Ich will dir hier nachträglich nichts anderes einreden, allerdings würde ich bei deinen akuten Beschwerden schon verstehen, dass dein Arzt radikalere Medikationen vorschlägt.
Apotheker sind wie Hausärzte in vielen Fällen übervorsichtig, einerseits, weil ihnen meist die Praxis mit wirklich akuten Zuständen fehlt (wenn ich einen Ohnmachtsanfall habe, fahre ich nicht zu meinem Hausarzt, sondern in die Notaufnahme und die Apotheke sieht auch eher selten Leute mit akutem Abdomen), andererseits, weil ihnen die Anonymität fehlt, um "Schönheitsfehler" zu machen. Das ist kein Manko, Übervorsicht ist die Mutter der Fürsorgeberufe, aber manchmal ist es eben doch hinderlich. Zumindest traue ich einem Hausarzt (natürlich ohne genaue Umstände zu kennen, diese Beurteilung ist also nicht sonderlich gewichtig) weniger zu, so eine Medikation leichtfertig vorzuschlagen. Die Nachfrage der Apothekerin ist auch nur eine Vorsichtsmaßnahme, ich kenne eben diese Frage inzwischen selbst sehr gut, ich hab die letzten zwei Tage (tatsächlich grundlos) im Krankenhaus verbracht, weil ich diese Frage mit "Ja, ich lebe allein." beantwortet habe.
...sagen die Statistiken. Beipackzettel berufen sich zu 90% auf statistische Erhebungen, das bedeutet, Gründe werden dabei selten hinterfragt (wäre auch nicht sehr sinnvoll, letztendlich interessiert mich als Verbraucher ja wirklich nicht, warum die sich alle das Leben nehmen wollten. Fakt ist aber, dass sich Beschwerden bei vielen Antidepressiva und Schmerzmitteln anfangs verschlimmern, bevor sie sich nach einigen Tagen/Wochen bessern; gesteigerte Beschwerden verursachen gesteigerte Kompensationshandlungen. Saroten wirkt sedierend und beeinflusst den Hormonspiegel, was beides zu sehr irrationalen Reaktionen führen kann, das ist schon richtig, aber das passiert beides nicht in so einem Maße, dass du dir permanent Sorgen machen müsstest, dir plötzlich grundlos die Rasierklinge durch die Arme zu jagen.Zitat
Antidepressiva verändern tatsächlich nur sehr selten die Persönlichkeit selbst, es ist aber sehr wahrscheinlich, dass sich veränderte Gefühlslagen (Schmerzfreiheit, gesteigerter Antrieb, Freiheit von bestimmten [teils krankhaften, teils gesunden] Bedürfnissen) auf persönliche Kennzeichen auswirken. Meine letzte Freundin litt an einer Persönlichkeitsstörung und nahm Medikamente gegen die damit einhergehenden Depressionen (entweder waren es SSRI-Hemmer oder irgendwas zur gesteigerten Serotonin-Freisetzung - glaube ich); ich hab sie mit und ohne Medikamente erlebt und sie wirkte jeweils wie ein anderer Mensch und fühlte sich auch anders, was aber daran lag, dass sie ohne Medikamente 12 Stunden am Tag schlief, soziophobisch war und ständig unter latenter Angst litt, mit Medikamenten den ungesunden Schlafrhythmus eines normalen Teenagers an den Tag legen konnte und sich innerlich ruhig und ausgeglichen fühlte, manchmal ein bisschen übersensibel war.Zitat
Im Allgemeinen nehmen Antidepressiva übrigens auch keinen Einfluss auf Dinge, die mit der Persönlichkeit in Verbindung stehen, wenn man nicht an Depressionen leidet. Um zu sagen, inwieweit das nun tatsächlich bei Saroten der Fall ist, fehlt mir die Erfahrung, ich halte es aber so und so für Unwahrscheinlich, starke Persönlichkeitsveränderungen hängen aber wie behauptet ohnehin mit der gelinderten Symptomatik (oder aber mit aufgeführten Nebenwirkungen, sedierte Leute sind nicht für ihre Sportlichkeit bekannt) zusammen.
