Hm, ein Thema bei dem ich mich ziemlich stark angesprochen fühle, aber auch ziemlich indirekt.

Zunächst mal zur Musik selbst:
Von mir aus kann jeder hören, was er will. Ob Gothic, Metal, Punk, Hip Hop, Pop, Rock, Techno oder was es sonst so gibt - ich mag zwar davon selbst nicht alles, würde aber niemandem wegen seinem Musikgeschmack ansaugen. Mir selbst bedeutet Musik nämlich sehr viel, es ist für mich etwas privates, fast schon intimes. Für mich ist es ein Ausdruck von Gefühlen und ich hasse es, wenn man meine Musik als "scheiße" bezeichnet oder ähnliche Ausdrücke verwendet. Deswegen versuche ich, so wenig wie möglich gegen andere Musik zu sagen - da gibts für mich nicht mehr als ein "gefällt mir" oder ein "gefällt mir nicht". Tiefere Beschreibungen mache ich nicht bei Musik, die ich nicht mag - wirklich kritisieren tue ich nur die Musik, die ich selbst gerne höre! Gerne hören tue ich zwar bestimmte Stile (Metal, Gothic), allerdings gibt es in allen Stilen einige Tracks, die ich gerne höre und kann Leute nicht verstehen, die reine "Antis" sind und alles, was nicht "ihr Style" ist, ablehnt.

Das was mich an Musik stört sind die Leute, die in die Rolle eines typischen Metallers, Hip Hoppers oder sonstwas einordnen wollen. Also Leute, die gerne die jeweilige Musik hören, aber scheinbar nicht mit ihr fühlen, keine Verbindung zu dieser haben. Dennoch versuchen diejenigen, es so darzustellen, als hätten sie eine große Bindung zu der Musik. Da sie es gerade nicht haben, ändern sie plötzlich ihr Aussehen, Verhalten, Kleidung. Daran erkennt man direkt solche Personen, denn man entwickelt sich eigentlich in eine bestimmte Richtung und wird nicht plötzlich so.
Ein paar krasse Beispiele für solche Leute, die ich meine, wären z.B. eine Gruppe von Türken, die einen auf Gangsta machen(Kleidung mitinbegriffen) und Hip Hop hören. Oder Personen mit gefärbten, hochgegelten Haaren, die in Klamotten rumlaufen, die minimum 10 Jahre alt zu sein scheinen und was gegen (Neo-)Nazis haben, denen so ziemlich alles egal ist und deswegen Punk hören (aber sie wurden nur so, weil sie Punk hören, nicht umgekehrt). Ein anderes Beispiel wäre eine Person, die nur schwarze Klamotten trägt, sich im Vamp-Style schminkt und über Friedhöfe spaziert.
All solche Personenkreise gibt es, die nur eine Rolle annehmen wollen und sich in etwas hineinpressen, was sie nicht sind und nicht verstehen. Gerade solche Leute werfen die eigentliche Szene in ein falsches Licht - sowas gibt es in extrem vielen Bereichen und was Musik angeht gibt es das bei allen Stilen (vor allem solche, die weniger Resonanz erhalten, werden stark verkannt, während es bei bekannteren Stilen stärker bemerkt wird, wodurch selbst die Vorurteilfreiesten einem unterliegen können - it's just human). Wegen solchen Personen entsteht ein plumpes Schubladendenken, dessen Opfer diejenigen sind, die sich wirklich mit der Musik auseinandersetzen und so werden, wie sie sind, weil sie es auch wirklich sind (und auch Leute, die einfach nur die Musik mögen, weil sie sich "gut" anhört ^^).

Es wird viel zu oft pauschal auf eine Richtung eingegangen, was man an einigen Posts in diesem Thread merkt. Zunächst mal ist da nur die Musik, nicht die Gimmicks (oder wie das Wort, was ich meine nun heißt / geschrieben wird).

Aber nunmal zum Vorurteil selbst, dass Hip Hopper intollerant sein würden und viele Personenkreise diskriminieren:
Hip Hopper selbst tun das nicht, aber die Sparte von Leute, die ich oben beschrieben versucht habe.
Ich werde mit genau solchen Personen - die unter anderem Hip Hop hören und sich davon fälschlich beeinflussen lassen, aber sonst keine Peilung vom Inhalt zu haben scheinen - oft konfrontiert. Ich gehe auf eine Gesamtschule, die vom Lern-Niveau ziemlich tief liegt (auf der man aber Abitur machen kann ). Die Schule hat einen sehr großen Ausländeranteil und ein großer Anteil davon sind Türken. Ziemlich viele von denen fahren diese "Ich bin voll da Checka, alta"-Tour und saugen grundlos andere an.

