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Thema: [ALT] Link´s Legacy #1

Hybrid-Darstellung

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  1. #1
    König Dardanos hatte einen anstrengenden Tag gehabt. Es war später Abend und er saß am Arbeitstisch in seinen Privatgemächern, um einige letzte Anordnungen zu unterzeichnen.
    Er war allein. Vor wenigen Minuten war Wachablösung gewesen, und die beiden Leibwächter, die normalerweise die Tür draußen auf dem Gang flankierten, hatten sich bei ihm gemeldet und sich dann zurückgezogen.
    Wo bleibt denn die Ablösung? dachte der König. Normalerweise hätte sie sich schon längst gemeldet.
    Er notierte sich auf ein Blatt Papier, dass der Minister sich die Besetzung der Wachtposten genauer ansehen und vielleicht einige Posten neu besetzen solle.

    Während er kurz darauf einem wichtigen Dokument sein Siegel aufdrückte, klappte plötzlich eines der vielen Gemälde zur Seite, und ein ihm unbekannter Mann trat hervor.
    Überrascht legte der König seinen Siegelring auf die Seite und wollte aufstehen, doch der Mann zogeinen Bogen hinter seinem Rücken hervor, legte blitzschnell einen Pfeil ein, richtete ihn auf Dardanos und sagte kalt:
    Kein Wort oder du bist tot. Glaub nicht, dass ich vor einem Mord zurückschrecke, nur weil du der König bist.

    Dardanos erbleichte. Ein Attentäter, hier in seinen Privatgemächern, und die Wachen waren nicht hier. Was konnte er tun? Fieberhaft dachte er nach. Würde doch in diesem Moment die Wachablösung kommen! Dieser unverschämte Fremde hätte keine Chance, zu entkommen.

    Antworte auf meine Fragen und ich lasse dich vielleicht am Leben.

    Dardanos nickte, der Mann schien es ernst zu meinen. Unauffällig schaute er zur Tür, die der Fremde nicht sehen konnte, da er immer noch in dem Gang hinter dem Gemälde stand. Wann kommt endlich die Wachablösung? Wut stieg in ihm auf. Ich will diesen Mann hängen sehen!

    Was weißt du über einen Mann, der sich "der allmächtige Diener der Göttinnen" nennt und wo kann ich ihn finden?

    Gepresst sagte Dardanos:
    Du hast kein Recht, etwas über den Allmächtigen Diener der Göttinnen zu erfahren. Kein Normalsterblicher hat ihn jemals gesehen und er zeigt sich nur denen, die dessen würdig sind.

    Der Eindringling machte eine ungeduldige Kopfbewegung und schoss einen Pfeil ab, der zitternd nur einen Zoll über Dardanos‘ Kopf im Polster des Stuhls stecken blieb. Sofort hatte er einen weiteren Pfeil auf die Sehne gelegt.
    Dardanos bekam es mit der Angst zu tun. Er wird mich wirklich töten!

    Der Allmächtige Diener ist nur den Göttinnen unterstellt und steht noch über den Sieben Weisen. Er tritt nur in Erscheinung, wenn der Verlauf der Geschichte sich gegen den Willen der Göttinnen bewegt. Im Tempel der Drei Einheiten zwischen dem Hylia See und den Verlorenen Wäldern leben Priester, die wissen, wie man mit dem Allmächtigen Diener der Göttinnen in Kontakt treten kann.
    Oh ihr Götter! Verzeiht mir, ich habe Euren Diener verraten...

    Mehr weißt du nicht?
    Dardanos schüttelte den Kopf. Der Mann sah ihn durchdringend an und sagte dann:
    Gut, ich glaube dir. Der Hinweis genügt mir. Und nun werde ich Mordolus' Auftrag beenden und dich töten.

    Plötzlich ging alles sehr schnell. Dardanos sah, wie der Fremde den Pfeil noch weiter nach hinten zog und hörte im gleichen Moment, wie es an der Tür klopfte. Die Wache! Endlich!
    Während der Mann vom Klopfen kurz abgelenkt war, ließ Dardanos sich vom Stuhl gleiten und rief laut nach den Wachen. Die Tür öffnete sich und die eintretenden Posten der Leibgarde erkannten sofort die Situation.
    Sofort hatten sie sich zwischen dem König und dem Fremden postiert und ihre Schwerter gezogen.
    Der Eindringling erkannte, dass er seinen Auftrag nicht mehr ausführen konnte, ohne gegen die Wachen zu kämpfen und zu riskieren, wieder gefangen genommen zu werden. Dardanos sah, wie er sich umdrehte und eine Sekunde später im Dunkel des Ganges verschwunden war. Das Gemälde klappte um und ließ den Gang verschwinden.

    König Dardanos erhob sich und rief: Lasst diesen Mann nicht entkommen! Findet ihn und bringt ihn zu mir! Ich will ihn lebend!

    Doch es war zu spät. Als die Leibgarde den Gang wieder geöffnet hatte, war der Attentäter längst verschwunden.

    Was hat Minister Mordolus mit diesem Mörder zu tun? Ist er ein Verräter?

  2. #2

    Kakariko

    Ravana hatte deutlich gemerkt, dass Gerudos nicht gerne gesehen werden. Sie wurde mit einer Mischung aus Angst und Verachtung von den Bewohnern Kakarikos begrüßt – und es war zu lieb gewesen, wie Milo eben den Vorstand der Bauarbeiter angefahren hatte, und das, obwohl der Mann ihn am Kragen einen Meter über dem Boden hatte zappeln lassen!

