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Thema: Cipos Thread ~

Hybrid-Darstellung

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  1. #1

    La Cipollas Anekdote über Menschen, die noch Ideale haben

    Das Werbung nicht gerade zu den Appetithäppchen der Gesellschaft gehört, ist eine allgemein anerkannte Tatsache, aber mittlerweile hat sich meine Meinung dazu noch ein wenig weiter in den Abgrund gebogen, und am Rande sei erwähnt, dass ich nicht gerade viel Zeit vor der Glotze verbringe, ich habe nicht mal mehr einen Fernseher. Bleiben wir aber trotzdem gleich beim Thema Fernsehen, denn was man bei Gesprächen oder dem Besuch freundlich gesinnter Wohnorte so aufschnappt, reicht bei weitem für eine ausgiebige Meinungsbildung. Das Letzte, was ich vor einigen Jahren noch im TV genoss, bevor ich jenen ganz aus meiner Welt verbannt habe, waren die Musikvideos und die dazugehörige Musik. Natürlich gefiel auch mir nicht alles, aber dafür gab es neben Viva ja auch noch MTV und Onyx, falls mal überhaupt nichts mehr kam. So. Heute gibt es noch mindestens 2 andere Sender, die alle irgendwie zusammenhängen, aber je mehr ich mich über die gesteigerte Vielfalt freuen wollte, je mehr fiel mir auf, dass diese nicht im Geringsten existierte. MTV und Viva zeigen nicht nur das Gleiche (Ami-Poser-Hip Hop, Deutscher Assi-Hip Hop, Bubblegum Pop und Möchtegern Uh-Was-sind-wir-heute-wieder-rebellische-Musik.), nein, offensichtlich gehören sie auch noch zusammen. Und die anderen Sender irgendwie auch. Onyx gibt’s gar nicht mehr. In Ordnung, dieser Zustand ist nicht nur erschreckend, sondern armselig, aber das i-Tüpfelchen kam ja erst noch. Früher schaltete ich immer weg, wenn „World of Music“ oder was auch immer ihre einmaligen Super-Sonder-Spar-Angebote anpreisten, auf nur 23 CD-Sammlungen, denn ich wusste, dass nur drei oder vier Werbeclips kamen, dann ging's mit Musik weiter. Heute werde ich erstmal von der Biba-Bumse-Biene begrüßt. Lasst euch diesen Namen mal auf der Zunge zergehen. Wobei, lasst es lieber… ich musste drei Mal hinhören, bevor ich es geglaubt habe. Die nächste Station war ein animiertes Vieh, das komische Geräusche von sich gibt und auf einem imaginären Motorrad irgendwo langfährt. Toll. Platz 1 bei irgendwas, ich will gar nicht wissen, wer die anderen Plätze belegt hat. Dann ein besoffener Elch und irgendwelche leidlich niedlichen Küken, bei denen man sich wundert, dass sie vor Pseudo-Niedlichkeit noch nicht implodiert sind. Mir reichts, denn als die Werbung vorbei ist, fängt eine Sendung an, bei der sich zwei vollbusige Tussies (Das Wort triffts) verbal um einen dauergrinsenden Idioten mit dämlichem Dialekt prügeln. Wenn ich so was sehen will, zwinge ich mich halt in eine Standard-Disco. Oder ich kaufe Premiere mit Beate Uhse, da labern die Tussies wenigstens nicht soviel Unsinn, außerdem gibt’s keine Werbung.
    Gehen wir ins Kino. Dort gibt ja auch keine Werbung. Jedenfalls nicht während des Films. „Fantastic Four“ (Wieso zur Hölle haben die das eigentlich nicht übersetzt?!). Eine Comic-Verfilmung, und damit Pflicht-Programm, schließlich muss man sehen, ob sich reelle Menschen in Latex-Kostümen gut machen. „Dann gehst du ja alleine Jessica Alba ansabbern!“ (Zitat meiner „Lebensabschnitssgefährtin“ ) Hm. Gut, hässlich ist „Die Unsichtbare“ wirklich nicht, aber mit blondierten Haaren und blauen Kontaktlinsen irgendwie nicht so richtig Dark Angel. Egal. Jedenfalls wird es dunkel im Raum, und ich freue mich schon ein wenig auf die Filmvorschau, im Hinterkopf immer die Hoffnung auf einen X-Men 3 Trailer, aber natürlich erstmal die Ernüchterung, fasst hatte ich es schon verdrängt. Auch im Kino muss man „normale“ Werbung ertragen. Ich schaue zu, teilweise sehr lustige und schöne Spots, die ich im TV komplett vermisst habe, aber als die Trailer anfangen, fällt mir ganz nüchtern etwas auf. Insgesamt 11 Werbungen. Drei davon waren Zigaretten-Werbung, einmal Bacardi. 2 Werbungen waren interessanterweise Anti-Raucherwerbung, eine gegen Alkohol am Steuer. Macht insgesamt 7 Werbungen für oder gegen Drogen. Die anderen vier waren entweder Regional (Stadtmagazin usw.) oder aber „Raubkopierer sind Verbrecher – Führt die Todesstrafe wieder ein!!“ oder so ähnlich. Deprimierend. „Lucky Strikes – Für Menschen, die noch Ideale haben.“ Häh?! Rauchen ist jetzt schon zum Ideal geworden? For a better world… „Rauchen verbindet!“. Genau. So wird’s wohl sein. Wenn ich aus dem Kino komme, stopf ich mir erst mal ne Packung F6 zwischen die Zähne und labere fremde Menschen an. (Natürlich nur Laute, die ebenfalls qualmen, schließlich verbindet Rauchen!). X-Men 3 Trailer gab’s auch nicht, muss wohl am Antialkoholismus oder an der Nichtraucherei liegen. Ich sollte meinen Lebensstil überdenken. Und morgen kauf ich mir einen Fernseher, gute Nacht.

