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Thema: Die Reise des Wanderers

Hybrid-Darstellung

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  1. #1
    Dann geschah etwas, was die Sterne nicht vorraus gesehen hatten. Wesen begannen durch die Türen zu Reisen. Ein Frevel, der verhindert werden mußte. Um die Gefahr für die Reisenden zu erhöhen, schufen sie falsche Türen, die in finsteren, zerstörten Welten endeten und zu leeren Monolithen führten. Doch damit weckten sie einen uralten Feind, der dem Chaos treu ergeben war.

    Die Schritte des Wanderers schienen nicht realer Teil dieser düsteren Welt zu sein, ebenso wenig wie er selbst. Noch immer versuchte er sich darüber klar zu werden, was genau er im Moment war, wenn doch sein Körper in einer anderen Welt lag, fern von dieser (oder vielleicht doch nicht gar so fern?). Aber es gab wichtigere Dinge als dieser Gedanke, z.B. wie er wieder von dieser öden, zerstörten Welt entkommen konnte, bevor sein realer Körper von wilden Wesen zerfetzt werden würde.
    Doch ihm fiel dazu nichts ein, und so ging er Schritt für Schritt weiter den schier endlosen, einsamen Weg, während die Umgebung, die zunächst nur pechschwarz erschienen war, nun in ein dunkles Lila getaucht wurde. Die Reste dessen, was einmal Mondlicht gewesen sein mochte.
    Am meisten beunruhigte den Wanderer, dass er nicht ein einziges Lebewesen ausmachen konnte, absolut nichts. Was war nur hier geschehen? Die Schatten? Würde seine Welt auch auf diese Weise enden, wenn er nichts dagegen unternehmen konnte?
    Schließlich gelangte er tatsächlich an das Ende des Pfades, doch was er nun erblickte, war noch grausamer als der Rest dieser Welt. Ein apokalyptischer Strand, wo der meiste Sand zu Glas verschmolzen war, auf dem sich das lila Glühen spiegelte. Weit hinter den schmierigen, öligen und tief finsteren Wellen des toten Meeres flackerte kaum erkennbar ein schwaches, lila Licht, der Mond kurz vor seinem endgültigen Ende, bereit dem schon lange untergegangenen Licht der Sonne zu folgen. Der Strand war bedeckt mit alten, verwitterten Knochen, schwarzen, senkrecht in den Boden gerammten Monolithen und zerfallenen Felsen. Das Antibild des eigentlichen Sinne des Meeres. Die Wiege des Lebens war in dieser Welt zum Schoß des Verderbens geworden, und diesem Gedanken entsprechend spuckte die schwarze Suppe ständig unförmige, kreischende Schatten aus, die im allgemeinen Dunkel verblassten und wegkrochen. Diese Welt war noch schlimmer als tot, sie war ein Hort des Chaos. Doch die Schatten schienen ihn nicht zu beachten, sie krochen ihrer Wege, auf der Suche nach einem Sinn ihres Daseins, den sie niemals finden würden. Ihre Mission auf dieser Welt war schon lange beendet, und so vegetierten sie nun in einem endlosen Albtraum aus Wiedergeburt und Untergang, der zu nichts als Verzweiflung führte.
    Unvermittelt musste der Wanderer an Melvin denken, und ihm fröstelte. Denn der Gedanke an Melvin führte ihn wieder zurück zu Tiara („...denk an die Türen“).

