Emil Bulls - Porcelain



Yepp, ich kann gleich zu Anfang sagen: Für mich ist "Porcelain" die bisher beste Scheibe der Emil Bulls!

Der Titel "Porcelain" klingt natürlich kitschig, zerbrechlich, aber auch irgendwie passend, wenn man sich mit der abwechslungsreichen, detailverliebten Musik, die oft hart an der Grenze der Reizüberflutung vorbeischrammt, auseinandersetzt.
Die Lyrics haben sehr oft etwas "kitschiges", zugegeben beabsichtigt, und die ganze CD will auch gar nicht den Anspruch erheben, dass hier eine weitere dunkle Metal Kapelle vor euch steht - nein, die Musik der Emil Bulls ist ehrlicher denn je, facettenreicher, von Innen nach Außen gekehrt, Momentaufnahmen ... irgendwie anzuordnen zwischen verträumter Melancholie und Aggro Lebensgeilheit .

Track 1 - Porcelain
"No I won`t sing about summer and love
Cause tonight it all turns into a winter of hate ... cold"

Da geht's ja schon los .
Natürlich sind diese Lyrics teilweise derb kitschig, who cares, ich finde sie einfach wunderschön: ein guter Opener ist "Porcelain" allemal ("I dance with angels on my way to hell."), rockig und haut schon mal in die Fresse, dabei auch irgendwie atmosphärisch hypnotisierend.

Track 2 - Cocoon
Das erste Highlight der CD.
Diesen Song sollte man gehört haben: die wohl schönste Liebeserklärung, die man kraftvoll aus sich raus schreien kann, so voller Gefühle und tief. Der Songs ist genial!
"In this cocoon I melt away with you"
Für mich einer der Gründe, die CD zu kaufen.

Track 3 - No Hay Banda
Der Song fliesst direkt über aus "Cocoon" und ist wohl ein kleiner Drogentripp auf der Suche nach etwas, wie ich den Schmerzen dieser Welt entkommen kann - "I`ll forget about life for a while", leicht popiger Refrain.
Mir macht der Song jedenfalls gute Laune!
Und er ist ganz klar ein tipp topp Übergang von "Cocoon" zu "Lava".
Wirklich starker, rockiger Song. No Hay Baaandaaaaa !

Track 4 - Lava
Das ist mein persönlich liebster Song der Emil Bulls!
Er ist eine knapp 6 minütige verklärte Traumreise, so wunderschön, wenn ab der 4 Minute die instrumental Stelle dich selbst zerreißen will, innerlich, unbeschreiblich, aber du eigentlich davon schwebst ...
"Please open the skies"
Einer dieser seltenen Songs, bei denen ich weine.
Diese Mischung zwischen tieftrauriger Melancholie und Einsamkeit sowie Verzweiflung steigert sich bis zum Schluss unaufhörlich in den Rausch, so dass es zu einem dieser Lieder werden könnte, wo du mit Tränen in den Augen dich einfach ... fallen lassen möchtest.
Ein Traum!

Track 5 - Moloko Velocet
Wie auch "Lava" zuvor ein recht ungewöhnlicher Titel und der radikale Bruch zu der Stimmung vorher. "Moloko Velocet" geht wieder in eine ganz andere Richtung: allein diese komischen Gitarren Geräusche zu Beginn zeigen wieder die Experimentierfreude der Bulls. Denn das können sie wirklich: Musikstile vermixen!
Ach ja, der Song geht um Sex, wie ich find.
"A lonely bird over the ocean
The grace of a feather
Dancing with the wind to the end of this world... weightless"


Track 6 - 40 Days
Den Song mag ich nicht so, soll aber nich bedeuten, dass er schlecht ist. Er sorgt sicher für gute Laune, ist rockig und haut rein, aber da gefällt mir einfach der noch folgende Song "This Day" besser.
Für mich so die Niete der CD .

Track 7 - The Coolness of Beeing Wretched (Mud, Blood and Beer)
Yo, das is dann wohl das Porno Lied unter den Emil Bulls Songs.
Die instrumental Stelle gegen Ende find ich ziemlich stylish. Die Stelle, wo alle Drogen und so aufgezählt werden (Whiskey, cigarettes, beer und so), haut schon rein, sehr durchgezogen agressiver Sound.

