Man verzeihe mir die folgenden Posts, aber aus Gründen der Wiederherstellung des Romans werde ich die Episoden in zwei, max. 3 Posts zusammenfassen.
Sollte ich deswegen eine Verwarnung erhalten, kein Problem.
DJ n

Episode by Fried:
Nichts. Rein gar nichts. Nichts bis auf ein lang gezogenes, nervtötendes Rauschen mit einigen in unregelmäßigen Abständen auftauchenden Knackgeräuschen. Josh saß aufgeregt auf seiner Unterlippe kauend ( was wohl ziemlich bescheuert aussehen musste) neben dem Funkgerät welches er über ein grün leuchtendes Schaltpult bediente und warf ab und zu einen Blick aus dem einem der Bullaugen und sah beunruhigt wie die großer schwarzen Jäger, die ihn an die riesigen Vögel die früher manchmal durch die Häuserschluchten seiner Geburtsstadt gezogen waren erinnerten, immer näher kamen. Winyett murmelte leise irgendwelche Verwünschungen, starrte auf den Boden, hob dann manchmal den Kopf und sah ihn durchdringend an, als warte sie auf Zeichen, das sie würden. wutentbrannt schleuderte Josh die metallenen Kopfhörer von sich, lehnte sich zurück und schloss die Augen, jede Lockerheit war von ihm gewichen.
"Nichts?"
"Nein. Alle Signale werden geblockt, keinen blassen Schimmer warum."
"Verdammt......."
Die unerwartete Stille legte sich wie eine Decke über die beiden Insassen der Rettungskapsel. Wie betäubt saß Josh an der kalten stählernen Wand und wartete auf das unvermeidliche.
„Und jetzt? Was passiert jetzt mit uns?“, fragte Winyett, obwohl sie sich eigentlich schon ausmalen konnte was als nächstes kommen würde.
„Nun..... sie werden uns auf ihr Schiff holen, ausfragen, foltern, wieder ausfragen, foltern bis wir um Gnade winseln und das ganze wird darauf hinauslaufen das ich erschossen werde und du an die Corp. Übergeben wirst“, meinte der ASR-Agent in gleichgültigem Ton. Winyett konnte Joshs Gesicht nicht sehen, doch war sie sich über die Bitterkeit die hinter seiner albernen Ausführung steckte im klaren.
Stille. „Außer vielleicht.....“, murmelte Josh zaghaft in die Dunkelheit,„Außer was?“, gab Winy entnervt zurück, dieser Typ ging ihr langsam auf die Nerven. Josh beugte sich grinsend vor und sah ihr fest in die Augen, „ Der Plan ist zwar alt, aber immer wieder gut.“

Der Pilot und seine aus zwei Soldaten bestehende Besatzung schritten die spiegelglatte Treppe zum Schleusentor in Windeseile hinab. Grade erst hatten sie die antriebslos im All herumgondelnde Kapsel in den Bauch ihres Jägers aufgenommen. Der Pilot machte halt, musterte das offenbar unbeschädigte Fluchtobjekt und ließ dann einen seiner Männer die runde Stahltür öffnen. Als sich in der Finsternis dahinter eine undeutliche Bewegung abzeichnete entsicherte der andere Soldat seine Waffe und fixierte die hoch gewachsene gestalt die aus der Kapsel heraustrat. Die Verwunderung des Personals war groß, da der schwarzhaarige Mann mit den scharf geschnittenen Gesichtszügen die Uniform eines Corp.-Beamten trug und vorschriftsmäßig vor der Beatzung salutierte.
„Identifizieren sie sich!“, blaffte der Pilot in hartem militärischen Ton.
„Pliskin, Samuel Pliskin, Gefreiter der 26. Sturmbrigade“, gab der Angesprochene Umschweife zurück. „Soso“, sagte der Pilot kalt lächelnd, „können sie mir verraten wieso sie in einer Rettungskapsel durch den Weltraum treiben?“
„Wir wurden angegriffen, Sir“, war die Antwort.
„Angegriffen?“, der Pilot musterte den Neuankömmling misstrauisch, „Von wem?“
„Ich weiß es nicht Sir. Es ging alles viel zu schnell. Das feindliche schiff konnte nicht geortet werden. Auf einmal stand alles in Flammen und der Kommandant befahl uns, sofort das Schiff zu verlassen“, gab der Soldat in abgehackten Sätzen zurück.
„Wie ist der Name des zerstörten Schiffes?“
„Neberus, Sir“
„Ach wirklich?“, wieder umspielte ein gekünsteltes Grinsen die Lippen des Piloten, „Ich wusste gar nicht das die Neberus wieder in diese Gefilde eingedrungen ist.“
„Es war ein Befehl von oben. Wir sollten unverzüglich zurückkehren. Das ist alles was ich weiß.
Der Pilot hob die Augenbrauen, scheinbar wartete er auf mehr.
„Ich kann ihnen die Koordinaten zeigen, Sir“
„Nun gut, dann kommen sie mit“, meinte der Pilot und führte den von den beiden Soldaten bewachten „Schiffbrüchigen“ aus der Schleuse hinaus. Winyett sah sich kurz um und stieg dann aus der Kapsel.


Episode by Winy:
Winy sah sich um. Im Hintergrund verklangen leise die Schritte von Josh und den Corp. Männern auf dem Metallboden. Sie waren weit genug entfernt um Winy nicht mehr gefährlich werden zu können. Durch diese Tatsache beruhigt tat Winy einen weiteren Schritt in den Raum und blieb abrupt stehen. Diese ganze Umgebung kam ihr so vertraut vor, dass sie für einen Moment den Atem anhalten musste um sich unter Kontrolle zu bekommen und nicht irgendetwas zu machen, das sie später ganz bestimmt bereuen würde. Was tat sie hier überhaupt? Sie hatte einen Anschlag auf ein Gebäude der Corp. verübt, hatte gegen Fireburn gekämpft, den Oberbefehlshaber der Corp. Truppen und befand sich in Gesellschaft eines- wohlmöglich alles andere als vertrauenswürdigen- ASR Agenten, den sie kaum kannte und der sich jeden Moment als Verräter herausstellen konnte. Und nun drang sie gerade in ein ihr wohlbekanntes Raumschiff der Corp ein, um –was auch immer- irgendwas zu machen. Es war schon lange her, dass sie so ein schlechtes Gewissen hatte. Sie hatte ihre Eltern verraten, die sich tagtäglich um sie gekümmert hatten, ihre Zeit für sie geopfert hatten und arbeitete nun gegen sie. …Welch Ironie des Schicksals. Wenn es Gott wirklich gab, musste er ziemlich grausam sein.
Mit einemmal hatte Winy alles verloren, was ihr je etwas bedeutet hatte. Sie fühlte sich einsam. Einfach nur einsam…und verlassen.
…Aber wer weiß…vielleicht gab es doch noch einen Weg zurück…vielleicht würden ihre Eltern ihr alles verzeihen… Nein. Nein, an so etwas durfte sie nicht denken. Was sie verlange war absolut unmöglich. Wenn ihre Eltern sie kriegen sollten, konnte sie sich freuen, wenn sie Winy schnell umbrachten, das wäre wohl das Beste. Aber das würden sie nicht tun. Dafür wusste Winyett viel zu viel…
Mit einem ärgerlichen Kopfschütteln verscheuchte Winy diese Gedanken und bemerkte, dass sie immer noch vor der Rettungskapsel stand, Löcher in die Wand ihr gegenüber starrend. Wäre in diesem Moment ein Corp Agent den Weg zur Luftschleuse abgeschritten, wäre es ein leichtes gewesen, Winyett zu überrumpeln, was natürlich nicht heißen sollte, dass es nicht auch sonst leicht wäre. Ja…ihre einzige Waffe war ein Lichtschwert, mit dem sie kaum umgehen konnte. Die Corp Leute würden sich kaputtlachen, wenn sie Winy mit dem Schwert hantieren sahen. Vielleicht hätte sie Fireburns Schwert mitnehmen sollen…(das war wie in einigen zweitklassigen Horrorfilmen, die es früher gab, ärgerte sich Winyett. Jemand schlug dem Killer die Waffe aus der Hand, war aber entweder zu dumm oder zu faul sie mitzunehmen.)
