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Thema: [ALT] Link´s Legacy #1

Hybrid-Darstellung

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  1. #1
    Shiro stand mit gerunzelter Stirn über der Erde gebeugt.
    Er war die ganze Nacht hindurch in die Richtung gewandert in die die Spuren hoffentlich führten, denn er wagte es nicht, eine Rast einzulegen, die der mysteriösen Person einen noch größeren Vorsprung gegeben hätte.
    Lange war er sich überhaupt nicht sicher, ob er denn nun auf dem richtigen Weg sei, oder nicht. Er entdeckte zwar hier und dort einige weitere Spuren, ähnlich denen, die vom See wegführten, doch war er sich nicht wirklich sicher.
    Die Sicherheit, auf dem richtigen Weg zu sein, hatte er erst jetzt bekommen.
    Der Himmel war mit einer blaßen Röte überzogen. Der Morgen graute. Das war gut, denn er brauchte nun ein wenig Licht. Vor ihm waren nun ganz deutliche Spuren. Doch es waren nicht die, denen er bis jetzt gefolgt war. Es waren größere Spuren. Etwas großes, schweres schien den Weg entlanggekommen zu sein. Die Spuren kamen zwar von außerhalb seiner bisherigen Spur, doch er argwöhnte, dass sie dennoch mit dem, den er verfolgte zu tun hatten. Er musste irgendwann abgebogen sein und Shiro hatte dies wohl in der dunklen Nacht nicht gesehen.
    Obwohl er sah, dass die SPuren schon ziemlich alt waren und dass sich die Person die er verfolgte nun wahrscheinlich schon in weiter Ferne befand, war er dennoch besseren Mutes. Jetzt hatte er eine deutliche Spur zu verfolgen und so machte er sich nichts mehr aus dem Vorsprung. Er würde den Unbekannten früher oder später finden. Langsam fing ihn seine kleine Vefolgung an zu amüsieren und vergnügt setzte er sich einfach dahin, wo er stand und nahm eine kleine Mahlzeit zu sich.
    Erst nach etwas 20 Minuten stand er auf und machte sich wieder an die Verfolgung, doch das Ziel war nun auch bestätigt. Die Spuren bildeten die geradeste Linie auf den Wald zu, die man nur mit seinen Fußabdrücken legen konnte. Über die wunderte sich Shiro jedoch nach einiger Zeit. Die Abdrücke kamen immer im selben Muster, immer nach einem bestimmten Abstand. Wen oder was auch immer er verfolgte hatte einen sehr gleichmäsigen Schritt und scheinbar große Füße...

  2. #2
    Schweigend betrachtete er das was einmal der herrliche Hyliasee war.
    Shiro stand auf einem Felsvorsprung, genau im Schatten der hinter ihm liegenden Felswand. Unter ihm breitete sich die verwüstete Ebene um den See aus und dahinter die vergifteten Gewässer.
    Grauenhafte, entstellte Wesen waren als undeutliche Schatten zu sehen. Shiro hatte bis jetzt nichts dergleichen gesehen und er musste lange im Gedächtnis graben, um sich an alte Überlieferungen zu erinnern. Sie handelten von ähnlichen Wesen und irgendwo tauchte in seiner Erinnerung auch der Name Torek auf. Doch an genaueres konnte er sich nicht mehr erinnern. Es war lange her seit er das letzte Mal intensiv in alten, längst vergessenen Schriften und Geheimnissen herumgestöbert hatte. Und nun musste er sich haputsächlich an sein Gedächtnis halten, den die alten Bibliotheken der Shiekah standen ihm nun nicht mehr offen. Sein Volk mochte sehr klein geworden sein, doch waren sie nicht ausgestorben und die letzten Getreuen des Königs hatten bestimmt schon Meldung über ihn erhalten. Nein, wenn er nicht wirklich verzweifelt nach irgendwelchen Informationen suchen musste, würde er sein eigenes Volk meiden müssen. Es tat ihm nicht leid.
    Das anfängliche Bedauern über die Zerstörung des schönen Landstriches war intensiver Neugier gewichen. Kurz bevor er hierherkam hatte er die bereits veränderten Energien des Sees gespürt, doch hatte ihn das Ausmaß der Veränderung überrascht. Wie kam es, dass er als Shiekah das nicht schon viel früher bemerkt hatte? Gewiss musste etwas auffäliges geschehen sein, doch er hatte er es versäumt es zu bemerken. Wieso? Bevor er so etwas nicht zu spüren vermochte, musste er schon sehr intensiv mit etwas anderem beschäftigt sein.....Natürlich! Es gab nur eine Möglichkeit: Die Zerstörung des Sees musste eingetreten sein, als er mit Raziel in der Zoraquelle war und als er sich von seiner Vergangenheit befreite. Jetzt empfand er noch mehr Verachtung für sein vergangenes Selbst. Er musste so sehr mit seiner lächerlichen Verzweiflung und seinem Schmerz beschäftigt gewesen sein, dass er anscheinend nicht bemerkt hatte, dass gewichtige Dinge im Land geschahen. Und ein Gefühl sagte ihm, dass dies nur der Anfang war....der Anfang zu etwas größerem....
    Wer auch immer dies getan hatte, denn Shiro war sich sicher, dass eine Person hinter dem steckte, er hatte sich die Aufmerksamkeit von Shiro dem Shiekah zugezogen.
    " Ich muss ihn finden..", flüsterte SHiro tonlos. Nun hatte er eine Aufgabe. Er würde diesen Fremden finden und dann....
    Shiro seuftze. Er wusste nicht, was dann geschehen würde. Er musste einfach mit ihm sprechen, ihn sehen. Er brauchte eine Aufgabe und die hatte er nun. Auf mentalem Wege versuchte er sich die Energien des Landes und der Leute hier in der Umgebung vor Augen zu führen, doch alles war verschwommen. Und doch...hob sich da nicht eine stärkere Energieschicht ab? Eine schon verblassende Schicht an offenbar starker Energie...Wer auch immer hier gewesen war, musste nun zwar nicht unbedingt weit weg sein, doch weit genug, dass es Tage dauern würde ihn zu finden. Shiro wollte gerade losgehen, als er einen plötzlichen Schmerz verspürte.
    Ein Brennen über seinem Herzen...
    Langsam, als etwas ihn dagegen ankämpfte die Quelle des Schmerzes zu sehen, löste er die Spange die seinen Umhang hielt. Dieser fiel mit einem leichten Schwung zu Boden und Shiro öffnete sein schlichtes und doch sehr außergewöhnliches, was die meisten Kleidungsstücke der Shiekah ausmachte, Hemd. Jeder Shiekah tätowierte sich irgendwo an den Körper das Triforce-Symbol. Dabei war die Stelle, wo die Tätowierung war, nicht einfach so gewählt. Es hatte eine Bedeutung. Schwach erinnerte sich Shiro daran, wie sein vergangenes Selbst sich das Zeichen knapp über dem Herzen hat eintätowieren lassen. Die Bedeutung...
    Sein Gedankengang wurde unterbrochen als er besagte Tätowierung sah.
    Erstaunt betrachtete er Symbol des Allerheiligsten: Es war dunkler geworden. Seine mit der Zeit mattgoldene Farbe hatte sich verdunkelt. Das Symbol war nun tiefgrau.
    Das überstieg alles was Shiro jeh gehört hatte. Dies war nun ein Phänomen von dem er nichts wusste. Und er hasste es, wenn er etwas nicht wusste. Als er einen weiteren Schritt tat, hörte das Brennen auf. So plötzlich wie es gekommen war.
    Shiro war zutiefst beunruhigt. Was hatte das zu bedeuten? Warum hatte sich das Symbol verdunkelt? Hing es mit seiner Entscheidung zusammen? Seiner Abwendung von allem wofür er einst treu gestanden hatte? Er wusste es nicht. Doch er wusste, dass es kein Zufall war, dass sich dies genau hier ereignet hat, an dem vergifteten Hyliasee. Es musste also etwas mit der Veränderung zu tun haben....oder mit der Person, die sie herbeigeführt hatte...
    Bestärkt in seinem Entschluss diese Person zu finden, zog er sich schnell wieder an, doch schnitt er das Stück Stoff weg, das das Symbol verhüllt hatte. Er wollte weitere Veränderungen sofort sehen....

  3. #3

    Gerudofestung

    Ravana ging gemessenen Schrittes neben Bumara auf die vor der Festung versammelten Gerudo zu, aufgeregt und etwas verlegen, dass die ganze Feier ihr zu Ehren abgehalten werden sollte.
    Plötzlich nahm sie eine Bewegung links von sich wahr und stellte verwundert fest, dass sich aus dem Schatten eines Nebeneinganges eine unbekannte Gestalt löste und auf Bumara zu ging.

    Ravana war so überrascht über das plötzliche Auftauchen des dunkel gekleideten jungen Mannes, dass sie aus Reflex die Hand zum Griff ihres Säbel hatte gleiten lassen, und auch Bumara neben ihr hatte blitzschnell ihren Säbel gezogen. Ravana sah, dass auch die anderen Gerudo ihre Waffen gezogen hatten. Mehrere Pfeilspitzen zeigten auf den Körper des Fremden, der sich jedoch nicht beirren ließ, wenige Schritte vor ihnen Halt machte und furchtlos Bumara ansprach.
    Er neigte leicht seinen Kopf, was wohl eine Respektbezeugung der Anführerin der Gerudo gegenüber darstellen sollte und sagte:
    „Seid gegrüßt, Anführerin der Gerudo. Ich komme in freundlicher Absicht, Ihr könnt eure Waffe wieder einstecken.“
    Bumara sah ihn misstrauisch an und machte keine Anstalten, ihren Säbel sinken zu lassen. Einige Augenblicke herrschte Stille.
    Der Mann hatte in der Hand zwar keine Waffe, doch auf seinen Rücken trug er einen großen Schild, und Ravana glaubte nicht, dass er sich unbewaffnet ins Tal der Gerudo wagte.
    Dann sagte Bumara:
    „Wer seid Ihr, dass Ihr ungebeten hier auftaucht und eine Feier stört? Wir sind nicht darüber erfreut, dass ein unbekannter Mann in unserer Festung herumstreift. Normalerweise pflegen wir Fremden gegenüber sehr misstrauisch zu sein und sie in unseren Verliesen einzusperren, bis sie ihre freundlichen Absichten bewiesen haben. Sollen wir mit Euch ebenso verfahren?“
    Drohend sah sie den Mann an. Auch die anderen Gerudo waren bereit, sich auf den Eindringling zu stürzen und ihn in Bruchteilen von Sekunden zu überwältigen.
    Der Mann grinste leicht, bewegte sich aber nicht.
    „Bitte entschuldigt mein plötzliches Auftreten, doch ich kenne eure Riten nicht und wusste nicht, dass das Volk der Gerudo einen unbekannten Fremden, der sie in keinster Weise bedroht, in den Kerker wirft, anstatt ihn gastfreundlich aufzunehmen. Wenn ich jemanden hätte töten wollen, hätte ich das in den letzten drei Tagen mit Leichtigkeit tun können, als ich mich in Eurer Festung versteckt hielt.“Ravana erstarrte. So lange schlich dieser Mann schon hier herum? Was führte er im Schilde? Sie bemerkte, dass auch Bumara sich versteifte und dachte, dass Bumara vermutlich vor Wut kochte. Zwar kannte sie die Gerudo und ihre Einstellung noch nicht lange, doch sie hatte gemerkt, dass Männer innerhalb der Festung unerwünscht waren, mit nur wenigen Ausnahmen.
    Bumara gab den Kriegerinnen ein kaum sichtbares Zeichen, und alle ließen ihre Waffen sinken. Mit gepresster Stimme sagte sie:
    „Schön. Wir mögen nicht sehr gastfreundlich sein, aber Ihr benehmt euch auch nicht wie ein Reisender, der auf Gastfreundschaft angewiesen ist. Was wollt ihr?“
    Der Mann sagte: „Ich sehe, dass Ihr über meine Anwesenheit beunruhigt seid. Darum bitte ich Euch, begeht zuerst eure Feierlichkeiten. So lange werde ich mich im Hintergrund halten, wenn Ihr mir für diese Nacht eure Gastfreundschaft gewährt. Dann werde ich morgen mit Euch über meine Angelegenheiten sprechen. Seid Ihr einverstanden?“
    Ravana spürte, dass Bumara den Fremden am Liebsten niedergeschlagen hätte. Dass er sich so lange unbemerkt in der Festung aufgehalten hatte, war eine schwere Demütigung für sie. Doch die Gerudo schuldeten dem Mann ihre Gastfreundschaft, da er großes Unheil hätte anrichten können, ohne dass sie ihn bemerkten.
    Seltsam, dachte sie, und vor ein paar Tagen habe ich noch daran gedacht, dass ein Fremder mit etwas Geschick unbemkert in die Festung schleichen könnte, und schon war es geschehen...
    Bumara schwieg lange und sah den Fremden weiterhin misstrauisch an. Dieser lächelte, doch es war deutlich zu sehen, dass auch er bereit war, sofort seine versteckte Waffe zu ziehen.
    Schließlich sagte Bumara unwirsch: „Also gut, ich bin einverstanden. Man wird Euch eine Kammer für die Nacht bereitstellen. Nehmt euch etwas zu essen, amüsiert euch und haltet euch im Schatten. Wenn Ihr eine von uns in irgendeiner Weise belästigt, seid Ihr ein toter Mann. Und nun verschwindet aus meinen Augen.“