  2. #2
    Echt lustig geschrieben, Kompliment. Das erste Wort ("Das") sollte imho "Dass" sein. Aber dein Ausdruck gefällt mir sehr gut, es kommt auf jeden Fall sehr viel rüber. Weitermachen!

  3. #3
    Ah, du sprichst mir aus der Seele. Ich bin auch einer der Wenigen, die nur alle paar Monate mal einen Fernseher im laufenden Betrieb länger als fünf Minuten zu Gesicht bekommen - danach nehme ich nämlich meist reißaus. Aber eben wegen diesen langen Zeitabständen fällt mir umso deutlicher die Entwicklung des Fernsehens und der Werbung auf. Ich kann dazu nur eines sagen: Brot und Spiele.
    Na dann!

  4. #4
    die idee ist ja recht niedlich. so mit dem kartenhaus und der wichtigen karte und dem ding dahinter... bla bla bla. darum gehts mir sowieso nicht, unwichtige details. was mir besonders ätzend ins auge fällt ist der letzte satz (bei der geschichte davor übrigens auch) - da ist die luft raus (gut, vorher war der ballon auch nicht echt aufgepustet) und du willst nur auf diesen karma-welt-seelen-moment hinaus. gefällt mir gar nicht. dieser poetische scheiss bringt nichts richtig rüber bzw. will für mich nichts interessantes rüberbringen. nichts, wo ich BOAH EY sagen würde. und wir erinnern uns: ohne BOAH EY ist das alles ein wenig überflüssig.

    vielleicht solltest du mal mehr ... mh.. anders denken. umdenken, neue ideen bringen und nicht sowas ödes.

  5. #5
    Hmm, die Überschrift passt nicht ganz zum Text.

    Inhaltlich: Muss ich zustimmen. Aber wer sich MTV oder Viva oder sonst nen Musiksender antut, ist selber schuld (sowohl werbung, als auch "Programm"). Obwohl die Werbung auf anderen Sendern auch nicht viel besser ist.

    Zitat Zitat
    „Fantastic Four“ (Wieso zur Hölle haben die das eigentlich nicht übersetzt?!).
    Du sprichst mir aus der Seele.

  6. #6
    *Hmm, lange nichts geschrieben*

    Also, erstmal SUPI, gefällt mir. Mit der Werbung hast du recht, nichts geht einem so auf den Zeiger wie gelbe Küken und ein Pseudofrosch der auf einem imaginären Motorrad fährt.
    Aber"Ami-Poser Hip Hop" ist doch etwas übertrieben.*50Centlauterdreh*obwohl da inzwischen auch schon Klingeltöne von gemacht werden. Geschmacklos, geradezu ekelhaft!