Wieder hätte sich Winy am liebsten vor Wut irgendwo hin gebissen. Fireburn. Wahrscheinlich hatten ihn die Corp Spinner schon wieder befreit, bevor die ASR Spinner ihn holen konnten und um Winys Glück perfekt zu machen, würde Fireburn natürlich sofort eine Nachricht an alle Raumschiffe in der Gegend senden und die Corp Angestellten brauchten sich nur die Identifikationsnummer der Rettungskapsel ansehen, um zu begreifen, wer in Wirklichkeit auf dem Raumschiff gelandet war- es sei denn sie waren dumm oder einfach nur unfähig. Natürlich würde es auf dem Raumschiff dann bald vor Corp Agenten wimmeln und Winy und Josh konnten sich eines besonders qualvollen Todes erfreuen.
Winy verdrehte die Augen. Genau so etwas brauchte sie jetzt. Ein paar negative Gedanken, die sie…ja was eigentlich? Sie hatte keine Ahnung, aber irgendwie kam es ihr so vor, als würde sie nur noch negativ denken in letzter Zeit. War ja eigentlich auch kein Wunder, bei dem Mist, der passiert war und das in sekundenschnelle sodass sie selbst noch kaum durchblickte.
Winy seufzte resignierend. Jetzt stand sie immer noch vor der dummen Kapsel, anstatt irgendetwas zu tun. Irgendetwas, das ihr vielleicht in dieser Situation helfen konnte…
Zuerst wäre es vielleicht hilfreich, irgendetwas zu besorgen, womit sie ihre Wunde versorgen konnte, die tat mittlerweile wieder ganz schön weh. Die Wunde war mittlerweile nicht mehr am bluten, aber dafür verklebte das mittlerweile geronnene Blut ihre Schulter, wie ebenso ihren schwarzen Mantel. Als wäre das nicht genug, sandte die Wunde bei jeder Bewegung stechende Schmerzen durch ihren Körper. Agentin schien wohl doch nicht der richtige Beruf für Winy zu sein…wenn sie hier heraus kommen sollte, würde sie nur noch Computer hacken und zwar von ihrem Büro aus. Keine waghalsigen Aufträge mehr, die die ASR ihr sowieso nicht dankte, das stand fest. Danke, aber noch so etwas musste sie wirklich nicht haben…
Mit schnellen Schritten bewegte sich Winy auf die Schleuse zu, die vorhin auch Josh und die Corp. Angestellten durchschritten hatten. Irgendwo in der Nähe musste ein Lager sein, wo sie Medikamente finden konnte…und womöglich auch Waffen. Die brauchte Winy wohl noch dringender, wenn sie es schaffen wollten von diesem Raumschiff und aus der Reichweite der Corp zu entkommen. Und Schmerzen vergingen irgendwann wieder…
Die Schleuse öffnete sich mit einem leisen Surren, das Winy aber in ihrer derzeitigen Situation unheimlich laut vorkam, dass sie sich am liebsten die Ohren zugehalten hätte. Hoffentlich hatte es niemand gehört. Unbehelligt betrat sie den großen Raum hinter der Schleuse. Obwohl…Raum konnte man ich eigentlich nicht nennen, es war eher ein Gang. Ein großer Gang, von dem mehrere kleinere Gänge abzweigten und mehrere gleich aussehende Türen. Keine war beschriftet. Na toll. Winy entschloss sich, die erste Tür auszuprobieren und zu sehen, wohin sie führte. Im selben Moment ging diese Tür auf und Winy sah sich einem unfreundlich dreinblickenden Corp. Angestellten entgegen. Anstatt sich umzudrehen und wegzulaufen blieb sie einfach stehen. Als der Corp. Mann sie sah, wurde sein Blick noch unfreundlicher und er stemmte die Hände in die Hüften, um sie gleich darauf unfreundlich zu mustern. Winy verfluchte sich in Gedanken dafür, dass sie nicht besser aufgepasst hatte, aber nun hatte weglaufen keinen Zweck mehr. Vielleicht hatte sie doch noch eine Chance…
„Sind Sie die Computer Spezialistin?“, blaffte der Corp. Angestellte und seine Augen verengten sich zu Schlitzen, die beinahe in seinem massigen Gesicht verschwanden.
„Äh…wie bitte?“
„Ob Sie die Computerspezialistin sind, verdammt? Ist das denn so schwer zu verstehen?“
Winy brachte eine steife Bewegung mit ihrem Kopf zustande, die nach einem Nicken aussah. „Ja…ich bin…Ich meine: Die bin ich.“ „Pah, ich dachte schon, es kommt keiner mehr. Ich hab den Idioten vor Stunden gesagt, dass sie mir jemanden schicken sollen. Verdammte Idioten… Los, folgen Sie mir.“ Der Corp. Angestellte schlug die Tür mit so einem Schwung auf, dass sie mit einem ohrenbetäubenden Scheppern gegen die Wand schlug und laut in den Angeln knarrte, bevor er hindurchging. Winy folgte ihm, leicht zögernd und bemüht, ihn nicht ihre Nervosität anmerken zu lassen. Mit dem Typen wollte sie es besser nicht zu tun bekommen. Hinter der Tür befand sich ein kleiner Raum, in dem sich praktisch nicht mehr befand als ein Computer und ein eingestaubtes Regal, gefüllt mit CDs und anderen Datenträgern. Nichts wirklich Interessantes.
Der Corp. Angestellte trat an den Computer und erwartete anscheinend, dass Winy es ihm gleich tat, denn er warf ihr einen auffordernden Blick zu, der seine Wut aber kaum verbergen konnte. Die Hackerin beeilte sich seiner Aufforderung folge zu leisten und ging ebenfalls in den Raum hinein, zum Computer. „Nun? Was ist damit?“ Das wusste sie auch ohne zu fragen, aber trotzdem entschloss sich Winy erst einmal die Ahnungslose zu spielen. Besser keine Aufmerksamkeit erregen. Jedenfalls nicht, wenn sie keine Lust auf ein Meeting mit dem Kommandeur dieses Raumschiffs hatte, der ganz sicher nicht so ahnungslos war, wie dieser wütende Jemand hier im Raum. Der Typ konnte seinen Beruf eigentlich nicht besonders ernst nehmen. Selbst einem Blinden wäre die verkrustete Wunde an Winyetts Schulter aufgefallen.
„Jemand hat einen Virus in unser System eingeschleust. Ich will, dass Sie ihn entfernen.“ Winy sah ihn einen Moment lang abschätzend und mit einem merkwürdigen Blick an, setzte sich dann kommentarlos an den Computer. Über so eine Unfähigkeit konnte sie doch wirklich nur den Kopf schütteln. Dass die Corp. wirklich nicht in der Lage war, einen Virus von ihren Computern zu entfernen…Oh, den kenne ich doch. „Schaffen Sie das?“ „Ja.“ Mal angesehen davon, dass sie diesen Virus selbst programmiert hatte, hätte er auch sonst keine Probleme für sie dargestellt. Und so hatte sie eine gute Ausrede, weshalb sie auf dem Raumschiff war. Vielleicht sollte Winys Pechsträne doch einmal ein Ende haben.
„Keine Sorge, ich glaube, das bekomme ich hin. Lassen Sie mir eine Viertelstunde Zeit.“
Daraufhin verschwand der Corp. Angestellte aus dem Raum und ließ Winy mit einem verblüfften Gesichtsausdruck zurück. Da befand sie sich auf einem Raumschiff der Corp. und reparierte deren Computer. Wenn Winy nicht in so einer bescheidenen Lage gesteckt hätte, hätte das vielleicht sogar witzig sein können.
Eigentlich war Winy in der Lage, den Virus in deutlich weniger als einer Viertelstunde vom System zu entfernen, aber wozu die Eile? Das würde nur die Aufmerksamkeit der Corp. auf sie lenken.
Sie loggte sich ins System ein, entfernte dort die Dateien des Virus und ließ noch anschließend ein ebenfalls von ihr programmiertes Programm das System überprüfen. Alles in allem dauerte es genau fünf Minuten um alles fertig zu machen. Und was macht man, wenn man unbeobachtet an einem Computer der Corp. sitzt? Natürlich ein wenig spionieren. Vielleicht fand Winy ja etwas Interessantes.