    Der Mann nickte und ging ein paar Schritte rückwärts, um Bumara und Ravana vorbei zu lassen.
    Mit schnellen Schritten und hoch erhobenen Hauptes schritten die beiden zu den anderen Frauen. Die festliche Stimmung war verflogen, und irgendwie kam es Ravana lächerlich vor, vor den Augen des fremden Mannes die Feierlichkeiten abzuhalten.
    Doch Bumara ließ es sich nicht anmerken, falls sie ähnlich dachte. Sie ging auf einen etwas erhöht stehenden Holzthron zu, hinter dem die beiden Beraterinnen standen und setzte sich. Ravana setzte sich auf einem etwas kleineren Stuhl daneben, und sobald sie saß, ließen sich auch die anderen Gerudos auf am Boden liegenden bunten Tüchern nieder.
    Ravana ließ ihren Blick schweifen und erkannte im Schatten der Festungsmauer den Fremden, der an der Wand gelehnt da stand und zu ihnen hinüber sah. Ihr war klar, dass er keinen unbemerkten Schritt mehr würde machen können, mit Sicherheit würden die Augen Verlieswächterinnen, die zugleich auch die Leibwachen Bumaras waren, ihn nicht mehr loslassen, bis er seine Absichten dargelegt hatte.
    Mehrere Augenblicke herrschte Stille, während alle Blicke auf Bumara ruhten. Dann sagte diese:
    „Meine Schwestern! Wir begehen dieses Fest zu Ehren meiner Nichte Ravana, der Tochter meiner leiblichen Schwester Nabira. Als Säugling haben wir sie ausgesetzt, als Erwachsene nehmen wir sie wieder auf. Heute soll sie eine vollwertige Gerudokriegerin werden, indem sie uns ihr Geschick in einem Kampf gegen mich unter Beweis stellt. In diesem Kampf geht es nicht darum, wer unterliegt oder gewinnt, sondern zu zeigen, dass man ehrenvoll kämpft und seine erlernten Fähigkeiten möglichst geschmeidig zur Schau stellt. Die Feier kann beginnen!“
    Die Gerudokriegerinnen, die mit gesenkten Köpfen aufmerksam gelauscht hatten, stießen ein lautes Triumphgeheul aus. Zwei Frauen aus den hinteren Reihen, die Ravana noch nie gesehen hatte, erhoben sich. Die eine hatte einen länglichen runden Gegenstand aus Holz in der Hand, während die andere über und über mit Schmuck behängt war.
    Die Frau mit dem Instrument blies in die Röhre aus Holz und bewegte ihre Finger auf der Oberseite, in der Löcher zu sehen waren, hin und her. Sofort erklang ein langgezogenes, hohes Geräusch in unterschiedlichen Tonlagen. Ravana hatte nie etwas dieser Art vernommen, und zunächst klang es für sie missstimmig, doch nach kurzer Zeit gewöhnte sie sich daran und fand sogar Spaß daran, der Melodie zu lauschen.
    Die andere Frau begann, sich im Takt der Musik geschmeidig und schlangenartig zu bewegen. Fasziniert sah Ravana dem Tanz, der mehrere Minuten andauerte, zu. Die Frau hatte ihre Augen geschlossen und bewegte sich größtenteils auf der Stelle, tat jedoch auch hin und wieder einen Schritt zur Seite. Sie bewegte ihre Arme, ihre Hände, ihre Beine, ihren Kopf und sogar den Bauch im Takt der Musik.
    Als die Frau den Tanz beendete und auch die Melodie verklang, johlten die Gerudokriegerinnen wieder laut auf. Inzwischen wurden von einigen jüngeren Mädchen Speisen herangetragen und auf den Tischen, die um die sitzenden Gerudos kreisförmig aufgestellt waren, abgelanden.
    Bumara ging zu einem der Tische und nahm sich eine kleine Platte mit einem großen, gedünsteten Fisch und setzte sich wieder. Das war das Zeichen für die anderen Gerudos, sich ebenfalls zu bedienen.
    Ravana blickte zu der Stelle, an der der fremde Mann zuletzt gestanden hatte, doch dieser war inzwischen näher gekommen und betrachtete gierig die Speisen. Zuvor hatte er vermutlich interessiert den Tanz der Schlangenfrau beobachtet, dachte sich Ravana und wandte sich ab, um sich etwas zu Essen zu holen.

    Geändert von Ravana (07.12.2004 um 17:20 Uhr)

  4. #4
    Als es dunkel wurde, wurden viele Fackeln angezündet, die um auf dem gesamten Vorhof in den Boden geschlagen worden waren, so dass nicht nur der Mond das Fest erhellte.
    Ravana hatte einen Becher Palmschnaps getrunken, der ihr zwar nicht schmeckte, der aber ein warmes und irgendwie angenehmes Gefühl in ihrem Kopf verursacht hatte. Inzwischen – es war schon kurz vor Mitternacht, war sie ein wenig müde geworden, doch bald sollte der Kampf beginnen. Die anderen Gerudos hatten teilweise sogar etwas mehr von dem Schnaps getrunken, doch keine schien in irgendeiner Weise davon betrunken worden zu sein.

    Auch der Fremde hatte einen Becher in der Hand und saß an einen Fels gelehnt im Schatten einige Meter entfernt. Er hatte sich den ganzen Abend im Hintergrund gehalten, vermutlich wollte er Bumara nicht noch mehr verärgern.
    Kurze Zeit später setzten sich die Gerudos im Kreis auf die Tücher, nur Bumara stand vor ihrem Thron und hatte den Säbel gezogen. Ihre Augen blickten unnahbar wie immer und sie wirkte nicht im Mindesten angetrunken.
    Sie rief: „Der Zeitpunkt, mit dem rituellen Zweikampf den alten Tag zu verabschieden und den neuen Tag zu begrüßen, ist gekommen!“
    Sie ging in die Mitte des Kreises, und Ravana kam ihr entgegen. Obwohl keiner ihr gesagt hatte, wie der Kampf genau abzulaufen hatte, wusste sie genau, was zu tun war.
    Auch sie hatte jetzt den Säbel in der Hand, musterte Bumara und sagte:
    „Wenn ich mich als würdig erweise, werde ich von nun an eine Gerudo sein und die Rituale und Traditionen des Gerudo-Volkes fortan befolgen und respektieren!“
    Bumara nickte ihr zu, und dann begann der Kampf.
    Vielleicht lag es an dem Palmschnaps, oder die Gerudo hatten durch das Einhalten der traditionellen Vorgaben des Festes ein Ritual zelebriert, das die Göttinnen mit einer seltsamen Klarsicht belohnten, den Ravana kam es vor, als bewegte sie sich in Zeitlupe. Sie parierte Schlag auf Schlag, führte den Säbel in perfekt geschwungenen Linien und bewegte sich so leichtfüßig, dass der Kampf ihr fast vorkam wie der Tanz, den sie einige Stunden zuvor gesehen hatte.
    Sie versuchte nicht, Bumara zurückzudrängen, und auch Bumara kämpfte nicht, um zu gewinnen, sondern die beiden harmonierten miteinander, als ob sie die Bewegungen zuvor geübt hätten.

    Ravana wusste nicht, wie lange der Kampf dauerte, und nach einiger Zeit kam ihr das ganze vor wie ein Traum, doch irgendwann kreuzten sich die Klingen das letze mal, sie und Bumara ließen die Säbel zu Boden fallen und umarmten sich. Wieder ertönte lautes Jubelgeschrei, und die Gerudo sprangen alle auf, um Ravana als eine der Ihren im Volk der Gerudo willkommen zu heißen.

