-
Ritter
Kapitel 6 – Kaffee mit Milch, wie immer
4
„Er mochte das.“ Bis dahin war er gekommen.
„Ihr Kaffee.“ Auf dem Namensschild der Bedienung stand „Laura“. Sie bediente hier fast immer, nur hin und wieder wurde sie durch eine Aushilfe ersetzt, wenn sie krank war oder frei hatte.
Der Autor murmelte einen Dank vor sich hin und sah hinaus. Die Sonne schien. Trotzdem war die Sicht trübe. Ein nichts sagender Tag, wie die meisten anderen auch. Bei seinem allmorgendlichen leichten Kaffe, den er eigentlich nur trank, weil der Tee hier grässlich schmeckte, dachte er über sein Leben nach. Er musste das tun, wenn er in der Geschichte weiterkommen wollte. Irgendwie war sie mit ihm sehr stark verbunden, auch wenn sie bisher nur ein paar Seiten Umfang hatte.
„Ich stehe viel zu spät auf und bin nachts noch Ewigkeiten wach. Ich tue nichts, als herumlungern. Warum schaffe ich es bei all der Untätigkeit nicht wenigstens, eine Seite pro Tag zu schreiben?“
Er sah durch das dreckige Fenster nach draußen, wo gerade eine Familie die Straße entlang lief. Die Tochter, sie mochte vielleicht 7 Jahre alt sein, sah ihn kurz im Vorbeilaufen an und rannte dann schnell weiter, um nicht den Anschluss an ihre Eltern zu verlieren. Irgendwie ein trostloses Bild, ohne jeglichen Belang, wie der Autor fand.
Wie sollte es nun also weiter gehen?
Im Hintergrund lief Musik von „The Jesus and Mary Chain“:
„…walking back to you
is the hardest thing that
I can do
that I can do for you
for you
eating up the scum
is the hardest thing for
me to do
just like honey
just like honey
just like honey
just like honey…”
5
Die Stadt war dreckig.
Ihre Menschen ebenfalls.
Mit auffällig großen Kopfhörern ging er zur Bahn, er hatte sich mit einem Freund verabredet, Jan. „Musikausstellung“, oder so was hatte er gesagt. Fein, das war dem Autor nur recht. Außerdem mochte er es, durch die Stadt zu fahren.
Die Kopfhörer beschallten ihn mit „Sigur Rós“.
Er kam etwas später als geplant an der verabredeten Station an, die Bahn hatte wieder einmal beschlossen, sämtliche Gleise durch Baustellen zu ersetzen.
Im Wagon war die Luft so stickig, wie sie nur sein kann. Der Autor hatte keine Möglichkeit mehr gefunden, sich in eine Ecke zu verkriechen und stand nun zwischen übergewichtigen Bauarbeitern und einem Sechzehnjährigen, der allen mitteilte, dass er arbeitslos sei und man ihm doch bitte eine Straßenzeitung abkaufen möchte, damit er sich etwas zu essen leisten könne.
Der Autor fühlte sich eingeklemmt und unwohl.
Jan kam fünf Minuten später, er hatte ihm per Handy bescheid gesagt.
„Und, ist’s toll da?“
„Wirst du ja gleich sehen, aber es ist jetzt nicht gerade riesig.“
Also schauten sie sich drei Stunden lang vorwiegend Cembalos und Flöten an.
Dem Autor gefiel das.
6
Am Abend wollten sie dann ins Kino, obwohl sie sich noch nicht sicher waren, was sie schauen sollten. In der Bahn stieg wieder eine seltsame Gestalt ein.
Man möge sich einfach einen geistesgestörten Obdachlosen vorstellen.
Dieser rief irgendwas von „20 Cent“ und „Scheiß Kommunismus!“, bevor er platz nahm und sich schlug.
Im Kino lief nichts, was über die Qualität von Geld- und Zeitverschwendung hinausgegangen wäre, also verabredete man sich zu einem anderen Tag, um dann eine DVD zu schauen.
7
Der Tag bereitet dich darauf vor, von der Nacht gefressen zu werden.
Wer ist das im Spiegel?
Dein Tod.
Geändert von Serpico (19.11.2004 um 01:53 Uhr)
Berechtigungen
- Neue Themen erstellen: Nein
- Themen beantworten: Nein
- Anhänge hochladen: Nein
- Beiträge bearbeiten: Nein
-
Foren-Regeln