„Es muss sein, Rinoa“, drang der Junge in ihre Gedanken, als hätte er sie gelesen. „Nicht nur er will diesen Kampf.“
Das Mädchen drehte erschrocken den Kopf zu Squall hin. Er sah Cifer immer noch mit eisenharten Augen an,... aber seine Mundwinkel waren zu einem Lächeln verzogen. Er genoss diesen Kampf!
„Ich zeige es nie“, fuhr der Junge fort, sah sie aber nicht an. Er war voll auf seinen Gegner konzentriert. „Aber ich wollte Cifer immer schon für sein letztes Geschenk danken.“ Er nahm eine Hand vom Schwert und fuhr sich über die Narbe auf seiner Stirn. „Und für die Demütigung. Heute wird endgültig entschieden, wer der beste Gunblade-Kämpfer des Balamb Garden ist. Nicht wahr, Cifer?“
„Sehr richtig, Kleiner. Freut mich, dass du so denkst.“ Cifer grinste gewohnt arrogant. „Es würde keinen Spaß machen, wenn du nicht die richtige Einstellung hättest.“
„Squall, verdammt noch mal, was soll das?“ In Rinoas Augen standen Tränen der Wut. „Wieso willst du dich unbedingt von ihm umbringen lassen?“
In diesem Augenblick machte Squall etwas sehr Unvorsichtiges: Mitten im Kampf sah er sie an und senkte die Waffe. Er hob seine Hand und fuhr seiner Freundin sanft über das Gesicht. „Das will ich nicht, Rinoa“, antwortete er in zärtlichem Tonfall. „Ich wünsche mir nichts mehr, als mein Leben mit dir zu verbringen. Aber dazu muss ich meine Vergangenheit hinter mir lassen, verstehst du? Und dieser Kampf gehört dazu.“ Er lächelte sie an und wischte ihr die Tränen weg, aber nun rannen weitere die Wangen herunter.
„Aber er wird uns töten, wenn wir keine GF einsetzen, Squall!“, schluchzte sie. „Du hast doch keine Chance, ihn zu besiegen, wenn ihr beide nur mit den Gunblades angreift.“
„Vielleicht“, gab Squall zu. Er legte seine Hand wieder auf die Waffe und hob die Gunblade. „Aber das ist nicht sicher. Rinoa, ich glaube fest daran, dass wir gemeinsam siegen können. Vertraust du mir?“
„Was ist das für eine blöde Frage?“, schnappte sie und wusste nicht, ob sie heulen oder lachen sollte. Welchen Typen hatte sie sich da nur angelacht? „Natürlich vertraue ich dir, Squall.“
„Dann glaub mir, dass dies die richtige Art des Kampfes ist. Du kannst angreifen, Cifer.“
Rinoa sog erschrocken Luft ein. „Er kann schon wieder angreifen?“
„Natürlich. Schon eine ganze Weile lang. Nicht wahr, Cifer?“
„Richtig“, bestätigte der blonde Junge. „Und bevor du fragst: Ich hätte Squall ohne Mühe töten können, als er seine Waffe gesenkt hat. Aber dieser Kampf ist mir viel zu wichtig, als dass ich ihn so gewinnen möchte.“ Er grinste. „Aber von jetzt ab gibt’s keine Pausen mehr.“
Squall nickte. „Ist mir nur recht.“ Er hob die „Löwenherz“ noch etwas höher und sein Blick wurde wieder hart.
Auch Rinoa hob zögernd den „Shooting Star.“ „Auf was hab’ ich mich da nur eingelassen?“
Xell verpasste einer Stichraupe einen Uppercut, der das Monster mit seinen normalen Kopplungen zu Boden geschickt hätte. Aber die Bedingungen waren nicht normal, und hätte er keine Hilfe gehabt, hätte es böse für ihn ausgesehen. Das Stadttor von Balamb war schon etwas lädiert, da schon ein Archeodinos in die Stadt gekommen war, aber trotzdem bot es nur Platz für wenige Monster auf einmal und war deshalb gut zu verteidigen.
