So, es geht weiter, und wer dann wissen will, was eigentlich los ist, der muß bis zum Start meines Forums- RPGs "Infection - Dead World" warten! Anmelden zum Mitspielen geht auch noch, also wer Bock hat, nur zu! Und nun, das Ende dieser Story!

Das ist schon komisch mit der Dunkelheit, man sieht zwar nichts, und irgendwie sieht man doch nicht so ganz nichts. Bilder aus dem eigenen Kopf formen sich hin und wieder vor Augen, manchmal nur Farben, manchmal auch echte Bilder. Auch Martin sah jetzt etwas vor seinen Augen, und das verwirrte ihn dermaßen, dass er nicht einmal auf das Knacken hinter sich achtete. Er sah rot... aber nicht nur als Farbe, sondern überall verteilt, als ob... .
Dann berührte ihn etwas am Knöchel, eine Hand, und Martin schrie unwillkürlich auf. Er sprang mit einem Satz zurück und starrte ungläubig in die Richtung, aus der die Hand gekommen zu sein schien. Direkt zum Küchentisch hin. Aber er konnte kaum etwas sehen, da es noch immer stockfinster war. Der Lichtschalter war ferner denn je. Hatte er sich vielleicht auch dieses Ereignis nur eingebildet... so wie das Bild vor seinen Augen?
Was das Bild anging, so konnte er es sich nur einbilden. Was er da sah, konnte nicht wahr sein. Doch diese Berührung.

Dann hörte er ein schauerliches Stöhnen direkt vor sich, und er fühlte sich wie gelähmt. Er konnte sich nicht mehr bewegen, denn jeder Zweifel, ob hier jemand, oder etwas, war, war nun ausgeräumt. Er wollte es nicht glauben, musste es aber, es gab keine Ausflüchte mehr.
Martins Herz schlug nicht unbedingt schneller, jedoch viel härter als zuvor, es ließ ihm fast die Halsschlagader platzen. Angestrengt versuchte er zu schlucken, während er mit weit aufgerissenen Augen ins Dunkel starrte, um irgendetwas erkennen zu können.
Dann wieder das Stöhnen, doch diesmal ließ ihn die Panik etwas los, und so hörte sich das Geräusch sogar leicht menschlich an. Was zum Teufel war hier los?
Martin überlegte, während ihm der Schweiß von der Stirn perlte, ob er schnell zum Schalter hasten sollte. Doch was, wenn ihn dann wieder diese Hand ergriff?
„Mar... tin!“ Ein lang gezogener, schmerzerfüllter Laut, der Martin wieder erschaudern ließ, kam von unter dem Tisch. Ein flüsternder, krächzender Laut, der seinen Namen ergab.
Martin bückte sich langsam ein Stück... noch tiefer... und noch etwas weiter... da schlug direkt vor seiner Nase etwas die Augen, die im schwachen Mondlicht kalt und bläulich glänzten, auf und sah ihn direkt an. Wieder kreischend warf sich Martin hilflos zurück, landete auf dem schon schmerzenden Becken und jaulte kurz auf. Doch der Schmerz war nebensächlich, vor ihm hockte ein Monster, es gibt keine Monster, und vor ihm hockte eins, wie er jetzt genau sah, ein Schrumpfkopf mit großen, leuchtenden Augen, zerzauste, abstehende Haarreste, es gibt keine Monster, und vor ihm hockte, versteckt unter seinem eignen Küchentisch, ein gottverdammter Gollum. Wann hörte dieser bescheuerte Traum endlich auf? Doch das war kein Traum, und das war kein Monster, jedenfalls nicht nur, und etwas stimmte nicht, seit er im Zug unter der Dusche mitgefahren war. Der Zug hatte ihn hier abgesetzt, und seine Eltern waren weg, aber wo zum Teufel war er vorher gewesen? Warum und wann war er duschen gegangen? Was war das rote Zeug an seinen Händen, das so widerwillig abging? Und was war das für ein abartiges Bild vor seinen Augen?