    „Seid auch ihr ein Wanderer, oder nur eine verlorene Seele, die den Schatten zum Opfer fiel?“
    Der Wanderer zuckte zusammen, und seine Herz hätte wohl ausgesetzt, hätte es diese Reise in eine andere Welt zusammen mit ihm angetreten. Alles hätte er in dieser Einöde erwartet, aber nicht eine an ihn gewandte Stimme. Er drehte sich um und sah einen Jungen... nein, einen jungen Mann, vor sich auf einem der Felsen sitzen. Die schulterlangen, silbern glänzenden Haare im verdorbenen Wind dieser Welt wehend. Er sah ihn direkt an, mit einem aufrechten, aber auch gleichgültigen Blick.
    „Ich... bin wohl ein wenig von Beidem. Eine Seele, ja, aber nicht den Schatten zum Opfer gefallen, das zumindest hoffe ich, sondern auf Wanderschaft, während mein Körper fern von hier liegt und auf meine Rückkehr wartet. Aber du scheinst aus Fleisch und Blut zu sein. Wie kannst du hier sein, wo diese Welt doch schon seit Jahrhunderten untergegangen zu sein scheint?“
    Der Blick des Jungen wurde nun beinahe traurig, als er zu dem sterbenden Mond aufsah. Tränen funkelten in seinen Augen, und da erst bemerkte der Wanderer eine finsteres Flimmern, das den Jungen zu umgeben schien.
    „Die Zeit scheint gerannt zu sein, oder ich war in Welten, in denen die Zeit schneller vorbei zog als in dieser. Denn auch ich bin durch viele Welten gezogen, doch in dieser begann meine Reise einst. Es war ein Strand, so golden wie die Sonne selbst, und ein azurblaues Meer, kühl und beruhigend, mit dem lebenden Rauschen der Gezeiten. Doch die Gezeiten sterben nun... ebenso wie der Mond.“
    Der Wanderer konnte nicht glauben, was er hörte. Dieser Junge war durch viele Welten gereist? Wie? Er kannte zwar die Bücher des Ursprungs, doch... konnte das sein?
    „Bist du durch... Türen gegangen?“
    Der Junge sah ihn nun ernst an.
    „Das müsst ihr doch wissen, Wanderer. Denn auch ihr müsst durch eine gegangen sein, wo ihr doch nun hier seid. Die Türen, die Welten verbinden. Die Türen, die Welten beschützen sollten. Hier haben sie versagt... und es ist wohl auch meine Schuld.
    Hier, wo ich sitze, stand ein großer Baum. Hier hatten wir eine Hütte, ich und... meine Freunde.
    Als sich die Tür in der Höhle nahe des Teiches öffnete... oder geöffnet wurde, da gingen auch sie auf eine Wanderung. Wir wurden getrennt.“
    Der Junge schluckte, und das Flimmern schien sich zu verstärken, während im Hintergrund der schwarze Moloch, der einst ein Meer gewesen war, weiter brodelte und deformierte Gestalten ausspie.
    „Dann habe ich mich falsch entschieden. Mich damit gegen meine Freunde gestellt. Doch diese Macht!“
    Die Augen des Jungen strahlten finster.
    “Diese unfassbare Macht, die in den Schatten liegt. Immer haben die Menschen unterschätzt, was die Herzlosen wirklich sind.“
    Fragend sah der Wanderer den Jungen an.
    „Die Herzlosen? Was soll das sein? Sprichst du von den Schatten, die der Dunkelheit entsteigen?“
    Der Junge wies mit einem Arm auf das finstere Meer.
    „In Welten, die noch intakt, oder zumindest halbwegs gesund sind, erscheinen sie als Schatten. Doch sieh hier... wenn die Dunkelheit stark genug ist, kommen sie in allen denkbaren Formen und mit viel Kraft. Sie tragen dann ein Symbol. Das Symbol der Herzlosen, wie sie in vielen Welten genannt werden. Sie sind eine einzige Masse, die sich aufteilen kann... sie sind die Krieger des Chaos... und wenn du erst von ihnen berührt, eingenommen, wurdest, bist du auf ewig mit ihnen verbunden.“
    Er schwieg für einige Sekunden. Nun verstand der Wanderer.