    Als sie zu dem Haus, über dessen Tür ein Schild mit einem Pfeil hing, gingen, sah Ravana nicht weit entfernt einen Brunnen, an dessen Rand zwei Männer standen und sich unterhielten. Der eine sah ein wenig aus wie ein Gerudo, doch Ravana dachte sich, dass das wohl eine Täuschung sein müsse. Bei den Gerudo wurde nur alle hundert Jahre ein Mann geboren.
    Schließlich betraten sie die Taverne. Lärm und dicke Luft schlug ihnen entgegen. Der Raum war voll von Bauarbeitern, Bauern, Tagelöhnern und sogar Soldaten, die ihr verdientes Geld in Bier investierten.
    Hinter dem Tresen saß ein großer Mann mit braunem Bart, der fast das ganze Gesicht überwucherte. Er starrte die beiden Neuankömmlinge an und als sie auf ihn zu kamen, rief er ihnen entgegen, dass es nichts umsonst gäbe in seinem Laden.
    Sehen wir so aus, als wollten wir betteln? fragte sich Ravana.
    Milo sagte dem Mann, dass der Vorstand der Bauarbeiter erwähnt hatte, dass sie vielleicht vergünstigtes Essen bekommen könnten, doch der Mann lachte schallend und sagte, dass es nur zwei Möglichkeiten gäbe, ohne Geld an Essen zu kommen: entweder bei der Arbeit helfen oder im Bogenschießen gewinnen.
    Der Mann deutete auf eine Zielscheibe an der Wand, um die herum schon einige Pfeile steckten. Kaum einer der Männer im Raum hatte überhaupt die Scheibe getroffen.
    Ravana lächelte. Im Bogenschießen war sie gut. Sie fragte: „Also gut. Von wo soll ich schießen?“
    Der Mann am Tresen starrte sie an. „Gerudos dürfen eigentlich nicht mitspielen. Jeder Mensch weiß, dass sie im Bogenschießen gut sind. Aber gut. Wenn du von der gegenüberliegenden Wand genau in den roten Punkt in der Mitte triffst, bekommst du und der kleine Bengel dort jeder eine Mahlzeit und einen Becher Bier dazu. Geld gewinnst du nicht, klar? Drei Schuss hast du.“
    Sie nickte und ging zu der Stelle, auf die der Mann gedeutet hatte. Inzwischen war Ruhe eingekehrt, die Männer im Raum witterten einen Spaß und machten ihr Platz. Ravana stellte sich hin, nahm ihren Bogen in die Hand, legte einen Pfeil ein und spannte den Bogen. Sorgfältig zielte sie, doch in dem Moment als sie den Pfeil loslassen wollte, schlug ihr jemand auf die Schulter und grölte: „Du dumms Gör wiss sow-sowso nich treffn!“
    Ravana war von dem Schlag in die Knie gegangen und hatte den Pfeil losgelassen, der zwischen zwei Kerlen drei Meter von der Scheibe entfernt in der Wand steckte.
    Lautes Gelächter erfüllte den Raum. Milo kam zu ihr geeilt. Sein rundes Gesicht sah überhaupt nicht mehr gutmütig aus und seine großen Augen funkelten. „Du dummer Ochse!“ brüllte er den Mann hinter Ravana an. „Lass sie in Ruhe schießen. Oder willst du etwa, dass sie ihre Freundinnen ruft und nachts dein Haus überfällt?“
    Entsetzt starrte der dicke Mann ihn an. Seine Augen schielten ein wenig. Plötzlich stand er auf, bahnte sich einen Weg durch die Menge und verließ die Taverne.
    „Er muss nachsehen, ob sein Haus noch steht!“ grölte ein anderer Mann und wieder erfüllte tosendes Gelächter den Raum.
    Ravana grinste Milo an und knuffte ihn leicht an der Schulter. Milo funkelte sie vergnügt an und Ravana spannte ihren Bogen wieder. Milos Andeutung hatte bewirkt, dass die Männer um Ravana zurückgewichen waren und ihr jetzt genug Platz zum Zielen ließen.
    Sie ließ den Pfeil los, ein lautes Sirren ertönte und der Pfeil steckte in der Zielscheibe, zwei Zoll von der Mitte entfernt. Ihr Götter! Das kann ich aber besser, dachte sie, während manche der Männer grölten und andere schadenfroh lachten und ihre Bierkrüge zusammenstießen ließen.
    Ravana legte einen weitere Pfeil auf die Sehne, zielte konzentriert, während wieder gespannte Ruhe einkehrte, und schließlich ließ sie los. Einen Moment später grölten alle Männer los; der Pfeil steckte im roten Punkt in der Mitte. Milo strahlte sie an und hüpfte zum Mann am Tresen, um ihm beim Essen machen zuzusehen und aufzupassen, dass keine unerwünschten Sachen im Essen landeten.

