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  1. #21
    Final Fantasy X-2 (2003)


    Final Fantasy X-2? More like Final Fantasy Y2K!

    Ich weiß nicht, welches Final Fantasy ich als meinen persönlichen Lieblingsteil bezeichnen würde, aber X ist sehr nahe dran. Tatsächlich beendet habe ich bisher nur IV, VII, VIII und X. FFVI habe ich mehr als nur angespielt, aber im Endgame irgendwann zuerst die Motivation und dann auch den Spielstand verloren. Unabhängig von meinem persönlichen Geschmack halte ich Final Fantasy X aber für das bisher gelungenste, durchdachteste und rundum stimmigste Final Fantasy. Die Art wie die Geschichte, das Worldbuilding, die Figuren (und deren jeweilige Entwicklung), das Gameplay, usw. alles ineinander greift und sowohl logisch als auch metaphorisch stimmig bleibt – Hut ab! Das sieht man bei JRPGs in der Dichte doch eher selten, glaube ich.

    Ich schreibe das hier übrigens bevor ich FFX-2 gespielt habe. Ich weiß, dass FFX-2 mit einigem von dem, was FFX aufgebaut hat, brechen wird. Aber ich bin dennoch gespannt, weniger weil ich mir eine stimmige Fortsetzung der Geschichte erhoffe (FFX ist eine abgeschlossene Geschichte, jede Fortsetzung muss sich wie ein FanFic anfühlen), als einfach nur ein gutes, unterhaltsames Sommerspiel! Spoileralert: Und das ist es auch!

    YRP, Let’s Go!

    FFX als Samstag-Morgen-Y2K-Girlpower-Cartoon


    Final Fantasy X erschien für die Playstation 2 im Juli 2001 in Japan, bei uns fast ein Jahr später. Die Fortsetzung – und damit das erste Mal überhaupt eine direkte Fortsetzung eines Final Fantasys – wurde zuerst mit dem ‚Eternal Calm‘ Video angeteasert und später konkret angekündigt. Erschienen ist Final Fantasy X-2 dann im März 2003 (in Japan), bei uns wieder fast ein Jahr später.

    Mit FFX-2 ist es ein wenig wie mit Zelda: Ocarina of Time und Majora’s Mask – nur umgekehrt. MM ist eine Art düsterer Remix von OoT, viele Assets werden wiederverwendet, verfremdet, usw. um eine neue, teils etwas düstere Geschichte zu erzählen. FFX-2 macht dasselbe. Aber es remixt FFX, um aus der eher traurigen Geschichte von FFX eine lustige, lockere Geschichte zu machen und Yuna ein Happy End zu bieten. Und diesen Tonartwechsel macht FFX-2 von Anfang mehr als deutlich.

    Ohne Witz, man wird förmlich von der Ästhetik der frühen 2000er ERSCHLAGEN! Und es ist herrlich: J-Pop Girlgroup, funky acid-jazzige Musik, „clevere“ Sprüche und Witze, wie aus einem Cartoon: „Disasterrific!“ Als wäre ich in die frühen 2000er zurückgereist und würde Samstagmorgens Fernsehen gucken. Wahrscheinlich Powerpuff Girls. Und es passt genau: Blossom ist Yuna („Commander and the leader“), Bubbles ist Rikku („she is the joy and laughter“) und Buttercup ist Paine („she is the toughest fighter“)! Oh, und eben habe ich noch erfahren, dass Bubbles und Rikku dieselbe Sprecherin haben, na also!

    Auch toll wie dieser Wechsel kommuniziert wird: Man sieht am Anfang noch Yuna im alten FFX-Look auf der Bühne stehen, bevor sie sich verwandelt und zu einem J-Pop-Song („What can I do for you?“) tanzt und singt. Klar, es stellt sich heraus, dass sie es nicht wirklich war (gestohlene Identität bzw. Garment Grid, blabla), aber es macht trotzdem jedem Spieler sofort klar: Die alte Yuna, das brave, schüchterne Mädchen aus FFX, die sich so schwer getan hat, gegen die religiösen Traditionen aufzulehnen? DIE GIBT ES NICHT MEHR! Hier ist die neue Yuna! Und sie singt und tanzt! Nehmt das alles nicht so ernst und habt Spaß!

    Oh und den hab ich!

    Schon allein die Menübildschirme, die „Mission Start!“-Einblendungen etc. Bei der Battle-Win-Fanfare weiß ich teilweise nicht, ob ich Wave Race: Blue Storm spiele oder… irgendein anderes Sommer-Sportspiel. Ich liebe es! Rikku schreit bei der ersten Mission als man von Schlangen angegriffen wird (Riesenschlangen mit Gatling als Kopf...) „Snake! Snaaake!“ Wie der Colonel beim Game Over in Metal Gear Solid. Ich komme nicht mehr klar.

    Was auch schnell auffällt: Wie viel besser die Gesichtsanimationen der Figuren geworden sind. Wie schon bei FFX gibt es verschiedene Abstufungen, was den Detailgrad der Hauptfiguren angeht. Von steifen Gesichtern mit etwas wenigen Polygonen beim normalen Gameplay bis zu detaillierten Lippenbewegungen bei den Nahaufnahmen. Da braucht es kaum noch vorgerenderte Zwischensequenzen, von denen es auch tatsächlich nur noch recht wenige gibt. Ich habe die Steam Version, also das Remaster gespielt, nur so nebenbei.

    Ich bekomme den Eindruck, dass die Ästhetik ALLES ist in diesem Spiel. Und Producer Yoshinori Kitase sagt das dazu: „In fact, before we even had a complete story for the sequel, we worked on recreating Yuna's (and the girls') look first and then decided on a story that fit that style/image. In a way, the new designs included a message to us (the development team) by constantly telling us ‚to make a change.‘“
    https://web.archive.org/web/20120603.../442025p2.html

    Ich will hier kein Fass aufmachen, aber eine Sache noch zum Characterdesign bzw. den Outfits: Ich glaube man merkt den Designs ganz klar an, dass es viel weniger um Fan-Service geht als um... Style und Ästhetik? Natürlich ist das betont sexy und oft auch ziemlich freizügig, aber im Gegensatz zu so manch anderen japanischen Genrevertretern (Ähem, Xenoblade Chronicles 2, hust) erscheint mir das Ganze bei FFX-2 viel stimmiger und weniger für einen Male Gaze gemacht als auf dieselbe Art, wie sich Popstars sexy inszenieren und dabei „trotzdem“ selbstbewusst und mit Spaß an der eigenen Inszenierung auf der Bühne stehen. Guckt Euch einfach mal die Kylie Minogue der frühen 2000er an zum Beispiel. Das passt auch musikalisch! Die Instrumentals würden in FFX-2 beinahe nicht auffallen.

