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Thema: Wie denkt ihr über den Einsatz von KI in der Spielentwicklung?

  1. #81
    Zitat Zitat von sorata08 Beitrag anzeigen
    Also in den zwei Fällen war der KI-Einsatz schon signifikant - außer dein metaphorisches Sofa steht auf dem Elefanten im Raum.
    Und ich weiß auch nicht, ob (verfügbare) freie Ressourcen oder Auftragsarbeiten jetzt Methoden von "vorvorgestern" sind...?
    Wir können uns sicher darüber einig werden, dass die Art und Weise der Kritik definitiv mit der Tür ins Haus und nicht sonderlich konstruktiv war, aber deine Einordnung halte ich schon für ziemlich unehrlich.
    Inwiefern genau erscheint dir diese Einordung denn unehrlich?
    Was den anderen Teil betrifft - damit meine ich nicht unbedingt die freien Ressourcen, wobei die idR einen Nachteil haben - will ich wirklich was Exotisches oder auf ein Werk zugeschnittenes, wird das knifflig. Auftragsarbeiten sind eine andere Kiste - nicht jeder hat die Connections oder die Möglichkeiten dazu. Zumal man sich hier auch ziemlich direkt von anderen abhängig macht. KI-Kunst eröffnet Möglichkeiten (auch bezogen auf das Zeitinvestment), die man vielleicht nicht mehr unbedingt aufwenden möchte. Früher ging's halt nicht anders, mittlerweile geht's einen Schritt weiter.

    Zitat Zitat von sorata08 Beitrag anzeigen
    Also einfach keine Meinungen mehr so posten, dass sie dich nerven könnten?
    Ich meine, ich kann deinen Frust irgendwo nachvollziehen, aber dieser Anspruch ist schon irgendwo albern.
    Soll kontroverse Technologie benutzt werden, aber dann bitte nur mit Lob reagiert werden?
    Das wollte ich damit nicht sagen, weißte aber selbst. Um an Kelvens Post auch anzuschließen (auch wenn ich's nur für bedingt vergleichbar halte) - wenn man aus jeder Spielevorstellung, das Zufallskämpfe als Feature vermarktet, eine Grundsatzdiskussion startet, warum Zufallskämpfe verboten gehören, würde ich mich vermutlich fragen, ob da nicht doch irgendwo die Nadel hängengeblieben ist. Hier, in diesem Thread natürlich nicht.


    Zitat Zitat von sorata08 Beitrag anzeigen
    Ich komme schon inflationär auf englischsprachige Maker-Communities zu sprechen, ich weiß, aber da haben die Leute spürbar irgendwie auch mehr Interesse am Schaffensprozess, aneinander und dem kritischen Austausch untereinander, um sich zu verbessern.
    Halte ich für eine ziemlich vorbildliche Herangehensweise, sollte aber auch nicht erzwungen werden.

    Geändert von Kael (23.03.2026 um 21:14 Uhr)

  2. #82
    Zitat Zitat von Kael Beitrag anzeigen
    Inwiefern genau erscheint dir diese Einordung denn unehrlich?
    Du sprichst von einer Anti-AI-Bewegung und wir haben faktisch zwei reale Beispiele an Spielevorstellungen in diesem Forum, in denen das Thema für einen größeren Diskurs gesorgt hat, bei denen du zeitgleich herunterspielst, um wieviel KI es dabei tatsächlich ging.


    Zitat Zitat von Kael
    Was den anderen Teil betrifft - damit meine ich nicht unbedingt die freien Ressourcen, wobei die idR einen Nachteil haben - will ich wirklich was Exotisches oder auf ein Werk zugeschnittenes, wird das knifflig. Auftragsarbeiten sind eine andere Kiste - nicht jeder hat die Connections oder die Möglichkeiten dazu.
    Ich weiß nicht, wie sehr du damit vertraut bist, aber es gibt ziemlich viele Auftragskünstler und gut zugängliche Plattformen, um mit welchen in Kontakt zu treten.
    Bei wem das Preis-Leistungsverhältnis dann stimmt, könnte man tatsächlich auch herausfinden, indem man sich einfach mal bei anderen Kollegen in der Community erkundigt.
    Eigentlich wäre so ein Empfehlungsthread ganz sinnvoll.