    Die Männer wandten sich jetzt wieder ab, das Spektakel war vorbei. Ravana ging zur Zielscheibe und sammelte ihre Pfeile wieder ein. Ein paar Augenpaare folgten ihr mit bewundernden Blicken, und sie hoffte, dass die Männer bald zu betrunken waren, um sich später an sie zu erinnern. Sie wollte eigentlich keine Aufmerksamkeit erregen.
    Schließlich ging sie zu Milo und wartete, bis der Mann am Tresen ihnen die gewonnene Mahlzeit hinstellte.
    Ihr war ein wenig unwohl. Noch nie hatte sie so viele laute Menschen auf einem Haufen gesehen, und schon gar keine Männer. Diese hier waren auch ganz anders als Rikoon, den sie in der Gerudofestung gesehen hatte.
    Sie fühlte sich nicht besonders wohl in Gesellschaft einer solchen betrunkenen Bande.
    Doch Milo sah fröhlich aus, er genoss es, den Wirt zur Eile anzutreiben.
    Schließlich reichte der Wirt ihnen zwei Schalen mit einer undefinierbaren, dampfenden Masse darin und zwei Becher Bier. Milo und Ravana sahen sich nach einem Plätzchen um, wo sie ungestört essen konnten. In der hintersten Ecke war ein kleiner Tisch frei und sie schlängelten sich durch die betrunkene Meute.
    Der Eintopf schmeckte nicht besonders gut, aber er vertrieb den Hunger und war schön warm. Das Bier war sehr bitter, aber es war genau das Richtige nach einem langen Tag in der Steppe.
    Während sie aßen, hatte der Lärm in der Taverne zugenommen, einige der Gäste lagen aber auch schon unter den Tischen und schnarchten laut. Vor einiger Zeit war die Tür aufgegangen und eine pralle Frau mit langen Röcken und viel Schminke im Gesicht war hereingekommen. Sie tänzelte jetzt zwischen den Männern herum, flirtete mit dem Wirt und schien fast ebenso betrunken zu sein wie alle anderen auch.
    Das Bier und die dicke Luft taten auch bei Ravana ihre Wirkung, Ihr Kopf schmerzte und sie fühlte sich leicht abgehoben, als ob die Welt um sie kreiste.
    Sie warf Milo einen Blick zu. Er hatte sich zurückgelehnt, die Hände über dem Bauch gefaltet und sah recht zufrieden aus.
    Ravana lehnte sich zu ihm herüber und schrie, um den Lärm zu übertönen: „Du, ich geh mal raus, mein Kopf tut weh! Ich warte draußen auf dich! Lass dich nicht ausrauben, denk an das Geld, das du bei dir hast!“
    Milo nickte träge mit dem Kopf. Er wird doch nicht einschlafen?
    Sie warf ihm einen letzten besorgten Blick zu, stand auf und bahnte sich ihren Weg nach draußen. Sobald sie die Tür geöffnet hatte und ihr frische Luft entgegen kam, fühlte sie sich besser. Ich werde gleich wieder nach Milo sehen, nur mal kurz hinsetzen, dann geht’s mir wieder besser...
    Ravana schloss die Tür hinter sich, setzte sich auf eine Kiste an der Hauswand und lehnte den Kopf gegen die Wand.

  3. #3
    RUMMS
    Ravana schreckte auf. Sie war tatsächlich kurz eingenickt. Hinter ihr, in der Taverne, hatte es einen lauten Schlag getan. Der Lärm war auch lauter geworden.
    Während sie gedöst hatte, war ihr eingefallen, dass Bumara ihr gesagt hatte, dass es in kakariko eine Hexe gab, die vielleicht wusste, wie sie den fliegenden Teppich wieder in Ordnung bringen könne. Eine gute Möglichkeit, den Abend zu verbringen!
    Sie stand auf, streckte sich und vergewisserte sich, dass ihr Dolch noch da war. Dann öffnete sie die Tür zur Schankstube.
    Die Stimmung war noch ausgelassener als vorher. In einer Ecke prügelten sich ein paar Bauarbeiter, am Boden lag ein zertrümmerter Stuhl. Wahrscheinlich hatte den einer gegen die Wand geschmissen, und davon war sie wieder aufgewacht.
    Der Mann an der Theke sah aufgeregt aus, er redete angestrengt mit einem angetrunkenen Soldaten und deutete in die Ecke mit den sich prügelnden Männern. Bestimmt machte er sich Sorgen um seine Möbel.