    „So wie du. Du hast einst für sie gekämpft, richtig? Aber du hast dich befreit... wenigstens zu einem Teil. Ich habe andere gesehen, die von der Macht der Dunkelheit korrumpiert wurden und dadurch starben... oder sehr mächtig, aber auch Seelenlos wurden. Du lebst noch, und auch eine Seele versteckt sich in deiner Brust, junger Freund.“
    Der Junge hob seinen Kopf, und der Wanderer glaubte ein Lächeln im Gesicht des Jungen zu erkennen.
    „Ihr habt Recht, ich habe noch mal Glück gehabt, nicht zuletzt Dank eines großen Königs in der Gestalt einer kleinen... nun, Maus.“
    Der Wanderer runzelte die Stirn, doch er beschloss, nicht weiter darauf einzugehen. Es gab wohl unzählbar viele Welten, und in manchen mochten auch Mäuse zu Königen werden.
    „Was tut ihr hier, Junge? Diese Welt ist tot, auch wenn sie die eure war. Warum geht ihr nicht durch die Tür fort von hier, und zeigt mir dabei gleich den Weg?“
    Schweigen. – Ich weiß, er verbirgt etwas, doch ist es etwas, das mir helfen kann? –
    „Wartest du auf deine Freunde? Glaubst du, sie...“
    „Ich warte, ja. Aber nicht auf meine Freunde. Wie ich sagte, wir wurden am Ende unserer Reise getrennt, im Herzen von... na ja, das ist jetzt nicht so wichtig. Jedenfalls landeten wir auf zwei Seiten, weil eine sehr wichtige Tür wieder verschlossen werden musste. Dafür musste sich einer Opfern und auf der... dunklen Seite bleiben. Das war ich.“
    Er holte tief Luft.
    „Es war der einzige Weg, etwas von dem gut zu machen, was ich getan hatte. Ich kann nur in Welten Reisen, die der Dunkelheit angehören, so wie diese.“
    Der Wanderer fragte sich, wie ein so junger Mensch in diese Situation geraten konnte. Doch ihm zu helfen kam ihm nicht in den Sinn... es gibt wichtigere Dinge.
    „Nun warte ich auf denjenigen, der mir helfen kann. Ich kann dir seinen Namen nicht sagen, doch er reist durch die Monolithen. Irgendwann muss er mich hier finden, und dann... wird sich mein Schicksal erfüllen. Das Schwarze in mir hat mich verdammt... und der König ist weit fort. Er kann mir nicht noch einmal helfen. Ansem hätte das verstanden.“
    Dann sah der Junge wieder zum Mond in der Ferne, und der Wanderer wusste, das es nichts mehr zu sagen gab. Nur eine Sache.
    „Ich bin eine Seele, nicht aus Fleisch und Blut in dieser Welt. Könnte ich durch die Monolithen reisen?“
    Der Junge sah ihn nochmals an, sehr nachdenklich und auch erschrocken.
    „Ich weiß es nicht. Es würde euch sicherlich fort reißen, doch wohin ist unmöglich zu sagen. Niemand außer ihm weiß, wie man mit den Monolithen reist, und er würde es euch nicht sagen. Es ist gefährlich. Im Raum zwischen den Türen ist Nichts... und doch auch etwas... etwas so altes, dass es sogar vor den Türen selbst existierte. Wenn ihr reist, dürft ihr nicht halten und es nicht streifen. So sagt er es immer. Es ist auch für ihn gefährlich.“
    Der Wanderer wog seine Chancen ab, und er sah keinen anderen Weg. Vielleicht wusste nicht einmal Seturnas von den Monolithen.
    „Wenn du fortgerissen wirst, Wanderer, suche nach deiner Tür im Nichts. Versuche sie zu erreichen. Halte sie!“
    Der Wanderer hatte zum ersten Mal seit langer Zeit wahrhaft Angst.
    „Wie werde ich meine Tür erkennen?“
    „Das weiß ich nicht. Du kannst nur hoffen...“
    Der Wanderer atmete tief durch, auch wenn er keine Luft zu absorbieren schien in seiner transzendenten Form. War dies das Ende seines Weges? „...denk an die Türen...“
    Die Antwort, wo ...“...denk an die Tür!“ würde er die Antwort, die richtige Tür... „...denk an mich, Liebster.“ finden?
    Tiara! Mit diesem Gedanke ging er auf den Monolithen zu, entschlossen und nichts fühlend, als sich der Nebel der Ergebenheit auf ihn herab senkte.
    „Meine Name ist übrigens Riku. Vielleicht werden wir uns nochmals treffen, Wanderer.“

