Der Galchimesära hatte sich inzwischen schon wieder erholt und sprach Blenden auf Rinoa, was jedoch nicht wirkte. Sie grinste abfällig. Dagegen war sie gekoppelt. Der erste Qual war schlauer: Er wandte seine natürliche „Tod“-Fähigkeit an. Das Mädchen fühlte erschrocken, wie das Leben aus ihr wich, als der Sensenmann nach ihr griff. Inzwischen war Irvines GF einsatzbereit. Der geisterhafte Doomtrain raste heran und belegte die Monster mit allen Zuständen. Irvine grinste zufrieden, als er wieder auftauchte.
Da alle Monster bis auf den Galchimesära schliefen, zog Squall Engel von einem der Quale und belebte Rinoa wieder. Sie warf ihm einen dankbaren Blick zu und stand wieder auf. Irvine schoss indes auf den Galchimesära, welcher tot umfiel. Dennoch war Squall beunruhigt. Wieder gingen alle Angriffe der Monster auf Rinoa. Warum nur?
Rinoa entschied sich ebenfalls für eine GF, um die Biester nicht aufzuwecken. Squall warf einen Holy-Stein auf einen der Quale, der „qual“-voll zuckte, aber nicht aufwachte. Irvine drawte Gravit von dem anderen Qual und setzte es gegen den Wild Hook ein. Auch der Schwerkraftzauber weckte das Monster nicht auf. Eine Sekunde später verschwand Rinoa und ein riesiger Eiskristall wuchs aus der Erde hervor. Shiva erwachte augenblicklich, sprengte ihr Gefängnis und fügte den Bestien mit ihrem „Diamantenstaub“ starke Wunden zu. Als Rinoa wieder auftauchte, grinste sie ihn an. War doch gar nicht so schwer, schien sie zu sagen.
Squall fühlte es einen Augenblick, bevor es geschah. Plötzlich leuchteten um die Monster weiße und farbige Strahlen und einen Moment später waren sie wieder geheilt. Medica!, dachte er erschrocken. Aber das können sie nicht sprechen! Gleich im Anschluss daran fühlte er ein starkes Ziehen und unzählige Lichtkugeln lösten sich aus seinem Körper und schossen durch den Eingang der Station auf die Lichtsäule zu. Einen Moment lang fühlte er sich, als ob er sich übergeben müsste, dann stellte er sich breitbeinig hin und hob drohend die Gunblade. Er überprüfte erschrocken seine Kopplungen, fand aber keinen einzigen Zauber mehr!
„Squall! Ich hab meine gesamte Magie verloren!“, rief ihm Irvine in heller Panik zu. Der Junge war käseweiß im Gesicht und auch er hielt sich nur mit Mühe auf den Beinen. Der Wild Hook sprang vor und versetzte ihm einen schweren Schlag, der den Schützen beinahe ins Jenseits beförderte.
„GF einsetzen!“, schrie Squall. Was zum Teufel war hier nur los? Der zweite Qual sprach Gravit auf ihn und zog ihm weitere Lebenspunkte ab, aber die waren nun ohnehin im Keller, da er seine HP-Kopplung verloren hatte. „Rinoa! Wir brauchen die Spezialtechniken!“
Das Mädchen nickte und konzentrierte sich. Squall sprang vor und versetzte einem Qual einen Hieb, aber der hatte nun nicht mehr viel Durchschlagskraft. Er hatte Angst. Ohne ihre Zauber waren sie höchst verwundbar. Irvine machte den Brothers Platz, die ihre Schau abzogen und einen Qual am Ende tot zusammenbrechen ließen. Aber ewig konnten sie das nicht durchhalten!
Plötzlich riss Rinoa die Augen auf und um sie erstrahlte himmlisches Licht, als sie ihr Limit einsetzte. Flügel wuchsen aus ihrem Rücken und sie hob vom Boden ab, als „Vari“ seine Wirkung tat. Und gleichzeitig geschah etwas sehr Seltsames: Aus Rinoas Hand löste sich ein gleißend heller Lichtfaden und hüllte Squalls Löwenherz ein! Die Waffe erstrahlte in ebenso hellem Licht wie die Säule im Forschungsraum und Squall spürte, wie seine Spezialtechnik ebenfalls verfügbar wurde.