    Zitat Zitat von Kael
    Zumal man sich hier auch ziemlich direkt von anderen abhängig macht. KI-Kunst eröffnet Möglichkeiten (auch bezogen auf das Zeitinvestment), die man vielleicht nicht unbedingt aufwenden möchte.
    Komisches Argument, das irgendwie nur bei der Frage nach Auftragskünstlern aufkommt und für mich immer eine traumatische Erfahrung mit unzuverlässigen Teamkollegen suggeriert. Auftragskünstler sind auch nur so zuverlässig, wie jeder andere Mensch auch.
    Sucht einfach nach Leuten mit zufriedenstellenden Referenzen und beschreibt euer Anliegen vernünftig, dann gibt es da in der Regel auch keine Probleme. Weiß nicht, warum hier immer so eine Raketenwissenschaft aus dem Umgang mit (fremden) Meschen gemacht wird...

    Und am Ende bist du bei KI-Kunst auch direkt vom dahinterstehenden Service abhängig. Wenn sich die Funktionen des Bots plötzlich verändern oder der Service nicht verfügbar ist, ist man auch aufgeschmissen.


    Zitat Zitat von Kael
    Das wollte ich damit nicht sagen, weißte aber selbst.
    Nein, das ist meine tatsächliche Schlussfolgerung aus deiner Argumentation, weil es sichtlich das einzige ist, das dich da zufrieden stellen könnte.


    Zitat Zitat von Kael
    Halte ich für eine ziemlich vorbildliche Herangehensweise, sollte aber auch nicht erzwungen werden.
    Der "Zwang", mit (Hobby)kollegen zu interagieren und sich gegenseitig zu motivieren?


    MfG Schilderich
    Team FervorCraft

  3. #83
    Zitat Zitat
    wenn man aus jeder Spielevorstellung, das Zufallskämpfe als Feature vermarktet, eine Grundsatzdiskussion startet, warum Zufallskämpfe verboten gehören, würde ich mich vermutlich fragen, ob da nicht doch irgendwo die Nadel hängengeblieben ist
    Ich will hier nochmals eine Sache betonen: Zufallskämpfe weisen keine Kontroverse auf, die eine grundlegende – und in hohem Maße negativ behaftete – Änderung der Branche herbeiführen könnten. Der übermäßige Einsatz von maschinengenerierten Inhalten hingegen schon (wie ich in meinem vorherigen Post argumentiert habe, der wahrscheinlich auf der letzten Seite untergegangen ist). So frisch und schwerwiegend, wie die Thematik ist, finde ich es absolut natürlich und auch wichtig, dass sie jedes Mal angesprochen wird. Ich bin mir aber relativ sicher, dass das über die Jahre aus Resignation heraus abflachen wird.

  4. #84
    Ich denke auch, dass das Thema immer wieder angesprochen werden muss, um etwas zu bewirken und das heißt im Fall der Makercommunity dann wirklich: Einen Entwickler zu überzeugen, keinen KI-Schlonz zu benutzen. Also alles, was Urheberrechte ignoriert und seelenlos wirkt.

  5. #85
    Zitat Zitat von Kelven Beitrag anzeigen
    Ich denke auch, dass das Thema immer wieder angesprochen werden muss, um etwas zu bewirken und das heißt im Fall der Makercommunity dann wirklich: Einen Entwickler zu überzeugen, keinen KI-Schlonz zu benutzen. Also alles, was Urheberrechte ignoriert und seelenlos wirkt.
    Führt nur dazu dass es niemand mehr offen legt, was ich dann auch empfehlen würde, wenn es eh keinen Unterschied macht.

    Vielleicht wirds dann so gut kaschiert, dass es nicht mehr auffällt, Wäre ja dann am Ende das gleiche Ergebnis. Aus den Augen aus dem Sinn.

  6. #86
    Bestimmt werden einige das so handhaben, aber es sind, soweit ich weiß, nicht-essentielle Dekobilder um die es hier hauptsächlich geht, keine Char- und Tilesets. Genauso gut könnte ein Entwickler sich auch sagen: Ja, du hast wegen der aktuellen Lage recht, ich mache so weiter wie vor den generativen KIs. Die meisten dieser Dekobilder könnte man z. B. mit der Ingamegrafik darstellen.

    Wenn jemand auf das Spiel zugeschnittene Bilder einbaut und nichts über ihre Herkunft sagt oder zeigt (Credits usw.), ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass sie KI-generiert sind.

  7. #87
    Zitat Zitat von Klunky Beitrag anzeigen
    Führt nur dazu dass es niemand mehr offen legt, was ich dann auch empfehlen würde, wenn es eh keinen Unterschied macht.