    Final Fantasy X-2 bricht mit seinem Vorgänger aber nicht nur mit seinem Style und Tonfall, sondern auch im Gameplay.

    Mission Time! (Das Gameplay)


    Final Fantasy X war ja auch schon ein Bruch mit der JRPG Tradition der Oberwelt, die meistens als begehbare Karte frei erkundbar war. FFX-2 führt das konsequent fort und bietet einem das "Luftschiff" (wohl eher eine fliegende Harley?) von Anfang an und man wählt die Orte, die man besuchen will, in einem Menü aus. Die Orte sind zwar immernoch direkt miteinander verbunden, aber es gibt keinen Grund nicht einfach über das Menü von Ort zu Ort zu springen.

    Zudem hat das Spiel eine - ähem - "Kapitel-Missionen-Episoden-Struktur". Die Geschichte ist in Kapitel unterteilt, die jeweiligen Kapitel in verschiedene Missionen (teils optional) und manchmal gibt es es scheinbar auch Episoden. Es ist, fand ich, nicht immer ganz transparent, wie das Ganze funktioniert. Im Menü werden sogenannte Hotspots angezeigt, die man besuchen muss, um in der Handlung voranzuschreiten. Hat man alle Hotspots eines Kapitels "abgearbeitet", ist das Kapitel beendet. Am Anfang habe ich das noch nicht ganz durchschaut und fand es eher verwirrend. Nett fand ich aber, wie man die Hotspots teilweise wie die Folge einer Serie mit eigener, fast in sich geschlossenem Handlungbogen gestaltet hat. Und wenn man am Ende einer Mission wieder zurück auf der Celsius ist, die Musik einsetzt und man so das typische Gefühl vom Ende einer Folge bekommt. Am besten noch mit einem letzten albernen Spruch oder Gag.

    Das Kampfsystem ist nach FFX wieder FF-typisch ATB und macht enorm Spaß! Es ist sehr dynamisch gestaltet mit recht hohem Tempo. Und mit den Kostümen hat wieder ein Job-System seinen Weg hinein gefunden. Ich find es zwar manchmal etwas überfordernd mir jetzt überlegen zu müssen, welche Figur ich auf welchen Job fokussieren will, aber die ständige Abwechslung macht Spaß.

    Meine persönliche Lieblings-Dresssphere: Festivalist! Und was erfahre ich? Festivalist war gar nicht im Originalspiel dabei, sondern Teil eines Wettbewerbs bei dem Fans Designvorschläge machen konnten. Gewonnen hat ein Achtjähriges Kind! Kein Wunder, dass es das coolste Design ist.



    Außerdem muss man bei FFX-2 natürlich die außerordentliche Menge an Minispielen erwähnen. Die sind ja eigentlich cool, aber die wenigsten fand ich so richtig überzeugend. Das wirkt ein bisschen so wie Platformer oder ähnliche Experimente im RPGMaker2000, wofür die Engine gar nicht ausgelegt ist. Ganz nett, aber eben nicht immer ganz so spaßig. Oh, und ein Rennspiel fehlt ganz eindeutig. So viele Rennspiel-Vibes und dann gibt es KEIN Minirennspiel!?

    Sphere Break scheint das durchdachteste und komplexeste Minispiel zu sein, es hätte mir, glaube ich, auch mehr Spaß machen können, aber hat mich erstmal eher überfordert und ich war nicht motiviert genug da jetzt noch mehr Zeit reinzustecken.
    Und natürlich sind die Minispiele praktisch alle komplett optional, also gar nicht relevant für die größere Geschichte.

    Beim Erkunden hat man jetzt eine Sprungtaste zu Verfügung. Sprünge werden damit aber nur an den entsprechenden Stellen ausgelöst. Finde ich gar nicht mal so verkehrt, aber vielleicht wäre hier mehr als ein „Remix“ der FFX-Maps gut gewesen, um mehr aus dem Konzept rauszuholen. So kommt es wenig zur Geltung, macht das Umherlaufen aber etwas interessanter und abwechslungsreicher.

    Oh und das ganze Kreaturen-Pokémon-Ding? Hab ich komplett ignoriert. Es wurde mir zu viel, als ich direkt am Anfang mit so viel Text bombardiert wurde. Und als ich dann gesehen habe, dass das wieder ein nachträglich eingebautes Feature der International Version war, also nicht Teil des Originals: Gut, für nen zweiten Durchlauf dann vielleicht mal.

    Story Time!


    Mal von den ganzen Vibes und der spielerischen Art des Spiels abgesehen, ist die Geschichte und was über die Welt Spira erzählt wird, eigentlich ganz interessant. Einfach von der Überlegung ausgehend: Was passiert in einer Welt, die vom Bösen befreit wurde und jetzt eben nicht mehr in einer Dauerapokalypse gefangen ist, aber eben auch nicht mehr weiß, welche Regeln jetzt gelten sollen?

    Drei Gruppierungen bilden sich: Die Neuauflage der alten Religion Yevon, die Youth League als irgendwie militarische Organisation, die… Dinge tun? Ganz ehrlich, ich hab nicht ganz verstanden, was deren Ziel ist, aber es läuft wohl auf Frieden und Stabilität sichern in der Welt hinaus. Und natürlich die Al-Bhed Maschinen-Faktion.

    Aber auch sonst fand ich es ganz interessant, was für Szenarien sich bilden, nachdem eine Welt gerettet wurde. Es gibt jetzt z.B. Overtourismus in Zanarkand! Die Calm Lands sind auch nur noch ein Freizeitpark und die Tempel haben überwiegend ihre religiöse Funktion komplett verloren und wurden teilweise umfunktioniert. Krass, was hier so abgeht. Auf der Mi’hen Highroad wurden die Chocobos, die einen in FFX ohne Gegnerkontakt bis ans andere Ende bringen konnten, durch Machina ersetzt. Und es gibt eine kleine Gruppe, die die Chocobos zurückfordert! Finde ich echt nett das alles.

    Es kommt zwischenzeitlich noch zu bürgerkriegsähnlichen Konfrontationen zwischen New-Yevon und Youth League. YRP bzw. die Gullwings beschließen Spira wieder zu vereinen und wollen die Leute dazu bringen alle Animositäten abzulegen. Und wie? Mit äh... einem Konzert. Es klingt tatsächlich alberner als es ist, denn es hat auch mit dem geklauten Garment Grid vom Anfang zu tun. Und das ist wieder so eine Final Fantasy typische Sache, die ich nett finde. Nämlich wie Gameplay-Elemente mit dem Worldbuilding verknüpft werden und damit auch Storyrelevant sind.