  5. #5

    Gerudofestung, Feier für das neue Stammesmitglied Ravana

    Ravana genoss das Fest. Nachdem der Kampf beendet war und alle Gerudos sie als Schwester willkommen geheißen hatten, war auch ihre vor dem Kampf aufgekommene Müdigkeit verflogen und sie dachte nicht mehr daran, ins Bett zu gehen, obwohl ihre Muskeln vom vielen Trainieren schmerzten.
    Das Fest hatte seinen streng traditionellen Charakter inzwischen verloren, da die eigentlichen Rituale beendet waren, und die Frauen wurden ein wenig ausgelassener. Ravana nahm an, dass das vom Palmschnaps kam, von dem die Gerudo jetz nach dem offiziellen Ritual recht viel tranken.
    Auch sie hatte einen weiteren Becher dieses Feuerwassers getrunken und fühlte sich recht schummrig. Nie zuvor im Leben hatte sie bewusst Alkohol getrunken, und sie merkte, dass das auch gut gewesen war.
    Die Frauen lachten und tanzten zu der Musik der Flötenspielerin, die inzwischen wieder ihre pfeifenden Töne verbreitete, einzig Bumara saß auf ihrem Holzthron und starrte düster in die Flamme einer Fackel neben ihr.
    Ravana ging zu ihr und setzte sich auf ihren kleinen Stuhl neben dem Thron. Bumara sah auf und sagte düster:
    „Dieser Mann dort drüben wird noch Unheil über uns bringen. Ich habe ihm gesagt, dass er uns nicht zu nahe kommen soll, und jetzt läuft er herum und spricht mit meinen Leuten. Mir ist schon klar, warum wir Gerudo uns vor Jahrhunderten von allen Männern lossagten. Sie säen Zwietracht und Neid. Sieh nur, wie Ninimar mit ihm redet! Sie verschlingt ihn ja geradezu...“
    Verbittert schlug sie mit der Faust auf die Lehne und trank einen Schluck aus ihrem Becher.
    Ravana vermutete, dass auch Bumara ein wenig zuviel von dem Schnaps getrunken hatte, denn sonst hatte sie nie ein böses Wort über eine der Frauen gesagt.
    Sie selbst hatte sich am Abend ein paar mal nach dem fremden Mann umgesehen. Während ihres Lebens in der Wüste hatte sie so gut wie nie einen Mann außer ihrem Ziehvater Kamir gesehen, und nach mehreren Tagen Zusammenleben mit den Gerudo stellte ein fremder junger Mann, der noch dazu recht gut aussah – obwohl sie natürlich wenig Vergleichsmöglichkeiten hatte – eine willkommene Abwechslung dar.
    Darum konnte sie die anderen Gerudo, die sich unkompliziert mit dem Mann unterhielten und sogar manchmal lachten, eigentlich verstehen.
    Aber sie selbst wollte eigentlich nicht mit ihm reden. Sie wusste nicht, was sie hätte sagen sollen und befürchtete, sich schrecklich zu blamieren. Darum war sie ihm auch immer aus dem Weg gegangen, wenn er zufällig in der Nähe war.
    Ravana sagte zu Bumara: „Lass ihn doch, Tante. Es ist doch besser, wenn er mit uns redet und uns zum Lachen bringt, als wenn er an der Mauer sitzt und einen Plan ersinnt, wie er uns töten kann, oder?“
    Bumara nickte schweigend mit dem Kopf und trank einen weiteren Schluck Palmschnaps.
    „Du hast recht, Nichte“ sagte sie schließlich. „Und doch – es ist mir äußerst unangenehm, diesen Mann hier zu haben und ihn beherbergen zu müssen. Wer weiß, was er mit seiner bloßen Anwesenheit anrichtet!“
    Irgendwie konnte Ravana sie verstehen. Bumara war die Anführerin der Gerudo und hatte natürlich Angst, die Kontrolle über ihr Volk zu verlieren.
    Die Gerudos lebten seit vielen Jahrhunderten als ein Kriegervolk ohne Männer auf diese Weise zusammen. Wenn eine Gerudo von sich aus mit einem Mann sprach und ihm nicht mit einem verachtenden Blick sofort die Kehle durchtrennte, war das ein Zeichen dafür, dass diese Lebensweise veraltet war und nicht ewig halten würde.
    Um Bumara von ihren düsteren Gedanken abzulenken, sagte sie:
    „Sie sehen alle sehr glücklich und sorglos aus.. Ich danke dir für das Fest, Tante, und ich glaube, die anderen würden das auch tun, wenn sie nicht so sehr damit beschäftigt wären, es zu genießen!“

    Du brauchst mir nicht dafür danken, Nichte. Die Tradition verlangt, dass ein Fest zu Ehren eines neuen Stammesmitgliedes gegeben wird, und wir alle freuen uns über einen Grund zu feiern und ausgelassen sein zu können. Wir haben gewöhnlich nur zwei Feste im Jahr – eins zur Sommersonnenwende und eins am Tag der Göttinnen, die beide zwar jeweils drei Tage andauern, aber trotzdem ist uns ein weiterer Grund zu feiern immer willkommen. Und du solltest das erste Fest in deinem Leben nicht damit verbringen, deiner verbitterten Tante Gesellschaft zu leisten,“ sagte sie schmunzelnd. „Geh nur, hol dir einen weiteren Becher Schnaps – Alkohol gibt es nur zu den festgeschriebenen Feierlichkeiten – und amüsiere dich!“

    Ravana nickte ihr dankend zu und ging auf eine Gruppe lachender Verlieswächterinnen zu, doch auf halbem Wege sah sie, dass dieser Fremde bei ihnen stand und angeregt etwas erzählte, über das die Verlieswächterinnen sich wohl amüsierten. Schnell änderte Ravana den Kurs und ging stattdessen zu einem der mit Essen und Trinken beladenen Tische.
    Verwunderlich, dachte sie. Erst kommt dieser Typ hierher, versteckt sich drei Tage, um sich der Gastfreundschaft der Gerudos zu versichern, und dann redet er ungehemmt mit unseren Leuten, anstatt einfach zu sagen, warum er da ist...

    Ravana merkte, dass doch die Müdigkeit wiederkam und sie hatte das Gefühl, dass sich ihre Umgebung leicht um sie herum drehte - und so beschloss sie, nichts mehr zu essen und sich stattdessen in ihr Gemach zurückzuziehen. Sie goss sich aus einem Tonkrug klares Wasser in ihren Becher, um den Alkoholgeschmack herunter zu spülen, stellte den leeren Becher auf den Tisch und drehte sich um, um zur Festung zu gehen – und lief plötzlich fast in den fremden Mann hinein, der sich wohl noch etwas zu trinken holen wollte und jetzt ebenso überrumpelt aussah wie sie sich fühlte.
    Oh nein, dachte sie. Ich habe es den ganzen Abend geschafft, ihm aus dem Weg zu gehen, und jetzt ist es doch passiert. Was soll ich nur sagen?

    Doch noch bevor sie etwas sagen konnte, fing der Mann schon an zu sprechen. Er sagte:
    „Hey du, war ein grossartiger Kampf von dir vorhin. Du siehst nicht aus wie ein Gerudo, wie kommts?"

    Nicht... wie eine Gerudo?
    „Nein?“ platzte es aus ihr hervor. „Man sagte mir, dass ich aussehe wie meine Mutter, und sie war eine Gerudo!“
    Der Mann schaute ein wenig verdattert.
    Jetzt habe ich was Falsches gesagt, dachte Ravana besorgt. Was sollte sie nur mit einem Mann reden? Ihn einfach stehen lassen wollte sie auch nicht, dafür war sie zu neugierig darauf, einen Mann aus der Nähe zu sehen und ihn sprechen zu hören – jetzt, da er sie sowieso schon angesprochen hatte.

    „Ähm, aber mein Vater war Hylianer. Vielleicht hast du ihn in mir gesehen. Es stimmt wohl, meine Haare sind nicht ganz so rot wie die der Gerudos. Ich heiße übrigens Ravana, Bumara ist meine Tante.“ plapperte sie und wünschte sich dann, im Boden zu versinken. Sie sah ihm über die Schulter und hoffte, dass zufällig in diesem Moment eine der anderen Gerudos zum Tisch kommen würde, so dass sie den Mann stehen lassen konnte, aber natürlich kam gerade jetzt niemand.

    „Du bist Bumaras Nichte? Ich habe dich die letzten Tage immer mit ihr kämpfen sehen, du scheinst ja ganz versessen aufs Kämpfen zu sein. Mein Name ist Rikoon,“ sagte er und streckte ihr seine Hand entgegen.

    Was soll ich mit seiner Hand? Sie anfassen? Bei den Gerudos war es Sitte, sich zu umarmen, wenn man sich länger nicht gesehen hatte. Aber Rikoon war ein Mann, es wäre doch sicherlich unsittlich, ihn anzufassen? Ravana war sich sicher, dass Bumara sie in diesem Moment beobachte und sie fühlte sich schuldig. Dann wurde ihr bewusst, was Rikoon gesagt hatte. Hatte er sie etwa beobachtet? Sie überwand sich und erfasste seine Hand, die er ihr immer noch entgegenstreckte. Rikoon drückte zu und schüttelte sie, dann ließ er ihre Hand wieder los. Offensichtlich hatte sie richtig reagiert. Etwas mutiger sagte sie:
    „Wolltest du nicht mit Bumara sprechen? Und von wo kommst du überhaupt? Bist du Hylianer?“

    Rikoon runzelte die Stirn und zögerte kurz. Dann antwortete er:
    „Ja, ich komme aus Hyrule. Deine Tante sieht im Moment aber nicht sehr zugänglich aus, ich denke, ich verschiebe das Gespräch auf morgen.“
    Er drehte sich zum Tisch, nahm sich eine getrocknete Dattel und steckte sie in den Mund. Kauend sagte er:
    „Ein tolles Fest habt ihr hier. Viel zu Essen, viel zu Trinken und eine ausgelassene Stimmung. Bumara sagte am Anfang, dass du der Grund für das Fest bist und du in den Stamm aufgenommen wurdest. Warst du denn nicht immer bei den Gerudos?“

    Ravanas Kopf brummte, sie konnte sich durch die Müdigkeit, den schmerzenden Muskeln und die Wirkung des Alkohols kaum noch auf den Beinen halten, und zudem wollte sie nicht anfangen, noch mehr Schwachsinn zu reden, und so sagte sie:
    „Nein, ich kam erst vor wenigen Tagen hierher. Das ist eine etwas längere Geschichte. Kann ich sie dir ein anderes mal erzählen? Ich bin schrecklich müde...“

    Rikoon trat einen Schritt beiseite, nickte und sagte: „Aber natürlich, ich wollte dich nicht aufhalten. Du siehst wirklich ziemlich kaputt aus. Ich nehme an, dein Tag war etwas anstrengender als meiner.“
    Er lächelte, schob sich eine weitere Dattel in den Mund und nickte ihr zum Abschied zu.

    Ravana nickte zurück, ging über den Vorplatz und betrat die Festung. An jeder Ecke brannte eine Kerze in einem Wandhalter, so dass sie sich den Weg zu ihrem Gemach nicht ertasten musste, und auf dem Weg dachte sie über den Mann – Rikoon – nach. Sie kannte ihn nicht und auch sonst keine Männer, wusste nicht, von wo er kam, seine Antwort auf die Frage war sehr – dehnbar gewesen, und sie fühlte sich schüchtern in seiner Gegenwart, doch sie genoss es, eine andere Art von Gesicht und Körperbau zu sehen als die schlanken Gestalten der Gerudos mit ihrem immer sehr ähnlichen Aussehen.
    Sie fand ihre Kammer, zog den Vorhang an der Tür hinter sich zu, legte sich auf das Bett und schlief sofort ein.

