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Seraph wanderte also durch die weiße Schneewüste, ohne Orientierung, ohne Ziel. Ein Ziel hatte er schon, er wusste jedoch nicht, wo dies zu finden war. Er stieß immer weiter nach Norden vor und die Kälte fing an, ihm zu schaffen zu machen, seine Glieder wurden steif und behäbig, doch er zwang sich, weiterzugehen. Als er fast nicht mehr konnte, stolperte er über einen Erdhügel und kullerte einen Hang hinab. Er wartete schon auf einen Aufprall, einen Baum, oder was auch immer, doch er kam nicht. Seraph öffnete die Augen, die er zwischenzeitlich geschlossen hatte. Was er erblickte, war nicht das grelle weiß, welches er erwartet hatte, sondern eine tiefe Schwärze, die ihn umschlang. Dann schließlich kam der Aufprall, unsanft wurde Seraph von einer Felswand gebremst.

„Argh, mein Kopf. Das war gar nicht schön. Das möchte ich nicht noch mal wiederholen. Na ja, aber ich hab’s mir ja auch nicht ausgesucht, es ist bloß eine weitere der Unpässlichkeiten, die mich auf meiner langen Reise ereilt. Doch wo bin ich hier?“

Seraph blickte sich um, doch durch die schon erwähnte Schwärze sah er nicht viel, bis auf einen schwachen bläulichen Schimmer, der um eine scheinbare Ecke schien. Jedenfalls war dies der einzige Orientierungspunkt, den Seraph hatte, so beschloss er, ihm zu folgen. Außerdem war ihm, als erwarte ihn etwas besonderes… vielleicht ja eine blau Leuchtende Makkaroni? Oder ein blauer Leuchtfrosch? Tja… jedenfalls tastete er sich durch die Dunkelheit. Was er dann erblickte ließ, ihm den Atem gefrieren. Zusätzlich zu der Kälte, die sowieso schon herrschte, schlug ihm eine gewaltige Kältewelle entgegen, nicht nur physischer Natur.

Vor ihm erstreckte sich eine große Höhle, doch es war keine Höhle, sie war übersät von Leichen. Diese Höhle war ein gewaltiges Schlachtfeld, nunmehr ein Zeugnis einer gewaltsamen Fehde zweier längst vergessener Parteien in einem längst vergessenen Krieg. Die ehemalige Hitze der Schlacht hatte sich ins Gegenteil gekehrt. Jetzt bemerkte Seraph auch den schwebenden blauen Orb, welcher in der Mitte des Raums in der Luft zirkulierte. Ein Seelenfänger! Die Seelen der hier gestorbenen hatten über all die Jahrhunderte, die diese Schlacht her sein musste, keine Ruhe gefunden.

Somit waren selbst ihre Körper noch intakt, der Orb hatte Unterstützung von der alles verschlingenden Kälte erhalten. Nun wandte sich Seraph den Gefallenen an sich zu, manche waren geköpft worden, so dass ihre Kleidung noch in einem akzeptablen Zustand war. Seraph lächelte zufrieden, endlich konnte er seine ausgediente Tracht loswerden und sie durch angemessene ersetzten. Woher diese stammte, war ihm nun egal, dieser Ort schien sein Herz letztendlich doch erkalten zu lassen, doch ob es Rettungslos verloren war, musste sich noch hinausstellen.

Jedenfalls schritt er durch die Reihen der Toten. Und er hatte Glück, einer der geköpften besaß in etwa Seraphs Statur und die Kleidung fand Seraphs Wohlwollen, schwarze Kleidung mit silbernen Verzierungen, das war es, was er gebrauchen konnte. Neu eingekleidet besserte sich seine Laune ein wenig, er nahm sich nun vor, sich den Orb ein wenig näher anzusehen.

Er streckte seine Hand aus und es war, als würde er durch flüssigen Stickstoff fahren, seine rechte Hand verkrampfte sich, er versuchte sie zurückzuziehen, doch dies misslang.

„Soll dies ein Scherz sein? Nach all diesen Strapazen soll ich nun meine Hand verlieren? Soll ich sie mir auch noch selbst ausreißen, um hier nicht zu sterben? Sag Orb, ist das die Ironie des Schicksals, welche du symbolisierst? Oder ist dies ein Rätsel, die Belohnung ist meine Hand, die Strafe für Misserfolg das selbe, bloß umgekehrt? Doch was ist dein Einsatz? Was bietet sich mir, falls ich es schaffe, gegen dich anzukommen? Gibt es keinen? Ist diese ganze Angelegenheit bloß eine Farce? Aber wir werden ja sehen, ich hab Zeit.“

Seraph richtete sich auf einen längeren Aufenthalt ein, doch er brauchte nicht lange zu warten, bis etwas passierte. Die Kälte begann, seinen Arm hinaufzuwandern, unaufhaltbar seinem Torso entgegen. Doch plötzlich änderte sich Form und Farbe des Orbs, es streckte sich, teilte sich in mehrere Stränge von einem tiefen Schwarz, die sich von Seraph zu lösen begannen, sich jedoch knapp über seinem Arm um ihn wanden, jedoch ohne ihn zu berühren. Dann begannen die Stränge sich zu bewegen, sie bildeten Muster und lösten sie wieder und bildeten neue Muster, ein kleines Genesis, unaufhaltbares Schaffen und Zerstören.