    Natürlich muss aber am Ende nochmal die Welt gerettet werden. Und die Gefahr, die alle gleichermaßen bedroht, sorgt dann auch dafür, dass alle anderen Konflikte beigelegt werden können. Und warum die ganze Aufregung? Vegnagun! (Das soll ein Wortwitz sein, der nur funktioniert, wenn man Vegnagun laut ausspricht, ähem. Naja.) Der Endkampf war überraschend easy und das will wirklich etwas heißen, wenn ich das sage! FFX habe ich als bedeutend herausfordernder in Erinnerung.

    Ich wusste schon vorher, dass man das Spiel EIGENTLICH beim ersten Durchlauf gar nicht auf 100 % bringen kann, was mich aber sowieso gar nicht interessiert hat.
    Aber jetzt, nach dem normalen Ende, kann ich gar nicht anders als zu denken, dass eine Ende, in dem Yuna und Tidus wieder vereint werden, komplett der Botschaft des Spiels widerspricht. Im Spiel geht es bei diversen Sidequests, Szenarien und Nebenfiguren immer wieder darum, dass Erinnerungen ja gut und nett und auch wichtig sind, man aber auch mal mit der Vergangenheit abschließen muss und die Gegenwart und Zukunft im Blick behalten sollte. Der "Fanservice" mit Tidus spricht mich dementsprechend weniger an und passt eher zum FanFic-artigem Anteil des Spiels.

    Mission Complete! (Fazit)


    Sommerspiel? YES! (besonders wenn man mit dreimal Festivalist Dress Sphere spielt, hehe.) mich stört höchstens nur, wie schon bei FFX, dass es mit dem Mount Gagazet ein unpassender Schneelevel ins Spiel geschafft hat, von dem ich meine, dass es gerade so gut einen Berg OHNE Schnee hätte sein können. Aber gut, das ändert nichts am Gesamteindruck und den sommerlichen Südsee-Vibes.

    Strohhüte gibt es FETTE FIER:


    Insgesamt 4 Daumen:


    Final Fantasy X-2 ist ein wirklich cooles, kurzweiliges JRPG mit einem sehr frischen Vibe, unkonventionellem Aufbau, einem spaßigem, schnellen ATB-Kampfsystem und viel Humor. Nur als Fortsetzung von Final Fantasy X sollte man es nicht zu ernst nehmen.

    Vielleicht hat jemand bemerkt, dass ich Charlie’s Angels als ein weiteres sehr offensichtliches Vorbild bisher gar nicht genannt habe. Dazu muss ich sagen, dass mich gerade die Endsequenz mit YRP auf dem Flugzeug (Flugschiff? Flug-Harley?) an ein ganz anderes Trio erinnert hat, welches 2004 weltweit für Furore gesorgt hat:



    Und noch eine Bemerkung in eigener Sache: Ich bin offensichtlich nicht halb so weit mit meiner Challenge gekommen, wie erhofft! Das ärgert mich zwar irgendwo schon, aber was soll’s. Shin-Chan (Der ganze Titel: Shin chan: Meine Sommerferien mit dem Professor ~Die endlose Sieben-Tage-Reise~) folgt trotzdem noch! Und das wird dann der krönende Abschluss für diesen Sommer. Geilo!

    Auf jeden Fall schonmal vielen Dank fürs Lesen!
    Auf der Suche nach dem wahren Sommerspiel: Meine „Summer Video Game Challenge 2025“ [Aktuell: 'Shin-chan']

    1. Platz 1-Map Contest 2021: Das Super Mega Mini RPG: Island Quest v1.1

  2. #22
    Man, auf FFX-2 freue ich mich auch so RICHTIG in meinem (sehr geruhsamen) Versuch, die "wichtigen" FFs endlich / noch mal durchzuspielen. Und da zählt es für mich alleine schon durch die Ästhetik zu!
    Ich denke auch, dass es eins der Spiele ist, die ganz massiv davon profitieren, nicht mehr unter der üblich skeptischen Reaktion auf ein neues FF zu leiden; zumal es hier fairerweise definitiv bessere Gründe gab als bei den meisten anderen. xD

    Insofern schönen (Rest-)Sommer! <3


    Mein zweites Spiel, jetzt auf Steam erhältlich! =D

  3. #23
    Schöner Beitrag, danke dir dafür!

    Zitat Zitat
    Tatsächlich beendet habe ich bisher nur IV, VII, VIII und X.
    Dann fehlt dir mir IX ja der beste Teil noch :P (X wäre bei mir aber wohl auch auf Platz 2, gefolgt von VII.)

    Zitat Zitat
    Unabhängig von meinem persönlichen Geschmack halte ich Final Fantasy X aber für das bisher gelungenste, durchdachteste und rundum stimmigste Final Fantasy.
    Das sehe ich auch so. Ich liebe die PS1-Teile sehr, aber insgesamt sind sie vom Design oft auch etwas all over the place. Wobei IX auch sehr stimmig war.

    Spannend, dass du X-2 noch gar nicht kanntest. Ich denke auch, dass das Spiel primär als Fortsetzung von FFX so verschrien ist. Deshalb werden die Qualitäten des Spiels oft nicht so sehr gewürdigt, aber die hat es ja ganz offensichtlich. (Gerade das Kampfsystem ist imo da erste der Reihe, das vom A im ATB profitiert.)

    Zitat Zitat
    Ich glaube man merkt den Designs ganz klar an, dass es viel weniger um Fan-Service geht als um... Style und Ästhetik? Natürlich ist das betont sexy und oft auch ziemlich freizügig, aber im Gegensatz zu so manch anderen japanischen Genrevertretern (Ähem, Xenoblade Chronicles 2, hust) erscheint mir das Ganze bei FFX-2 viel stimmiger und weniger für einen Male Gaze gemacht als auf dieselbe Art, wie sich Popstars sexy inszenieren und dabei „trotzdem“ selbstbewusst und mit Spaß an der eigenen Inszenierung auf der Bühne stehen.
    Das empfinde ich – vor allem rückwirekdn – auch so. Damals hat es mich schon gestört, heute tatsächlich aus den von dir genannten Gründen weniger. Ich meine, Kitase hatte in einem Interview auch explizit gesagt, dass man mit X-2 eine weibliche Zielgruppe erschließen wollte, die bisher keine Berührungspunkte zur Serie hatte. Und aus Erfahrung kann ich auch sagen, dass dieser Appeal auch gezogen hat (die Schwester von einem Kumpel damals mochte das Spiel, obwohl sie sonst eher wenig gezockt hat und FF schon gar nicht).