    Geändert von Ravana (07.12.2004 um 23:01 Uhr) Grund: was kursiv gemacht

  6. #6

    Gerudofestung

    Ravana stand vor dem Schloss. Die Farben, die sie sah, waren sehr einfach, es gab die Wiese und Bäume vor dem Schloss in verschiedenen kräftigen Grüntönen, der Himmel leuchtete in einem tiefen, klaren blau und das Schloss erstrahlte in einem grellen weiß.
    Sie war glücklich, dass sie es endlich geschafft hatte. Sie war hier, stand vor dem Schloss und würde mit dem König sprechen! Während sie den majestätischen Bau noch musterte und sich darauf freute, ihn gleich zu betreten, zwitscherten die Vögel, in der Luft lag ein hintergründiges Rauschen, das man an klaren Morgen oft hören konnte und der Bach im Schlossgraben murmelte vor sich hin. Es roch nach Sommer – Blumen, Gras, Sonnenstrahlen und Ravana fühlte sich wohl wie nie zuvor. Endlich war sie hier!
    In Gedanken schon dabei, sich zu fragen, ob es im Schloss wohl dunkel war und ob es dort dicke, rote Teppiche an den Böden gab, ging Ravana langsam auf das Schloss zu.
    Doch es fiel ihr zunehmen schwerer, ihre Beine zu bewegen und die bekannte Panik überwand sie. Nicht schon wieder!
    Wie immer zogen sich hinter ihrem Rücken dunkle Schwaden zusammen. Ravana sah sie nicht, doch sie spürte, dass dort etwas war – und bisher war es immer diese angsterfüllende Dunkelheit gewesen.
    Jetzt verstummten auch alle beruhigenden Geräusche, die sie gehört hatte – bis auf das Rauschen des klaren Morgens. Dieses veränderte sich und war nicht mehr das leichte Rauschen, sondern eher ein beängstigendes Zischen.
    Obwohl sie es nicht wollte, drehte sie sich um, und sah, was sie gewusst hatte: eine Wolke aus Dunkelheit, die sich langsam ausbreitete und die Harmonie der Natur vernichete.
    Bisher hatte sie immer ein lautes Lachen gehört, doch diesmal erklang nur das rauschende oder zischende Geräusch. Dafür sah sie etwas, das ihr bisher immer verborgen geblieben war: in der Mitte der Dunkelheit strahlte ein kleiner Gegenstand ein helles, flackerndes Licht ab. Um dieses herum bewegten sich halb durchsichtige Gestalten – ein Heer der Toten, Geister, die sich um ihren Meister versammelten und ihm etwas in ihrer Geistersprache zu flüsterten. Die Luft war angefüllt mit diesem Wispern der Geisterstimmen.
    Ravana konnte nur entsetzt zusehen, wie die dunklen Nebenschwaben mit ihren Krallen aus Schatten das Licht der Sonne verdeckten und dann auf sie – und das Schloss – zukrochen...


    Ravana wachte auf und zitterte am ganzen Körper. Da war dieser Traum wieder.. Seit vielen Nächten hatte sie ihn nicht mehr gehabt, und nun war er wieder da und beängstigender als je zuvor.
    Eine Kerze auf dem Gang, deren Schein auch durch den Vorhang an der Tür drang, gab ein flackerndes, schummriges Licht ab – gerade so viel, dass Ravana die Umrisse der wenigen Möbelstücke im Zimmer sehen konnte. Ihr Herz pochte noch immer viel schneller als normal, und sie verspürte den Drang, einen Blick aus der Fensteröffnung zu werfen – irgendwie rechnete sie damit, dass auf dem Platz vor der Festung Heerscharen von Geistern ihr übles Werk trieben.
    Sie schlug die Decke auf, stand auf, zog ihren Dolch unter der Matratze hervor und ging vorsichtig zum Fenster.
    Nichts war zu sehen, zumindest nichts, das sie beunruhigte. Die Sterne am Firmament glitzerten, eine einsame Krähe krächzte ihr trauriges Lied in den Himmel, aber es waren keine Dämonen oder Geister zu sehen.
    Und doch – ejne heftige Traurigkeit überkam sie. Nicht nur in ihrem Traum war die Schönheit und der Frieden von Hyrule zerstört oder angegriffen worden – auch in Hyrule selbst war etwas geschehen.
    Bumara hatte davon erzählt, dass auch sie glaubte, dass etwas vorgehe im Land, aber genaueres hatte sie nicht gewusst.

    Auf dem Hof unten brannte nur noch eine der vielen Fackeln, die anderen waren alle schon erloschen. Auf den Tüchern am Boden lagen drei oder vier Gerudos, die den Weg zu ihren Gemächern wahrscheinlich nicht mehr gefunden hatten.
    Kurz fragte sie sich, in welcher Kammer Rikoon schlief. Im Hof war er nicht, jedenfalls nicht, soweit sie diesen überblickte.

    Doch ihre Gedanken wanderten zurück zu dem Alptraum. Heute wollte sie sowieso aufbrechen, sie war lange genug geblieben, um den Säbelkampf zu lernen, und sie wollte zum Schloss. Nach dem Traum, den sie eben hatte, fühlte sie sich in ihrem Vorhaben nur bestätigt.
    Ravana wusste jetzt, was sie wollte. Sie würde zum Schloss gehen (und hoffen, dass ihr Alptraum sich nicht bewahrheitete) und dort mit dem König reden. Wenn jemand wusste, was in Hyrule vor sich ging, dann er.

    Als starker und gerechter König würde er sicherlich ein offenes Ohr für die Ängste und Befürchtungen seiner Untertanen haben..
    Ravana war froh, dass sie endlich wusste, warum sie zum Schloss gehen sollte. Sie warf noch einen letzten Blick aus dem Fenster – ganz rechts konnte sie noch einen kleinen Ausschnitt Wüste sehen – und ging zurück zu ihrem Bett.
    Doch an Schlaf war nicht mehr zu denken. Inzwischen verspürte sie auch Kopfschmerzen, eine weitere unerwünschte Nebenwirkung des Palmschnapses.
    Ihre Gedanken wandten sich wieder Rikoon, dem Fremden, zu. Was er wohl von Bumara wollte? Ob sie ihn noch mal sehen würde, bevor sie sich auf den Weg zur Hylianischen Steppe machte? Einem weiteren Zusammentreffen mit ihm sah sie mit gemischten Gefühlen entgegen. Am abend auf dem Fest hatte sie sich sehr klein und dumm gefühlt und nicht gewusst, was sie sagen sollte.
    Vermutlich würde er seine Angelegenheiten hier klären und dann seinen Weg, wohin auch immer, fortsetzen – wie sie selbst auch.

  7. #7

    Gerudofestung

    In den frühen Morgenstunden, als die Sterne, die Ravana durch die Fensteröffnung sehen konnte, schon langsam verblassten, fiel sie doch noch in einen leichten und wenig erholsamen Schlaf.
    Einige Zeit später wurde sie von ein paar Stimmen auf dem Gang geweckt, offensichtlich waren die meisten anderen Gerudo schon aufgestanden. Ravana blieb noch einen Augenblick liegen und versuchte sich, genauer an ihren Traum zu erinnern, doch es gelang ihr nicht, die Ereignisse blieben verschwommen.
    Schließlich stand sie auf und zog sich wieder ihre eigenen Kleider an, die Hose nach Art der Gerudo, ein Überhemd, das sie schon seit Jahren trug, den bestickten Ledergürtel und darüber ihren langen Reiseumhang. Den fliegenden Teppich, ihren Bogen und den Köcher mit den wenigen Pfeilen ließ sie zunächst noch liegen, sie waren einfach zun unpraktisch, als dass sie sie ständig mit sich herumtragen wollte.
    Heute wollte sie sich auf den Weg machen, hinaus in die weite Welt, bis zur Schlossstadt, wo sie mit dem König sprechen wollte.
    Nachdem sie sich noch ihre langen, verknoteten Haare gekämmt hatten, bis diese seidig und glänzend über ihre Schultern wallten, knüpfte sie ihren Wasserschlauch, den Dolch, ihren Säbel, den sie von Bumara geschenkt bekam und einen Beutel mit ein paar kleinen Dingen, die sie nicht wegwerfen wollte, an ihren Gürtel und verließ dann den Raum.
    In der Küche waren die meisten Gerudo schon zum Essen versammelt. Rikoon konnte Ravana nicht sehen, entweder, er schlief noch, oder er bekam sein Frühstück in seinem Zimmer serviert – damit er die Gerudos nicht in ihrer morgendlichen Ruhe stören konnte, oder er hatte schon gegessen.
    Ravana setzte sich neben Bumara, die erstaunt ihre Kleidung ansah.
    „Ich sehe, du möchtest uns heute verlassen?“ fragte sie streng.
    „Ja. Ich habe heute nacht einen wichtigen Traum gehabt, und weiß jetzt, dass ich mit dem König von Hyrule sprechen muss. Und ich hatte ja gesagt, dass ich nicht lange bleiben kann...“ antwortete Ravana und klatschte sich den matschigen Haferbrei auf ihren Teller.
    Die Gerudo waren sehr still. Einige sahen ein wenig elend aus, was wahrscheinlich an dem vielen Schnaps lag, den sie gestern abend getrunken hatten. Einige andere hatten jedoch noch dazu einen schuldbewussten Gesichtsausdruck. Karantana, die Köchin und Verlieswächterin, hatte am abend angeregt mit Rikoon gesprochen und schämte sich jetzt bestimmt, dass sie mit diesem ... Mann ... geredet hatte und ihn nicht mit kalter Verachtung gestraft hatte.

    Ravana begann zu essen und verzog ein wenig das Gesicht über den Geschmack des Haferbreis. Wie konnten sie jeden Morgen dieses Zeug essen?
    Während des Frühstücks wurde kaum ein Wort geredet, und danach erklärte Ravana, dass sie sich noch einmal auf das oberste Dach der Festung setzen wolle, um ein letztes Mal die schöne Aussicht von dort zu genießen und versuchen wolle, sich genauer an ihren Traum zu erinnern.
    Noch bevor die Sonne den Zenit erreiche, werde sie aufbrechen.

  8. #8

    Gerudofestung

    Ravana hatte lange auf der Kante des obersten Daches der Festung gesessen und den patrouillierenden Gerudowächterinnen im Hof zugesehen, während sie nachdachte.
    Wenn ihr Ziehvater Kamir ihr das richtige Alter gesagt -, und sie seitdem die Sommer richtig gezählt hatte, war sie inzwischen 22 Jahre alt und hatte noch so gut wie nichts erreicht.
    Sie hatte ihr Leben in der Wüste verbracht, und zwar lesen, schreiben und rechnen gelernt und sich mit Magie und den Hylianischen Legenden beschäftigt, doch selbst erlebt hatte sie kaum etwas. Sie kannte nur die Gerudo, und auch das erst seit vier oder fünf Tagen.
    Sie konnte sich nicht mehr daran erinnern, wie sie die vielen Tage ihres Lebens verbracht hatte. Hatte sie keine Langweile gehabt? Ohne Menschen, ohne Abwechslung hatte sie gelebt...
    Aber jetzt schien ihr Leben einen Sinn zu bekommen. Ihre Träume zeigten ihr ihr nächstes Ziel: Das Schloss von Hyrule, wo sie mit dem König sprechen wollte.

    Kurz, bevor die Sonne den Zenit erreichte, stand sie auf und ging zurück zu ihrer Kammer, wo sie sich ihren Bogen und Köcher umlegte. Den fliegenden Teppich rollte sie zusammen und befestigte ihn mit einem Lederriemen an ihrem Gürtel. Ihre gesamte Habe trug sie nun bei sich und machte sich auf den Weg zur Küche, wo sie hoffte, Bumara anzutreffen, um sich von ihr zu verabschieden. Auf dem Weg dorthin sah sie kurz am anderen Ende des Ganges, bestimmt 50 Schritte entfernt, Rikoon, den Fremden. Er schien sie aber nicht zu bemerken und bog in einen anderen Gang ab, bevor sie ihn grüßen konnte.