Triumphierend schrie er auf, als gelbe Flammenzungen um ihn herum aufstoben und sprang vor. Aber seine Waffe schien ein seltsames Eigenleben bekommen zu haben. Er hieb auf den Qual ein und im selben Moment erschütterte ein Ultima-Zauber die Erde. Der nächste Streich war gegen den Wild Hook gerichtet, und ihm folgten mehrere Meteore, die auf den beiden Monstern einschlugen. Der dritte Hieb traf wiederum den Wild Hook und beschwor einen Tornado, der vierte zog dem Qual die letzten Lebenspunkte ab und löste ein Erdbeben aus.
Squall keuchte, diese Technik kannte er nicht! Aber sie war unglaublich anstrengend, mehr noch als der Herzensbrecher! Er riss die Löwenherz, die dem Qual schon wieder einen Hieb versetzen wollte, mit enormer Kraftanstrengung zurück und sprang wieder auf seinen Platz. Er blieb keuchend hocken, während der Wild Hook und der Qual ihr Leben aushauchten. Er hörte, wie Rinoa neben ihm zusammenbrach und bemerkte, dass das Leuchten nun von seiner Waffe wich, aber er war nicht mehr imstande, den Kopf zu drehen und den Lichtfaden zu verfolgen, der wieder zu Rinoa zurückkehrte. Er hatte gar nicht bemerkt, dass der Faden während seines ganzen Limits mit der Löwenherz verbunden gewesen war.
„Was bei Hyne...?“
Irvine war vollkommen bestürzt und Xell war jede Farbe aus dem Gesicht gewichen, sodass seine schwarze Tätowierung sich wie eine Rune auf Papier abhob. Aber die beiden waren nicht halb so überrascht wie Squall und Rinoa selbst. Als der Junge der Hexe in die Augen blickte, sah er große Angst.
„Squall“, krächzte sie mühsam, „was... war das?“
„Ich weiß es nicht“, gab er zu, und stand, auf sein Schwert gestützt, auf. „Unsere Kräfte ... scheinen sich irgendwie vermischt zu haben. Ich habe keine Ahnung wie.“
„Heyyyyy, Leute“, drang auf einmal Selphies begeisterte Stimme zu ihnen herüber. Das Mädchen hatte die Ragnarok gelandet und war anscheinend völlig aus dem Häuschen. „Das habt ihr absolut suuuuper hingekriegt! Wie habt ihr das gemacht? Kann ich das auch lernen? Mann, den Viechern habt ihr’s aber ordentlich gezeigt! Wenn ich daaaaas erzähle, dann...“
„Selphie“, unterbrach Irvine und benutzte zum ersten Mal seit langem ihren vollen Namen. „Wir sollten das auf später verschieben. Wir müssen schnellstens von hier weg. Wirf die Motoren an.“
Das Mädchen sah ihn verwirrt an, aber als sie den bestürzten Ausdruck in seinem Gesicht bemerkte, schluckte sie ihre Fragen hinunter und lief zurück ins Schiff. „Okay“, verkündete sie über den Bordlautsprecher. „Alle an Booooord!“
„Squall, soll ich dir helfen?“, erkundigte sich Xell etwas verspätet. „Oder dir, Rinoa?“
Squall winkte ab, aber Rinoa hatte Xells Frage offenbar gar nicht gehört. Sie starrte ihre Hände an, als wären sie etwas Böses. Xell ergriff sie behutsam an der Schulter und hielt ihr die Hand zum Aufstehen hin. Sie sah ihn verwirrt an, stand aber dann auf und ging mit ihm auf das Schiff zu. Squall war nicht einmal ein bisschen eifersüchtig, so aufgewühlt war er. Was bei allen GF war das nur gewesen? Eine Minute später hob die Ragnarok ab und nahm Kurs auf den Balamb Garden.

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to be continued