Lest mal...


Die Chroniken des blutigen Mondes
Bestia

Dichter Pfeifenqualm behinderte die Sicht in dem kleinen Wirtshaus, und nur das Stimmengewirr überlagerte den Gestank des Alkohols, der der zu dieser Zeit des Seemanns bester Freund war.

An einem kleinen Tisch, fernab von dem ganzen Gemurmel, saßen zwei Gestalten im Dunkeln und redeten miteinander. Der Eine, ein sehr alter Mann mit einem ungepflegten Bart und typischer Seemannskleidung, grinste in sein Whiskeyglas. Sein Gegenüber, eine vermummte Gestalt, blickte auf den Tisch herab und erhob dann die Stimme. Diese hatte einen angenehmen weiblichen Klang, drang aber trotz ihrer Lieblichkeit problemlos durch die Geräuschkulisse des überfüllten Wirtshauses.
"Warum lacht ihr, mein Freund? Ist die Geschichte, von der ihr mir berichten wolltet, denn so amüsant?"
"Nee, das isse weiß Gott nich", antwortete der Alte und wischte sich mit bedächtigem Blick eine Träne aus dem Auge, "aber wenn ich im Nachhinein drüber nachdenke, zweifle ich schon selbst daran, dass der ganze Schmarn wirklich so passiert is. Vielleicht hab ich mir das Ganze nur im Suff ausgedacht, wie es alle sagen, den ich es erzähle..."
"Nein.", erwiderte die andere Gestalt scheinbar amüsiert, "Erzählt mir eure Geschichte. Ich habe viel gesehen, wenn sie sich wirklich so zugetragen hat, werde ich euch glauben."
"Wie sie meinen. Bringt mir noch einen Whiskey, dann erzähle ich euch, was ich darüber weiß, über das Leben dieses Mannes, über den Leidensweg dieser Bestie..."

"Er hatte als Schiffsjunge auf meinem Boot angeheuert, aber er wollte niemals eine einzige Münze Lohn, er meinte dann immer nur, Arbeit wäre gut, Arbeit würde ihn ablenken. Seine Miene war immer starr, und wer ihn traf, meinte oft, er wäre gefühlskalt, aber ich sah ihn manchmal bei Nacht auf dem Deck sitzen und zum Mond herauf starren, mit einer Trauer und einer Sehnsucht in den Augen, die ich zuvor bei keinem Menschen gespürt hatte. Er redete ungern über sich selbst, geschweige denn über seine Vergangenheit, scheinbar zwang er sich dazu, denn eigentlich unterhielt er sich gern, und ein einziges Mal konnte ich ihn dazu bringen, mir etwas über sein leben zu erzählen. Erst lauschte ich seiner wachen Stimme gern, aber mit der Zeit bekam ich sogar ein wenig Angst, denn die Dinge, die er mir erzählte, klangen seltsam und unglaubwürdig, doch seine Stimme war sicher und überzeugt, nur manchmal schien seine Erinnerung ein wenig zu schwächeln, denn die Ereignisse schienen schon lang vergessen zu sein. Heute verstehe ich, was er meinte, wenn er sagte, die Arbeit würde ihn ablenken. Er wollte nicht mehr über die Dinge nachdenken, die geschehen waren, auch nicht darüber, was er war. Er wollte sich nicht erinnern, deswegen sprach er ungern darüber, er wolte vergessen, warum er noch lebte, mit Erinnerungen, die jeden gewöhnlichen Menschen auf der Stelle ins Grab befördert hätten...




Mir kommt die Dramatik ein wenig gekünstelt vor, vielleicht ist das ganze ein wenig langweilig. Mich interessiert einfach, ob ihr die Geschichte nach dieser Einleitung weiterlesen würdet.