Allerdings wäre Xell viel wohler gewesen, wenn Squall und die anderen hier gewesen wären. Er nahm den Angriff eines Beißkäfers in Kauf und drosch ein Guheys Eye, welches gerade an ihm vorbeischlüpfen wollte, zu Boden. Weiter hinten erschütterte ein Beben-Zauber den Grund und einige Stichraupen und Archeodinos wurden gehörig durchgeschüttelt. Xell warf einen dankbaren Blick zu seiner Mutter hoch, die auf dem Dach eines Hauses stand und den Monstern Zauber drawte. Sie lächelte zurück und sprach „Vitra“ auf ihn.
Sie und Xells Nachbar waren beide in der Stadt und damit für die Monster unerreichbar, andererseits konnten sie von oben herab Zauber auf sie sprechen. Der Mann sprach gerade „Eisga“ auf eine Stichraupe. Xell hingegen stand direkt vor dem Eingang von Balamb und hinderte die Monster daran, in Scharen einzufallen. Hinter ihm in der Stadt waren die restlichen Bewohner stationiert, welche den wenigen Monstern, die doch durchkamen, den Rest gaben.
In der Theorie war Xells Plan ganz einfach, dachte er sich, während er einen Archeodinos angriff, der wütend versuchte, in die Stadt zu gelangen. Aber wieso hab ich dann hier so ein schlechtes Gefühl?
„He“, rief er Yarrek zu, der bei seinem Vater stand und ihm Ratschläge gab. „Haltet mir diesen Archeodinos vom Leib! Ich hab genug zu tun!“ Er zuckte schmerzhaft zusammen, als eine Stichraupe und ein Beißkäfer gleichzeitig auf ihn losgingen, aber mit einigen wütenden Hieben trieb er sie zurück. Gleich darauf schüttelte sich der Archeodinos, als ein weiterer Eisga-Zauber ihn traf. Der Blitzga-Zauber seiner Mutter gab ihm den Rest. Aber schon wieder waren die nächsten Purpurmäuse, Buels, Beißkäfer und Stichraupen heran.
Xell biss die Zähne zusammen und schlug einen Buel nieder, bevor er einen seiner gefürchteten Zauber sprechen konnte. Zwar war dieses Monster nicht sehr hoch bei den Leveln, aber für die Leute in Balamb konnte es gefährlich werden. Eine Stichraupe versuchte, ihn mit „Stop“ zu belegen, scheiterte aber zum Glück, denn „Medica“ beherrschte leider kein einziges dieser Viecher hier.
„Mama, setz mal Shiva ein!“, rief er seiner Mutter zu. „Wir müssen die Archeodinos schwächen! Yarrek, unternehmt was gegen diese Bomber dort!“
Seine Mutter nickte und konzentrierte sich. Yarrek deutete auf ein Monster und flüsterte seinem Vater zu, welchen Zauber er ziehen sollte. Xell musste indessen einige weitere schmerzhafte Stöße, Bisse und Hiebe einstecken, hielt sich aber noch, indem er ein Elixier trank. Er atmete erleichtert auf, als Shiva auftauchte und einen großen Teil der Monster auf der Seite seiner Mutter einfror. Viele davon verschwanden gleich darauf.
Xell grinste und verpasste einem Bomber ein paar kräftige Hiebe, die ihn zu Boden stürzen ließen. Bei den Viechern musste man aufpassen, dass sie einen nicht in den Tod nahmen. Plötzlich war ein weiterer Archeodinos heran und führte seine Schwanzattacke aus. Xell fluchte, als ihm ein großer Teil seiner ohnehin geringen Lebenspunkte abgezogen wurde.
„Yarrek!“, brüllte er. „Setzt Pandemona ein! Meine Mutter drawt inzwischen für euch!“
„Xell“, hörte er den Jungen plötzlich leise wimmern „das geht nicht...“
Xell versetzte einem Buel einen Kick, der ihn gegen seine Hintermänner schleuderte und sah rasch zu dem Jungen hoch. Beinahe wären ihm die Augen aus dem Kopf gesprungen. Pandemona hatte sich von Yarreks Vater gelöst und schwebte über ihm. Er blickte kurz zu seiner Mutter. Ja, auch Shiva war entkoppelt. Aber wieso?






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