„Und ich dachte schon, du wolltest nur mal so zum Spaß sämtliche Monster Balambs ausrotten“, verkündete Xell. Auf die fragenden Blicke der anderen antwortete er: „Was glaubt ihr denn, warum hier kein einziges herumstreunt? Weil Odin und ich Jagd auf sie gemacht haben!“ Er schüttelte den Kopf und sah die GF scheel an. „Manchmal haben mir die Biester fast Leid getan, ehrlich. Du hast das genossen, oder?“
„Ich erfüllte nur meine Pflicht“, behauptete Odin in unschuldigem Tonfall.
„Du hast also Gilgamesh kämpfen lassen, weil er besessen davon war zu beweisen, dass er selbst zurechtkommt?“, erkundigte sich Rinoa und sah Squall grinsend an. „Kennen wir so jemanden nicht, Squall?“
„Und kennen wir nicht ebenso jemanden, der immer glaubt zu wissen, was das Beste für mich ist?“, entgegnete dieser und sah sie herausfordernd lächelnd an. Seine Freundin zog einen Schmollmund, fing dann aber wieder an zu grinsen und belohnte ihn mit einem Kuss auf die Wange. „Hoffentlich bist du nach unserer Hochzeit auch noch so unterhaltsam“, flüsterte sie ihm ins Ohr. „Du entwickelst ja richtigen Sinn für Humor.“
Squall zog eine Grimasse. „Galgenhumor würde ich sagen. Das ist nur meine Art, um meine Angst vor der Ehe zu verbergen.“
„Angst?“ Rinoa sah ihn gespielt überrascht an. „Die werde ich dir gleich nehmen.“ Sie fasste mit der Hand seinen Hinterkopf, zog ihn zu sich herunter und legte ihre Lippen auf die seinen.
„Ähem“, räusperte sich Irvine und sah demonstrativ von den beiden weg. „Odin, wo sind eigentlich deine Geschwister? Wir können sie nicht spüren, also müssen sie noch hier irgendwo in der Welt sein.“
„Das ist richtig.“ Odin wurde ernst. „Sie haben die Forschungsinsel an ihren ursprünglichen Platz im Meer gebracht. Dort werden sie dieses verfluchte Eiland mitsamt den Gefallenen versenken. Es müsste eigentlich jeden Augenblick soweit sein... ah ja“, meinte er, als mehrere Lichtstrahlen über Balamb hinwegflogen und am Horizont verschwanden. „Alexander hat diese Aufgabe übernommen.“
Sieben Augenpaare sahen gespannt zum Horizont, bis von einem Augenblick auf den anderen eine Säule aus Rauch und Licht Hunderte Meter hoch in den Himmel stieg. Im selben Augenblick fühlten sie die vertrauten Kopplungen ihrer GF wieder. Die letzte Aufgabe war nun vollendet. Die Geräte der Insel waren zerstört, Condenos war tot, und mit ihm auch…
„Ich glaube, Cifer hätte diese Art von Begräbnis gefallen“, sprach Xell aus, was alle dachten. „Richtig pompös und heroisch.“
„Ich dachte, du magst ihn nicht“, wunderte sich Quistis. „Wieso willst du das wissen?“
Xell zog eine Schnute. „Klar mag... mochte ich ihn nicht“, antwortete er abfällig. „Aber ich glaube, ich weiß ganz gut, wie er gedacht hat und dieses überall sichtbare Karacho hätte ihm gefallen. Das heißt nicht, dass ich ihm gern auf Squalls und Rinoas Hochzeit begegnet wäre.“
„Ach ja, die Hooooochzeit“, schaltete sich Selphie geschäftig wieder ein. „Sag mal Odin, hättet du und ein paar von deinen Verwandten nicht Zeit, auch dort zu erscheinen?“
Der GF blieb der Mund offen stehen bei dieser Bitte.
„Genau“, mischte sich Irvine grinsend ein und legte einen Arm auf Selphies Schulter. „Gute Idee. Ihr könntet euch ums Feuerwerk kümmern, dann müsste Laguna nicht so viel dafür zahlen. Du und Diabolos, ihr könntet doch auch die Türsteher vor der Kirche machen, dann kommt garantiert kein Unbefugter rein. Und Shiva und Siren machen die Brautjungfern!“
„Kooooommt ja gar nicht in Frage!“, rief Selphie energisch. „Da läuft’s Rinoa doch die ganze Zeit kalt den Rücken runter! Außerdem sind selbstverständlich Quistis und ich Rinoas Brautjungfern!“
„Ich?“, fragte Quistis fast erschrocken. „Seit wann denn das?“
„Hat dir Mama das nicht gesagt?“, fragte Xell verwundert. „Ich bin mir sicher, dass ich sie gebeten habe, es dir auszurichten. Hast du etwa was dagegen?“
„Nein, nein...“ Natürlich hatte Edea es ihr noch nicht ausgerichtet. Sie war ja noch nicht einmal soweit gewesen, überhaupt zur Feier zu erscheinen. Quistis setzte ein Lächeln auf. „Es wäre eine große Ehre... nein, vielmehr eine Freude.“
„Eben“, pflichtete Irvine bei. „Betrachtet es doch einfach als Einführung von Gilgamesh in diese Welt“, wandte er sich an Odin. „Wenn ihr erst mal Esthar von innen gesehen habt, wird euch garantiert kein Kampf hektisch, glaub mir. Ihr könntet doch auch Hyne mitbringen, wenn ihr schon dabei seid. Ein bisschen Prominenz kann nicht schaden.“
„Machst du dich über mich lustig, Mensch?“, knurrte Odin, der endlich seine Sprache wiedergefunden hatte.
