Ich lebte Jahrhunderte in diesem Gefängnis, während sich eure Rasse immer weiter ausbreitete und sich die Welt untertan machte. Erst vor etwa einem Jahr bemerkte ich plötzlich, dass Ultima Weapon getötet worden und Eden verschwunden war. Ich erforschte diese Insel, die irgendwelche Menschen einmal gebaut hatten und bemerkte, dass sie für mich wie geschaffen war... denn sie gab mir die Möglichkeit, eine schier unendliche Menge von Zaubern zu lagern und mich gleichzeitig unerkannt durch die Welt zu bewegen. Da ich Mutter nirgends mehr spüren konnte, dachte ich, es wäre ein Leichtes, die Menschen auszurotten. Bis diese SEEDs und dann ihr aufgetaucht seid.“
„Du hast mal den gesamten Centra-Kontinent ausgerottet?“, fragte Rai-jin ungläubig. „Wieso bist du dann trotzdem schwächer als wir?“
Die GF schnaubte. „Weil mir die Menschen damals nichts entgegenzusetzen hatten“, erklärte er. „Sie lebten in Steinhäusern und kannten nur Äxte und primitive Zauber. Sie waren keine echten Gegner. Außerdem war ich damals stärker... ich besaß Hunderte mächtiger Zauber, mit denen ich ihnen den Garaus machte!“
„Okay, soviel zu deiner Geschichte“, meldete sich Cifer wieder zu Wort. „War sehr unterhaltsam, wirklich. Aber verrate uns doch jetzt mal, was du heute vorhast.“
„Dasselbe wie früher“, behauptete Condenos. „Ich will, dass das natürliche Gleichgewicht wiederhergestellt wird! Ohne uns ist die Menschheit schwach. Die Natur duldet keine Fehler. Also werde ich ihr die Magie nehmen und den Rest den Monstern überlassen. Nur die Stärksten werden überleben!“
„Und wir?“, wollte Fu-jin wissen.
„Darüber habe ich bereits die ganze Zeit nachgedacht“, gestand die GF. „Ihr seid Menschen... allerdings seid ihr auch ohne Hilfe so stark, dass ihr allein überleben könnt. Meine Mission ist es, die Welt von den Schwachen zu befreien. Jeder Mensch, der aus eigener Kraft zu überleben vermag, soll auch überleben. Ich werde mich nicht einmischen. Die anderen werden aber sterben müssen, wenn sie den Behemoths, Drachen, Morbolen und Qualen dieser Welt nichts entgegenzusetzen haben.“
„Du bist mal total durchgeknallt!“, behauptete Rai-jin. „Die Menschen haben inzwischen mächtige Waffen, die sie einsetzen können. Es werden sehr viele von uns überleben, auch ohne Magie!“
Condenos zuckte mit den Schultern. „Wenn es tatsächlich so ist, werde ich es akzeptieren“, verkündete er. „Dann habt ihr euch euren Platz auf dieser Welt redlich verdient. Aber ich werde keine Einmischung in den natürlichen Lauf der Dinge dulden.“
Cifer stützte sich auf seine Gunblade und überlegte. „Und dafür musst du die SEEDs aus dem Weg schaffen“, vermutete er. „Weil sie sich dir entgegenstellen werden. Und du wärst wahrscheinlich froh, wenn wir dir diese Sorge abnehmen würden.“
„Richtig“, stimmte die GF zu. In ihrer Stimme schwang Anspannung mit, was darauf schließen ließ, dass sie auch die Möglichkeit in Betracht zog, dass Cifer ablehnte und sie angriff. Und das hieß ebenfalls, dass sie kein Besessener war wie dieser Trepe. Condenos war überzeugt von der Richtigkeit seines Tuns... aber er behielt einen klaren Kopf.
„Wenn du mir Squall und seine Bande hierher bringst“, verkündete Cifer schließlich und richtete sich auf, „dann werden wir für dich mit ihnen kämpfen.“
„Cifer!“, rief Fu-jin erschrocken.
