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Mirokurator
Eine lange Nacht
Eine lange Nacht
Im ersten Traum rannte der alte Mann durch das riesige Uhrwerk des Turmes, in dem er gefangen war. Die Zahnräder drehten sich unermüdlich, wie eine einzige Fleischmühle, die ein Schwein nach dem anderen durch ihren Leib zog, donnerten sie Geräusche in seine alten Ohren, die er nie wieder hören wollte. Aber der Greis wusste, dass er das weiße Licht erreichen musste, das viel weiter oben durch das Ziffernblatt fiel. Golden schien es fast, von hier unten, aber auch der Schweif eines Glühwürmchens hätte, umgeben von Dunkelheit, wie er dort rannte, in gewaltigem Glanz pulsiert. Der weiße Bart blieb beinahe in einer komplizierten Maschinerie stecken, aber er bemerkte es rechtzeitig und hob das ergraute Haar schnell an. Die nächsten Meter waren leicht, im Vergleich zu denen, die er bereits hinter sich hatte, obwohl der Alte merkte, wie nah er den Zeigern bereits war. Das Licht blendete ihn, als er sich weiter vorankämpfte. An einer sich drehenden Scheibe vorbei sprang er auf eine Plattform und zog sich mit letzter Kraft zu dem Ziffernblatt hinauf. Das Ticken und Arbeiten des Uhrwerkes war nun kaum noch zu vernehmen, und er atmete tief durch, sofern ihm das im Angesicht des Lichtes, das ihn empfing, noch möglich war. Fluchend ballte er seine Hand zur Faust und schlug gegen das Glas. Blutige Linien zogen durch die Luft, als sich der Kristallpuder in der Luft verlor. Der Wind überraschte den Greis, er konnte sich nicht erinnern, dass er je so heftig geweht hatte, und er wusste auch nicht mehr um seine zerstörerische Kälte. Noch einmal sah er die Sonne, bis ein Windzug seinen aufgezehrten Körper ergriff und von dem Turm warf.
Nur kurz wachte er auf, atmete einmal tief durch und wischte sich den Schweiß mit den zittrigen alten Händen von der Stirn.
Nur ein Traum.
Er schüttelte den Kopf, und fragte sich abermals, was diese dummen Träume nur sollten. Der Alte konnte sich nicht mehr erinnern, warum er unbedingt zu dem Licht gewollt hatte, aber es war auch egal. Die wenigen Zähne die er noch hatte, knirschend, schlief er wieder ein.
Im zweiten Traum rannte er die metallenen Stufen abermals, jedoch herab, weg von dem schrecklichen Licht hinab in die sichere Dunkelheit. Das Uhrwerk, in dessen Maschinerie er gefangen war, pulsierte wie ein Herz, und mühsam lief er, so schnell ihn die alten Beine trugen. Der Turm wurde breiter, und langsam fühlte er sich wohler. Zahnräder tackerten nun nur noch ruhig umher und die breite Eingangspforte kam immer näher. Die gewaltigen Torwachen ignorierten den Alten, der langsam seinen Weg durch die Gitterstäbe und metallenen Vorrichtungen fand. Die Dunkelheit war hier kaum mehr durchdringbar, und er atmete tief durch, als die zittrigen Knochen langsam nachgaben. Wieder seiner Ausdauer beraubt, drückte er mit letzter Kraft die gewaltigen Klingen hinab und schob das Tor weit auf, ohne das ihn jemand behindert hätte. Draußen herrschte perfekte Finsternis, und je weiter er sich von den Geräuschen des Turmes entfernte, desto vollkommener wurde die Schwärze. Seine Knien begannen mit Schlottern, als kein Ton mehr zu hören war, und er brach zusammen. Dann verlor er sich in der Ewigkeit.
Erneut setzte er sich auf und schlug die kleine, verschrumpelte Hand gegen das Gesicht.
Jetzt aber genug.
Er wollte nur noch schlafen. Mürrisch drehte er sich im Bett herum und schloss die Augen.
Oben war das Licht, unten die Dunkelheit. Doch der dritte Traum war anders als die vorangegangenen. Obwohl er in der schrecklichen Geräuschkulisse des Uhrwerkes saß, in der grauen Welt, die weder Licht noch Dunkelheit war, verspürte er keinen Drang, zu laufen. Er war zufrieden, in der Mitte des Turmes, und nichts in der Welt würde ihn dazu bringen, nach oben oder nach unten zu gehen. Bald schloss er die Augen und ergötzte sich an den Tönen der ewigen Zahnräder.
In dieser Nacht entschlief der Alte in seinem Bett.
Ich werd sie später in meinen Thread nehmen, ich erhoffe mir nur mal ausnahmsweise ein wenig Kritik. 
Und ja, es ist zum Teil wieder eine doofe Karma-Geschichte. : A Aber es seit langem die erste, die mir so richtig gut gefällt. Wie gesagt, Kritik erwünscht.
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