„Martin... bitte mach nicht das Licht an, es tut so weh in den Augen! Ich wusste nicht, ob noch irgendjemand lebt... es ging alles so schnell! So schnell!“
Das war kein Monster, oh nein, es war Herr Deutel, Martins Nachbar, der im Haus nebenan wohnte. Aber bis zum Morgen dieses Tages, als er Herrn Deutel zuletzt gesehen hatte, war keine Ähnlichkeit zwischen Herrn Deutel und Gollum auszumachen gewesen!
Was zur Hölle war schnell gegangen? Und wo war er dabei gewesen? Unter der Dusche seit heute morgen!?
„Ich hörte Schreie aus eurem Haus, da dachte ich, hier lebt noch jemand! Jenna ist tot, sie hat ihre Eingeweide ausgebrochen... sie hat versucht zu schreien, aber... aber..., oh Gott, was erzähle ich das einem armen Jungen wie dir? Ich werde verrückt, dass muss es sein! Du siehst so gesund aus, es hat dich wohl nicht erwischt!“
Herrn Deutels Stimme war erstarkt, offenbar brachte ihm der Anblick Martins seine Fassung etwas zurück. Doch Martin sagte nichts. Das Problem war, dass Martin nichts zu sagen gewusst hätte. Er hatte keine Ahnung, wovon Herr Deutel-Gollum sprach, warum er ihm so einen Blödsinn erzählte wie „Jenna ist tot“! War das hier so eine dämliche versteckte Kamera, oder was? WAS SOLLTE DAS ALLES?
„Es muss ein Virus sein, ja, und manche sind bestimmt immun! So wie du! Genau, so muss es sein! Aber ich nicht... ich habe Bauchschmerzen, mir ist heiß... aber dein Vater!! Ja, deshalb kam ich hierher, ich fand die Tür offen vor, da kam ich rein! Du warst unter der Dusche, ich wollte dich nicht schockieren, denn was ich von mir im Spiegel sah... egal, ich rannte runter und riss dabei die Glasvitrine um... da hab ich dich wohl erst recht erschreckt, hm?“
Das unzusammenhängende Geschwätz machte keinen Sinn, es fing an zu nerven... mehr noch, irrsinniger Weise verspürte Martin eine schwelende Aggression gegen den armen Mann.
„Dein Vater, Martin, er ist doch Arzt! Wo ist er... ich habe ihn gar nicht gesehen... und deine Mutter?“

Endlich überwand sich Martin, die Situation einzugestehen. Es war kein Traum.
„Sie sind weggefahren, ich war Duschen... was ist denn passiert!? Ich weiß GARNICHTS, wer ist alles tot, warum? Das ist doch Irrsinn!“
Die Augen unter dem Tisch leuchteten nun heller, und Zweifel schien aus ihnen zu sprechen.
„Was passiert ist? Doch warst doch auch auf der Straße, als heute Mittag der Autounfall vor eurem Haus geschah! Der Typ, der aus dem Wagen fiel, war völlig... aufgeschwollen, seine Haut wie Gelee! Und der Gestank! Dein Vater sagte, wir sollten alle in den Häusern bleiben...“
Martins Kopf schien zu knistern, wie wenn Strom aus einer Steckdose zuckte, wenn man Unsinn damit veranstaltete. Wie ein kaputter Toaster! Er wollte nicht, dass der Schweinehund von Nachbar weiterredete, denn in seinem Kopf wurden die Bilder nun immer lebendiger! Bilder von dem Unfall, Bilder, die zeigten, dass er sich nur vorgelogen hatte, seine Eltern seien weggefahren! Alles eine Illusion! Er hatte sich in eine heile Welt zurückgezogen!
„Das haben wir getan, doch ganz schnell wurden wir krank, die Telefone waren tot, überall in der Stadt schien das Chaos auszubrechen, überall Sirenen... und niemand, der uns helfen konnte! Niemand, der Jenna... mein Gott!"
Herrn Deutels Stimme ging in ein hemmungsloses Schluchzen über, und obwohl auch Martin Jenna gemocht hatte, spürte er kein Mitgefühl. Er sah noch mehr Bilder, sah den toten Mann im Keller liegen, sah, wie er ihn berührte. Er sah Pocken auf seinen Händen (aber jetzt waren da keine, oder), und er sah sich über seine plötzlich sehr langen Fingernägel wundern. Er fühlte diese Wut, die auch jetzt in ihm Aufstieg, sah seine Mutter, seinen Vater... schreien!
„Dann die Schreie in eurem Haus, und... Martin, was ist mit deinen Händen, warum starrst du sie so an, Junge? Was...“
Es reichte, dieser Drecksack würde nun endgültig das Maul halten, er starb, ja, nur nicht schnell genug. Martin sah das rot an seinen Händen... das Blut!
„Du willst meine Eltern sehen, du Missgeburt! Dann komm, ich zeig sie dir!“
Martin sprang auf, und es war nicht mehr der Junge, der unter der Dusche Angst gehabt hatte.