    Ravana betrat die Taverne und wich gleich einem umherfliegenden Becher aus, während sie auf die Theke zu ging. „Heee, Weib, dein Bengel hat sein Bier nich vertragen!“ grölte es hinter ihr, gefolgt von lautem Gelächter der Umsitzenden. Tatsächlich, Milo schien in der Ecke hinten eingenickt zu sein. Sie reagierte nicht auf den Ruf und stellte sich neben den Soldaten an die Theke.
    Als der Barmann sie misstrauisch ansah, sagte sie: „Kannst du mir sagen, wo die Hexe zu finden ist? Ich brauche ihre Hilfe.“
    Der Soldat feixte und lallte etwas davon, dass sie bestimmt einen Trank kaufen wolle, womit sie jemanden vergiften könne.
    Der Barmann antwortete: „Ja, ich kann dir sagen, wo du die Hexe findest. Aber das kostet was.“
    Er grinste sie an und Ravana viel eine große, hässliche Zahnlücke im Gebiss des Mannes auf.
    Sie kramte in ihrem Beutel herum und hoffte, dass keiner der Männer im Schankraum sie beobachtete. Schließlich fischte sie drei grüne Steine hervor und legte sie auf die Theke.
    Der Barmann bekam große Augen. „Du verlogenes Stück hast ja doch Geld! Ein bißchen mehr muss es aber schon sein, muss ja auch von was leben.“
    Der Soldat bekam sich nicht mehr ein vor Lachen. Wenn er so weiter macht, pinkelt er sich noch in seinen Rock, dachte Ravana böse.
    Sie legte zwei weitere Rubine auf den Tisch, die der Barmann schnell nahm und verschwinden ließ.
    „Also gut, für dich gibt es einen Sonderpreis,“ sagte er. „Die Kräuterhexe wohnt im hinteren Teil des letzten Hauses vor dem Tor zum Todesberg, das rechte Haus ist es. Aber nachts hat der Hausbesitzer die Tür verschlossen. Pech gehabt. Musst du bis morgen warten. Außer....“
    Seine Augen blitzten, und Ravana wusste, dass sie noch mehr Geld geben musste, wenn sie wissen wollte, was das „außer“ bedeutete. Doch der angetrunkene Soldat lallte: „Na klar gibs da n Weg. Kletterste einfach übern Zaun inner Nähe vom Brunnen und gehs in das Haus, so einfach is das“. Der Barmann funkelte ihn böse an. Diese Information hätte weitere Rubine für ihn bedeuten können.
    Ravana klopfte dem Soldat auf den Rücken, drehte sich um und ging zu Milo, froh, die Alkoholfahne des Soldaten loszuwerden.
    Milo war schon halb vom Stuhl gerutscht, die Hände immer noch über dem Bauch gefaltet.
    Ravana schüttelte ihn an der Schulter und Milo schreckte auf. Mit großen Augen sah er sich um, bis er Ravana sah.
    Sie sagte: „Na, du kleiner Held? Doch müde geworden, was? Ist dein Geld noch da? Schau mal lieber nach!“
    Milo durchwühlte seine Kleider und nickte fröhlich, als er den Beutel mit dem Geld fand.
    Ravana sagte: „Hast du Lust, eine Hexe zu besuchen? In Kakariko gibt es eine, ich hab grad gefragt, wo sie zu finden ist. Komm, lass uns hin gehen!“
    „Eine Hexe? Was willst du denn von einer Hexe? Die wird uns in Dekus verwandeln, wenn wir so spät bei ihr reinplatzen!“
    Ravana lachte. „Nein, das wird sie schon nicht. Hab ja nur ne Frage an sie. Na, komm schon, lass uns hier verschwinden, bevor sie uns doch noch ausrauben! Was zum Sandfresser sind denn Dekus?“
    Milo stand auf und die beiden schlängelten sich durch die saufende Meute zum Ausgang. Milo war noch fast mit der prallen Frau zusammengestoßen, die ihn aufreizend angrinste. Ravana verdrehte die Augen und zog Milo aus der Taverne.

