so, bin zu einem Ende gekommen. Kapitel 5 -jetzt ist entgültig Schluss
mag etwas abgehackt wirken -hat aber Sinn.




Kapitel 5: Das Ende des Lebens

Schnee knirscht unter seinen Schuhen. Stundenlang ist er nun so gegangen, durch die Fußgängerzone, die Innenstadt, die kleine Häuschen am Rande der großen Stadt hat er hinter sich gelassen. An was hat er dabei gedacht, was hat sein krankes Hirn dabei gemacht?
So würde sich jemand fragen, der nichts von dem verstanden hat, was diesen Menschen ausmacht, was in so quält.
Aber diesmal war es still. Nichts. Gar nichts hat es von sich gegeben. Geschwiegen hat es, er hat es schweigen lassen, hat es nur im Schritt des Schnees aufgefangen. Immer wieder auf dieses knirschende, knackende, lechzende Geräusch gehört.
Seine Augen waren währenddessen sehr beschäftigt, haben alles aufgesogen, wie ein großer Schwamm hat er alles um sich herum aufgenommen. Kahle Bäume und Spuren im Schnee haben sich eisig in sein Hirn gebrannt, schmerzvoller wie das glühende Eisen der zum schlachten bestimmten Kälber. Und doch ist er nur ein Kalb.
Inne gehalten hat er nicht, seine Beine sind einfach gelaufen, manchmal sogar gerannt... weggerannt. Dann ist der Rucksack auf seinem Rücken in Galopp verfallen, ist hin und her geschlagen, hat ihm immer wieder das schwere Buch reingerammt, in Rücken und Seele tief gestoßen, getrocknete Tränen ans Tageslicht bringend mit Schmerzen wieder neugeboren.
Kalt fließt es in den Adern, als er sich in den Schnee kniet, hinten im Rucksack mit einem Griff sein Buch ins gleißende Grau des Nachmittags hält.
Lange muss er nicht suchen bis er eine leere Seite findet, nur noch eine Einzige ist frei. Es ist die letzte Seite, die letzte Gelegenheit etwas festzuhalten. Etwas der Nachwelt mitzuteilen, vielleicht seiner Tochter, gewiss nicht seiner Frau.
Ein abschließendes Wort muss gefunden werden. Ein Wort welches den Menschen, der es ließt dazu veranlasst das Buch ruhig, nicht glücklich oder traurig, sondern befriedigt wegzulegen.
Solch ein Wort ist schwer zu finden, nahe an der Ziellinie fallen die Schritte immer am schwersten.
Tun sie das wirklich, eigentlich liegt es auf der Hand, oder? Er muss nur noch den letzten Stein setzen auf dem von ihm aus Erinnerungsbrocken gepflasterten Weg. Aber der Stein ist grob, kantig und wird ihn sicherlich verletzen, sehr roh wirkt er, als er sich wild rotierend in Gedanken aufmacht um die Adern des Lebens zu schlitzen. Trotz alldem muss er ihn setzen.
Behutsam streicht er über das Buch, liebevoll öffnet er die erste Seite.
Sieht den panischen Schriftzug, der schludrig, kaum leserlich fast die gesamte Seite umgreift. Alle, die dieses Buch nach ihm lesen werden, müssen an dieser Stelle die Augen weit aufreißen und nah ran gehen um zu sehen, zu begreifen. Sie werden mit den Fingern das Geschriebene nachfahren, nachfühlen was es gespürt hat, als er es schrieb. Wenigstens versuchen es zu verstehen...vielleicht.
Und doch stehen diese zwei Wörter dort, ganz klar und ruhig, obwohl in ihnen die Flucht wohnt.
"Diagnose Krebs", flüstert er leise der Sandkorn streuenden Uhr im Himmel zu. Nur noch ein kleiner schmächtiger Berg ist von seinem Leben übrig, der Sekunde für Sekunde hart zerrieben sich durch die vorgegebene Enge der Zeit, des Lebens kämpft.
Still ist es.
Dann zückt er den Kuli, blättert geräuschlos auf die letzte Seite seines Buches und hinterlässt dem Leser, in großen Lettern und eindringlich: "LEBT"!