  7. #7
    Netter Text ^^
    Btw heißt das Vieh afaik Partybiene... die Bi Ba Bumsebiene ist ne Verarsche 8(
    http://www.ballz.de/toons/bibabumsebiene.html
    <__<

    Zitat Zitat
    .*50Centlauterdreh*

    Wenn 50cent mal nicht der absolute Standard-Mainstream Hip Hop ist ~~'
    Wobei ich mich mit sowas ja eh ned auskenne

  8. #8
    Hi,
    Sorry, ich finde den Text nicht wirklich lustig. Der Sarkasmus köchelt auf Sparflamme und die Intention ist für einen halbwegs medienkritischen Menschen nicht neu. Im Gegenteil: Jeder hatte vermutlich mal solche Gedanken, vielleicht sogar in genau der Form (weswegen es mir alles so alltäglich und gewöhnlich vorkommt, was eher zu einem Sachtext als zu einem Essay passt), es lohnt sich aber nicht, *so* einen Essay darüber zu schreiben - ein richtig guter Essay kann aus diesem Thema aber in der Tat entstehen, wenn mans denn richtig macht.

  9. #9
    Die Idee ist ja nicht schlecht, aber die Ausführung finde ich etwas mangelhaft. Das Ganze wirkt einfach zu~ sehr wie ein schlichtes...na ja, Brainstorming... Da fragt man sich, wo der RICHTIGE Text bleibt. Nichts für ungut, ich glaube nämlich, dass du es besser könntest.

  10. #10
    Es gibt ein Phänomen, welches so aussieht, dass erst sobald ein "mutiger" User in einem Thread eine kritische Meinung schreibt, auch andere sich trauen und plötzlich die positiven Antworten spärlicher werden. Müsst ihr mal drauf achten.

    Die Stelle in der bemängelt wird, dass im Kino sowohl pro- als auch anti-Raucher Spots gezeigt werden, gefällt mir. Aber der Rest ist ein wenig ... schonmal da gewesen. Ich mein MTVIVA ist schon seit geraumer Zeit (oder war vielleicht schon immer?) eine Gruppe schlechter Sender, da haben sich schon viele vor dir ausgekotzt. Des Weiteren wirkt der Stil imo künstlich. Überdenk noch einmal, ob das wirklich dein Genre ist. ^^

  11. #11
    Zitat Zitat von Stan
    Es gibt ein Phänomen, welches so aussieht, dass erst sobald ein "mutiger" User in einem Thread eine kritische Meinung schreibt, auch andere sich trauen und plötzlich die positiven Antworten spärlicher werden. Müsst ihr mal drauf achten.
    Ich weiß nicht, ob das wirklich so ist, aber ich kann dir sagen, dass ich garantiert nicht darauf gewartet habe, mich ins Fahrwasser der Kritik zu schmeißen

    Ich finde einfach bloß, dass das Ganze zu sehr eine Aufeinanderfolge von mehr oder weniger losen Gedanken ist -und das macht einfach noch keinen guten Text aus, egal wie gut die Intention dahinter auch sein mag.

  12. #12
    Bei dir hätte ich das auch nicht gedacht, aber generell würde ich mal darauf achten. ^^

  13. #13
    Erstmal ist es definitiv nicht mein Genre, aber manchmal muss es einfach sein.
    OK, die Meinungen gehen also endlich mal auseinander, wobei man in Bezug auf die positiven Meinungen auch beachten muss, dass ein solcher Text (wenn auch unbewusst) darauf ausgelegt ist, Gefühle im Leser hervorzurufen, die eine objektive Bewertung schwer machen. Es kotzt halt viele an, weshalb man geneigt ist, positiv zu bewerten, alleine schon, um die eigene Meinung auszudrücken.

