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  1. #11
    Bei mir ist es bald so weit. Wenn ich im Juni mit meinem Zivi fertig bin wird mein Vater hier die Wohnung aufgeben und ich werde mit zwei Freunden für ein Jahr backpackermäßig um die Welt reisen. Ab August haben wir ein halbes Jahr Zeit um irgendwie von Beijing nach Bangkok zu kommen und fliegen dann weiter nach Neuseeland und Australien. Letztlich auf dem Rückflug werden wir noch nach Nordamerika kommen (voraussichtlich New York, wobei ich versuchen will irgendwie noch billig nach Toronto zu kommen, um dort Freunde von mir zu besuchen). Ich freue mich schon wahnsinnig darauf, aber es ist auch irgendwie ein komisches Gefühl alles hinter sich zu lassen. Immerhin werde ich keine Wohnung haben zu der ich zurückkehren kann, sondern bin viel mehr das Jahr über Obdachlos. Meine Sachen kann ich bei Freunden unterbringen, und das Notwendigste werde ich in meinem Rucksack mit mir herumschleppen, aber mehr auch nicht. Die meisten meiner Freunde werde ich ein Jahr lang nur über email-Kontakt sprechen (evtl auch mal übers Telefon). Voraussichtlich werde ich mich auf halber Strecke auch von den anderen beiden mal trennen um alleine weiterzureisen. Noch bin ich recht optimistisch, aber ich denke auch dass es ziemlich hart sein wird, vor allem auch was die finanzierung angeht (müssen wohl unterwegs auch mal jobben), und was Krankheiten und all das angeht, außerdem spreche ich kein Wort chinesisch, thaiwanesisch oder vietnamesisch. Ist wirklich ein Sprung ins kalte Wasser.

    Eine Freundin von mir ist für ein halbes Jahr in Süd- und Mittelamerika unterwegs. Das ist noch viel krasser, vor allem weil sie als Frau alleine unterwegs ist - auch noch in Ländern in denen teilweise Bürgerkrieg herscht. Sie schreibt oft dass es echt hart ist, und sie sich oft sehr einsam fühlt. Nebenher hat sie in einem Krankenhaus für AIDS- kranke Kinder geholfen und an einer Schule Kinder Englisch unterrichtet (sie selbst hat vor ihrer Reise einen Spanisch-CrashKurs gemacht).

    Ich kenne auch einige andere Leute die längere Zeit Backpack technisch unterwegs sind, und bei meinem Job in der Jugendherberge hier lerne ich auch ne Menge Leute kennen die das gerade machen. Was man immer wieder hört, ist dass es am Anfang richtig hart sein kann bis man allmählich ins Reisen rein kommt. Und wenn man zurück kommt in die Heimat fühlt sich alles erst einmal ziemlich falsch an und die meisten Leute leiden vorübergehend an Depressionen, weil sie sich im alten vertrauten zuhause auf einmal fremd vorkommen (meine Freundin hat sich nach ihrer Rückkehr von mir getrennt, weil sie einfach nicht mehr klar gekommen ist mit ihrem alten Leben).

    Es ist schon eine tolle Sache, und ich denke jeder der die Möglichkeit hat sollte das machen, allein um seinen Horizont zu erweitern, und um seine eigenen Grenzen zu erfahren und vielleicht zu überschreiten, aber es ist auch sehr anstrengend und kann mit viel leid verbunden sein.
    Geändert von Jetmoi (04.04.2004 um 22:28 Uhr)

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