„Mal sehen…“, Winy klickte schnell einige Dateien im System durch, ohne etwas von Interesse zu finden. „Ausbau der Corp. Station B3…nein. Eine Auflistung der Raumschiffe der Corp. und ihre momentane Position…interessiert mich nicht. Monatsgehalt der Corp. Beamten…auch nicht. Videoüberwachung…“ Winy grinste, wählte „Videoüberwachung“ und mehrerer Auswahlmöglichkeiten erschienen. Nach einem kurzen Blick auf alle Videos stellte sie fest, dass sie Josh nirgendwo sehen konnte. Wo wer er nur? Dafür fand sie ein nicht minder großes Lager, voll gestopft mit Medikamenten und Waffen…
„Sind Sie fertig?“ Blaffte auf einmal eine Stimme hinter ihr, die Winy fast vom Stuhl fallen ließ. Der Corp. Angestellte war wieder da. Eindeutig zu früh.
„Was unterbrechen Sie mich? Ich bin fertig, ja.“
Ihr gegenüber schien augenblicklich etwas freundlicher zu werden. Oder bildete Winy sich das nur ein? „Sehr gut. Sie können gehen.“ Das ließ sich Winy nicht zweimal sagen, so schnell sie konnte, klemmte sie sich ihren Laptop unter den Arm und verließ, angestrengt um ihn nicht ihre Eile anmerken zu lassen, den Raum.
Als sie wieder auf dem Gang stand, musste sie sich erneut zusammenreißen, um nicht loszulaufen. Das Lager war nur ein paar Meter weiter und, wie der Computer sagte, nicht einmal verschlossen. Kein Grund zur Eile also.
Ihre Schuhe verursachten laute, klappernde Geräusche auf dem Metallboden. Sie hätte gerne versucht sich etwas unauffälliger zu bewegen, aber wie sagt man so schön: Wenn man versucht, etwas unauffällig zu machen, wurde es gleich doppelt so auffällig? Winy wusste es nicht, hatte aber auch keine Lust, sich mit so etwas zu beschäftigen.
Die Tür zum Lager öffnete sich ebenso laut, wie die Schleuse vorhin und wieder hatte Winy das Gefühl, sich die Ohren zuhalten zu müssen. Nur die Ruhe bewahren…
Im Raum vor ihr befand sich niemand, aber dafür war er voll gestellt mit aller Art Medikamenten, Essen in Konserven und in einer Ecke befand sich sogar ein Waffenschrank- unverschlossen. Das war merkwürdig…nur ein Narr würde so etwas unverschlossen lassen, oder jemand, der sich seiner Sache besonders sicher war. Vermutlich war die Corp. beides.
Winy nahm sich eine kleine Laserpistole aus dem Schrank- überging die Laserschwerter absichtlich- und nahm sich dann noch mehrere Stromquellen als Munition heraus. Das sollte eigentlich reichen, wo sie sowieso nicht beabsichtigte, sich ein großes Feuergefecht mit der Corp. zu liefern. Aber sie wollte den Feind auch nicht mit einer ungeladenen Waffe bedrohen. Im Schrank direkt nebenan fand sie mehrere Medikamente, von denen sie einige in ihre Tasche steckte. Sie würde sich später um ihre Wunde kümmern, solange würde sie Wina auch nicht umbringen, aber zuerst musste sie sich mit Josh im Kontrollraum treffen, sonst dachte er noch, man hätte sie geschnappt.
Vorsichtig, darauf bedacht keine Spuren zu hinterlassen, verließ sie das Lager wieder. Die Tür schlug hinter ihr schlug erneut mit einem lauten Knallen ins Schloss und ließ Winy resignierend seufzen. Kein Wunder, dass die Corp. so unvorsichtig war. Wenn sie den Feind schon hören konnten, wenn er nur eine einzige Türe aufmachte…vielleicht war da ja wirklich was dran. Winy hatte sich nie genau genug mit so etwas beschäftigt, um zu erfahren, wie die Sicherheitssysteme der Corp. funktionierten. Nun wünschte sie sich, sie hätte es getan. Noch etwas, das sie nachholen konnte, sollte sie diese Mission überleben. Aber dafür war jetzt keine Zeit. Bis zum Kontrollraum war es nicht weit, aber trotzdem wollte sie sich beeilen, es konnte immer noch etwas dazwischen kommen. Zum Beispiel ein mürrischer Corp. Angestellter, der von ihr verlangte, dass sie einen Computer reparierte…oh, Mann…das musste sie Josh erzählen…
Der Weg führte sie durch einige kahle Gänge, deren Boden und Wände mit Metall ausgelegt waren, wie alles auf dieser Raumstation. Es wirkte regelrecht steril, unpersönlich. Irgendwie verdammt typisch für die Corp…
Winy blieb stehen. Vor ihr befand sich die Tür zum Kontrollraum. Sie sah - natürlich, was hatte sie anderes erwartet? - genau so aus, wie alle anderen Türen hier, nur ein kleines, kaum sichtbares Schild, wies sie als den Kontrollraum aus. Immerhin. Bevor Winy großartig überlegen konnte, wie sie vorgehen sollte, hatte sie schon die Türe aufgerissen und betrat den Raum. Die zwei Corp. Angestellten, wussten erst gar nicht, wie ihnen geschah. Sie drehten sich einfach nur um und blickten Winy etwas stupide an, erst dann begriffen sie, dass die Hackerin eine Waffe in der Hand hielt und diese bedrohlich in ihre Richtung schwenkte. Bei so viel Doofheit konnte Winy nur grinsen. „Keine Bewegung. Sie werden jetzt genau das tun, was ich sage, okay?“ Das hätten die Corp. Angestellten wahrscheinlich auch getan, wenn Winy es nicht gesagt hätte. Nun schloss Winy die Tür und trat vollends in den Raum ein, mit einem zufriedenen, nicht unfreundlichen Lächeln auf dem Gesicht. „Tun Sie genau das, was ich ihnen sage und ihnen wird nichts passieren.“
Gut, der Kontrollraum war unter ihrer Kontrolle, jetzt musste nur noch Josh hier aufkreuzen. Ja, wo verdammt, steckte der Kerl eigentlich?


Episode by Azrael:
„Was zum Teufel ist los mit ihnen? Wir müssen zurück und Slavik retten!“, brüllte Azrael James an. Dieser nickte mit dem Kopf in die Richtung, aus der sie gekommen waren. „Da kommt er.“ Azrael schaute sich um, und tatsächlich erblickte er Slavik. Genau in diesem Moment brach jener zusammen.
„Bringen sie ihn ins Schiff.“ James gehorchte und schnappte sich Slavik und legte ihn um die Schulter. Azrael folgte ihm. Er dirigierte James so, dass er Slavik Körper auf das Sofa legte. James setze sich gegenüber hin. Azrael verschloss sofort die Schleusentür. Erst jetzt viel ihm auf, wie breit diese war. Das hier war kein Frachter, sonder eine mobile Festung. Eine Festung ohne Bewaffnung.
Nachdem er sich auf den Sessel gesetzt hatte, und somit genau zwischen Slavik, der von ihm aus auf der rechten Seite ruhte, und James, zu seiner Linken. Sein Blick fixierte James. Dieser wusste nicht recht, wo er hinsehen sollte, mal streifte sein Blick den Azraels, dann schaute er scheu zu Boden.
Er unterbrach dieses Spiel, indem er den Mund öffnete.
„Und wie geht es jetzt weiter?“. Azrael schien so, als wollte er ihn noch mit schweigen strafen.
„Ich will von diesem Schiff runter. Ihnen steht es frei zu entscheiden. Unser Deal hat immer noch Gültigkeit. Ich werde sie mit hier raus bringen.“ James schien einwenig erleichtert, doch trat sofort ein Schleier von Sorgen in seinen Blick. „Für mich gibt es kein zurück mehr… Doch was soll ich da draußen? Sie werden mich suchen…“ Azrael lachte. Es war nicht herzlich, es war strotze vor Verachtung. „Willkommen in der Wirklichkeit.“
James sah ihn bitter an. Azrael befürchtete für einen Moment, ihm würde Tränen aus den Augen kommen. „Wer sind sie eigentlich? Sie gehören nicht zur CORP. Sind sie ein ASR Terrorist?“ Azrael lehnte sich zurück und faltete die Hände zusammen. „Wage es nicht mit denen zu vergleichen.“ James fuhr bei dem Klang dieser Worte ein wenig zusammen.
„Zuerst lass das „sie“ weg. Oder siezt du einen Teenager?“, Azrael blickte an sich herunter und es war nicht ersichtlich, ob es freundschaftlich war, oder eher eine Selbstverachtung. James nickte.
