Distanziert ist meine hier zur Schau gestellte Faszination ja irgendwie auch. Sonst wäre da nicht so viel Ironie im Post. Gleichzeitig habe ich inzwischen aber auch genug kulturwissenschaftlich/postkolonial studiert, um zwar diese Distanz dazu zu spüren, auch Anstoß daran zu finden und es in Teilen vielleicht sogar "falsch" zu finden, aber das gleiche eben auch in vielen Medien auf ganz ähnliche Weise zu sehen. Vielleicht selten so roh und direkt, aber dass sich die propagandistischen Aspekte in Darstellungen, die wir alle kennen und denen wir tagtäglich ausgesetzt sind, sogar etwas besser verstecken und von vielen gar nicht erst gesehen werden, macht es ja auch nicht besser.
Meine Reaktionen waren dann also doch insgesamt schwächter/gedämpfter. Weil ich nun aber ja auch schon eine Zeit lang wusste, dass ich es spielen wollte. Und weil ich Fursan al-Aqsa dann doch auch weniger "intensiv" fand als ich dachte. Weil es in seinen Gewaltspitzen so brutal ist, dass es sich total von irgendeiner Realität entfernt, während man spielt. Vielleicht ist das letztlich auch ein propagandistischer Wirkmechanismus. Dem Widerstand irgendwie einen heldenhaften Anstrich zu geben, ihn in seinen brutalen Konsequenzen aber gleichzeitig auch zu bagatellisieren. Ich zweifle aber an seiner Wirksamkeit.
Wobei mir in diesem Kontext jetzt gerade, wo ich diese Zeilen schreibe, noch einfällt: Vielleicht kann so eine Form von Propaganda (wenn sie das denn ist und es nicht auf den oben genannten Cope hinausläuft) dann funktionieren. Ich habe ja erwähnt, dass die Leidensgeschichte des Protagonisten, die auf der Itch.io-Seite vorgestellt wird, im Spiel überhaupt nicht erwähnt wird. Ganz vielleicht ja, weil das Spiel eh Leute ansprechen soll, die diese Leidensgeschichten kennen und vielleicht teilen? Weil man ihnen nicht mehr erzählen muss, warum es diese Al-Aqsa-Bewegung gibt. Auch das ist natürlich nur Spekulation.
Ich tue mich eben auch schwer damit, einzuordnen, inwiefern das "es fühlt sich anders an" ein Resultat von einerseits der ungefilterten Low-Budget-Natur des Spiels und andererseits unserem eigenen Ausgesetztsein gegenteiliger Propaganda ist. Oder ob es eben doch wirklich irgendwie substanziell anders ist. Ich glaube tendenziell an Ersteres, habe aber eben auch keine Mittel, um das irgendwie zu verifizieren, deswegen ja auch die ausgelassene Bewertung und allgemein der sehr unentschlossene letzte Absatz im Review. Da rein spielt eben letztendlich auch die Frage, inwiefern die Glorifizierung eigentlich festen Stand auf irgendeinem Boden findet. Kurzum ist zwar die Tatsache, dass ich eine moralische Bewertung der ganzen Nummer auf Distanz schiebe, zwar der Tatsache geschuldet, dass ich um meine kulturelle Voreingenommenheit weiß. Aber gleichzeitig führt das ganze vielleicht zu einem verdrehten Trotz. Sprich: Meine relative Sanftheit im Umgang mit dem Spiel ist auch aus dem gleichen kulturellen Spannungsfeld geboren.
Ich will aber trotzdem nicht einfach zurück zum Affekt von "Wow, wie krass und böse". Das Affekthafte war ja in gewisser Weise, was ich Clair Obscur in Bezug auf das Trauer-Thema vorgeworfen habe und ich möchte echt nicht zum Clair Obscur des Multimediaxis werden.![]()

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