Das ist sehr wahr und ehrlich gesagt bezweifle ich heute noch, dass man das Medikament früher so oft verschrieben hätte, wenn man schon mit SSRI-Hemmern hätte arbeiten können, einfach, weil die organischen Folgen statistisch untragbar scheinen. Wie aber schon gesagt, Statistiken sind hintergrundslose Erhebungen und was der Beipackzettel als "häufig" bezeichnet und was sich wie "80% der Probanten" anhört, ist höchstens 1er aus 10, alles darunter sind Häufungen von 0,0001 bis 0,1%. Und was Bei Saroten unter "sehr häufig" (also 1 ++ aus 10) aufgeführt ist, sind Nebenwirkungen, die viele herkömmliche, viel leichtfertiger verschriebene Medikamente auch haben - zugegebenermaßen weniger gehäuft.Zitat
Kopfschmerzen lassen sich aber sehr gut wie Depressionen behandeln, vor allem, weil in beiden Fällen in etwa die selben hormonellen Vorgänge den seelischen oder physischen oder Kopfschmerz lindern bis auftilgen. Opioide beispielsweise verstärken die Serotoninfreisetzung und nehmen deshalb auch Depressionssymptomatiken bei Kopfschmerzpatienten, die mit dem Schmerzen nunmal zwangsläufig einhergehen (das geht bei Antriebslosigkeit los und endet bei Überempfindlichkeit). Im Übrigen lassen sich Schmerzen und Depressionen objektiv betrachtet in bestimmten Betrachtungsweisen nicht mehr trennen, eben weil man symptomatisch bei Depressionen tatsächlich von Gefühlsschmerz sprechen kann.Zitat
Jedenfalls finde ich, du solltest das noch etwas differenzierter sehen, aber wie gesagt, ich will dich (vor allem in Anbetracht der Zeit, die seit deinem Beitrag vergangen ist) in nichts hineinreden oder dir etwas ausreden. Viel mehr will ich abschließend noch Folgendes anmerken, was dir vielleicht auch zukünftig tatsächlich etwas nützt:
Wenn dein Arzt dich über deine Medikation nicht ausreichend informiert, oder du nicht das Vertrauen in seine Fähigkeiten verspürst, ihn mit deinen Bedenken zu konfrontieren, was die Nebenwirkungen angeht, dann solltest du das entweder mal mit ihm besprechen, oder dir vielleicht woanders Hilfe suchen. Letztendlich kann weder ich noch wahrscheinlich du als Laie wirklich beurteilen, wie weit es nun mit diesem Medikament her ist (das ist hier übrigens vielleicht sehr balanciert beschrieben habe, aber in gewisser Hinsicht stimme ich dir schon sehr zu, wenn dich die Nebenwirkungen abschrecken - da gibt es wirklich sanftere Varianten; - ich weiß eben nicht so recht, eben weil ich deine Geschichte mittlerweile auch so ganz grob kenne, ob du in Anbetracht deiner Beschwerden noch derartig viele Optionen hast, dass du dir den sanften Weg wirklich leisten kannst ... solange deine Beschwerden aber mit Triptan zu ertragen sind, solltest du tatsächlich dabei bleiben); deshalb ist es so wichtig, dass du zu deinem Arzt tatsächlich eine Vertrauensbasis hast und dich von ihm ausreichend beraten fühlst, denn letztendlich ist er deine Verbindung in diesen medizinischen Kleinkosmos, dessen Hilfe du nunmal unabdingbar benötigst.
Du hast chronische Schmerzen, die bei dir neurologische Symptome verursachen und die offenbar durch gewisse Vorerkrankungen noch verkompliziert werden. Medizinisch brauchst du Hilfe auf hohem Niveau und wenn dir dein Arzt die nicht geben kann, beziehungsweise, wenn er dir einfach ein Mittel verschreibt, das sich dir dann als untragbar entpuppt, dann steht dein Arzt auch in der Verantwortung, dir Rede und Antwort zu stehen - und eigentlich sollte er die Zeit haben, dich von selbst und bevor du zur Apotheke gehst und den Beipackzettel konsultierst, ausführlich über das Medikament zu informieren, eben vor allem, wenn es derartige Wirkungen hat. Es ist dann nahezu ein bisschen unüberlegt, soetwas nicht zu tun und ich an deiner Stelle würde das Vertrauen spätestens verlieren, wenn ich auf Nachfrage nicht erfahre, dass seine offenbar fehlenden Bedenken, soetwas zu verschreiben, medizinisch auch tatsächlich nicht gegeben sind. (das war jetzt genau genommen eine mindestens vierfache Verneinung, ich hoffe, du siehst durch)






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