Cifer zog die Augenbraue hoch. „Ihr wisst von Condenos? Auch egal. Nein, Squall, ich will diesen Kampf! Ich wollte ihn immer. Und noch nie gab es so gute Voraussetzungen dafür wie jetzt! Diesen Moment werde ich nicht vorüberziehen lassen!“
Squall hob die „Löwenherz“ in seine Richtung. Sein Gesicht war noch immer ausdruckslos. „Worauf warten wir dann noch?“
„Auf deinen Partner.“
Überrascht wollte Squall den Kopf umwenden, als plötzlich jemand neben ihm abbremste. Er war so auf Cifer konzentriert gewesen, dass er den Kämpfer nicht hatte kommen hören. Besser gesagt, die Kämpferin...
„Halt jetzt keine Volksreden, Squall!“, schnitt ihm Rinoa das Wort im Mund ab. Ihr „Shooting Star“ war auf Cifer gerichtet. „Ich lasse dich nicht alleine kämpfen! Nicht, bevor wir verheiratet sind!“
Einen Moment lang wollte Squall widersprechen, aber dann sah er resignierend in den Himmel und richtete den Blick dann wieder auf Cifer. „Mit dir hole ich mir was ins Haus“, murmelte er. „Vielleicht sollte ich mir unsere Heirat doch noch einmal überlegen.“
„Wag es ja nicht!“
„Man spricht von Hochzeit?“, meldete sich Cifer wieder zu Wort. Er streckte seine Gunblade nach vorne. „Etwas verfrüht, finde ich.“ Dann verschwand das überhebliche Lächeln wieder. „Solltet ihr mich besiegen, Squall... möchte ich, dass du meine herzlichsten Glückwünsche annimmst. Und du auch, Rinoa. Ihr seid füreinander geschaffen, ich wusste das schon, als ich Artemisias Hexenritter war. Aber erst einmal wird unser letzter Kampf stattfinden! Und ich habe nicht vor, ihn zu verlieren!“

„Ich hasse Belagerungen“, meckerte Kiros, während er ein Laser-Geschütz bediente. „Habe ich das heute schon gesagt, Laguna?“
„Mindestens zehn Mal“, entgegnete dieser, während er mit seiner MG vom Dach der Residenz auf die Monster schoss, die in das Gebäude eindringen wollten. Wenn sie das schafften, mussten sie nur noch das vorderste Tor durchbrechen, um in die Innere Straße zu gelangen... und welches Gemetzel dann stattfinden würde, wollte er sich nicht ausmalen. Er griff an seinen Gürtel, entfernte den Sicherungsstift einer Granate und warf sie mitten in einen Schwarm Quale. „Nicht wahr, Ward?“
Der gezwungenermaßen schweigsame Soldat, der wie Kiros und Laguna ihre bequeme Kluft angezogen hatte, in der sie in Esthar angekommen waren, war gerade dabei, sein eigenes Geschütz auf einen Behemoth auszurichten. Er nickte mit starrem Gesicht und feuerte. Der Todesschrei des Tieres war aber nicht so laut wie die explodierende Granate, die mehrere Quale in dichtem Rauch verschwinden ließ.
„Machst du dir eigentlich keine Sorgen wegen Ell?“, fragte der dunkelhäutige Klingenkämpfer. Er traf mit seinem langsam überhitzenden Geschütz einen Stahlkoloss genau in die Brust. Das Wesen sackte zusammen und wurde sofort niedergetrampelt, als drei andere Monster seinen Platz gleichzeitig einnahmen.
„Doch“, erwiderte Laguna leise. Wieder warf er eine Granate. „Aber ich vertraue auf Edea und Cids Leute. Wenn sie es nicht schaffen, Ell zu retten, dann kann es niemand.“ Er griff wieder nach der MG. Ward sah ihn zweifelnd an und der Präsident Esthars seufzte. „Stimmt, ich würde natürlich lieber bei ihr sein. Aber wir können es uns nun mal nicht leisten, noch mehr Leute nach ihnen auszuschicken.“
„Du hast das Richtige getan, Laguna.“ Kiros nahm eine Automatik zur Hand, die er einem der Soldaten abgenommen hatte und legte an. „Cid kann die Airstation mit Sicherheit halten, die Truppen sind mit dem Einkaufszentrum und dem Magieinstitut auch nicht überfordert und die Residenz können wir Jahre halten!“
Laguna sah ihn grinsend an. „Ich dachte, du hasst Belagerungen?“
„Tu ich auch“, sagte Kiros, ohne ihn anzusehen. Er schoss auf ein Rudel Doppel-Hacker, welches in alle Himmelsrichtungen floh. „Ich wollte dich nur etwas aufheitern.“ Er nickte Ward zu, der soeben drei Monster mit einem Laserstrahl erwischt hatte. „Guter Schuss.“
„Halt hier keine Volksreden!“, trug ihm Laguna auf. „Da versuchen ein paar von den Biestern, an den Wänden zu uns hochzuklettern!“
Tatsächlich. Einige Galchimesäras hatten schon die Hälfte der Mauer zurückgelegt, aber Lagunas und Kiros’ vereintes Feuer warf sie wieder zurück zu Boden. Eine nachgeworfene Granate verjagte auch die letzten abenteuerlustigen Kletterer. Aber dennoch waren es viele Monster, die versuchten, an ihnen vorbeizukommen und unendlich Munition hatten sie nicht.