  4. #4

    Kakariko

    Draußen gab es kaum Licht, der Mond war im Moment hinter einer Wolke verborgen. Die beiden tapsten Richtung Brunnen, und Ravana schrie kurz auf, als sie sich das Knie am Steinrand des Brunnens anstieß.
    Irgendwas ließ Ravana schauern. Sie konnte im Brunnen zwar nichts sehen, doch trotzdem hatte sie kein gutes Gefühl, was den Brunnen anging. Schnell ging sie weiter, am Brunnen vorbei. Kurz darauf standen die beiden vor einem hohen Zaun.
    Während Ravana noch dachte, dass sie noch nie irgendwo hochgeklettert war und ob es nicht zu dunkel zum Klettern war, war Milo den Zaun schon halb hochgeklettert.
    „Jetz komm schon! Ist nicht schwer!“ rief er zu ihr hinunter. Ravana zuckte mit den Schultern und kletterte Milo hinterher. Als sie oben angekommen war und es darum ging, sich über die obere Kante zu schwingen – bei dem Gedanken daran bekam sie ein wenig feuchte Hände – sprang Milo schon unten herum und bekundete sein Gefallen an der nächtlichen Kletterei.
    „Wo hast du denn so gut klettern gelernt?“ rief Ravana zu ihm runter, um Zeit zu schinden und sich vielleicht eine Alternative zum Zaunklettern einfallen zu lassen.
    „Ach, bei uns im Wald kann man überall klettern! Viele Häuser stehen bei uns auf Bäumen. Na komm, ein Bein rüber, dann klappt das schon!“
    Na, der hat leicht reden.... In der Wüste gibt’s keine Zäune, und schon gar keine Häuser auf Bäumen!
    Kurze Zeit später stand auch sie bei Milo auf der anderen Seite und sie sahen sich um. Der Mond war inzwischen wieder hervorgekommen und sie konnten links ein Haus erkennen. Sie gingen an der Hauswand entlang, und Ravana wäre fast in ein Loch im Boden gefallen, konnte im letzten Augenblick aber noch mit dem anderen Fuß Halt finden.
    Endlich fanden sie eine Treppe, die sie hinauf stiegen. Oben war eine hölzerne Tür. Milo drückte ein Ohr auf die Tür, konnte aber nichts hören. Schließlich klopfte Ravana. Sie traute sich nicht, mit der Faust dagegen zu hämmern, weil sie Angst hatte, die Hexe zu erzürnen.
    Es war nichts zu hören, und schließlich drückte sie die Klinke herunter und öffnete die Tür einen spaltbreit.
    Dämmriges, flackerndes Licht fiel aus dem Ritz, und Ravana fasste Mut und betrat das Zimmer, Milo schlich hinter ihr her.
    Es war ein sehr seltsamer Raum. Es roch irgendwie sehr fremd, Kerzen brannten mit bunten Flammen, an einer Wand hinter der Ladentheke blubberte eine Flüssigkeit in einem Kessel und aus den Ecken ertönte ein Rascheln, als ob dort irgendwelche kleinen Tiere ihr Unwesen trieben. Die Hexe saß auf der anderen Seite der Ladentheke, ihr Kopf lag auf dem Holz und sie schnarchte. Neben ihr saß eine schwarze Katze, die den Kokiri und die Gerudo mit gelben Augen durchdringend anstarrte.
    Ravana ging zur Theke und tippte die Hexe leicht an. Die Katze stand auf, gähnte und machte einen Katzenbuckel. Die Hexe jedoch rührte sich nicht. Milo kam hinter Ravana hervor und sah sie fragend an. Ravana zuckte mit den Achseln und schüttelte die Hexe etwas stärker.
    Sie war sofort wach und starrte die beiden böse an. „Wer seid ihr denn?“ fauchte sie unwirsch. „Macht, dass ihr raus kommt, es ist Nacht und der Laden hat geschlossen.“
    Ravana war erstaunt, dass die Hexe unfreundlich war. Sie wollte aber nicht unerledigter Dinge wieder gehen, immerhin hatte sie Geld dafür bezahlt, dass sie die Hexe besuchen konnte.
    Sie sagte: „Bitte entschuldigt, dass wir einfach so reingekommen sind. Ich habe nur eine Frage...“
    Da die Hexe sie nicht in „Dekus“ verwandelte, ging Ravana davon aus, dass sie weitersprechen durfte. Sie löste den zusammengefalteten fliegenden Teppich von ihrem Gürtel und hielt ihn der Hexe hin.
    „Seht Ihr? Das ist ein fliegender Teppich, aber er ist alt und zerschlissen, und er fliegt nicht mehr. Könnt Ihr den Teppich richtig pflegen, damit ich ihn wieder benutzen kann?“
    Die Hexe grapschte mit gierigen Augen nach dem Teppich, doch Ravana hielt ihn fest.
    „Wo hast du Kindchen denn so einen wunderbaren Teppich her? In Hyrule gibt es nur einen einzigen fliegenden Teppich, und der gehört einem entfernten Verwandten von mir. Naja, zeig ihn mir mal, ich seh mal, was ich tun kann. Kuck nicht so, du kriegst ihn ja wieder.“
    Widerwillig ließ Ravana das Bündel los und die Hexe legte es vor sich auf den Tisch, um es dort zu entrollen. Sie betrachtete einige Zeit lang den Teppich und prüfte hin und wieder eine einzelne, besonders zerfetzte Stelle.
    „Hm. Ich kann den Teppich pflegen. Doch es dauert einige Zeit, und es wird dich auch einiges kosten, Kindchen. 500 Rubine, und du kannst den Teppich in drei Tagen wieder abholen, dann ist er wie neu.“
    Was? 500 Rubine? Soviel bekomme ich im Leben nicht zusammen! dachte Ravana.
    „100 Rubine. Alles andere ist Wucher.“ sagte Milo und trat vor an die Theke. Er konnte kaum über die Kante blicken, sah aber entschlossen aus.
    Ravana war total überrascht. Erst ein Preis, der ihr Vorstellungsvermögen übertraf, und dann der kleine Milo, der wie ein knallharter Händler daher kam.
    Die Hexe sah ebenso überrascht aus wie sie. „Was? WAS?“ gackerte sie. „Misch dich nicht in Erwachsenengeschäfte ein. Solltest du nicht längst im Bett sein? Frecher Bengel!“
    Milo sah kurz ein wenig beleidigt aus. „Ich sage, 100 Rubine, mehr bekommst du nicht dafür, den Teppich wieder in Ordnung zu bringen.“
    Ravana hatte sich wieder gefasst und sagte: „Lass mal gut sein, Milo. Ich hab weder 500 Rubine, noch 100 Rubine. Komm, lass uns gehen.“ Sie nahm den Teppich an sich, legte ihre Hand auf Milos Schulter und drehte ihn Richtung Tür.
    Die Hexe hinter ihnen kreischte: „Nein, kommt zurück! Für 250 Rubine bringe ich den Teppich tipp topp in Ordnung! Na, wie wäre das? Ihr findet niemanden, der sich so gut mit magischen Gegenständen auskennt wie ich! Kommt zurück!“
    Ravana drehte sich noch einmal um. „500 Rubine wären zuviel, und 250 Rubine auch. Aber ich komme wieder, wenn ich 150 Rubine habe, dann können wir weiterreden. Angenehme Nacht und einen gesegneten Morgen wünsche ich Euch!“
    Nachdem sie die Eingangstür hinter ihnen geschlossen hatte, fragte Milo aufgeregt: „Du hast einen fliegenden Teppich? Kann man damit wirklich fliegen? Wie ein Vogel? Darf ich mal, wenn er wieder in Ordnung ist? Bitte!“
    Ravana lachte. „Klar darfst du, aber ich muss erstmal so viel Geld zusammenkriegen. Weißt du, wie ich zu Geld komme? Und woher weißt du überhaupt, wie man handelt? Du bist ja ein richtiger Geschäftsmann!“
    „Ja, bei Balon lernt man das Handeln. Aber ich bin müde, wie wärs, wenn wir uns erstmal ein Plätzchen für die Nacht suchen? Morgen können wir dann wieder handeln!“
    „Gute Idee, suchen wir uns erstmal warme Betten!“