„Ich bin James, und sie.. ich meine und du bist?“ Azrael legte den Kopf schief, und sah so aus, als müsse er darüber nachdenken. „Azrael, nenn mich Azrael.“ Weiteres Schweigen folgte. Aber nur einen Moment, dann ergriff er das Wort. „Du hast keine große Optionen Auswahl mehr. Zurück kannst du nicht, und deine Zukunft da draußen sieht düster aus. Es gibt nicht viele, die einen Soldaten der CORP beschäftigen.“ James schien sich dieser Situation mehr als bewusst. „Welchen Rang hast du? Ausbildung und Qualifikationen?“ James wollte sich gerade erheben und salutieren, als er sich erinnerte wo er war. Er lächelte kurz und schüchtern, und setzte sich wieder. „Ich bin,… war… Leutnant. Pilotenausbildung. Abschluss mit A, 3 Jahre gedient in…“ Azrael würgte ihn mit einer Geste ab. „Pilot, was? Kannst du dieses Schiff hier fliegen?“ James schaute ihn mehr als verwundert an. „Selbstverständlich.“ Azrael nickte. Er hatte wohl soeben seinen Piloten gefunden. „Ich könnte jemanden gebrauchen, der dieses Schiff hier richtig bedienen kann. Wenn du in nächster Zeit keine Aussicht auf einen Job hast, wir wäre es mit dem hier?“ James schaute wieder ein wenig unbeholfen drein. Dann grinste er. „Wenn du einen gesuchten Ex-Soldaten der CORP einstellen würdest.“ Azrael grinste. Er war wirklich davor loszulachen, als ihm der Ernst der Lage wieder bewusst wurde. Sie saßen im Inneren eines Kriegschiffes. Hier raus zukommen wäre nicht das Problem, abgesehen von der Schleusentür. Man würde nicht auf sie schießen. Noch nicht. Offiziell war dieses Schiff hier immer noch Eigentum der CORP, das eine „wichtige Mission“ zu erledigen hatte. Wenn sie bald starten würden, dann gäbe es keine größeren Komplikationen. Azrael sank gerade im Sessel zusammen. Er gewöhnte sich langsam an den Körper. Seine Haare hingen zerzaust rum. Sie schienen nicht geschrumpft zu sein, denn sie reichten ihm bis unterhalb der Schulterblätter. Sie waren immer noch schwarz, bis auf die eine kleine weiße Strähne. Aber davon abgesehen, spürte er nun jeden Muskel in seinem Körper. Er konnte den Körper spüren. Er war sich sogar nicht mal mehr sicher, wie sich sein Alter anfühlte. Aber Azrael war sich sicher, er kannte diesen Körper. Es war sein Körper. Er erinnerte sich. Es war der Körper, den er trug, als er sich das erste mal alleine in der Welt bewegen musste. Dieser Körper war so unerfahren und musste zur Strafe all die Blessuren einstecken. Doch dieser hier war makellos. Frei von irgendwelchen Verletzungen.
Plötzlich blinkte Azraels Armschiene auf. Das Zeichen für eine einkommende Nachricht. Azrael erhob sich, jetzt schon ohne Probleme. „Pass auf Slavik auf, du bist mir für ihn verantwortlich. Und überleg dir was uns hier rauszubekommen.“ Mit diesen Worten lief Azrael förmlich in eine der Kabinen. Eine von Dreien. Azrael wartete bis sich die Tür geschlossen hatte. Dann nahm er das Gespräch in Empfang.
„Hey altes Haus, wie geht’s?“ Er wusste, dass es Geese war. Niemand sonst sendete auf dieser Frequenz. „Lebe. Was hast du?“ Damit was das Frage Antwort Spielchen wieder einmal abgeschlossen. Geese klang jedoch anders. „Wer bist du? Wie kommst du an diese Armschiene Junge?“ Azrael fiel es wie Schuppen von den Augen. Für Geese klang er wohl wie ein Kind. Ein Grinsen huschte über sein Gesicht, welches Geese natürlich nicht sehen konnte. „Ich habe Azrael getötet, und nun werde ich kommen, und dich töten….“ Er konnte es sich nicht verkneifen. Er sah wie Geese überlegte. Das Polygonen Bild tippte sich mit dem Zeigefinger an den Kopf. „Wer bist du?“ Azrael konnte nicht mehr. „Dein Hauptkunde. Du erinnerst dich? Azrael, hier ist ein kleines Missgeschick passiert. Lange Geschichte. Du wirst es sehen.“ Geese klopfte sich nur noch intensiver an den Kopf. Aber er schien überzeugt zu sein Azrael am anderen Ende der Leitung zu haben. „Ich bin schon gespannt. Aber ich hab ein paar Infos für dich. Du erinnerst dich an die kleine?“ „Die mit dem teuren Kopf?“ Azrael sah, wie Geese nickte. „Exakt die. Die Aufträge sind in Massen angenommen worden. Auch ein paar hochrangige Headhunters haben akzeptiert. Und du bist nicht interessiert?“ Stimmt, Azrael erinnerte sich. Beim letzten mal wollte er noch nichts von diesem Auftrag wissen, doch nun sah die Sache anders aus. „Du hast Informationen?“ Geese grinste nun breit. „Ja, waren aber nicht billig, wenn ich bedenke, wen ich alles fragen musste. Unangenehmen Typen…“ Azrael stöhnte auf. „Sag es einfach. Ich zahle dir das doppelte. Aber nur, wenn ich was mit den Infos anfangen kann.“ Nun stöhnte Geese. „Als ob ich dir jemals unbrauchbare Infos gegeben hätte. Also. Ein Bekannter hat hier und da was aufgeschnappt. Anscheinend fliegt deine kleine Prinzessin durchs Weltall und ist auf einem Schiff der CORP gelandet. Ich schicke dir die Koordinaten. Die Infos sind weniger als 2 Stunden alt, ich gehe davon aus, dass sie noch immer auf diesem Schiff ist. Aber pass auf, die CORP hat ihre Bluthunde auf sie angesetzt. Und die sind nicht hinter ihrem Hintern her.“ Geese lachte wieder. Azrael schaute auf das Display seiner Schiene. Als er die Koordinaten las, traute er seinen Augen nicht. „Was ist los? Stimmt was nicht? So fasziniert vom Bild?“ Azrael hörte es nicht. Die Koordinaten von Geese waren nicht weit von ihm entfernt. Das Schiff musste irgendwas kleines sein. Azrael tippte auf einen Jäger. „Geese, ich muss los. Ich hab dir noch eine Liste geschickt. Erledige es. Ich werde sie selber abholen. Treffpunkt wie immer.“ Geese nickte. Er sah aufgeregt aus. „Hab schon fast alles zusammen. War nicht einfach. Aber du kommst selber?“ „Ja, aber ich muss jetzt weg. Wir sehen uns beim Treffen.“ Azrael kappte die Verbindung. Er öffnete die Kabinentür und schaute sich um. James schien sich nicht gerührt zu haben. Slavik lag jetzt aber auf der Seite. Scheinbar schlief er.