    Als Ravana in die Küche kam, hatten sich dort alle Gerudo versammelt, vermutlich, um sie zu verabschieden. Ravana war so gerührt, dass sie am Liebsten ihr Vorhaben, die Gerudo zu verlassen, aufgegeben hatte. Sie blieb verlegen stehen und wusste nicht, was sie sagen sollte, doch Bumara kam schon auf sie zu und umarmte sie.
    „Nichte – ich bin so froh, dass du zu uns gekommen bist. Nun wird mich nie mehr das schlechte Gewissen plagen, dich vor so vielen Jahren ausgesetzt zu haben. Du sollst wissen, dass wir Gerudo immer auf dich warten werden. Egal, wo du bist, du wirst hier immer ein Zuhause haben!“
    Ravana nickte gerührt. Bumara nahm vom Tisch hinter sich einen kleinen Lederbeutel und gab ihn Ravana. Er war schwer, und etwas klirrte im Inneren, als Ravana den Beutel nahm. Sie öffnete die Zugschnur und schüttelte sich einen Teil des Inhalts auf die Hand. Heraus kamen viele polierte, glitzernde Steinchen in roter, grüner und blauer Farbe. Fragend sah sie Bumara an.
    Bumara sagte: "Wir haben ein Viertel unserer eisernen Reserve genommen und möchten sie dir schenken. 58 Rubine, damit kannst du eine Weile in der Stadt überleben."
    Ravana kannte diese Steine, oft hatte sie für ihren Ziehvater seine Einnahmen gezählt. Ein grüner Stein war ein Rubin, ein Blauer 5, und ein Roter war sogar 20 Rubine wert. Daran hatte sie bisher noch gar nicht gedacht – dass sie vielleicht Geld benötigen würde auf ihrer Reise.
    Behutsam schob die die Rubine zurück den den Beutel.
    Während sie ihn ebenfalls an ihrem Gürtel befestigte, sagte sie: „Ich danke euch, meine Schwestern. Euch allen – nicht nur für das Geld, sondern auch, dass ihr mich als eine der euren aufgenommen habt und mich den Säbelkampf gelehrt habt. Ich werde euch immer in Erinnerung behalten und verspreche, dass ich irgendwann wiederkommen werde. Tante – auf Wiedersehen...“
    Sie drehte sich um und verließ die Küche, um den anderen nicht zu zeigen, dass sie kurz davor war, in Tränen auszubrechen.
    „Ravana..!“ Bumara hatte sie noch einmal angerufen. Sie drehte sich um.
    „Eben ist der fremde Mann aufgebrochen. Er geht nach Kakariko. Ich weiß nicht, ob man ihm voll und ganz trauen kann, aber ich halte ihn für einen vernünftigen Mann. Vielleicht holst du ihn noch ein. Es könnte besser sein, wenn du nicht ganz allein die Steppe durchquerst. In den heutigen Tagen ist es dort vielleicht nicht mehr so sicher wie früher...“
    Den Fremden hatte sie ganz vergessen. Sie war sich aber nicht sicher, ob sie ihn überhaupt nochmal sehen wollte – bisher war sie allein am Besten klargekommen. Sie nickte und ging mit schnellen Schritten davon.

    Als Ravana aus der schattigen und kühlen Festung in die grelle Sonne trat, blieben auch die Wächterinnen stehen und streckten stumm ihre Speere in die Höhe. Ravana nickte ihnen zu, überquerte den Vorplatz, ging eine Treppe hinab und warf einen letzten Blick auf die Wüste rechts von sich. Im Moment war kein Sandsturm zu sehen, und das Bild flirrte in der Hitze. Ravana wandte sich um und machte sich auf den Weg Richtung Schlucht.

    Geändert von Ravana (13.12.2004 um 19:25 Uhr)

  9. #9

    Gerudotal

    Die Schlucht, die von der Gerudofestung zum FLuss führte, war länger, als Ravana gedacht hatte. Ihr war ein wenig mulmig wegen der hohen Felswände links und rechts. In der Schlucht gab es nur zwei Richtungen: nach vorne und nach hinten. Sollte sie von einem wilden Tier oder Räubern angegriffen werden, konnte sie sich nur auf ihre Waffen verlassen – eine Flucht war so gut wie unmöglich.
    Es war schon eine Weile nach Mittag, als endlich das Rauschen des Wassers hörte, das die Schlucht hinunterstürzte.
    Sie freute sich schon auf diesen Anblick – in der Wüste hatte sie natürlich nur selten Wasser unter freiem Himmel gesehen.
    Rikoon hatte sie nicht mehr erblickt. Er hatte wohl keine Zeit verlieren wollen und das Gerudotal vermutlich schnell verlassen.
    Schließlich bog Ravana um die letzte Biegung und hatte plötzlich einen viel besseren Überblick. Die Wände der Schlucht traten zurück und ein paar hundert Schritte vor sich sah sie den Felseinschnitt, der die Schlucht quer in zwei Hälften teilte. Über diese tiefe Schlucht führte, wie es aussah, nur eine halb verfallene Holzbrücke. Auf der anderen Seite verengten sich die Felswände wieder und der enge Durchgang setzte sich fort.
    Einige Felsbrocken lagen verstreut hier herum, und das Rauschen des Wassers war viel lauter geworden. Gespannt lief Ravana zum Rand der Schlucht und blieb entsetzt stehen. Einige hundert Schritte links von ihr stürzte das Wasser des Flusses mit Getöse von weit über sich bis hinunter an den Grund der Schlucht, mehrere hundert Schritt unter sich. Dort hatte es sich einen Weg durch den felsigen Boden gegraben und bildete einen reißenden, blau-grün schimmernden Fluss, der weit im Süden durch eine Biegung verschwand.
    Über der gesamten Schlucht lag ein dünner Nebel, der vermutlich vom Wasserfall herrührte und in langsamen Schwaden nach Süden zog.
    Ravana wurde ein wenig schwindelig, ihre Hände begannen zu schwitzen und schnell trat sie von der Kante weg und konzentrierte sich erst mal nur auf die andere Seite der Schlucht.
    Sie musste die wackelige Brücke überqueren, einen anderen Weg auf die andere Seite gab es nicht.
    Ravana presste ihre Finger zu Fäusten zusammen, ging die paar Schritte zur tiefergelegten Brücke hinunter und betrat die Brücke, die ein wenig zu schwanken schien. Vielleicht kam es ihr auch nur so vor.
    Sie hörte nichts außer dem Rauschen des Flusses, der neben ihr in die Tiefe stürzte. Ravana konzentrierte sich auf ihre Füße, übersprang ein paar Löcher, wo einmal Bretter gewesen waren und trat einmal auf ein loses Brett, das sich unter ihrem Gewicht löste, doch schnell hatte sie den anderen Fuß wieder auf sicherem Boden und sie sah durch die entstandene Lücke das morsche Brett in einem schier endlosen Fall unten in den Fluss stürzen.
    Schließlich hatte sie die andere Seite erreicht. Diese Brücke sollte mal repariert werden, dachte sie. Ich werde dem König davon erzählen, wenn ich daran denke.
    Sie ging wieder die Schräge zum felsigen Erdboden hinauf und blickte zurück. Diese Schlucht und der Wasserfall ist das Beeindruckendste, das ich jemals gesehen habe, dachte sie. Nur der Wüstenkoloss konnte mit seiner faszinierenden Bauweise und seiner Höhe mit dieser Schlucht mithalten.
    Schließlich drehte sie sich wieder um und ging weiter. Kurz darauf kam sie zu einem Holzsteg, der über ein Wasserbecken führte. Das Becken wurde von einem kleinen Wasserfall, der aus der Felswand schoss, genährt. Froh über die Gelegenheit legte Ravana ihren Umhang und alle ihre Beutel und Waffen ab und stieg in das Wasser. Angenehm schmiegte es sich an ihren Körper und sie blieb eine Weile darin liegen, während sie das Rauschen des großen Wasserfalls hinter sich und die leichte Bewegung des Wassers um sich genoss. Nach einigen Minuten stieg sie aus dem Wasser, schnallte sich ihren Gürtel mit den Waffen und Beuteln wieder um und setzte sich an eine Felswand, um sich von der Sonne trocknen zu lassen. Nach einiger Zeit vielen ihr die Augen zu und obwohl sie sich eigentlich dagegen wehrte, wurden ihre Gedanken immer träger und sie merkte, wie sie langsam in den Schlaf glitt.

  10. #10
    „Was soll das denn sein? Ist das ein schlechter Scherz?“

    Villon war außer sich. Wieder und wieder flog sein Blick über den Text, den er vor sich hielt, und immer wieder sah er die gleichen Zeichen. Zeichen, die keinen Sinn zu haben schienen, Zeichen, die wohl von einem Kind gekrakelt waren, als es schlecht gelaunt war. Villon ballte seine rechte Hand zur Faust und öffnete sie wieder. Zum wiederholten Male starrte Villon auf das Schriftstück. Wieso war dieses gammelige, zerfledderte Stück Leder in einem solchen Raum aufbewahrt worden? Villon blickte die Wände der Kammer an und verzog das Gesicht. Es war wirklich nicht mehr als eine Kammer, nicht mehr als zwei Personen hätten Platz gefunden, und doch war sie sorgfältig versteckt gewesen, geschützt durch einen Bann. Durch Zufall war Villon auf den Raum gestoßen und hätte das Dreieck nicht angefangen schmerzhaft zu zwicken, wäre Villon mit Sicherheit immer wieder daran vorbei gelaufen.
    Angewidert wendete er seinen Blick von der Kammer, deren Wände mit leuchtenden Schriftzeichen überseht waren. Villon ging ein paar Schritte und hielt seinen leuchtenden Topas wie eine Fackel vor sich. Das Giftwasser hatte jegliches Licht genommen und die Säuredämpfe fingen langsam an, dem Tempel zuzusetzen. Vor sich hinmurmelnd betrachtete Villon immer wieder das Stückchen Leder, auf dem ein paar Zeilen geschrieben standen. Villon konnte sie nicht entziffern, war jedoch der Meinung, dass es einen Grund geben müsste, warum sie so gut versteckt waren. Er steckte also das Schriftstück in seine Tasche, zog seinen Umhang enger um sich und konzentrierte sich auf das Dreieck. Überraschenderweise funktionierte es sehr schnell, und in Windeseile war Villon in einem Kokon aus Dunkelheit gesponnen, der sich durch das schwarze Wasser fraß und Villon aus dem Tempel, in das Sonnenlicht brachte.

    „Also gut... Ich bin mir sicher, dass es einen Grund für das alles gibt... Auch wenn ich nicht ganz verstehe, was ich eigentlich genau tun soll...Etwas mit den Tempel... ARGH!“

    Villon war gerade aus dem Wasser gestiegen, dass nun pechschwarz dahinfloss und einen bestialischen Gestank verströmte, als urplötzlich Hunderte von Bildern auf ihn einstürzten. Sie blieben nur einen Bruchteil eines Augenblicks, doch geboten sie genug Einblick, um Villon etwas mitzuteilen.
    Geschwächt und mit hämmernden Kopfschmerzen, ging er in die Knie und presste sich seine Hand vor die Augen. Er atmete schnell und flach, doch die Botschaft war angekommen. Gegen die Schmerzen ankämpfend, versuchte er wieder auf die Beine zu kommen. Er stützte sich schwer auf seinen Stab und richtete dann seinen Blick Richtung Osten.

    „Der Wald...“

    … brachte Villon hervor und versuchte seine Magie zu wirken. Er rief die Geister an, wie er es schon sooft getan hatte, bündelte ihre Energie in seinem Stab und schickte einen grellen Blitz in Richtung des Waldes. Ein Lächeln entstand auf seinen Lippen, während er geduldig wartete, dass der Blitz ihn nachholen würde.