  5. #5

    Kakariko

    Hätte ich ihm nur nichts gesagt und ihn einfach in der Taverne pennen lassen...
    Milo hörte gar nicht mehr auf, davon zu reden, was sie mit dem fliegenden Teppich alles machen würden und wie sie das Geld dafür zusammen bekommen würden.
    Seit sie heute morgen aufgestanden waren, redete er die ganze Zeit von ihren Abenteuerreisen mit dem Teppich. Langsam war Ravana ein wenig genervt. Sie mochte Milo, keine Frage, obwohl er noch so klein war, war er ein richtiger Partner, und sie wollte ihm nicht seine Freude nehmen. Aber bevor sie das Geld für die Reparatur des Teppichs verdienen würde, wollte sie zum König gehen.
    Sie war sich immer noch sicher, dass etwas Schlimmes in Hyrule vor ging, und sie wollte den König danach fragen und ihre Hilfe anbieten.
    Vielleicht würde Milo ja mitkommen? Wenn er so auf Abenteuer aus war, würde es ihm doch sicherlich gefallen, mit dem König über dunkle Kräfte zu reden...

    „...wir pflanzen Dodongoblumen bei den Goronen. Wir tauchen mit den Zoras! Nein, ich habe es, wir machen eine Band auf!“ redete Milo begeistert vor sich hin,
    Ravana hatte gar nicht zugehört. Inzwischen waren sie auf dem großen Platz, auf dem nur ein einziger Baum stand, angekommen. Viele Händler hatten sich hier versammelt und boten ihre Waren den fleißigen Bürgern Kakarikos an. Es war noch sehr früh, und auf den ausgebreiteten Tüchern vor den Händlern lagen Berge von Obst, Gemüse, Gewürzen, Küchengerät und vieles mehr.
    Weiter hinten, fast schon beim Ausgang zur Steppe, wurden offensichtlich Tiere verkauft. Sie entdeckte gleich zwei Händler, jeder hielt zwei Kühe an Stricken fest. Es konnten nur Kühe sein; zwar hatte sie bisher noch nie eine Kuh gesehen, doch sie wusste, dass sie fast so groß waren wie Pferde, und diese vier waren wirklich gewaltig. Die hatten ihre Köpfe zum Boden gesenkt und grasten.
    „Schau Milo. Heute ist uns das Glück hold. Gleich zwei Händler, die Kühe haben.“ sagte sie zu Milo, der die letzte Minute beleidigt geschwiegen hatte.
    Milo sah sich die Händler an und hüpfte plötzlich begeistert auf und ab.
    Oh nein, was kommt jetzt? dachte Ravana
    Er schlug eine kleine Wette vor. Wer bei seinem Händler den niedrigeren Preis aushandelte, hatte gewonnen und sollte die Differenz zum teureren Händler bekommen. Milo rannte auch gleich los und Ravana verdrehte die Augen. Balon wird das restliche Geld doch sicherlich wieder haben wollen, und wenn wir ihn anlügen, wird er es irgendwann rauskriegen.
    Um Milo nicht den Spaß zu verderben, machte sie mit und ging zu dem anderen Händler. Ein Junge, nicht viel älter als Milo, wie es schien. Er stand allein im Schatten der Felswand und kaute gelangweilt auf einem Stück Brot herum. Seine Kühe grasten.
    Ravana sprach ihn an. „Hallo! Was sollen denn deine beiden Kühe kosten?“
    Der Junge starrte sie an. Offensichtlich konnte er sich nicht vorstellen, was jemand wie Ravana mit Kühen wollte. Schließlich schluckte er sein Brot herunter und sagte kauend: „220 Rubine zusammen, einzeln 120 pro Kuh.“
    Ravana erinnerte sich daran, wie Milo gestern abend mit der Hexe gehandelt hatte. Zuerst nannte man eine viel zu niedrige Summe, die man dann steigerte.
    „Ich gebe dir 120 Rubine für beide Kühe. 230 ist viel zu teuer. Sieh doch mal, wie dünn sie sind! Bestimmt geben sie keine gute Milch.“
    Mit großen Augen sah der Junge sie an. Wahrscheinlich wusste er nicht, wie er reagieren sollte. Er sah sich auf dem Markt um, suchte vielleicht seinen Vater, doch er fand ihn nicht.
    „Nein, das geht nicht. Die Kühe geben gute Milch. 200 Rubine sind sie schon wert.“ Ängstlich sah er sie an.
    „Ich habe aber nur 170 Rubine dabei, die könnte ich dir geben. Sieh mal, du kriegst das Geld jetzt gleich und bist die Kühe los. Mehr als 170 Rubine kann ich dir nicht zahlen, und vielleicht kommt dann den ganzen Vormittag über niemand mehr. Dein Vater wird wütend sein, wenn du die Kühe nicht verkaufst, oder?“
    Der Junge überlegte. Er sah so aus, als ob er sich nicht sicher wäre, ob sein Vater sich freuen würde, wenn er die Kühe zu einem so billigen Preis verkaufte.
    „Also gut,“ willigte er schließlich ein und sah verdrießlich drein. „170 Rubine. Dann gib mir gleich jetzt das Geld!“
    Ravana sah zu dem anderen Kuh-Händler hinüber. Es war ein kleines Mädchen, das ziemlich zerlumpt und ärmlich aussah. Milo gestikulierte wild in der Luft herum und redete auf das Mädchen ein, das aussah, als ob es gleich in Tränen ausbrechen würde.„Warte einen Moment. Das Geld hat mein kleiner Bruder. Ich hole es gleich, ja?“ Der Junge nickte.
    Ravana drehte sich um und ging langsam zu Milo. Der war jedoch noch nicht fertig geworden, und so ließ sie ihren Blick über die anderen Stände schweifen. Sie entdeckte einen Mann, nur 20 Schritte entfernt, der vor sich einen kleinen Tisch aufgebaut hatte. Über dem Tisch ausgebreitet lag ein Tuch, und darauf hatte er ein paar Schmuckstücke gelegt.
    Ravana ging hin und sah sich die Schmuckstücke an. Der Mann hinter dem Tisch sagte: „Diese Stücke sind sehr wertvoll. Siehst du, wie fein sie gearbeitet sind? Ein junger Gorone auf dem Todesberg hat sie hergestellt. Die Goronen sind sehr geschickt im Umgang mit Metall.“
    Ravanas Blick wanderte sofort zu einer feingliedrigen langen Kette, an der ein sehr feines, goldenes Triforce-Symbol hing. Wie schön es war! Das Symbol blitzte in der Sonne. Sie berührte es mit einem Finger, während der Händler wachsam ihre Bewegungen verfolgte. Das Metall fühlte sich irgendwie warm und lebendig an. Wie gerne sie die Kette mit diesem Anhänger kaufen würde!
    Doch sie wusste, dass sie niemals so viel Geld haben würde, um sich ein solches Schmuckstück leisten zu können. Bedauernd warf sie einen letzten Blick auf den Anhänger und ging dann wieder zurück zu Milo. Vielleicht würde sie eines Tages selbst den Goroen-Schmied treffen und den Anhänger direkt von ihm kaufen..
    Inzwischen schien Milo auch mit dem Mädchen einig zu sein. Strahlend kam er auf sie zu.