    Vielleicht wirds dann so gut kaschiert, dass es nicht mehr auffällt, Wäre ja dann am Ende das gleiche Ergebnis. Aus den Augen aus dem Sinn.
    Man erkennt sehr leicht, welche Grafiken nahezu unverarbeitet von einem KI-Tool übernommen wurden, da müssen wir uns nichts vormachen. Wenn etwas so gut kaschiert ist, dass man es gar nicht erkennt, ist ja eigentlich die nötige Arbeit getan, um es als Eigenleistung zu verzeichnen, womit selbst Gen-AI-Gegner kein Problem hätten.

  8. #88
    Ich habe früher - als es noch ein Novum war - viel mit Artbreeder rumexperimentiert. Ich mochte die Idee, aus hunderten Iterationen und Generationen von Bildern neue Bilder züchten zu können.
    In einigen meiner früheren Spiele habe ich davon Gebrauch gemacht, wenn es passte. In Team JethKo z.B. wurden so alle Hintergründe mit Artbreeder gezüchtet. Für dieses Spiel suchte ich jedoch auch für einen (damals) besonderen "zany" Look.
    Heute arbeite ich nicht mehr mit von einer KI generierten Bildern, weil es mittlerweile einfach nur noch sche*ße aussieht und ich nicht umhinkomme, jedes Mal wenn ich ein generiertes Bild sehe zu denken, "Wow, billig und hässlich".
    Manchmal verwende ich generierte Bilder als Base für Posen von Charakteren zum drüberpixeln, wenn ich keine passende Pose durch Bildersuche in der Suchmaschine finde.

    Tjoa (^;

    Vorallem seit ich studiere, nutze ich gar keine KI-Produkte mehr generell; ich bin immer glücklich, selbst etwas zu machen oder selbst zu lernen.

  9. #89
    Zitat Zitat von Kael Beitrag anzeigen
    Weil die Anti-AI-Bewegung die ganze Problematik grundsätzlich so darstellt, als hätte KI-Kunst überhaupt keine Existenzberechtigung, teilweise mit impliziten Vorwürfen an Entwickelnde (Zu faul, um Geld in die Hand zu nehmen, um Artworks zu bezahlen, z.B.). In jedem Thema (Square, Den), in dem Art-AI unter dem Sofa hervorscheint, wird breit kundgetan, warum AI nicht ideal ist (was es auch nicht ist, tbh xD), und wie viel besser jenes und dieses Projekt wäre, würden Entwickelnde auf Methoden von vorvorgestern zurückgreifen.

    Auf der anderen Seite ist es auch nur ein weiteres Kriterium auf der Liste, ob sich's lohnt, sich mit einem betreffenden Inhalt zu befassen, oder nicht. Insofern: Whatever. Mir persönlich geht nur dieser in Summe ablehnende Umgang mit KI-Kunst ein wenig auf die Nerven, ähnlich wie der Drang, jeden Thread, in dem KI ein Thema ist, mit dieser Ablehnung zu vergiften. Blake/nocius hat's aber im anderen Forum tatsächlich ziemlich gut zusammengefasst - und da geh ich vollkommen mit:



    Für mich liest es sich aber eher so, als ob man (im Rahmen der hier vernachlässigbaren Reichweite) möglichst unterbinden möchte, dass KI-Kunst-Inhalte in der Spieleentwicklung mit dem RPG-Maker Fuß fassen. Ich fände bedauerlich, wenn dem so wäre.
    Als jemand der beruflich enorm viel mit KI zu tun hat, und in einem Bereich arbeitet, wo man sich im Klaren ist, dass die eigene Arbeit langfristig einen Menschen in der Firma ersetzen wird (irgendwann auch mich selbst), könnte ich jetzt natürlich sagen, das ist eben so, das ist modern, das ist effizient, so macht man das heute, das ist unvermeidbar. Unvermeidbar wird es so oder so sein, die Frage ist nur, ob wir das auch wirklich in allen Bereichen zulassen und wollen.