    Doch nichts geschah. Verwundert versuchte es Villon ein weiteres Mal, doch wieder kam keine Reaktion. Der Blitz verschwand einfach im Nichts, sobald er den Wald erreichte. Wieder stieg Wut in ihm auf, denn er erinnerte sich an etwas, was er vor langer Zeit gehört hatte. Der Patron des Waldes schützte seine Kinder und den Wald selbst. Villon konnte so viele Blitze schicken wie er wollte. Die Macht des Beschützers würde jeden Versuch vereiteln. Seufzend gestand sich Villon seine Niederlage ein und machte sich auf den Weg.

    Das Giftwasser lies er schon bald hinter sich und so konnte er auch nicht mit ansehen, wie grässlich entstellte Wesen aus den Fluten stiegen und zaghafte Schritte auf dem Festland wagte. Tiefschwarze Augen blickten sich um, sondierten das Gebiet nach möglichen Opfern. Die Diener Toreks, Monster aus den schlimmsten Tiefen der Albträume, hatten das Wasser verlassen und ließen nun die Sonne auf ihre schwarzen, von Gift getränkten Schuppen strahlen. Rasiermesserscharfe Zähne blitzen hier und dort auf, während sich Klauen, ,manche so lang wie Unterarme, in den Sand bohrten.
    Zum Glück für die Bewohner Hyrules, waren sie an das Wasser gebunden, sodass sie nicht weit von dem See existieren konnten.

  11. #11

    Lon-Lon-Farm, mitten in der Nacht

    Nachdem Ravana gegen die Tür geklopft hatte, wartete sie kurz. Natürlich würde keiner aufmachen. Um diese Uhrzeit liegen Menschen normalerweise in ihren Schlafstätten und öffnen niemandem die Tür.
    Doch – sie hörte etwas. Im Haus hörte sie ein scharrendes Geräusch, und dann vernahm sie leise Schritte, die sich der Tür näherten. Die Tür wurde geöffnet, und sie erwartete, in das wütende Gesicht eines großen, in seiner Nachtruhe gestörten Bauers zu blicken, doch sie sah nur Dunkelheit. Gleich darauf fragte eine helle Kinderstimme „Wer ist da?“ und Ravana sah nach unten. Im Schatten des Türrahmens stand ein kleiner Kerl, ganz in grün gekleidet und mit Zipfelmütze, der sie mit großen Augen ansah und dann sagte:
    „Wer bist denn du, junges Fräulein?“
    Ravana wusste nicht, was sie mehr wunderte. Dass ihr mitten in der Nacht ein Junge treuherzig die Tür öffnete? Oder die Kleidung, die er trug? Waren etwa alle Leute in Hyrule so angezogen, außer die Gerudo?
    Oder war es die Tatsache, dass der Junge sie als junges Fräulein bezeichnete, wo sie ihn doch bestimmt um das Doppelte überragte? Sie war sprachlos und starrte ihn nur an.
    Und schon redete er wieder. „Komm ersteinmal rein, ist doch kalt zu dieser Jahreszeit.“
    Er bat sie auch noch ins Haus! Mitten in der Nacht, und kein Erwachsener war zu sehen, der den mutigen Kerl beschützte, sollte sie auf die Idee kommen, ihm etwas anzutun. Ohne etwas zu sagen, folgte sie dem seltsamen Jungen ins Haus. Stimmt, es war kalt, aber Ravana hatte sich den ganzen Weg über fest in ihren angebrannten Mantel gewickelt, der den kühlen Wind abhielt.
    Der Junge schloss hinter ihr die Tür und sperrte damit den Schein des Mondes aus. Offensichtlich gab es im Raum keine Fensteröffnungen. Ravana versuchte, irgendetwas zu erkennen, doch sie hörte nur die Schritte des Jungen, der in einen anderen Teil des Raumes ging. Plötzlich flammte ein kleines Feuer auf und sie konnte den Oberkörper des Jungen sehen, der in der Hand ein Streichholz hielt und dann auf einen Stuhl kletterte, um mit den Docht einer kleinen Öllampe anzuzünden.
    Gleich darauf wurde der Raum von einer großen, rußigen Flamme erhellt und Ravana sah sich um. Rechts führte eine Holztreppe in das obere Geschoss, in der Mitte des Raumes stand ein großer klobiger Tisch und in einer Ecke des Raumes lag ein großer Strohhaufen, auf dem ein paar Hühner ihre Köpfe unter das Gefieder gesteckt hatten.
    Der Junge war inzwischen wieder vom Stuhl herunter geklettert, hatte etwas davon gesagt, dass dünne Menschen etwas essen mussten und war in einen angrenzenden Raum verschwunden. Was sind denn dünne Menschen? fragte sich Ravana. Sie war nicht dünner oder dicker als alle anderen Gerudo auch.
    Ravana merkte wieder die Müdigkeit in ihren Gliedern und setzte sich auf einen Hocker am Tisch. Sie war schon kurz weggedämmert, als der Junge zurückkam, Brot und Käse vor ihr auf den Tisch stellte und sagte: „Bitteschön. Iss ruhig, wir haben genug davon. Ach ja, und ich bin Milo.“
    Ungläubig starrte sie ihn an. Wie freundlich manche Menschen sein konnten! Nie hatte sie erlebt, dass ein anderer Mensch derart zuvorkommend war. Wenn sie den duftenden Käse betrachtete, knurrte laut ihr Magen. Sie griff zu und biss erst vom Käse ein großes Stück ab und schob sich gleich darauf ein Stückchen Brot in den Mund. Kauend sagte sie: „Heiße Ravana. Vielen Dank“
    Milo setzte sich auf einen anderen Stuhl und wartete, bis sie das ganze Essen verputzt hatte. Schließlich sagte er: „Hat es dir geschmeckt? Essen ist was Tolles, nicht?“
    Ravana nickte und sagte „Ja, es war sehr gut. Du bist sehr freundlich. Wo sind denn deine Eltern? Haben sie nicht was dagegen, wenn du fremde Leute nachts ins Haus lässt und ihnen zu essen gibst?“
    Dann viel ihr ein, dass erst vor kurzem alle Tiere auf der Farm gestorben waren, bestimmt hatten auch seine Eltern diese seltsame Krankheit und sind gestorben. Sie bereute ihre Frage und wollte sich schon entschuldigen, als Milo sagte:
    „Ich habe keine Eltern. Balon, das ist der Besitzer der Farm, schläft oben. Das mit dem Essen ist schon in Ordnung, ich kann doch keine hungrigen Leute vor der Tür stehen lassen!“
    Milo war Ravana gleich sympathisch. Er wirkte so erwachsen und verständnisvoll, gar nicht wie ein Kind.
    Sie schämte sich schon fast, ihn nachts aus dem Schlaf gerissen zu haben und sagte: „Meinst du, ich kann mich für den Rest der Nacht dort hinten in die Ecke legen und schlafen? Oder würde Balon etwas dagegen haben? Ich werde auch niemanden ausrauben oder etwas stehlen!“
    Milo sprang auf und sagte: „Klar, das geht in Ordnung. Kannst es dir gemütlich machen!“
    Ravana bedankte sich, schlurfte zu dem Heuhaufen und nahm sich einen Arm voll des duftendes Heus, das sie auf dem Boden ausbreite, sich darauf legte und war im nächsten Moment schon eingeschlafen.

    Polternde Schritte weckten sie auf. Sie blinzelte und versuchte, sich daran zu erinnern, wo sie sich befand, da hörte sie schon eine laute Stimme: „Ja, wer ist denn das? Miiiloooo! Wo bist du denn?“
    Ravana setzte sich auf. Auf dem Treppenabsatz stand ein breiter Mann mit schwarzem Bart, der sie mit großen Augen anstarrte. Er trug eine Hose, die an den Beinen etwas zu kurz war, sah aber ansonsten aus wie ein normaler Mensch.
    Sie stand schnell auf und zupfte sich einige Heufetzen aus dem Haar. „Ich heiße Ravana, und ich bin keine Diebin. Ich bin auf dem Weg zur Stadt und kam heute Nacht hier vorbei. Milo hat mir freundlicherweise zu Essen gegeben und mir erlaubt, hier zu schlafen.“ Sie ging auf ihn zu und zupfte an ihrem Beutel mit den Rubinen herum. „Wieviel kostet das Essen? Ich will es natürlich bezahlen!“
    „Aha“ sagte der Mann. „Ist es jetzt üblich, wildfremde Menschen ins Haus zu lassen und sie durchzufüttern. Na gut. Du siehst aus, als könntest du etwas Essen gebrauchen. Aber solltest du vorhaben, deine Gerudofreundinnen zu rufen – hier gibt es nichts zu holen, du kannst es also gleich lassen.“
    „Ja, ich hab davon gehört, dass Eure Kühe gestorben sind...“
    Die Tür ging auf und Milo kam herein. Er schleppte einen Eimer, über dessen Ränder Milch schwappte.
    „Balon, das Mädchen da sah so hungrig aus, und sie hat auch nichts gestohlen, sei mir nicht böse bitte“ sagte er und stellte den Eimer ab.
    Balon stiefelte die Treppe herunter und begutachtete die Milch. „Ist schon gut, Junge. Wenn sie mehr essen will, muss sie sich das Essen aber verdienen. Die Milch sieht gut aus, langsam gewöhnen sich die Kühe an den Stall, oder?“
    Ravana runzelte die Stirn. Die Kühe sind doch gestorben? Von was redet er?
    „Ich dachte, eure Kühe wären alle tot? Und nein, Balon, vielen Dank, aber ich kann eigentlich nicht länger bleiben. Eigentlich wollte ich den König um eine Audienz bitten.“
    „Eine Audienz beim König, was? Hoffentlich bildest du dir nicht zu viel ein. Der König hat viel zu tun.“ sagte Balon.

  12. #12

    Ort: Wüste, am Treibsandfluss

    Der Abend dämmerte, als Ravana den Fluss wieder erreichte. Wie zuvor trieb der Sand in der Rinne träge dahin, ohne ein Anzeichen davon, in nächster Zukunft zu erstarren.
    Ravana breitete den Teppich auf der Kiste aus und setzte sich darauf. Der Teppich hob drei seiner Ecken, schwebte langsam in die Höhe und blieb schließlich in der Luft stehen. Ravana musste kurz überlegen, bis ihr die Befehle wieder einfielen, doch schließlich murmelte sie „Kara soromms alamir, turus...“ und der Teppich setzte sich in Bewegung in Richtung Fluss. Sie merkte, dass er sehr schwach war und sie nicht lange würde tragen können. Doch tatsächlich trug er sie bis auf die andere Seite und landete dann unsanft auf dem Wüstensand. Ravana war überglücklich, und versprach, dem Teppich überschwänglich, ihn pflegen zu lassen, wenn sie jemanden traf, der sich auf die Pflege fliegender Teppiche verstand.
    Doch zunächst befestigte sie den Teppich mit einem Lederriemen an ihrem Gürtel und musste dann zusehen, die Umgebung des Flusses zu verlassen und einen Platz für die Übernachtung zu finden, da sie hier nicht übernachten konnte - sie würde vermutlich innerhalb weniger Minuten komplett im Sand versinken.
    Nachdem sie einige Meilen gelaufen war, wurde sie allmählich immer müder, doch sie bekam keinen guten Schlafplatz zu Gesicht. So rollte sie sich an Ort und Stelle in ihren Umhang und bedeckte auch ihr Gesicht, in der Hoffnung, besser Schlaf finden zu können als zwei Nächte zuvor.