    Geändert von Ravana (31.12.2004 um 18:13 Uhr)

  6. #6
    König Dardanos konnte es immer noch nicht glauben.
    Ein Kind war in den Thronsaal eingedrungen und wollte den Auftrag, eine Botschaft zu den Priestern des Tempels der Drei Einheiten bringen, übernehmen.
    Dann hatte es auch noch behauptet, ein Horror-Kid zu sein. Diese Wesen gab es doch nur in der Legende, oder? Und sie konnten den Wald nicht verlassen...
    Die Geschichte, dass dieses Horror-Kid ein Shiekah gewesen sein sollte, lieferte zwar eine Erklärung dafür, warum das Horror-Kid den Wald verlassen hatte, klang ansonsten aber doch reichlich unglaubwürdig.
    „Ich bin nicht sicher, ob ich dir glauben kann, dass du ein Shiekah warst, Kind.“ sagte er freundlich. „Wie heißt du denn?“
    „Mein Name ist Kiro, der Shiekah!“ rief das Horror-Kid selbstbewusst.

    Auf jeden Fall hat er Recht. Der Mörder, der zum Tempel will, wird niemals ein Kind als Bote verdächtigen, dieser Kiro könnte wirklich unauffällig dort hin gelangen.
    Zumal sich bisher sonst kein anderer Bewerber für den Auftrag gemeldet hatte...
    Das Wesen stand mitten im Thronsaal und sah sich aufgeregt um.
    Dardanos räusperte sich.
    „Also gut. Du sollst den Auftrag bekommen. Aber sei dir bewusst, dass es gefährlich ist. Ein gefährlicher Mörder ist wahrscheinlich ebenfalls auf dem Weg zum Tempel. Du solltest ihm nicht in die Quere kommen.“

    Kiro strahlte, er kam ein Stück näher. Er sah sehr seltsam aus, mit seinen dünnen Armen und Beinen, die aussahen wie zerbrechliche Äste. Die Wachen waren inzwischen wieder aufgestanden und waren bereit, einzugreifen, sobald ihnen das Wesen einen Grund dazu gab.

    Dardanos setzte sich wieder auf seinen Stuhl und winkte einem Diener. Dieser brachte ein Tablett mit Papier und einer Schreibfeder. Eine Weile schrieb er, dann faltete er den Brief zusammen und drückte schließlich seinen Siegelring in das heiße Wachs, das den Brief verschloss.
    „Komm her, Kiro“ sagte er schließlich. „Hier ist die Botschaft. Pass gut auf sie auf. Und hüte dich vor allen anderen Reisenden, die in die gleiche Richtung unterwegs sind.“
    Kiro nahm den Brief entgegen und steckte ihn unter sein Hemd.
    „Sobald du den Tempel erreicht hast, gib den Brief dem Priester Elias oder einem seiner Diener. Lass dir den Empfang des Briefes schriftlich bestätigen. Dann komm mit dem Empfangsschreiben zurück zum Palast und zeig es einer der Palastwachen. Sie wird dir die Belohnung aushändigen. Du wirst aber sicherlich verstehen, dass du nicht das kostbare Schwert bekommen kannst, das als Belohnung ausgeschrieben war. Beweise mir, dass du ein Shiekah warst, dann bekommst du es, ansonsten wirst du als Belohnung nur 200 Rubine bekommen.“
    Kiro verbeugte sich, drehte sich um und verließ den Thronsaal.