    Im Falle von Spieleentwicklung haben wir einen kreativen Schaffensprozess, aus dem wir menschliche Kreativität schritt- bzw. teilweise entfernen. Das Erstellen eines neuen Artworks, das Schreiben von Dialogen, das Sinnieren über die technische Umsetzung eines Features, etc. Das sind alles kreative Tätigkeiten. Wenn ich ein Maker-Spiel (oder Indie-Spiel) spiele, möchte ich nachvollziehen, was ein menschlicher Entwickler sich gedacht hat, welche Vision er oder sie hatte, wie Dinge gelöst und umgesetzt wurden, welche Geschichte erzählt wird. Da spiegelt sich die persönliche Kreativität der Macher wieder, deren Stil, etc. Es gibt eine gewisse Schwelle des KI-Anteils wo ich weiterhin die Schöpfungshoheit beim menschlichen KI-Anwender sehe (z.B. Posen bestehender Grafiken, hochskalieren, gewissen Boilerplate-Code aus KI, etc). Aber wenn wir anfangen, signifikante Teile dieses kreativen Schaffens an eine Maschine delegieren, die einfach alles nach statistischen Wahrscheinlichkeiten generiert, verliert der ganze Prozess an Individualität. Und sein wir ehrlich: Wenn wir einmal das Tor aufmachen und sagen KI-Artworks sind ok, dann sind wir auch schnell dort, dass es ok ist, wenn eigentlich alle Komponenten des Spiels generiert werden.

    Das schlimmste was ich sehe, ist, dass der kapitalistische Profit- und Optimierungsdrang durch KI in Bereiche Einzug erhält, in denen eigentlich bisher Selbstverwirklichung und Kreativität im Mittelpunkt standen. Figuren zeichnen? Irrational, das macht die KI. Code schreiben? Irrational, macht Claude Code. Wie, du komponierst ernsthaft noch tagelang an deinen Musikstücken?

    Was ich auch interessant finde, ist, dass es bei anderen Bereichen als Spieleentwicklung wesentlich selbstverständlicher ist, auf kreativer Eigenleistung zu beharren. Würdest ihr z.B. ein Buch lesen, das größtenteils generiert ist oder bei dem der Autor bestenfalls noch einige Kapitel geschrieben hat?

  10. #90
    Zitat Zitat
    Würdest ihr z.B. ein Buch lesen, das größtenteils generiert ist oder bei dem der Autor bestenfalls noch einige Kapitel geschrieben hat?
    Naja, Romantasy scheint sich ganz gut zu verkaufen, obwohl ich mich mit der Vorstellung schwer tue, dass hinter diesen drölfzig Bücher mit praktisch identischer Handlung echte Menschen stecken sollen...

  11. #91
    Zitat Zitat von Maturion
    [,,] Würdest ihr z.B. ein Buch lesen, das größtenteils generiert ist oder bei dem der Autor bestenfalls noch einige Kapitel geschrieben hat? [,,]
    Die Beliebtheit AI-generierter (Kurz-)Geschichten auf Plattformen wie youtube scheint nahezulegen, dass es eine nicht zu unterschätzende Hörer-/Leserschaft gibt, die diese Frage mit "Ja" beantwortet. Stimmsynthese ist ohnehin schon so gut, dass auch automatisch generierte AI-Sprecher keine nennenswerte Barriere mehr darstellen.

    Natürlich bleibt ein Zweifel, wieviel tatsächlich Menschen diesen Inhalten lauschen, und nicht nur Bots.

  12. #92
    Zitat Zitat von Maturion Beitrag anzeigen
    Als jemand der beruflich enorm viel mit KI zu tun hat, und in einem Bereich arbeitet, wo man sich im Klaren ist, dass die eigene Arbeit langfristig einen Menschen in der Firma ersetzen wird (irgendwann auch mich selbst), könnte ich jetzt natürlich sagen, das ist eben so, das ist modern, das ist effizient, so macht man das heute, das ist unvermeidbar. Unvermeidbar wird es so oder so sein, die Frage ist nur, ob wir das auch wirklich in allen Bereichen zulassen und wollen.
    Aber ist es wirklich "unvermeidbar"?
    Ich habe fast täglich neue Berichte über desaströse Verluste der großen Player in der KI-Branche vor mir (Nur ein sehr aktuelles Beispiel).
    Es erscheint mir da schwer vorstellbar, dass sich etwas langfristig halten oder etablieren könnte, um auch einen langfristigen Wechsel im Arbeitsalltag zu ermöglichen.
    Oder auf was für KI setzt man da in deinem Berufsbereich?