    Erstaunlich erholt erwachte Ravana am nächsten Morgen, während der Schemen der Sonne schon den halben Weg zum Zenit hinter sich hatte.
    Sofort machte sie sich wieder auf den Weg, sie hoffte, noch heute die Gebirgskette zu erreichen und die Wüste zu verlassen...

  13. #13

    Ort: Grenze der Wüste zum Gerudotal

    Es war später Nachmittag, als Ravana erschöpft feststellte, dass der Sturm wieder schwächer wurde. Langsam klarte es auf, und sie hoffte, dass sie immer noch die Berge vor sich hatte und nicht etwa im Sturm aus Versehen die Laufrichtung geändert hatte.
    Und tatsächlich! Imposant ragten die felsigen Berghänge vor ihr auf. Es sah so aus, als ob sie die Wüste hinter sich gelassen – und endlich die Grenze zum Gerudotal erreicht hatte.
    Den Gerudos sah sie mit gemischten Gefühlen entgegen. Einerseits war ihre Mutter eine Gerudo gewesen, doch andererseits hatten sie sie als Kind verstoßen..
    Am Liebsten wäre es ihr, wenn sie ohne gesehen zu werden das Tal durchqueren könnte – doch Ravana wusste aus Erzählungen, dass die Gerudo wachsam sind und jeden Fremden abfangen würden.

    In etwa einer Meile Entfernung zur Rechten sah es so aus, als ob dort ein Tor die Felsen zerteilte und sie dort die Berge durchqueren könnte. Was für ein Glück sie hatte, in der Nähe des Tores herauszukommen! Wäre sie auch nur leicht in eine andere Richtung gelaufen, hätte sie noch Tage nach einem Durchlass durch die Berge suchen können..
    Ravana ging auf das Tor zu und konnte langsam Einzelheiten erkennen.
    Es war tatsächlich ein Tor, ein sehr großes sogar, doch der Durchgang war durch ein heruntergelassenes Gitter aus Holzlatten versperrt. Links und rechts neben dem Tor standen ebenso hohe Holztürme, von wo aus man wahrscheinlich das Tor öffnen konnte – natürlich nur von der anderen Seite aus.
    In nur noch etwa hundert Schritt Entfernung zum Tor erkannte sie eine Person auf dem linken Turm. Sie hatte feuerrote Haare – das musste eine Gerudo-Wächterin sein.
    Als Ravana das Tor erreichte, sah die Frau herab und rief mit einer hellen Stimme:
    „Wer seid Ihr? Ich habe euch nie in die Wüste gehen sehen!“
    Ravana viel sogar auf die Entfernung von mehreren Fuß auf, dass das Gesicht der Frau sehr grell geschminkt war. Es wirkte fast abstoßend auf sie.
    „Ich heiße Ravana, ich wurde in der Wüste geboren!“ rief sie.
    Die Frau antwortete
    „Seid Ihr eine Gerudo? Eurer Haar ist fast so rot wie das unsere!“
    Ravana fiel ein, dass sie ja eigentlich Verwandte unter den Gerudo haben müsste, da ihre Mutter eine Gerudo war. Die Geschichte ihrer Abstammung hatte ihr Kamir, der fliegende Händler erzählt, als er eines abends von zuviel Palmwedelschnaps redselig wurde.
    Sie rief: „Meine Mutter war eine Gerudo – sie hieß Nabira!“
    Die Gerudo sah sehr erstaunt aus, als sie diesen Namen hörte. Sie drehte sich um, betätigte einen Hebel und kurz darauf hob sich das Holzgitter knarrend etwa vier Fuß nach oben. Ravana duckte sich darunter durch und wartete auf die Gerudo, die flink den Turm herunter geklettert kam, als das Tor sich wieder zu Boden gesenkt hatte.
    Ravana stellte fest, dass die Frau schon recht alt sein müsste. Sie hatte einige Falten im Gesicht, doch ihre Figur war noch immer schlank und geschmeidig. Sie trug bunte Kleidung und schulterlanges Haar, das ihr ungebändigt um das Gesicht wehte.
    Sie sah Ravana an und sagte schließlich: „Ja, du siehst deiner Mutter ähnlich. Komm, ich bringe dich in die Festung!“
    Ravana folgte der Frau. Als sie um eine Ecke kamen, sah sie vor sich das gewaltige Bauwerk der Gerudofestung. Nicht so hoch wieder Wüstenkoloss, nein, das nicht. Aber dafür viel breiter, mit vielen Stockwerken in unterschiedlichen Höhen und vielen Öffnungen nach draußen. Ravana dachte, dass die Festung der Gerudo schon fast aussah wie ein Termitenbau, und lächelte.
    Auf dem Hof vor der Festung sah sie viele weitere Gerudos, die sich alle sehr ähnlich sahen. Im Gegensatz zu ihrer Führerin trugen sie ihre langen roten Haare jedoch am Hinterkopf hochgebunden.
    Vermutlich waren sie Wächterinnen, denn sie liefen immer zu einem Punkt, sahen sich um und gingen wieder einige Meter zurück.
    „Natürlich“, dachte Ravana. „Die Gerudo müssen das letzte Volk in Hyrule sein, das noch einen kriegerischen Ruf hat, und sie sind Diebe. Sie müssen ihre Festung bewachen..“
    Ihre Führerin ging auf den, wie Ravana vermutete, Haupteingang zu. Hinter der Türöffnung war es dunkel, und sie konnte nichts erkennen. Sobald sie eingetreten waren, jedoch erhellte das Licht von außen den Raum. Die Frau führte sie durch mehrere Gänge und sogar ein kleines Verließ, bis Ravana sich sicher war, dass sie alleine nie wieder aus dem riesigen Bau herausfinden würde. Schließlich erreichten die beiden eine große Küche mit einem massiven Holztisch, ein paar Hockern und einem knisternden Herdfeuer, über dem ein großer Kupfertopf mit Suppe hing. Die Frau bedeutete Ravana, sich hinzusetzen und fügte hinzu, dass sie die Anführerein der Gerudo holen wolle, und dass sie sich, wenn sie Hunger hätte, gerne an dem großen Topf mit Suppe bedienen könne.
    Nachdem sie gegangen war, sah Ravana sich in dem Raum um und entschied dann, dass sie wirklich großen Hunger hatte. Sie nahm eine der auf dem Tisch stehenden Tassen und füllte sich die dampfende Suppe ein. Dann setzte sie sich an den Tisch und genoss es, wieder eine warme Mahlzeit zu bekommen.

    Geändert von Ravana (26.11.2004 um 17:45 Uhr)

  14. #14

    Gerudofestung

    Während Ravana noch aß, kamen drei Frauen in die Küche. Die Vorderste musste wohl die Anführerin der Gerudo sein. Ihre Kleidung war weiß im krassen Gegensatz zu der bunten Kleidung der anderen Gerudos.
    Ihre Gesichtszüge waren sehr fein, und sie hatte etwas in ihrem Gesichtsausdruck, das Ravana fast dazu brachte, sich vor der Frau zu verbeugen. Auch sie war ihren jugendlichen Jahren entwachsen, das ungefähre Alter konnte Ravana jedoch nicht einschätzen, mit solchen Dingen hatte sie keine Erfahrung bisher. Sie alle drei waren genauso grell geschminkt wie die Torwächterin und hatten natürlich ebenfalls rotes Haar. Jede trug an der Seite einen großen Säbel.
    Die Anführerin blieb vor Ravana stehen und sagte mit befehlsgewohnter Stimme:
    „Mein Name ist Bumara, Tochter der Naboru. Ich bin die Anführerin der Gerudo. Diese beiden Frauen sind meine engsten Beraterinnen. Mir wurde gesagt, dass die Tochter der Nabira eingetroffen ist. Davon wollte ich mich mit eigenen Augen überzeugen.“
    Ravana war sich nicht sicher, ob Bumara diese Frage in freundlicher Absicht stellte oder ob sie damit nur sichergehen wollte, dass sie nicht die falsche in ein Verließ werfen ließ, denn die Frau zeigte absolut keine Gesichtsregung.
    Unsicher sagte sie:
    „Ja. Kamir, mein Ziehvater, sagte mir, dass meine Mutter Nabira hieß und dass sie eine Gerudo war. Ich bin eine von euch.“
    Als sie den Namen Kamirs erwähnte, nickte Bumara kurz.
    „Kamir... Ja. Lass dich umarmen, Nichte. Nabira war meine Schwester.“
    Ravana verschluckte sich. Vor ihr stand eine Frau, die nicht nur mit ihr verwandt war, sondern die auch ihre Mutter gut kennen musste und die ihr auch mehr über ihre Herkunft erzählen konnte. Sie hatte eine Familie gefunden..
    Sie stand auf und ließ sich von Bumara umarmen. Diese hielt sie danach auf Armeslänge an den Schultern fest und zeigte endlich eine Gemütsregung sie lächelte traurig.
    „Über die Jahre habe ich mir immer wieder Vorwürfe gemacht, dass wir die Tochter meiner Schwester nicht aufgenommen und aufgezogen haben. Bei deiner Geburt habe ich mich von meinen Gefühlen leiten lassen, und ich hatte mich heftig mit deiner Mutter gestritten. Darum gaben wir dich Kamir, der dich aufziehen sollte.
    Vor einigen Jahren konnte ich nachts keinen Schlaf mehr finden, weil ich mich um dein Schicksal sorgte und suchte schließlich Kamir auf, um dich zu uns zurück zu holen. Doch der alte Mann sagte, du seiest weggelaufen. Wir dachten, du wärst in der Wüste umgekommen..“

    Bumara ließ sie los und ging in der Küche auf und ab. Sie sah inzwischen doch etwas aufgewühlt aus.
    Ravana war ebenfalls ein wenig schwindelig. Sie wusste nicht, wie sie reagieren sollte, nie hatte bisher ein Mensch an ihr Interesse gezeigt. Sie schwankte dazwischen, ihre Geschichte zu erzählen, weiterzuessen oder mehr über diese ganze Geschichte zu erfahren. Sie entschloss sich für das Letztere und sagte:
    „Weißt du, was mit Kamir passiert ist? Ich war gestern am Sandteich, doch er war nicht da, und sein Teppich ist lange Zeit nicht gepflegt worden..“
    Bumara hielt inne und überlegte kurz.
    „Kamir ist tot,“ sagte sie schließlich. „Vor mehr als einem Jahr wurde er mehr tot als lebendig in der Nähe des Wüstentores gefunden, kurz darauf starb er an Erschöpfung. Wahrscheinlich war er auf seine alten Tage etwas verwirrt und wusste nicht, was er tat.“
    Ravana nickte. Sie hatte gewusst, dass es mit Kamirs Verstand nicht mehr allzu weit her war. Sie setzte sich wieder und sagte:
    „Ich trage es dir nicht nach, dass du mich verstoßen hast. Ich wüsste nur gerne etwas mehr über meine Eltern...“
    Bumara nickte nachdenklich. „Ja, das verstehe ich. Ich kann dir vieles erzählen. Doch die Nacht bricht bald herein, und du siehst müde und dreckig aus. Alumina hier wird dir einen Raum zeigen. Dort kannst du dich waschen und die Nacht durchschlafen. Bitte nimm dieses Angebot an, es ist mir sehr wichtig, zu wissen, dass es dir gut geht. Ich möchte meinen Fehler von damals wieder gut machen.“
    Ravana sah, dass Bumara meinte, was sie sagte. Es schien ihr wirklich wichtig zu sein. Eigentlich wollte Ravana schnell weiterreisen, doch sie sah ein, dass das Angebot Sinn machte. Vielleicht kannte sich eine der Gerudos auch mit fliegenden Teppichen aus... Also nahm sie das Angebot an und wurde in einen kleinen, schlichten Raum mit einem großen, sehr gemütlich aussehenden Bett und einer steinernen Schüssel mit klarem Wasser geführt und allein gelassen.

