihr beiden habt euch unserer Gastfreundschaft würdig erwiesen und seid auch in Zukunft bei uns willkommen.“
    Milos Gesicht hellte sich auf. Sie würden später noch einmal herkommen dürfen, auch ohne einen Auftrag des Königs von Hyrule!
    Mit seiner hellen Kinderstimme rief er: „Vielen Dank, Eure Hoheit! Wir kommen schon bald wieder, und dann schwimmen wir auch in dem großen Becken!“
    Ravana sah entschuldigend zum König hinauf, der jedoch über den vorlaut gesprochenen Satz des Kokiris lächelte.
    Die beiden verbeugten sich vor dem König, drehten sich um, stiegen die vielen Stufen hinab und liefen über den schmalen Felsenpfad über der großen Grotte auf den Ausgang zu.

    „Oh nein, jetzt müssen wir den ganzen Weg wieder zurück, und womöglich noch mehr von diesen Oktoroks töten“ stöhnte Milo. Einer der Zora hatte ihnen am Abend gesagt, dass diese Wasserwesen Oktoroks hießen und man sich vor ihnen nur schützen könne, indem man sie tötet oder schnell an ihnen vorbeirennt.
    Ravana hatte auch wenig Lust auf den Abstieg durch das Tal, um zur Steppe zu gelangen, doch es ging nicht anders, und so machten sie sich seufzend auf den Weg.
    Gegen Mittag erreichten sie endlich die Höhle, die zur Steppe führte, und nachdem sie diese hinter sich gelassen hatten, schien ihnen die Sonne direkt in die Augen.
    Ravana war wieder überrascht, wie schön die Steppe war – das wundervolle Zusammenspiel der Farben blau, grün, gelb und braun, der leichte Wind, der das Steppengras bewegte und die gute Luft... Und sie war ihren Alpträumen dankbar, die sie veranlasst hatten, die Wüste zu verlassen und das schöne Hyrule zu entdecken.
    „Ravana, ich hab keine Lust mehr, so weit zu laufen,“ nörgelte Milo neben ihr und verzog das Gesicht.
    Kann ich verstehen, dachte Ravana, ich würde mich am Liebsten auch hinlegen und den Wolken zusehen...
    „Sieh mal, der Fluss fließt doch von hier aus an Hyrule vorbei, oder? Wenn wir ein Boot hätten, wären wir ganz schnell in Hyrule und müssten nicht zu Fuß den Umweg durch die Steppe machen....“ Milo war voller Tatendrang, und sah sich um, als ob er hoffte, irgendwo ein Boot hinter einem Felsen hervorspringen zu sehen.
    „Gar keine schlechte Idee, wenn du Geld verdienen willst, kannst du das ja mal machen und die Reisenden den Fluss runterfahren,“ sagte Ravana. „Aber ich fürchte, wir müssen doch zu Fuß gehen, denn ich sehe kein Boot.“
    „Und wenn wir einfach schwimmen? Dann sind wir immer noch schneller als zu Fuß, der Fluss würde uns ja mitziehen... Sieh doch, wie schnell er fließt!“ überlegte Milo.
    „Ich weiß nicht... Wer weiß, was da im Fluss noch für Gefahren sind, von diesen Oktoroks will ich gar nicht reden. Und schwimmen kann ich auch nicht,“ gab sie zu.
    Milo starrte sie an. „So alt, und du kannst noch nicht schwimmen? Das ist ja was, sogar ich kann schwimmen!“ sagte er und warf sich in die Brust. Ravana schickte ihm einen bösen Blick, und Milo sagte: „Jaja, ich weiß, in der Wüste gibt es kein Wasser, wo man schwimmen lernen kann. Schon gut, ich habs nicht so gemeint. Aber komm, wir machen das trotzdem. Das Wasser ist bestimmt nicht so tief, und schwimmen ist einfach. Du musst nur die Arme bewegen... siehst du? ... So..“
    Er machte ihr die Bewegungen vor, und Ravana seufzte. Wenn Milo sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, war es schwer, ihn wieder zur Vernunft zu bringen.
    „Also gut, aber du schwimmst vor, damit die Oktoroks dich zuerst fressen, klar?“
    Milo grinste.

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