Ich würde mich als melanchonischen Menschen beschrieben. Damit möchte ich sagen, dass mich sowohl Filme, aber auch Melodien, aber auch traurige Bücher nachdenklich stimmen. Auch Bilder von Nachrichten im Fernsehen können mich sehr bewegen und traurig machen (wie z.B. die Bilder vom Erdbeben im Iran), weil es mich sehr berührt andere Menschen leiden zu sehen.
So, zu dem Thema ob man weint oder schweigt möchte ich auch was schreiben, aber vorsicht, ich glaube das entwickelt sich zu einem Choco-Depri-Posting bzw. eines ziemlichen Ego-Postings, da ich jetzt halt viel von mir erzähle - also bitte nicht übelnehmen.Zitat
Bei mir war das ne komische Situation. Mein Bruder ist im Herbst 2001 bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Ich erinner mich an diesen Tag noch genau. Als kleine Erkärung: Mein Papa ist Steuerberater, mein Bruder hat bei ihm im Büro gearbeitet und sollte den Betrieb mal übernehmen.
Mein Bruder wollte am Sonntag zu Bekannten/Mandanten fahren, da er dort etwas mit der Steuererklärung erledigen sollte. Sonntag nachmittag hat er sich noch, bevor er losgefahren ist, mit meinem Vater gestritten. Wohl ziemlich heftig. Er war dann ziemlich sauer, wollte nur noch schnell in seine Wohnung fahren - und dann weiter zu den Mandanten. Aber dann haben wir nichts mehr von ihm gehört ... Wir haben am späten abend bei den Mandanten angerufen, ob er dort angekommen sei, weil wir ihn nicht mehr auf dem Handy erreicht haben ... Dort war er jedoch nicht angekommen.
Wir konnten die nacht nicht wirklich gut schlafen. Ich bin dann am Montag wie gewohnt zur Arbeit gefahren, war aber etwas down. Ich bin damals übrigens noch jeden Tag zwischen Hannover und Hamburg hin- und hergependelt. Der Tag verlief dann eigentlich auch noch ganz normal. Das einzige, was mich ärgerte war, dass ich meinem Chef kurz von dem Frust wegen meines Bruders erzählte und er nur ganz gelassen meinte, dass es unnötig sei sich Sorgen zu machen, mein Bruder wäre schließlich ein erwachsener Mensch. Ich weiß, er hat's nur gut gemeint, aber wie er es sagte hörte es sich ziemlich flapsig an.
Ich war mittags mit einem Kollegen, der auch ein guter Freund von mir ist, zusammen essen (beim Pizza Hut). Kurz nachdem ich wieder gekommen bin, rief mein Vater im Büro an. Ich wußte, dass das nix gutes bedeuten konnte, denn normalerweise rufen meine Eltern eigentlich nie bei mir im Betrieb an. Dieses Telefongespräch und auch die Worte meine Vaters haben sich tief in meine Seele eingebrannt, denn mein Vater sagte mir, dass mein Bruder am Sonntag bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Es hört sich blöde an, aber das einzige, was ich sagen konnte war "Scheiße". Mehr habe ich nicht über die Lippen gebracht. Ich bin dann natürlich sofort nach Hause gefahren, aber komische war: Ich bin den Weg vom Büro zum Bahnhof gerannt, aber es war als würde ich gar nicht wahrnehmen, was um mich herumpassiert - ich bin einfach nur gelaufen. Ich wollte heulen, aber ich konnte es nicht. Ich habe am ganzen Körper gezittert - und ich hätte mir eigentlich nichts mehr gewünscht, als weinen zu können, aber es ging nicht.
Als ich zirka zwei Stunden später zu Hause angekommen bin, war ich erst mal ganz allein. Meine Eltern mussten meine Schwester in Göttingen abholen, da sie dort eine Therapie macht. Ich fühlte mich irgendwie so leer aber gleichzeitig überfordert. Es klingt blöde, aber ich bin dann erstmal in mein Zimmer gegangen und habe Terranigma gespielt - habe aber nicht wirklich was von dem Spiel mitbekommen.