    Zitat Zitat
    Meine persönliche Lieblings-Dresssphere: Festivalist! Und was erfahre ich? Festivalist war gar nicht im Originalspiel dabei, sondern Teil eines Wettbewerbs bei dem Fans Designvorschläge machen konnten. Gewonnen hat ein Achtjähriges Kind! Kein Wunder, dass es das coolste Design ist.
    Oh, das wusste ich zum Beispiel gar nicht, sehr cool! Ich wollte ja schon lange mal wieder einen Run starten – das hier wäre eine zusätzliche Motivation^^

    Zitat Zitat
    Außerdem muss man bei FFX-2 natürlich die außerordentliche Menge an Minispielen erwähnen. Die sind ja eigentlich cool, aber die wenigsten fand ich so richtig überzeugend. Das wirkt ein bisschen so wie Platformer oder ähnliche Experimente im RPGMaker2000, wofür die Engine gar nicht ausgelegt ist. Ganz nett, aber eben nicht immer ganz so spaßig.
    Ja, viele davon sind echt etwas wonky. Ich mochte Sphere Break gerne (verstehe das mit der Lernkurve aber) und Blitzball als Management-Spiel, und in der Wüste habe ich auch immer gern gebuddelt.

    Zitat Zitat
    Aber auch sonst fand ich es ganz interessant, was für Szenarien sich bilden, nachdem eine Welt gerettet wurde. Es gibt jetzt z.B. Overtourismus in Zanarkand! Die Calm Lands sind auch nur noch ein Freizeitpark und die Tempel haben überwiegend ihre religiöse Funktion komplett verloren und wurden teilweise umfunktioniert. Krass, was hier so abgeht.
    Das ist imo einer der stärksten Aspekte des Spiels. Die Charaktere mögen in gewisser Weise ein Bruch sein (vor allem Yuna), aber die Welt ist imo eine sehr konsequente Weiterentwicklung – vor allem mal aus einem Blickwinkel, den man in RPGs fast nie sieht, weil es halt nach dem Ende spielt. Und ich finde, trotz der heiteren Grundstimmung merkt man an vielen Stellen halt trotzdem, dass es halt eine Welt nach einem Krieg ist und die Verluste aus dieser Zeit auch nicht einfach vergessen sind. Das fand ich echt stark.

    Zitat Zitat
    Vegnagun!
    Höhöhö, ich gluckste!

    Zitat Zitat
    Aber jetzt, nach dem normalen Ende, kann ich gar nicht anders als zu denken, dass eine Ende, in dem Yuna und Tidus wieder vereint werden, komplett der Botschaft des Spiels widerspricht.
    Ja, total. Wenn etwas im Spiel Fanservice ist, dann das. Überhaupt ist die Hauptstory und Lenne/Shuyin/Vegnagun und die Verbindung darüber zu Tidus imo auch der schwächste Teil und wirkt schon etwas an den Haaren herbeigezogen. „Fanfic“ trifft es schon sehr gut.


  4. #24
    Danke!

    Zitat Zitat von Narcissu Beitrag anzeigen
    Dann fehlt dir mir IX ja der beste Teil noch :P (X wäre bei mir aber wohl auch auf Platz 2, gefolgt von VII.)

    Das sehe ich auch so. Ich liebe die PS1-Teile sehr, aber insgesamt sind sie vom Design oft auch etwas all over the place. Wobei IX auch sehr stimmig war.
    IX ist auf der Liste! Habs auch mal vor 20 Jahren auf einer ausgeliehenen Playstation angespielt und gut gefunden. Ich mochte 7 ja sehr, hätte es gerne als 12-Jähriger oder so gespielt, aber es ist schon all over the place. 8 ist das auch, aber eeetwas weniger, zumindest von der ästhetik her, glaube ich. Ansonsten interessieren mich eigentlich nur noch XII und XV (just guys bein dudes!). V und VI irgendwann auch noch, aber das hat absolut keine Eile.

    Guck dir die Festivalist Artworks an! https://finalfantasy.fandom.com/wiki...r_concept2.png
    Meine Ideen und Zeichnungen zu Super Mario World 3 waren anno dazumal nicht so gut :P

    Sphere Break und Blitzball-Management scheinen mir beide die interessantesten Minispiele zu sein, ich war nur irgendwie für beides nicht so recht in der Stimmung. Könnte mir aber gut vorstellen FFX-2 irgendwann einfach nochmal zu starten und dann mehr von den ganzen optionalen Sachen und Minispielen mitzunehmen. Dafür sind sie ja letztlich da.

    Ich denke auch, dass die Welt und wie die Gesellschaft mit den ganzen Veränderungen und der Trauer umgeht, das viel größere Potenzial gehabt hätte für interessante Geschichten. Dann hätte man die Gullwings einfach wirklich wie bei einer Vormittagsserie von Ort zu Ort reisen lassen können, Yuna schwelgt ab und zu in Erinnerungen, man sammelt Schätze und Spheres, hilft der lokalen Bevölkerung bei ihren Problemen, spielt nebenbei ein paar Minispiele, erfährt mehr über Paines Vergangenheit, Rikku und Yuna lernen neue potenzielle Love Interests kennen (dating-sim minigame!) und am Ende lernen alle mit der Vergangenheit abzuschließen (ohne sie zu vergessen).

    Zitat Zitat
    Höhöhö, ich gluckste!
    Dann hab ich mein Ziel erreicht. Mehr wollte ich gar nicht.

    Zitat Zitat
    Ich denke auch, dass es eins der Spiele ist, die ganz massiv davon profitieren, nicht mehr unter der üblich skeptischen Reaktion auf ein neues FF zu leiden; zumal es hier fairerweise definitiv bessere Gründe gab als bei den meisten anderen. xD
    Ich frage mich manchmal, ob es außer FFVII irgendein FF gibt, dass nicht bei gewissen Fankreisen immer extrem verhasst ist? bei FF8 war es Squall, bei FFX Tidus, die "alle" nervig fanden.
    FFX-2 macht halt von anfang an klar, dass es eine Art Spin-Off ist. Hieße es FFXI wäre die Skepsis und Kritik größer und lauter gewesen.
    Auf der Suche nach dem wahren Sommerspiel: Meine „Summer Video Game Challenge 2025“ [Aktuell: 'Shin-chan']

    1. Platz 1-Map Contest 2021: Das Super Mega Mini RPG: Island Quest v1.1

  5. #25
    Shinchan: Meine Sommerferien mit dem Professor ~Die endlose Sieben-Tage-Reise~ (2021)

    Hoppla! Da hat sich einer kleiner Spoiler in den Screenshot geschlichen!