    Bevor der Wanderer noch seinen Namen sagen konnte, ergriff ihn eine kalte, unbeschreibliche Kralle der Finsternis, und er schien mit der Materie des Monolithen zu verschmelzen, doch genau in diesem Moment öffnete sich die Welt vor seinen Augen. Ein tosender, brüllender Strudel riss ihn ins Nichts, in einen Raum, der nicht existent war, und doch unendlich. Türen in allen Formen und Farben wirbelten um ihn, um das, was den letzten Rest seines Verstandes, seiner Existenz ausmachte. Er war verloren im Albtraum des Lebens, im ewigen Chaos.
    Und dann erhob sich etwas auf dem Grund der Schwärze. Der Verweigerer der Existenz und des Lichtes war erwacht, und er sah das Glimmen im Raum zwischen den Türen. Unaufhaltsam durchstreifte er die Dunkelheit und näherte sich dem Wanderer.

    To be continued, if anyone cares...

  2. #2
    Sowas nennt man wohl *push*! ^^
    Da ja auch ein paar neue Leser ins AT gekommen sind, wollte ich mein altes Langzeitprojekt mal wieder entstauben und der Öffentlichkeit präsentieren!
    Wenn er ein oder andere noch Interesse hat, würd ich auch weiter schreiben!
    Ach Quatsch, sowas darf man nicht von anderen abhängig machen, oder? ^^
    Also, ich werde bald mal weiter schreiben, aber bis dahin können Neulinge ja mal reinschnuppern in die Geschichte! Bis dengel!

  3. #3
    Die Reise über die Ebenen war aber nicht nur durch den Entweihten eine Reise voller Gefahren. Sie konnte auch schnell in das Nichts führen... in die Vergessenheit. Und wer sein Ziel doch fand, der merkte bald, dass es nicht ganz das war, wonach er suchte. Denn die Gesetze, denen andere Welten unterliegen, gelten nicht für den leeren Raum. Und so kann sich alles, was sich der Reisende erhoffte, in Nichts verwandeln...

    Er öffnete die Augen, und stand dort wo...
    Der Wanderer stockte. Wo Seturnas ihn zurückgelassen hatte, ja.
    Nur schien das Jahre zurück zu liegen.
    Langsam und vorsichtig tastete der Wanderer sich ab, und ein unwirkliches Gefühl erfüllte ihn. Ein Gefühl, etwas verloren zu haben. Als Bastijan feststellte, dass seine Ausrüstung komplett war, fing er an sich genauer umzusehen. Der Ort, an dem er doch erst vor wenigen Stunden eingeschlafen war... er hatte sich verändert. Und zwar sehr verändert.
    Der Baum, der ihm Schutz vor Regen geben sollte, stand nicht mehr.
    Er lag auch nicht umgestürtzt in dem Feld, das den Weg säumte.
    Er war fort, und nur ein alter Baumstumpf legte stummes Zeugnis von seiner einstigen Existenz ab.
    Auch war der Weg selbst... völlig zugewachsen, unmöglich dass es für den Wanderer vor Stunden so anders ausgesehen haben konnte.
    Der Wanderer stellte sich aufrecht hin, atmete tief durch und hielt dann die Luft an.
    Er versuchte den Geräuschen der ewigen Nacht zu lauschen. Denn wenn sich auch alles verändert zu haben schien, die Dunkelheit, die vertraute Schwärze, war geblieben.
    Leises Rauschen der Baumwand, die sich weit hinter den Feldern erstreckte. Der Wind, der durch ihre Äste strich und diese mit sich zog, um sie nach kurzer Reise wieder zurückfallen zu lassen.
    Sonst nichts... keine Stimmenfetzen aus Richtung der Taverne.
    Keine Vögel, nur der Wind und die Nacht.
    Noch während der Wanderer ausatmete und die Luft gleich daruaf wieder tief einsog, wurde ihm klar, was er verloren hatte.
    Zeit. Viel Zeit.

    Mit jedem Schritt, den er in Richtung der Taverne machte, wurde ihm das Rätsel um seinen Körper unverständlicher. Sein Geist war auf Reise gewesen, auf einer Reise zu einer völlig anderen Welt, über Wege, die kein Sterblicher jemals gehen sollte.
    Diese Reise musste die Regeln der Zeit völlig außer Kraft gesetzt haben.
    Was immer ihm auch wie Minuten, vielleicht Stunden erschienen war, hier hatte es... wieviel Zeit gekostet? Monate? Jahre? Oder vielleicht... Jahrzehnte?
    Eine Zeit, in der sein Körper hier verweilt haben musste.
    Und trotzdem war er voller Kraft... obwohl nicht mehr als ein dünnhäutiges Gerippe übrig hätte bleiben müssen.
    Er ging den Weg, als sei es erst Stunden her, die letzte Mahlzeit eingenommen zu haben. Nur ein leichtes Gefühl von Durst. Aber wie?
    Am Horizont tauchte der Umriss eines Gebäudes auf. Die Taverne?
    Also gab es sie doch noch? War die Zeit doch... nur ein paar Wochen weiter gezogen? Der Baum zu Brennholz verarbeitet?
    Dann wäre Seturnas Plan doch nicht so genial gewesen. Dann würde er ihn finden. Er war ein Wanderer.

