Journal With Witch [2-7]:
Diese Show ist so FUCKING gut. Derzeit Anime of the Season für mich - und das weit abseits von Konkurrenz. Auch ein guter Kandidat für einen hohen Rang von Anime of the Year, wenn sie nicht noch nachlässt. Es ist eine dieser Shows, bei der jede Episode noch einen emotionalen Nachhall hat. Und das alles, ohne das typische Melodrama, wofür Anime sonst so bekannt sind!Echt selten, dass es in Anime so eine realistische Auseinandersetzung mit Trauer und Trauma gibt. Hier weint ein Charakter nicht kurz, ist danach ein wenig betröppelt und erinnert sich dann noch ab und zu mit glänzenden Augen. Nein, das Gefühl der Trauer von Asa für ihre verstorbenen Eltern wird komplex dargestellt - weil ihre Beziehung gerade zu ihrer Mutter auch nicht einfach war. Selbst bis Episode 7 ist die Trauerarbeit noch nicht abgeschlossen, es ist kein simpler Vorgang. Das klingt jetzt so, als wäre die Show durchgehend deprimierend, aber das ist sie nicht. Denn Trauer kann ein unterschwelliger Vorgang sein - etwas, was aus einem herausbricht, auch wenn gerade alles gut läuft. Auch wenn man gerade Spaß hat. Oder einfach, wenn man sich mit seiner besten Freundin wieder versöhnt hat und merkt, dass man jemanden zum Reden braucht. Trauer kann ein Prozess sein, der einen mental belasted und müde werden lässt.![]()
Hier kann es einem schon kühl vorkommen, wenn man weder Makio noch Asa weinen sieht, wenn sie die Wohnung der Eltern aufräumen. Aber die Gefühle sind komplex und zu dieser Szene wird auch noch öfter zurückgeblickt und ihr ein anderer Kontext gegeben.Hier prallen die grundverschiedenen Persönlichkeiten von Asa und ihrer Tante Makio aufeinander. Dadurch entstehen viele unterhaltsame Szenen - denn Makio ist schon etwas spezieller. Und ich mags echt sehr, wie die beiden miteinander umgehen, auch wenn es nicht immer einfach ist. Die Gespräche sind auch alle gut geschrieben. Und es kommen auch viele ernste Szenen zwischen den beiden. Makio ist recht eigenbrötlerisch und hatte ein kaputtes Verhältnis mit ihrer Schwester - was es ihr nicht leicht macht, mit Asa umzugehen. Sie kann auch die Trauer nicht nachempfinden. Dadurch ist sie für Asa keine wirkliche Stütze, obwohl diese sowas jetzt gerade gebrauchen könnte. Dabei bin ich überzeugt, dass die beiden sich durchaus helfen - aber nicht auf eine so offensichtliche Art.![]()
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Makio ist der Star der Show. Ihre Voice Actress macht nen brillianten Job ihre etwas kauzige Art rüberzubringen. Sie probiert durchaus klare Linien zu ziehen - dann eigentlich lebt sie lieber alleine und so ist es für sie etwas schwer zu händeln, dass Asa nun permanent bei ihr ist. Von ihren Eigenheiten kann man auch recht stark davon ausgehen, dass sie vermutlich neurodivergent ist, eventuell introvertiertes ADHS oder ähnliches hat. Und sie bringt das auch in einer Szene sehr auf den Punkt, bei der sie akzeptiert, dass sie sich einfach anders verhält als andere.![]()
Aber dann kommt neben den Charakteren auch noch der Szenenaufbau, die Musik dazu. Wenn Asas und Makios verschiedene Mentalitäten aufeinanderprallen, etwas, was die eine sagt für die andere keinen Sinn ergibt, kommt manchmal so eine leicht dissonante Musik im Hintergrund, die diesen Disconnect untermalt. Szenen werden öfter gelayered, so dass zwei parallel ablaufen. Oft, wenn diese thematisch verbunden sind, nicht unbedingt zeitlich. Die Show ist damit definitiv keine, bei der man nebenbei am Smartphone rumdaddeln sollte (was ich sowieso nie mache, aber gibt ja genug Tiktok-Kids in der Anime Community *g*).![]()
Besonders spannend fand ich eine Szene im Restaurant, bei der Makio mit ihrem Ex spricht. Während des Gesprächs kommen immer wieder intrusive thoughts rein, Erinnerungen an andere Gespräche oder andere Makios, die sie anfeuern. Eine Verbildlichung von dem Chaos, was in ihrem Kopf herrscht. Dabei wird sie auch nicht wie ein Alien dargestellt, was in Anime oft passiert - sie ist einfach nur ein Mensch, der eben etwas anders tickt als andere. Aber sie hat auch ihren normalen Freundeskreis, sie hat ihre Liebschaften. Und ja, die Szene im Restaurant war schon sehr lustig, als sie auf einmal merkt, dass sie ihren Ex eigentlich immer noch echt heiß findet xD![]()
Wenn man ein Fan von Slice of Life und Drama ist, dann sollte man diesem Anime auf jeden Fall ne Chance geben. Wenn ich einen Vergleich ranziehen müssten, dann March Comes in Like a Lion - wobei ich denke, dass Journal With Witch weniger melancholisch ist, aber dafür die Themen nicht weniger intensiv behandelt.![]()










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