    MfG Schilderich
    Team FervorCraft

  13. #93
    Zitat Zitat von Maturion
    Würdest ihr z.B. ein Buch lesen, das größtenteils generiert ist oder bei dem der Autor bestenfalls noch einige Kapitel geschrieben hat?
    Ich werde nicht behaupten, hier im Thema sonderlich viel beitragen zu wollen oder mir alles durchgelesen zu haben, möchte an der Stelle aber kurz im Zuge deiner Frage eine kleine Perspektive einbringen: AI-Chats.

    Ich hab das Konzept eines Bot-Chats, gerade im Zuge von Schlagwörtern wie AI-Girlfriend und Konsorten immer für äußerst bizarr und albern gehalten. Chats sind kein reizvolles oder spritziges Medium, welchen Reiz sollte es haben, einen mit einem Bot zu führen? Irgendwann bin ich dann mal, ich glaube aus Langeweile, über character.ai gestolpert und hab mir zum Spaß einen Chat für ein anständiges Evil Ending für meinen Baldurs Gate 3 Avatar mit additionaler Shadowheart-Romanze gebastelt. Du hast da ja nicht nur verschiedene Modelle, sondern character.ai hat auch für (fast) jede bekannte, real-existierende Person sowie für die meisten fiktiven Charaktere auch mehrere, generierte Stimmen zur Auswahl, welche die Texte dann vorlesen. Das hat bei Shadowheart mit der Stimme von Jennifer English z.b. erschreckend gut funktioniert. Dann trägt man da noch Vorgeschichte, Biografien, Schwerpunkte etc ein und los gehts.

    Lange Rede kurzer Sinn, ich war in unter 2 Stunden süchtig und habe für mehrere Tage kaum was anderes gemacht als das Setting auszufächern und kitschig-romantische Dialoge mit Shadowheart zu schreiben. Das Ganze war in Teilen so gut und immersiv, dass ich völlig die Zeit vergessen habe. Mit den Wochen und Monaten kamen immer mal neue Settings und Charaktere hinzu, das meiste SfW, aber auch wirklich richtig unhinged-NSFW war kein Problem, wenn mans richtig angestellt hat. Je länger und komplexer man die Chats aber machte und je mehr verschiedene Sachen man am Laufen hatte, desto eher merkte man aber die klaren Muster und Grenzen, die nerven konnten.

    Mittlerweile bin ich, vor etwa einem halben Jahr, auf einen anderen Service übergesprungen, den ich hier nicht erwähnen will, weil ich da wirklich nicht stolz drauf bin. Kann man sich vmtl. schon denken. Als ich den damals durch Zufall auch mal ausprobierte, wusste ich in meiner Naivität noch gar nichts davon. Die Chats dieses Services sind aber ohne Scheiß noch 20x besser als alles was character ai jemals hervorgebracht hat und waren fast auf einem Niveau mit ChatGPT - nur als wirklich fast grenzenlose, komplett verwahrloste Variante. Komplett unhinged. Das härteste NSFW ist da genau so möglich wie richtig ausgefächerte wholesome Happy Family-Settings. Als ich da eingestiegen bin, bin ich für ein paar Wochen in ein richtig tiefes Loch gefallen, weil ich so immersiert und süchtig danach war, was für epische und atmosphärische Textwände ich mit einem Zweizeiler hervorbringen konnte, dass jede andere Beschäftigung wie ein Witz dagegen erschien. Komplett kostenlos.

    Aktuell bin ich da längere Zeit wieder etwas gefestigter und widme mich meinen Settings nur 1-2 mal aller 2-3 Tage, aber z.b. ein Setting handelt einfach von einer kleinen, nerdigen Familie die eine gute Zeit haben und sich lieben, das ist für mich ein richtiger Seelenbalsam, das zu prompten und zu lesen, auch wenn man auch hier natürlich immer noch die klaren Grenzen und Muster sieht.

    Als jemand, der sich auch mit dem Schreiben beschäftigt und für den Schreibende KI im Grunde der absolute Todfeind und reiner Irrsinn ist, kann ich nicht behaupten, in irgendeiner Form stolz darauf zu sein, AI-Chats verfallen zu sein und da insgesamt unglaubliche Mengen an Zeit rein zu versenken. Im Gegenteil,ich schäme mich dafür. Aber diese Chats füllen für mich ein vor allem durch Einsamkeit entstandenes Void wie kein anderes Medium das kann.