    @Stan: Prinzipiell stimmt deine These. Allerdings nicht im Atelier, denn da hat das kaum was mit Mut zu tun, da eigentlich fast jeder davon ausgeht, Kritik zu kriegen und das sogar als positiv ansieht. (Ich jedenfalls *_* )

    Zitat Zitat
    Aber der Rest ist ein wenig ... schonmal da gewesen.
    Zitat Zitat
    Der Sarkasmus köchelt auf Sparflamme und die Intention ist für einen halbwegs medienkritischen Menschen nicht neu. Im Gegenteil: Jeder hatte vermutlich mal solche Gedanken, vielleicht sogar in genau der Form (weswegen es mir alles so alltäglich und gewöhnlich vorkommt, was eher zu einem Sachtext als zu einem Essay passt), es lohnt sich aber nicht, *so* einen Essay darüber zu schreiben - ein richtig guter Essay kann aus diesem Thema aber in der Tat entstehen, wenn mans denn richtig macht.
    Gabs alles schonmal, stimmt. Der Anfang auch. Kommt, weil ich Anekdoten einfach aus mir heraus schreibe, ohne wie bei einer Geschichte nachzudenken, ob es das schon einmal gab.

    Zitat Zitat
    Die Idee ist ja nicht schlecht, aber die Ausführung finde ich etwas mangelhaft. Das Ganze wirkt einfach zu~ sehr wie ein schlichtes...na ja, Brainstorming... Da fragt man sich, wo der RICHTIGE Text bleibt. Nichts für ungut, ich glaube nämlich, dass du es besser könntest.
    Und wie? Auch wenn es nicht mein Genre ist, wären Verbesserungsvorschläge nett.

    Zitat Zitat
    Aber"Ami-Poser Hip Hop" ist doch etwas übertrieben.*50Centlauterdreh*obwohl da inzwischen auch schon Klingeltöne von gemacht werden. Geschmacklos, geradezu ekelhaft!
    Jedem seins.


    Zitat Zitat
    Ich finde einfach bloß, dass das Ganze zu sehr eine Aufeinanderfolge von mehr oder weniger losen Gedanken ist -und das macht einfach noch keinen guten Text aus, egal wie gut die Intention dahinter auch sein mag.
    Stimmt wohl, aber den ein oder anderen hat es doch amüsiert, ich gehe jetzt mal nicht nur von den Leuten im Forum aus, sondern auch von denen, die die Anekdote "in echt" gelesen haben. Letztendlich wohl halt wirklich nicht mein Gebiet, aber das einzige meiner Gebiete, die hier gelesen werden, weil sie nicht zu lang sind.

  14. #14
    zu Fantastic Four:
    Ich denke das war schon ganz gut ,dass sie es nicht übersetzt haben. Der Filmtitel: "Die fantastischen Vier" hätte 1. zu eventuellen Verwirungen geführt und 2. weiß ich garnicht wie das rechtlich mit dem Namen der Gruppe in Kollision mit einem Filmtitel aussieht.

    Ansonsten kenn ich deine Meinung zu Pro-Raucher/Pro-Alkohol-Werbungen ja
    Das ist auch ein böses Volk..diese Konsum-abhängigen immer..tsts

    Und was heißt hier "Lebensabschnittsgefährtin" ?! ^^;; Das klingt als wär ich min. 65 oder aufwärts