„Ich bin zwar eigentlich nicht der Typ für so was“, erklärte Laguna. „Aber momentan gäbe ich wirklich mein Königreich für einen vernünftigen Zauber!“
„Du bist Präsident, kein König.“
„Glaubst du, diese Viecher würden auch einen unordentlichen Schreibtisch annehmen?“
„Ehrlich gesagt bezweifle ich das.“

„Das ist Wahnsinn, ihr beiden!“, rief Irvine mit vollem Stimmaufwand, um das Donnern seiner „Exetor“ zu übertönen. Er sprang zurück. „Während wir uns hier schlagen, gehen Hunderte Menschen drauf!“
Verbissenes Schweigen antwortete ihm, gefolgt von einem von Fu-jin geworfenen Wurfstern. Er zuckte zusammen und nahm dankbar zur Kenntnis, dass Quistis ihn mit einem Hi-Potion heilte. Inzwischen ließ Selphie Bahamut los. Die Drachen-GF fügte Fu-jin und Rai-jin schweren Schaden zu. Für normale Menschen. Aber die beiden waren nicht normal.
Rai-jins Hieb richtete sich das nächste Mal gegen Selphie. Wütend biss der Scharfschütze auf seine Lippe, bezwang aber seinen Zorn und heilte das Mädchen nun seinerseits. Sie schenkte ihm ein kurzes Lächeln, nahm dann aber sofort wieder Kampfpose ein.
„Waaaaas wollt ihr überhaupt machen, wenn ihr hier gewinnt?“, rief sie den beiden Kämpfern zu. „Durch eure Mitteilung weeeeeiß jedes Land dieser Welt, dass ihr für das Verschwinden der Zauber verantwortlich seid! Was glaubt ihr, werden die Leute wohl machen, weeeeenn sie euch mal in die Finger bekommen?“
Rai-jin und Fu-jin schwiegen noch immer, aber ihre Gegner sahen, wie sich ein betroffener Ausdruck auf ihren Gesichtern Platz machte. Gut, langsam wurden sie unsicher. Quistis nahm Kontakt mit Diabolos auf. Ein weiser Entschluss, wie sich zeigte, denn diesmal hatte Fu-jin sie aufs Korn genommen. Der Wurfstern der grauhaarigen Frau wurde von Diabolos’ magischem Schutz abgewehrt.
Selphie wartete ab, bis Rai-jin an der Reihe gewesen war. Der Junge schlug nach Irvine, verfehlte ihn jedoch knapp. Sie kramte in ihren Taschen und warf einen Meteor-Stein. Glücklicherweise war die tiefverwurzelte Magie in diesen Steinen nicht flötengegangen. Ein gutes Dutzend Kometen schlug auf den beiden Kämpfern ein. Dennoch standen sie noch immer da wie ein Fels in der Brandung.
„Na, fühlt ihr euch gut, wenn ihr ein Wesen verteidigt, das den Tod aller Menschen will?“, fragte Quistis ätzend. „Ich bin sicher, es wird euch danach die Gnade gewähren, als seine Diener weiterleben zu dürfen.“
„Sei still!“, schrie Rai-jin mit überschnappender Stimme. Das Gesicht des Jungen war wutverzerrt. „Wir machen das mal nur für Cifer!“
„Ruhig!“, befahl Fu-jin knapp und der Junge brach ab. „Konzentration!“
„Laaaaass ihn doch reden“, empfahl Selphie, während Diabolos Quistis’ Platz einnahm. Die schwarz-rote GF warf einen Blick zur Lichtsäule hin, erhob sich dann aber gehorsam in die Luft und erschuf ihre Schwerkraftkugel. Diese ließ sie dann ungewohnt heftig auf Fu-jin und Rai-jin niederfahren. Selphie fuhr fort: „Cifer haaaat mehr als einmal bewiesen, dass er sich irren kann!“
„Cifer ist mal kein Mörder!“, rief Rai-jin nun doch, während er Quistis hart attackierte. Gleich darauf sprang jedoch Irvine vor und schoss ihm eine Kugel nach, die den kräftigen Jungen schmerzhaft zusammenzucken ließ. Er knurrte wütend, richtete sich aber gleich wieder auf, als Fu-jin ein Mega-Potion warf.
„Und wie nennst du es, wenn wegen seiner Eitelkeit Menschen sterben?“, wollte Quistis wissen. In ihrer Stimme lagen nur Enttäuschung und Verachtung. „Ihr drei seid eine Schande für unseren Garden... nein, für die Menschheit!“
„Ruhe!“, brüllte nun auch Fu-jin. Es war das erste Mal, dass die junge Frau so offen die Beherrschung verlor. Selphie nutzte den Moment und warf einen Ultima-Stein, der die beiden Kämpfer unvorbereitet traf. Dennoch waren sie noch lange nicht tot. Im Gegenteil, sie waren wütender als je zuvor.
Quistis, der dieser Ausdruck in den Augen nicht entgangen war, warf ein Final-Elixier. Wenn die beiden jetzt richtig wütend waren, dann brauchten sie alles Leben, was sie bekommen konnten. Diese Tat war richtig gewesen, wie sich herausstellte, da Fu-jin sofort darauf auf sie losging. Quistis zuckte zusammen. Dieser Schaden war unnatürlich hoch. Sie betrachtete Fu-jin und Rai-jin genauer, und jetzt erst fiel ihr das rote Funkeln auf. Sie schluckte. Die beiden waren schon normal sehr stark... aber jetzt waren sie von „Tobsucht“ befallen.