Laguna schüttelte den Kopf. „Das ist das Dümmste, was ich seit langen Jahren gehört habe“, behauptete er. „Sie behaupten also, ich würde die Zauber stehlen, um die SEEDs zu stärken? Jeder Garden-Ausbilder oder Magie-Forscher wird Ihnen bestätigen, dass Zauber die Quelle der Macht eines jeden SEED sind! Nein, manövrieren Sie sich nicht noch tiefer in den Dreck, Jeed“, wehrte er ab, als der Mann etwas erwidern wollte. „Es gibt noch andere Beweise dafür, dass diese Theorie nicht stimmt. Zum Beispiel dieser Brief von Ihnen, den Sie mir vor einer Woche geschickt haben.“ Er hielt das Schriftstück hoch, das sich Quistis vorhin durchgelesen hatte. „Darin behaupten Sie, dass ich einen Pakt mit Galbadia schließen will... und gerade jetzt haben Sie mir ins Gesicht gesagt, dass ich Galbadia angreifen will. Was stimmt nun also?“ Er sah den älteren Mann so zornig an, dass dieser einen Schritt zurücktrat. Hinter dem Politiker entstand verwirrtes Gemurmel. Offenbar begannen selbst die Anhänger dieses Marktschreiers langsam nachzudenken.
„Ich bitte Sie, ersparen Sie uns weitere Hirngespinste von Ihnen“, verkündete Laguna, ohne dem Mann eine Chance auf Gegenwehr zu bieten. „Sonst werde ich Sie wegen übler Nachrede verklagen. Und mein Sohn wird wohl auch ein Wörtchen mit ihm reden wollen, dafür, dass Sie sein wichtigstes Fest für ein politisches Manöver halten. Jeder, der Rinoa und ihn auch nur ein bisschen kennt, weiß, wie sehr sie sich lieben.“
Als Jeed ihn nur anstarren konnte, wandte Laguna sich an dessen Anhänger. „Ich hoffe, ich habe euch die Glaubwürdigkeit eures Anführers zur Genüge demonstriert. Wer aber noch an mir zweifelt, dem sei gesagt: Ich hätte die militärische Kontrolle über Esthar jederzeit ausüben können! Das Militär rühmt die Erfolge meines Sohnes und seiner tapferen Freunde. Und auch ich, Kiros und Ward werden hochgeachtet, weil wir es gewagt haben, gegen Adell zu kämpfen! Ich bin sicher, dass die meisten Soldaten Esthars mir bereitwillig gefolgt wären, wenn ich sie dazu aufgefordert hätte, Esthar für mich zu sichern. Ich habe dort immer noch Freunde aus der Zeit mit Adell. Und wenn nicht sie, dann hätten mich die SEEDs auch an der Spitze der Stadt halten können. Aber das wollte ich nicht. Bitte denkt darüber nach. Und jetzt... auf Wiedersehen!“
Die meisten Leute bemerkten gar nicht, dass Kiros und Ward sie aus dem Raum hinausdrängten. Selbst Crannox Jeed verbiss sich jedes Kommentar und sandte Laguna lediglich einen vernichtenden Blick zu. Dieser lächelte dem Mann nach, bis sich die Türen geschlossen hatten. Dann fiel die Befehlsgewalt von ihm ab und er ließ sich in seinen Sessel fallen.
„Puuuuh“, machte er. „So was will ich nie wieder durchmachen müssen.“
„Das war wirklich beeindruckend, Laguna“, erklärte Edea verwundert. „Eine solch eindringliche Rede hätte ich dir ehrlich gesagt niemals zugetraut.“
„Ach, tatsächlich?“, erwiderte er schief grinsend.