Etwas später klingelte es bei uns an der Haustür, es war der beste Freund meines Bruders. Er wusste bereits, was passiert war ... Wir haben uns angesehen, einen Moment geschwiegen und dann haben wir uns beide in den Arm genommen und geheult ... Endlich konnten meine Tränen fließen - und es mag sich vielleicht strange anhören, aber: Es tat gut ...
Da sich dieser Tag genau in mein Gedächtnis eingebrannt hat (ich möchte euch jetzt nur von weiteren Einzelheiten verschonen) und ich dieses Gefühl wahrscheinlich nie vergessen kann, werde ich immer traurig, wenn ich an jenen Tag im Oktober zurück denke. Es ist bereits über 2 Jahre her, aber ich glaube so was kann man nicht so leicht vergessen.
In diesem Zusammenhang gibt es noch viele weitere Dinge, die mich traurig machen, z.B. dass es nun wahrscheinlich keinen mehr in der Familie gibt, der den Betrieb meines Vaters übernimmt, denn er sich über viele Jahre mit viel Liebe aufgebaut hat. Es macht mich traurig, wenn ich an meine Schwester denke, der es seit dem Tod meines Bruders noch schlechter geht. Es macht mich traurig, weil ich nicht weiß, wie ich mich ihr gegenüber Verhalten soll. Wenn ich irgendwas falsch mache, zieht sie das nur runter. Aber sie ist nicht immer leicht und ich bin manchmal auch ein bisschen frech, aber sobald ich irgendeinen Spruch reiße ist sie so tief bedrückt. Es ist für mich wie eine Zwickmühle: Sie möchte, dass man mit ihr zusammen ist, aber ich habe Angst davor, Angst, dass ich etwas falsch mache. Von daher würde ich sie manchmal lieber meiden, aber das zieht sie ja auch runter.
Es macht mich auch traurig, wenn ich an meine Eltern denke. Ich lebe seit April 2002 zusammen mit meinem Verlobten in Hamburg - aber wenn ich an meine Eltern denke habe ich ein schlechtes Gewissen, weil sie so allein sind. Um es hart zu sagen: Die eine Tochter ist in der Klapse, der Sohn ist tot und die jüngste (also ich) wohnt in Hamburg. Hört sich blöde an, aber der Gedanke zieht mich einfach runter.
Es macht mich traurig, wenn ich daran denke, dass es meinem Vater manchmal ziemlich dreckig geht, weil er sich Vorwürfe macht, Vorwürfe, weil er sich vor dem Unfall meines Bruders so sehr mit ihm gestritten hat. Und auch wenn's wiegesagt schon einige Zeit her ist, so überkommen mich doch manchmal die Tränen, wenn ich daran denke.
Ich will mit diesem Posting jetzt übrigens nicht irgendwie darstellen, dass ich nen kleines depressives Etwas bin, dass bin ich normalerweise nicht - eigentlich bin ich mit meinem Leben so zufrieden wie es ist. Ich habe einen lieben Freund (mit dem ich später mal ne Familie haben möchte) einen Ausbildungsplatz und eine schöne Wohnung in Hamburg.
Aber da es hier ja darum geht, was einen traurig macht, dachte ich halt ich lasse euch an dem teilhaben, was mich bedrückt. Wirklich nochmal sorry, falls es irgendwie stören sollte, dass ich soviel aus dem Nähkästchen geplaudert habe ...
Gruß,
Chocobo

Kontrollzentrum




. Er war dann ziemlich sauer, wollte nur noch schnell in seine Wohnung fahren - und dann weiter zu den Mandanten. Aber dann haben wir nichts mehr von ihm gehört ... Wir haben am späten abend bei den Mandanten angerufen, ob er dort angekommen sei, weil wir ihn nicht mehr auf dem Handy erreicht haben ... Dort war er jedoch nicht angekommen.
. Ich habe einen lieben Freund (mit dem ich später mal ne Familie haben möchte) einen Ausbildungsplatz und eine schöne Wohnung in Hamburg.
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