Es gibt keine Monster, glaubt ihr? Das glaubte auch Herr Deling, der trotz des grausamen Virus noch keines gesehen hatte. Als das Licht anging, brannten ihm die Augen erbärmlich, und seine Haut ebenso, doch Martin zog ihn erbarmungslos unter dem Tisch hervor, und beachtete dabei kaum, dass sich der Großteil der Haut des Herrn Deling in Matsch verwandelt hatte. Auch der Blutschwall, den der arme Nachbar aushustete, als er zappelnd unter dem Tisch herausgezogen wurde, kümmerte Martin nicht. Er zog das kreischende, jammernde Bündel Mensch hinter sich her, während dieser die Reste seiner Haut am Teppich verlor. Er schrie vor Schmerzen, er schrie um Jenna, und er schrie aus Angst vor dem, was Martin ihm zeigen wollte. Was war nur mit diesem Jungen?
Martin riss die Kellertür auf und trat Herrn Deutel die Treppe herunter. Dieser überschlug sich mehrmals, ließ große Teile seine Haut zurück und blieb wimmernd und blutend am Ende der Treppe liegen! Wann ließ ihn Gott endlich sterben?
„So, widerlicher Abschaum, da ist mein Vater, und meine Mutter... na, frag doch, ob sie dir helfen können!“ Dann folgte ein wahnsinniges Lachen, ein Kreischen, das direkt aus der Hölle zu kommen schien.

Was Herr Deling sah, raubte ihm den letzten Rest seines Verstandes. Matsch, blutiger, zusammengefallener Matsch. Augen, die aus der Masse hervorragten. Zähne, die darin herumschwammen. Haare, und als Herr Deling ein Zittern in der Masse bemerkte, schaltete etwas in ihm ab. Er musste sich lange übergeben, bemerkte aber gar nicht, dass er seine eigenen Gedärme auswürgte. Kurz vor dem Ende, als er sich bewusst wurde, dass ihm etwas fehlte, Luft, und dem matschigen Fleischhaufen in der Ecke etwas fehlte, Knochen, da glaubte er zu sehen, wie der Schatten Martins an der Wand immer größer wurde, sich verformte, als wüchsen Pickel und Pocken riesigen Ausmaßes aus ihm hervor. Dann presste der innere Druck ihm die Augen aus den Höhlen, und so verschwand das Bild, aber es konnte eh nicht wahr gewesen sein, oder? Schließlich gibt es keine Monster, das wissen wir doch alle!
Menschen, die sich ihre Lungen auskotzen, das vielleicht, eventuell auch unförmige Fleischhaufen in einem Keller, aber Monster! Kommen sie, das ist doch lächerlich, Herr Vernunft! Dann brannte noch etwas an seinem Körper, es könnte ein weiterer Schmerz sein, und er schien noch kurz etwas Brüllen zu hören, dann war Schluss! Danke Gott!

Nachdem jeder Knochen aus Herrn Deling gesaugt wurde, stampfte etwas davon.

Einige Stunden später, als die Nacht endgültig über der Stadt lag und sich grollend am Himmel ein gewaltiges Unwetter ankündigte, rannte ein Junge namens Martin durch die Stadt, der sich nur noch daran erinnerte, geduscht zu haben, und dann von etwas Unheimlichen aus dem Haus gejagt worden zu sein! Er wunderte sich über die stille, tote Stadt, und bald auch über die Leichen, die er überall sah.
Er wunderte sich nicht darüber, zielstrebig auf in Richtung der Autobahnauffahrt zu laufen, auf der längst keine Autos mehr fuhren. Er steuerte eine Raststätte an, und wusste nicht, warum.