„Nein, im Ernst“, schloss sich Quistis ihm an. „Das war echt super. Du hast diesen Kerl förmlich in den Boden gestampft!“
„Ich glaube nicht, dass wir mit ihm in nächster Zeit noch rechnen können“, stimmte Kiros grinsend zu. „Er wird jetzt eine Weile lang damit beschäftigt sein, sein angeschlagenes Image wieder aufzupolieren. Und nach dieser Schlappe wird das wahrscheinlich lange dauern.“ Ward nickte zustimmend, deutete dann aber etwas in seiner Zeichensprache an. Kiros wurde wieder ernst. „Ach ja. Ward hat eben angedeutet, dass dieser Idiot ja gesagt hat, dass Monster auf uns zumarschieren. Hat er das auch gelogen oder ist das ausnahmsweise die Wahrheit?“
Edea und Quistis wechselten einen Blick. „Nein, ich fürchte, das könnte stimmen“, gab die Hexe zu. „Quistis, erzähl ihnen, weshalb wir überhaupt nach Esthar gekommen sind.“
Quistis gab knapp wieder, wie der Adaman Tamai sie plötzlich angegriffen hatte und sie beschlossen hatten, Laguna aufzusuchen. Dass sie dann von mehreren Monstern belagert worden waren, die sich seltsam verhalten hatten und dass ihr am Ende wie hier in Esthar sämtliche Zauber gedrawt worden waren. Laguna wirkte immer besorgter.
„Weißt du, dass Squall und den anderen etwas ganz Ähnliches passiert ist?“, fragte er, als sie geendet hatte. Auf ihren fragenden Blick erklärte er: „Ich weiß auch nicht alle Einzelheiten, aber anscheinend sind überall dort sämtliche Zauber abhanden gekommen, wo diese seltsame Forschungsinsel war. Squall hat als erster den Verdacht geäußert, dass sie etwas damit zu tun hat, aber er hatte nicht die Zeit, mir die Sache genau zu erklären.“
Er überlegte eine Weile, wurde jedoch in seinen Gedankengängen unterbrochen, als das Telefon läutete. Er hob ab und lauschte dem Anrufer. Plötzlich erhellte sich sein Gesicht. Er bedankte sich, legte auf und sah die Anwesenden mit glänzenden Augen an.
„Gute Neuigkeiten“, verkündete er. „Der Balamb Garden ist soeben eingetroffen! Selphie und Irvine befinden sich bereits auf dem Weg zu uns, weil sie uns irgendwas von Direktor Cid ausrichten müssen.“ Edeas Miene entspannte sich. „Außerdem hat man mir mitgeteilt, dass Rinoa und Squall auch wieder mit der Ragnarok im Anflug sind.“ Er stand auf.
„Kiros, Ward“, wandte er sich an seine langjährigen Freunde. „Holt unsere gesamten Truppen aus ihren Betten! Anscheinend müssen wir darauf gefasst sein, dass wieder Mal Monster unsere Stadt bedrohen. Erklärt ihnen, dass wir genug Waffen haben, um auch ohne Zauber eine ganze Weile durchzuhalten. Ich komme dann bald nach.“
„Und was willst du bis dahin machen?“ Kiros sah ihn argwöhnisch an. „Sicher irgendwas Verrücktes, wie ich dich kenne.“
„Keine Sorge“, meinte Laguna abwertend. „Ich werde mich lediglich mit Squall treffen. Seine gute Laune verschwand. „Jetzt, wo wir wissen, dass Cifer hinter dieser Sache steckt, wissen wir auch, wen wir bekämpfen müssen. Ich werde sie informieren, was sie erwartet.“
„Du willst, dass Squall und Rinoa Cifer bekämpfen?“, empörte sich Edea. „Vor ihrer Hochzeit? Ist das dein Ernst?“
„Glaubst du denn, ich könnte ihn aufhalten?“ Auf das Gesicht des Präsidenten schlich sich ein wehmütiger Ausdruck. „Ich konnte den beiden noch nie was entgegensetzen. Natürlich werden sie kämpfen. Keine Sorge, wenn alle sechs gegen Cifer und seine Kumpane stehen, hat er keine Chance.“
„Alle sechs?“, fragte Quistis leise.
