Aktuelle Mail: MailfromSoheil (07/05/16) - Der stärkste Vater der Welt
Abgeschickt am: Mittwoch, 16.05.2007
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Der stärkste Vater der Welt

Der folgende Text stammt aus der Amerik. Zeitschrift "Sports Illustrated".
Ich würde euch empfehlen, den Text im Englischen Original auf dieser Seite zu lesen: http://cjcphoto.com/can/


Da ich aber weiß, dass es unter euch sehr Viele gibt, die die vielen Englischen Texte in der MailfromSoheil verteufeln, habe ich meine Schwester gebeten, den Text für mich ins Deutsche zu übersetzen:


Ein Text von Rick Reilly:
Ich versuche ein guter Vater zu sein. Gebe meinen Kindern Eintopf. Arbeite bis spät in die Nacht, um ihnen ihre SMS zu finanzieren. Nehme sie mit, wenn wir ein Foto-Shooting für unsere Bikini-Ausgabe haben.

Doch verglichen zu Dick Hoyt, bin ich eine Niete.

85 mal hat er schon seinen behinderten Sohn Rick durch ein 26 Meilen Marathons geschoben. Acht mal hat er ihn nicht nur 26,2 Meilen in einem Rollstuhl geschoben, sondern ihn auch 2,4 Meilen, schwimmend, in einem Schlauchboot gezogen, und ihn danach in einem Sitz auf dem Lenker seines Fahrrads gefahren - und das alles an einem Tag.

Dick fuhr mit ihm sogar Ski-Langlauf, trug ihn beim Bergsteigen auf dem Rücken und zog ihn quer mit dem Rad durch die Staaten. Tja, dagegen schaut das Bowlen mit dem kleinen Sohnemann sehr lahm aus, nicht wahr?

Und was hat Rick für seinen Vater getan? Nicht viel - außer, dass er ihm das Leben gerettet hat. Diese liebevolle Geschichte begann vor 43 Jahren in Winchester, Massachusetts, als Rick während der Geburt beinah von seiner Nabelschnur erdrosselt wurde. Dadurch blieb er hirngeschädigt und außer Stande seine Gliedmaßen zu kontrollieren.


"Er wird sein ganzes Leben vor sich hin vegetieren", sagten die Ärzte zu Dick und seiner Frau Judy, als Rick 9 Monate alt war.
"Steckt ihn in einem Heim!"


Doch die Hoyts haben das den Ärzten nicht abgekauft. Sie bemerkten wie Ricks Augen sie durch das gesamte Zimmer verfolgten. Als Rick 11 Jahre alt war, brachten seine Eltern ihn zu der Fakultät für Ingenieurwesen in der Tufts Universität und fragten, ob irgendeine Möglichkeit bestehe ihren Jungen das Kommunizieren zu ermöglichen.“ Auf gar keinen Fall“ sagte man Dick. „ Es tut sich nichts in seinem Gehirn“.

„Erzählt ihm einen Witz“, erwiderte Dick. Das taten sie. Und Rick lachte. Es schien, dass sich viel in seinem Gehirn tat. Angeschlossen an einem Computer, der ihn ermöglichte einen Cursor zu betätigen, indem er den Schalter mit der Seite seines Kopfs berührte, war Rick schließlich im Stande zu kommunizieren. Seine ersten Worte? "Go Bruins!"

(Anmerk.: Das bezieht sich auf das Boston Bruins Eishockeyteam. Dies war der Moment, in dem Ricks Eltern von seiner Sportbegeisterung erfuhren.)
Und nachdem ein Schulkamerad nach einem Unfall gelähmt worden war und die Schule ein Wohltätigkeitsrennen für ihn organisieren wollte, sagte Rick auf einmal: "Dad, ich möchte da mitmachen."


Ja, richtig gelesen. Aber wie sollte Dick, der sich selbst gerne als "Mastschwein" beschrieb und niemals mehr als eine Meile am Stück gelaufen war, seinen Sohn 5 Meilen schieben? Trotzdem, er versuchte es. "Danach war ich der jenige, der behindert war", sagt Dick. "2 Wochen lang tat mir alles weh!"


