Zitat Zitat von La Cipolla Beitrag anzeigen
Ich würde aber argumentieren, dass Dragon Quest direkt von Anfang an als Baby's first rpg konzipiert war und ganz massiv Dinge vereinfacht hat, hier von Wiki ...

Genau das hat es ja auch so MEGAerfolgreich gemacht.
Das "altbacken und hardcore" war ja eher so ein Zwischenstand in den 2000ern – und das wahrscheinlich auch mehr im Westen, weil die Reihe bei uns nicht so wirklich erhältlich war.
Diese "Vercasualisierung" steht imho also total in der Tradition von Dragon Quest. Was sich geändert hat bzw. krasser geworden ist, ist wahrscheinlich mehr a) die gewünschte Ausdehnung der Zielgruppe und b) das Verständnis von dem, was dafür notwendig ist. Und da wird es schon einen realen Zusammenhang geben. Man darf sicherlich nicht unterschätzen, WIE Mainstream die Reihe in Japan ist, und wenn da dann noch Hoffnungen auf den West-Mainstream dazukommen ... Tjoa.
Wir als Nischen-Zielgruppe sollten lieber zurück Wizardry gehen! Folgt mir!

Übertrieben kommt es mir trotzdem vor, vor allem mit so weirden Entscheidungen wie den ganzen Slidern. (Ich überlege immer, wen DAS abholen soll: Leute, die zwar überhaupt keine Geduld haben, aber TROTZDEM Bock, irgendwelche Slider zu optimieren? Gebt mir einen "Story"-Schwierigkeitsgrad und gut ist!) Dann wiederum habe ich auch nicht Millionen für Testgruppenmarketing oder irgendwelche Mainstream-Ambitionen, also was weiß ich schon ...?


Ich denke, das ist immer eine berechtigte Frage, und ich bin mir ziemlich sicher, dass die Antwort nicht kreativ motiviert ist. ^_~
Square-Enix mischt monetär halt doch ziemlich weit oben mit, und da saugt man nun mal alles aus einem Franchise, was irgendwie zu holen ist ... Ob das langfristig die beste Entscheidung ist, selbst finanziell? kA.
Aber man sieht ja auch, dass es irgendwo funktioniert: OBWOHL alle wissen, dass diese Spiele "vercasualisiert" bis zum Erbrechen sind, werden sie selbst von der Hardcore-Audience (!) gespielt.
Was ich sehr empfehlen kann, ist dieser Dragon Quest Deep-Dive, von dem noch recht unbekannten Youtuber:



Ich kenne nur wenige die derart tiefgründig und ausführlich auf Spiele eingehen und diese auch im Zeichen ihrer Zeit werten.
Aktuell hat er nur zu den ersten 4 Teilen Retrospektiven gemacht, aber gewiss werden die weiteren noch folgen.
Man bekommt wie ich finde einen wahnsinnig guten Überblick, auch wenn man selbst nicht Hand anlegt, auch über die Entstehungsgeschichte.

Du hast absolut recht, für den damaligen Stand der Zeit, galten die Spiele als eine Vereinfachung, die ein breiteres Publikum erreichen sollten, als das sperrigere Wizardry und Ultima. Aber eben auch weil es sehr viel Potenzial dafür gab.
Das eine Serie sich neuerfindet und entwickelt gehört dazu, aber Änderungen haben ja immer einen bestimmten Zweck erfüllt dieses Potenzials auszufüllen. In den Reimagening sehe ich keinen Grund außer vermeintlich "mitzuschwimmen".

Spannend ist wie starr Dragon Quest länger als alle anderen bis dahin noklassischen Serien an seinen Wurzeln festgehalten hat, so dass der Benchmark was als "zugänglich" gilt, sich weiter verschoben hat und plötzlich die Dragon Quest Reihe irgendwann als die klassische "Hardcore-Reihe" galt. Bestimmt findet man immer noch im Internet hier und da alte Testberichte der PS2 Version von Dragon Quest 8 denen man das entnehmen kann.
Ich denke man kann nicht den Maßstab von vor 40 Jahren immer noch auf heute anwenden, für welche Spiele längst als "zugänglich" gelten, bzw es nicht bedeutet haben muss, dass es so "zugänglich" wie möglich sein müsste, was auch immer man sich darunter vorstellt.

Dragon Quest 7 ist schon wegen seiner altbackenen Präsentation eine Besonderheit, es gilt auch mit als einer der anspruchsvollsten Teile.
Es ist also nicht unbedingt eine Entwicklung festzustellen, mehr eine Stagnation - oberflächlich betrachtet. Denn an sich haben die Spiele sehr viel mit ihren Strukturen und der Art des Storytellings rumgespielt. Man unterschätzt wie gut die Reihe nach wie vor in Japan performed hat. Ich würde sagen die Reihe hat ihren Kern nicht nur beibehehalten, fast schon "geschützt" das bis ins PS2 Zeitalter zu merken, hat ein bisschen das konservative Image der Serie geprägt.

Ich denke erst mit Dragon Quest 9 wurde das ganze aufgebrochen, wobei ich denke dass es eher der typischen Level 5 Machart von Spielen geschuldet war. Dragon Quest 9 war jetzt kein Spiel was seinen Fokus auf "Zugänglichkeit" lag, das war eher der Modus Operandi von Level 5 damals (vielleicht hat man ihnen bei Teil 8 noch strenger auf die Finger geschaut) denn das wurde ein Looten & Leveln Fest mit Multiplayer-Funktionalität

Das hat bereits eine stärkere Fokusverschiebung für die Reihe bedeutet, anschließend ging eh noch mal viel mehr Zeit ins Land. Dragon Quest 11 war in der japanischen Originalversion, immer noch recht konservativ auch wenn schon ein paar heilige Kühe wie Zufallskämpfe geschlachtet wurden. Spätere Iterationen, wie der westliche Release, sowie die S Version, haben das Bild aber allmählich bröckeln lassen und ich denke inzwischen steckt die Serie sowieso stark in Square Enix moderner ausgeprägten Firmenkultur drin, bei der nicht mehr so stark auf feste Entwicklerteams gesetzt wird, wie damals noch zu Enix und früheren Square Enix Zeiten, was dazu geführt hat dass all die neuen Impulse die Reihe haben aufbrechen lassen durch populärere Einflüsse.