„Natürlich. Oder willst du sie etwa allein lassen?“
„Nein“, wehrte sie ab. „Aber...“
„Na also.“ Laguna wirkte zufrieden. „Es wird schon gut gehen, Edea. Wenn sie schnell genug angreifen, dann wird Cifer sein blaues Wunder erleben, du wirst sehen.“
„Aber was ist, wenn er ihnen die Zauber absaugt?“, erkundigte sich die Hexe besorgt. „Hast du daran schon gedacht?“
„Oh.“ Nun klang Laguna bestürzt. Aber er antwortete sofort: „Nun, dann werden wir ihn und Rinoa eben entscheiden lassen. Wenn sie nicht kämpfen wollen, dann müssen sie auch nicht. Dann werde ich die anderen Staaten auf die Bedrohung aufmerksam machen. Wenn alle Heere der Welt gegen ihn marschieren, kann auch Cifer nichts dagegen tun.“
„Na schön“, seufzte Edea. „Aber ich ahne doch schon, wie das ausgehen wird.“
„Squall wird diesem Kampf niemals ausweichen“, prophezeite Quistis düster. „Er wird sich schuldig fühlen, weil er Cifer nicht schon früher aus dem Verkehr gezogen hat.“
„Ich vertraue ihm“, entgegnete Laguna. „Ich glaube nicht, dass er sich und Rinoa einer sinnlosen Gefahr aussetzen würde. Aber das soll er selbst entscheiden. Edea, Quistis, kommt mit mir. Kiros, Ward, holt unsere Männer. Ich komme dann wieder zur Residenz.“
„Na ja“, murmelte der dunkelhäutige Kämpfer seinem stummen Freund zu. „Im Grunde haben wir uns etwas Aufregung ja auch gewünscht, oder?“
Ward zog es vor, mit den Augen zu rollen.
Es war still, als Xell die vertrauten Straßen von Balamb betrat. Das letzte Mal, als seine Heimatstadt so düster gewirkt hatte, war sie gerade von Galbadianern besetzt gewesen. Aber selbst zu diesem Zeitpunkt waren einige Leute auf der Straße gewesen. Jetzt allerdings... nichts. Balamb wirkte wie eine Geisterstadt. Die Fenster der kleinen Häuser waren verriegelt, die Türen fest verschlossen und verbarrikadiert.
Ist es etwa schon soweit?, fragte sich der Kämpfer. Bin ich zu spät gekommen?
„Mama!“, schrie er mit vollem Kraftaufwand. „Ich bin’s, Xell! He, Leute!“
Aber niemand antwortete. Xell begann zu laufen. Es konnte doch nicht sein, dass alle Leute, die er gekannt hatte... Nein! So etwas durfte er nicht einmal denken! Das hatte ihm sein Großvater einmal gesagt: Wenn du einen Kampf im Kopf schon aufgegeben hast, kannst du ihn unmöglich noch gewinnen. Er musste daran glauben, dass die Menschen noch lebten. Das hämmerte er sich ein, als er um die Ecke bog.
Und sich einem Archeodinos gegenübersah. Er war so überrascht, dass er dem Monster beinahe reingerannt wäre, aber er konnte noch rechtzeitig abbremsen. Sofort ging der Junge in Kampfstellung, doch das Monster schien ihn gar nicht zu bemerken. Es war auf etwas fixiert, das direkt vor ihm lag und zitterte. Es war Yarrek, der Sohn von Xells Nachbarin, der ihn immer verehrt hatte und versuchte, Xells Nachfolger zu werden.
„He, Yarrek!“, rief Xell, als er sich von seiner Überraschung erholt hatte. „Lauf weg! Ich halte dieses Biest auf! Dreh dich um, du Mistvieh!“
Er verpasste dem Archeodinos einen Sonic-Kick, der das Monster aufbrüllen und herumfahren ließ. Dass es dabei ein Hausdach schwer in Mitleidenschaft zog, schien es gar nicht zu bemerken. Aber den blonden Winzling, der vor ihm stand und es abschätzend musterte, sah es sehr wohl. Und es war sehr wütend auf ihn. Der Dino schnappte nach Xell, aber der wich der Attacke aus.
