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Ritter
Timelie
… ist ein kleines, feines Indie-Puzzlespiel aus Thailand.

Ein Mädchen wacht in einem Bett auf. Um sie herum eine karge, aber hochtechnologische Umgebung. Von Beginn an wird klar: Sie will aus der bedrohlichen Einrichtung fliehen, in der sie sich befindet. Abgesehen von ein paar Ausrufen und einem wirklich atmosphärischen Audiodesign wird hier aber rein gar nichts verbal erzählt. Stattdessen arbeitet Timelie mit einem Präsentationsminimalismus, der seinen Zweck erfüllt.
Dabei befindet man sich die meiste Zeit auf einem Spielbeld mit isometrisch angeordneten Feldern, über die man gehen kann. Hier und da lassen sich Schalter drücken, mit denen man wiederum Türen öffnet. Zu Beginn ist dieses Puzzle-Prinzip wirklich noch leicht und ganz straightforward.

Doch die Schwierigkeitsschraube dreht im Verlauf des etwa 5 Stunden langen Spiels durchaus an. Sooo viele Räume besucht man nicht, doch hat in ihnen bald schon ordentlich zu grübeln. Dabei bleibt es nicht bei Schaltern und Türen. Die Protagonistin muss sich auch mit allerlei gefahren herumschlagen. Da wären zum einen Wachroboter, die die Räume und Gänge patroullieren und in deren Lichtkegel man wirklich nicht treten sollte, wenn man den Raum nicht von vorne beginnen will. Und dann ist da in manchen Räumen auch noch eine mysteriöse Kraft, die dafür sorgt, dass sich der Raum nach und nach auflöst. Auch davon sollte man sich nicht einholen lassen.

Doch bei dieser Übermacht an Robotern fehlt es auch nicht an einem wichtigen Helfer und Begleiter: Einer Katze! Die ist zum Teil in den Schächten unterwegs und am Anfang noch etwas scheu, doch gewöhnt sich an das Mädchen, woraufhin die beiden beginnen, sich zu helfen. Man steuert ab diesem Punkt dann teils beide Figuren separat und muss so in immer komplexeren Abläufen Routen durch die Raumkomplexe finden. Während die Katze schneller ist, mit ihrem Maunzen Gegner ablenken und durch besagte Schächte huschen kann, lassen sich mit dem Mädchen Schalter drücken oder auch Orbs aufsammeln, die ihr magische Kräfte verleihen. So kann sie mit so einem Orb entweder zerstörte Brücken reparieren oder sogar einen Wachroboter ausschalten. Und damit ist der zentralste Clou noch nicht mal erwähnt: Denn unabhängig von Orbs lässt sich die Zeit jeder Zeit zu einem beliebigen Punkt zurückdrehen, um die Aktionen beider Charaktere noch zu ändern.
Das kann für ganz schön komplexe und anfangs undurchsichtige Rätsel sorgen, in die man sich dann wirklich ein bisschen reinfummeln muss. Ein, zwei mal fand ich die Lösung auch etwas zu schwer, doch insgesamt geht das Rätselkonzept ziemlich gut auf. Noch dazu: Durch die Zusammenarbeit wachsen einem Mädchen und Katze – auch in gegenseitiger Abhängigkeit – ans Herz und mit den minimalen Mitteln funktioniert so auch das kryptische, angedeutete Storytelling sehr, in dessen Zuge man am Ende des Spiels durchaus noch spekulieren kann, was das denn jetzt eigentlich alles bedeutet hat.
Timelie ist wirklich ganz süß, atmosphärisch und funktioniert auch als Rätselspiel sehr. Hier und da kam bei mir ein kleiner Frustmoment auf, aber ich bin eigentlich auch wirklich kein großer Puzzle-Freund. Wenn man das ist, würde ich es auf alle Fälle empfehlen und selbst von mir bekommt das Ding 7,5 von 10 den Boden einreißende Schachfiguren.
Langsam mache ich hier den Narcissu und bewerte echt so gut wie alles mit 7,5.
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