    Ja, der Text hätte eigentlich im September/Oktober 2025 fertig sein sollen. Und ich habe mir geschworen, dass ich das hier noch fertig bringe, komme was wolle! Wenn ich auch nur einen Bruchteil der Spiele auf der Liste schaffe. Ich habe Shin-chan tatsächlich letztes Jahr im September (am 17.09.25) beendet und hatte auch schon einen (unfertigen) Text! Dann wurde es Herbst und ich habe Super Mario RPG gespielt (war ganz lustig). Dann wurde es Winter und ich habe Shenmue gespielt (war cool!). Dann kam 2026 und ich habe Xenoblade Chronicles 2: Torna gespielt (was überraschend gut ist!) Dann kam ein neuer Job und ich habe erstmal gar nichts mehr gespielt. Nunja, auf jeden Fall ist jetzt schon wieder Sommer (quasi) und ich bringe jetzt wenigstens noch diesen Text fertig. Ob ich die Challenge in irgendeiner Weise fortsetze, weiß ich noch nicht. Die restliche Liste will zwar auf jeden Fall noch angehen, aber ob ich auf den „Stress“ Lust habe? Mal schauen.

    Mittlerweile habe ich aber auch Boku No Natsuyasumi 2 angespielt und kann jetzt schon sagen: Shinchan: Meine Sommerferien mit dem Professor ~Die endlose Sieben-Tage-Reise~
    ist die weichgespülte NHK-Kinderprogramm-Version eines „normalen“ Boku No Natsuyasumi. Ob das jetzt zwinged negativ zu bewerten ist, lasse ich mal offen. Ingesamt hat mir Shin-chan nämlich Spaß gemacht und ich finde das Gesamtpaket echt stimmig, nur eben auch sehr seicht.

    Und trotzdem finde es irgendwie folgerichtig, dass ich, bevor ich irgendeine der Fan-Übersetzungen der Bokunatsu-Spiele gespielt habe, Shin-Chan als erstes offiziell bei uns herausgebrachtes Spiel der Reihe bzw. Spin-Off, gespielt habe. Ich weiß nur nicht so recht, warum.

    Mir ist direkt etwas aufgefallen: Der Titel, dieser beinahe lächerlich lange Titel ist in drei Teile gegliedert, die – wenn man so will – genau die drei Teile beschreiben, aus denen das Spiel besteht:

    1. ‚Shin-Chan’ bezieht sich auf die Hauptfigur und die Marke, IP, etc.

    2. ‚Meine Sommerferien mit dem Professor‘ ist die Geschichte, die Handlung.

    3. ‚~Die endlose Sieben-Tage-Reise~‘ ist der zentrale Gameplayloop.

    Fangen wir also direkt bei der Marke Shin-chan an!

    Crayon Shin-Chan: „Geilomatiko!“


    Eigentlich ist es doch ein wenig seltsam, dass ausgerechnet das Shin-Chan-Spinoff als erstes Spiel der Bokunatsu-Reihe in Übersee veröffentlicht werden sollte. Zwar ist Shin-Chan kein Unbekannter, aber ich wage mal zu behaupten, dass er weit davon entfernt ist, sowas wie eine Garantie für bessere Verkaufszahlen in Deutschland oder sonstwo im „Westen“ zu sein. Wobei – soweit ich das mitgekriegt habe, Shin-Chan in der spanischsprachigen Welt etwas präsenter ist. Auf jeden Fall aber hat Shin-Chan (oder halt Crayon Shin-Chan) bei uns nicht den großen Kultstatus wie in Japan.

    Das Spiel mit dem wunderbaren langen Titel (AKA: SC:MSMDPDESTR) wurde von NEOS in Zusammenarbeit mit Kaz Ayabe bzw. Millenium Kitchen entwickelt. Ayabe ist der Kopf hinter der ganzen Boku No Natsuyasumi-Reihe und Millenium Kitchen besteht – laut eigener Aussage – aus ihm und seiner Frau. NEOS kam dabei auf Kaz Ayabe zu mit der Idee Shin-Chan mit Bokunatsu zu kreuzen (ähnlich wie Marvelous es mit Story of Seasons und Doraemon gemacht hatte). Und genau das ist es dann auch geworden.

    Shin Chan kennt man in Deutschland seit den frühen 2000ern als es auf RTL2 lief. Wie ich später erst gelernt habe, hat man sich dabei an die amerikanische Synchronisation angelehnt, einige der anglisierten Namen übernommen und vorallem den deutlich obszöneren Humor. Im Original ist das wohl etwas familienfreundlicher, zumindest in der Sprache. Shin-Chan bildet zusammen mit Doraemon so eine Art Duo der seit Generationen beliebten Familienserien in Japan, die immer wieder in Form von neuen Filmen/Serien/Videospielen/Merchandise am Leben gehalten werden. Doraemon ist dabei sogar NOCH unbekannter in Deutschland. In Spanien ist das anders (mit Doraemon habe ich Katalanisch gelernt)!

    Wie interessant dieser "Shin-Chan-Skin" wirklich ist, finde ich schwierig zu beantworten. Alleine schon, weil ich Shin-Chan kaum kenne. Es scheint mir aber aus einem Spielkonzept, das ohnehin schon stark von der Atmosphäre lebt und rein vom Gameplay her eher seicht ist (nicht negativ gemeint), etwas nochmal seichteres gemacht zu haben. Aber Schritt für Schritt.

    ~Die endlose Sieben-Tage-Reise~ Das Gameplay


    Der Gameplay-Loop (Loop ist genau das richtige Wort) besteht darin, dass Shin-Chan morgens aufsteht und – von ab und zu auftretenden besonderen Ereignissen abgesehen – tun und lassen kann, was er will. Ihm steht in Boku-no-Natsuyasumi-Tradition ein Kächer fürs Insektensammeln und eine Angel zum... Angeln zu Verfügung. Man kann also eine Fisch und Insektensammlung anlegen. Was japanische Kinder im Sommer halt so machen. Außerdem sammelt man Pflanzen bzw. Früchte und Kräuter. Die kann man, zusammen mit manchen Fischen beim Restaurant (wo Shin-Chans Familie die Woche übernachtet) "verkaufen". Oder auch beim Konbini oder dem Curry-Ninja-Restaurant.