„Lauf jetzt endlich, Yarrek!“, brüllte der Kämpfer, als er bemerkte, dass der Junge noch immer zitternd hinter dem Archeodinos lag. „Sonst zertrampelt er dich!“
Gleich darauf sprang er vor und verpasste dem Monster einen Magenboxer. Der Dino stöhnte, wankte aber nicht. Die Viecher hielten was aus. Der Junge war nun aus seiner Starre erwacht und kroch zitternd, um nicht die Aufmerksamkeit des Biests auf sich zu ziehen, davon. Xell bedeutete ihm, schnell zu machen. Das war auch nötig, denn diesmal vollführte der Archeodinos seine Schwanzattacke, die Yarrek beinahe und Xell voll traf.
„Autsch“, presste der junge Kämpfer hervor. Kampfeslust funkelte in seinen Augen. „Na schön, du willst es also auf die harte Tour, wie? Das kannst du haben! Shiva!“ Wenige Sekunden später verschwand Xell und die Eiskönigin nahm seinen Platz ein. Sie blickte das Monster im wahrsten Sinn des Wortes eiskalt an und schleuderte ihm ihren „Diamantenstaub“ um das gefräßige Maul. Der Archeodinos zuckte schmerzvoll zusammen, aber noch war er nicht besiegt. Wütend knurrte er Xell, der wieder aufgetaucht war, an.
Wieder schnappte er nach dem Jungen und diesmal traf er ihn. Xell nahm den Schmerz hin und analysierte das Monster. Noch 5000 Lebenspunkte. Gut. Im Stillen dankte Xell seiner Auto-Hast-Ability, die es ihm ermöglichte, schneller zu sein als der Dino. Darum kam er noch vor dem überraschten Biest an die Reihe und schlug es mit seiner gesamten Kraft zu Boden. Er war froh, dass das Monster verschwand, bevor es ein Haus zum Einsturz bringen konnte.
Dann sah er sich nach Yarrek um. Wie er erwartet hatte, war der Junge nicht nach Hause gelaufen, sondern hatte dem Kampf gebannt zugesehen. Aber er hatte keine Lust, den Jungen deswegen zu schimpfen. Dazu fehlte einfach die Zeit.
„Alles okay?“, fragte er, obwohl er selbst sah, dass der Junge offenbar nur einen leichten Schock abbekommen hatte. „Wo sind die ganzen Leute hin? Geht’s ihnen gut?“
„Ja“, erwiderte der Junge, der seine Fassung wiedergewann. Er vollführte den SEED-Gruß, den Xell ihm hatte beibringen müssen. „Sie haben sich zum Hafen zurückgezogen, weil dort mehr Platz und Verstecke vorhanden sind. Aber nur ich habe es gewagt zu kundschaften!“
„Wofür ich dir eigentlich eine runterhauen sollte. Weiß deine Mutter überhaupt, dass du... kundschaftest? Nein? Dachte ich mir“, wandte Xell ein. Aber er lächelte den Jungen, dessen Wangen sich sanft rot färbten, beruhigend an. „Schon gut. Führ mich zu ihnen. Irgendeiner muss ja wohl Balambs Verteidigung übernehmen, nicht wahr?“
„Jawohl!“ Die Augen Yarreks leuchteten. Schnurstracks drehte er sich um und rannte die abfallende Straße entlang. Nach einigen Sekunden Dauerlauf waren die beiden im Hafen angekommen. Hier schien nichts beschädigt zu sein, stellte Xell fest. Wenn hier Monster durchgekommen waren, dann nur Beißkäfer und Stichraupen, die man zur Not auch als Anfänger besiegen konnte. Xell schüttelte sich bei dem Gedanken, was passiert wäre, wenn es der Archeodinos bis hierher geschafft hätte. Aber die Leute aus Balamb sah man auch hier nicht.
„Mama, ich bin zurück!“, schrie Yarrek unbekümmert. Für ihn war das wohl trotz allem noch immer ein großes Abenteuer. „Ich hab Xell mitgebracht!“
Es begann als leises Murmeln. Dann tauchte hier ein Kopf, da eine dunkle Silhouette aus den unzähligen Verstecken, die ein Hafen bot, auf. Überall hörte man leise das Wort „Xell“. Als schließlich einige Leute ganz heraustraten, bemerkte Xell erleichtert, dass offenbar keinem etwas fehlte. Aber eine Person vermisste er noch...