    Mit jedem Meter sank diese Hoffnung in sich zusammen. Mit jedem Detail, das sich aus der Dunkelheit schälte, erkannte Bastijan, dass dies nicht die Taverne war, die er vor wenigen Stunden verlassen hatte.
    Als er endlich vor dem Gebäude zum stehen kam, wußte er dass nicht Monate, nicht Jahre... sondern Jahrzehnte vergangen sein mußten.
    Wie sonst sollte aus der Taverne eine verwitterte, von Wind und Wetter zermürbte und zersetzte Ruine geworden sein?
    Alte Spuren an halb verrotteten Balken zeigten dunkle Spuren... ein Brand?
    Was es auch war, angesichts des mit Moosen und Gräsern überwucherten Mauerwerks schien das Warum keine Bedeutung mehr zu haben.
    Es war, als sei das Recht dieses Bauwerks, sich denkenden Wesen zu offenbaren, von der Zeit aberkannt worden.
    Der Wanderer sank auf die Knie und nahm einen der Steine in die Hand.
    Seturnas hatte also gewonnen. Nach all den endlosen Meilen... all den Gefahren und Kämpfen... war er nun in einer Welt, die ihn vergessen hatte.
    Was hatte Seturnas getan? Diese Welt den Schatten gänzlich übergeben?
    Alles Preiß gegeben, um Teil an der finsteren Macht haben zu können, die der Junge die "Herzlosen" genannt hatte?
    Der Wanderer zitterte und bemerkte, dass sich sein Mund nun doch sehr trocken anfühlte.
    Er lebte. In einer Welt, die nicht mehr die seine war. Er hatte die Tür gefunden, doch die Reise hatte ihn nicht an den Ort gebracht, den er vorgesehen hatte.
    Seturnas musste fest mit seinem Tode gerechnet haben. Natürlich.
    Und auf welch grausame Weise... wenn das Wesen zwischen den Welten ihn erreicht hätte. Der Wanderer schauderte, denn er ahnte, dass dies Schicksal schrecklicher gewesen wäre als in dieser Welt zu stranden, die seine und doch nicht seine war.

    Nach einiger Zeit raffte er sich auf und ging in die Ruine. Der Grundriss zeigte noch auf, dass es einst mehrere Geschosse gegeben hatte.
    Aus einer Ecke, in der alte Latten vor sich hin verrotteten und Mauerwerk zu einem Haufen zusammengestürzt war, schien ein schwaches Glimmen zu kommen. Ein bläuliches, kaltes Leuchten, wie Bastijan erkannte, als er näher trat. Er beugte sich zu diesem Leuchten hin, und hob einen Kristallsplitter hoch.
    Er musste aus jenem Kristall stammen, mit dem er Melvin aufgehalten hatte... das, was Melvin in die Welt gebracht hatte.
    Torch hatte diesen Splitter wohl gefunden und aufbewahrt.
    Und dort vor sich, halb im vermoderten Holzboden und im sich durch die Latten arbeitenden Erdboden sah er einen halb eingesunkenen, skelettierten Körper.
    Bastijan war sich nicht völlig sicher, aber etwas sagte ihm, dass dies die Reste von Torch waren.
    Dieses Gebäude war nicht einfach nur verwittert, es war überfallen und zum Teil zerstört worden.
    Sie hatten Torch überrascht. Wer?
    Vielleicht Seturnas, der noch einmal vorbei geschuat hatte? Vielleicht seine Diener, die nach Jahren aufgeräumt hatten in dieser Welt?
    Der Wanderer seufzte leise und sah durch das völlig zerstörte Dach zum blassen Mond hinauf.
    Was sollte er jetzt tun? Es schien alles so sinnlos.
    Doch den Versuch unternehmen, die nächste Stadt zu finden? Wenn es noch Städte gab?
    Hatte er seine Aufgabe verloren? Seinen Sinn, seinen Platz in dieser Welt?
    Hatte Seturnas also... wirklich... gewonnen?
    Er und die Macht, der er sich verschrieben hatte?