  15. #15
    Dreckig

    Die Sonne scheint und der Wind fällt angenehm durch das weit offene Fenster, die Geräusche der Baustelle sind versiegt und endlich ist Ruhe eingekehrt. Eigentlich ist man guter Dinge, aber etwas bedrückt einen doch. Man fühlt sich dreckig. Man weiß nicht, warum, denn man hat sich nicht sonderlich angestrengt und stinkt auch nicht, die Kleidung ist sauber und die Haare gewaschen. Trotzdem fühlt man sich unwohl. Nach einem kurzen, schnell wieder verdrängten Gedanken an die Wasserrechnung nimmt man sich einen Haufen neuer Klamotten aus dem Schrank und bewegt sich ins Bad. Ein Strumpf fällt zu Boden, was aber egal ist, denn man braucht ihn jetzt eh nicht. Schnell wird der Wasserhahn aufgedreht und der Finger zögernd in das Nass gehalten. Nach einigem Rumprobieren stimmt die Temperatur und man wartet. Man wartet lange, schreckliche 5 Minuten, bevor die Wanne endlich voll ist, denn in ein halbvolles Becken möchte man nicht, unterbewusst hat man wohl Angst, nicht ganz sauber zu werden. Dann ist es soweit. Man setzt den Fuß langsam ins Wasser und die Hitze sendet heftige Emotionen durch das ganze Bein. Langsam taucht der ganze Körper ein und man gewöhnt sich an die Temperatur. Was sich erst zu heiß und unangenehm anfühlte, erscheint nun beruhigend, wunderschön und beinahe wie ein Segen. Nach einigen Minuten in einem Zustand zwischen Schlaf und Glückseligkeit schließlich überwindet man sich, ergreift die Dusche und wäscht sich Haare. Man spürt förmlich, wie die ersten Unannehmlichkeiten den Körper verlassen. Dann der Griff zum rauen Lappen und man wäscht sich. Es ist nicht nur angenehm, in dem Moment, in welchem man spürt, wie der Dreck den Körper verlässt, meint man, sich auf ewig rein halten zu können, als würde das Wasser wie ein ewig schützender Schirm auf uns liegen. Man wäscht die Sünden vom Körper. Dann ist es vorbei und man fühlt sich gut, man ist der festen Überzeugung, niemals wieder in diese Wanne zurückkehren zu müssen, denn trotz ihrer Wohltat ist es eine Beleidigung der Seele, dass man sie benutzen muss. Wie konnte man nur dreckig werden…? Man verdrängt und taucht tiefer in das angenehm warme Wasser ein. Wenn man ehrlich ist, würde der Körper wohl am liebsten ewig in diesem Becken schweben, in welchem er vor jeglichem Dreck beschützt ist. Denn insgeheim weiß man, dass nichts gut ist, man kennt es vom letzten Besuch in diesem Bad, wie auch von dem davor. Kaum hat man die Wanne verlassen, kaum ist man in frische Kleidung geschlüpft, überkommt einen das Gefühl schon nach kurzer Zeit wieder. Es wird nicht lange dauern, bis man wieder vor dem Schweiß der Sünde tropfen wird, bis das Bad - abermals - die letzte Rettung der Seele ist.




    Interpretationen erwünscht, vielleicht liest es ja tatsächlich noch jemand.

  16. #16
    Kartenhaus

    Ich sehe nur, wie die Karte vor mir sich wendet, und es erschreckt mich, gleich der ein oder anderen davor, wie wenig es mich stört. Es war eine wichtige Karte, eine Karte, die später das ganze Fundament halten wird, eine Karte, sowohl mächtig als auch wunderschön.

    Wie kaputt ist mein Geist, eine Karte als „wichtig“ zu bezeichnen? Was mute ich mir zu, wenn ich eine neue Karte aufdecke? Sie wird minder „wichtig“ sein, nicht das Selbe, etwas gänzlich anderes, und doch bezeichne ich die vorherige als „wichtig“, was nur der Beweis meiner vollkommenen Arroganz ist. Wie kann jemand, der hinter den Karten sitzt, auch nur hoffen, jemals ein Fundament zu errichten, wenn die Karten nicht perfekt harmonisieren? Nun tun sie es und trotzdem fühle ich Leere.

    Doch es ist Leere! Es ist kein Hass!

    Dort, wo fast ein jeder anderer Hass auf die Karte richten würde, die das Fundament abermals destabilisiert hat, empfinde ich nur Leere, und noch immer ist diese Karte eine der Besten überhaupt! Ich sehe es, den Sinn in diesem Wahne, den Grund in meiner vollkommenen Arroganz! Die wunderbare Karte hat mir diesen Sinn klargelegt, es fällt wie Schuppen von den Augen.

    Andere würden das Haus zerstören und von unten wieder neu anfangen.

    Meine Arroganz, die vollkommene Leere verbietet dies, vielleicht nur die Dummheit, aber vielleicht doch mehr. Wie soll jemand, der Hass auf so wunderbare Karten hat, jemals ein Kartenhaus in den Himmel führen, wenn er es immer wieder einreißt? Ich, der ich zum eigenen Verdruss so kaputt und arrogant bin, kann es auf mich nehmen. Abermals eine eitle Aussage, doch diese Macht, das Schöne nicht hassen zu können, ermöglicht es, das Haus zu vollenden. Irgendwann, bevor die letzte Karte aufgedeckt ist.

