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Ritter
Der fleißige Boii hat zwei weitere Spiele und damit auch zwei neue Nationen im Angebot. Ich halte es kurz.
Venba

Venba erzählt in knapp zwei Stunden die Geschichte eines indischen Paares, das nach Kanada immigriert ist, um dort das Glück zu finden und dort bald einen Sohn zu bekommen. Gerade anhand von Kavin, der von seinen Freundin „Kevin“ genannt wird und das eigentlich auch bevorzugt, reiben sich die beiden an kulturellen Differenzen, dem Nicht-voll-dazugehören und den Ängsten darum, dass ihr Sohn den Tamil-Teil seiner Herkunft vernachlässigen könnte, auf.
Venba ist nicht nur Name des mal traurigen und mal nur melancholischen Spiels, sondern auch der Name der weiblichen Protagonistin und der Begriff für eine Form der Dichtung in Tamil. Sie – die Frau Venba – spürt die Entfremdung zu ihrem eigenen Sohn ganz besonders, die zum hauptsächlichen Fokus der kleinen Geschichte wird, die sich über viele Jahrzehnte im Leben der Familie spannt.

Ein besonders wichtiger Teil der kulturellen Repräsentation des Spiels ist die Essenskultur. So kocht die spielende Person als Venba in entsprechenden Minigames/Puzzles aus der Erinnerung und dem nicht mehr ganz entzifferbaren Rezeptbuch Gerichte wie Idlis, Biriyani oder Dosas nach, während Venba sich mit Tamil-Musik beschallt. Das ist Cozy-Game-Kost, die auf mich hier und da etwas undurchsichtig gewirkt hat, sich ansonsten aber mühelos mit der Erzählung zusammentut.
Die meiste Zeit über erzählt Venba auch keine total neuen Erkenntnisse, vermag das Dilemma der Familie aber durchaus auch anhand von kleinen ästhetischen Kniffen und vor allem ein paar tieferen Einfällen zu vermitteln. So hat mir beispielsweise besonders gut gefallen, wie Kavin sich an der unterkomplexen Pseudo-Repräsentation der Tamil-Kultur in einer Aufführung stört, an der er mitwirken soll und allgemein, wie unterschiedlich sich der Diaspora-Struggle für die drei jeweils anfühlt.
Voll durchgeschlagen hat Venba bei mir nicht unbedingt. Es hat mir aber Hunger gemacht und eben auch den ein oder anderen interessanten Nachdenkimpuls gegeben.
Dafür vergebe ich 7,5 von 10 Tomaten, die natürlich als Letztes in die Pfanne kommen. Duh!
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The Shore
Als Zweites habe ich “The Shore“ dabei. Und bin ehrlich. Das ist ein Spiel, an das ich vermutlich nie Hand angelegt hätte, wenn ich nicht diese Challenge machen würde. Aber es bot sich mir als günstiges Spiel aus Griechenland an – insbesondere weil es dann eben auch etwas ist, was mir so gar nicht liegt.

Dass es sich bei The Shore um einen Walking-Simulator mit ein paar unausgereiften Adventure- und Puzzle-Einlagen, und um ein etwas schlecht ausgearbeitetes Horror-Survival-Game handelt, ist dabei nicht mal mein Problem. Weder vor, noch nach dem Spielen. Ich bin aber einfach kein Fan von Cosmic Horror a la Lovecraft. Und dieses Spiel eben schon.
Dabei sollen sich Leute, die davon eben schon Fans sind, aber nicht gelockt fühlen. Denn The Shore ist sicher auch für Lovecraft-Enthusiasten und Leute, die an Cosmic Horror, der so weit außerhalb der sonstigen menschlichen Erfahrungswelt und im Fremden liegt, vermutlich kein gutes Spiel. Weil es überhaupt nicht viel mit dieser Art des Gruselns arbeitet. Am Anfang mag die Atmosphäre der kargen Küstenregion, deren Zeit – wie der Protagonist nicht müde wird, zu erzählen – stehen geblieben scheint, ja noch ihre Wirkung versprühen. Doch das wird schnell mit übernatürlichen Begegnungen der ominösen Art zunichte gemacht. So richtig ominös bleiben die aber auch nicht. Der ganze Kanon an mit Namen versehenen Lovecraft-Wesenheiten hat einen Auftritt. Nicht nur als Madness induzierende Strippenzieher hinter den Vorhängen der Welt, sondern als große Monster.

Das, wie auch das Design dieser Wesen, ist hochgradig uninspiriert und lahm. Es gibt viel Schleim, viele Augen, viele Tentakel und den ganzen Lovecraft-Kram eben. Nichts bleibt verborgen, um Unheimlichkeit ist man hier allerhöchstens bemüht. Und irgendwie soll dann auch noch die eigentliche Motivation des Protagonisten – seine verschollene Tochter Ellie zu finden – mit dem Geplänkel der Great Old Ones in Einklang gebracht werden. Mehr schlecht als Recht.
Der Teil, der The Shore für mich von einem wirklich nicht guten zu einem echt schlechten Spiel gemacht hat, ist aber ein Detail im Voice Acting: Was Lovecraft sicher gefallen hätte ist nämlich, dass die Stimmen der manipulativen Wesenheiten, um die sich der Horror des Spiels rankt, nicht bloß auf ein fast albernes Maß in die tonalen Tiefen heruntergepitcht werden, sondern, dass sie dabei mit verschiedenen, vor allem afrikanisch anmutenden Dialekten (oder wenigstens Assoziationen solcher Dialekte) sprechen. Klarer kann man der lovecraftschen Tradition, die die Angst vor dem Unergründeten, Fremden auch mit kolonialer Geschichte und Rassismus vereint, wirklich nicht treu werden. Gefällt mir nur – Überraschung! – nicht so gut, dass sich ausgerechnet da doch ein Beispiel am umstrittenen Vorbild genommen wurde.
Viel mehr muss ich eigentlich auch nicht sagen. The Shore ist - im besten Falle – belanglos. Im schlechtesten dann auch noch aus anderen Gründen scheiße.
1,5 von 10 Artefakten, mit denen man ominöse Magiestrahlen auf böse, vielarmige Monster verschießt.
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