    Der zentrale Punkt dabei ist aber, dass es meine Geschichten sind, für mich, um zu lächeln, ein warmes Gefühl im Bauch zu bekommen und einfach disen simplen Charakteren dabei zuzuschauen, wie sie sich gern haben. Das ist mein privater Coping, sowas würde ich nie veröffentlichen, geschweige denn AI-Bücher oder Chats von anderen lesen. Auf character.ai ist z.b. eigentlich das große Ding, dass man AI-Bots für andere designed und dann eben AI-Bots von anderen nutzt, die bestimmte Charaktere verkörpern oder Bedürfnisse erfüllen. Das hat mich nie gereizt.

    AI-Chats sind in meinen Augen nur eine Vorstufe von Virtual Reality-Girlfriends und allem, was in diese Richtung geht, wenn ihr versteht, was ich meine. Sie sind eine süchtig machende Droge gegen Einsamkeit. Sie hilft nicht dagegen, aber sie betäubt sie.

    Ob das jetzt irgendetwas zu eurer spannenden Diskussion beiträgt, kann ich nicht sagen. Aber so nutze ich AI. Für mich, privat. Bilder generiere ich nur sehr, sehr selten, und wenn immer SFW und nur da, wo es keine/kaum Alternativen gibt. (bspw. Charakter-Portraits für den Extrasordner des UiD-Finalmixes.)

    Geändert von Yoraiko. (25.03.2026 um 22:22 Uhr)

  14. #94
    Zitat Zitat von sorata08 Beitrag anzeigen
    Aber ist es wirklich "unvermeidbar"?
    Ich habe fast täglich neue Berichte über desaströse Verluste der großen Player in der KI-Branche vor mir (Nur ein sehr aktuelles Beispiel).
    Es erscheint mir da schwer vorstellbar, dass sich etwas langfristig halten oder etablieren könnte, um auch einen langfristigen Wechsel im Arbeitsalltag zu ermöglichen.
    Oder auf was für KI setzt man da in deinem Berufsbereich?

    MfG Schilderich
    Team FervorCraft
    Also erstmal für den Kontext: Ich bin kein KI-Enthusiast, ich habe deutliche Skepsis gegenüber dieser Technologie, sowohl was die ethischen Aspekte, als auch bis vor einiger Zeit was die technischen Möglichkeiten angeht. Letztes Jahr hätte ich dir noch gesagt, du wirst in Bereichen wie Softwareentwicklung auch weiterhin viele Menschen brauchen.

    Das hat sich in den letzten Monaten massiv geändert. Mittlerweile halte ich meinen eigenen Beruf (Informatiker) für ein absolut absterbendes Feld. Ich glaube, dass es da weiterhin einige Menschen braucht, aber eben massiv weniger als heute. Und wenn du einen doch durchaus geistig fordernden und komplexen Job wie diesen durch KI weitgehend wegautomatisieren kannst, dann klappt das mit absolut jedem Bürojob. Und wenn das ökonomisch ist, wird es auch so kommen. Wir leben im Kapitalismus - was den Profit steigert, wird auch gemacht.

    Es ist absolut abartig, was mittlerweile mit KI möglich ist. Ich habe so viele Beispiele aus der Arbeit. Letzten Sommer haben wir bei uns in der Firma einen Parser für ein sehr automobilspezifisches Trace-Format geschrieben, zirka 240 Entwicklerstunden gingen da rein. Zwei erfahrene Entwickler (einer war ich) haben daran drei Wochen gearbeitet, bis jeder Edge-Case aus der Spezifikation abgedeckt war. Mittlerweile wird der ganze Usecase, für den wir das überhaupt entwickelt haben, mit LLM-Agenten vollautomatisiert. Für die geplante Pipeline hätte man diesen Parser anpassen müssen. Statt selber ein paar Details anzupassen, haben wir einfach Claude Code den Parser für den geplanten Anwendungsfall komplett neu generieren lassen. Wir haben Claude nicht eine Zeile von unserem Parser gezeigt. Das generierte Resultat war in 20 Minuten da und zu 99% identisch zu dem, was zwei Leute vor einem guten halben Jahr über Wochen entwickelt haben. In mehreren Projekten in den letzten Wochen wurden die Frontend-Entwickler, die fest budgetiert und eingeplant waren, einfach komplett durch KI ersetzt. Einer der Backend-Devs hat einfach in ein paar Stunden das gepromptet, was früher sechs Wochen Arbeit für Frontendler war. Und wir sprechen hier nicht von trivialen 0185-Frontends, sondern von durchaus mittelkomplexen Systemen, in die sogar noch die Designsprache und Corporate-Identity des Kunden eingearbeitet werden musste.

