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Puppet Vampire
So. Fertig.
Sein Meister hatte Slavik immer und immer wieder eingebläut, wie wichtig es doch für Kämpfer wie ihn war, geduldig und ausdauernd zu sein. „Geduld sollte eine deiner größten Tugenden und Stärken sein, denn sonst wirst du nie dein gesamtes Potential entfalten können“ hatte ihm der alte Mann eines Tages gesagt, als Slavik wieder einmal an einer Übung scheiterte und in einen wahren Tobsuchtsanfall verfallen war. Sein Meister sah es nie gern, wenn Slavik die Kontrolle verlor, denn dann trat eine Seite an Slavik ans Tageslicht, die… wie sollte man diese Seite beschreiben? Sie schien das komplette Gegenteil von dem Slavik zu sein, den er kannte. Es schien so, als ob die buchstäbliche böse Seite, die in jedem Wesen im Universum steckt, die Oberhand über seinen Körper erlangt hätte und sich nun austobte.
Diese Anfälle waren zwar nie von großer Dauer, meist waren sie nach 2-3 Minuten wieder vorbei, doch in dieser Zeit konnte Slavik, der böse Slavik, mehr Schaden anrichten, als man ihm überhaupt zutrauen könnte.
Währen die Jahre ins Land zogen, brachte der alte Mann Slavik einige Techniken bei, seine mentalen Ausbrüche zu unterdrücken. Slavik hatte nie gefragt, weshalb er diese Techniken erlernen sollte, er lernte sie einfach.
Doch eines Tages, Slavik feierte gerade seinen Aufstieg in die nächste Sparte, lud ihn sein Meister zu sich nach Hause ein und begann ein langes Gespräch. Es ging hauptsächlich um die verschiedenen Mächte im Universum, das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse und über die mentalen Kräfte, die in jedem Wesen stecken. Dann kam er auf Slavik zu sprechen. Er erzählte ihm von seinen Ausbrüchen, von seiner ’dunklen Seite’ und dann von einer Technik, die er selbst niemals unterrichtet hatte, aber es bei Slavik für notwendig hielt, dass er sie lernen musste. Mit Hilfe dieser Technik sollte es Slavik möglich sein, die Ausbrüche kontrolliert zu nutzen.
Von dem Tage an trainierte Slavik unermüdlich Tag um Tag, Jahr um Jahr, um sich diese Technik anzueignen. Zwar zeigten sich Anfangs keine Erfolge, doch davon ließ er sich nicht entmutigen. Er machte weiter…!
Ein Piepen riss Slavik aus seinen Erinnerungen an die Vergangenheit und an jene Kräfte, die noch in ihm schlummern mögen. Eine Konsole vor im blinkte wie verrückt. „Was’n das?“ murmelte Slavik, der noch leicht verwirrt aussah, aufgrund des plötzliches Risses aus seinen Erinnerungen in die Gegenwart. „Kommunikation.“ las Slavik laut vor. Das Wort blinkte unermüdlich in einem schon beinahe fröhlichen Tanz.
Einen kurzen Augenblick überlegte Slavik, ob er Aylen Bescheid sagen sollte, entschied sich jedoch dagegen und setzte sein Headset auf. Mit einem kurzen Druck auf die blinkende Taste wurde die Verbindung hergestellt und was Slavik da zu hören bekam, gefiel ihm ganz und gar nicht.
„Mein Auftraggeber wäre sehr erfreut sich mit ihnen zu Unterhalten.“ hörte Slavik eine Frauenstimme sagen. Ihre Stimme klang klar und rein in seinen Ohren, jedoch durch einige Interferenzen leicht verzerrt. Scheinbar war die Quelle, von der das Signal kam, ziemlich weit entfernt.
Plötzlich hörte Slavik eine vertraute Stimme: „Sagen sie ihrem Auftraggeber, dass ich nicht interessiert bin.“. Es war eindeutig Azrael. Seine Stimme klang auch verzerrt, war aber klar genug, um Slavik zu sagen, dass es ihm scheinbar momentan ziemlich beschissen ging.
Ein kurzes Schweigen trat ein, dann hörte Slavik Schritte, gefolgt von einem lauten, dumpfen Schlag. Dann wurde alles still. Die Verbindung war unterbrochen.
Slavik vermutete, dass Azrael dieser Schlag gegolten hatte und dabei war wohl auch das Headset ausgegangen. „Wenigstens weiß ich jetzt, wo er ist und wie’s ihm geht.“ sagte Slavik mit einer Mischung aus leiser Erheiterung und Bitterkeit. Aber er hatte Recht: er wusste nun, wo Azrael war. Auf dem unbekannten Schiff, das noch immer wie ein Raubtier um seine Beute schlich. Und Slavik wusste nun, wie es Azrael ging. Ziemlich beschissen, wie er schon aus seiner Stimme folgern konnte. Sicherlich war Azrael irgendwo in einer Zelle auf dem Schiff und wurde entweder mit Schlägen oder Drogen ruhig gehalten.
Und, so makaber es sich für Slavik anhören mochte, konnte er doch sagen, dass es sich bei der Besatzung des Schiffes nicht um Corp.-Agenten handelte. Solche Methoden waren nicht in ihrem Stil.
Noch während Slavik darüber grübelte, wer denn nun die Unbekannten auf dem unbekannten Schiff seien, betätigte er geistesabwesend sein Headset und sprach in das Mikrofon: „Hey. Aylen, oder Griff, falls das Dornröschen wieder wach ist. Ich hab eben eine kurze, wenn auch interessante Unterhaltung zwischen Azrael und so einer Tussi mithören können. Aus dieser Unterhaltung heraus habe ich nun eine gute und eine schlechte Nachricht für euch.“. Slavik schwieg und wartete, dass sich einer der beiden melden würde. Als nichts passierte, holte Slavik tief Luft und fuhr fort: „Die Gute zuerst: die Typen auf dem unbekannten Schiff sind nicht von der Corp., soviel ist sicher. Und an uns oder dem Schiff sind sie auch nicht interessiert. Nun die Schlechte: sie scheinen es auf Azrael abgesehen zu haben und ich werde nicht tatenlos zusehen, wie diese Typen, scheiß drauf, wer das auch immer ist, ihn foltern oder am Ende noch umbringen.“. Ein grimmiges Lächeln erschien auf Slaviks dünnen Lippen und ließ sein Gesicht wie eine groteske Maske erscheinen. „Ich weiß zwar nicht, was ihr vorhabt, aber ich werde meinen Kumpel retten. Wenn ihr mithelfen wollt, nur zu.“.
Damit beendete Slavik seine Durchsage und machte sich auf dem Weg zum Hangar. Er wollte auf das Schiff. Was ihn dort erwarten würde, wusste er nicht. Was er wusste, war das ein Freund, den er vor kurzen erst wieder gefunden hatte, dort ziemlich in der Klemme steckte und Hilfe brauchte. Er wusste, dass er, wenn es hart auf hart kam, sich auf seine Pistole und sein Laserschwert verlassen konnte. Und er wusste, dass es sicher nicht leicht werden würde und er hoffte bei Gott, dass Griff oder Aylen, am besten beide, sich noch dazu entschließen würden, ihm zu helfen, bevor es zu spät war.
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