    Ein vertrautes Geräusch trieb die Verzweiflung, die Stück für Stück Besitz von Bastijan ergriff, zurück.
    Das Röhren eines Krovvaks... nein, mehrer Krovvaks.
    Sofort sprang der Wanderer zu den Steinhaufen am Rande der Ruine, hechtete mit wenigen Schritten auf den höchsten Punkt der Gebäudereste und hielt Ausschau.
    Beinahe verschlug es ihm den Atem.
    Er war nicht allein. Um dies zu wissen musste er keine Stadt mehr besuchen.
    Dort unten wanderte eine Gruppe von berittenen Krovvaks vorüber... mit Reitern, die in dunkle Schleier gehüllt waren, den Schulterpanzerungen und tiefen Stimmen nach Männer.
    Bastijan konnte ihre Worte nur vage verstehen, diese Sprache hatte er in den Weiten der Wüste von Tovernis von Nomaden sprechen gehört.
    Aber das war lange her... wenn auch nicht so lange, wie er es sich angesichts dieser Ruine klar zu machen versuchte.
    Einige Fetzen konnte er jedoch verstehen... sie trieben ihre Tiere zusammen, da... etwas... aus den Wäldern die großen Wiesen betreten hatte... eine Bedrohung für die Krovvaks.
    Aber wo wollten sie hin? Was suchten Nomaden jenseits des Walls?
    Der Wanderer senkte seinen Kopf etwas, als der Konvoi vorbei ritt. Wie sollte er diesen Leuten erklären, was er hier in der Ruine trieb? Wer er war?
    Besser, er bliebe noich unentdeckt.
    Der Wall! Was, wenn es den Wall nicht mehr gab? Niemand konnte sagen, was sich verändert haben mochte in der Zeit, in der er den dunklen Traum geträumt hatte.
    Die Gruppe war nun vorüber, und hielt weiter in Richtung der Wüste.
    Leise stieg der Wanderer aus seinem Versteck herab und trat in die ewige nacht hinaus. Er musste ihnen folgen.
    Vielleicht würde er doch noch erfahren, was geschehen war... warum die Nomaden sich hier herum trieben, und vor was sie sich fürchteten.
    Langsam und geduckt schlich er der Gruppe nach, immer dem Röhren der Krovvaks folgend, dass sich unheimlich und schallend durch die Stille der Nacht schnitt.

    An der Waldgrenze stand wurde die Wand aus Bäumen, die den Zugang zu den großen Wäldern darstellte, immer stärker vom Wind geschüttelt.
    Die Äste, deren schwache Schatten über die Wiesenfelder strichen, ächzten immer lauter.
    Die schwachen Schatten wurden deutlicher, und traten aus dem Boden hervor, nahmen Gestalt an.
    Unter den wachsamen Augen einer einsamen Eule formten sie sich zu Wesen, die aus Schwärze geboren waren, gebrandmarkt durch ein Symbol, das sie ihren Herren zuschrieb.
    Als sie sich in Bewegung setzten war es, als würden hundert kleine Schatten über den Boden wandern, mal flach, mal aufrecht, mal wie eine Täuschung der Augen, mal wie eine deutliche Silhouette.
    Die Eule sah es ganz genau. Sie folgten dem Menschen.

  4. #4
    Du spinnst.
    Nach nem halben Jahr Ruhe. xD Höchster Respekt, solte mir mal ein Beispiel nehmen. ^^''
    Ich les es wenns fertig is, aber der Spam musste sein.

  5. #5
    Nem halben Jahr? Der letzte Storyteil ist über zwei Jahre her!

    Wär toll wenn du doch mal reinschnupperst, mal sehen, wenn keiner was sagt lass ichs lieber, denn dann liest ja auch keiner!

  6. #6
    Schatten und Licht... eine romantische, alte Vorstellung, vielleicht so alt wie der erste Gedanke.
    Und auch ein Konflikt, der tobt, seit das Licht der Dunkelheit den Raum nahm.
    Wer hat welches Recht? Wer beansprucht welchen Posten... das Gute, das Böse?
    Die Wanderer dienen seit jeher der Aufgabe, die ihnen gestellt ist.
    Der letzte von ihnen aber folgt der selbstgestellten Aufgabe, und er wird die Frage von Dunkelheit und Licht stärker bestimmen und verändern, als Seturnas es je hätte vorhersehen können.

    Als die Schatten sich ihrem Ziel näherten, begann das Rad der Vorsehung zunächst zu stottern... dann blieb es stehen. Was nun geschah, ist in allen Zeiten noch nie geschehen.
    Das Rad zerbrach.

    Geändert von Lonegunman81 (15.03.2011 um 23:50 Uhr)

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