  7. #7

    Kakariko

    „Und?“ fragte Milo Ravana. „Hast du auch so gut gehandelt wie ich? Ich hab das Mädchen da auf 174 Rubine runtergehandelt, was sagst du jetzt?“
    „Gut, sage ich. Aber ich hab 170 Rubine.“ Ravana grinste, als sie sah, wie Milos Blick Enttäuschung verriet.
    „Ach komm, 4 Rubine, das ist doch kein großer Unterschied. Mit dem Jungen zu handeln, war ziemlich einfach. Ihm war es eigentlich egal, was mit den Kühen passiert, und besonders gut im Denken scheint er auch nicht zu sein.!“
    Milo schaute traurig drein. „Und ich hab mir solche Mühe gegeben. Sieh mal, ich habe es geschafft, das Mädchen so zu bereden, dass sie viel zu weit runtergegangen ist, für ihre Familie wäre es sehr schlimm, wenn sie nur so wenig Geld für solch gute Kühe bekommen. Das schafft nur ein sehr guter Händler, so jemand wie ich.“
    Ravana klopfte ihm auf die Schulter. „Ich gebe es zu, du bist der bessere Händler. Ich habe vorher noch nie gehandelt, und ich bin einfach an das leichtere Opfer gekommen, sonst hättest du mit Sicherheit gewonnen. Was hältst du davon, wenn ich auf den Sieg verzichte und offiziell du gewonnen hast? Und überleg mal, dadurch, dass mein Händler billiger ist, müssen wir dem armen Mädchen nicht zu einem viel zu niedrigen Preis die Kühe wegnehmen!“
    Milo schaute zurück zu dem Mädchen, das traurig die Kühe betrachtete. „Du hast Recht, so kann sie die Kühe vielleicht doch noch zu einem ordentlichen Preis verkaufen! Und vier Rubine Unterschied, das war einfach Zufall. Gut, du hast zugegeben, dass ich der bessere Händler von uns beiden bin, also hab ich gewonnen!“
    Er sah wieder fröhlich drein und ging zurück zu dem Mädchen, um ihr von der neuen Situation zu erzählen. Als er zurück kam, sah das Mädchen schon fast erleichtert aus, dass sie die Kühe nicht für 174 Rubine verkaufen musste.

    Milo und Ravana gingen jetzt zu dem Jungen zurück, der immer noch gelangweilt in der Gegend herum schaute.
    „Da bin ich wieder.“ sagte Ravana. „Mein Bruder hat das Geld. 170 Rubine für die Kühe, richtig?“
    „Hmmmm,“ brummte der Junge. „Ich habs mir nochmal überlegt. Mein Vater wird mich grün und blau schlagen, wenn ich die Kühe für 170 Rubine verkaufe. Es müssten doch 190 Rubine sein.“
    Milo schaute Ravana an. Sie nickte ihm zu, und Milo sagte: „Nein, ausgehandelt ist ausgehandelt. So funktioniert das nicht. Du bekommst 175 Rubine, nicht mehr. Wenn du nicht einwilligst, kaufen wir die Kühe bei dem Mädchen dort drüben.“
    Das war ja klar. Jetzt will er doch noch unbedingt richtig gewinnen, dachte Ravana und grinste.
    „Also gut,“ sagte der Junge böse. „Her mit dem Geld.“
    Milo kramte nach seinem Beutel mit den Rubinen und zählte sorgfältig das Geld ab. Der Junge schaute genau zu.
    „165, 170, 171, 172, 173, 174, 175. Das wars. Bitte schön.“
    Milo gab ihm das Geld und verstaute das restliche Geld wieder im Beutel. Der Junge drückte Milo die beiden Stricke, an denen die Kühe befestigt waren, in die Hand, steckte das Geld in einen Beutel und rannte in Richtung Taverne davon.
    „So, jetzt haben wir unsere Kühe. Machen wir uns gleich auf den Weg zurück zur Farm, oder?“ sagte Ravana. Milo nickte und setzte sich in Bewegung.
    „Siehst du? Jetzt hab ich doch gewonnen. Dein Händler war ein Rubin teurer als meiner!“ Freudestrahlend sah er sie an.
    „Jaja, du hast gewonnen, von mir aus kannst du den einen Rubin als Preis bekommen“ sagte Ravana und grinste ihn an.
    „Ja, das lohnt sich, was? Kann man auf Kühen eigentlich reiten? Das wäre doch was, oder? Dann bräuchten wir nicht laufen!“
    Ravana lachte. „Du kannst es ja mal versuchen!“
    Die Kühe trotteten langsam hinter den beiden her. Sie schienen nicht sonderlich erpicht darauf, den Schatten und das saftige Gras zu verlassen.

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