„James, es wird Zeit den Dienst anzutreten. Wir müssen hier raus, und zwar schnell.“ James schien nur darauf gewartet zu haben. Er erhob sich und folgte Azrael zum Cockpit. Er spürte, dass er den Körper nun unter Kontrolle hatte. Er konnte sich sicher und koordiniert bewegen. James schmiss sich hinter das Steuerpult. Azrael drehte sich um, und wollte den Raum verlassen. Doch bevor er die Tür schloss wandte er sich noch mal an James. „Wenn du es jemals wagen solltest mich zu verraten, garantiere ich dir, dass ich dich persönlich in die nächste Welt jagen werde.“ Die Ernsthaftigkeit war James mehr als klar. Sein Blick war ernst, aber seine Augen sprachen Bände. Azrael schloss die Tür und marschierte zu Slavik. Dieser schnarchte vor sich hin. Azrael schaute sich seinen Gürtel an. Das Lichtschwert baumelte immer noch am Gurt. James hatte ihn nicht entwaffnet. Azrael war ein wenig überrascht, schritt aber geradezu auf die Kabine zu. Er riss die Metalltür des Schrankes auf, und fand dort eine ordentliche Uniform. Er dankte, dass er nicht auf Kindergröße geschrumpft war. Er war immer noch gut 1,90 m groß. Und auch seine Füße waren nicht wirklich kleiner geworden. Azrael zog eine Hose an. Sie passte ihm. War ein wenig zu weit, aber dafür hatte er noch einen Gürtel gefunden. Die Schuhe passten auch mehr schlecht als Recht. Sie drückten. Aber im Moment war es auszuhalten. Auf das Oberteil der Uniform verzichtete er. Er schnappte sich ein Hemd und ließ es locker aus der Hose hängen. Die Ärmel riss er runter, weil sie ihn irgendwie einschränkten. Ein Stück des Ärmels benutzte er, um sich die Haare nach hinten zusammenzubinden. Der Pony hing ihm dennoch ins Gesicht, was er aber gewohnt war. Anschließend schnappte er sich vier der Waffengurte. Zwei band er sich Zweck entfremdend um die Hüfte, und die anderen zwei in X Form um die Brust. Sie waren leer. Der nächste weg führte Azrael zu dem Inventar Raum. Die Augenkontrolle lief ohne Schwierigkeiten ab. Azrael ließ die Schränke hochfahren. Anschließend durchstöberte er die Regale. Er wusste aber was er suchte. In die Brustgurte legte er zwei Pistolen. Beide wieder mit Schalldämpfer ausgestattet, und mit herkömmlicher Munition geladen. Für jede verstaute Azrael auch noch ein weiteres Magazin. In die Taschen an der Hüfte packte Azrael jeweils einen kleinen Sprengsatz. Er hatte da so eine Vorahnung. In die Hand nahm Azrael eine Impulswaffe. Sie hatte eine klassische Lanzenform. Keine Munitionsbegrenzung, dafür aber eine gewisse Cooldown Zeit von ein paar Sekunden. Sie war knapp solang wie der Arm Azraels. Plötzlich bewegte sich der Boden. Sanft. Azrael hatte keine Probleme stand zu halten. James konnte wirklich fliegen, lächelte Azrael zufrieden.
„Alles klar, wir haben Starterlaubnis. Bitte halten sie sich fest, wir starten jetzt.“ Azrael spürte nun eine leichte Beschleunigung. „Er hat es wirklich geschafft“, schoss es Azrael durch den Kopf. Er bewegte sich Richtung Cockpit. Eine der Uniformen Oberteile ließ er lässig über die Schulter hängen. Azrael mochte es nicht, wenn Kleidung unpassend für die Situation war. Im Ganzen musste er einen sehr schlampigen Eindruck machen, die Kleidung war hier und da zu lang, oder zu klein. Auch hing alles locker herum. Nicht für die Unform typische Weise zu tragen. Als Azrael an Slavik vorbeikam sah er, dass dieser immer noch schlief. Er füllte ein Glas mit Vid, von dem sich was im Kühlschrank befand, und ging zu Slavik. Azrael wollte erst an ihm vorbei laufen, entschied sich aber doch ihn zu wecken. Auch wenn dieser dort nur knapp eine Viertel Stunde lag. Azrael beugte sich herunter und ohrfeigte Slavik einmal… zweimal… noch ein drittes mal. Azrael war sicher, das er so niemals aufwachen würde. Azrael fasste sich an die Armschiene und öffnete ein kleines verstecktes Fach. Darin lagen 2 kleine durchsichtige Pillen. Azrael schnappte sich eine, und schob die kleine Kugel ins Slaviks Mund. Er setzte sie so, dass sie zwischen die Zähne kam. Dann nahm Azrael Slaviks Kinn in die Linke und seinen Kopf in die Rechte. Dann ein kleiner Ruck, wie eine Zange, und Azrael hörte, wie die Pille zerbrach. Azrael wusste nicht viel von Slavik. Von seinem Leben in den letzten Jahren, doch er ging davon aus, dass er sich nicht viel verändert hatte, und immer noch der „brave“ Schüler ist der er einst war. Demnach hatte er wohl nie wirklichen Kontakt mit Drogen gehabt. Er wollte ihn auch nicht abhängig machen, aber er musste ihn wach kriegen. Azrael schaute auf die Armschiene, und die Ziffern, die eine Uhr darstellten. „..4,…3,…2,….1,..jetzt“ Slavik schoss in die aufrechte und fasste sich an den Hals. Er röchelte. Azrael hatte Recht. Slavik war keine Drogen gewohnt. Er selbst reagierte beim ersten mal auf dieselbe Weise. Slaviks Pupillen weiten sich ein wenig. Azrael schaute ihn an. „Tag auch, willkommen im Leben.“ Slavik schaute sich leicht irritiert um. „Trink das!“, befahl ihm Azrael. Er reichte ihm ein Glas gefüllt mit Vid. Slavik schluckte alles bis zum letzten Tropfen. Dann fasste er sich an den Kopf. „Was war das?“ Azrael grinste „SED 2.1 Eine Designer Droge, allerdings lässt sich die Wirkung mit Vid wieder wegspülen.“ Er wurde wieder ernst. „Du erinnerst dich an James? Er fliegt gerade. Ich mach einen kurzen Abstecher, aber ich will das du wach bist.“ Slavik versuchte sich zu erheben. „Nein, bleib liegen, die Wirkungen sind sehr extrem. Und die Kopfschmerzen werden noch ein wenig anwachsen. Bleib noch 10 Minuten liegen. Du spielst mit deinem Leben.“ Azrael drehte sich um, und ging zum Cockpit. Er war sich sicher, dass Slavik liegen bleiben würde. Und selbst wenn nicht, so würde er sich auf jeden Fall sofort wieder Umkippen. Durch Bewegung würde sich SED in seinem Kreislauf verteilen und das Vid hätte seine Wirkung verloren.
Azrael fand James hinter dem Steuer. Hinter der Scheibe sah Azrael weiten Weltraum. Aber er war nicht so leer und verlassen wie es normalerweise üblich ist. Azrael entdeckte drei Schiffe. Jäger. Sie kreisten alle umeinander, vertieft in dieses Spiel der Formen.
„Welcher der Jäger ist es?“, fragte James, dabei bediente er gleichzeitig verschiedene Knöpfe. Azrael kannte selbstverständlich keine Antwort. „Kannst du sie anfunken? Der, den ich suche hat eine Rettungskapsel aufgenommen.“ James nickte. Dann schnappte er sich das Headset und funkte einen der Jäger an. „Raumjäger SSH-0H2 bitte melden, Absyss-0D13 hier. Sind hier um eine Rettungskapsel abzuholen. Code: SP-Rescue.“ Der Funk rauschte, bis sich eine Stimme meldete. „Hier SSH-0H2 Kontrollraum. Haben verstanden. Befindet sich nicht an Bord. Dockt bei SSH-0H4 an. Der hat sie aufgenommen.“ James antwortete: „Danke, schönen Tag noch, ende und aus.“ James grinste Azrael an. „Es ist zu einfach. Meine Zulassung ist immer noch gültig. Ja, ja, diese Bürokratie.“ Azrael ging nicht drauf ein. Wenn es stimmte, dann war die Tochter des mächtigsten Mannes der CORP auf diesem Jäger. Azrael wandte sich an James. „Wie groß ist die Besatzung eines solchen Jägers?“ James wippte mit dem Kopf. „Normalerweise 8 Leute.“ Auf Azraels fragenden Blick sprach er gleich weiter. „Jeder hast eine Standart Pflicht Bewaffnung. Es gibt eine Waffenkammer, aber die wird eigentlich nicht gebraucht. 4 Piloten, 2 im Kontrollraum, für die Koordination, ein Ranghörer Offizier für die Befehle, und sein persönlicher Adjutant. Der muss aber nicht von der CORP sein.“ Azrael nickte. „Gut, Dock an. Frag nicht an.“ James sah entsetzt aus: „Aber“ „Nichts aber. Mach es, und öffne sofort diese Schleuse. Und halte dich bereit, ich wird nicht lange brauchen.“ Azrael begab sich nun zum Ausgang. Er wartete, und lauschte in sich hinein. Es war die Stille vor dem Sturm. Ein altes Ritual. Azrael ließ das, was er erwartete hinter sich. Er konzentrierte sich nur auf seinen Körper. Jede einzelne Faser. Azrael hatte es früher vor einem Auftrag schon gemacht. Er wollte sicher gehen, dass er fit war, und dass es keine Komplikationen geben wird. Er horchte…., spannte jeden Muskel einmal kurz an, und entspannte ihn wieder. Dann hörte er ein „Plomb“ Das Ausfahren von Metal. Azrael schaute durch die Sonnenbrille, die er immer noch trug an die Schleusentür. Sie öffnete sich. Azrael lief los. Durch die knapp 2 Meter lange Schleuse. Am anderen Ende drehte er am Rad, um die zum Jäger zu öffnen. Er brauchte knapp 7 Sekunden. Dann lief er weiter. Der Jäger war nicht groß, und schien nur in zwei Richtungen zu laufen. Azrael entschied sich für den Weg Richtung Lagerraum. Dort würde man die Kapsel sichern. Azrael schnappte sich beim laufen eine der Sprengladungen und platzierte sie neben einem Sicherungskasten, aber so, dass man sie nicht auf Anhieb sah. Lief dann aber weiter. Jetzt merkte Azrael, dass diese Stiefel ihn wirklich umbringen würden. Sie drückten beim Laufen. Nichts desto Trotz erreichte Azrael eine Tür. Auf ihr stand in roter Schrift Schleusenraum. „Das musste er sein.“ Azrael öffnete ihn, und fand zwischen ein paar Schränken auch eine Rettungskapsel. Mit gezogener Waffe blickte er hinein. Sie war leer. Azrael blickte sich um. Hier in diesem Raum gab es nicht sonderlich viel mehr Platz um sich großartig zu verstecken. Er kam zu dem Schluss, dass sie nicht hier war, aber hier gewesen sein muss. „Wahrscheinlich wurde sie gefangen.“ Azrael wollte gerade aus der Kammer treten, als er Stimmen hörte. „Wer ist hier angedockt? Warum die uns aus dem Kontrollraum auch nie was erzählen.“ Eine tiefere Stimme kam nun: „Stimmt, letztes Mal hatten sie einen von der Zeitung eingeflogen, und ich war beim Rasieren. Nie sagen die bescheid, wer uns besucht. Ist aber ein Frachter. Wahrscheinlich werden nur die Vorräte aufgestockt… Heißt wir dürfen wohl noch ein Weilchen hier bleiben…“ Die Stimmen kamen direkt auf Azrael zu. Die Tür war noch zu, aber wenn sie hineinkommen würden, würden sie ihn entdecken….