„Xell, mein Junge“, erschallte plötzlich die kräftige Stimme seiner Mutter von der Seite. „Wieso hast du dich so lang nicht mehr blicken lassen?“
„Mutter“, rief er glücklich. Er drehte sich um und ging zu der bereits im Alter etwas rundlich gewordenen Frau hin. „Ein Glück, dass euch nichts passiert ist.“ Er schloss sie in die Arme.
„Du glaubst wohl, nur du könntest kämpfen, was?“, fragte die resolute Frau, während sie ihm auf den Rücken klopfte. „Die paar Beißkäfer auf Balamb schaffen wir auch ohne dich, Sohn! Aber trotzdem ist es schön, dass du da bist.“
„Oben in der Stadt war ein Archeodinos, Mutter“, flüsterte er ihr belehrend zu. Er fühlte, wie sie sich versteifte. „Er hat zwar nicht viel Schaden angerichtet, aber Yarrek wär fast draufgegangen. Und ich glaube, dass bald auch die anderen Monster Balambs merken werden, dass die Magie um die Stadt erlischt.“
Seine Mutter ließ ihn wieder los und sah ihn erstaunt an. „Woher weißt du das?“
„Weil überall auf der Welt dasselbe passiert“, antwortete er ihr nun in einer Lautstärke, die alle hören konnten. „In Galbadia, Winhill, Trabia und Dollet sind alle Zauber verschwunden. Die Monster spüren das und nehmen es natürlich als Anlass, die Städte anzugreifen. Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke, dass die Forschungsinsel auch schon auf Centra war...“
„Die Forschungsinsel?“, meldete sich Xells Nachbar zu Wort. Er schien offenbar das Kommando über die Leute übernommen zu haben. „Was meinst du damit?“
„Das ist ein Labor, in dem weit draußen im Ozean mit Zaubern und GF experimentiert wurde“, erklärte Xell. „Wir haben sie in Dollet gesehen und sie hat uns sämtliche Zauber geklaut. Es gibt noch Zauber hier, oder?“
Der Mann nickte. „Ja, aber was nützt uns das?“, fragte er. „Wir können nicht damit umgehen, Xell.“
„Die Insel kann alle gekoppelten und gelagerten Zauber der Insel ziehen, aber keine in Draw-Punkten“, meinte der Junge und kratzte sich am Kopf. „Wenn wir die verteidigen, kann ich euch wenigstens mit den Vita-Zaubern unterstützen, wenn meine eigene Magie flöten geht.“
„Aber wenn das passiert, verlierst du deine Kraft, Xell!“, verkündete seine Nachbarin erschrocken. Sie hielt Yarrek umklammert. „Dann haben wir keine Chance mehr gegen die Monster. Glaubst du wirklich, sie werden kommen?“
„Ja, ich denke schon“, gestand der Junge, obwohl ihm unwohl dabei war. „Sie werden sich eine ungeschützte Stadt nicht entgehen lassen. Und in Dollet konnten die Monster auch eindringen, als die Zauber gedrawt waren.“
„Was sollen wir dann tun?“, fragte Xells Mutter ihren Sohn. Sie blickte ihn erwartungsvoll an. „Sollen wir versuchen, durch die Eisenbahntunnel woanders hin zu kommen?“
Xell überlegte eine Weile, dann schüttelte er den Kopf. „Nein. Es ist besser, wenn wir hier bleiben, wo wir uns auskennen. Hier haben wir mehr Verteidigungsmöglichkeiten.“ Er griff in seine Tasche und förderte einige kleine Flaschen hervor. „Hier sind ein paar Hi-Potions und Phönix-Federn. Einige von uns werden, sollte es zum Kampf kommen, sich nur darauf beschränken, die anderen am Leben zu erhalten. Ich will hier keine Toten sehen, klar?“
