Auf einmal zischte etwas Leuchtendes durch die offene Tür, direkt auf das Monster zu. Alle, sogar Ell schrieen auf, als etwas den Galchimesära durchstieß. Ungläubig betrachtete die Bestie den Vogel aus glitzerndem Eis, der ihm durch die Brust gedrungen war. Dann kippte sie lautlos zur Seite und verschwand.
„Edea!“, stieß Ell hervor. Sie hatte das Limit der anderen Hexe erkannt. „Wo bist du?“
Eine zierliche Frauengestalt schob sich durch die Tür und schloss sie gleich darauf. Einen Augenblick lauschte sie, ob momentan noch ein Monster herkam, dann drehte Edea sich um. „Ich wusste doch, dass du hierher kommst“, meinte sie. „Dein Vater hat mal erwähnt, dass du Esthars Kassen mit deinen Einkaufstouren leerst!“ Ell lachte befreit auf.
Im nächsten Moment drängten sich die Kinder wie ein Mann nach vorn und scharten sich um ihre Mutter. Nicht wenige weinten, einige wollten wissen, was Edea gemacht hatte und einige wollten sich nur bei ihr festhalten. Die Hexe streichelte beruhigend über einige Köpfe und riet ihnen dann, wieder zurückzugehen. Mit allen Monstern würde sie auch mit ihrem „Eisigen Zorn“ den Kürzeren ziehen.
„Lande auf Balamb, Selphie!“, befahl Squall kalt, während er die Forschungsinsel musterte. Wie alle anderen hatte er die Silhouetten von Cifer, Rai-jin und Fu-jin gesehen, die der Ragnarok entgegengesehen hatten. Cifer hatte sogar höhnisch mit der Gunblade gewinkt. Squall ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Mit steinerner Miene wartete er ab, bis das Raumschiff am Strand von Balamb gelandet war. Diesmal, dachte er empfindungslos, werde ich es zu Ende bringen! Ein für alle Mal!
„Squall?“ Quistis’ Stimme klang beinahe schüchtern, gar nicht so befehlsgewohnt wie früher. „Hast du irgendeinen Plan, nach dem wir vorgehen sollten?“
„Oder wollen wir einfach vorstürmen und diese Hunde niedermachen?“, fragte Irvine, aber nicht einmal er grinste jetzt noch.
„Hier ist der Plan“, erwiderte er, ohne den Blick von der Insel abzuwenden. „Ich werde Cifer offen entgegentreten. Ihr werdet Rai-jin und Fu-jin überrennen und dann die Maschinen im Inneren der Insel abschalten. Dann verschwinden wir.“
„Kommt nicht in Frage!“, brauste Rinoa auf. Sie packte Squall von hinten an der Schulter. „Du glaubst doch nicht im Ernst, dass du Cifer ohne Magie ganz allein besiegen kannst? Ich komme auf jeden Fall mit dir!“
„Sei still!“ Squall hatte nicht geschrieen. Die Worte waren mit eisiger Ruhe über seine Lippen gekommen. „Du wirst auf keinen Fall mit mir kämpfen! Du bleibst bei den anderen, damit sie dich beschützen können.“
„Das kannst du mit mir nicht...“
„Irvine, ich vertraue sie dir an“, fuhr Squall fort, ohne Rinoa zu beachten. „Gib acht, dass sie auch wirklich bei euch bleibt!“
Irvine zögerte, als er Rinoas wutentbranntes Gesicht sah. „Squall“, bat er. „Findest du nicht, dass sie...“
„Nein, finde ich nicht! Ihr werdet viel schneller mit Fu-jin und Rai-jin fertig, wenn sie bei euch ist. Dann ist auch der Kampf zwischen Cifer und mir schneller aus.“
„Aber Cheeeef“, warf Selphie protestierend ein. Das Mädchen war aus dem Pilotensitz gestiegen und neben Squall getreten. Er blickte noch immer nicht von der Insel weg.
„Squall, du kannst mir nicht befehlen, von dir wegzubleiben, wenn Cifer dich vielleicht umbringt!“ Rinoa war fast noch wütender als damals, als sie Squall wegen seiner kaltschnäuzigen Art vor allen Leuten in Timber die Leviten gelesen hatte. „Ich lass doch nicht zu, dass du wegen deines blöden Stolzes getötet wirst! Denk doch auch an mich, du Idiot!“
„Denkst du, das tue ich nicht?“ Squalls Stimme war jetzt schon etwas sanfter. Er drehte sich zu seinen Freunden um. „Deshalb will ich dich nicht in Gefahr bringen. Wenn du bei den anderen bist, könnt ihr euch helfen und eure Kämpfe schnell zu Ende bringen. Vergesst nicht, die Magie muss so schnell wie möglich wieder freigesetzt werden! Cifer wird wohl eine Weile mit mir spielen und mit seiner Kraft protzen wollen, das verschafft euch noch zusätzlich Zeit. Und ihr werdet wahrscheinlich jeden Mann gegen Condenos brauchen.“
„Ich pfeife auf diesen Condenos!“, schrie Rinoa, aber ihre Stimme klang trotzig wie die eines Kindes. „Du DARFST einfach nicht allein gegen Cifer antreten!“
Squall sah zu Boden. „Tut mir Leid“, sagte er. „Aber dann habe ich keine Wahl. Selphie, Irvine, ihr beide sorgt dafür, dass Rinoa mit euch kämpft. Zusammen mit Quistis habt ihr bessere Chancen gegen die GF. Quistis, ich kann es dir nicht befehlen, aber ich bitte dich, ebenfalls auf sie zu achten.“
Die drei Angesprochenen sahen ihn sprachlos an. Aber wahrscheinlich fühlten sie sich nicht halb so unwohl wie er selbst. Das würde ihm Rinoa noch jahrelang übel nehmen, das wusste er. Doch zurücknehmen durfte er den Befehl nicht mehr, also straffte er die Schultern und ging ohne ein weiteres Wort an den anderen vorbei. Es dauerte eine Weile, bis er die ersten zögernden Schritte hinter sich hörte.
Squall blieb erst wieder stehen, als er am Strand von Balamb und somit am Rand der Forschungsinsel angekommen war. Eine Strickleiter war an den Klippen der Insel befestigt, aber der Junge wartete noch damit, sie zu erklimmen, bis die anderen zu ihm aufgeschlossen hatten. Ohne sich umzudrehen verkündete er: „Ihr wisst, was ihr zu tun habt. Zögert nicht, die GF einzusetzen, denn momentan sind wir sehr verwundbar! ...Viel Glück euch allen.“
Er wartete nicht auf eine Reaktion, sondern ergriff die Strickleiter und kletterte an ihr hoch. Als er den Kopf über den Rand streckte, sah er sofort Cifer, der den Anschein gab, schon lange ungeduldig zu warten. Neben ihm standen Fu-jin und Rai-jin, die ihn mit undeutbaren Mienen ansahen.
„Du hast dir ganz schön Zeit gelassen, Squall“, verkündete Cifer und ließ seine Gunblade auf die flache Hand klatschen. „Ich hab dich viel früher erwartet.“
Squall würdigte ihn nicht eines Wortes. Statt dessen zog er sich vollkommen hoch und streckte gleich darauf Selphie, die ihm nachgeklettert war, seine Hand hin. Das Mädchen ergriff sie und zog sich hoch. Gleich darauf erschien Rinoa, die ihn keines Blickes würdigte, hinter ihr Irvine, der sich von Selphie hoch helfen ließ und als Abschluss Quistis.






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