Zitat Zitat von Sylverthas Beitrag anzeigen
Ja, das stimmt - was ich ebenfalls nicht konnte. Wobei ich gar nicht das Gefühl hatte, dass Raya zu Lulu im Epilog schlimmer war. Im Prinzip hat sie sie ja nur da abgeschnitten, wo sie von den Klassenkameraden erzählt hat - weil Raya halt null Fick auf die gibt. Ansonsten haben sie sich ja etwas distanziert auf nen Kaffee verabredet. Jetzt keine große Freundschaft, aber zumindest kollegial. Aber zu Erik hätte sie definitiv nicht so zurückhaltend sein sollen. Ich kann nur mutmaßen, dass hier für die Entwickler dieses "Wir sind uns nicht unähnlich" reingespielt hat - was aber eigentlich nur metaphorisch, nicht direkt funktioniert. Er hat halt aktiv und bewusst viel Scheiße gemacht und kann sich immer noch nicht dafür entschuldigen.
Ja, genau den Moment mit Lulu meine ich. Und stimmt, für sich genommen wäre der legitim und nicht übertrieben, aber im Verhältnis zu Erik wurde er es dann eben für mich. Und ich stimme dir voll zu, dass das vermutlich eine Art von Geistesverwandschaft der beiden nahelegen sollte, die für mich nicht funktioniert. Klar, Raya hat auch viel verletzt und teils rücksichtslos gehandelt, aber im Gegensatz zu Erik ist sie eben AUCH Opfer und das teils sogar von ihm. Und dafür braucht mir sein angedeuteter Redemption Arc dann wirklich zu lange. Wobei es AUCH okay wäre, wenn Raya einfach total nachgiebig mit ihm wäre und so viel Verzeihung in sich trägt, dass sie mit ihm geduldig sein kann. Aber DANN wiederum müsste sie eben auch mit anderen verzeihender umgehen (oder man mir zumindest nachvollziehbar zeigen, WAS Erik denn an sich hat, dass es möglich macht, mit ihm trotz allem sanfter umzugehen).


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OK, hier hast Du mich ein wenig verloren. Das Spiel endet doch damit, dass Raya Nirmala - ihre künstlerische, freigeistige Seite, wieder akzeptiert. Sie hatte sich doch vorher zu der "fake bitch" verstellt, die vorgegeben hat etwas zu sein, was sie nicht war. Ich würde es genau andersrum interpretieren.
Ja, wenn man’s nur anhand dieser binären Persönlichkeitsspaltung versteht, dann schon. Ich sage ja auch, dass es da schon redeeming Qualities hat und ich mich am Ende auch wieder mehr mit der Message versöhnt habe – sonst gäb’s wohl keine 9 von 10. Sie kehrt zwar wieder zur Nirmala zurück aber der Facette der unbegrenzten Kreativität, die eigentlich auch mit Nirmala verbunden ist, wird trotzdem eine Absage erteilt, weil sie sich als schädlich für Raya herausgestellt hat. Ich finde, dass das Spiel hier auch ein bisschen bipolar ist, was es jetzt eigentlich aussagen will. Ja auch anhand der Frage, wie wertvoll und „echt“ Fiktion denn jetzt ist. Hab das Zitat ja genannt, das mir imponiert hat und suggeriert, dass „Hirngespinste“ per se nicht weniger real sein müssen als das, was wir sonst „real“ nennen. Und das ist als Message im Spiel erhalten, aber dann geht es eben doch wieder darum, dass Raya sich der Realität stellen muss.

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Das waren tatsächlich welche der stärksten Stellen im Spiel. Wenn die Fassade bröckelt. Daher sehe ich den MC auch nur bedingt als einen self Insert, auch wenn die Lücken groß genug sind. Bzw. ist der Effekt ja gerade, dass die Leute, die sich self inserten, potenziell einen Spiegel vorgehalten bekommen.
Ich würde ihn auch eher „X Insert“ oder so nennen. Also ob er ein Self Insert ist oder ob man jemand anderen insertieren muss, weil man sich mit ihm nicht identifizieren kann (oder besser: will ) variiert sicher von spielender Person zu spielender Person. In der Hinsicht sicher auch interessant, wie es sich bei Spielenden verhält, die sich nicht als Männer identifizieren. Weil als Mann ist er ja sehr explizit (und allgemein natürlich wenig subtil) gecodet. Mit ALLEM was dazugehört.