„Willst du wirklich mal mit dem gemeinsame Sache machen?“ Auch Rai-jin war fassungslos. „Er will die Menschen ausrotten!“
„Ich will nur Squall!“, erwiderte Cifer eisig. „Wenn ich gegen ihn gekämpft und ihn besiegt habe, dann werde ich weitersehen... aber bis dahin bin ich auf seiner Seite, ja!“
„Das klingt fair.“ Condenos nickte. „Aber ich versichere euch: Sollten sich die Menschen wirklich gegen die Monster erfolgreich verteidigen können, werde ich nie wieder versuchen, ihnen zu schaden. Ich werde dann zu meinen Artgenossen zurückkehren und wieder wie früher mit ihnen leben.“
„Rai-jin! Fu-jin!“ Cifer hatte die Augen geschlossen. „Wenn ihr gehen wollt, dann geht. Ich halte euch nicht zurück und trage es euch nicht nach, was auch passiert. Vielleicht ist mein Wunsch, Squall zu besiegen, wirklich Besessenheit... aber ihr müsst eins bedenken: Selbst wenn alle Magie der Welt abgesaugt wird, hat die Menschheit starke Bastionen und mutige Kämpfer, um sich den Monstern entgegenzustellen. Denkt nur an die Gardens! Selbst ohne Zauber nehmen sie es mit vielen Monstern auf! Wenn ihr jetzt geht, dann wünsche ich euch viel Glück... aber ich beschwöre euch: Habt Vertrauen in die Menschen!“
Das einsilbige Mädchen und der muskulöse Junge sahen sich lange an, aber dann steckten sie beinahe synchron ihre Waffen weg. Fu-jin sagte nichts, sondern sah Cifer nur ernst an, aber Rai-jin kratzte sich am Kopf und sagte: „Ich schätze mal, du hast Recht, Cifer“, meinte er. „Du bist unser bester Freund. Solange, bis wir Squall besiegt haben, bleiben wir mit dir hier. Aber danach werden wir mal selbst entscheiden, ob wir hier bleiben oder gehen!“
Der blonde Gunblade-Kämpfer nickte. „Ich habe nichts anderes von euch erwartet. Danke, Rai-jin und Fu- jin.“ Er drehte den Kopf zu Condenos, der noch immer dastand und sie beobachtete und verengte die Augen. „Gut, dann zeig uns doch mal, wie du alle Magie der Welt hier hereinbringen willst!“, forderte er den Nicht-Menschen auf.
Dieser grinste. „Das hat bereits begonnen“, entgegnete er, während er zur Lichtsäule trat. „Vorhin habe ich einige Monster losgeschickt, die ich dank dieser wundervollen Insel mit ihren Apparaten hier kontrolliere. Sie haben die Macht, alle Draw-Punkte der Insel zu leeren. Aber die Magie, die in den Lebewesen der Welt selbst steckt, kann mit diesem Wunderwerk der Technik gesammelt werden.“ Er deutete auf die Säule, die wieder zu pulsieren begann. „Diese ganze Insel ist ein einziges, riesiges Draw-System! Wenn ich es befehle, kann ich jeglichen Zauber, außer den in Draw-Punkten gespeicherten, mit Hilfe dieser Säule drawen und in ihr speichern. Vorher in Dollet habe ich die gesamte Magie der Umgebung abgesaugt, während meine Monster Verwirrung stifteten... und bei den anderen Kontinenten wird es nicht anders sein.“
„Wirklich raffiniert“, murmelte Cifer, während er seinen Blick schweifen ließ. „Kannst du uns das mal demonstrieren?“
„Natürlich.“ Condenos bleckte sein Reißzahngebiss. „Begebt euch hinaus und seht zu. Ich werde die Magie des gesamten Centra-Kontinents absaugen. Ihr seid die ersten und einzigen Menschen, die dieses Wunder zu Gesicht bekommen.“
„Wir werden’s genießen. Kommt, ihr beiden! Sehen wir uns die Show an.“
„Wo bleiben die denn so lange?“ Edea kickte ärgerlich einen Stein weg, der das Pech hatte, neben ihrem Schuh gelegen zu haben. „Man hat mir versichert, dass wir um elf Uhr hier abgeholt würden!“
„Nur die Ruhe, Mama“, beruhigte Quistis sie. Die Kämpferin saß auf einem der Steine, die noch immer überall um das Waisenhaus verstreut lagen und entspannte sich. „Sie werden schon noch kommen. Laguna würde es nie wagen, die Ziehmutter seines eigenen Sohnes warten zu lassen.“
„Fürchtet sich der Präsident von Esthar wirklich vor Mama?“, fragte eins der Kinder, die sich ebenfalls hingesetzt hatten.
„Er sollte es jedenfalls“, antwortete Edea grimmig. „Denn wenn wir noch sehr lange hier warten müssen, wird er mich kennen lernen!“
„Bist du stärker als der Präsident?“ Aniery interessierte sich in letzter Zeit anscheinend nur noch dafür, wie kampfstark Menschen waren.
„Ich glaube nicht“, gab Edea zu. „So groß sind die wenigen Hexenkräfte, die ich noch besitze, nicht. Aber das weiß er ja nicht.“
„Tante Quistie!“, sagte Tinill und zupfte am Kleid der jungen Frau. „Ist das da drüben das Fahrzeug, das uns abholt?“
Quistis sah stirnrunzelnd in die Richtung. Der Staub, der gerade in Sichtweite war, kam aus der falschen Richtung, nämlich vom Strand Kap von Goodhope, die einzige Stelle des gesamten Kontinents, wo man mit einem Schiff anlegen konnte. Aber wer sollte das tun? Ihren Freunden aus Esthar standen schwebefähige Hovercrafts zur Verfügung und den SEEDs ohnehin die Ragnarok. Sie strengte ihre Augen an. Langsam konnte sie erkennen, wer sich von dort näherte...