    Nun muss ich nur beginnen, neue Karten aufzudecken, und wenn doch keine jemals an die Perfektion der einen herankommen wird, die mir gezeigt hat, dass diese in neun Höllen verdammte Arroganz vielleicht doch ein Weg ins Glück der Menschen ist.

  17. #17
    Hm, jetzt wo dus sagst, stimmt, die beiden Sätze sind wirklich ein Bisschen ähnlich, waren aber nicht irgendwie geplant, weil ich beide Geschichten einfach aus Emotionen heraus geschrieben hab. Naja, es geht halt in beiden um Glück, aber gut, werds mir merken, danke.

  18. #18
    La Cipollas Anekdote über "normal"

    Während die depressiven Geschichten und Gedichte hier bei uns in letzter Zeit ja erfreulich abnehmen (Sommerstimmung?), fällt mir immer öfter ein andres Phänomen wie ein Hagelkorn ins Auge. Es geht um die regelrechte "Dämonisierung" des Normalen. Irgendwie ist es schon auffällig, wenn man die Geschichten der letzten Monate überfliegt, es fallen immer öfter Sätze wie "Aber Achtung, das ist ganz schön krank." in den Raum. Was folgt, ist dann meist eine Geschichte mit zweifelhaftem Inhalt, heißt auf gut Deutsch, man muss die Interpretation schon fast von einer anderen Existenzebene holen, um Sinn in die Sache zu bringen, und selbst dann besteht noch begründeter Zweifel daran, ob der Autor jenen Inhalt überhaupt geplant hat. Man fragt sich dann, was krank daran ist, Sätze und Wörter hintereinanderzukleben, die keinen Sinn ergeben. Vor allem sollte man sich auch mal in Gedanken rufen, was an einem eigentlich negativ belegten Wort wie Krank so verdammt faszinierend ist?

    Das Ganze hört hier im Atelier aber bei Weitem noch nicht auf. Ein Themenbereich, wo dieses Phänomen schon viel länger bekannt ist, ist die Musik. Kaum jemand hier im Forum würde zugeben, Pop- und Chartsmusik zu hören, viel beliebter sind da schon eher sogenannte "Independent"-Bands, also dem Wort nach unabhängige Musiker, was natürlich, nüchtern betrachtet, eine ordentlich stupide Einordnung ist. Wenn man den Bereich nicht kennt, weiß man mit "independent" auch nichts anzufangen, selbst "Volksmusik" ist eine treffendere Genrebeschreibung, wobei das Gejohle der bayrischen Dirndl-Mädchen und Ziehharmonika-Jungens schon so überhaupt nichts mehr mit irgendeinem Volk zu tun hat. Ein anderes Beispiel sind natürlich Punk- und Gothic-Bands bzw. Interpreten, die seit der Gründung der beiden Genres versuchen, sich von der Masse abzusetzen. Dass Wörter wie "Konformisten" oder "Stino" überhaupt Einzug in den Sprachgebrauch gefunden haben, ist an sich schon ein Armutszeugnis. Der Mensch versucht halt, sich von den anderen abzusetzen, und dieser Versuch kann teilweise schon Formen annehmen, die mehr lächerlich als alles andere sind. Ein gutes Beispiel ist die Band "Oomph". Die Mitglieder treten nur noch schwarz geschminkt auf, in den Videos sieht man weit aufgerissene Augen und Blut. Das Ziel ist klar, die Band will "böse" wirken, um ihre Zielgruppe von der "guten" Elternwelt abzugrenzen. Dieser Versuch allerdings ist so überzogen, dass nun schon wieder andere kommen und meinen, Oomph sein ebenfalls eine kiddie-Band, heißt also, eine Band für "Normalos", um es mal krass auszudrücken, denn etwas anderes bedeutet dieses Wort nicht. Kind, sozusagen jemand, der noch keine ernstzunehmende Meinung hat. Entsprechende Leute hören dann lieber Bands, die genau auf der Kante zwischen "bekannt" und "volllkommen egal" stehen. Eben jene Musiker, die noch nicht weit genug herumgekommen sind, um beliebt zu sein, die sich aber trotzdem schon in den "Szenen" einen Namen gemacht haben. Herr Alexander Kaschte von Samsas Traum bzw. Weena Morloch singt in einem seiner beliebtesten Goth-Disco-Lieder schließlich nicht umsonst 10mal hinternander "Ich bin wirklich krank!!". Was daraus allerdings resultiert ist die Tatsache, dass sich genügend Leute von "ihrer" Band abspalten, sobald sie bekannt wird, teilweise sogar mit einer Aussage a la "Die sind nicht mehr true und machen kommerzielle Musik".
    Als Antwort auf die langweilige Musik der alten Leute in den Zwanzigern kam der Jazz, als Antwort auf diesen der Rock, und als selbst der Rock zu "normal" wurde, erfand irgendein gewiefter Geschäftsmann schließlich Heavy Metal und Punk. Diese Liste ließe sich endlos so weiter führen, aber irgendwo ist damit rein logisch gesehen auch mal Schluss, denn viel weiter als rein elektronische Kreisch-Musik ohne Melodie geht es kaum noch. Die Antwort ist leicht: Man fängt wieder von vorne an. Um sich von dem Independent- und Punk-Einerlei abzusetzen, hört man wieder Klassik, Johny Cash und Janis Choplin (Hab ich sie richtig geschriebene?). Natürlich kann man dieses Verhalten nicht verallgemeinern, denn mehr als genug Leute hören Musik aller Sparten, ohne darauf zu achten, was der Rest denkt. Trotz allem haben "kranke" Musiker immer eine gewisse Faszination auf viele Menschen, was ja nach dessen Aussage bspw. auch der Hauptgrund des Erfolges von "Schockrocker" Marylin Manson ist.