    So weit so videospielig. Der Vater der Restaurantbesitzerin und Sandkastenfreundin von Shinnosukes Mutter ist auch Chefredakteur der Lokalzeitung und bietet Shin-Chan an, ihm mit Kinderartikeln (laut Shin-chan „Kinderkarnickel“) auszuhelfen. Das heißt, dass jeder neue Fund oder sonstige Ereignisse, wie besondere Dialoge mit den Bewohnern, zu Tagebucheinträgen werden, die man gegen Geld bei ihm eintauschen kann. Stück für Stück steigt damit die Abonnentenzahl und die Zeitung wächst.

    Das Geld, das man für die ganzen Aktionen kriegt, kann man in Essen stecken (für die Ausdauer wichtig), aber sonst gibt es gar nicht so viel damit zu tun.

    Das Spiel hat vorgerenderte Hintergründe (wunderschön gezeichnet) und dementsprechend, wie für die Bokunatsu-Reihe üblich, eine feste Kamera und "Tank-Controls". Zwar kann man mit dem Stick auch "normal" laufen, aber so richtig gut funktioniert das nicht. Ich werde sowieso nie verstehen, was für Probleme Leute mit Tank-Controls haben, wo es doch bei fester Kameraperspektive viel mehr Sinn macht, oder nicht?
    Aber nicht nur die Steuerung ist wie bei Resident Evil: Ähnlich wie beim Survival-Horror entdeckt man im Laufe des Spiels Abkürzungen und überlegt sich die schnellste Route hin zu bestimmten Orten, um wertvolle Zeit zu sparen. Später gibt es sogar noch einen Flugsaurier als Teleportmöglichkeit!

    Es wird außerdem recht kreativ, was die Einschränkung der Bewegungsfreiheit angeht. Von einer Kuhherde, die einfach nur im Weg steht, bis zu einem Werbeplakat für eine Zahnarztpraxis, vor der Shin-Chan Angst hat.

    Das Essen dient, wie erwähnt, der Auffrischung der Ausdauer. Die habe ich nämlich ständig vergessen und bin dann plötzlich umgefallen. Shin-Chan wacht dann zuhause wieder auf. Ein kleiner Hinweis auf den Energievorrat wäre nett. So eine kleine Warnung bei 50 Prozent oder 25.

    Und es gibt natürlich noch das Stein-Schere-Papier-Spiel. Hier sind es aber Dinos die à la Pokémon gegeneinander in den Kampf geschickt werden und mit besonderen Karten aufgeputscht werden können. Einmal die Woche finden auch Turniere mit sämtlichen Kindern (und Lalako, die kleine Schwester von Mamas Freundin) statt.

    Ihr merkt: Das Spiel ist gemütlich und hat nicht den Anspruch eine Herausforderung zu sein. Das ist nicht weiter überraschend. Aber ist es zu seicht? Je nachdem, was man eigentlich gerne hätte, ja. Aber gleichzeitig ist es mir leicht gefallen, mich dem einfach hinzugeben und mich auf den dem Spiel eigenen Rhythmus einzulassen. Ich laufe tagsüber herum, sauge die wunderbare sommerliche Atmosphäre auf, plaudere mit den Leuten, schaue den Dinos zu, fange ein paar Insekten oder Fische und wenn es dunkel wird, wird gemeinsam gegessen, beim Bad entspannt und man hört sich die Gute Nacht Geschichte der Nachbarsmutter an. Auf eine Art ist das der eigentlich Kern des Spiels.

    Eigentlich gibt es noch das entscheidende Element in der Handlung, dass Shin-chan in eine Zeitschleife gesteckt wird (daher auch der Titel der endlosen Reise) und aus dieser ausbrechen soll/will (will er überhaupt? Wie so vieles wird auch dieser Punkt nicht sonderlich ernst genommen).

    Im Laufe des Spiels, während man so umherstreift und seine Erledigungen macht oder nicht, schreitet Stück für Stück die Handlung voran. Und es passieren jede Menge Dinge!

    Oh, das Beste habe ich noch gar nicht erwähnt! Es gibt einen Rennbutton, aber statt zu rennen, macht Shin-chan damit den Popo-Boogie-Woogie. Wenn man also schnell im Spiel unterwegs sein will, geht das nur mit entblößten Popo nach oben.

    Meine Sommerferien mit dem Professor


    Die Boku No Natsuyasumi-Spiele werden ja gerne mal als Bokunatsu abgekürzt. Boku ist dabei sowohl der Name der Hauptfigur als auch das Wort für „Ich“, wie es in Japan vorwiegend Jungs und sich als jung fühlende Männer benutzen.

    Shinchan ist aber kein Bokunatsu. Nein, es ist ein Oranatsu! Ora (nicht dasselbe wie Ore!) ist eine Art von sich selbst zu reden, die nach allem, was ich erfahren habe, etwas landeiiges vermittelt. Und natürlich ist das auch das Wort, das Shinchan auch in der Serie verwendet.

    Und was untescheidet jetzt ein Bokunatsu von einem Oranatsu? Darauf komme ich zurück sobald ich mal ein Bokunatsu oder zwei beendet habe.

    Was Shin-chan angeht kann ich schonmal sagen, dass es sich wie das Kinderprogramm des NHK anfühlt. Inklusiver weiblicher Erzählstimme, die Suggestivfragen stellt à la: „Oh la la! Was wohl als nächstes passieren wird?“

    Ich bleibe erstmal kurz spoilerfrei, auch wenn ich nicht denke, dass die Geschichte spoilertags wert ist. Nicht weil sie schlecht oder vorhersehbar wäre! Die Geschichte hat durchaus ihre Moment und Figuren mit denen man interessante, nette, lustige Geschichten erzählen könnte (und es auch ein bisschen tut). Aber das Spiel untergräbt diese meistens selbst. Wo es interessant ist, wird nur angedeutet.

    Wer schon mal einen der Crayon Shin-Chan Spielfilme gesehen hat, kann sich, glaube ich, ungefähr vorstellen, wie die Handlung des Spiels aussehen könnte. Aber wer hat das schon im deutschsprachigen Raum?



    Um es nochmal im Vergleich deutlicher zu machen: Dordogne hat spielerisch deutlich (!) weniger zu bieten, aber dafür eine, ähem, emotional-reife, durchdachte und stimmige Geschichte zu erzählen (auch wenn es nichts "überragendes" sein mag). Shin-chan bietet spielerisch mehr, bleibt aber – bewusst und mit Absicht – erzählerisch flach. Dordogne richtet sich an Erwachsene, die auf die eigene Kindheit zurückblicken, Shin-chan richtet sich an Kinder, die JETZT in der Gegenwart leben!