Ich durfte das heute z.B. erleben, als ich zur Schule gefahren bin:
Ich saß in der hinteren Reihe des Busses und ein paar Haltestellen nach der, in der ich eingestiegen bin, stiegen drei Türken und ein Deutscher(der in selber Klasse zu sein schien - sie gehen alle auf die selbe Schule wie ich) ein, die allesamt ca. 2 Jahre jünger als ich waren, sie waren aber dennoch genauso groß wie ich (/me 10. Klasse-->16 Jahre). Sie ließen sich ganz hinten im Bus nieder und haben zunächst eine Person angemacht (bzw. einer von ihnen), die eine Reihe vor ihnen saß. Er hat sich daraufhin umgesetzt und fertig. Ich konnte während der Fahrt eindeutig die Hip Hop Klänge aus ihren Discmans hören. Während der Fahrt blieb ich verschont, aber wurde dann von ihnen getreten als ich Aussteigen wollte. Ich wollte das im Gegensatz zu demjenigen, der sich umgesetzt hat, nicht auf mir sitzenlassen und hab einem von ihnen gedroht. Als ich dann weiter zur Tür gehen wollte wurde ich von einem geschubst in einen anderen von ihnen, der mir nen Schlag auf den Hinterkopf gegeben hat. Ich hatte keine Lust mehr auf den Mist und bin zur vorderen Tür gegangen, aber sie mussten ja auch bei der Haltestelle aussteigen. Also lief ich zur Schule und wurde von ihnen nochmal angesaugt. Diesmal hatten sie aber nur ein großes Maul, mit dem sie mir gedroht haben. Weil ich mich aber nicht gerne beschimpfen lasse, war ich auch nicht gerade ruhig und sie ließen mich in Ruhe. Keine Ahnung, warum die mich angesaugt haben. Ich habe keine Musik gehört oder irgendwas auf der 5-minütigen Fahrt zu ihnen gesagt, anyway passte ich denen wohl einfach nicht in ihren Kram. Hierzu eine Aussage von einem, kurz bevor die abgehauen sind: "Der regt mich so auf, der Typ." - Das schlimme an der gesamten Situation ist, dass etliche Personen auf der Schule sich so verhalten, die auch Hip Hop hören... Zum Glück benimmt sich die gesamte Hip Hop Kultur nicht so, nur regen mich solche Leute auf, die andere ansaugen(/diskriminieren) und gleichzeitig noch die "Richtung", der sie angehören, mit ihrem pseudo-Verhalten schlecht machen, in dem Fall Hip Hop. Zwar kenne ich mich in der Hip Hopper Szene gar nicht aus, aber ein paar Dinge kann man auch allgemein beobachten.

@Ifrit:
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Dort kommen auf 20 Leute wohl rund 2-3 Hip Hopper, 10 Metal-, Gothic- oder Punk-Fans (vornehmlich mit langen Haaren und Hang zu Cannabis-Konsum) und dann noch 7 "Normalos" die sich nicht so Recht in eine Sparte pressen lassen.

Ich wette darauf, dass die Hip Hopper (so langsam bin ich's leid das so zu schreiben ) sich dort ausgegrenzt und "alleine" vorkommen?
2-3 Hip Hopper, ca. 3 Metaller, ca. 3 Hothics, ca. 3 Punks. Ich finde, dass sich die anderen Gruppen genauso ausgegrenzt fühlen müssten, aber wenn es vier verschiedene Gruppen mit ungefähr derselben Anzahl anzutreffen sind, wie kann sich da eine Gruppe dann ausgegrenzt fühlen? Denn Metaller, Gothics und Punks kann man wohl kaum alle zusammen in eine Sparte pressen, die unterscheiden sich genauso wie ein Hip Hopper von einem Goth oder sonstwelche Stile es auch sein mögen. In so einer Klasse würde ich mich z.B. wohlfühlen, denn dort scheint - was Musik angeht - Individualität vorhanden zu sein und man muss sich bei keiner Richtung ausgegrenzt vorkommen.
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Denkst du nicht, dass es dort ebenfalls Konflikte gibt und man plötzlich "uncool" ist, wenn man kein Nirvana, Children of Bodom oder In Flames hört?
Was den Bereich Metal angeht, denke ich es nicht. Die meisten Metaller hören eine Vielzahl von Bands, die einen lieber, die anderen weniger, haben Lieblinge und gehasste Bands - es gibt aber bestimmt keine bestimmten Gruppen, die allen Metallern gefallen "müssen", um "cool" zu sein. Außerdem ist es von Sub-Stil auch irgendwo abhängig - einige hören nur Black / Death Metal, andere Melodic / Power oder was-auch-immer. Bei uns ist es auf der Schule ist es außerdem so, dass man zusammen Musik über Discman hört, wenn man den Selben Stil (also Metal in dem Fall, Sub-Stile ausgeschlossen) mag und man "cool" ist, wenn man etwas hört, was dem anderen auch gefällt.
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Nun nehmen wir einen Menschen, der sich mit dem Ganzen nicht so ganz anfreunden kann, er hat zwei Möglichkeiten:

1. Seinen eigenen Weg zu finden und zu gehen, weil er ihm eben besser gefällt. Er kann sich entwickeln und wenn er zu sich selbst steht, wird er nahezu problemlos durch seine Jugend kommen.