„Oh nein!“
„Was ist denn, Tante?“, fragte Tinill beunruhigt. „Wer ist das?“
„Das sind Monster! Ungefähr 10, schätze ich. Mama, du musst mit den Kindern wieder ins Haus zurück! Schnell!“
„Sind es gefährliche Ungeheuer, Quistis?“
„Nein, nicht für mich, glaube ich. Aber für euch auf jeden Fall!“
„Können wir dir helfen, Tante?“, fragte Aniery aufgeregt. „Veshore hat sogar sein Schwert dabei. Damit können wir dir beistehen.“
„Nein, das werdet ihr nicht“, fauchte Quistis ungewohnt schroff. Ihr lief die Zeit weg! „Geht rein und seht euch den Kampf durchs Fenster an! Hier draußen werdet ihr bestenfalls schwer verletzt, wenn nicht getötet!“
„Aber kannst du allein so viele Monster töten?“, fragte Veshore zweifelnd. Der Kleine hielt bereits sein Spielzeugschwert in der Hand und war sich der Gefahr immer noch nicht bewusst.
„Tante Quistie wird mit jedem Biest fertig!“, erwiderte Eclisa überzeugt. „Sie ist sehr stark. Wir müssen rein, Veshore, sonst wird sie böse auf uns.“
Der Junge aus Esthar sah nicht ganz überzeugt aus, aber als ihm Edea die Hand auf die Schulter legte, gab er doch nach. „Viel Glück, Quistis. Und flieh, wenn sie zu stark sind, hörst du?“, empfahl die Hexe.
„Sicher, Mama.“
Die Waisenhaustür schloss sich. Es war auch höchste Zeit, denn die Monsteransammlung war inzwischen fast da. Sie konnte nun erkennen, um welche Gattungen es sich handelte: Drei Blitzer, vier Doppel-Hacker und ein Grande Arlo. Zu dritt kein Problem, da Monster ohnehin höchstens zu viert oder fünft angriffen, aber allein war das eine Herausforderung. Quistis knallte einmal mit der Peitsche, um sich wieder an das Gewicht der Waffe zu gewöhnen und wartete, bis die Horde sie erreicht hatte. Sie ging in Kampfstellung.
„Na, kommt schon“, lockte sie. „Wer will der erste sein?“
Die Bestien schienen einen Augenblick lang unentschlossen, dann trat knarrend ein Blitzer vor. Drei der Doppel-Hacker schwebten neben ihm und der Grande Arlo blieb hinter ihnen stehen, Quistis mit unmenschlichen Blicken musternd. Sie ließ sich davon nicht beeindrucken, und verfolgte lieber, wohin die anderen Monster verschwanden. Die beiden Blitzer hoben noch einmal drohend ihre Waffen, dann bewegten sie sich mit erstaunlicher Schnelligkeit Richtung Wüste davon. Quistis runzelte die Stirn. Was sollte das? In der Wüste gab es nichts, bis auf lediglich zwei Draw-Punkte und viele starke Monster. Der Doppel-Hacker jedoch wich zurück und flog direkt auf das Waisenhaus zu!
Die SEED fluchte. Das war doch nicht möglich! Bis jetzt hatte es niemals ein Monster geschafft, in ein abgeschlossenes Gebäude zu gelangen! Nie, in den ganzen letzten hundert Jahren nicht! Was war hier nur los? Weiter kam sie mit ihren Überlegungen allerdings nicht, als sie vom Blitzga-Zauber eines Doppelhackers getroffen wurde. Kommentarlos nahm sie ihn zur Kenntnis und konterte derartig stark, dass das Monster zu Boden geschmettert wurde. Allerdings schwebte es wieder hoch, wenn auch vorsichtig.
Der zweite Doppel-Hacker drehte sich nach dem Blitzer um und wirkte den selben Zauber auf das Blechmonster, welches nun aufgeladen war. Quistis schürzte ärgerlich die Lippen. Diese Truppe konnte ihr ungemütlich werden, wenn sie nicht bald etwas unternahm. Sie warf einen kurzen Blick zum Haus und stellte erleichtert fest, dass einige Kinder sie durch ein Fenster beobachteten. Gut, offenbar hatte Edea den Doppel-Hacker aufhalten können. Sie beschloss, die Anzahl der Monster etwas zu verringern. Auf Experimente wollte sie sich nicht einlassen.
„Ultima!“






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