Die Tür ging auf, und 2 Soldaten traten ein. „Hm, warum ist das Licht noch an?“ Die Antwort kam gleichgültig. „Keine Ahnung, wahrscheinlich war der Ryan so scharf drauf den aus der Kapsel zum Chef zu bringen. Der nutzt doch alles, um eine Karriere zu machen. Die hocken ja immer noch dort.“ „Na ja, willst du auch einen Kaffee?“ „Der mit der dunklen Stimme antwortete: „Klar, nimm gleich 4 Beutel mit. Dann brauch ich nachher nicht noch mal her.“ Die Stimme verklangen, gefolgt von ihren Schritten. Das Licht ging aus. Azrael kroch nun aus der Kapsel heraus. „Hm, gerade noch rechtzeitig Aber wieso meinte er den Typen?.. Ich dachte ich soll hier ein Mädchen finden.“ Azrael war nun irgendwie verunsichert. Kurzer Hand entschied er zum diesem Offizier zu gehen, und ihm ein paar Fragen zu stellen. Azrael schaute vorsichtig aus der Tür. Kein Anzeichen von Leben. Die gegenüberliegende Tür trug die Aufschrift Lagerraum. Azrael wagte einen Blick, es war stockdunkel, aber er brauchte nur sein Sonnenbrille abzunehmen. Dann merkte er es. Er konnte die Umrisse nicht mehr sehen. Sein sonst silberner Blick war nicht mehr da. Was nicht hieß, dass er nicht sehen konnte, im Gegenteil. Er sah alles violett, aber doch heller. Er konnte nicht nur die Konturen sehen, sondern richtige Gegenstände erkennen. Was ist los mit mir?, fragte sich Azrael. Seine Augen waren noch nie so präzise. Im Vergleich zu vorher war er völlig blind. Er sah alles so… klarer… und mehr. Er meinte sogar den Staub in der Luft sehen zu können. Es war eine völlig neue Erfahrung. Azrael der so überrascht war, drehte sich wieder in Richtung gang. Dort jedoch die Beleuchtung vergessen. Er musste sich nicht wie er es sonst gewohnt war die Augen vor Schmerzen halten, sonder konnte ohne Probleme in das Licht schauen. Völlig ohne irgendeiner Art von Schutz. Allerdings veränderte sich sein Bild stark. So als würde sich eine Eisschicht über seinen Blick legen, durch diese er schützend durchblicken konnte. Allerdings spürte er, dass er das nicht lange durchhalten konnte. War er schon so sehr zu einem Geschöpf der Nacht geworden? Aber es war ihm mehr als unangenehm. Auch glaubte er zu spüren, dass seine Kräfte schwinden würden, je länger er ins Licht blicken würde. er schnappte sich seine Sonnenbrille und setze sie wieder auf. Jetzt bekam er nichts von der Veränderung in seinen Augen mit. er schlich in die andere Richtung. Er musste wohl oder übel zu diesem Kommandanten, wenn er herausbekommen wollte, wer sich auf der Kapsel befand. In die eine Hand hatte Azrael sich die Impulswaffe in den Mund gelegt, und presste die Lippen zusammen. Jetzt nahm er sie in die linke Hand, und hielt sie wie eine Taschenlampe vor sich. Es war still. Er lief den Gang solange weiter, bis er an eine weitere Tür kam. Es handelte sich wohl um eine Kabine, denn sie hatte ein kleines Schild mit dem Namen auf dem Schild und einen Dienstgrad. „Edwards, Staffelführer.“ Azrael blickte nervös auf seine Armschiene, er war bereits knapp 4 Minuten hier. Er schätze es würde noch vielleicht 6-9 Minuten dauern, bis die anderen Schiffe darauf aufmerksam wurden, was hier geschah. Er hatte nicht mehr viel Zeit. Er joggte so leise wie möglich los. Dabei verfluche er jeden Schritt, diese Stiefel brachten ihn nicht nur um, sonder würden sogar noch dafür sorgen, dass man es tat, denn so hörte man ihn durchs ganze Schiff. Azrael entschloss sich kurzer Hand barfuss weiter zu laufen. Neben der Tatsache, dass er so stiller war, kam auch noch hinzu, dass er sich endlich schmerzenfrei bewegen konnte. Er ließ die Stiefel einfach mitten im Weg liegen. Dann lief er auf eine weitere Wegverzweigung zu. „Erstaunlich wie groß diese Jäger doch tatsächlich sind.“ Azrael ging den Weg in Richtung Kontrollraum. Sie würden es auch wissen, wann sie die Kapsel aufgenommen haben, und wer sich auf ihr befand. Er lief auf die Schleusentür zu, sie war gesichert, jedoch war sie nicht zusätzlich gesichert worden. Eigentlich merkwürdig, denn Azrael wusste von der Anordnung, dass der Kontrollraum zu sicher ist bei Kontakt zu anderen Schiffen. Er schlich so nahe an die Tür an, dass er sie berühren konnte. Er fasste sie an. Er wusste nicht warum, er das tat, aber er glaubte so besser hineinhorchen zu können. Da sprach wer, doch er konnte weder sagen, was die Stimme sagte, noch, wem sie gehörte. Azrael schnappte sich die zweite Sprengladung und platzierte sie Unterhalb des Codierschlosses. Es war nicht die erste Tür, die Azrael auf diese Art öffnete. Er wusste aus Erfahrung, dass er die Tür nicht sprengen würde, jedoch das Schloss an sich, so dass die Tür aufschwingen würde. Nachdem er sicher war, dass die Ladung platziert war, ging er ein paar Schritte zurück. Den Zünder, eine kleine Fernbedienung mit nur einem Knopf presste er zwischen die Lippen. In die Linke hand legte er eine der Handfeuerwaffen. In der Rechten nun die Impulswaffe. Sie würde zwar niemanden töten, aber jemanden für eine gute Viertelstunde außer Gefecht setzen. Azrael lud sie durch. Dann presste er die Lippen zusammen.