Seraph starrte gebannt auf diese seltsamen Geschehnisse, er nahm gar nicht wahr, dass sich die Kälte von ihm gelöst hatte, er spürte nur eine Art freudiger Erregung. Er schloss die Augen und konzentrierte sich ganz auf sein Gefühl. Nach einiger Zeit nahm er die fremde Materie wahr, als wäre sie ein teil seines Körpers, er konzentrierte sich, versuchte die Stränge, welche scheinbar aus Schatten bestanden zu lenken. Und er hatte Erfolg! Die Schatten bewegten sich auf seinen Wunsch hin, nahmen jede nur erdenkliche Form an, falls diese nicht zu ausgefallen oder zu groß war. Er streckte die Schatten, bis sie sein Handgelenk umschlangen und in mehreren losen Strängen darüber hinausgingen.

Er dachte an ein Schwert und sogleich formten sich die Schatten zu einem, jedenfalls fast. Das Resultat ähnelte eher einem Dolch denn einem Langschwert, wie er es sich eigentlich erwünscht hatte. Doch auch dies war schon ein erstaunliches Resultat. Probeweise stach er auf die Luft ein, die Schatten flimmerten zwar, doch sie folgten der Bewegung seines Arms.

„Das ist…ein erstaunliches Phänomen, einfach unglaublich! Ich hätte mir so was nie träumen lassen… Ob das auch als Waffe tauglich ist?“

Seraph setzte die Schatten an seinem linken Arm an und zog die „Klinge“ durch. Doch es war keine Verletzung erkennbar, die Klinge schien unscharf zu sein. Seraph versuchte, die Klinge in seinem Geiste zu schärfen und setzte abermals an. Diesmal gab es ein Resultat, ein dünner roter Strich zog sich über Seraphs Unterarm. Doch dies war ihm nicht genug, er wollte eine Waffe und kein Brotmesser! Er war doch weder ein Morbol noch ein Tonberry!

Seraph setzte sich auf den steinernen Boden und sinnierte darüber, wie seine neu gewonnenen Fähigkeiten wohl funktionieren mochten. Dabei vergaß er die eigentlichen Schatten und als er erstaunt nach unten blickte, so waren die Schatten verschwunden, und er hatte ein eigenartiges Kribbeln im rechten Arm. Er konzentrierte sich wieder darauf, etwas erscheinen zu lassen und prompt waren die Schatten wieder da, das eigenartige Gefühl war verschwunden.

„Sehr praktisch. Auf jeden Fall ist dieses Zeug leicht zu verbergen… ja, sehr nützlich. Doch wie funktioniert das? Es muss etwas mit diesem Orb zu tun haben, da bin ich mir sicher. Moment mal, der Orb war ein Seelensammler, vielleicht…“

Seraph hatte eine Idee, er drehte sich zu dem nächstgelegenem Toten um und schuf eine Verbindung zwischen sich und dem Toten. Dieser reagierte, seine Haut trocknete aus und zerfiel, nur die Knochen blieben übrig, welche ein seltsamer Schimmer umhüllte. Seraph fühlte nach diesem Schimmer und er erkannte etwas wieder, es fühlte sich an wie seine Schatten. Plötzlich war der Schimmer verschwunden und Seraph fühlte einen kleinen Energiestoß, die Schatten wuchsen.

„Das ist es! Diese Schatten, die ich kontrolliere, sie beziehen ihre Energie aus Seelen! Und da diese Seelen der Toten in ihren Körpern gefangen sind, sollte ich ihre Energie nutzen können!“

Nachdem er diese Prozedur bei allen Toten angewendet hatte, konnte er schon eine Klinge in der Form eines Kurzschwertes Formen, seine Theorie bestätigte sich. Seraph ging zum Ausgang der Höhle und lächelte zufrieden. Dann hieb er nach rechts, in die Felswand hinein und sein Lächeln verstärkte sich, als er sah, dass ein erheblicher Schaden entstanden war. Jedenfalls verhältnismäßig, wie es nun mal ist, wenn man mit einem Schwer auf einen Felsen einschlägt. Na ja, zugegeben, es war wie mit einem magisch verstärkten Schwert, Seraph wollte dann doch nicht so bescheiden sein.

Dann gehe ich doch gleich mal ein paar Seelen sammeln… wenn ich frische Seelen benutze, dürfte der Gewinn größer sein, als bei solch alten Seelen… Frohe Jagd!“

Als er aus der Höhle hinaustrat, hatte der Schneesturm aufgehört. Die Schatten waren wieder verschwunden, Das einzige, was die Veränderung Seraphs kennzeichnete, war seine neue Kleidung und sein Blick, erfüllt von einem Feuer, doch von einem kalten und unheilvollen.
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@Kamui
o_O Na und? Solange Yuki nicht in der Nähe ist, kann mir das relativ egal sein... außerdem würdest du bestimmt früher dadrin landen...

@Sig
Erstens ist es ja nur, bis Vinni nicht mehr auf das 56k-Modem angewisen ist. Außerdem wissen wir doch alle, was da drin steht.

@Dante
´Hui...und ich dachte schon, mein jetztiger Part wäre ungewöhnlich, aber gegen déinen ist das ja nichts^^