    Die Geschichte bleibt aber insofern emotional unter ihren Möglichkeiten. Vielleicht bietet sich die Struktur eines Bokunatsu /Oranatsu einfach nicht an um überhaupt eine fest vorgegebene Handlung zu erzählen? Ein Bokunatsu sollte vielleicht eher aus Momenten bestehen und nicht aus einer Handlung mit einem Bösewicht und Zeitreiseplots? Also aus Momentaufnahmen, die natürlich in der Summe durchaus eine Geschichte erzählen, aber nicht eine in sich geschlossene Handlung vorantreiben müssen. So stelle ich mir Boku No Natsuyasumi vor.

    Solche Moment gibt es auch schon bei Shin-chan, wie diesen hier: Nachdem eigentlich immer Mama einen und die kleine Schwester ins Bett bringt und gute Nacht wünscht, übernimmt irgendwann Lalako diesen Teil. Zunächst klingt das dann so:


    Später so:


    Am Ende aber so:

    Und ist das nicht herzzerreisend süß? Irgendwas muss an diesem Shinosuke doch dran sein, was man auf den ersten Popo Boogie Woogie nicht sieht. Das hilft auch über eher unnötige Elemente hinwegzusehen, wie die seltsame Geschichte der jungen Studentin, die den verwitweten Chefredakteur anhimmelt. Dabei bin ich doch auf ein Date mir ihr gegangen!? MENNO!

    Fazit


    Ist Shinchan: Meine Sommerferien mit dem Professor ~Die endlose Sieben-Tage-Reise~ ein Sommerspiel?

    Ja, natürlich. Es wäre absurd auch nur zu versuchen dagegen zu argumentieren.

    Strohhüte?
    4-5? Eigentlich spricht nichts gegen FOLLE FÜNF oder? ODER!?


    Nein, genau wie bei den Daumen (ich nehme beides nicht soo ernst, Überraschung) behalte ich mir die vollen 5 Punkte für etwas herausragendes vor. In irgendeiner Weise muss es noch besonders hervorstechen. Aber um das nochmal klar zu sagen: mir geht es dabei weniger um eine Bewertung der Qualität als rein um der Einordnung der Sommerlichkeit, der Vibes und dem Sommerspiel-Gesamtpaket.

    Daumen?
    von
    es ist halt ok, aber mehr auch nicht.

    Epilog


    Ich habe nochmal nachgeschaut, was ich genau wie bewerte habe:

    Nr. Titel Sommerspiel? Sommerpunkte Wertung Link
    1 Dordogne Ja! LINK
    2 Firewatch Ja! LINK
    3 Rocket League Ja. LINK
    4 Season: A letter to the future Ja. LINK
    5 Final Fantasy X-2 Ja! LINK
    6 Shinchan: Meine Sommerferien
    mit dem Professor
    ~Die endlose Sieben-Tage-Reise~
    Ja! LINK

    Was habe ich geändert? Dordogne hat nur noch zwei Daumen von fünf und Firewatch drei. Einfach weil es sich im Kontext richtiger anfühlt. SEASON hab ich jetzt auch mal als Sommerspiel kategorisiert. Wenn ich nicht konkretisieren kann warum nicht, dann ist es eben ein Sommerspiel! Außerdem habe ich es im Sommer gespielt und jetzt – fast ein Jahr später – erinnere ich mich an das Spiel ja im Zusammenhang mit letztem Sommer. Also ist es wohl ein Sommerspiel.

    Was die Challenge angeht: Ich werde definitiv weiterspielen und weiterschreiben, aber ich weiß noch nicht in welchem Format. Selbst diese handvoll Spiele und Texte haben viel länger gedauert als ich eigentlich wollte und irgendwie ist das nicht ganz die Sommer-Gaming-Erfahrung, wie ich sie mir für dieses Jahr vorstelle. Ich fände es z.B. interessant mal einen Sommer lang nur ein Spiel, aber dafür ganz intensiv zu spielen! Aber gleichzeitig ist meine Liste zu lang und mein Interesse zu breit gestreut. Ergo: Ich lasse den Sommer einfach auf mich zukommen und spiele weiter. Und ab und zu werde ich davon berichten, okay?

    Vielen Dank fürs Lesen!



    Geändert von Jordi (31.05.2026 um 20:47 Uhr)
    Auf der Suche nach dem wahren Sommerspiel: Meine „Summer Video Game Challenge 2025“ [Aktuell: 'Shin-chan']

    1. Platz 1-Map Contest 2021: Das Super Mega Mini RPG: Island Quest v1.1

  6. #26
    Hey, schön mal wieder von dir zu lesen! Denke tatsächlich regelmäßig an deine Challenge zurück, auch weil sie mich thematisch so anspricht!

    Würde durchaus zustimmen, dass Shin-chan seicht ist. Habe auch noch kein BokuNatsu gespielt (nur angespielt), aber würde mal behaupten, dass die subtile Emotionalität daher kommt, dass mit erwachsenem Auge auf eine (unschuldige) Kindheit zurückgebliebt wird, während man bei Shin-chan selbst das Kind spielt. Und ja, durch die Erzählerin wirkt es natürlich noch mal kindgerechter.

    Habe aber ehrlich gesagt auch keine Handlung vermisst. Irgendwie mochte ich es total, dass die ganze Zeit total die schrägen Dinge passieren, aber nie groß Aufhebens drum gemacht wird. Also z.B. dass irgendwann Dinos durchs Dorf laufen – derlei unaufgeregter magischer Realismus ist irgendwie total meins

    Hatte auch keinen großen Bezug zu Shin-chan, aber habe das Franchise in den letzten Jahren zumindest ein wenig zu schätzen gelernt. Und ja, ich denke, die amerikanische/deutsche Interpretation hat dem Ganzen nicht unbedingt einen Dienst erwiesen. Das Spiel kann man aber – wie du sagst – sicher mehr mit den Filmen vergleichen, die in sich geschlossene Abenteuer erzählen und (glaube ich) weniger in die Sitcom-Richtung gehen als die Serie.