Ein lautes Boom ertönte. Das Schiff ruckelte leicht. Zwar würden diese Ladungen nichts am Schiff selber beschädigen, jedoch geschah das, was er berechnet hatte. Nicht nur, dass die erste Sprengladung den Sicherungskasten zerfetzt hatte, wie er es sich ausgemalt hatte, sondern, dass diese wohl auch die Stromleitung für das Licht getrennt hatte. Denn die Gangbeleuchtung versagte. Die Dunkelheit trat ein. Damit war das perfekte Terrain für Azrael geschaffen worden. Die Dunkelheit. Die Sonnenbrille lies er von der Nase fallen. Er machte sich nicht die Mühe sie aufzufangen, dass sie ihm mittlerweile sowieso zu groß war, und leicht wackelte. Der Gang funkelte im violetten Tönen. Azrael begutachtete die Tür, die er gesprengt hatte. Sie war doch schon aufgesprungen. Er stieß sie mit dem rechten Fuß vollends auf, und betrat den Raum in einer doch eicht erhöhten Geschwindigkeit. Da drinnen schien wohl nur noch der Notstrom zu arbeiten, denn ein paar kleine rote und grüne Lämpchen funkelten in einem kleinen Tanz. Es befanden sich drei Leute in Raum, wie Azrael sofort sah. Er konnte sogar ihre Gesichtsausdrücke erkennen. Alle waren überrascht. 2 waren definitiv CORP Agenten. Doch die dritte Person war die für ihn interessante. Sie war weiblich, wie die Figur zu erkennen ließ. Er sah, wie ihre Augen den Raum nervös absuchten. Ihre Augen verengten sich, und sie schaute direkt auf Azrael. Plötzlich schoss einer der CORP Agenten vor, und griff nach einem kleinen etwas, dass das Mädchen in der Hand gehalten hatte. Azrael identifizierte es als Waffe. Er sah, wie beide den Mund aufmachten. Azrael vermutete, dass sie etwas riefen, jedoch erreichten ihn diese Worte nicht. Er handelte nur routiniert. Die Impulswaffe legte er auf den sitzenden CORP Soldaten an. Dieser saß reglos in seinem Stuhl. Der Lauf der scharfen Waffe bewegte sich auf den Kopf des anderen CORP Soldaten. „…du Miststück…. Gib mir die Waffe…“ Nun hörte Azrael die Stimmen. Ein energisches „NEEEEiiiinNNNnn“, war die Reaktion. Die beiden schienen die Anwesenheit Azraels gar nicht realisiert zu haben. Der andere Soldat dafür umso mehr. Dieser sprang auf, und sprintete zum nahe gelegenen Tisch. Auf ihr lagen zwei kleine Handfeuerwaffen. Azrael legte die Impulswaffe an, und drückte ab. Ein silbernes Leuchten wurde aus seiner Impulswaffe gespuckt. Wie eine kleine Wolke flog sie auf den Soldaten zu, nur mit erhöhter Geschwindigkeit. Dieser hatte schon zur Waffe gegriffen, und drehte sich herum, als ihn die Waffe in die Brust traf. Sofort verteilten sich Lichtblitze über seinen Körper. Er zuckte noch einmal kurz zusammen, bevor er zur Seite kippte und mit angezogenen Gliedmaßen liegen blieb. Piloten hatten wirklich keinerlei Erfahrung im Umgang mit Waffen. Die sich um die Waffe streitenden Kontrahenten blickten erst auf den am Boden liegenden, zusammenverkrampften Soldaten, und dann auf Azrael. Nun war er sich sicher, dass sie ihn wahrnahmen. Beide ließen von der Waffe ab und sprangen auf. Sie stellten sich nebeneinander. Man könnte faste denken, das die beiden schon immer auf der selben Seite gekämpft hatten. „Wer sind sie?“, riefen beide, beinahe synchron. Das Mädchen eher schockiert, während der Soldat doch eher großspurig klang. Azrael legte die Impulswaffe nun auf ihn an, die schallgedämpfte Waffe steckte er wieder ein. er sah an dem kleinen Balken, der im orangeroten Bereich war, dass die Waffe noch nicht wieder Schussbereit war. Allerdings wussten das seine gegenüber nicht. Und solange sie davon nichts wussten, brauchte er keine Sorgen haben, dass sie auf dumme Gedanken kommen würden. Stattdessen musterte er das Mädchen. Er war sich nicht sicher, wie alt sie war. War bei Mädchen immer schwer einzuschätzen. Sie konnte 15, vielleicht aber auch schon 19 sein.
„Hey kleiner, lass den Unsinn doch. Egal wie viel man dir bezahlt, das ist es nicht wert… “, fing der Soldat an. Azrael musste innerlich schmerzhaft lachen. Als er wirklich noch ein Junge war, hatte sein erstes Opfer sich mit diesem Satz zu retten versucht. Doch sein erstes Opfer, war auch Azraels erster Erfolg. Und auch dieses mal würde er nicht damit anfangen zu versagen.
„Tritt zurück, ich will nicht dich, sonder nur sie…“ Mit einem Nicken deutete Azrael auf das Mädchen. Er erinnerte sich an das Bild, das auf dem gesuchten Photo war. Mit ein wenig mehr Schlaf, weniger Blessuren, und einem Lächeln, und diesem saubere Kleid, konnte Azrael sich vorstellen, dass er niemand anderen als Winyett Grayanus vor der Nase hatte. Die Reaktion des Soldaten kam doch eher unerwartet. Dieser hob die Hände und trat einen Schritt zu Seite. „Mir egal, sie geht mich nichts an.“ Der Protest ertönte: „Nein, ich will nicht… Das können sie nicht…“ Er zog plötzlich seine scharfe Handfeuerwaffe und richtete sie auf den Eingang hinter ihm. Direkt zwischen die Augen eines jungen Mannes, der doch sehr erstaunt schien. „Josh“, rief Winy. Dann ging alles schnell. Der Soldat stürmte auf den Tisch zu, um sich der Waffe zu bemächtigen, die sein Kollege schon ergreifen wollte. Er sah, dass die Impulswaffe noch nicht aufgeladen war. Er machte die Augen zu. Seine linke Hand ging in die Richtung des Soldaten. Azrael drehte die Schultern und somit seinen Oberkörper. Als Azrael die Augen aufmachte, sah er wie der Soldat, die Waffe durchlud, und die Arme heben wollte. Zu langsam, viel zu langsam, dachte Azrael…. Er drückte ab, und schloss dabei die Augen. Er wollte nicht, dass dieser Man starb. Zwei Kugeln sirrten durch die Luft. Die erste traf das rechte Handgelenk, während die zweite das Schulterblatt durchsiebte. Er würde garantiert die Waffe nicht noch einmal heben können, allerdings würde er leben. Der Soldat schien das ähnlich zu sehen, denn er sackte zu Boden. Wenn er Schmerzen hatte unterdrückte er sie gut. Er drehte nun den Kopf. Dieser Josh stand genau in Schussbahn der Impulswaffe. Er identifizierte ihn als einen CORP Soldaten. „Aus dem Weg“ Dieser schien nicht Recht zu wissen, wie er handeln sollte. Während Azrael die Waffe immer noch auf Josh gerichtet hatte, ging er langsam Schritt für Schritt rückwärts, bis er hinter Winy stand. „Kannst du gehen?“, flüsterte er so leise, dass nur sie es hören konnte. Sie nickte stumm, und schaute ihm in die Augen, die immer noch auf Josh gerichtet waren. Azrael konzentrierte sich aber auf den Seitenblick, wo der Soldat am Boden lag. Dessen Kampfwille war nicht gebrochen, jedoch würde er nicht so schnell eine Waffe auf ihn richten. Azrael wandte sich an Josh. „Du bist noch jung, setze dein Leben nicht sinnlos aufs Spiel.“ Josh schien breit zu grinsen. „Du nennst mich jung? Wie alt bist du?“ Azrael konnte sich auf die Zunge beißen. Er sah ja aus wie ein Junge. Ein kleines Piepen verriet ihm, dass die Impulswaffe wieder bereit war. Er richtete nun diese auf Josh. „NEIN, lass das“, fuhr Winy ihn an. Sie schob seinen Arm zur Seite. Er hatte aber dennoch abgedrückt. Die neblige Wolke flog ins Armaturenbrett. Plötzlich schossen aus ihr Elektrische Ladungen. Der Bordcomputer meldete sich. „Warnung, Überlastung des Systems…“ Azrael dachte kurz drüber nach, Winy bewusstlos zu schlagen und hier raus zutragen, und diesen Josh über den Haufen zu schießen. Doch in ihren Augen spiegelte sich die Unschuld. Er konnte diesem Blick nicht standhalten, und fixierte wieder Josh. „Ich bin wegen ihr hergekommen. Und ich werde nicht ohne sie gehen.