Dieser Tag veränderte Ricks Leben. "Dad", tippte er, "als wir mitgelaufen sind, fühlte sich das an, als wäre ich nicht mehr behindert."

Und dieser Tag veränderte wiederum Dicks Leben. Er wurde besessen davon, Rick dieses Gefühl so oft wie möglich zu geben. Dadurch kam er dermaßen in Form, dass er sich im Stande fühlte, mit Rick am Boston Marathon (1979) teilzunehmen.

„Auf gar keinen Fall“, sagte die Rennleitung zu Dick. Die Hoyts waren weder ein einziger Läufer, noch ein Teilnehmer in Rollstuhl. Die ersten Jahre schlossen sich Rick und Dick dem Hauptfeld einfach an, um überhaupt zu rennen. Dann fanden sie schließlich einen Weg, um für die Rennen zugelassen zu werden:

1983 rannten sie in einem weiteren Marathon so schnell, dass sie sich für das Boston Marathon im folgenden Jahr qualifizierten.


Dann sagte jemand: "Hey Dick, warum nimmt Ihr nicht an einem Triathlon teil?"


Wie sollte ein Kerl, der niemals das Schwimmen gelernt hatte und seit seinem 6. Lebensjahr nicht Fahrrad gefahren war, seinen 55 Kilo schweren Sohn durch einen Triathlon ziehen? Und trotzdem, Dick versucht es.


Mittlerweile haben sie schon an 212 Triathlons teilgenommen, einschließlich 4 zermürbende 15-Stunden lange Ironmans in Hawai. Es muß doch niederschmetternd sein, ein 25 Jahre alter Hüpfer zu sein, der von einem alten Kerl, der einen erwachsenen Mann in einem Schlauchboot zieht, überholt zu werden, nicht wahr?


"Hey Dick, wieso probierst du das nicht mal alleine?" "Auf gar keinen Fall", sagt er. Dick tut das nur, für das unbeschreibliche Gefühl, die ihn überkommt, wenn er das süße Lächeln auf Ricks Gesicht sieht, wenn sie zusammen rennen, schwimmen und fahren.


Im Alter von 65 und 43 Jahren beendeten Rick und Dick dieses Jahr den 24.Marathonlauf mit dem 5.083sten Platz von mehr als 20.000 Mitstreiter.

Ihre beste Zeit, fragen Sie? 2 Stunden und 40 Minuten im Jahre 1992 - nur 35 Minuten vom Weltrekord entfernt. Nur damit wir uns richtig verstehen: Dieser Rekord wird von einem Mann gehalten, der nicht dabei einen anderen Mann im Rollstuhl schiebt.


"Keine Frage" tippt Rick, "Mein Vater ist der Vater des Jahrhunderts!"


Auch Dick konnte einen Vorteil aus dieser Sache ziehen. Vor 2 Jahren hatte Dick während eines Rennens einen leichten Herzinfarkt. Die Ärzte erkannten, dass einer seiner Arterien zu 95% verstopft war.

"Wenn Sie nicht so gut in Form wären.", sagte ein Arzt,“ wären Sie bestimmt vor 15 Jahren gestorben."

So gesehen, haben sich Dick und Rick in Gewisserweise gegenseitig das Leben gerettet.


Rick, der seine eigene Wohnung hat (er wird zuhause gepflegt) und in Boston arbeitet und Dick,der vom Militär pensioniert ist und in Holland (Massachusetts) lebt, finden immer eine Gelegenheit , um zusammen zu sein. Sie halten Reden im ganzen Land und nehmen jedes Wochenende an einigen zermürbenden Rennen teil – genauso wie an diesem Vatertag.


An diesem Abend, lädt Rick seinen Vater zum Essen ein. Jedoch wird er das Geschenk, das er am Liebsten seinem Vater schenken möchte, nie kaufen können.


"Das, was ich mir am meisten wünsche", tippt Rick, "ist, dass mein Vater in meinem Rollstuhl sitzt und ich ihn einmal schieben darf."


Link zum Video