    Bei Filmen ist es ebenso, Kunstfilme und Gewaltfilme werden immer beliebter, und je seltener sie irgendwo zu sehen sind, desto besser, denn desto unnormaler. Ich rede auch an dieser Stelle nicht von Leuten, die sich betreffende Filme angucken, weil sie sich dafür interessieren, sondern von denen (und davon kenne ich leider zu viele...), die sowas nur "inhalieren", um später darüber erzählen zu können.

    Am Ende kommt bei allen das Gleiche raus, sei es die "normale" allgemein verpönte Popmusik, der "amerikanische Hollywood-Kapitalismus" oder die "schon mal dagewesene" Geschichte, Dinge, die nicht außergewöhnlich sind, werden oft als Ganzes verurteilt, ohne sich ernsthaft mit dem Einzelnen beschäftigt zu haben. Der Japano-Wahn geht natürlich in die selbe Richtung, einerseits wurde Visual Key ja nun mal als Abgrenzung erfunden (möchte ich behaupten), andernseits gibt es genügend Leute, die inzwischen alles Japanische ablehnen, mit den Argumenten, es sei Japano-Kiddy Kram. Ich meine, man sollte ein wenig offener sein, auch den Dingen gegenüber, für die sonst keinerlei Sympathien hegt, und wenn man das nicht kann, soll man nicht urteilen. Denn ich zweifle daran, dass es einen Punk gibt, der nicht irgendein Pop-Lied toll findet, wenn er es auch nicht zugeben würde. Muss er auch nicht. Er soll nur nicht sagen, dass jegliche Popmusik fürn Arsch ist. Das gilt Imho für alle Themen.

  19. #19
    naja. das es so ist wie dus beschreibst ist klar. das kann man eigentlich gar nicht bezweifeln.
    ich weiß jetzt nicht ganz was ich dazu sagen soll...ich red einfach mal drüber wies mir hier im atelier vorkommt
    (übertriebenes beispiel, m-p ist sicher nicht der auslöser aber meiner meinung nach gibt es halt einige der im folgenden beschriebenen leute hier im atelier)
    m-p hat irgendwann mal angefangen, seine lustigen geschichten zu veröffentlichen - die waren gar nicht krank, nicht total durchgeknallt oder so, sie waren einfach gut zu lesen, unterhaltend und wollten einem nicht irgendeine sozialkritik aufzudrücken. dann kamen leute, die das meiner meinung nach nicht verstanden haben. die finden es krank wenn es elefanten regnet - nicht ungewöhnlich oder kreativ oder einfach nur witzig. dann schrieb einer dieser jemande eine dumme kleine geschichte, die noch "kränker" als m-ps zeug sein sollte, setzte sich aber gewaltig in die nesseln, weil er einfach vergessen hatte, das eine geschichte mehr als eine aneinderreihung von schockeffekten ist. jo. naja, das ist so das was ich hier so gesehen habe. wie gesagt, ich denke das es bei mindestens einem ungefähr so gelaufen ist, vielleicht nicht mal mit böswilligen absichten namen werd ich hier aber nicht nennen.