Überall wurde eifrig genickt. „Jetzt redest du genau wie dein Großvater, Xell“, flüsterte ihm seine Mutter zu und drückte ihm die Hand. „Genau so befehlsgewohnt. Und so feinfühlig.“
Xell grinste kurz. „Gut. Momentan sind keine Monster in der Stadt. Ich werde mal rausgehen und jedes Vieh, dass mir über den Weg läuft, töten. Wenn die Forschungsinsel da ist, wird’s deutlich schwerer, dann komm ich zurück und wir verbarrikadieren uns. Die SEEDs werden bald kommen und herausfinden, was hier im Gange ist. Wir müssen nur bis dahin durchhalten. Wer ist dabei, Balamb zu verteidigen?“
Alle Leute schrieen auf. Xell nickte zufrieden und vollführte den SEED-Gruß. „Dann empfehle ich mich mal“, rief er über den Lärm hinweg. „Und wenn eins der Monster eine Spielkarte hinterlässt... die gehört mir, ja?“
„... das ist die Situation, Squall“, beendete Laguna seinen Bericht. „Cifer wird euch natürlich alle Zauber ziehen, wenn ihr euch der Insel nähert. Als dein Vater rate ich dir also, dich unbemerkt auf die Insel zu schleichen und ihn zu überraschen.“
„Wir sind SEEDs“, entgegnete der Junge. „Du weißt, dass wir uns nicht wie Diebe wo einschleichen werden. Natürlich werde ich Cifer entgegentreten. Aber nicht versteckt, sondern mit Würde. Sonst wird er es wieder und wieder versuchen.“
„Nicht, wenn wir ihn diesmal töten“, wandte Irvine grimmig ein. Er wirkte sehr entschlossen. „Ich finde, diesmal ist er zu weit gegangen. Du solltest dich mit dem Gedanken anfreunden, Squall. Was sagst du dazu, Mama?“
Edea seufzte. „Cifer war schon immer schwierig“, gab sie zu. „Aber ich hätte nicht gedacht, dass er Menschenleben in Gefahr bringt, um Squall zu bekommen. Ihr seid SEEDs. Ihr werdet auch ohne meinen Rat tun, was ihr tun müsst.“ Sie sah auf den Boden.
„Tuuuut uns Leid, Mama“, entschuldigte sich Selphie, die sich an Irvine gehängt hatte. Obwohl es um einen harten Kampf ging, wirkte sie auf Squall noch aufgekratzter als sonst auch. Und auch Irvine war nicht immer bei der Sache, obwohl er sich des Ernstes bewusst war. Sein Blick irrte immer wieder wie eine lichtsuchende Motte zu Selphie hin. Squall nahm sich vor, den beiden noch mal ins Gewissen zu reden, bevor sie die Forschungsinsel betraten. „Also, wann fliegen wir loooos?“, wollte das Mädchen wissen. „Wir müssen doch rechtzeitig zur Hochzeit wieder zurück sein!“
„Stimmt“, bestätigte Irvine. „Und wenn du jetzt was erwidern willst, Squall: Wir haben von Direktor Cid einen ausdrücklichen Befehl erhalten, zur Forschungsinsel zu fliegen. Du wirst also keine Einzelkämpfernummer abziehen können!“ Er grinste.
„Was heißt hier Einzelkämpfer?“, fragte Rinoa misstrauisch. „Squall, du hast doch nicht etwa einen einzigen Augenblick lang daran gedacht, mich hier zurückzulassen, oder?“
Der Junge seufzte. „Rinoa, bitte...“
„Also doch!“ Das schwarzhaarige Mädchen war empört. „Du spinnst wohl! Glaubst du, ich lasse einfach zu, dass Cifer mir mit allen unfairen Tricks meinen Bräutigam entführt? Selbstverständlich komme ich mit! Damit kannst du mich nicht mal abbringen, wenn du mich fesselst und angebunden hier zurücklässt!“
Squall schlug sich an die Stirn. „Laguna, kannst du sie nicht zur Vernunft bringen?“, bat er seinen Vater. „Oder ihr anderen?“






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