“ Azrael bluffte nicht. Er würde wirklich abdrücken. Der Typ ging ihm auf die Nerven. „Hier raus bringen?“, fragte Josh. „Du ist nicht von der CORP. Für wen arbeitest du?“ Auch Azrael begriff, dass es sich bei dem Kerl um keinen CORP Soldaten handelte. „Du bist es, oder? Ich hab von dir gehört, dem Mann, in dessen Augen das Feuer der Hölle lodert. Du bist auf Seite der ASR. Aber bist du nicht zu jung? Ich dachte du wärst älter. Warte, wie heißt du noch mal?…“ Das sich aufhellende Gesicht des Mannes ging ihm nun auf die Nerven. Azrael schloss Augen abermals und drehte sich zu dem CORP Soldaten am Boden. Azrael drückte noch zweimal ab. Beide Kugeln durchbrachen die Schädeldecke. Winy reagierte wieder panisch. „Warum hast du das gemacht? Er konnte uns nichts mehr tun… Du, du…“ Azrael packte sie mit der rechten freien Hand, und hielt sie an ihre Kehle. „Bedank dich bei deinem Freund. Er hat zuviel gehört.“, zischte Azrael kalt. „Und jetzt vorwärts, wir haben nicht ewig Zeit.“ Dann gab Azrael ihr einen Stoß, den Winy nur knapp abfing. Joshs’ Gesicht wurde wieder ernst. Auf dessen fragenden Blick nickte Azrael: „Du auch.“ Azrael konnte keinen ASR Agenten auf einem Schiff der CORP zurücklassen. Es verband die beiden zwar nicht viel, doch würde Azrael wohlmöglich erklären müssen, warum einer der ASR Agenten zu Tode gekommen ist. Und auf diese Diskussion hatte er einfach keine Lust. Er trieb die beiden durch den Gang Richtung Schleuse, wo sie zur Absyss übersetzen würden. Sie rannten. An der Abzweigung vorbei. Azrael sah die Schleuse. Noch 10 Meter… Noch 8… Plötzlich hörte er ein „Bsssischhh“ Ein Gelber Lichtbalken legte sich wie eine Schranke über den Weg. „Fuck“, durchschoss es Azrael. Am Ende dieses Lichtbalkens, an einer metallenen Fassung, lag eine grobe blaue Pranke. Azrael fiel spontan Pranke ein, denn es waren 3 Finger?, an denen jeder eine Klause saß, die gewiss scharf war. Der Rest des ebenso blauen Arms verschwand unter einer dunklen Kutte. Dahinter baute sich eine kleine Uniform auf. „Tz, tz, tz… Wohin so eilig, meine Liebe. Ich denke ihre Eltern würden sich sehr darüber freuen, wenn ich euch persönlich überbringe.“ Die Worte stammten aus dem Mund eines Offiziers, der hinter dem Kuttekoloss stand, und mit dem Finger eine ermahnende Geste machte. „Ihr hab meinen Jäger ja zugerichtet“, sagte er enttäuscht. „Aber ich nehme es euch nicht übel, es ist ein Auslaufmodell. Und ich hab ja noch ein paar.“ Der Blick des Offiziers musterte sie alle. Düster blickte er Azrael an. „Hat die ASR es bereits nötig Kinder in ihren hoffnungslosen Krieg zuschicken? Einfach unglaublich. Aber ich sehe dein Talent. Glaube mir, die CORP eröffnet die weitaus mehr Möglichkeiten.“ Er blickte nun Josh an. „Und du wärst sicherlich ein ausgezeichneter Diplomat. Möchtest du nicht unsere Botschaft verbreiten?“ Als er Winy anschaute grinste er. „Und du gehörst der CORP ja förmlich.“ Eine fiese Lache durchlief den Raum. Azrael unterbrach den Blick zwischen Winy und der Uniform. „Genug. Sie lassen uns wohl nicht freiwillig durch.“ Azrael wartete nicht auf die Antwort, sonder zog beide Waffen. Und schmiss das Uniform Oberteil zu Boden. Die Uniform schüttelte bedenklich den Kopf. „Wie Töricht. Dann kann ich auch nichts mehr für euch tun. Borek, erledige sie.“ Der blaue Arm spannte sich, und hob das Lichtschwert in die Höhe. Ganz langsam. Durch den dunklen Schleier schimmerten nun ein paar gelbe Augen. Passend zu der Klinge. Azrael legte zögerte nicht lange, und drückte jeweils einmal ab. Beide Kugeln waren auf den arroganten Uniformierten gezielt. Azrael hätte alles unterschrieben, dass diese Kugeln ihn niederstrecken würden. Jedoch wurden beide durch einen gelben Balken aufgehalten. Azrael starrte Borek vor Zorn an. Er hasste es, nicht zu treffen. Azrael stellte sich zwischen Josh und Winy. „Lauft auf das Schiff, und schließt die Schleuse. Wir reden später.“, flüsterte Azrael. Dann stürmte er vor. Josh und Winy starteten gleichfalls, und rannten auf das Schiff links an Borek vorbei, während Azrael rechts an ihm vorbei wollte.
Borek regte sich nicht, erst im letzen Moment. Er war trotz seiner Größe unglaublich schnell. Zu schnell, wie Azrael feststellte. Das Schwert würde ihn locker in Häppchen schneiden…
Dann verlangsamte alles. Azrael spürte wie alles um ihn herum in diese monotonlose Stille verfiel. Die Zeit schien still zu stehen. Azrael sprang rasch über die Klinge, und machte eine Drehung. Sodass Azrael unmittelbar hinter Borek stand. Azrael drückte mehrmals ab. Dann überkreuzte er die rechte Waffe mit der linken und schoss auf die Uniform. Als die Farbe wieder eintrat, konnte Azrael nicht fassen was geschah. Es konnte nicht wahr sein. Die Uniform ging wie geplant zu Boden. Die Kugel streckte ihn tödlich zu Boden. Borek jedoch stand immer noch. Und die Kugeln lagen geschmolzen am Boden. Azrael hörte wie sie zu Boden gingen. Borek starrte auf seinen zu beschützenden Körper. Azrael immer noch auf Borek. „WIE WAR DAS MÖGLICH? ER KONNTE DIE KUGELN UNMÖGLICH KOMMEN GESEHEN HABEN.“ Borek drehte seinen wuchtigen Körper, und starrte Azrael an. Azrael mochte diesen Blick gar nicht. Es war mehr als nur Zorn. Langsam beobachtete er, wie sich das Lichtschwert hob, und nun in Kampfstellung ging. Azrael wollte nicht wissen, wie schnell Borek wirklich war. Er ging Rückwärts auf die Schleuse zu, und feuert das Magazin auf Borek ab. Dieser wehrte sie spielerisch ab. Als Azrael das Klicken vernahm, dass das leere Magazin repräsentierte, stürmte Azrael durch die sich schließende Schleuse und hechtete auf die Absyss. Durch die letzen paar Zentimeter, sah er ein letztes Mal auf Borek. Dieser ließ sein Schwert einfahren. Er starrte immer noch auf Azrael. Die Absyss dockte ab und beschleunigte. Wohin? Das wusste Azrael nicht. Er dachte noch kurz an den Blick Boreks, als er sich umdrehte und Winy und Josh ansah. Nur mit Gestiken, ohne Worte, beförderte Azrael Josh gegenüber von Slavik und Winy in eine Kabine. Bevor er die Tür schloss, sagte er zu Slavik: „Dein neuer Freund, lernt euch ein wenig kennen.“ Er musste sicher gehen, dass er die echte Winyett Grayanus hatte. Und er musste sie von der CORP und der ASR fernhalten. „Von der ASR, und der Josh kommt direkt von denen…“, seufzte Azrael innerlich. Ihm viel auf, dass er das Licht in der Kabine ausgelassen hatte. Während er durch die Beleuchtete Wohnanlage ging, hatte er diesen glasigen Blick gehabt. Es schien so, als würden sich seine Augen auf die Lichtverhältnisse anpassen. Aber warum jetzt erst? Er musste dringend noch mit Geese darüber sprechen…
Aber nun zu der Winy. Sie hatte sich auf die Koje gelegt, während Azrael sich gegen den Schrank lehnte…
„Seine“ Klamotten hatten ganz schön was abbekommen…