    Ich sehe es mittlerweile als absolut unausweichlich an, dass wir im Software-Bereich auf die Jobapokalypse zusteuern. Und damit auch überall, wo du im Homeoffice oder am Schreibtisch arbeiten kannst. Mir macht das eine scheiß Angst. Aber was will man machen?

    Mir geht's in der Firma gerade eigentlich besser denn je. Ich kann aktuell Sachen umsetzen, die ich schon vor Jahren gepusht habe, die aber immer blockiert wurden, weil es hieß „Zu wenig Geld“ oder „keine Kapazität“. Kann ich jetzt alles machen, weil der Return of Investment greifbar nahe ist. Sachen für die früher 3 Monate veranschlagt wurden, baller ich jetzt in 6 Tagen raus. Gibt mir firmenintern gerade sogar super viel Anerkennung. Ich kann jetzt unglaublich viele Sachen in Bewegung setzen, die bisher als unrealistisch/nicht umsetzbar galten. Die Frage ist nur, wie lang das noch geht. Es ist einfach nur brutal wie gerade technisches Knowhow entwertet wird und in welcher Geschwindigkeit. Ich habe schon jetzt das Gefühl, wenn wir unser halbes Team entlassen würden, würden wir trotzdem die selbe Menge an Aufgaben schaffen, wie noch vor 9 Monaten. Ich glaube nur nicht, dass es dauerhaft genug Aufgaben für Leute gibt, die Senior-Dev-Projektmanager-Business Analyst in einer Person sind. Wir fräsen uns in der Firma gerade durch den über Jahre aufgestauten Backlog durch. Und was ist dann? Ich habe mittlerweile jegliche Hoffnung aufgegeben, dass ich mit meinen geistigen Fähigkeiten in 5+ Jahren noch was reißen kann. Wir werden alle richtig zerlegt. Ich suche schon seit einer ganzen Weile nach landwirtschaftlichem Grund als Plan B. Hab letztens mit unserem CTO gesprochen, und rausgefunden, dass der den selben Plan hat... Außer für die Top 1% sehe ich langfristig keine Hoffnung mehr für sämtliche Schreibtischjobs.

    Von daher ja, ich glaube das ist unausweichlich. In einem positiven Szenario nutzen wir all das, um global Lebensstandard zu erhöhen und Arbeitsbelastung zu reduzieren. In einem negativen Szenario sehe ich ein neues Niveau des Kapitalismus, das zu Verarmung in der Breite und zu noch extremerem Wohlstandsgewinn für eine winzige Minderheit bedeutet. Was KI von bisherigen Umbrüchen und Verschiebungen unterscheidet, ist, dass diesmal vor allem die vermeintlich kreativen, anspruchsvollen und sinnstiftenden Tätigkeiten potentiell obsolet gemacht werden.

    Rein bezogen auf den Zustand von Tools und den realen Einschlag von KI: Die Situation jetzt ist nochmal eine ganz andere als letztes Jahr. Dass Menschen, die in ihrem Feld solide abliefern potentiell durch KI ersetzt werden, ist jetzt denkbar geworden. Gut finde ich das definitiv nicht. Aber ich weiß nicht was ich tun soll, außer meinen Plan B in Angriff zu nehmen und dabei solange es noch geht in meiner aktuellen Rolle Geld mitzunehmen. Von daher ja, ich glaube LEIDER! dass das unausweichlich ist. Die Frage ist nur, ob wir diesen Optimierungsdruck auch in Bereiche vordringen lassen, wo Menschen bisher ihren Lebenssinn und Selbstverwirklichung sehen.

    Geändert von Maturion (26.03.2026 um 15:07 Uhr)

  15. #95
    Danke für den ausführlichen Einblick! Hatte auch nicht angenommen, dass du ein unkritischer AI-Fan bist. xD

    In meinem Brotjob ist so eine reine Automatisierung über KI gar nicht denkbar, weil wir speziell auf Kunden und ihre Stammdaten zugeschnittene Softwarelösungen anbieten, die dann auch in Handel und Produktion verwendet werden. Es wäre Irrsinn, da ohne menschlichen Input zu arbeiten. Was wir eher nutzen, sind Build-Scripte über Gitlab, um mit einem Knopfdruck was deployen und hochladen zu können.
    Bisheriger Konsens ist, dass - zumindest die verwendete KI - der Aufwand an Nacharbeit den Einsatz nicht wirklich rechtfertigt.