    die musikssache...ja, independent ist trend, aber seltsamerweise kenne ich, wenn ich im musikforum lese, 80% der bandnamen, die angeblich so independent sind, obwohl ich eigentlich hauptsächlich ("underground/independent") hip hop höre (wobei da dann wieder nur 20% der musikforumleser mit den namen was anfangen können, ich bin also viel independenter als ihr ). leute die den kram selber veröffentlichen oder auf irgendwelchen minilabels und so. das hat nichts damit zu tun, das die musik automatisch besser ist, wenn du nicht kommerziell erfolgreich is, sondern das ich den sound mag. eher dreckige, minimalistische beats, raps, die sich mit mehr als nutten und drogen beschäftigen etc. sowas ist (leider!) nicht erfolgreich, ich würde mich freuen bestimmte sachen in den charts zu sehen...
    naja. mir ist es im endeffekt egal. ich hör alles was mir gefällt, und wenn white stripes ein gutes album machen (obwohl die für viele seit den letzten beiden alben ja auch schon wieder zu kommerz sind ), dann hol ich mir das. ich unterstütze nur gewisse msuik bewusst nicht, selbst wenn mir da mal ein lied gefällt. einfach, weil die masse der musik so beschissen langweilig ist, das es zu meinem eigenen nachteil ist, sie auch noch zu unterstützen.
    neues ist nicht automatisch gut, aber meiner meinung nach immer noch besser, als (zb bei geschichten) nach tausend jahren roman immer noch die selben geschichten zu schreiben. die menschen wollen im allgemeinen gar keine neue form der geschichte, sie sind mit dem althergebrachten zufrieden, warum auch immer. james joyce zb - er schrieb genial, aber ist im grunde nur in fachkreisen bekannt geworden. er schrieb im grunde "normale" geschichten, aber in ungewöhnlchem stil. das interessiert nur leider keinen, weil die menschen immer noch auf dem stand des gilgameschepos sind, weil geschichten und romane immer dieselbe struktur haben, sonst sind sie nicht "gut", wie einem schon die deutschlehrer erzählen. es interessiert mich im grunde nicht, was ihr mögt, aber ICH will mehr davon, vor allem mehr gutes. es gibt viele die "ungewöhnlich" schreiben, aber im endeffekt sind 70% davon dann wieder dreck. ich will mehr burroughs, mehr wilsons, mehr joyces. keine kopien, sondern eigene werke, die wirklich eigen sind, sich im stil nicht nur durch ein paar unterschiedliche wörter unterscheiden, wie das hier im atelier ja leider auch der fall ist. man kann im atelier praktisch nur noch zwischen "ist flüssig lesbar und hat wenigstens eine idee, die an den standard rankommt, ab dem unterhalten wird" und "talentlos." unterscheiden. meiner meinung nach. natürlich nicht in allen fällen.

    im endeffekt: es ist mir egal, unter was für einer kategorie etwas läuft, hauptsache, es gefällt mir. es gibt klar eine tendenz zu kreativem, aber die ist nicht so ausgeprägt, das ich nichts aktzeptieren würde, was kein stephen king oder robert anton wilson ist.

  20. #20
    Dann oute ich mich mal: Ich steh auf Mainstream. Zwar den von vor zwanzig Jahren, aber trotzdem Mainstream...
    Was ich damit sagen will: Ätschibätsch, ihr angepassten, absolut nicht individuellen Underground-Hörer, ich mag viel ungewöhnlichere Musik als ihr :.

    Geändert von Liferipper (18.07.2006 um 16:37 Uhr)

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