    Apropos Doraemon: Vor ein paar Jahren kam ja Doraemon: Story of Seasons zu uns, von den Mana-Entwicklern bei 1-UP Studio – das ist vielleicht ein vergleichbares Serien-Crossover, das vergleichbar wenig durch die Bekanntheit des Franchises im Westen punkten kann

    Würde übrigens noch Sazae-san und Chibi Maruko-chan in einem Atemzug mit Shin-chan nennen, dass sind ja alles Familien-Sitcoms in Animeform, die alle seit Jahrzehnten in Japan laufen. Spannend finde ich dabei, dass sie alle jeweils das Familienmodell ihrer Zeit verkörpern. Habe mich mit allen nicht so tief beschäftigt, aber finde so was immer spannend.

    Zitat Zitat
    Und ist das nicht herzzerreisend süß?
    Das sind so diese kleinen Details, die ich an diesen Spielen so mag. Das mochte ich auch an Natsu-Mon! sehr, und auch diese Mikrokosmen, die in den Spielen aufgebaut werden.

    Dein Post motiviert mich auf jeden Fall, doch endlich mal Boku no Natsuyasumi anzugehen So langsam ist auch wieder Saison dafür

    Bin auf jeden Fall gespannt, was du noch so spielst und zu berichten hast, lese hier immer sehr gerne mit!

    Zitat Zitat
    Ich fände es z.B. interessant mal einen Sommer lang nur ein Spiel, aber dafür ganz intensiv zu spielen!
    Das klingt z.B. auch cool, auch wenn ich spontan nicht wüsste, welches Spiel sich gut dafür eignen würde! Aber es wäre auch ein bisschen so eine RÜckkehr zur Unschuld, ein Spiel um seiner selbst willen zu spielen, und nicht, um es zu beenden

    P.S. Katamari fällt mir noch als Spiel ein, das zwar nicht explizit ein Sommerspiel ist, aber mir doch einige Sommervibes gibt. Und natürlich immer einen Blick wert ist – nach einem holprigen Einstieg liebe ich die Serie mittlerweile sehr!


  7. #27
    Es wird Sommer, also welche Zeit ist besser als drinnen zu zocken - von Spielen, die vom Sommer handeln

    Zitat Zitat
    Ob ich die Challenge in irgendeiner Weise fortsetze, weiß ich noch nicht. Die restliche Liste will zwar auf jeden Fall noch angehen, aber ob ich auf den „Stress“ Lust habe? Mal schauen.
    Wenn mans als "Stress" empfindet, dann ist das natürlich schwierig. Ich denke, das hängt von dem persönlichen Verhältnis dazu ab. Ich mags in dem Sinne ja ganz gerne, weil ich mit der Zeit schon Spaß am Schreiben gefunden habe. Da ich aber nicht fantasievoll genug bin, um mir tatsächlich Geschichten auszudenken, müssens Berichte zu Games leisten *g*
    Es ist quasi so eine Art Hobby im Hobby für mich geworden.

    Wäre auf jeden Fall schön, wenn Du Deine Sommer-Challenge wieder aufnehmen würdest, weil das Thema schon interessant ist.

  8. #28
    Gerade Sommer(und Urlaubs-!)spiele dürfen auf keinen Fall Stress machen!
    Ich glaube, ich sollte mir für die Ferien bald auch irgendwas aussuchen, das nicht Sakura Wars 2 ist ... *am Kopf kratz*

    Edit: Hm, ich habe literally ein Fan-Service-Spiel namens "Summer Memories" auf meiner Liste für dieses Jahr. xD Das wird's auf jeden Fall!
    Ist Oath in Felghana ein Sommerspiel? (Einige der anderen Ys-Teile auf jeden Fall!) Ist D&D Dark Sun ein Sommerspiel? xD''


    Total schöner Bericht! Spielen werde ich es nicht, aber auch deshalb habe ich das Lesen genossen.


    Mein zweites Spiel, jetzt auf Steam erhältlich! =D

  9. #29
    Danke, Leute!

    Stress war definitiv das falsche Wort, ich habe ja auch echt Spaß am Schreiben und am Spielen. Ich weiß nur nicht, ob ich noch die Zeit und Motivation finde, die restlichen Spiele abzuarbeiten. Eigentlich macht dieser "Zwang" ja auch erst den Reiz aus, weil man sich ein Stück weit zwingt es auch wirklich abzuschließen, um dann von seiner Erfahrung zu berichten. Ohne diesen äußeren Zwang käme es gar nicht erst zu dieser Erfahrung!
    Jedenfalls könnte ich mir vorstellen den Rest etwas entspannter anzugehen und vielleicht gar nicht jeweils pro Spiel einen Text zu verfassen, sondern eher ein bisschen was über die Spiele (die ich nicht unbedingt alle abschließen werde) gemeinsam sage. Mal sehen!

    Zitat Zitat
    Total schöner Bericht! Spielen werde ich es nicht, aber auch deshalb habe ich das Lesen genossen.
    Danke! Dafür sind solche Berichte ja letztlich da. Deswegen sind eigentlich auch so komplette Nacherzählungen bei manchen Spiele (also Lets Plays quasi) gar nicht so verkehrt, find ich. Zu Shenmue hab ich so ein Tagebuch angefangen, mich aber gegen Ende etwas drin verloren und der Handlung folgen kann man glaube ich nur mit dem Text nicht mehr wirklich

    Zitat Zitat
    Wäre auf jeden Fall schön, wenn Du Deine Sommer-Challenge wieder aufnehmen würdest, weil das Thema schon interessant ist.
    Werd ich! Draußen heiß, drinnen etwas weniger, aber ich hab ein kühles Getränk und schöne Südsee-Vibes auf dem Bildschirm. So muss das sein!

    @Narcissu
    Maruko-chan habe ich schon mal gesehen, glaub ich, Sazae-san ist mir aber gänzlich neu. Würde mir aber wahrscheinlich beides gut gefallen!

    Was ein Spiel für den Sommer angeht: Der Gedanke ist mir bei FFX-2 gekommen, was wahrscheinlich eine coolere Erfahrung auf eine Art wäre. Also einfach sich wochenlang intensiv mit dem Spiel beschäftigen und in mehreren Durchläufen alles aus dem Spiel rausholen, was geht
    Meine zwei aktuellen Kandidaten für so etwas wären eigentlich Dragon Quest VII und Xenoblade Chronicles X, beides auf eine indirekte Art Sommerspiel-Kandidaten. Mal schaun.

    Katamari ist super! Hab den zweiten Teil noch vor mir! Aber Sommerspiel? Irgendwie schon, hat auf jeden Fall sommerlich-unbeschwerte Vibes, oder so
    Auf der Suche nach dem wahren Sommerspiel: Meine „Summer Video Game Challenge 2025“ [Aktuell: 'Shin-chan']

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