2. Er kann ein "Anti" werden. Er verdammt diese Masse und das was sie macht/wem sie huldigt und wie sie ist. Er lässt es sie spüren und bekommt es postwendend mit einem - um auf das von dir Gesagte einzugehen - "Dummer motherfucker" zurück.

Wenn man sich aber weiterhin einigermaßen integriert, Kommunikation mit den Leuten probt und nicht zu sehr auf Lone Wolf macht, der ja ach so "individuell und unabhängig ist und den ganzen Hip Hop Scheiß nicht braucht", dann sollte man auch relativ unbeschadet leben können. [Editiert.. ^^]
Nuja, wenn man allerdings wie ich eine recht stille Person ist, die außerdem nicht das hört, was die anderen hören, wird mir schon arroganz vorgeworfen, obwohl ich ja eigentlich nur eine ruhige Person bin. Einige der Personen, die mich im RL nicht leiden können, denken so und das schlägt schon ganz schön auf einen, obwohl man ja nichts dafür kann.

Ich stimme dir aber eigentlich schon zu, dass es so ist.


@ "Ausländer-Diskriminierung-in-der-Schule":
Bei uns herrscht eine teils gespannte, teils lockere Situation. Während es auch bei uns den Ausspruch "nur weil ich schwarz bin!" gibt, lacht nicht jeder drüber, sondern einige fühlen sich davon negativ angesprochen. Dies sind besonders "alle anderen", außer Türken in unserer Klasse. Die Türken in unserer Klasse sind da schon eher locker und sagen oft "Scheiß Deutscher" oder auch "Scheiß Türke", genauso wie die deutschen und es ist von allen aus spaß gemeint (mein Gott, wie sich das anhört... "wie die deutschen", "die Türken" - hört sich fast schon so an, als ob es ne ernsthafte "Rassenteilung" gibt, aber so ist es nicht). Ich finde aber, dass man bei Leuten, die es nicht so locker sehen, solche Aussprüche sein lassen sollte, um unnötigen Konflikten vorzubeugen. In unserer Klasse sind übrigens ca 1/2 Türken, ansonsten gibt es noch ein paar diverse Personen mit anderer Nationalität.

@Stan:
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@ Topic: Wie schon die meisten Vorredner sehe ich das nicht so. Das HipHopper nun besonders intollerant sind, habe ich nicht mitbekommen. Mir ist aber aufgefallen, dass viele, die Metal hören, was gegen HipHop haben und dessen Hörer meist als Mainstream-Kiddies o.ä. abstempeln. Das find ich ein wenig paradox, aber nehme auch das nicht ernst.
Dass Metaller etwas gegen Hip Hop haben (wie allgemein bekannt ), habe ich auch schon oft gehört, aber dass diese Mainstream-Kiddies wären, habe ich noch nie gehört. Aber ich stimme dir zu, sowas sollte man nicht allzu ernst nehmen. Ein ganzes Genre als "Mainstream" zu schimpfen ist schon, naja... dumm.

@Whity:
Ich sehe es mit solchen Begriffen wie "Spasti", "Behinderter" oder was es alles so gibt nicht so eng. Solange man solche Begriffe nicht ernsthaft vor entsprechenden Personen benutzt, stört es doch wohl kaum einen, oder? Und ich denke, dass sogut wie alle Personen solche Begriffe nicht vor den Personen, die betroffen sind, benutzen würden. Andere bezeichnungen wie z.B. "scheiße", "••••••••••", etc. stören hingegen niemanden. Wenn man z.B. sagt "Du bist scheiße(/other words)", dann kann sich wohl kaum eine bestimmte Personengruppe diskriminiert oder angesprochen vorkommen. Außerdem ist ein solcher Sprachgebrauch ziemlich normal und es gab den auch schon früher, dennoch hatte wohl kaum jemand große Probleme damit, finde ich. Ansonsten DITO @ Boo! Meine Mutter arbeitet auch mit behinderten Menschen und ich kann dir nur zustimmen, dass diese die Dinge ebenfalls lockerer sehen, wie auch die Türken, Polen, Russen, etc. es in der Schule sehen.