@ Rick:
Schöne Geschichte. Ich finde besonders die Ich-Perspektive interessant, die du gewählst hast, irgendwie ungewöhnlich für eine Kurzgeschichte. Auf jeden Fall sehr interessant. Auch die Verbindung mit der Wetter-Beschreibung gefällt mir, man kann sich richtig, die kalte Nässe vorstellen, sehr gut.

Aber nun zu mir, ich hatte gerade auch spontan Lust, etwas zu schreiben, es ist eigentlich schon fast zu kurz für eine Kurzgeschichte. Eigentlich ging die Geschichte in meinem Kopf auch noch weiter, aber irgendwie passte der letzte Satz schön als Ende. Über Feedback würde ich mich freuen, eventuell würde ich die Geschichte dann auch noch weiter schreiben, kommt drauf an, was ihr davon haltet. Aber genug geredet.

[FONT=arial]Nie Wieder - geschrieben zEvG am 20.10.2003
<Nie wieder, nie wieder> sagte er sich.
Es war das letzte Mal gewesen, ein für alle mal. Er hatte einfach nicht das Recht, so etwas zu tun. Er wusch sich seine Hände und das Wasser im Waschbecken färbte sich rot.
Jetzt ekelte es ihn gar und er schrubbte seine Hände solange mit harter Kernseife, bis sie bluteten. Und auch dann konnte er nicht aufhören. Es war, als wolle er seine Wut abwaschen.
Er steckte das zerrissene Sommerkleid zusammen mit seiner Kleidung in einen Müllsack, den er anschließend wütend in eine Ecke schmiss. Er spürte keinen Schmerz mehr in seinen Händen, von denen das Blut zu Boden tropfte. Er schrie auf, brach wie erschlagen zusammen und blieb wimmernd auf dem Boden liegen – nackt, hilflos. Dann schlief er ein.

Die hellen Sonnenstrahlen, die durch das Fenster hineinfielen weckten ihn auf. Die Erlebnisse der letzten Nacht wirkten wie ein Traum. Nur der Müllsack und seine wunden Hände erinnerten ihn schmerzhaft daran, dass das alles passiert war, dass all das kein böser Traum war, sondern Realität - sein Leben. Der Blick auf seine Uhr verriet ihm, dass er zu spät zur Arbeit kommen würde. Er duschte sich und verließ kurz darauf das Haus.

„Sie sind nicht für unser Unternehmen nicht haltbar“, die Worte brannten wie Feuer in seinem Kopf. Er war sinnlos, nutzlos. Und er hatte keinen Job mehr.
Der süßlich-stechende Geruch von Sperma und Schweiß schlug ihm entgegen, als er seine Wohnung betrat. Er ging ins Badezimmer, beugte sich über die Badewanne und schaute ihr direkt in die Augen. Weit geöffnet blickten sie ihn an, fassungslos, aber nicht ängstlich. Sie war blass. Ihre Haut wirkte wie die einer Puppe, tot und unmenschlich. Liebevoll schloss er ihre Augen und den halbgeöffneten Mund und lächelte sie an. Sie war sehr hübsch. Er spürte ein angenehmes Ziehen in seinem Unterleib.
<Nein, nicht jetzt.> Behutsam hob er sie hoch und legte sie auf die weißen Fliesen. Er küsste ihre Stirn und packte sie dann in einen Müllsack, so wie immer. Bevor er sie in der Nacht dem Fluss übergeben würde, räume er auf. Das Messer lag noch immer da, wo er es gestern Nacht hingelegt hatte. Das getrocknete Blut hatte ein eigenartiges Muster gemalt. Es wirkte wie alte Runen, die eine Geschichte erzählten. Er konnte sie nicht lesen. Fasziniert betrachtete er die Klinge, bis er das Messer abwusch und zurück an seinen Platz legte. Er öffnete das Fenster und genoss es, die frische klare Luft einzuatmen.

Als die Nacht ihr dunkles Kleid ausgebreitet hatte, machte er sich auf den Weg. Er fuhr zu der Stelle, an der er schon die Anderen ins Wasser gelassen hatte, band ein paar dicke Steine an den Sack und ließ in behutsam ins Wasser. Lange blicke er an die Stelle, die die Frau verschlungen hatte. Das Wasser war nachts so schwarz wie der Sack, der nun ihr letztes Kleid sein würde.
[/FONT]