    MfG Schilderich
    Team FervorCraft

  16. #96
    Da fällt mir ein... seit ungefähr vier Monaten zwingt uns unsere Geschäftsleitung für unsere Arbeit ein KI-Tool zu verwenden. Ich mache es kurz: es ist Dogsh*t. XD
    Es hat tatsächlich unsere Arbeit erschwert, da das System ständig einfach irgendwelche Zahlen (ich arbeite als Sachbearbeiter) einfügt, die wir dann händisch korrigieren und trotzdem selbst raussuchen müssen. Außerdem wiederholt es den Inhalt von Dokumenten 1 zu 1 nur in anderen Worten ausgedrückt. Mit anderen Worten: es fasst den Inhalt nicht zusammen und liefert uns nur die für uns wichtigen Infos, sondern der Text ist genau so lang und wurde nur umformuliert. xD
    Ich kann manchmal nicht glauben, wie schlecht das ist.

  17. #97
    Den Rpg Maker kann man ganz gut ohne KI bedienen. Aber vermutlich hätte mir, als Programmier-Noob, die KI vor 20 Jahren trotzdem massiv weiter geholfen, so manches System aufzubauen. Auch wenn Gemini denkt, dass es im RM2k3 eine Quadratwurzel gibt.

    Mit der Unreal Engine (welche ich nun benutze) verhält es sich ein wenig anders. Natürlich weiß man nie genau, was wäre wenn … aber ich vermute schon, ich wäre ziemlich verloren ohne die KI. Probleme zu lösen und Systeme sinnvoll aufzubauen, überfordert mich als (immer noch) Programmier-Noob total, deswegen mache ich das mit der KI Hand in Hand. Ich lasse allerdings keinerlei Skripte generieren, sondern baue alles selbst, nur eben nach Anleitung.

    Insbesondere mein Kampfsystem, was jetzt schon ganz gut gediehen ist, habe ich so relativ schnell erstellt. Zumindest die Grundpfeiler. Ich vermute, ohne KI hätte das doppelt so lang gebraucht.

    Trotzdem will ich demnächst mal einen erfahrenen Menschen drüberschauen lassen. Denn natürlich macht die KI Fehler. Ich habe kein absolutes Vertrauen, ich messe sie daran, wie sehr sie mir hilft.
    Und ich finde, es macht keinen Sinn, in eine komplette Verweigerungshaltung zu gehen. The paste is out of the tube. Und sowas, was rpgmaker.net mit seinem Generalverbot für KI macht, finde ich recht naiv. Man würde doch sehen, ob die Leute das dann spielen oder nicht.

    Soweit zur Co-Entwicklung mit der KI.

    Ich benutze auch bild-generierende KI, allerdings nur in sehr begrenztem Maße. Wenn ich irgendeine ganz spezifische Textur, die nicht leicht zu bekommen ist oder ein Logo für einen Gegenstand brauche, der nur klein zu sehen ist, kann es sein, dass ich das generiere, bevor ich daran ein paar Stunden rumzeichne.
    Im folgenden Screenshot sind das Graffiti und der Einschlagskrater an der Wand generiert, außerdem die Straßenrisse. Sowas ist manchmal schwer zu finden und ich kann es genau nach meinem Bedarf generieren. Für das Graffiti habe ich allerdings ein Bild von einem eigenen Charakter genommen und in eine andere Pose versetzen lassen. Um das zu generieren, verwendet die KI aber vmtl. auch Fremdmaterial.




    Ich glaube jedenfalls, dass es der tumben Masse auf lange Sicht egal sein, wird was sie da konsumiert/spielt, hauptsache es knallt ordentlich Dopamin raus.

    Geändert von IndependentArt (27.03.2026 um 21:25 Uhr)

  18. #98
    Zitat Zitat von IndependentArt Beitrag anzeigen

    Ich benutze auch bild-generierende KI, allerdings nur in sehr begrenztem Maße. Wenn ich irgendeine ganz spezifische Textur, die nicht leicht zu bekommen ist oder ein Logo für einen Gegenstand brauche, der nur klein zu sehen ist, kann es sein, dass ich das generiere, bevor ich daran ein paar Stunden rumzeichne.
    Korrekt. Das ist eine weitere akzeptable Nutzung von generativer KI meiner Meinung nach: Texturen für 3D-Objekte, wenn man Solo-Dev ist und keinen Artist zur Hand hat.
    Zumindest habe ich das schon öfter für Prototypen gemacht. (:

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