  15. #15
    Es begann stark zu regnen! Raziel beeilte sich. Es ließen noch immer nicht die Gedanken loß! Hat Shiro ihn nun entgültig verlassen? Fühlt er sich von seiner eigenen Rasse mehr angezogen. Würde er ihn nie wieder sehen? Er rannte schneller. Die Verkäufer bauten die Stände an Marktblatz zusammen. Nun erreicht er die Zitadelle der Zeit. Die spitze von ihr war nicht zu erkennen. Sie sah irgendwie traurig aus! So muss sie auch bei den schlimmen Ereignissen ausgesehen haben. Ihm wurde viel von diesen Ereignissen erzählt. Steht neues Unheil hervor? Raziel drückte die schweren Tore der Zitadelle aud und betrat sie. Ein Priester war anwesend. Raziel fragte ihn nach einer Gestalt. Doch hat nichts beobachtet. Er balt den priester die Zitadelle durchsuchen zu dürfen und der Priester willigte ein. Raziel suchte agriebisch nach Hinweisen und vergaß dabei die Zeit. Als der Priester ungeduldig wurde beschloss Raziel zu gehen. Er hatte nichts gefunden und verlor den Mut. Nun blieb ihm nur noch das Schloss! Doch wie sollte er hinein kommen? Er Atmet tief durch und sah auf den Boden. Er konnte sich im Boden spiegeln. Er sah einen Shatten. Es konnte sich nur um einen handeln. Shiro! Er ging zu Tür. Er reif Shiro: Komm herunter! Nun benutzte Raziel seinen Energieshild um die Tür zu versperren. Er legte seine ganze Kraft in seinen Energieschild. Hoffentlich wird er reichen um wenigsten kurz mit Shiro zu reden! Der Priester rief die Wachen doch das war Raziel egal. Sie würden die Tore nich öffnen können. Er musste mit Shiro reden auch wenn er ins Gefängnis kommt!

  16. #16
    Villon starrte dem Zora in die Augen und bemerkte glücklich, wie seine Hand sich entspannte und der Schmerz nachließ. Villon hatte lange Zeit keinen Zora mehr gesehen und so fiel ihn auch spät die Magie ihrer Augen wieder ein. Schnell wandte er seinen Blick ab, um nicht zu sehr gefesselt zu werden und zog seine Hand langsam aus dem Wasser. Er betrachtete wieder seinen Handrücken und bemerkte das Dreieck deutlicher als zuvor. Zwar pulsierte es immer noch, doch diesmal lag nichts schlimmes darin. Keine Schmerzen, nicht einmal Wärme. Nur eine art freudige Erwartung, die Villon bis in jeden Knochen spüren konnte. Doch das pulsieren brachte nicht nur die Erwartung mit sich. Hin und wieder, nur Sekundenbruchteile lang, blitzen vor Villons geistigem Auge bilder auf, die jenseits des Normalen lagen. Immer nur für kurze Zeit sah Villon Leid und Trauer. Er schüttelte die Bilder jedes Mal ab, doch sie kamen wieder.

    „Willkommen. Wenn ich mich nicht irre, haben Sie nach mir gerufen, oder?“

    Der Zora stieg aus dem Wasser und ging ein paar Schritte. Villon hatte währenddessen seinen Stab aufgehoben und es vermieden den Zora anzusehen. Aus einem, ihm unerfindlichen, Grund, versteckte er seine rechte Hand vor den Augen des Zoras und musste erst einmal tief Luft holen, bevor er sich umdrehte und den Zora ins Gesicht sah. Sofort war er gefangen von den tiefen dieser schwarzen, glänzenden Augen, die nur Zoras haben könnten, da sie bei all den anderen Wesen nicht zur Geltung kämen. Villon wollte den Mund aufmachen und etwas sagen, doch kamen wieder die Bilder. Er zuckte zurück und schlug sich die Hand vor die Augen. Erst zu spät merkte Villon, dass es seine rechte Hand benutzte. Das Dreieck pulsierte so stark wie nie und leuchtete schwärzer als zuvor. Der Zora wich einen Schritt zurück und ächzte:

    „Der Geist ...

  17. #17

    Als er den wald verließ!

    Rabe wachte auf. Es war schon Nacht oder besser gesagt früher Morgen. Sein Schädel brummte noch und er kann sich nur mehr spärlich an den gestrigen Tag erinnern.
    Nach Noctrun wollte er nicht mehr zurück. Was soll er den jetzt bloß machen?
    Er hatte keine Freunde und keine Famillie die ihn an einen Ort bindet.
    "Mhmm... Vielleicht gibt es ja hier im Wald einen Unterschlupf oder sogar eine Höhle?", sagte er sich und machte sich alsdann auf die Suche. Nahrung fand Rabe reichlich: Fische in einem Fluß, Beeren, Bierpilze... Er fand sogar einen passenden Baum ,in dem der Blitz einmal einschlug, als Unterschlupf. Niemand der ihn verspottete! Niemand der ihn vermissen würde...
    So ließ es sich leben!
    Mit der Zeit kam auch die Einsamkeit. Er wollte zwar immer seine Ruhe, aber als Einsiedler für immer leben? Daher fasste er schon nach einer woche einen Entschluss!
    Er packte Profiant und Bierpilze ein nahm sein Katana und verließ er seinen geliebten Wald in Richtung Süden. Aber bevor er ging hatte er noch einen Stofffetzen am Baum, der sein Unterschlupd war, befestigt als eine Art Fahne.
    Er ging mehrere Tage und kam schließlich an das ende des Waldes. Was ihn wohl erwartet?
    Es war etwas föllig ungewohntes für ihn was er sah. Es war der Strand! Noctrun liegt zwar versteckt am Meer mit steilen Klippen, aber den Strand! kannte er nur aus Erzählungen und Büchern. Er war so schön! Freudig lief Rabe durch den Sand kletterte auf Palmen, schwam im Meer (das schwimmen brachte er sich selbst in einem becken voll Regenwasser bei, aber mit wellen hatte er nicht gerechnet, deshalb schluckte er auch mächtig viel Wasser!) und spielte fangen mit den Kraben.
    Erschüpf fiel er um. Sah die Sterne, die hell herunterblitzten...
    "Ist es wirklich schon so spät?"... und bevor er es sich versah schlief er mitten am Strand
    ein.
    Das Leben kann doch so schön sein...

  18. #18
    Er ging nun auf die noch lebende Kuh in der Ecke zu. Sie war in ihren letzten Atemzügen, das merkte er, denn dieses Tier hatte kaum noch Lebensenergie. Er näherte sich ihr, doch die Kuh wich seinen Händen aus. Er sah die Angst in den Augen des Tieres, als er es berührte.

    Was ist hier los. Erkennt sie mich, denkt sie, dass ich sie angegriffen hat, oder ist sie allgemein nur misstrauisch jedem gegenüber...

    Er schaute sich die Umgebung an, und untersuchte die Kuh genauer. Wie kann jemand so grausam sein. Er sah, dass es eine der "Eingeweihten" sein musste.

    aber es gibt doch keinen "Eingeweihten in die alte Kunst" mehr...

    Er hörte ein geräusch hinter sich, drehte sich im Stehen um, und sah eine Person auf der anderen Seite stehen.

  19. #19
    Raziel fand ein Haus. Er gloppfte und schrei um Hilfe. Ein Gerone trat ziemlich verschlafen heraus. Er bemerkte erst nach 5 Sekunden das jemand vor ihm stand.
    Er fragte: Was wollt ihr?
    Raziel: Ich hab hier zwei verletzte, sie benötigen dringend Hilfe. Kann ich hereinkommen?
    Ja Ja. murmelte der Gorone und Raziel bedankte sich.
    Raziel ging hinaus um sein Schwert zu suchen und ein paar Energiecontainer für die verletzten zu finden - doch er ahnte nicht das Shiro schon aufwachte.

  20. #20
    Es war Nacht , als Doran erwachte und das erste Mal seid er hier war konnte er seine Unterkunft näher betrachten. Es war dunkel und es waren nur Schehmen wahrzunehmen, doch diese reichten aus , um Doran einen ersten Eindruck zu verschaffen.
    Die Wände waren mit orientalischen Teppichen behangen, die viele Gegenden Terminas, aber auch Hyrules darstellten.
    Dorans Blick verharrte auf einem Abbild des Todesberges und sofort schossen ihm Gedanken seiner Heimat durch den Kopf.... die an seinen Bruder- er hätte ihn nicht verlassen sollen-...Spätestens jetzt wurde ihm klar wie er seinen Bruder vermisste
    und ihm kamen Zweifel. Warum war er fort gegangen? Er wusste es nicht, aber ihm wurde klar das es ein Fehler gewesen war. Die Raserei hatte ihn blind gemacht und er hatte den Bezug zur Realität komplett verloren, indem er dem unheimlichen Fremden
    nachgelaufen war.Er war ihm nicht gewachsen gewesen, obwohl es ihm zuerst
    anders vorgekommen war. Der Fremde war nicht geflohen, nein er hatte Doran aus unersichtlichen Gründen verschont. Aus Gründen die ihm bis jetzt nicht bekannt waren.
    " Wir werden uns wiedersehen!" hatte er gesagt, bevor er verschwunden war.
    " Ja, das werden wir, aber das hat noch Zeit, zuerst werde ich meinen Bruder um Hilfe bitten ", dachte er seinen Gedankengang zuende.
    Er richtete sich auf, schwang seine Beine vorsichtig über die Bettkannte und dachte
    verwundert:"
    DieSchmerzen, sie sind weg. " Mit einem Grinsen auf dem Gesicht stand Doran jetzt vollends auf und drehte sich nach Beißer um, der neben seinem Bett gegen die Wand gelehnt dastand. Er schnallte ihn sich auf den Rücken trat unter der Tür ins Freie.
    Bevor er
    jedoch denn Türbogen durchquerte vernahm er die sanfte Stimme der Tochter des Bürgermeisters: Ich wusste das du gehen würdest, deine Verletzung ist bereits verheilt,
    also werde ich dich nicht aufhalten. "
    " Woher wusstest du es?" fragte Doran hastich.
    " Du hast im Fieber gesprochen. Du müssest heimkehren, um bei deinem Bruder Hilfe zu
    ersuchen. Doch bevor du gehst, nimm das." Die junge Frau überreichte Doran ein gut verschnürtes Päkchen, das wohl Proviant beinhaltete. Ohne auch nur einen Blick hinein zu werfen, trat Doran hinaus und das letzte was die Frau zu hören bekam war ein: " Danke für alles!" . Danach wante sich Doran in Richtung Süden, sein nächstes Ziel war die Lon-Lon Farm.....

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