„Ganz und gaaaaar nicht“, schaltete sich Selphie wieder ein. Sie sah ihm fest in die Augen. „Bist du Squall und Rinoa nicht etwas schuldig, weil sie dich wiedererweckt haben?“
Odin sah hilflos zu den beiden hin, die allerdings noch immer aufs Meer hinausstarrten. Was die anderen hinter ihnen besprachen, kümmerte sie nicht. Dann sah er hoffnungsvoll zu Quistis hin, die aber den Kopf schüttelte.
„Tut mir Leid“, meinte sie lächelnd. „Aber ich fürchte, du musst wirklich kommen. Nimm’s nicht so schwer, du hast doch vorhin zu mir gesagt, ALLE GF stünden in unserer Schuld, oder? Dann müssen auch alle kommen.“
„Stimmt, das haben Pandemona und Shiva auch gesagt“, pflichtete Xell bei. „Ich fürchte wirklich, ihr habt gar keine andere Wahl, als zu kommen.“
„Aber...“
„Sind sie nicht süß, Squall?“, fragte Rinoa leise. Sie hatte ihren Kopf auf seine Schulter gelegt und ihre Hände umschlossen seinen Körper. Sein Arm lag über ihrer Schulter und drückte sie sanft an ihn, während sein Kopf auf ihren weichen Haaren gebettet lag. „Für uns legen sie sich sogar mit der Göttin Hyne an!“
„Hoffentlich nicht“, meinte Squall amüsiert. „Ich glaube, wir brauchen sie und die GF noch. Ich bete nur, dass Selphie nicht auch noch verlangt, dass sie Abendkleidung tragen müssen.“
„Das dürfte bei einigen von ihnen schwierig werden“, stimmte Rinoa kichernd zu, während sie sich Kaktor und Diabolos im Frack vorstellte. Dann schwiegen beide eine Weile und lauschten der Diskussion der anderen.
„Squall“, bracht Rinoa schließlich das Schweigen. „Wolltest du wirklich, dass ich dich vorhin im Kampf verlasse und Hilfe hole?“
„Nein, nicht wirklich“, gab Squall zu und drückte sie fester an sich. „Und du, hast du nicht einen Moment daran gedacht, Cifers Angebot anzunehmen?“
„Nicht wirklich. Unsere Eltern wären entsetzt über diesen Leichtsinn, oder?“
„Das kümmert mich wenig.“ Squall fasste sie an den Schultern und drehte sie zu sich herum. Er sah wieder sehr ernst aus. „Ich würde dich auch dann heiraten, wenn die gesamte Welt dagegen wäre. Ich liebe dich, Rinoa.“
„Ich dich auch, mein unerschrockener Ritter.“ Sie trat an ihn heran und legte ihre Arme um seinen Hals, während sie die seinen wieder zu ihm zogen. Sie fühlte, wie sein Herz pochte, wie auch ihres höher schlug, wenn sie so nahe bei ihm war. Ihre Lippen berührten sich sanft, während die Staubwolke, welche einmal die Forschungsinsel gewesen war, auf der sie beinahe auseinandergerissen worden wären, weggeweht wurde.
Hinter ihnen begann jemand zu fluchen. „Ist denn das die Möglichkeit?“, ereiferte sich Xell. „Hängen die schon wieder aneinander! Irgendwann erstickt ihr noch!“
„Ach, Xell, du bist doch bloß eifersüchtig!“
„Eifersüchtig? Ich?“
„Du musst doch nicht gleich rot werden...“
Rinoa und Squall ließen sich von der neuerlichen Diskussion nicht stören. Erst einige Minuten später hob die Ragnarok von Balamb ab und nahm Kurs auf Esthar, wo ein wohlbekanntes Paar schon dringend zu seiner Hochzeit erwartet wurde. Niemand an Bord hatte vor, dieses Ereignis noch länger warten zu lassen.






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