Track 8 - Lullaby Overdose
"Right here heaven fell on the earth in shape of flowers."
Allein der Titel sagt ja alles und so hört sich der Song dann auch an, sehr viel Synthie Sound, das komplette Gegenteil zu dem Song davor: ruhig und chillig. Leider trifft den Song hier die Reizüberflutung bei mir und ich vergleiche ihn mit "Quiet Night" von der Angel Delivery Service, wo er dann doch schlechter ist. Aber für die Abwechslung sicher eine gelungene Alternative auf der CD - wegzappen tu ich ihn jedenfalls nich.
Vielleicht trotzdem etwas zu Melodie überlastig .

Track 9 - Paranoid Love Affair
Den Song mag ich wieder sehr sehr gern .
Hier haben wir wieder ne super interessante Mischung aus den beiden Songs zuvor, zudem ist die Thematik sehr genial. Paranoide Liebesaffären: es geht wohl darum wie man oft versucht ne Beziehung zu retten, die eigentlich längst futsch is. Und das nächste mal bleibt man wohl lieber allein.
"Trust me
I lie to girls to save this paranoid love affair"

Fett rockig, das Ende ist wieder ganz unerwartet klar (akkustisch) und viele experimentelle Sounds überall, die einen entweder nerven oder gefallen - muss man einfach selbst entscheiden.

Track 10 - This Day
Das war ja die Singleauskopplung, könnte daher bekannt sein. Ist mein Partysong auf der CD, es geht darum, wie es so auf der Bühne für die Emil Bulls ist, wie sie da Spaß haben und einfach Lebenslust aus sich raus rocken.
Sehr geil und ein leicht zugängiger Song, wer mit "Lava" oder "Cocoon" nicht zurecht kommt, sollte die Chance nutze und "This Day" eine Chance geben.
"I´m waiting for the night -to come
I´m waiting for the spots -to shine
I invite all my friends to be part of this dream"


Track 11 - Symbiote
Gegen Ende geht's dann nochmal richtig zur Sache - der Song ist spitze, sowohl von der Härte, aber auch von den Lyrics, wo es wohl daraum geht, wie 2 Körper eins werden, aber der eine dann eben ... ein Parasit ist ("I`m your parasite, you`re my host - come feed me").
Etwas nervig sind hier diese Synthie Arrangements für mich.
Dafür ist Christ's Geschreie gegen Ende genial.

Track 12 - Killer's Kiss
Das ist dann wieder ein Highlight, ganz klar .
Stilmix radikal, etwas auf der Schiene wie "Lava" anzuordnen, nur der Refrain ist weniger chillig, aber trotzdem genial, besonders ab der 2. Wiederholung gewinnt der Track an Stimmung - ganz klar wieder eine Steigerung!
Ein weiterer eher ruhiger Song, einzigartig und genial.
"Floating through the endless dark depth of this sea."
Wieder eine kleine Reise durch einen Traum.
Manche Geräusche "wollen" irgendwie nach Saxophon klingen, aber ich kann sie nich richtig einordnen, alles nebengeordnen zu den harten Beats und Riffs sowie die sanfte, schöne, hymmnische Stimme von Christ.
Ich denke ein typischer "Porcelain" Song, den man hören sollte.

Track 13 - Facial's (The Corrosion of Mind) ... The Hoover Jam
Yeah, das ist der letzte Track und da wird doch noch mal alles reingelegt, 15:56 Minuten und aggresiv, Geschreie (Christ schreit sich nicht nur hier die Seele aus dem Leib - was ein Kontrast zu Lava) plus einfach viel viel Abwechslung.
Natürlich längere instrumental Stellen, die echt reinhauen, und lustige Stellen um die 6. Minute dann (einfach anhören für den Freund von purer Musik), brachriale Riffs - eigentlich ist wohl alles in dem sehr sehr langen Song drin .

Fazit:
Eine geniale Scheibe der Emil Bulls, kein Zweifel!
Nur sehr wenige Songs scheitern an der heiklen Zerbrechlichkeit der Wanderung zwischen den Extremen, die uns die Emil Bulls hier hören lassen.

Zitat Zitat
"So wird der Emil Bulls Hörer Zeuge, wie ein junger Mann den aufregenden Grat zwischen Fiktion und Realität geht. Untermalt von Musik, die ebenso schizophren und ehrlich ist wie die Motive des Autors: mal euphorisch, mal resigniert, mal dunkel wie die Nacht, mal schreiend vor Lebenslust."
Innovative Abwechslung und Experimentierfreude - ich hoffe die Emil Bulls gehen weiter ihren Weg, "Porcelain "ist eine sehr sehr gute CD geworden, die ich ohne Bedenken Freunde der "Deftones" und anderer guter Nu Metal Kapellen zum Probehören anraten würde.

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